Beiträge von wolfsfrau

    Hallo Melody36,


    Also: ich bin weiblich und 36 Jahre als. Trotz meines ganzen Konsums, (...) hat sich mein
    Körper ziemlich gut gehalten und ich werde meist auf Ende zwanzig geschätzt.
    Vielleicht auch eine Sache, weswegen man ich mein Problem nicht richtig wahr haben will.

    Ich schreibe Dir als Tochter einer Alkoholikerin, die immer tadellos funktionierte, im Beruf,
    als Mama, im Haushalt, abends auf der Terrasse. WIE anstrengend das sein muss, begreife
    ich erst heute. Weil ich als Co-Abhängige ebenso viele Muster beherrsche, mich von meinem
    echten Elend (Stillstand, unerledigte Themen, zuviel Anspannung deshalb, ... alles phasen-
    weise und nicht immer) selbst abzukoppeln.

    Als Frau mit gepflegtem Erscheinungsbild nimmt einem wirklich kaum jemand ab, DASS man
    Probleme hat. Ich las das sogar mal als empirisch bewiesen, dass weibliche Sucht (Alkohol
    o.a.) viel viel länger andauert, ehe sie entdeckt wird. Die Süchtige tut eh alles, um es zu
    verbergen, und das Umfeld möchte auch lieber an der hübschen Erscheinung festhalten.

    Auf die Weise verlängert sich der Weg bis hin zum Aufdecken, Einknicken, Kapitulieren oft
    auf sehr schmerzhafte Art. Es ist eben KEINE Hilfe, jemanden NICHT anzusprechen, seine
    Themen "durchgehen" zu lassen, weil dann das Übel kleiner und besser handhabbar erscheint.



    Nun bekomme ich langsam auch die körperliche Returkutsche für meinen Lebensstil. EKG nicht
    gut, muss zum Kardiologen, Blutarmut und eigentlich müsste ich in eine Entzugsklinik.

    Das meine ich mit "verlängert sich der Weg" - und die Verschlimmerung des inneren
    Kraftverlusts durch die Auswirkungen der herrschenden Sucht.



    Ich frage mich, was ich machen soll. Meinem Umfeld kann ich davon nix sagen. (...)
    Ich hab alle schon zu sehr belastet. Aber das eigentliche Problem verschweige ich.

    ... dazu nochmal als Tochter einer Alkoholikerin: Das Verschweigen ist schon der Irrtum.
    Ich habe es all die Jahre mit erlebt, das Trinken meiner Mutter. Immer gepflegt, nie öf-
    fentlich maßlos, nur gute (trockene) Weine, ... a b e r sie roch nach Alkohol, auch nach
    ihrem Mittagsschlaf am Wochenende, ihre Hände zitterten beim Kochen, sie hatte Stim-
    mungsschwankungen je nach Pegel, ... es war längst zu merken, dass sie NICHT in ihrer
    Balance war.

    Ich hatte eine von der Sucht gelenkte Mutter, mit Schuldgefühlen und emotional sehr weit
    von sich und ihrer Selbstannahme entfernt. - Heute erst sehe ich diese Zusammenhänge
    alle. Auch ich denke, ich "schone" "die anderen" ... ?!? ... Da lügt mich schon die Sucht
    an! Sie sagt nämlich: Schone mich, lass mich nicht auffliegen, wir haben es doch gut
    miteinander.

    Bei mir führt das dann auch zu Mustern, mit denen ich mir selbst einreden will, es ist
    doch alles gut. LEUGNEN nennen die Psychologen das, es fühlt sich aber eher an, wie
    abwarten, ob nicht ... hm, was ... ? Sich was ändert, während ich einfach ganz was
    anderes mache. (Und so tue, als hätte ich kein Problem.) Berufliche Erfolge oder Ziele
    sind hochrangige Platzhalter für das Eingeständnis, dass es viel tiefer wirklich weh tut.



    Ich bin Alkoholikerin.
    Und ganz kurz vor dem Ruin. Ich kann nämlich gerade gar nicht mehr.

    Die Klarheit in diesen zwei Sätzen schafft beim Lesen in mir umgehend Ruhe und Frieden.
    Ich glaube, wenn die Wahrheit (Sucht als Erkrankung) da sein darf, ebenso wie die Wahr-
    heit der Gedanken und Gefühle, dann fällt viel Spannung ab.



    Sorry, falls das sehr konfus ist. Aber aller Anfang ist schwer.

    Ich finde an Deiner Vorstellung gar nichts konfus. Ich kenne die Zerrissenheit, in die ich
    gerate, wenn meine Wahrheit nicht mehr einfach sie selbst sein darf. Dann wird es konfus
    in mir selbst. Und ich gerate dann in die Grätsche zwischen "ist das?" und "ach nö, lieber
    anders". Ich wäre dann gern anders und merke nicht, dass ich damit mich selbst ablehne
    und stehen lasse.

    Ich habe totalen Respekt, wie Du hier Deine Situation offen legst. Es kommt viel von Dir
    als Person an, auch dass Du Dich selbst "dabei hast", wahrnimmst und siehst. Deine
    Fragen sind aus meiner Sicht vielleicht eher Ausdruck davon, dass Du lieber nicht an
    dem Punkt wärst, an dem Du körperlich und seelisch gerade bist. (Alle? Das kann Angst
    machen, weil man ja gar nicht weiß, wer man/frau ohne Sucht und/oder Leistung eigent-
    lich überhaupt noch ist.)

    Danke für Deine Ehrlichkeit und fürs Erinnern, wie wichtig das Anerkennen meiner Über-
    forderung ist, wenn ich hinein geraten bin. Sie läutet dann nämlich alle weiteren Runden
    ein und ich verliere mich selbst.

    Ich wünsche Dir Klarheit, Kraft und alle nötige Unterstützung, die Du bekommen kannst,
    um körperlich und seelisch irgendwann wieder aufatmen zu können, ohne Fremdbestim-
    mung und Ausbeutung durch die Sucht. Erst muss sie aus dem Feld, dann ist Wiederauf-
    bau möglich. (Ich töne jetzt mal so klug damit raus, habe das aber verbrieft von vielen
    Genesenden.)


    Liebe Grüße und weiterhin Mut zum Offenlegen, 44. wünsche ich Dir! :)

    Wolfsfrau


    Danke euch allen, dass ich mich trotz meines "Rückfalls" ausheulen darf und eine
    ehrlich Meinung ohne Vorwürfe etc. bekomme

    ... ich danke DIR für Dein ehrliches Teilen! Es bringt mich zur Selbstannahme,
    auch in meiner Co-Abhängigkeit. Ich schreibe Dir nichts, ohne mich auch
    selbst wieder daran zu erinnern. :)

    Hab' ein erholsames Wochenende, das wünsche ich Dir. :)

    liebe Grüße,
    Wolfsfrau

    Hallo, liebe Ira Jean,

    ich bin auch co-abhängig, kreise beständig und artig wie ein Kind um das Wohl
    meiner Mutter. In meinem Fall: Völlig ungebeten. Sie will zurückgezogen leben,
    nichts an sich heran lassen. - ICH habe das Problem mit iHRER Entscheidung.


    ...es ist leider nur so verdammt schwer zu akzeptieren, dass es wohl unmöglich ist eine
    trennung im guten zu haben . und zu wissen, es wird ihm gut gehen. denn das wird es nicht...
    ob mit mir oder ohne mich.

    Vielleicht klingt das jetzt doof: Du musst auch gar nicht akzeptieren oder Dir ein
    Einverständnis mit der Situation abringen, die OHNE DEIN ZUTUN so FÜR IHN ist,
    wie ER sie durch seine Sucht erschaffen und chronisch werden lassen hat.

    Das einzige, was "wir" Co's akzeptieren müssen, ist: Wir haben keine Macht.
    Weder über eigene Rückfälle, noch über die Tatsache, dass wir Hilfe brauchen.
    Und erst recht nicht über andere und ihre eigenen Rückfälle, nach eigenem Muster.

    Der Schmerz, den - unterstellt von Dir - er erleidet, geht auf seine Sucht zurück.
    Nicht darauf, dass Du sie erkennst und entsprechend FÜR DICH wählst, ob Du das
    (mitmachen) willst.

    Es bleibt eine Entscheidung auf seiner Seite, für sich und sein Leben. Will er mehr?
    Fehlt ihm was (Du als Person mit eigenen Interessen, eine aufrichtige Beziehung)?
    Gib' diese Frage und Entscheidung doch an ihn ab ... und entlaste Dich von unechter
    Verantwortung.

    Ich weiß, wovon ich schreibe.
    Genau diese Über-Verantwortlichkeit, die eigentlich meint: Reingreifen und um nichts
    in der Welt Abstand von einem eigenen Wunsch oder einer Kontakt-Phantasie nehmen
    wollen ... die lässt mich immer wieder antreten, ungefragt und ganz freiwillig verbissen.

    Mir geht es dann immer schlechter, denn ich "vergesse" unterdessen meine Machtlosig-
    keit über andere, wie auch über die Verbissenheit, die in mir immer noch neu ausgelöst
    wird. - Dankbar bin ich, wenn MEIN Leiden, dieser fiese Innendruck und die Schuldge-
    fühle, nur kurz andauern, bis ich durch eine SHG oder ein/n Freund/in geweckt werde.

    Rückfälle passieren, wir dürfen immer neu für UNSER Wohl entscheiden. :)
    (Müssen aber nichts. Es laufen lassen, bis die Abgrenzungskräfte wieder zur Stelle sind,
    ist auch ok.)

    Liebe Grüße, ich wünsche Dir ganz viel Mut und Kraft, stark für d e i n Wohl zu bleiben.

    :blumen2:

    Wolfsfrau

    Ich gebe auf, ich kann nicht mehr helfen und verstehe es immer mehr.

    Es ist nur alles sehr traurig und Quält mich sehr.


    Für diese Zeit hat es mir sehr gut getan, eine Ansprechperson (Therapeuten)
    zu haben. Er hat mir geholfen, mich ganz langsam bereit und stark genug
    für das Erkennen zu machen, dass ich allein bin, während all das passiert
    und passierte (in meiner Familie).

    Ich habe dabei aber auch die völlige Berechtigung meiner Bedürfnisse nach
    Akzeptanz, Nähe, Ehrlichkeit, Anteilnahme, Wertschätzung, Zuspruch kennen
    gelernt. - Je mehr ich davon als zutreffend erlebte (dass auch ich das alles
    will und vor allem brauche), umso wütender konnte ich erstmals werden, wie
    lange ich es schon "ohne" probiert habe. Das war die eigentliche Quälerei, mir
    selbst so wenig Bedeutung zu geben für die Erfüllung meiner Wünsche (und
    die zugehörigen eigenen Aktivitäten).

    Irgendwann war ich automatisch auf meiner eigenen Seite (Gefühle, Verstehen)
    und ganz "auf meiner Seite". Von da an ging es um mich. Um alles, was ich
    in mir trage, brauche und will. Und was ich vermutlich nie kennen gelernt hatte.
    - Inzwischen weiß ich drum und kann auch viel klarer spüren, wenn ich wieder
    von meiner Selbst-Fürsorge abdrifte. Dinge anderen zuliebe hintan stelle, die
    mir dann aber für meine eigene Ausgeglichenheit fehlen ... das ist schon MEIN
    Einstieg in meine eigene Sucht (die Co-Abhängigkeit, das Abdriften in schein-
    bare Erwartungen und Wünsche anderer, statt mit Mut zu meinen eigenen zu
    stehen).


    Ich weiß jetzt muss ich mir selber helfen !!


    ... ich möchte ergänzen: (helfen) LASSEN. - Nach dieser Strecke und auf die
    harte Ernüchterung brauchst vielleicht auch Du erstmal eine gute Adresse, wo
    Du mit Deinen Gefühlen und Deinem Schmerz hinkannst.

    Alles Liebe und Gute für den Termin!

    :)

    Lieben Gruß,
    Wolfsfrau

    Hallo hsch,

    das kenne ich sehr gut von mir selbst. Es drückt einen auch nieder, all die Trägheit
    und das Stillstehen (in der Sucht), die eigene Machtlosigkeit kommt noch dazu. Es
    IST ein Schock, zu begreifen, dass "es egal ist", ob ich etwas (für den anderen und
    für "uns") will oder nicht. - Das ist Sucht. Dass das Gegenüber so "dicht" fürs Fühlen
    ist. Dass man auf der Beziehungsebene in einem Kontakt irgendwie völlig allein bleibt
    (oder schon lange war). Dass gar kein Empfinden fürs eigene Leid vorhanden ist, weil
    alle Sinne in der Sucht gebunden und belegt sind.

    Was mich betrifft, schreibe ich immer nur, was mir zu einem Beitrag einfällt, es steckt
    kein Anspruch dahinter, irgendwas davon "umsetzen" zu "sollen". (Ich habe in meinem
    eigenen Leben genug umzusetzen. Wenn nichts gelingt, übe ich an Pflanzen! ;D )

    Es geht immer alles nur im eigenen Tempo, Pausen inbegriffen. Viele Pausen. :engel:

    Nochmal alles Gute für Dich und einfach Kraft, erstmal sacken zu lassen ...

    Wolfsfrau

    Hallo hsch,

    ich bin selbst Angehörige und möchte immer noch, dass meine Mutter keinen
    Kummer (Schmerzen anderer Art) mehr hat. Ich möchte ihr Leben ändern, ihre
    Ehe am liebsten gleich mit. Denn ich "weiß", dass alles an meinem Vater liegt ...

    - sie hat einen Kopf, zwei Hände, ein Telefon und gute Ärzte.
    - sie hat zwei Beine, um von meinem Vater wegzugehen, sie hat sogar genug Geld.

    Ich war auch bei ihrem Hausarzt der die Problematik wohl kennt und den ich um Hilfe bat
    der mir mitteile das man nichts machen kann solange sie nicht will. Ich bin am Boden,
    ich möchte so gerne helfen,....


    Zwar ist in der Sucht das Denken und klare Wahrnehmen (von Ursache und Wirkung)
    sicherlich verformt und gefärbt. Wenn aber körperliche Schmerzen ins Spiel kommen
    und das greifbare Mittel (Arzt) abgelehnt wird. Willst dann Du den Arzt für Dich greifen?

    Sie muss ihre Hand ausstrecken. Sie muss sich wichtig genug sein, Besserung in ihrem
    Leben, vor allem für ihr körperliches und auch emotionales Unbehagen, herbeiführen zu
    WOLLEN.

    Es ist traurig, dass viele Menschen diesen Bezug zu sich selbst gar nicht in sich zu tragen
    scheinen (das Wohlwollen und das natürliche Interesse, es selbst GUT haben zu wollen).
    Dafür wäre dann Therapie hilfreich, falls jemand Schmerzen fühlt und mehr von seinem
    Leben will.

    ... was ich sagen möchte, ist: Keines der Mittel, zu denen Deine Partnerin greifen könnte,
    kannst Du an ihrer Stelle greifen. Du kannst auch ihre Wahrnehmung nicht verändern.
    Hilfreich ist nur die Realität, wie DU sie erlebst, und das hast Du ihr schon geschrieben.

    Es interessiert sie aber nicht. Was sie will, ist tatsächlich, dass DU ihr hilfst. Eher vielleicht:
    Ihr die schmerzhafte Erkenntnis ersparst, dass sie auf diesem Weg nicht weitermachen kann.
    Jedenfalls nicht ohne schlimmer werdende Konsequenzen für sie und ihr (Über-) Leben.

    Es ist egoistisch, ihre Angst bei Dir abzuladen und Dich mit ihrem Elend an sich zu binden.
    Sie lässt in dem Moment sich selbst im Regen stehen und Du siehst auch keine Sonne.
    Weil Du gar nichts tun kannst, was sie selbst zugleich nicht tut, sogar ablehnt, vermeidet.

    Das ist Kraftverlust auf hohem Niveau. Nicht wenige Co-Abhängige waren weit vor ihren
    Partnern in der Klinik, mit Depressionen, Selbsthass (da sie nichts ausrichten konnten)
    und einer völlig ramponierten Psyche (Selbstwert).

    Die "Lösung" ist das "sich-Lösen" aus der Phantasie, mehr Gestaltungskraft zu haben als
    der Süchtige selbst. Tatsächlich bestimmt der Süchtige über Erfolg oder Scheitern Deiner
    Sorge um ihn, nicht Du. Du kannst strampeln oder per Anhalter ins All reisen. Das nimmt
    sich überhaupt nichts. Die Weichen stellt der Süchtige (für sich, wenn man ihn sich selbst
    überlässt, seiner eigenen Urteilskraft und seinem eigenen Überdruss).

    Für mich ist es (auch) ein Kraftakt, das Kreisen um meine Mutter immer wieder zu verlassen.
    Es wurde irgendwann zu meiner eigenen Sucht, um mich vom Schmerz und der Leere abzu-
    lenken, den ein "abwesender" Elternteil (oder auch Partner) in mir auslöst. Was das eigentlich
    MIT MIR MACHT. - Diese Frage, was das mit Dir macht, möchte ich Dir ans Herz legen. Und
    ich finde es gut, dass Du ihr genau das schon geschrieben hast. - Es ist wahr und daran kommt
    sie nicht vorbei. So hat sie eine Chance, zu begreifen, dass eine Grenze erreicht ist.

    Ich wünsche Dir einfach Mut, weiterhin klar auf Deinem eigenen Weg zu bleiben.
    Sobald sie Hilfe wünscht, kannst Du ihr welche anbieten, vorher wird sie gar keine erkennen.

    Liebe Grüße,
    Wolfsfrau

    Hallo zusammen, :)

    ich habe anderswo zur Schwierigkeit geschrieben, einen Süchtigen
    wirklich bei sich zu lassen, sprich: sich nötigenfalls zu trennen.
    https://alkoholforum.de//index.php?top…g27893#msg27893
    (Damit er seinem Problem auf die Spur kommen kann, statt es
    beim "nörgelnden" Partner festzumachen.)

    Genesende Alkoholiker verstehen oft nicht, warum den co-abhängigen
    Partnern (oder Kindern) die Striktheit fehlt, nach der Einsicht (Kopf)
    auch wirklich unbeirrbar Abstand oder Trennung zu vollziehen.

    Da ich selbst in CoDA bin (CoDependents Anonymous) und Literatur
    aus deren Programm verfolge, fand ich diesen kurzen Tagestext sehr
    hilfreich, um zu verstehen, wie "wir Coabhängige" gefertigt sind:


    *****


    (Tagestext zum 11. August)

    In diesem Moment - höre ich auf, mir selber die Schuld zu geben..

    Früher habe ich mir immer die falschen Partner und Freunde ausgesucht. Diese
    Gewohnheit hat ihre Ursachen in meiner Kindheit, in der ich emotional vernachlässigt
    und verlassen wurde. Meine falschen Entscheidungen haben zu einer Serie von
    gescheiterten Freundeschaften geführt. Oft habe ich mir die Schuld an diesem Scheitern
    gegeben. Ich dachte, dass andere mich nur deswegen schätzten, weil ich etwas für sie
    tat oder wegen meiner Fähigkeit, ihre Probleme zu "lösen".

    In meiner Genesung begriff ich langsam, dass eine Beziehung nicht gescheitert ist,
    solange ich etwas daraus lerne. Ich gebe mir nicht mehr die Schuld, wenn eine Partnerschaft
    oder Freundschaft zu Ende geht.


    (aus CoDA: "In diesem Moment", 1. Ausgabe, 1. Auflage, S. 235,
    Bestell-Nr. 120 auf dem Bestell-Formular von CoDA)


    *****


    :sun:


    Liebe Grüße,
    Wolfsfrau

    Hallo,

    ich kann inhaltlich gerade wenig beitragen, möchte aber zurück
    melden, dass es wohltuend ist, sich mitteilen zu können, ohne
    Kommentierung / Einstufung / Bewertung. Mich strengt es sehr
    an, wenn aus einem einzelnen Beitrag umgehend ein Knäuel an
    Überlegungen, Folgerungen, Urteil über Voraussetzungen oder
    Nützlichkeit einer Aussage werden. Egal ob es mein eigener oder
    der eines anderen Schreibenden ist.

    Das hat nichts mehr mit "ich spreche für mich (allein)" zu tun.
    Und es ist nicht nötig, einem Ratsuchenden die ultimative Lösung,
    sonst keine, anbieten zu "müssen". Trotz zwingender Logik aus der
    Sucht (und gegen ihr Fortbestehen) nimmt sich ohnehin jeder das
    aus einem Beitrag, was für ihn passt, was zu ihm durchdringen kann.

    Da finde ich es sinnvoller, das Zutrauen aufzubringen, dass auch ein
    Hilfesuchender für sich entscheiden kann, was für ihn umsetzbar ist
    und was vielleicht noch nicht. :)

    Lieben Gruß Euch allen,
    Wolfsfrau


    Und in den Berichten von anderen Angehörigen wirst Du jede Menge Tipps für Dich finden.
    ICH als Alkoholiker hätte nur einen für Dich - und den willst Du offensichtlich nicht hören ...

    Ich kann aus eigener Erfahrung nur beisteuern, dass ich zu Beginn meines Wegs
    gar nicht in der Lage war, einzuordnen, zu erkennen, unterscheiden zu können,
    was wohin gehört. Wer welches Problem hat (in einer Beziehung mit Sucht immer
    beide ein eigenes), wer welche Verantwortung.

    Dazu kam meine völlige Fehl-Erziehung, mir Gefühle, Ängste, Themen eines
    Gegenübers immer komplett "anzueignen" (ohne das fühlen zu können). Ich
    wurde auch co-abhängig, weil ich MEINE Interessen, verletzten Grenzen und
    Gefühle gar nicht als "verletzt" erkannte. Ich kannte ja nichts anderes, als
    zu "reparieren" und mich anzustrengen, für ein Minimum an Sicherheit / Beziehung.

    Von einer Sucht-Beziehung loszulassen, erfordert, dass ich erstmal stark genug
    in mir selbst werde, es auch allein auszuhalten. Nicht umsonst halten Beziehungen
    zwischen Süchtigem und Co-Abhängigem oft so lange. Der Co-Abhängige ist von
    sich aus oft schon angeschlagen, sucht emotionale Stabilität und gibt dafür alles.
    Die Gleichung knirscht dann an der Stelle, wo sich zeigt, der Süchtige "will seinen
    Teil (dieselbe Hingabe, Entschlusskraft) nicht tun".

    Da kreuzen sich zwei Themen: Die emotionale Abhängigkeit des Angehörigen und
    die Suchtmittel-Abhängigkeit des Süchtigen (um seinerseits mit seinen Gefühlen
    klar zu kommen, indem er sie abtrennt).

    Der Angehörige läuft mit seinem emotionalen Bedürfnis ins Leere, sucht aber weiter
    nach Lösungen, um den Schmerz dieser Wahrheit nicht aushalten zu müssen. Das
    hält ihn (hielt und hält auch mich) oft in der inneren Blockade und Lähmung fest.
    Es dauert genau so lange, sich der Wahrheit stellen zu können, wie es Zeit braucht,
    (er)tragen zu können, dass man emotional schon sehr lange allein (einsam) war/ist.

    Viele Angehörige von Alkoholikern hatten bereits ein Alkohol-Elternhaus und kennen
    nichts anderes als diese Art emotionale Einsamkeit. Deshalb schütteln Außenstehende
    auch immer den Kopf, mit wie wenig echter Zuwendung, echtem Interesse, solche
    Menschen auszukommen scheinen. Und man appelliert dann an ihr Verstehen oder
    unterstellt mangelnde Bereitschaft dazu. Es ist aber viel komplizierter, weil der eigene
    Seelenhaushalt oft schon die Kerben mitbringt, in denen sich so eine Beziehung über-
    haupt erst einspielen und eingraben kann.

    So. Das ist lang geworden, gehört für mich aber zum Verständnis der Co-Abhängigen-
    Seite unbedingt dazu. (Thema "verstehen wollen" oder "hören wollen".)

    Ich wäre zum Zeitpunkt des ersten Erkennens nicht in der Lage gewesen, mich sofort
    abzugrenzen. Ich wusste ja gar nicht, wo ich innerlich beginne und ende. Wie es MIR
    wirklich mit allem geht. Ich war ja völlig verkeilt ins äußere Chaos (Mutter) und voll
    damit belegt, dort "Ordnung" schaffen zu wollen, damit SIE frei für mich wird und
    MIR ihre Zuwendung geben könnte. - Dasselbe geschieht später in Paarbeziehung.
    Ein eigenes Bewusstsein über die eigene Person, eigene Gefühle und Ansprüche
    konnte ich erst dann aufbauen, als ich in Therapie und auf Abstand zu meinem
    Elternhaus ging. Und auch das hat gedauert, bis ich sagen konnte: Meine Mutter
    trinkt.

    ***

    Aurora, ich drücke Dir fest die Daumen, dass Du auf Deinem eingeschlagenen Weg
    (Therapie) bleibst! Und ich wünsche Dir Mut, der Wahrheit in Deinem Tempo näher
    zu kommen. Es ist ein schmerzhafter Prozess, der einem viel wegzureißen scheint.
    Danach kann aber viel mehr Schönes und Lebendiges nachrücken und das lebt sich
    dann wirklich GUT!

    Liebe Grüße und achte gut auf Deine Grenzen, zwing' Dich zu nichts,
    Wolfsfrau

    Hallo Aurora,

    ich habe eben erst Deinen Text gelesen, bin selbst co-abhängig (das
    Zusammenleben mit einem Süchtigen gewöhnt und dadurch selbst
    durcheinander geworden).

    Co-Abhängigkeit nennt man den eigenen Prozess, der einsetzt, wenn
    man/frau mit allen Kräften versucht, Lösungen für die Sucht eines
    anderen zu finden. Die Kräfte brauchen sich auf, es ändert gar nichts
    im Leben des Süchtigen, außer das Konflikte und Suchtmittelgebrauch
    oft ansteigen. Die Rollen von einer=süchtig/unterlegen (aus seinem
    Gefühl) und der andere=nicht-süchtig (scheinbar) und damit überlegen,
    verschärfen sich nur.

    Gegen diese Eskalation hilft eher, das eigene Leben unbeirrt fortzuführen.
    Eigene Vorhaben, Kontakte, Freuden, Ziele ... frei machen davon, OB der
    andere von seiner Sucht lässt.

    Ich musste lange lernen und empfinde es noch immer als schmerzhaft,
    einzusehen, dass:

    - wir keine Macht über andere, ihr Suchtverhalten, unsere Krankheit
    (das Rettenwollen) haben

    - wir das Suchtverhalten eines anderen nicht ausgelöst haben,
    - wir es nicht kontrollieren können, und auch nicht heilen können.

    Es bleibt die Machtlosigkeit über fremde Angelegenheiten. >:( ;(

    Mein Ratschlag: Such' Dir Unterstützung durch Aufklärung und
    verlässliche Weggenossen, die mit derselben Situation (Partner
    alkoholabhängig) konfrontiert sind und sich um iHRE eigene innere
    Gesundheit kümmern!

    Je weniger die Sucht das bindende Thema zwischen beiden ist,
    umso mehr Luft und Raum bekommt der Süchtige, die Auswirkungen
    seiner Sucht wahrzunehmen. Er steht dann mehr mit sich in Beziehung,
    als in äußeren Grabenkämpfen gebunden zu sein, die auch ablenken
    von SEINEM Problem. Er wird vermutlich immer sagen: DU mit DEINEM
    ... (Problem) ... damit seine Sucht ungestört für ihn so weiter gehen kann.

    Charakter - wie jemand "eigentlich" sein könnte - und Sucht helfen
    einander nicht oder machen die Sucht unwahr. Sie ist da, sie hat Macht.
    Bis der andere selbst aufwacht und begreift, wie sehr sie ihm und seinem
    (auch Privat-) Leben schadet.

    Genesende Alkoholiker geben mir oft selbst den Tipp: Setz' ihm/ihr die
    Pistole auf die Brust: Sucht oder Beziehung! Beides mache ich nicht mit.
    (Das würden Dir vermutlich auch Menschen hier schreiben. Wir sind nur
    nicht so zügig zur Stelle, in diesem Forum. Vielleicht hast Du das für
    fehlendes Interesse gehalten. Ich hoffe nicht! :) )

    Für jetzt liebe Grüße,
    viel Mut, ehrlich mit Dir selbst und Deinem Unbehagen zu bleiben,
    und Kraft sowie Vertrauen, Dir selbst Unterstützung zu suchen. 44.

    Ich drücke Dir die Daumen!

    Wolfsfrau

    Hallo Macario,

    ich bin selbst Tochter aus alkoholkrankem Elternhaus (immer unauffällig und nach außen
    völlig solide). Deine Beklemmungen kenne ich sehr gut aus eigener Erfahrung. Teil der
    elterlichen Sucht WAR ja, "es" nicht sehen, geschweige denn benennen zu sollen. Über
    dem Trinken (das längst alle sehen) liegt so ein starkes Tabu, das ist Teil der Sucht. Als
    kollektiver Zwang, "es nicht sehen oder ansprechen zu sollen", ausgesendet vom trinken-
    den Familienmitglied. Ich habe meiner Mutter damals einen Brief geschrieben, mit Bro-
    schüren, falls sie Hilfe suchen möchte, um sich mit ihrer Alkoholabhängigkeit auseinander-
    zusetzen. - Es war mir so wichtig, "es" wenigstens zu benennen, damit ICH sie nicht weiter
    sich selbst und ihrer Sucht überlasse. Damit die Wahrheit auch existiert und ich raus komme
    aus dem unseligen Schweigen. Genutzt hat es damals wenig, aber selbst ihre Abwehr und
    hochdistanzierte Antwort half MIR, auf meine eigenen Beine zu kommen und zu begreifen,
    dass ich von ihr in dieser Sache kein 'Entgegenkommen' oder Einsehen, unserer Beziehung
    zuliebe, erwarten konnte.

    Inzwischen trinkt sie zwar nicht mehr, hält aber an ihrer emotionalen Distanz und Verschlos-
    senheit fest. Indem ich Dir hier schreibe, wird mir gerade selbst klar, dass ich genau wie in
    ihrer aktiven Trinkzeit wieder der Idee hinterher renne: Wäre sie nur zugänglicher, auch für
    ihre eigenen Gefühle, h ä t t e n wir (vor allem SIE), ein viel nährenderes Verhältnis.

    Ich als co-abhängig aufgewachsenes Kind aus süchtigem Elternhaus bin in meiner Überver-
    antwortung ebenso krank geworden (an Denkweisen und "Ideen", wie sich alles "verbessern"
    ließe) wie die Süchtige selbst. Nur dass ich oft nicht bemerke, wie sehr ich immer noch retten
    will.

    In einer SHG für erwachsene Kinder aus süchtiger Familie höre ich immer wieder den Hinweis
    zur elterlichen Sucht: Sucht ist eine dreifache Krankheit: körperlich, seelisch, geistig. (Sie be-
    einträchtigt den Süchtigen in diesen drei Bereichen gleichzeitig, sein Fühlen, Denken, Handeln.)

    UND:
    - Wir (als Kind) haben es nicht verursacht
    - Wir können es nicht kontrollieren
    - Wir können es nicht heilen

    ... wir können "nur" klar aussprechen, dass es uns belastet und wir nicht mehr dazu schweigen.

    Ich wünsche Dir viel Kraft und Mut und Entschlossenheit,
    Dir selbst diesen Dienst zu erweisen!


    :sun:


    Inzwischen sehe ich es so, dass mich niemand zwingen kann, an seiner Lüge MIT festzuhalten.
    Unsere Familienlüge lautet immer noch. Wir HABEN KEIN Problem. (Ja nee, ist klar. / Ironie aus.)
    Seit ich ehrlich bin und "es" benannt habe, bin ich das Problem. Ich offenbare am deutlichsten
    meine Schwierigkeiten im Leben, ich mache eine Therapie, brauche Genesung und SHGs, ... meine
    Eltern lehnen den Gedanken oder die Möglichkeit, Hilfe überhaupt nur zu suchen, nach wie vor ab.
    Das ist Teil der Sucht ("ich schaff' das auch allein!") und hat rein gar nichts mit Annahme oder nicht-
    Annahme meiner Person zu tun. Ihr Leugnen bestimmt über die emotionale Distanz, nicht der Wert
    meiner Bemühungen oder meiner Person oder meiner Errungenschaften. Auch ich muss gesunden.

    Liebe Grüße,

    Wolfsfrau

    Hallo liebe Tammy,

    ich weiß gar nicht, was ich Dir wünschen soll. Es tut mir so leid,
    dass Du beide Eltern auf einen Schlag verloren hast. Egal, wie
    belastend die Situation war, das ist ja trotzdem ein Schock. :-\

    Ganz viel Kraft und irgendwo etwas Schutz und einen Unterschlupf
    zum Reden. Das wünsche ich Dir. (Gefühle aussprechen können.)

    Eine Angehörigen-Gruppe könnte Dich sicher gut auffangen. :blumen2:
    Vielleicht haben andere Schreiber noch andere Ideen dazu.

    Alles Liebe, viel Geduld mit Dir selbst, und vor allem Zeit,
    das alles erstmal zu verarbeiten. Das wünsche ich Dir auch. :)

    Achte gut auf Dich.

    Liebe Grüße,
    Wolfsfrau
    (selbst erwachsenes Kind aus suchtkranker Familie)

    Hallo Daisy,

    das kenne ich nur zu gut:


    Menno, jammer, will auf den Arm ;)

    ... wir suchen uns jemanden aus und auf "3" laufen wir gemeinsam los. ;D

    Ich lese Deinen Faden mit und wünsche Dir weiterhin viel Mut und auch das
    tragende Vertrauen, dass es "immer nur für heute" oder "für diese Stunde"
    darum geht, trocken zu bleiben. (Oder nicht zu rauchen, oder nichts zu kaufen,
    oder einen destruktiven Partner nicht anzurufen. Alle Süchtigen arbeiten damit.)

    Die gesamte Ewigkeit schenke ich gern weiter, ... mir genügt ein Tag nach
    dem anderen vollauf. Und ich finde, Du machst das richtig gut! Weiter so!

    :blumen3:

    Liebe Grüße,
    Wolfsfrau

    Hallo Frank, ;D

    Nix Einzelzimmer, Doppelzimmer ist angesagt.

    Handy, Fernsehen und Internet alles verboten.

    An elektrischen Geräten ist nur ein Fön oder Rasierapperat erlaubt.

    (...)

    In meiner Wunschklinik im Schwarzwald hätte ich Einzelzimmer gehabt, im Gemeinschaftsraum
    wär auch mal die Möglichkeit gewesen Fernseh/Nachrichten zu gucken.
    Ein W-lan Bereich hätten die ebenfalls gehabt.


    Entgiften ist vermutlich nichts, was nebenbei geschieht, ...

    Da macht radikale Auslese mit überflüssigem Input (Elektronik) absolut Sinn.

    Den Rest haben Rekonvaleszent, Gerd und Sara viel passender gesagt, als ich es
    aus meiner Erfahrung (Co-Abhängigkeit) für Dich hätte ausdrücken können.

    Aber ich bleibe bei:
    Liebe Grüße und einfach Mut, Dir alles anzuschauen! :)

    Wolfsfrau