Einige andere Beiträge haben mich dazu animiert, hier noch ein paar Sachen zu schreiben, die mir - zumindest in der Anfangszeit - sehr geholfen haben. Vieles habe ich damals in meiner SHG oder auch bei der Langzeittherapie gehört und für mich als sinnvoll, gut und machbar empfunden. Einiges baut auf dem anderen auf bzw. greift ineinander über und die Reihenfolge sagt nix über die Wertigkeit aus.
- Schaffung einer "alkoholfreien Zone": In der ersten Zeit (so ca. 2 Jahre) gab es - in Absprache mit meiner Frau - keinen Alkohol in der Wohnung. So konnte ich sicher sein, dass ich z.Bsp. nachts, wenn ich mal Jieper kriege, nicht einfach nur aufstehen und an den Kühlschrank gehen brauche. Ich müsste schon losgehen und erst mal etwas besorgen: Zeit gewonnen, um zur Besinnung zu kommen (wenn's denn klappt und ich nicht so weit bin, dass mir alles egal ist).
- "Rückzugsmöglichkeit sichern": Okay, die erste Zeit bin ich nicht zu irgendwelchen Betriebsfeiern o.ä. gegangen, aber auch Familienfeiern können - ich nenne es jetzt mal so - "gefährlich" werden. Trotzdem achte ich immer darauf, dass ich eine Festivität, egal welcher Art, jederzeit verlassen kann, wenn es mir unangenehm wird. D.h., ich lasse mich zum Beispiel nicht mit dem Auto mitnehmen oder nehme jemanden mit bzw. achte darauf, dass ich mit den Öffentlichen halbwegs vernünftig wegkomme. Denn sonst will ich vielleicht gehen - und muss warten, bis mein "Chauffeur" oder Fahrgast auch loswill.
Hier spielt auch der nächste Punkt mit rein:
- "Wie sage ich es meinem Kinde?": Ich bin sehr offensiv mit meinem "Problem" umgegangen und tue es noch heute - nach dem Motto "Angriff ist die beste Verteidigung": Ich habe meiner Familie, Verwandten, Freunden und auch meinen Kollegen von Anfang an gesagt "Ich bin Alkoholiker, momentan trocken - und das möchte ich auch bleiben!" Und deshalb habe ich meiner Familie erklärt, dass ich eine Feier verlassen werde, wenn ich mich unwohl fühle - und es auch so gehalten. Zu Anfang war es manchmal nur ne Stunde, die ich geblieben bin. Mittlerweile können es auch durchaus mal 6 Stunden und mehr sein - je nach dem. Betriebsfeiern besuche ich mit derselben Erklärung nach wie vor nicht, da ich weiss, wie die verlaufen :-X
Und wenn mich ein Fremder bei irgendeiner Gelegenheit löchert, ich solle doch - trotz vorheriger Ablehnung -doch wenigstens einen "Kleinen" mittrinken und mich "nicht so haben" - dann kriegt er dieselbe Erklärung zu hören. Und bisher habe ich damit noch nie eine schlechte Erfahrung gemacht. Im Gegenteil!
- "stetige Erinnerung": Ich mache mir - durch meine regelmäßigen SHG-Besuche, Krankenhausvorstellungen, das "Rumtreiben" hier im Forum usw. immer wieder bewusst, dass ich ein Problem im Umgang mit Alkohol habe und wohin mich der Suff geführt hat und wieder führen würde. Das heisst nicht, dass ich ständig "Ich bin Alkoholiker!" oder ähnliches vor mich hinmurmele
Nach meinem ersten Ausstiegsversuch habe ich irgendwann meine SHG nicht mehr besucht (zu den Gründen habe ich schon einiges geschrieben) und mich dann auch nicht mehr mit dem Thema beschäftigt. Einfach nicht mehr dran gedacht - ich bin jetzt trocken, basta! Und dadurch habe ich auch nicht mehr auf die "Gefahren" um mich herum (z.Bsp. Situationen) und in mir (Verhaltensweisen, Stimmungen etc.) geachtet. Das ging nur ein knappes halbes Jahr gut - dann lag ich wieder auf der Schnauze und habe für ca. 4 Jahre gesoffen. Wobei ich mein altes "Level" schnell erreicht und übertroffen hatte 
- "Achtsamkeit": Ich versuche darauf zu achten, wie es mir selbst psychisch geht und Situationen zu meiden oder zu verlassen, die dazu führen könnten, dass sich der Suchtteufel meldet (kenne mich schließlich am Besten). Ich achte darauf, was ich esse/trinke bzw. darauf, dass kein Alkohol darin enthalten ist. Auch wenn es oft nur minimalste Mengen sind: ich habe mich ja bewusst gegen Alkohol entschieden, also will ich auch nicht bewusst welchen zu mir nehmen. Ich habe bestimmt schon oft Alkohol unbewusst zu mir genommen und weder gemerkt oder geschmeckt. Aber das "hebt mich nicht an" - ist eine reine Kopfsache.
- "Notfallplan": Ich habe immer eine Liste mit Telefonnummern von Gruppenfreunden in meiner Tasche, die ich anrufen kann, wenn es mir dreckig gehen sollte. Das sind eben Menschen, die die Probleme wie "Saufdruck" oder ähnliches kennen bzw. wissen, was das ist. Diese Liste hat mich schon davor bewahrt, mich "wegzuballern" ... Man sollte sich wirklich klarmachen, wen man anrufen oder sprechen kann, wenn es einem nicht gut geht und man vor dem Griff zur Flasche steht. Alleine das darüber-reden kann unheimlich helfen.
Bestimmt würde mir noch etwas einfallen, aber ich denke, das reicht erst mal.
Gruß
Greenfox