Trigger

  • Grundsätzliches: Was sind Trigger?

    Die psychologische Bedeutung eines Triggers

    Ein Trigger (Auslöser) ist ein Sinneseindruck, der alte Erinnerungen und Erfahrungen auf eine Art weckt, als ob diese jetzt gerade eben noch mal neu gemacht werden würden.
    Diese Erinnerungen erfolgen meist urplötzlich und mit großer Wucht.
    Die damaligen Gefühle werden ganz unmittelbar wie neu erlebt. Man nennt das auch „Flashback“.

    Von der getriggerten Person kann die reale aktuelle Situation dann oft nicht mehr rational wahrgenommen werden. Sie reagiert oft so, als würde sie sich in der alten, erinnerten Situation befinden.

    Im Zusammenhang mit Alkoholismus bedeutet das, dass es Schlüsselreize, also Trigger gibt, die bei Betroffenen ganz unmittelbar Suchtdruck, das Verlangen Alkohol konsumieren zu wollen, erzeugen.
    Es gibt sehr viele, individuell ganz unterschiedliche Trigger.
    Beispiele sind, bestimmte Jahrestage, Gerüche, Geräusche, Geschmack, Gesten, Worte, Alltagssituationen, u. v.a. m.

    Ein Trigger muss seine Wirkung nicht sofort, wenn er erfolgt, entfalten. Da den Betroffenen oft selbst gar nicht bewusst ist, dass sie getriggert wurden, können Trigger auch Tage oder Wochen später eine Reaktion des Betroffenen hervorbringen.
    Das hat u. a. damit zu tun, dass die Betroffenen gar keine bewusste Erinnerung an das vom Trigger ausgelöste Erleben in der Vergangenheit haben.

    Persönliche Erfahrung mit meinen Triggern:

    Ich war mir viele Jahre gar nicht bewusst, was meine Trigger waren, bzw. auch heute noch sein können.
    Hier zwei Beispiele.

    So erlebte ich vor Jahrzehnten in meiner damaligen Selbsthilfegruppe eine Triggersituation und war ihr völlig ausgeliefert.
    Ich war schon ein paar Jährchen trocken. Es waren Neue in die Gruppe gekommen, und darunter war einer, der sehr intelligent, belesen und eloquent war. Er wollte, so nicht nur mein Empfinden, die Sucht und halt auch die Herangehensweise an die Suchtproblematik in der Gruppe neu erfinden.

    Daraus entwickelten sich für mich damals unsägliche Rechthabereien und Streitereien.
    Die gesamte Situation in meiner, von mir bis dahin geliebten Gruppe, in der ich mich unendlich wohl fühlte, veränderte sich rapide, und es entstanden zwei, ja man kann sagen, sich feindlich gegenüber stehende Lager.

    Es war auch noch ein anderer Neuer in der Gruppe, mit dem ich mich auf eine merkwürdige, wie Ihr sie sicher auch schon erlebt habe, zwischenmenschlichen höheren Ebene, auf der man gar nicht so viel Worte benötigt um sich zu verstehen, verstand.
    An besagtem Abend, an dem ich völlig unbewusst getriggert wurde, gingen wir anschließend gemeinsam zur Bushaltestelle, fuhren schweigend zwei Stationen, sahen uns in die Augen und stiegen gemeinsam aus um wortlos in die dortige Kneipe zu gehen um uns zu besaufen.
    Es war, als stünde ich völlig neben mir. Erst am nächsten Morgen wurde mir richtig bewusst, was geschehen war.

    Was war passiert?
    Zum einen Mal war an diesem Abend ununterbrochen über Alkohol, im Speziellen, weil das sein Lieblingsgetränk gewesen war, über Bier (auch mein bevorzugtes Getränk zum Schluss) gesprochen worden. Nahezu ununterbrochen fielen die Wörter „Alkohol“ und „Bier“. Dazu noch „Sixpack“ und „nur ein paar“.
    Es drehte sich also den ganzen Abend ausschließlich um Alkohol, Alkohol, Alkohol.

    Dazu kam, dass sich die Stimmung in der Gruppe von einer gefühlten Gemeinsamkeit in regelrechte Feindseligkeit verwandelt hatte.
    Und ich war einer derjenigen, der diese Feindseligkeit voll und ganz zu hören und zu spüren bekam, weil ich – was aus meiner heutigen Sicht ein absoluter Fehler war – nicht bei mir geblieben bin, sondern immer mehr in ein Bewerten der anderen Person kam. Bis hin zu der Aussage von mir, dass derjenige überhaupt nicht in diese Gruppe passen würde und, würde er weiter dabei bleiben wollen und die Gruppe nichts dagegen unternehmen, die Gruppe mit hoher Wahrscheinlichkeit sprengen würde.

    Es waren also zwei Trigger aus meiner Vergangenheit:
    [list type=decimal]
    [li]„Der Alkohol“, „Das Bier“ wurde durch Worte regelrecht plastisch gegenwärtig und prasselte auf mich ein.[/li]
    [li]Die Situation in der Gruppe hatte sich in eine der vielen Situationen verwandelt, in der ich mich nass immer völlig zurückgezogen und gesoffen hatte.[/li]
    [/list]

    Heute weiß ich damit umzugehen. Abgesehen davon, dass ich bzgl. der Präsenz, also auch der Begriffe, von Alkohol, Bier, etc. heute mehr oder weniger gleichgültig gegenüber eingestellt bin (Gleichgültig im Sinn: Sie reizen mich nicht mehr), würde ich in einer vergleichbaren Situation zum einen drauf aufmerksam machen, dass mich diese Worte triggern können, und außerdem wahrscheinlich ziemlich rasch die Situation verlassen.
    Zum 2. Trigger: Komme ich heute in eine Situation, in der mir offen Feindseligkeit entgegen schlägt, und in der ich mich absolut nicht wohl fühle, versuche ich zügig die Situation zu beenden, den Feindseligkeiten keine Nahrung zu geben und besonders aber bei mir zu bleiben.
    Es kam schon vor, dass ich so eine Situation mit den Worten: „Das ist mir momentan zu viel. Lasst mich bitte in Ruhe darüber nachdenken.“ beendete.

    Diese Trigger erkannte ich erst viele Jahre später.
    (Ich habe im Übrigen mein Trinken noch am selben Abend wieder beendet. Aber ich habe mich auch gleich am nächsten Tag aus der Gruppe verabschiedet, und ich lebte dann noch viele Jahre abstinent.
    Die Gruppe hat sich binnen eines Monats aufgelöst, bzw. in zwei Gruppen gespaltet. Die Gruppe mit jenem, der mich so getriggert hat, hat sich dann im Verlauf von drei Monaten völlig aufgelöst. „Meine Gruppe“ hat, natürlich entsprechend mit nachfolgenden Mitgliedern, bis heute überlebt.)

    Was sind Eure Trigger?

  • Zunächst einmal DANKE :blumen: für das Eröffnen dieses Themas.

    Ich halte das für sehr, sehr wichtig, finde nur nicht immer die richtigen Worte, um dass auch richtig rüberzubringen.

    Das, was Du über die Feindseeligkeit geschrieben hast, geht mir auch so. Dann würde ich mich am liebsten in mein Kämmerlein zurückziehen, vor Selbstmitleid (Die sind ja so gemein zu mir! - obwohl die meistens gar nicht MICH gemeint haben) ertrinken und mich so richtig besaufen.
    Okay - heute ziehe ich mich nur aus der Situation. Aber manchmal nagt es schon und nur weil ich mir in den letzten Jahren meine Strategien zurechtgelegt habe, löte ich mich eben NICHT zu.

    Ein ganz großer Trigger sind für mich Geschmäcke, alkoholische Geschmäcke - egal, ob von Alkohol oder nur Aromen hervorgerufen: "alkoholfreies" Bier, Rumkugeln, Schokolade Rum-Traube-Nuss und ähnliches, Aber auch richtig gut gemachtes Tiramisu ...
    Abgesehen davon, dass ich das Zeug sowieso nicht essen/trinken will, weil ich mich entschlossen habe, keinen Alkohol mehr zu mir zu nehmen - wenn ich denn doch mal aus Sorglosigkeit oder Nichtwissen soetwas gegessen/getrunken habe (und das SCHMECKT man ja), dann musste ich sofort aufhören, den Mund ausspülen und mich anderweitig beschäftigen/ablenken ... Denn kurz darauf setzten diese Gedanken ein "Oh, jetzt ein richtiges, schön kühles ..."

    In meiner alten SHG war ein Gruppenfreund, der war nicht nur alkoholabhängig, sondern auch von diversen anderen Betäubungsmitteln, u.a. hat er kräftig gekokst.
    Und der konnte Berliner Pfannkuchen mit Puderzucker nicht ab - mit Zuckerglasur o.ä. war okay, aber Puderzucker ging gar nicht. Der hat ihn einfach nur an Kokain erinnert ...
    Und so ähnlich geht es mir mit diesen Geschmäckern - auch wenn es oft nur Aromen sind.

    Vielleicht kann ich deshalb nicht verstehen, warum andere so sorglos das alkfreie Bier trinken (ich meine jetzt nicht die, die kein Alkoholproblem haben!).

    Und ich mag es absolut nicht, mein Wasser/Saft o.ä. aus Wein-/Sektgläsern zu trinken, nur um der Gemeinschaft willen, um nicht aufzufallen (Feiern o.ä.). Wenn ich Wasser trinke, dann aus einem Wasserglas. In einem Restaurant, wo auch das Wasser oder Säfte in solchen Gläsern serviert werden, ist es komischer Weise kein Problem für mich.

    Ich denke, es gibt die unterschiedlichsten Trigger, die vielleicht auch für andere unverständlich sind.
    Solange wir aber unsere kennen und darauf achten, dürfte es keine Probleme geben.

    Ich wünsche Euch ein schönes, triggerfreies Wochenende!

    Greenfox

    Es rettet uns kein höh’res Wesen,

    kein Gott, kein Kaiser noch Tribun

    Uns aus dem Elend zu erlösen

    können wir nur selber tun!

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