Mit diesem "auf der Hut sein" meine ich nicht, dass man stets und ständig aufpassen muss in dem Sinne, daran zu denken, nur ja nicht in eine Situation zu geraten, wo man getriggert werden könnte oder gar in Versuchung geführt oder ...
Nein, damit meinte ich einfach, im Allgemeinen am Thema zu bleiben und nicht zu vergessen, dass man ein Suchtproblem hat(te) und das Suchtgedächtnis noch im Hinterstübchen da ist. Und im Allgemeinen auf sich selbst und seine Verfassung, seinen Gemütszustand achtet. Will ich wirklich zu dieser Veranstaltung/Feier/was auch immer hin? Wie lange will ich da bleiben? Komme ich da auch (alleine) wieder weg, wenn es mir nicht gut geht/mir die Leute/die Feier auf den Keks geht (Siehe Deine Feier)?
Ich bin nun 14 Jahre trocken. Finde ich schön. Und doch gab es vor nicht allzulanger Zeit eine Zeit, da ging es mir psychisch nicht so besonders gut - und ich merkte, dass die Flasche wieder am Horizont auftauchte. Also suchte ich mir schleunigst Hilfe in Form einer Therapeutin - jetzt ist alles wieder im Lot.
Nach meiner ersten Therapie fühlte ich mich stark, unbesiegbar. Geheilt. Und ich habe nicht mehr über das Thema Alkohol nachgedacht. Aus heutiger Sicht sage ich, dass ich deshalb nicht die Flasche auf mich zufliegen sah - bis ich sie am Hals hatte.
Zitat
Ich denke gar nicht mehr an Alkohol.
Ab und an denke ich :" früher hätte ich jetzt ne Flasche Wein aufgemacht ".
Das sind Gedanken, die ich als positiv empfinde, denn sie sagen mir ,dass ich früher die Probleme mit Alkohol "versucht habe zu lösen "und heute brauche ich das nicht mehr-ein Glück !!
Auch wenn man nicht regelmäßig in eine SHG geht - heute denke ich, solange man sich einfach nur ständig bewusst ist, welches Problem Einem am Hals hängt, kann man damit umgehen. Und wenn man hier darüber schreibt und liest, dann vergisst man nicht.
Ein Gruppenfreund hat damals für sich gemerkt, dass sein Alkoholkonsum zu hoch ist und hat in von sich aus reduziert und dann auf Null geschraubt. Das sollte eine vorrübergehende Maßnahme von einem Jahr sein. Daraus sind dann 10 Jahre ohne Alkohol geworden. In einem Urlaub hat er dann mal bei seiner Frau am Wein gerochen, danach probiert, am nächsten Tag sich selbst ein Glas bestellt, am übernächsten Tag eine Flasche. Und am darauffolgenden Tag hat er auf dem Markt dann 5 Flaschen gekauft, falls es den Wein im Hotel nicht mehr geben sollte. Und so ging es dann noch ein paar Jahre weiter, bis er in einer Entgiftung gelandet ist - und kurz darauf bei uns.
Erst durch die Gespräche mit uns ist ihm bewusst geworden, dass er Alkoholiker ist und was da im Urlaub abgegangen ist.
Das ist jetzt wieder 10 Jahre her. Aber dieses Mal hat er anders auf sich und sein Verhältnis zum Alkohol geschaut.
Solange Du an Alkohol in der Art denkst, was er mit Dir angestellt hat (und wieder anstellen würde!!) - solange ist das okay.
Wenn Du garnicht mehr an ihn denkst, ihn vergisst und nicht auf Dich achtest - dann wird es gefährlich. Denn dann kann er sich unbemerkt "anschleichen".
Und dann kommt dieses berühmte "Ich weiß gar nicht, wie das passieren konnte nixweiss0"
Von daher ist doch alles im grünen Bereich.
Gruß
Greenfox