Beiträge von Greenfox

    Hallo, Jana!

    Ich bin selbst Alkoholiker, aber - nach mehreren Anläufen - nun schon einige Jahr trocken. Und trotzdem kann ich mich noch verdammt gut an die Zeit erinnern ... vielleicht, weil ich auch seit einigen Jahren in der Suchtselbsthilfe aktiv bin, UM nicht zu vergessen.

    Und ich kann nur Rina und Gerchla vollumfänglich zustimmen: Sprich mit Deinem Mann darüber, sag ihm klipp und klar, was seine Sucht mit Dir macht und setz ihm ruhig auch ein Ultimatum/die Pistole auf die Brust - "Wenn Du nicht etwas änderst und Dir Hilfe suchst, dann ...". Und zieh das Ultimatum aber auch durch, dafür sind Grenzen schließlich da! Sag ihm aber ruhig auch, dass Du für ihn da bist und ihn unterstützt, WENN er etwas unternimmt (z.Bsp. Therapie o.ä.).
    Betonung liegt dann aber auch auf: Wenn er etwas UNTERNIMMT - nicht auf: Wenn er SAGT, dass er etwas unternehmen wird!

    Du solltest den Focus in erster Linie auf DEIN Wohlergehen legen - denn seine Sucht liegt in SEINER Hand. Da kannst Du gar nichts tun. Im schlimmsten Fall redest Du Dir den Mund fusselig und reibst Dich auf, er erzählt Dir, was Du hören willst und ändert überhaupt nichts - und Dir geht es immer schlechter und schlechter.
    Also setz Grenzen (auch für Dich), benenne Konsequenzen - und ziehe es auch durch. Auch wenn es hartherzig klingt.
    Und vor allem, wenn er dann ankommt und Dir die Schuld zuweist, warum er (mal wieder/weiter) trinkt ...

    Gruß
    Greenfox


    Aber schlimm finde ich ,wenn man sich ein Leben lang als Alkoholiker bezeichnen muss und sich damit seine Krankheit dauernd vor Augen hält, obwohl man seit Jahren abstinent ist.
    Da vermittelt man sich selbst doch ein ganz falsches Bild.

    Niemand MUSS sich als Alkoholiker/in bezeichnen.
    Man sollte sich aber immer klar machen, im Hinterkopf behalten, dass auch nach Jahren der Abstinenz immer noch die Sucht in einem lauert. Ich habe leider etliche Menschen kennengelernt, die auch nach 10, 20 Jahren der Abstinenz wieder rückfällig geworden sind. So unter anderem auch mein "Mentor", der mich zu Arbeit in der Suchtselbsthilfe gebracht hat - nach fast 20 Jahren hat er aus mir unbekannten Gründen wieder zur Flasche gegriffen und sich zu Tode gesoffen ;(

    Wenn man das nicht im Hinterkopf hat, DANN vermittelt man sich selbst ein falsches Bild!

    Gruß
    Greenfox

    Hallo, Organina!

    Auch von mir ein (verspätetes) HERZLICH WILLKOMMEN hier im Forum :welcome:

    Ganz kurz zu mir: Ich bin m, 57, Alkoholiker, nach mehreren Anläufen nun seit etwas über 12 Jahren trocken und seit ca. 10 Jahren in der Suchtselbsthilfe unterwegs.

    Jetzt versuche ich ,nach und nach mein Leben wiederherzustellen..erst mal Finger weg vom Alkohol und den Geist klar kriegen.

    Ich führe seit 3 Jahren ein Doppelleben oder eines das ich nicht mehr will und den Ausstieg nicht schaffe.
    Ich kann davon nicht berichten,zu groß ist die Angst ,dass es raus kommt.
    Im Prinzip belüge ich mich seit Jahren selbst und tu Dinge,die ich nicht will und ich weiß was ich tun sollte schaffe es aber nicht ,mich selbst an die Hand zu nehmen und die Wahrheit auszusprechen. Sicher ist das auch in meiner Psyche eine stark verwurzelte Angst , die auch zum Alkkonsum führte.

    Ich habe im Laufe der Zeit gelernt bzw. für mich selbst festgestellt, dass das A und O auf dem Weg aus der Sucht ist, mit dem Selbstbetrug aufzuhören. Man muss aufhören, sich selbst zu belügen - erst dann kann man auch aufhören, sein Umfeld ständig zu betrügen. Denn ich habe damals festgestellt, dass ich meistens die Lügen, die ich meinem Umfeld auftischte, mehr oder weniger selbst glaubte, glauben wollte. Obwohl ich es ja eigentlich besser wusste.
    Und ich habe mir auch immer wieder eingeredet, dass ich es schon alleine schaffen würde - was natürlich absoluter Mumpitz war.

    Würde ich jemanden davon erzählen, dass ich einen problematischen Umgang mit Alkohol habe,würde mir niemand glauben.

    Vielleicht würdest Du Dich auch wundern. Vielleicht würde auch der Eine oder die Andere aus Deinem Umfeld sagen "Na endlich - ich wusste einfach nicht, wie ich Dich darauf ansprechen soll!"?!
    Was meinst Du, wieviel die Menschen mitbekommen - und nur nichts sagaen, weil sie unsicher sind?
    Wie oft habe ich gehört: "Mein/e Kind/er hat aber nie etwas mitbekommen!" So ähnlich habe ich auch gedacht. Bis ich von meiner damals 4jährigen Tochter den Hammer schlechthin vor den Kopf geknallt bekommen habe: "Ich will nicht mit Papa kuscheln - der stinkt und is besoffen!" :o :( Bumm - das hat gesessen! Und trotzdem habe ich noch über ein Jahr gebraucht, bevor ich eine Therapie gemacht habe ...

    Mit dem Belügen der Umwelt hilfst Du niemandem - Du schadest nur Dir selbst!

    Gruß
    Greenfox


    Ich kenne das, dass man sich angesichts der Erfolgsgeschichten anderer so klein fühlt und dass man sich irgendwie nicht zugehörig fühlt, weil man nicht solche Stories erzählen kann wie andere. Zum Beispiel solche, dass man kein richtiger Alkoholiker ist, wenn man nicht so richtig abgestürzt ist.

    Mir ging gerade etwas durch den Kopf, was ein Gruppenfreund mal sagte:

    "Wenn Du mal wieder die "Problemchen" eines Anderen belächelst, dann frage Dich doch mal: Wessen Probleme sind die grössten? - Es sind immer die eigenen!"

    Recht hatte er!!

    Gruß
    Greenfox

    Könnte mir jemand sagen, falls erwünscht, wo ich hier die jetzige Situation und die Gründe schildern kann?

    Da bist Du genau HIER richtig. Damit meine ich jetzt nicht unbedingt unser Forum (Eigenlob stinkt ja bekanntlich und ich bin nicht Mr. D.T.) - sondern den Vorstellungsbereich.
    Und diese Umfrage finde ich als "Vorstellung" mehr als unglücklich - ist meine persönliche Meinung.

    Aber kurz zu mir:

    Ich bin m, 57, Alkoholiker, nach mehreren Anläufen nun seit etwas über 12 Jahren trocken (und sehr zufrieden damit - es fehlt mir NICHTS) und auch seit mehreren Jahren in der Suchtselbsthilfe aktiv.

    Früher habe ich auch versucht, mich wie Baron Münchhausen selbst aus dem Sumpf zu ziehen. Ich habe mit NIEMANDEM über meine Problem mit (bzw. ohne Alkohol) gesprochen, habe alles in mich hineingefressen. Habe versucht, meinen Konsum zu reduzieren, zu kontrollieren ...
    Und das hat natürlich nicht funktioniert - es wurde immer anstrengender und anstrengender, die mir selbst auferlegten Regeln einzuhalten, bis ich schließlich explodiert bin und sie über Bord geworfen habe.
    Erst als ich mich darauf eingelassen und mir Hilfe gesucht und sie angenommen habe - erst da hat es funktioniert. FÜR MICH. Ich habe mir Selbsthilfegruppen gesucht (zu Beginn tatsächlich mehrere), einen Therapeuten, habe mich geöffnet, darüber geredet, Gefühle zugelassen und nicht mehr weggedrückt und betäubt ...

    Aber jeder muss seinen eigenen Weg finden. Wir können Dir hier nur von unseren Wegen erzählen und Dir so Anregungen geben.

    Gruß
    Greenfox

    Schön, dass hier so schnell geholfen werden konnte. Alleine durch das Lesen und Antworten.

    Ich habe Letztens in einem Interview von einem Suchtpsychologen gehört, dass es eine sehr dunkle Seite der ganzen Pandemie und der daraus resultierenden Maßnahmen - vor allem der LockDown und die nicht mehr stattfindenden realen SHG! - ist, die auch sehr deutlich in den Kliniken zu beobachten sei.
    Der Mensch ist nunmal ein soziales Wesen (normalerweise) und benötigt soziale Kontakte für seine seelische Gesundheit. Und auch wenn man die Notwendigkeit einsieht, Kontakte zu minimieren, um die Pandemie einzudämmen - es schlägt auf die Psyche, natürlich. Man kann nicht mehr einfach so Freunde treffen, seine Eltern, Geschwister, ins Kino, Theater, Kino, Restaurant gehen - man ist quasi eingesperrt.

    Und dass dann solche düsteren Gedanken aufkommen ...

    Es ist eine Scheiß-Zeit momentan. Ich hoffe sehr, dass wir alle gut da durch kommen und Du, Rina (und alle anderen, die es erwischt hat), schnell wieder gesund wirst!!

    Gruß
    Greenfox

    Ist ja schön, dass Du als Neuling hier so eine Umfrage startest.
    Noch schöner (und mE höflicher) wäre gewesen, wenn Du etwas zum Sinn/Zweck dieser Umfage sagen würdest ... Einen "wissenschaftlichen" Sinn sehe ICH jedenfalls nicht.


    Man könnte jetzt mal hier unter den Langzeittrockenen fragen, also bei allen, die meinetwegen länger als 5 Jahre trocken sind, ob bei ihnen noch Situationen auftreten, wo sie wirklich drüber nachdenken, was zu trinken. Und wo sie sich wirklich überlegen müssen, was passieren könnte, um sich selbst davon abzuhalten. Ich bin da ganz bei Gerchla, wenn das immer noch eine Option wäre, zu der ich nur aus Angst vor den Erfahrungen der Vergangenheit nicht greifen würde, dann wäre ich immer gefährdet.

    Ich bin jetzt seit etwas über 12 Jahren trocken und auch sehr zufrieden damit. In den letzten 3 Jahren haben sich 2 Mal Situationen ergeben, wo die Flasche (bildlich gesagt) wieder "am Horizont" aufgetaucht ist. Und damit sie erst gar nicht in Griffweite kommt, habe ich mir gleich Hilfe in Form eines Therapeuten gesucht. Was allerdings nicht gerade einfach war. Aber auch die Suche nach einem Therapeuten, die aktive Auseinandersetzung mit meiner Situation hat mir schon geholfen.


    Mein "trockenes" Leben hat sich gründlich eingeschliffen. Dennoch habe ich mir den Respekt vor der Krankheit bewahrt, der vielfach verwendete Begriff der Demut ist mir zu unterwürfig. Mein sicherlich noch intaktes Suchtgedächtnis kann mich immer noch mal piesacken. Ich fühle mich sicher, ohne leichtsinnig zu werden.

    Ich fühle mich sicher, weil ich nicht leichtsinnig bin, weil ich achtsam bin, auf mich und meine Gefühle höre. Und das habe ich erst im Laufe der Zeit gelernt.
    Und ganz früher habe ich meine Gefühle mit dem Alkohol betäubt - und damit noch mehr gesoffen. Dadurch Depressionen bekommen. Die ich dann mit Alkohol betäubt habe. Teufelskreis.

    Na, das liest sich doch schon ganz gut. Du bist auf einem guten Weg 44.
    Eine Woche ohne Alkohol hört sich vielleicht erstmal wenig an, ABER: Jede Reise beginnt mit einem ersten Schritt. Und wenn mann Schritt für Schritt geht und irgendwann mal zurückblickt, dann ist man vielleicht erstaunt, wie weit man doch schon gekommen ist.

    Nein, eine Sozialphobie habe ich zum Glück nicht, nur das, was schwere Depressionen recht häufig so mit sich bringen.

    Hier möchte ich nur sagen, dass ich es selbst erlebt, aber auch sehr oft von Anderen Betroffenen gehört habe: Mit dem Ausstieg aus dem Alkoholkonsum haben sich die Depressionen wenn nicht (wie bei mir) ganz verflüchtigt, so doch erheblich verbessert/verringert.
    Auch bei Gesprächen mit Therapeuten bei verschiedenen Suchtselbsthilfetagungen wurde mir gesagt, dass bei der Behandlung von Depressionen erst/vorrangig Wert auf die Behandlung von Suchterkrankungen gelegt wird, da gerade bewusstseinsverändernde Suchtstoffe (Alkohol, THC etc.) Depressionen befördern können, zumindest aber deren Behandlung erschweren. Vor Allem muss geklärt werden, was Ei und was Henne ist: Trinkt man, weil man Depressionen hat (benutzt also den Alkohol als "Medikament") - oder hat man Depressionen, weil man trinkt. Die weitaus meisten Menschen haben Depressionen/sind depressiv, weil sie trinken und keinen Ausweg finden.

    Es tut mir leid, dass Du anscheinend so schlechte Erfahrungen mit SHG gemacht hast. Nun, ich habe selbst SHG kennengelernt, die als leuchtend schlechtes Beispiel dienen könnten. Aber genau deshalb sage ich immer wieder, dass man sich mehrere verschiedene anschauen soll - persönlich. Denn selbst innerhalb eines Vereins sind die verschiedenen Gruppen nicht gleich - eben weil es die Menschen nicht sind. Als ich vor über 12 Jahren meine Reise begann, habe ich mir fast 3 Wochen lang jeden Tag eine andere Gruppe angeschaut (hier in Berlin ist das möglich - ich habe noch längst nicht alle "ausprobiert"). Und dabei habe ich überhaupt nicht auf den/die Namen der Vereine geachtet. Ich habe einfach nur geschaut, wie es dort in der Gruppe abläuft, wie es IN der Gruppe zugeht, ob ich mich dort wohlfühlen würde. Und als ich mich dann für 2 Gruppen entschieden habe, war ich doch etwas erstaunt, dass sie beide zum selben Verein gehörten. Wie gesagt: Das war für mich absolut kein Kriterium.

    Ich hatte gehofft, dass man - auch und gerade du - mir etwas die Angst nehmen könnt, zu einer Selbsthilfegruppe zu gehen. Einfach so irgendwo aufschlagen, kann ich nicht. ... Wenn ich einen Termin vor mir habe, muss ich mich innerlich darauf vorbereiten und das hab ich eben auf meine Art versucht.

    Ich weiß nicht, wie Du es Dir sonst vorstellst. Wie gesagt, ich kenne es so, dass man einfach hingeht und sagt "Hallo, ich bin XY und möchte erstmal zuhören." Das habe ich damals so gemacht und mache es auch heute noch so, wenn ich im Urlaub einfach mal eine Gruppe besuchen will (okay, momentan ist das etwas schwierig bis unmöglich :( ). Aber wenn mir jemand erzählt, er braucht für eine SHG einen Termin, dann klingelt bei mir eine "Alarmglocke".
    Wenn Du aber eine Sozialphobie (?) hast, dann wäre wohl ein Einzeltherapeut vermutlich angeratener - und da bin ich absolut kein Ansprechpartner/Kenner der Szene. Ich hatte die ersten knapp 2 Jahre einen Einzeltherapeuten und bin sehr happy, dass ich ihn hatte, aber das war es auch schon mit meinen Erfahrungen ...

    Achso:


    Hallo Greenfox,
    ich hab erstmal etwas gebraucht, um deine Nachricht zu verdauen. Erst als ich sie vorhin nochmals gelesen habe, verlor sie für mich etwas ihre Schärfe.

    Es tut mir leid, wenn ich etwas zu direkt oder zu scharf formuliert habe - ich mag und kann schlecht von hinten durch die Brust um die Blume herum ins Auge formulieren :sorry:
    Ich möchte aber auf keinen Fall jemandem zu nahe treten - das ist nie meine Absicht!
    Wenn, dann schreibe ich es auch so :grins:

    Gruß
    Greenfox

    Zitat

    Ich für meinen Teil beschäftige mich mehr damit wie man einen Rückfall vorbeugen kann,und nicht mit der Vergangenheit was Passiert ist,die Kann ich sowieso nicht Ändern.
    Aber die Zukunft schon.

    Mir ist dazu noch etwas eingefallen (ich fasse mich auch kurz ;) ):

    Albert Einstein wird folgender Ausspruch zugeordnet (ob es stimmt, weiß man nicht so genau):

    Die Definition von Wahnsinn ist, immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten.

    Sollte man also nicht doch besser wissen, was man in der Vergangenheit getan hat, um es in der Zukunft anders zu machen und demzufolge ein anderes Ergebnis erwarten zu können (im besten Fall ein besseres) - und ergo NICHT wahnsinnig zu sein??

    Gestern Abend habe ich nach Selbsthilfegruppen bei mir vor Ort gegoogelt. So richtig sprach mich keine an. ... Und dann möchte mich eigentlich auch nicht ständig mit Geschichten von Abstürzen beschäftigen, sondern ich möchte inspiriert werden, wie’s ohne Alkohol gut läuft. Ich möchte nicht ständig nach hinten sehen, sondern nach vorne.

    Aus dem, was Du da über SHGs schreibst, lese ich, dass Du noch nie eine besucht hast und eine völlig ... verquere Vorstellung davon hast, wie es in so eine SHG zugeht. Deshalb ist es meine Vorstellung einer "Vorstellung einer Selbsthilfegruppe" in Krankenhäusern die, dass ich zunächst natürlich erst einmal kurz von mir und meiner Geschichte erzähle, dann aber hauptsächlich davon was eine SHG ist, wozu sie da ist und wie es da so zugeht (in meiner Gruppe, die NICHT AA ist). Und zum Glück sind Rückfälle nicht sehr häufig. Denn sonst würde es sich ja anhören wie in einer Kneipe.
    Und wenn es Dir nicht um die Rückfälle geht, sondern um die Abstürze der Gruppenmitglieder, die dazu führten, dass sie auf dem einen oder anderen Weg zur Abstinenz fanden - nun, genau dass zeigt doch aber den Neulingen, wie es gelingen kann, den Weg hinauszufinden. Und dann natürlich trockenzubleiben.
    Aber wenn man nicht zuhören will, wie andere trocken geworden sind, dann braucht man auch nicht in eine SHG zu gehen. Denn das wäre wie der Versuch, sich zu waschen, ohne sich nass zu machen.
    "Selbsthilfegruppen - wozu eigentlich" - hier findest Du meine Gedanken dazu.

    Gruß
    Greenfox

    Ja, ich denke, es hilft, sich an die "alten Zeiten" zu erinnern ... Ich brauche dafür keine realen Bilder (mehr). Bei mir kommen - auch nach 12 Jahren Abstinenz/Trockenheit - in bestimmten Situationen immer wieder mal Bilder von mir hoch, wie ich damals, in meinen Suff-Zeiten reagiert habe. Oder einfach nur in der Ecke gelegen habe, weil ich es nicht mehr auf den Sessel/auf's Bett geschafft habe. Und dann schüttelt es mich und ich bin froh, den Absprung geschafft zu haben.
    Oder wenn ich mit meinen Kindern unterwegs bin, kommt mir manchmal wie ein Flashback in den Sinn, wie meine Tochter gesagt hat "Will nicht zu Papa - der stinkt und ist besoffen!" Das ist sogar durch den Alkoholnebel direkt ins Herz und hat sich auch in mein Gehirn eingebrannt! Und ich bin heilfroh, dass ich HEUTE ein super Verhältnis zu ihr habe und auch über die Zeit und die Sucht reden kann.

    HIER bin ich Mensch, hier darf ich sein - und DA will ich nie wieder hin!

    In diesem Sinne wikende091
    Greenfox

    Du schreibst, dass Du alleinerziehend bist. Wie alt ist/sind denn Dein/e Kind/er?
    Ich frage, weil wohl der erste Schritt sein sollte, mit Deinem Hausarzt zu sprechen und eine Entgiftung durchzuziehen (von einem "kalten Entzug" raten wir dringendst ab - dieser kann lebensgefährlich sein!!).
    Und wenn jetzt der Einwand kommt "Aber ich muss mich doch um mein/e Kind/er kümmern!" kann ich nur sagen: Du fährst mit mindestens Rest-Alkohol und wenn es zu einem Unfall kommt - wie willst Du Dich dann kümmern?? Also wäre es wohl das kleinere Übel, für ein - zwei Wochen eine Unterbringung bei Deinen Eltern oder ... und die Entgiftung durchzuziehen.
    Und wenn Du schon Angst hast, das Sorgerecht zu verlieren, obwohl bisher ZUM GLÜCK noch nichts passiert ist, dann solltest Du schleunigst etwas unternehmen.

    Aber wie schon gesagt: Es ist Deine Entscheidung.

    Hallo und HERZLICH WILLKOMMEN hier bei uns im Forum :welcome:

    Kurz zu mir: Ich bin m, 57, Alkoholiker und nach mehreren Anläufen nun schon einige Jahre trocken (sehr zufrieden damit - es fehlt mir absolut NICHTS) und auch schon einige Jahre in der Suchtselbsthilfe unterwegs.

    Kann ja sein, dass es vielleicht falsch rüberkommt bzw bei mir ankommt, aber für mich hört es sich so an wie: "Oh man - wegen Corona kann ich jetzt nicht aufhören zu saufen, weil keine Selbsthilfegruppen stattfinden!"
    Also, ICH konnte früher nicht aufhören, weil es auf Arbeit einfach zu viel Stress gab. Wäre es wenigstens ETWAS weniger - ja DANN ...
    Oder weil Montag war ...
    Ich habe immer Ausreden gefunden, warum ich einfach nicht aufhören KONNTE.

    Erst, als ich wirklich aufhören WOLLTE, habe ich mir Hilfe gesucht. Und die bestand nicht nur darin, zu Selbsthilfegruppen zu gehen. Natürlich hat mir auch das unheimlich geholfen, das Reden über meine Probleme, meine Ängste, mein Verlangen ...
    Hauptsächlich aber habe ich mir angehört, wie die Anderen damit umgegangen sind und welche Strategien sie entwickelt (oder übernommen) haben, was ihnen geholfen hat und was nicht.
    Und dann habe ich das, was mir für mich sinnvoll erschien, übernommen.
    Was nicht funktionierte, wurde verworfen ...

    So habe ich z.Bsp. natürlich als Erstes mit meiner Frau gesprochen. Wir haben als Zweites vereinbart, dass die Wohnung alkoholfreie Zone ist. Wenn mich der Jieper überkommt, kann ich so nicht einfach nur zum (Kühl)Schrank gehen und mir etwas nehmen, sondern muss erst irgendwie etwas organisieren - Zeit, wieder zur Besinnung zu kommen. Und wie mich die Erfahrung gelehrt hat, dauern solche "Anfälle" meist nur wenige Minuten. Als Drittes habe ich meinen Freunden erzählt, wie es um mich steht - und warum es deshalb bei uns also keinen Alkohol mehr gibt. Sie sind übrigens trotzdem noch zu uns gekommen.
    Und Viertens habe ich mir eine Strategie überlegt, wenn ich woanders hingehe, wo es Alkohol gibt: Gehe ich überhaupt hin? Wie komme ich dort wieder weg, wenn es mir zuviel wird? Was sage ich, wenn mir Alkohol angeboten wird? Bzw. was sage ich, wenn er mir aufgedrängt wird?

    Und noch einige Punkte mehr. Das hört sich jetzt ziemlich viel und komplex und kompliziert an - ist es aber eigentlich nicht. Abgesehen davon, dass es MEINE Strategie ist/war.
    Über 2 Dinge muss man sich aber im Klaren sein:

    1. Das Wichtigste ist absolute Ehrlichkeit sich selbst gegenüber! Es nutzt Niemandem, wenn man sich selbst belügt. Man schadet nur sich selbst.
    2. Es macht nur Sinn, etwas für sich selbst verändern zu wollen - einen Job kann man trotzdem verlieren, die Gesundheit - es gibt unverschuldete Unfälle, und auch die Liebe geht manchmal seltsame Wege (ich bin mittlerweile auch geschieden - und trotzdem/erst recht noch trocken).

    Das waren ein paar Gedanken von mir.
    Ich wünsche Dir viel Erfolg.

    Gruß
    Greenfox

    Hallo, Dagny, und HERZLICH WILLKOMMEN im aktiven/schreibenden Teil des Forums :welcome:

    Ich bin nicht wirlich sicher, ob man in meiner, oder unserer Situation überhaupt stolz sein kann.
    Abstinenz sehe ich als "Normalzustand", daher zurückkehren zum Leben ohne alkohol sehe ich auch als Zurückkehren zur Normalität.
    Stolz bin ich nicht, aber ja. ..erleichtert und froh, dass ich geschafft habe, aus diesem Sumpf rauszukriechen.

    Ich (m, 57, Alkoholiker, nach mehreren Anläufen nun seit dem 16.05.2008 trocken/abstinent) denke sehr wohl, dass man stolz sein darf auf das, was man geschafft hat: Darauf, aus diesem beschissenen Suchtkreislauf auszubrechen und sich das Leben zurückzuerobern!
    Denn Du hast ja - wie fast alle Betroffenen - zuvor erlebt, wie schwer und frustrierend es ist, immer und immer und immer wieder zu versuchen, aus diesem Höllenrad auszubrechen und ebensooft wieder zurückgeschleudert zu werden. Und wieviele Menschen resignieren einfach und gehen dann den Weg des geringsten Widerstands - und saufen einfach weiter?

    Hast Du es wirklich einfach so und alleine geschafft? Ohne weitere (klassische) Hilfe? Wow!
    Die "Münchhausen-Methode"

    Zitat

    Meine Strategie war - ich versuche selbst "mich aus dem Sumpf rauszuziehen"..wenn es innerhalb paar Monate nicht klappt, gehe ich zum Arzt...


    hat bei mir NICHT funktioniert.
    Und bei den meisten anderen Betroffenen, mit denen ich mich im Rahmen meiner Tätigkeit in der Suchtselbsthilfe unterhalten habe, ebenfalls nicht. Deswegen bin ich immer wieder (wie gesagt: auf Grund vor allem meiner eigenen Erfahrungen und der vielen Gespräche) immer wieder erstaunt/begeistert, wenn es jemand tatsächlich ohne fremde Hilfe schafft.

    Zitat

    Ich kenn aber auch Menschen, die auch nach 5 Jahre wieder abgerutscht sind...ODer einen, der jetzt fast 2 Jahre nicht trinkt, aber so unglücklich ist, dass er keinen Sinn mehr sieht trocken zu bleiben..

    Auch ich kenne Menschen, die nach fast 25 Jahren Abstinenz rückfällig geworden sind und sich schließlich zu Tode gesoffen haben (u.a. ein Gruppenfreund, der dafür "verantwortlich ist, dass ich mich für die Krankenhausarbeit entschieden habe ;( ). Oder sogenannte "staubtrockene" Alkoholiker - die alles so verbissen sehen, dass sie an nichts mehr wirklich Freude haben :o

    Zitat

    Diese Formulierungen "trocken sein" und "abstinent sein" sind eher in meinem Kopf.
    Trocken zu sein für mich - aufhoren zu trinken oder nicht trinken, Anfangsprozess.
    Abstinenz zu erreichen, ist für mich eine Lebenseinstellung zu erreichen, beeinhaltet trocken zu sein, aber auch viel mehr, eher körperlichen und seelischen Zustand zu erreichen, in dem ich kein Alkohol trinke, nicht "weil ich Angst vor dem Elend" habe, sondern weil ich es nicht brauche.

    Das nenne ICH "zufriedene Trockenheit". Und ich würde mich mittlerweile als zufrieden trockenen Alkoholiker bezeichnen.

    Ich wünsche Dir jedenfalls hier bei uns einen guten Austausch!

    Gruß
    Greenfox