Hallo LifeLaughLove, 
ich möchte etwas zum Schämen sagen. Der Satz, der mein Leben immer
unerträglicher gemacht hat, war "das darf aber niemand wissen (über mich)".
Wenn das niemand wissen darf, musste ich das also "allein hinkriegen".
So fertig mit meiner Welt und so mutlos, wie mich meine eigenen Anläufe
schon gemacht hatten. Es geht nicht ohne Vertrauen, MIT dem eigenen
Problem OK zu sein, dass man "das haben darf, dass es das gibt".
Dieses Forum belegt das ja. Etliche Selbsthilfegruppen auch. Abhängigkeit
gilt inzwischen als anerkannte Krankheit. Also als ein Geschehen, das nur
mit Unterstützung (medizinisch, therapeutisch, usw.) zu behandeln ist.
Unterstützung brauchen ist also ebenso anerkannt.
Sich aktiv danach umzuschauen, gilt als Beleg FÜR den eigenen Willen,
sich daraus wieder befreien zu wollen. Daraus spricht Selbstachtung!
Ein besseres Leben haben zu wollen, das muss man sich erstmal trauen.
Es gehört zum Wesen der Therapie, dem Menschen sein innerstes "ich"
zurück zu schenken. Es geht nicht um Fehler-Reparatur. Ich brauchte sehr
lange, um entdecken zu können, wo die Scham mein DENKEN über mich
selbst verändert hat. Und wo ich also falsche Dinge über mich zu glauben
gelernt habe. (Dass ich keine Fehler machen darf, keine seelischen Schmer-
zen haben, nie schwach sein, niemanden brauchen, keine Aggression fühlen,
usw. ... )
Vielleicht wirst Du staunen, wieviel schon in Ordnung ist mir Dir.
Und vielleicht gibt der Alkohol dann Dir und dem Therapeuten Hinweise,
in welchen Punkten Du selbst durch Dein Zuhause "versehrt" warst und Du
Dir nicht anders als mit Flucht/Sucht zu helfen wusstest.
Ich bin auch in alkoholkrankem Elternhaus aufgewachsen und das macht
etwas mit einem. Ich habe völlig falsche "Anleitungen" zum Umgang mit mir
selbst abgeguckt. Scham, unmenschlicher Leistungswille, Härte gegen sich
selbst und vor allem Dichthalten über jegliches Gefühl. "Du erzählst doch
niemandem, was hier ist ?!" (Anordnung, keine Frage.) Also schämte ich mich
schon als Kind für das, was bei uns (also auch MIR) nicht "normal" war.
Rückblickend kann ich nur sagen: Kein Wunder, dass ich zerrissen, verängstigt
und so gut wie freudlos war, immer auf der Suche, "eine Bessere" zu sein. BIS
mir mein Therapeut stückchenweise klar machen konnte, was bereits zum Besten
bestellt ist, worüber ich längst an Fähigkeiten verfüge. Fühlen war die wichtigste.
Und dass es nur unter dieser alles zerfressenden Scham verschüttet war. Scham,
die nichtmal meine eigene war! - Die stattdessen aber meine Lebendigkeit verklebt
hat. - Als ich das begriff, wurde ich erstmals in meinem Leben richtig wütend!
Ich war also blockiert und unfähig, um Hilfe zu bitten, weil mir jemand Fremdes
(meine Eltern) vormachte, dass ER/SIE Hilfe niemals bräuchte. (Und ich ja wohl
aus Loyalität nicht? Niemanden, um MEINE Ängste loszuwerden, um reden zu können?)
In "Sucht-Familien" wird nicht über das geredet, was offenkundig ist: Schmerz, Scham.
Man "hat" weder Probleme noch Schmerzen noch Scham. - Es braucht viel Glück, trotz
dieser "Gehirnwäsche" noch Schmerz genug fühlen zu können, um MEHR fürs EIGENE
Leben rausholen zu wollen. Und dann brauchte ich Mut und Ermutigung durch andere,
an diesen Wunsch zu GLAUBEN. Und an das Recht, es "schöner" haben zu dürfen, als
meine Eltern es sich (und damit früher auch mir) gestatten konnten.
Mein "Irrweg" (Gefühle abkapseln, freudlos und oft isoliert zu sein) entpuppte sich als
folgerichtiger Schritt in einem kaputten System (Sucht/Familie). Als Produkt außerhalb
meines eigenen Wesens und meiner eigenen Vollständigkeit. - Die musste/durfte ich
dann etwas verspätet kennen lernen!
:sun:
Ich wünsche Dir Kraft und Mut, an die Berechtigung Deiner Gefühle & Wünsche zu glauben!
Liebe Grüße,
Wolfsfrau