Stimmungswrack nach Entzug

  • Hallo Miau ,

    Ja, noch bin ich abgeturnt vom Alkohol und komme ohne ganz gut zurecht. Ich sehe momentan immer noch klar die teuflische Fratze und lasse mich nicht einlullen. Nicht umsonst stammt das Wort Alkohol ja aus dem Arabischen „al-goul“ (o.ä. geschrieben) und bedeutet Dämon. Also man macht quasi die Pforten auf und lässt diesem oder anderen Dämonen Einlass. Was absolut Sinn ergibt, wenn man beobachtet, wie sich Menschen teils unter Alkohol verhalten und was sie sich und anderen im Suff antun können… also dafür gibts unzählige Beispiele… aber ja, wie besessen!

    ich habe das interessehalber mal nachrecheriert, zur Wortherkunft aber leider überhaupt nicht das gefunden, was du schreibst.

    Sinnig finde ich das, was du dir so dazu gedacht hast, aber durchaus. Ja, das ist manchmal schon echt gruselig, was Menschen sich selbst und anderen unter Alkoholeinfluss antun.


    Du hast gefragt, wie man sich eine „richtige Strategie“ vorstellen kann.
    Im Grunde bist du nach dem, was du über dich teilst, doch schon auf einem guten Weg. Du führst dir einerseits die „teuflische Fratze“ vor Augen und lässt dich nicht einlullen. Und andererseits orientierst du dich „momentan an dem guten Gefühl der Abstinenz, der frischen Energie, dem wachsenden Selbstbewusstsein“ sowie deinem sichtbar gesünderen Aussehen.

    So ähnlich bin ich am Anfang auch vorgegangen.


    Eine „Strategie“ zu haben, bedeutet einen möglichst konkreten, realistischen Plan für das künftige Vorgehen zu haben, um zielgerichtet und überlegt und eben nicht spontan handeln zu müssen.

    Vielleicht denkst du mal darüber nach, wie du dir aus dem, was du bereits tust, eine „richtige Strategie“ aufbaust, um nicht spontan handeln zu müssen?


    Für den Anfang empfehle ich dir dringend, Überforderungen zu vermeiden und dich besonders um deine Selbstfürsorge zu bemühen. Erfahrungen - auch meine eigenen - zeigen, dass man am Anfang aus Unerfahrenheit kritische Situationen nicht unbedingt richtig einschätzen kann. Und das kann u.U. nach hinten losgehen.


    So viel Energie du zur Zeit auch verspürst, nimm dir jetzt am Anfang nicht zu viel vor. Interessanter bzw. langfristig sinnvoller dürfte für dich derzeit sein, wie du gut oder besser mit Stress-Situationen umgehen kannst.

    Du schreibst, dass du in bzw. nach Stress-Situationen ein oder zwei alkoholfreie Biere trinkst. Inwiefern das nicht ganz unproblematisch sein könnte, habe ich weiter oben ja schon einmal angedeutet. Gerade weil du eine Verbindung zwischen Stress-Situation und (alkoholfreies) Bier herstellst, halte ich das nicht für unbedenklich. Ist das nicht ziemlich nah an deinem früheren Konsummuster dran? Wie wäre es mit einer völlig neuen, langfristig tragfähigen Herangehensweise, einer die dir und deinen eigentlichen Bedürfnissen gerecht wird?


    Ich selbst trinke kein alkoholfreies Bier, zum einen, weil ich, als ich schon eine Weile abstinent war und ein oder zwei alkoholfreie Biere trank, in meinem Kopf so ein unangenehmes Gefühl verspürte, das mich sehr an die Wirkung von Alkohol erinnerte, die ich nie wieder in meinem Kopf spüren will. Zum anderen, weil ich den Geschmack und Geruch von allem, was an Alkohol erinnert oder sprittig riecht überhaupt nicht mehr mag.

    Und ich weiß, dass andere es nicht trinken, weil ihnen das vom Aussehen und Geschmack zu nah an richtigem Bier ist und sie ihr sogenanntes Suchtgedächtnis nicht unnötig triggern wollen.


    Zurück zu den Strategien:

    Konkret auf Alkohol bezogen wählt so mancher am Anfang als „Strategie“ den Weg der Vermeidung, d.h. meidet gewisse gesellschaftliche Runden und Ereignisse erstmal, um sich nicht zu „triggern“ (Stichwort „Suchtgedächtnis) und macht seinen Haushalt „alkoholfrei“. So hab ich das auch gehandhabt.

    Auch ein sogenannter Notfall-Plan, um Situationen verlassen zu können, wenn man bemerkt, dass sie einem nicht gut tun, erweist sich als hilfreich.

    Und schließlich legt sich so mancher eine Art „Notfallkoffer“ zu, das bedeutet, etwas, auf das man zurückgreifen kann, wenn man unter Suchtdruck gerät. Das kann ein Behälter mit bestimmten Gegenständen sein oder aber eine Liste; zusammengestellt, um (bereits bekannte) Belastungssituationen bewältigen zu können.


    Sport und insbesondere Ausdauersport zu betreiben ist mit Sicherheit sinnvoll. Wie gut ich damit für mein Wohlbefinden sorgen kann, erlebe ich selbst in letzter Zeit einmal mehr. Wichtig ist aber auch da, die nötige Balance zwischen zu viel und zu wenig zu finden und sie zu halten. Mit „zu viel“ tut man sich auch da auf Dauer keinen wirklichen Gefallen.

    Viele Grüße

    AmSee


    P.S.: Das freut mich zu lesen, dass du bereits erste Erfahrungen damit machst, wie gut das tun kann, sich hier auszutauschen.

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

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