Hallo und HERZLICH WILLKOMMEN hier bei uns im Forum :welcome:
Kurz zu mir: Ich bin m, 57, Alkoholiker und nach mehreren Anläufen nun schon einige Jahre trocken (sehr zufrieden damit - es fehlt mir absolut NICHTS) und auch schon einige Jahre in der Suchtselbsthilfe unterwegs.
Kann ja sein, dass es vielleicht falsch rüberkommt bzw bei mir ankommt, aber für mich hört es sich so an wie: "Oh man - wegen Corona kann ich jetzt nicht aufhören zu saufen, weil keine Selbsthilfegruppen stattfinden!"
Also, ICH konnte früher nicht aufhören, weil es auf Arbeit einfach zu viel Stress gab. Wäre es wenigstens ETWAS weniger - ja DANN ...
Oder weil Montag war ...
Ich habe immer Ausreden gefunden, warum ich einfach nicht aufhören KONNTE.
Erst, als ich wirklich aufhören WOLLTE, habe ich mir Hilfe gesucht. Und die bestand nicht nur darin, zu Selbsthilfegruppen zu gehen. Natürlich hat mir auch das unheimlich geholfen, das Reden über meine Probleme, meine Ängste, mein Verlangen ...
Hauptsächlich aber habe ich mir angehört, wie die Anderen damit umgegangen sind und welche Strategien sie entwickelt (oder übernommen) haben, was ihnen geholfen hat und was nicht.
Und dann habe ich das, was mir für mich sinnvoll erschien, übernommen.
Was nicht funktionierte, wurde verworfen ...
So habe ich z.Bsp. natürlich als Erstes mit meiner Frau gesprochen. Wir haben als Zweites vereinbart, dass die Wohnung alkoholfreie Zone ist. Wenn mich der Jieper überkommt, kann ich so nicht einfach nur zum (Kühl)Schrank gehen und mir etwas nehmen, sondern muss erst irgendwie etwas organisieren - Zeit, wieder zur Besinnung zu kommen. Und wie mich die Erfahrung gelehrt hat, dauern solche "Anfälle" meist nur wenige Minuten. Als Drittes habe ich meinen Freunden erzählt, wie es um mich steht - und warum es deshalb bei uns also keinen Alkohol mehr gibt. Sie sind übrigens trotzdem noch zu uns gekommen.
Und Viertens habe ich mir eine Strategie überlegt, wenn ich woanders hingehe, wo es Alkohol gibt: Gehe ich überhaupt hin? Wie komme ich dort wieder weg, wenn es mir zuviel wird? Was sage ich, wenn mir Alkohol angeboten wird? Bzw. was sage ich, wenn er mir aufgedrängt wird?
Und noch einige Punkte mehr. Das hört sich jetzt ziemlich viel und komplex und kompliziert an - ist es aber eigentlich nicht. Abgesehen davon, dass es MEINE Strategie ist/war.
Über 2 Dinge muss man sich aber im Klaren sein:
1. Das Wichtigste ist absolute Ehrlichkeit sich selbst gegenüber! Es nutzt Niemandem, wenn man sich selbst belügt. Man schadet nur sich selbst.
2. Es macht nur Sinn, etwas für sich selbst verändern zu wollen - einen Job kann man trotzdem verlieren, die Gesundheit - es gibt unverschuldete Unfälle, und auch die Liebe geht manchmal seltsame Wege (ich bin mittlerweile auch geschieden - und trotzdem/erst recht noch trocken).
Das waren ein paar Gedanken von mir.
Ich wünsche Dir viel Erfolg.
Gruß
Greenfox