Interview - interessant für Betroffene und Angehörige

  • Habe hier ein Interview gefunden, dass mich sehr angesprochen hat. Unter Anderem, weil ich mich in großen Teilen wiederfand :-[
    Deswegen stelle ich es mal hier ein:

    Gefunden habe ich das Interview hier

    Es rettet uns kein höh’res Wesen,

    kein Gott, kein Kaiser noch Tribun

    Uns aus dem Elend zu erlösen

    können wir nur selber tun!

  • Danke Greenfox

    ich finde es ist ein sehr beeindruckendes Interview. J. Heckel beschreibt sehr exakt und sachlich die Situation eines Alkoholikers und deessen Umfeld.

    LG und einen schöhen Abend an alle

    Pit

  • Ja, danke fürs Einstellen Greenfox,
    das ist wirklich toll geschrieben.

    Sowohl aus der Sicht von Betroffenen, als auch Angehöriger.

    Für mich selbst ist, neben sehr vielen anderen Gedanken in denen ich mich selbst wiederfinde, vor Allem auch der Punkt der Arbeitswelt gerade aktuell sehr interessant.

    Denn auf meiner neuen Arbeitsstelle habe ich einen betroffenen Kollegen. Zunächst fand ich mich in dieser Situation ziemlich deutlich in meinem früheren Verhalten gespiegelt. Denn es ist wirklich erstaunlich wie da mit Ausreden, Halbwahrheiten und teilweise echt schrägen Situationen das gesamte involvierte Umfeld mit einbezogen und folgend sehr subtil manipuliert wird. Klar hatte ich das im Prinzip schon innerhalb der ersten halben Stunde komplett durchschaut! Es war aber zunächst dennoch auch (als Spiegel meines eigenen früheren Verhaltens gegenüber!) sehr erstaunlich für mich direkt zu sehen wie da so ein krasses Fassadenkonstrukt mit aller Kraft aufrecht erhalten wird... Problem?? Ach was - es ist doch alles in bester Ordnung. Schwächen und Defizite werden sehr, sehr gekonnt kaschiert und überspielt, ganz so als wenn nichts wäre. Und wenn grad was schief läuft, dann sind mit Sicherheit ausschließlich alle Anderen daran Schuld, nur nicht der Betroffene.

    Ich selbst habe dem Kollegen schon nach wenigen Tagen per Feedback, eine aufrichtige und ehrliche persönliche Grenze mir gegenüber aufgezeigt und sehr deutlich signalisiert dass ich alles durchschaue, ihm durchaus das beste Wünsche, mich aber ganz sicher nicht manipulieren lassen werde. Als er versuchte Druck mir gegenüber aufzubauen habe ich dies sachlich entkräftet und sozusagen dankend zurückgegeben. Das ist dann auch, eben in dem Sinne wie oben im Interview geschildert, angekommen.

    Die Frage die ich mir gestellt hatte, und was eben jetzt gut für mich oben im Posting zu lesen ist, einmal zu sehen was denn der Arbeitgeber für Möglichkeiten hat.

    In diesem Sinne ist das Interview durchaus in einem weiteren, für mich ganz neuen Aspekt eine Anregung für mich! Ich werde sehen wie ich da vielleich auch mal dem Arbeitgeber was sagen kann.

    LiS

  • Ich selber finde es schwierig, zu beurteilen, wer noch ein Genusstrinker ist und wer schon Missbrauch in Richtung Abhängigkeit betreibt, wenn ich sonst
    keine Informationen habe. Tatsache ist, dass sich manche Leute sehr zusammenreissen können, man sieht ihnen kaum an, dass sie vielleicht Probleme mit Alkohol hätten. Ich bin in einem Büro, weiss dass alle anderen Alkohol nicht abgeneigt sind, aber ich würde mal sagen, dass sie alle halbwegs im "Normbereich" (was unsere Gesellschaft unter kontrolliertem Alkoholkonsum versteht) sind.

    Das mit dem Schämen: da fällt mir die Stellen im "Der kleine Prinz" von Antoine de Saint-Exuperie wieder ein:
    Ich tippe es jetzt nicht eins zu eins ab (wegen Copyright vielleicht):

    (Der kleine Prinz trifft auf einen Alkoholiker)
    "Warum trinkst du" fragte der kleine Prinz.
    "Um zu vergessen"
    "Um was zu vergessen?"
    "Vergessen, dass ich mich schäme"
    "Warum schämst du dich?"
    "Weil ich trinke"

    Einmal editiert, zuletzt von franz68 (4. Oktober 2015 um 18:14)

  • Zitat

    Ich selber finde es schwierig, zu beurteilen, wer noch ein Genusstrinker ist und wer schon Missbrauch in Richtung Abhängigkeit betreibt, wenn ich sonst keine Informationen habe.

    Na ich sag mal, wenn ich (Stichpunkt Information) einfach weiß dass jemand wegen wiederholtem Alkohol am Steuer kürzlich seinen Führerschein verloren hat, und nun auch in seinem (Ex-)Job gegangen wird, dass er jeden Morgen sichtlich unausgeschlafen und auch während der Arbeit mancher gelegentlicher Einladung zum Bierchen bei Kunden oder einen 'ganz zufälligen Zwischenstop' nicht abgeneigt ist und so weiter und so fort; und man nach und nach einfach auch sieht wie derjenige dennoch ein komplett egozentrisches Fassadenkonstrukt vor sich aufrecht erhält ... dann weiß ich einfach dass sich Derjenige gerade in einem äußerst unguten Sturzflug befindet der nur eine Richtung hat: nämlich immer weiter abwärts. Da geht es mir nicht darum ob derjenige Missbräuchlich oder Abhängig oder (un-)kontrolliert oder sonstwas trinkt, das ist mir relativ egal, sondern einfach darum, dass ich sehe dass dieser Mensch dabei ist die gleichen Fehler wie ich früher zu machen und dass er sich damit unglaublich schadet.


    Nachträgliche Anmerkung:
    meinen Führerschein hatte ich selbst zwar nie verloren, da war ich immer sehr Gewissenhaft und vorsichtig! Aber ich glaub grade was den tückischen morgendlichen Restalkohol angeht hatte ich da dennoch das ein oder andere mal einfach Glück...

    Einmal editiert, zuletzt von Land-in-Sicht (4. Oktober 2015 um 18:58)

  • Na klar sind Ferndiagnosen schlecht bis schlichtweg unmöglich.
    Aber ich denke mal, dass es bei LiS ja keine Fern- sondern eine Nahdiagnose ist.
    Abgesehen davon haben wir als Betroffene ja doch die besseren "Antennen", um "unsereinen" zu erkennen.
    Und dass unsere Schauspielerei auch oft von Erfolg gekrönt ist, habe ich ja bei meinem "Outing" gesehen: Waaas, Du - Alkoholiker? Hätte ich nie gedacht!"

    Der kleine Prinz hat Recht: ich habe mich geschämt, weil ich getrunken habe, habe ich mich geschämt, weil ich getrunken habe, habe ich Depris gekriegt, habe ich getrunken, habe mich geschämt, noch mehr Depris .... Teufelskreis :-[

    Zum Glück bin ich da raus :D

    Es rettet uns kein höh’res Wesen,

    kein Gott, kein Kaiser noch Tribun

    Uns aus dem Elend zu erlösen

    können wir nur selber tun!

  • Übernächste Woche habe ich von Arbeit aus ein 3-Tages-Seminar, bei dem es u.a. auch um das Thema Abhängigkeiten und Alkohol gehen soll. Bin ja mal gespannt, was die (mir) da erzählen wollen ...

    Es rettet uns kein höh’res Wesen,

    kein Gott, kein Kaiser noch Tribun

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