Hallo, Ailin, und HERZLICH WILLKOMMEN hier im Forum :welcome:
Kurz zu mir: Ich bin m, 55, Alkoholiker und seit einigen Jahren trocken.
Vorweg: Keiner möchte Alkoholiker werden!
Ich habe ihn gefragt, ob er neben seiner Aggression seinen Kindern jetzt auch noch einen Alkoholiker als Vater antun will.
Natürlich WILL er Ihnen dies nicht "antun". Genauso wenig, wie ein Krebskranker dies seiner Familie antun will. Niemand will dies tun, nur um den anderen zu ärgern oder weil man die Familie, die Frau, die Kinder nicht liebt - es ist der Zwang der Sucht.
Und DASS er Alkoholiker ist ... dafür spricht Einiges. Zum Beispiel die ganzen Flaschen, die Du gefunden hast. Ich hatte früher auch so einige Verstecke und Depots. Und habe, als ich schon trocken war und dann mal den Keller aufgeräumt habe, meine damalige Frau prophylaktisch vorgewarnt, dass wir eventuell noch die eine oder andere finden könnten ... da ich auch einige Verstecke wieder vergessen hatte. Es war aber "nur" ein Flasche, die wir fanden.
Und zu Deiner Frage: Ja, Alkoholiker sind oft sehr gute Schausieler, die ihre Umwelt (und sich selbst) sehr gut täuschen können. Und diese versteckten Flaschen dienen einfach dazu, zwischendurch immer mal wieder den Pegel "aufzufüllen", "einen Hieb zu nehmen", eben um solche Entzugserscheinungen wie von Dir beschrieben (u.a. stark zitternde Hände) zu vermeiden, zu unterdrücken. Das heisst, er hat sich auf dieser Geburtstagsfeier zusammengerissen und nichts getrunken. Und es ist ihm dabei beschissen gegangen!
Vielen Pegeltrinkern merkt man nicht an, dass sie eigentlich betrunken sind - solange sie ihren Pegel haben. Ist dieser Pegel allerdings zu niedrig, kommen die Entzugserscheinungen, ist er zu hoch, merkt man ihm die Trunkenheit an. Und gegen die Fahne ... ich z.Bsp. war ein großer Fan von "Fisherman's Friend", man entwickelt besondere Sprechweisen, bei denen man nicht in die Richtung des Gesprächspartners atmet und, und, und ...
Mancher Alkoholiker trinkt eben offen, andere heimlich - und wieder andere unheimlich.
Ich habe ihn darauf angesprochen und er sagte zu mir er habe eingesehen, dass er Probleme habe. Er hätte seinen Konsum runtergefahren, würde nur noch am Wochenende und auch nicht mehr alleine trinken. Und würde nie Trinken, wenn er Auto fahren müsste.
Das klingt für mich wie meine Sprüche damals, um das Thema zu beenden und meine Ruhe zu haben, indem ich meine Frau "beruhigt" habe - bevor ich mich dem Problem tatsächlich gestellt habe. Denn wenn er TATSÄCHLICH eingesehen hätte, dass er ein Alkoholproblem hat, dann hätte er sich Hilfe geholt - Entgiftung, Suchtberatung, Therapeut, SHG ... irgendetwas in der Art. Und nicht "seinen Konsum runtergefahren" ... von täglich 1,5 o/oo auf 1,4 o/oo?? Und er trinkt jetzt nicht mehr alleine, sondern nur noch in Gesellschaft - in der Kneipe ???
Und wenn ein "Normalo" :sorry: zum Essen EIN Glas Wein trinkt, ist das noch halbwegs okay. Aber Deine Kiddys erzählen, er habe "Wein" (1, 2, 3 Gläser?) und noch nen Schnaps getrunken und ist anschließend Auto gefahren.
Wie sollst Du damit umgehen? ICH kann es Dir nicht sagen. Da gibt es viele Möglichkeiten.
Treffen der Kinder mit ihm nur unter Aufsicht; erst wieder, wenn er eine Entgiftung gemacht und eine Therapie begonnen hat ...
Hier kannst Du auch das Jugendamt mit ins Boot holen - nicht, um ihm das Sorge- und/oder Umgangsrecht zu entziehen, sondern um eben um den Umgang zu regeln.
Auf jeden Fall wünsche ich Dir viel Kraft und einen guten Austausch!
Gruß
Greenfox