Beiträge von Greenfox


    Guten Morgen,
    naja, ich finde dieses Beispiel hat nichts mit gesundem Egoismus zu tun.

    Ich finde, MEIN Beispiel hat schon etwas damit zu tun:

    Ich bin so erzogen worden, dass ich meine Bedürfnisse immer zurückstellte, immer für andere da war und immer meine Hilfe anbot. Ich war sozusagen ein seelischer Mülleimer.
    Ich bildete mir immer ein, nur so akzeptiert und geliebt zu werden. Ja, ich habe diesen totalen Quatsch jahrelang gelebt und es ging mir schlecht dabei, sehr schlecht...

    Hier bist Du der Typ, der mit Vollgas fährt, um anderen zu imponieren (ihnen zu gefallen) - ohne Rücksicht auf Deinen "Verbrauch". Dementsprechend geht es Dir schnell schlecht und Du bist leer.

    Ich übe mich in radikaler Selbstfürsorge und Eigenliebe. Ich darf NEIN sagen, ohne Begründung! Das ist ein unglaublich tolles Gefühl und gibt mir die Kraft, dauerhaft und zufrieden abstinent zu bleiben.

    Und indem Du nicht Vollgas fährst und auf Dich selbst achtest und Deine Kräfte schonst, kommst Du viel weiter. Und helfen kannst Du - im Rahmen Deiner Möglichkeiten - trotzdem.

    "gesunden Egoismus" (gesund, weil ich Andere dabei nicht verletze)

    Ich sehe "gesunden Egoismus" so, dass er gesund sein muss für MICH - denn nur wenn es mir gut geht, nur wenn ich lebe, kann ich auch anderen helfen (ohne dabei selbst [wieder] kaputt zu gehen).

    ;D

    In puncto SHG hast Du aber vollkommen recht - man muss sich wohlfühlen. Sonst bringt es garnix. Im Gegenteil - es kann sogar abschrecken.

    Ich habe mir nach meiner letzten Entgiftung das Heft der Landesstelle Berlin, in welchem sämtliche SHGs nach Suchtmitteln und Stadtbezirken geordnet aufgeführt sind, geholt und mir dan zwei Wochen lang jeden Tag eine andere Gruppe in meiner Umgebung (entweder in der Nähe meiner Wohnung oder meiner Arbeitsstelle bzw. auf dem Weg dazwischen) angeschaut.
    Und da waren einige dabei :o - fehlte nur noch, dass die im "Stumpfen Eck" o.ä. tagen. Andere wiederum waren so steif, die müssen irgendwo die Besenstiele geklaut haben.
    Jedenfalls habe ich mich dann für 2 Gruppen entschieden, wo ich mich auf Anhieb wohl und aufgehoben gefühlt habe. Und da es mich nicht interessiert hatte, wie die sich nennen, war es Zufall, dass beide Gruppen zum selben Verein gehören.
    Als ich dann nach ca. 3 Jahren für mich entschied, dass ich stabil genug bin und eine Gruppe reicht (hatte ja auch noch wieder ein Privatleben), musste ich echt die Münze entscheiden lassen ...

    Und der anderen Gruppe, die ich dann auch einige Jahre selbst geleitet habe (hätte mir früher mal jemand erzählen sollen), bin ich noch heute treu ...

    Blödes Beispiel, aber wenn ich eine strenge Diät mache, die ich einhalten muss, weil ich mir sonst gesundheitlich schade... darf ich dann auch nicht mehr Essen gehen?

    Yepp, das Beispiel ist wirklich nicht gerade sehr glücklich gewählt. Denn Alkoholismus ist zum Einen eine SUCHTerkrankung und zum anderen ist Alkohol eine bewusstseins- und wesensverändernde Substanz - im Gegensatz zu Essen.

    Und :sorry: wenn es vielleicht etwas vorwurfsvoll rüberkommt - aber das ist vielleicht ein Resultat meiner eigenen Erfahrungen und auch das Resultat der jahrelangen Besuche von Entgiftungsstationen und den entsprechenden Gesprächen mit den Patienten dort, die ich regelmäßig im Rahmen von Informationsabenden durchgeführt habe.

    Wenn Du irgendwann mal mit dem Gedanken spielen solltest, ob man nicht vielleicht doch ... nur EIN Gläschen ... dann setz Dich für eine Stunde vor so eine Entgiftungsstation und schau Dir die traurigen Gestalten an, die da rein und raus gehen und überleg Dir, ob Du wirklich früher oder später da landen möchtest ...

    Also nochmal :sorry:


    Ich hab mich vor 3 Wochen bei meinem Hausarzt " geoutet ".
    Tja ,und der eigentlich von mir erhoffte Warnschuss kam halt leider nicht. Meine Leberwerte sind top ( kann echt nicht sein) ,und er hat meine Organe geschallt ,und auch alles ok ????

    Wenn dein Arzt jetzt gesagt hätte: "So, Frau Unblau, dann melde ich sie jetzt für eine Entgiftung an..." - wie wäre denn deine Reaktion gewesen?

    Super Frage 44.
    Würde mich auch interessieren ...

    Mir macht nur dieses " nicht wissen wann schluss ist" starke sorgen und ich befürchte, das ich am anfang der sucht stehe. Daher interessieren much eure Erfahrungen sehr ...

    Der beste Rat, den ICH bekommen habe ist: "Lass das erste Glas stehen."
    Das könnte Dir auch bei DEINEM Problem helfen ;)

    Als mich dann aber alles überrollte, als ich plötzlich Termine nicht mehr einhalten konnte und völlig zerbastelt zu einem starren Klops mutierte, da bin ich durchgestartet.
    Ich attestierte mir also selbst: Du bist Alkoholikerin. Das klang seltsam, aber sozusagen auch sachlich richtig.
    Ich murmelte also dieses Wort noch einmal paar Mal vor mich hin, und weil es mir eine tolle Idee schien, griff ich zum Hörer und sagte ein Vorstellungsgespräch mit der Begründung ab, ich hätte gerade festgestellt, dass ich Alkoholikerin sei und wahrscheinlich momentan ungeeignet für die Stelle. Das Pfeifen, als die Dame am Telefon nach Luft rang, hatte ich lange noch im Ohr.
    Und dann bin ich halt durchgestartet: Einen kalten Entzug gemacht – damals wusste ich noch nicht, dass es lebensgefährlich sein kann - und sofort danach einen stationären Entzug von drei Wochen.
    Selbst in dieser Situation wollte ich wohl plötzlich wieder brav funktionieren und bloß niemandem zur Last fallen.

    Anschließend habe ich eine reale SHG nach der nächsten abgegrast, bis ich eine gefunden hatte, in der ich mich wohl gefühlt habe. Aber seit dieser Zeit hatte ich nie einen Zweifel daran, dass ich Alkoholikerin bin.

    Wow!
    Versteh mich jetzt bitte, bitte nicht falsch - aber irgendwie klingt das Ganze für mich etwas schizophren: Erst legst Du so einen Auftritt hin - und nun ...
    Tja, aber so sind wir nun mal, so unlogisch :-[

    Es ist gut, dass Du Dir jetzt auch eine reale SHG suchst 44.

    4 Wochen ohne ,nee ,das packe ich echt nicht.

    Wenn Du alleine schon bei dem Gedanken die weiße Fahne schwenken musst, dann handelt es sich definitiv nicht mehr um Missbrauch ... aber das weisst Du schon längst.
    Aber sich die eigene Tasche vollzulügen ist eben einfacher als etwas daran zu ändern!

    Und bevor Du jetzt Luft holst - ich weiss, wovon ich rede! Habe mir schließlich selbst lange genug die Taschen vollgelogen und selbst bei Tests ("Sind Sie schon Alkoholiker oder nur gefährdet" o.ä.) beschissen, obwohl ich sie nur für mich selbst gemacht habe. Und selbstverständlich waren diese Tests der größte Mumpitz, weil trotzdem immernoch das Ergebnis mindestens "Missbrauch " war ...

    Du kannst jetzt Deinen Ärger über meine Worte mit einem schönen großen Bier runterspülen - oder Dir überlegen, ob das Leben Dir nicht doch noch mehr zu bieten hat. Ob Du Dein Leben weiter vom Alkohol bestimmen lassen willst - oder dies endlich selbst übernehmen willst.

    Leider habe ich nur einen Teilzeitjob .Ne 40 h Woche wäre für mich echt besser ,da hätte ich viel weniger Zeit zum konsumieren.

    Sorry, aber: Träum weiter! Das ist ist nichts weiter als ein weiterer Selbstbetrug!

    Okay, damit Du nicht das Gefühl bekommst, dass ich Dich "missionieren" oder bequatschen will - es gibt hier noch genug andere Betroffene, die Dir ihre Geschichte erzählen können.
    Ich halt mich erstmal raus.

    Danke ,Grünfuchs ,dass Du geantwortet hast .

    Wäre schön, wenn Du beim Greenfox bleibst - und Dir nicht neue Namen ausdenkst. Danke!

    Irgendwie glaube ich immer noch, dass ich nur schwersten Alkoholmißbrauch betreibe ,und noch nicht komplett körperlich abhängig bin.
    ...
    Ich will nicht trocken werden ,weil ich mich nicht "nass" fühle.Ich will einfach nur meinen Konsum drastisch reduzieren.

    Dann versuch doch mal, Dich für nur 4 Wochen auf Null zu reduzieren - dann weisst Du, wo Du stehst.

    Ich würde mich sehr freuen ,wenn hier einfach mal etwas Resonanz auf mich stattfindet .

    nixweiss0 Versteh ich jetzt nicht wirklich ...

    Hallo und Herzlich Willkommen hier im Forum :welcome:

    Kurz zu mir: Ich bin m, 55, Alkoholiker und nun schon einige Jahre trocken und in der Suchtselbsthilfe aktiv.

    Früher dachte ich auch mal, der Alk "hilft". Aber die Probleme waren nicht verschwunden - sie waren am nächsten Tag dann nur oben auf dem Berg, wo schon die ganzen anderen Probleme lagen.
    Und dieser beschissene Berg wurde immer höher.

    Man kann die Probleme nicht runterspülen - sie schwimmen immer oben. Und es ist auch eine altbekannte Weisheit, das Alkohol ein hervorragendes Lösungsmittel ist: Es löst Familien, Ehen, Freundschaften, Arbeitsverhältnisse, Bankkonten, Leber- und Gehirnzellen auf. – Es löst nur keine Probleme.

    Aber darauf bist Du höchstwahrscheinlich schon selbst gekommen. Ich denke mal, sonst wärst Du nicht hier.

    Was erwartest Du von uns? Was erwartest Du von Dir? Was möchtest Du erreichen?

    Wenn Du Fragen hast - immer raus damit!

    Gruß
    Greenfox

    Zunächst einmal: Herzlich Willkommen hier im Forum :welcome:

    Kurz zu mir: Ich bin m, 55, Alkoholiker - und seit einigen Jahren trocken und in der Suchtselbsthilfe aktiv.

    Ich trinke nur bier, aber wenn dann exzesiv.

    Zu diesem "nur" Bier - guckst Du hier.

    Ich habe nur eine Frage an Dich: Was für eine Einschätzung zu Deinem Trinkverhalten erwartest Du von uns nixweiss0

    Ein: "Alles dufte - mach weiter so 44." dürfte aller Wahrscheinlichkeit nach nicht zu erwarten sein ...

    Gruß
    Greenfox

    Dass ich Prioritäten besser setzen kann, gehört auch zur Nüchternheit. Zuerst ist mein Leben auf der Reihe, dann profitiert auch meine unmittelbare Umgebung davon. Und wenn Lust und Energie noch weiter reichen, mache ich auch was für Andere, das muss dann jedoch so abgestimmt werden, dass es für alle Beteiligten passt, und für mich natürlich auch.
    Im Zweifelsfall hilft "Nein" sagen..sowieso eine nüchterne Tugend.

    Yepp - für MICH nennt sich das "gesunder Egoismus" 44.

    Ein Fondue-Abend ist ja auch nicht gleichzusetzen mit einer Feier, bei der Alkohol konsumiert wird.
    Aber am Wichtigsten ist doch, VORHER seiner Umgebung - zumindest aber seiner Familie und den wichtigsten Freunden - gegenüber zu kommunizieren, dass man keinen Alkohol mehr trinkt!
    Am Einfachsten ist es, hierbei auch den wahren Grund zu benennen: Zum Einen "kennen" ihn die meisten sowieso (Wer glaubt, dass niemand etwas bemerkt hat, glaubt auch noch an den Klapperstorch!) und zum Anderen hat man dann auch einen gewissen Rückhalt.

    Angenehmer Nebeneffekt: Man muss sich nicht immer wieder neue Ausreden überlegen - und merken, welche man gerade benutzt hat. Und dieses "Ausreden benutzen" (sprich: Lügen und betrügen) hat man ja schon die ganze Zeit getan - und das sollte doch der Vergangenheit angehören. Oder?!?

    Hallo, Engel!

    Ich (m, 55) bin Alkoholiker, seit einigen Jahren trocken und in der Suchtselbsthilfe aktiv.

    Du musst das nicht mehr herausfinden. Du weißt es schon.

    Dem kann ich eigentlich nichts mehr hinzufügen, so traurig es (für Dich) auch ist.
    Wenn ich Deinen Post lese, dann sehe ich, wie schlecht es Dir geht. Du klammerst Dich an seine Trinkpausen, weil er ja dann lieb und nett und fürsorglich ist.
    Na toll.

    Sorry, aber alle seine Ausreden, die Du da aufgeführt hast

    Zitat

    Es ist sogar schon so, dass er vorm weggehen Olivenöl trinkt (1-2 Löffel), damit er nicht so Sodbrennen bekommt (hat ihm ein Arzt gesagt oder er hat es irgendwo gelesen). Er schiebt dann auch häufig den Vollrausch auf so Sachen „heute habe ich das Olivenöl vergessen, deshalb ist es so gekommen“, „Die Luft in der Kneipe war so schlecht, deshalb hat der Alkohol so angeschlagen“, etc.

    und noch etliche mehr kenne ich zur Genüge!

    Und wenn Du Dich hier mal ein wenig durchliest, wirst Du sehen, dass wir alle - Betroffene und Angehörige - dieselben Erfahrungen gemacht haben: mit gut/streng Zureden wirst Du überhaupt NICHTS erreichen! Du kannst Dich nur um DICH kümmern, Dir selbst helfen.

    Von daher wünsche ich Dir hier einen guten Austausch, damit Du ein paar gute Tipps bekommst.

    Gruß
    Greenfox

    Hallo, Andreas, und HERZLICH WILLKOMMEN hier im Forum :welcome:

    Kurz zu mir: Ich bin m, 55, Alkoholiker, seit einigen Jahren trocken und in der Suchtselbsthilfe aktiv.

    Schön, dass Du gemerkt hast, dass der Alk Dich in den Abgrund zieht und Du etwas dagegen tun willst. Auch wenn Du (vermutlich aus Unwissenheit) den gefährlichsten Weg über den "kalten Entzug" genommen hast.
    Ist ja zum Glück gut gegangen ...

    Gut auch, dass Du Dir Hilfe in Form der AA gesucht hast. Anknüpfend an Rekonvaleszent seine Frage: Hast Du Dir auch andere Gruppen mal angeschaut - oder nur die AA, weil sie die bekanntesten sind?
    Ich frage nicht weil ich etwas gegen die AA habe (im Gegenteil) - sie sind nur nicht ... "meins". Denn es gibt so viele verschiedene SHG: Monolog-, Dialog-Gruppen, angeleitete, reine Betroffenengruppen ... Und ich mag eben eher Dialog. Aber das ist eben MEIN Ding.
    Nur: Wenn man nicht weiss, dass es verschiedene Arten von SHG gibt ... oder dass "Kalter Entzug" gefährlich ist ... oder es nicht nur Vanille-Eis gibt ;)

    Ich hoffe, Du verstehst, was ich meine.

    Ich will wieder der Mensch sein welcher ich vor dem Alkohol war.

    Das kannst Du knicken.
    Denn die Erfahrungen - positive und negative -, die Du bis heute mit/wegen dem Alk gemacht hast, haben Dich geprägt. Meine persönliche Erfahrung sowie die Erzählungen vieler Betroffener haben mir gezeigt, dass man nicht mehr derselbe ist wie früher. Man sieht und beurteilt Vieles anders.

    Aber jetzt konzentriere Dich erst einmal auf Dich und Deinen weiteren Weg. Was in xx Jahren sein wird, wirst Du ja dann sehen ...

    Gruß
    Greenfox

    Ich freue mich für Dich, dass es (trotz unserer Unkenrufe) so gut gelaufen ist :)

    Bei MIR war es früher so - und deshalb wollten mir auch viele Freunde Bekannte damals mein Outing auch erst nicht glauben - dass ich mich auf solchen Feiern/Treffen arg zusammengerissen und zurückgehalten habe. Und wenn ich mit dem Auto da war, habe ich auch mal nichts getrunken schwitz..
    Aber WEHE, ich war dann endlich zu Hause - dann habe ich alles nachgeholt. Dann MUSSTE ich alles nachholen!

    Und auch später hatte ich auf Feiern selbst nicht so die Probleme - eher danach. Deshalb habe ich es vermieden, welche zu besuchen bzw. habe mich abgesichert, dass ich auch jederzeit dort alleine wegkomme (wenn also mit dem Auto, dann so, dass ich nicht noch jemanden mitnehmen "musste").
    UND ich habe mich vorher immer gefragt: WILL ich auf diese Feier wirklich unbedingt hin - oder ist da irgendwo in mir etwas, das sich sträubt/wehrt??
    Sobald ich nicht 100%ig dort hin WOLLTE, bin ich auch nicht hingegangen.

    Übrigens/allerdings habe ich das auch offen so kommuniziert. Ich bin also aggressiv offen mit meiner Sucht umgegangen, um JEDEM etwaigen Wind aus den Segeln zu nehmen. Ich habe gesagt, dass ich Alkoholiker bin, trocken - und trocken bleiben möchte. Daher werde ich keinen Alkohol mehr trinken und jeder, der mir trotzdem welchen anbietet, ist für mich "gestorben". Und ich habe auch gleich zu Beginn (und nur einmal) gesagt, dass es kein Affront o.ä. ist/sein soll, wenn ich von einer Feier ohne mich von jedem zu verabschieden verschwinde - sondern einfach nur Selbstschutz.
    Es sind zwar einige Kinnladen runtergefallen, aber es haben alle verstanden und ich hatte nicht eine einzige negative Reaktion. Im Gegenteil.