Moin Norman,
ich bin Britt, Ende 50, trockene Alkoholikerin und über 30 Jahre verheiratet.
Erst einmal möchte ich mich Ellys Frage anschließen, denn dein erster Beitrag vor fast einem Jahr las sich schon ein wenig eigenartig….
Du schreibst, deine Partnerin sei eine „funktionierende Alkoholikerin“. Bezeichnest du dich auch als „funktionierender Alkoholiker“ ? Trinkt ihr beide zuviel Alkohol ?
Ich habe auch jahrelang geglaubt, dass ich funktioniere. Ich hielt mich für belastbar und war fest davon überzeugt, ich sei die beste Tochter, Schwester, Ehefrau, Mutter und Arbeitnehmerin.
Aber wehe mir fehlte das Gefühl von Sicherheit, dann trank ich; wenn ich nicht schlafen konnte, trank ich; wenn ich Angst hatte, trank ich und wenn ich Erfolg hatte,
dann trank ich eben auch…tagsüber funktionieren und abends heimlich saufen…
Mein Umfeld merkte es nicht (da war ich mir ganz sicher….).
Ich finde, ein „funktionierender Alkoholiker“ funktioniert letztlich nur aus seiner eigenen Sicht. ICH glaubte nur zu funktionieren und war blind für meine eigene Sucht.
Und die Tatsache, dass ich in Job und Alltag immer gut funktionierte, machte die Einsicht nur noch schwerer. Vielleicht ist das auch ein Grund, dass viele den Kampf gegen den Alkohol niemals antreten?
Es geht doch bei dieser Krankheit immer um den alkoholabhängigen Menschen.
Spielt es dabei eine Rolle, ob er gesellschaftlich funktioniert oder sich regelmäßig unter der Penner-Brücke besäuft? Ich finde nicht.
Der Begriff "funktionierender Alkoholiker" ist m. Mng. nach genauso blöd wie der Begriff "kontrolliertes Trinken".
Ich wage auch zu behaupten, dass „funktionierende Alkoholiker“ nicht nur für sich selbst, sondern auch für die Gesellschaft das größere Problem sind,
denn sie nehmen mit Promille oder Restalkohol am Straßenverkehr teil, sie arbeiten mit Promille oder Restalkohol an Maschinen,
sie betreuen mit Promille oder Restalkohol schutzbedürftige und Kinder, ja sie operieren sogar unter Drogen am offenen Herzen….
Keiner von euch beiden scheint einen „klaren Kopf“ zu haben. Keiner weiß, was er will…Keiner ist in der Lage, „klare Ansagen“ zu machen…tja, da wird es verdammt schwer, irgendetwas zu ändern.
Ich wünsche dir (und deiner Frau) klare Gedanken.
LG Britt