Beiträge von wolfsfrau

    Hallo Outdoorfan,

    Danke fürs Starten dieses Themas! 44.

    Mir geht es nämlich wie Dir, dass ich ein gutes Gefühl aus meiner Spiritualität
    ziehen kann. Vor allem zunehmendes Vertrauen in die Selbstliebe. Alles, was
    ich mir selbst noch nicht an Unterstützung geben kann, weil dort viele Ängste
    oder auch mal Zweifel sitzen, hole ich mir von einer wohlwollenden, zutiefst
    bejahenden und Anteil nehmenden Quelle. - Ich bin dabei kein Stück religiös.

    Es geht für mich einfach um eine lebensbejahende, mich als Geschöpf mit
    allen Stärken und Schwächen liebende Kraft, die ich als Kind nicht erleben
    konnte. So gesehen, habe ich mir eigene Eltern gesucht und auch gefunden.

    Für mich ist es seelisch überlebenswichtig, aus meinem Bewerten und den
    Zwängen heraus zu kommen, Dinge schon vorm Losgehen "fertig" haben zu
    müssen. Meine gnaze Familie lebt Leistungs- und Kontrollwahn, und fast alle
    sind auch süchtig. Wir haben keine geistige Quelle, wir glauben blind an Per-
    fektionismus und Selbstverleugnung. - Ich musste da raus! Und ich bin sehr
    dankbar, endlich eine wohlwollende Basis für den Umgang mit mir selbst ge-
    funden zu haben, die auch da ist, wenn ich keine Therapie haben kann.
    Die Frage ist dann oft, ob auch ich "da" bin, um sie zu nutzen, oder ob ich
    mich gerade wieder lieber selbst überfordere ... indem ich perfekt sein will. ;)

    Danke auch für Eure Beiträge hier!

    Allen liebe Grüße
    Wolfsfrau

    44. ... genau DAS wollte ich gestern auch schreiben. :)

    Genesung kommt sicher nicht vom "machen", von Ansprüchen und
    Druck. Im Gegenteil, genau so behindert sie sich im schlimmsten
    Fall eher selbst.

    Liebe Silbermöwe,
    ich lese Dich sehr gern und bin für Deine Echtheit sehr dankbar.
    Darin steckt viel Kraft und Ermutigung, sich selbst zu achten.

    Liebe Grüße
    Wolfsfrau

    Liebe Camina,


    Beim Lesen spüre ich ein innerliches Aufatmen und eine Beruhigung.

    Genau so ging es mir auch! :) Als Kind aus suchtkranker Familie war ich dieselben
    Anstrengungen gewöhnt, wie Süchtige sie an den Tag legen (müssen). Bei uns galt nur
    Perfektion und Nicht-Reden als Weg. Aus diesem Korsett heraus half mir u.a. dieses Buch.
    Ich musste die Selbstliebe und das Verständnis für meine Gefühle völlig neu lernen.
    Und ich bin einfach dankbar dafür, dass diese Reise beginnen konnte.

    Auch Dir und allen, die hier mitlesen, schöne Festtage.

    Wolfsfrau

    Hallo,

    diesen Text möchte ich gern mit Euch teilen, weil er irgendwie gut hierher passt. ;)

    Liebe Grüße
    Wolfsfrau


    [Blockierte Grafik: http://www.animaatjes.de/linien/linien-bilder/weihnachten/animaatjes-kerst-82264.gif]


    24. Dezember – Weihnachtsfeiertage überstehen

    In manchen von uns erwecken die weihnachtlichen Lichter und Düfte freudige und herzliche Gefühle.
    Während sich einige froher Stimmung in die Feiertage begeben, geraten andere in innere Konflikte,
    in Schuld- und Verlustgefühle.

    Wir kennen fröhliche und traurige Weihnachtsgeschichten; doch viele von uns wissen immer noch nicht,
    wie sie die Feiertage überstehen sollen. Sie wissen gar nicht, wie ein frohes Weihnachtsfest aussieht
    und sich anfühlt.

    Viele von uns sind hin und her gerissen zwischen dem, was sie an Weihnachten tun wollen und was sie
    ihrer Meinung nach tun müssen. Vielleicht fühlen wir uns schuldig, weil uns nicht danach ist, mit unserer
    Familie zu feiern. Oder wir empfinden einen Verlust, weil wir die Familie nicht haben, mit der wir gern
    feiern würden. Viele von uns unterziehen sich Jahr für Jahr dem gleichen Weihnachtsritual und erwarten
    jedes Mal, dass es diesmal anders sein wird. Und Jahr für Jahr fühlen sie sich hinterher im Stich gelassen,
    enttäuscht und verwirrt.

    In vielen von uns werden alte, schmerzhafte Erinnerungen an Weihnachten ausgelöst.

    Viele von uns atmen erleichtert auf, wenn das Fest vorbei ist.

    Eines der größten Geschenke unseres Heilungsprozesses besteht darin zu wissen, dass wir nicht allein sind.
    Vermutlich gibt es ebenso viele Menschen, die an Weihnachten Konflikte erleben, wie solche, die diese Tage
    glücklich verleben. Durch unsere Erfahrung, also indem wir immer wieder andere Möglichkeiten erproben,
    lernen wir an jedem Weihnachtsfest ein wenig mehr darüber, wie wir sorgsam mit uns selbst umgehen.

    Unsere primäre Aufgabe während der Festtage ist die, uns selbst, unsere Situation und unsere Gefühle im
    Hinblick darauf anzunehmen. Wir akzeptieren unsere Schuld-, unsere Wut- und unsere Verlustgefühle.
    Es ist alles in Ordnung.

    Es gibt keine richtige oder perfekte Form, die Feiertage zu verbringen. Wir können Kraft daraus schöpfen,
    das Beste zu tun, was wir tun können – ein Jahr nach dem anderen.

    [Blockierte Grafik: http://www.animaatjes.de/mini-bilder/mini-bilder/stern/a967.gif] An diesen Weihnachtsfeiertagen nehme ich mir die Freiheit,
    Sorge zu tragen für mich selbst. [Blockierte Grafik: http://www.animaatjes.de/mini-bilder/mini-bilder/stern/a967.gif]


    [Blockierte Grafik: http://www.animaatjes.de/mini-bilder/mini-bilder/weihnachten/HOXmasEm015b.gif] [Blockierte Grafik: http://www.animaatjes.de/linien/linien-bilder/weihnachten/animaatjes-kerst-54438.gif] [Blockierte Grafik: http://www.animaatjes.de/mini-bilder/mini-bilder/weihnachten/HOXmasK010rudolf.gif] [Blockierte Grafik: http://www.animaatjes.de/mini-bilder/mini-bilder/weihnachten/HOXmasB011.gif]


    (Melody Beattie: Kraft zum Loslassen. Tägliche Meditationen für die innere Heilung, Heyne Verlag, ISBN: 3453047656)

    Hallo Poepinna, :)

    ich bin aus demselben "Bau", Erwachsene Tochter aus alkoholkranker Familie.
    Zu Deinem Thema würde ich gern mehr schreiben, das geht aber mit meinen
    Händen gerade nicht. Vielleicht nur soviel zum Thema Al-Anon: Mir half es ganz
    am Anfang, überhaupt zu begreifen, dass ich niemals Kontrolle über die Sucht
    eines Menschen haben werde. (Und diesen idiotischen Anspruch an mich, j-d
    retten zu wollen/müssen loslassen darf.)

    Die eigentliche Arbeit mit meinen eigenen Gefühlen und Verlusten steht aber
    für mich auf einem noch anderen Blatt. Dazu hat mir Al-Anon zu wenig Emotionales
    anbieten können, nämlich: Meine Gefühle verstehen können, angewendet auf alle
    tiefen und prägenden Erlebnisse in der Grund-Konstellation: Abwesende Eltern.
    (Egal ob durch Alkohol oder Aufpassen auf den Alkoholiker.)

    Irgendwie möchte ich Dir einfach nur wünschen, dass Du liebevolle Rückendeckung
    für DEINE Belange, Deine Ängste, Deine Wünsche (doch noch etwas "schöner" hinzu-
    kriegen, als die Sucht es zulassen will) findest. Vielleicht wäre EKS eine Ergänzung
    für Dich? (Erwachsene Kinder suchtkranker Eltern/Erzieher)

    Dort geht es mehr um die Brüche im eigenen Innern, um das Herantasten ans Fühlen.
    Eigentlich um das Selbst-Bemuttern. Damit Angst, Trauer oder Schmerz nicht mehr
    eingekapselt dahin vegetieren, uns in Rastlosigkeit und Anspannung treiben (süchtig)
    während man leistungsfähig genau damit überhaupt nicht mehr ist. Also mit leerem
    Auto Strecke machen wollen. Ohne Einkehr, Besinnung, Verbindung nach innen.

    Ich höre jetzt erstmal auf mit Schreiben. :)

    Was ich sagen möchte, ist: Sei lieb zu Deinen Gefühlen, statt "erst" im Außen etwas
    schaffen zu müssen (das nicht schaffbar ist, egal wieviel wir über Sucht wissen mögen),
    um so Ruhe finden zu können. Bin mir jetzt gerade gar nicht so sicher, ob das hilft. Deine
    Frage und den Schmerz dahinter kann ich deutlich nachfühlen.

    Vielleicht noch eins: Irgendwann war ich sauer genug, dass man sich ja auch gut auf
    meine Sorge "verlassen" kann, solange ich mehr Kraft da rein gebe, als in mein eigenes
    Leben. - Da wurde ich sauer auf die Sucht. Und darauf, dass sich sonst niemand daran
    störte. (Auch Dein Vater könnte Genesung wählen. Er weiß, dass es Gruppen gibt, so
    denke ich jedenfalls.)

    Einfach erstmal liebe Grüße, Gutes Ankommen hier im Forum, und weiterhin Mut,
    Deine Gefühle ernst zu nehmen und Fragen dazu zu stellen.

    :sun:

    Wolfsfrau

    Hallo Juscha, :)

    ... mir ist beim Lesen auch diese Stelle ins Auge gesprungen:



    weil ich einen Partner zurück lasse, dem ich nicht zutraue, alleine neu anzufangen
    (OTon: dann begehe ich eben Selbstmord).

    Du sprichst von Angst angesichts dieser ziemlich trotzigen 'Drohung'.
    Ich schreibe Dir, weil sie bei mir - von außen geguckt - noch ganz anders
    ankommt.

    In mir löst dieser Satz Deines Gegenübers reine Wut aus.
    Weil er einiges mehr enthält als Dein Gegenüber sich oder Dir eingesteht:

    1. Ich bin mir nicht wichtig. Muss ich auch nicht, solange Du bei mir bist.
    2. ABER DU musst bei mir bleiben. DEIN Job ist es, mich zu bewahren.
    3. Mich interessiert NICHT, wie es Dir dabei geht. Deine Energie interessiert mich.
    4. Ich lebe sehr gut von Deiner Sorge. (Solange sie mir sicher ist.)
    5. Ich brauche Deine Verstrickung mit mir, damit NICHT ICH etwas ändern muss.
    6. Ich schrecke nicht davor zurück, Dich zu ängstigen, damit das auch so bleibt.

    Frechheit!
    Er vermischt völlig wahllos seine mit Deinen Angelegenheiten. Möglich, dass das
    ein gemeinsamer Prozess (Co-Abhängigkeit) ist. Trotzdem, es ist schief, denn:

    Wie kannst Du ihn vor seiner eigenen Gleichgültigkeit bewahren?
    Was ist das für eine beschi**ene Zuteilung / Aufgabe / Überforderung an Dich?

    Er lässt Dich - ob bewusst oder nicht - gegen eine beschlossene Sache antreten.
    Ich meine die Entscheidung, dass er selbst sich (schon jetzt) 'eben' fallen lässt.

    Das 'eben' stört mich (falls es so fiel). Es zielt an Dein Bedauern, Deine Reue.
    Nochmal: Warum sollst DU Reue dafür empfinden, dass ER sich nicht um sich kümmert?
    Er wälzt da gefühlte Tonnen nicht wahrgenommener Eigenverantwortung auf Dich ab.
    Das schadet Dir! Und ist auf dieser Ebene gar nicht zu "knacken".

    Welches Mittel soll bitteschön aus Deiner Welt ausreichen, iN IHM was umzustellen,
    was seine eigene Willenskraft bräuchte? - Das ist frech, empathielos, fast grausam.
    Denn er weiß um Deine Sorge, opfert Dein Wohl seinem Interesse (Sucht beizubehalten).

    Er lebt damit, dass er nichts Schöneres für sein Leben will. Auch für Dich fällt nichts ab.
    - Zuschauen darfst Du aber schon? -

    Ich schreibe so ausführlich, damit Du gar nicht erst auf die Idee kommst, Du könntest
    ihn beschädigen, indem Du die Flucht ergreifst (und Deine seelische Gesundheit rettest).

    Er setzt knallhart und berechnend darauf, dass er ein Recht hat, sich von äußerer Sorge
    und echtem Gefühl zu ernähren, während er selbst es völlig umschifft, für sich da zu sein.
    Ich finde, das geht nicht!

    Möglich, dass ich mich in irgendeinem Punkt verhauen habe, aber ich schreibe so drastisch,
    damit sich diese mir-egal-Narkose (seine) nicht auf Dich mit erstrecken kann. Du bist wert-
    voll, Deine Bedürfnisse sind es auch. Dazu zählt emotionaler Schutz, nicht Abrechnung oder
    Epressung für Dinge, die Du weder verursacht hast, noch kontrollieren oder heilen kannst.
    (Seine Sucht vor allem.)

    Ich hatte ein gutes Gewissen, Dir das zu schreiben, weil ich zuvor das hier von Dir las:


    MUT weil ich bei Euch lese, dass man weitaus schlimmere Situationen meistern kann. Und dass man es schaffen kann.


    Ich glaube, das Wichtigste ist der Mut, wirklich ganz genau hinzuschauen, was da "ist".
    Und mit der Überforderung (die seine Drohung darstellt) nach draußen gehen, sprechen!
    Das ist kein Verrat, das ist ein berechtigter Hilferuf, ehe DU in der Verstrickung untergehst.

    Und Du müsstest nicht alles auf einmal und komplett ändern. Hauptsache, Du bewahrst
    Dir inneren Raum, in dem nur Du, für Dich entscheidest, was Du JETZT wirklich willst und
    brauchst. - Und danach dann, jeden Tag neu, handeln. :) Hilfreiche Kontakte außerhalb
    aufsuchen oder aufbauen, Angebote (Beratung u.a.) ausfindig machen, räumliche Unabhän-
    gigkeit für eigene Rückzüge und Besinnung schaffen, ... das alles geht auch im Kleinen.

    ... einfach in der Bewegung bleiben, die Deine Erkenntnis ja schon eingeläutet hat ... :blumen2:

    Das möchte ich Dir wünschen! Du bist auf einem guten Weg, auch wenn sich das alles
    gerade überhaupt nicht 'gut' anfühlt. :-\ Deshalb denke ich, professionelle Begleitung oder
    eine Gruppe von Weggefährten (SHG) könnte für Dich sehr wertvoll sein. Co-Abhängigkeit
    verwäscht allmählich auch die Selbstwahrnehmung und die Sicht auf völlig berechtigte
    Gefühle, Gedanken, Bedürfnisse. Der Weg aus der Co-Verstrickung, zurück in die gesunde
    Selbstfürsorge, ist ohne Rückkoppelung und Rückendeckung nur sehr schwer möglich.

    Das denke ich so, aus heutiger Sicht. (Ich bin auch co-abhängig. Das ist nie ganz weg,
    ich trage bestimmte Muster in mir. Aber ich kann mit Achtsamkeit erkennen, wo sie liegen.)

    Von Herzen alles Gute auf dem eingeschlagenen Weg!

    :sun:

    Liebe Grüße,
    Wolfsfrau

    Liebe Alexandra,

    auch Dir lieben Dank für Deine Rückmeldung. Ich habe aus den Informationen
    Deiner ersten Beiträge vermutlich falsche Schlüsse gezogen, das Thema "Ver-
    strickung" betreffend. Umso mehr freut es mich zu lesen, dass Du in Deinem
    eigenen Leben unabhängig bist und frei genug, Deinen Zielen treu zu bleiben.

    Liebe Grüße,

    Wolfsfrau

    Hallo Alexandra, :)

    ich las eben Deine zwei Überschriften (Verleugnung und Wut, Verkehrte Welt) und
    dachte nur: Ja genau, das ist, was das Leugnen der Sucht mit einem Angehörigen
    macht.

    1. Das Anliegen, nicht länger mit der Sucht des Gegenübers leben zu wollen, ist ECHT.
    2. Die "Kommunikation" darüber scheitert vorgegeben am Leugnen des Süchtigen.
    3. Als Angehörige/r habe ich keine Macht, das Leugnen des Süchtigen zu durchbrechen.
    (Auch kein Suchthelfer oder Therapeut kommt dagegen an. Hilfe muss gewollt sein.)



    Nun macht er mir wegen meiner Redeweise und meinem Tonfall Vorwürfe.
    Zum Thema sagt er nichts.

    Dazu klaube ich Dir hier mal alles zusammen, was ich als Co-Abhängige (alkoholkranke
    Mutter, die nicht mehr trinkt, aber immer noch "zu" lebt) zum Thema in Therapie und
    Selbsthilfegruppen gehört und 'eingesehen' habe:

    4. ICH muss MIR glauben, dass meine Leidensgrenze erreicht ist.
    UNABHÄNGIG davon, ob der Süchtige "einsieht", dass die Sucht Schaden anrichtet.

    5. Solange der andere in seiner Sucht steckt, ist er für Beziehungsbelange "zu".
    Beziehung (also Bewusstsein & Kommunikation über Gefühle) geht nicht IN Sucht.



    Ich bin super wütend, traurig und sauer, weil mein Mann mich über sein Trinken anlügt.

    Auch dahinter steht noch der Glaube, wäre er ehrlich, könnte ich ihn erreichen / überzeugen.
    Es geht aber nicht um ehrlich oder lügend, sondern um süchtig ("zu") vs. bewusst & fühlend.

    Die Tücke der Sucht besteht darin, dass sie sich vorm Betroffenen (Süchtigen) "verbirgt".
    Denken, Fühlen und Handeln sind der Sucht und ihrem Erhalt angepasst. Der Mensch, den
    man vielleicht noch aus der nicht-süchtigen Zeit kennt (und zurück haben will), ist jetzt
    sucht-krank, mit allen Nebenwirkungen. Verdrehte Wahrnehmung und Leugnen gehören dazu.

    Die Tücke des Co-Abhängigen ist die Selbstüberschätzung der eigenen Mittel & Ressourcen:
    "Wenn ich mich nur doll genug anstrenge, ... wird er einsehen (m ü s s e n), WIE ernst es
    mir ist / wie schmerzhaft die Lage für mich ist / wie sehr er unserer Beziehung schadet, ..."


    Dazu fand ich mal ein sehr treffendes Zitat, in irgendeinem Buch von Melody Beattie:

    "Jahrelang bemühte ich mich wieder und wieder, ihm klar zu machen, wie sehr mich sein
    Verhalten verletzte. Es veränderte gar nichts. Dann, eines Tages wurde mir bewusst: Ich
    muss zu allererst MIR SELBST glauben, wie zerstörerisch diese Situation für mich IST. -
    Von da an konnte ich handeln und aktiv Sorge für mein eigenes Wohlergehen übernehmen."

    Dieses Zitat half mir sehr dabei, auch den Schuldgefühlen zu begegnen, die meine Abkehr
    vom ewig vergeblichen Schauplatz (Trinken und Wortlosigkeit darüber in meiner Familie)
    trotzdem in mir wach rief: Darf ich einen Standpunkt außerhalb der Familie UND das in
    klarem Benennen der Sucht (Tabu) für mich einnehmen? Darf ich meiner Wahrnehmung
    trauen und vertrauen?

    ... Antwort ziemlich zu Beginn meiner Therapie und Selbsthilfe-Treffen: Ich "darf", weil ich
    gar nichts am Sucht-Gestrick verändern kann, außer die Maschen, die ich vorher mittrug,
    niederzulegen. Damit es überhaupt als von mir mit getragen und eigentlich längst in sich
    k.o. erkennbar werden KANN. Und ich "muss" da raus, um mich nicht weiter zu schädigen!


    ... noch ein Therapie-Zitat dazu:

    Ich als Mensch kann nicht Heil-ung für den Süchtigen sein.
    (Es gibt für mich kein Ziel zu erreichen!)

    Das Mitteilen meiner Grenzen und Gefühle kann möglicherweise heil-end
    für seinen Prozess sein. Indem ich klar kommuniziere: "Ende meiner Leidensgrenze,
    ich muss (und trete) hier raus", schaffe ich wahrnehmbare Fakten über den Zustand
    der Beziehung (so nicht auszuhalten), hinterlasse freien Raum beim Gegenüber.

    In diesem Raum - ohne mich und meine ständige Aktivität - kann dann möglicherweise
    so etwas wie Bewusstwerdung einsetzen. Ich und mein Ringen füllen ihn nicht mehr.

    ... eigentlich wollte ich nur knapp schreiben, dann halfen mir meine Erinnerungen,
    zu eben Deinen Fragen, auf die Sprünge, ... Jetzt hast Du das ganze Bündel gekriegt. ;)

    Alles Liebe und Mut, weiterhin Deinen Gefühlen zu folgen, das wünsche ich Dir!

    Wolfsfrau

    Hallo und Willkommen an Bord, liebe Schreiberin, :)

    ich habe Deinen Bericht ganz gelesen und kann Dir die Verzweiflung nachfühlen,
    die Du in Deiner familiären Situation täglich erleben musst.

    Bei mir war es nicht so "schlimm" (sichtbar) wie bei Dir, dass meine Eltern zuviel
    tranken. Sie bemühten sich selbst, die Fassade aufrecht zu erhalten. Dafür wurde
    nicht ich heran gezogen, Arbeiten im oder am Haus betreffend.

    Aber emotional bin ich mit demselben Erbe ausgestattet (worden) wie Du: Mich
    überverantwortlich für das Wohlergehen meiner Eltern zu fühlen. Das klingt völlig
    verrückt, eben weil ich, ähnlich wie Du, mit gesunder Wut auf diese Überforderung
    und Einschränkung, mein Leben betreffend, zu reagieren begann. Trotzdem steckte
    ich fest, zwischen Wut und Schuldgefühl. Das war sehr zäh und aufreibend. ;(

    Ich habe eine längere Therapie gemacht und begriff dort nach und nach, wie sehr
    sich die Regeln einer dysfunktionalen (Gefühle deckelnden) Familie in mein Denken
    und Fühlen eingegraben hatten. Ich konnte gar nicht merken, was schräg war, es
    war ja so vertraut! Ich kannte keine anderen Gefühle als Druck, unterdrückte Wut,
    hilflosen Kummer, Schuldgefühle, Selbstzweifel, stumme Anstrengung und Aushalten,
    usw. ... - Gerade bin ich froh, das in der Vergangenheitsform schreiben zu können.

    Gesund im Sinn von "kein Problem mehr mit diesen inneren Gefühlen" bin ich jetzt
    nicht automatisch. Aber ich kenne andere, gesündere Zustände daneben. Ich konnte
    eine Ahnung gewinnen davon, was iCH eigentlich fühle und will, wenn ich nicht in den
    (aufgezwungenen) Reaktionen oder im Vorgreifen auf schwierige Verhaltensweisen
    meiner Eltern (oder z.B. Autoritätsfiguren) gefangen und voll damit angefüllt bin.

    Soviel vorne weg: Es gibt einen Weg aus dieser scheinbar allumfassenden Bedrängnis.
    Auch aus der falschen Loyalität eines Kindes aus suchtkranker Familie (Thema: Weg
    wollen). Bei Euch, wie auch bei uns, und bei unzähligen anderen Familien auch, haben
    sich scheinbar schon früh die Rollen vertauscht. Sie wurden durch Deine Eltern sogar
    aktiv von Dir abgefordert. (Ich finde das krass, wie sie Dich in der Entfaltung stören!)

    Für sie Arbeiten übernehmen, damit ... (sie in Ruhe trinken können?)
    Für sie Auto fahren und "Transporte" übernehmen ... (damit ... )
    Ihnen Miete zahlen sollen, damit ... (sie mehr Geld für ... haben)

    Ich lese das jetzt mal System-bezogen. Wer hat was, wovon?
    Es dient alles IHNEN. So können sie ungestört ihrer Sucht nachgehen. Die Finanzen,
    der "Biorhythmus" (Nachmittags-Schläfchen oder Trinken am Abend), die Kompensa-
    tion nach außen (alles geputzt, Garten in Ordnung), ... alles ist durch das eigene Kind
    abgedeckt. Mein lieber Schwan! - Ich finde das krass, würdelos (für Dich) und völlig
    empathiebefreit/lieblos von Deinen Eltern. Ihre Sucht fordert auch Deinen Verbleib
    in dieser auszehrenden Struktur.

    Sucht spaltet die Gefühle ab, bestimmt ein emotional verarmtes Miteinander, saugt
    allen Beiwohnern die Kräfte ab, ... sie frisst sich durch eine Familie, bis die alle ist.
    Der Süchtige kommt mit etwas Glück am weitesten, die "Retter" (Gespräch suchen,
    Einsicht wecken wollen) fallen oft schon auf halber Strecke aus. Und keiner erfasst,
    worum es wirklich geht. Die Isolation eines Mitgefangenen in einem Suchtsystem
    ist der schwierigste und aus meiner Sicht unmenschlichste Teil, den Du da mitträgst.
    Deine Erschöpfung, die Entmutigung, in meinem Fall sogar Depressionen, scheinen
    so gar nicht begründet (für die Menschen außerhalb der Familienfassade). Heftig!

    Ich lernte viel über die Gebote dysfunktionaler Familien:
    Ein "gutes Kind" spricht nirgendwo über die Suchtprobleme der Eltern.
    Ein "gutes Kind" bekommt sein eigenes Leben gebacken (gefälligst), s. Fassade.
    Ein "gutes Kind" vergnügt sich nicht ausgelassen, die Schwere der Eltern geht vor.
    Usw. ... Es gibt so viele ungeschriebene Gesetze in dysfunktionalen Familien. Und
    alle Lebensgeschichten von (inzwischen) "erwachsenen Kindern suchtkranker Fa-
    milien oder Erzieher" gleichen sich auf verblüffende Weise. Ich fand mich in allen.

    Von mir fiel soviel Druck ab, als ich das erste Mal eine junge Frau von ihrer
    Beklemmung und Scham wegen des Trinkens ihrer Eltern sprechen hörte ...
    Ich war nicht mehr allein, dieses Heimlichtun, Schweigen, alles allein tragen,
    das war schlagartig VORBEI. - Und ich bekam sehr viel Rückendeckung in dieser
    Selbsthilfegruppe damals, MEHR auf mich selbst zu achten, als mir meine Eltern
    das je "erlauben" würden/könnten. Ihre Sucht brauchte mich ohne eigenes "ich".
    Aber ICH, ich brauchte dringend innere Klarheit darüber, wer ich ohne sie war!

    Das hat viele Kräfte in mir gefordert, aber auch hervor gebracht, ganz langsam
    diesen inneren Wechsel zu wagen: Weg davon, was von mir verlangt und scheinbar
    so unumstößlich ist, hin zu: WILL ICH DAS ÜBERHAUPT? FÜHLT ES SICH GUT AN?
    Nein. Aber es ändern, das fühlte sich auf andere Weise schräg und anstrengend an.
    Die Schuldgefühle zeigten mir unmissverständlich, dass mein Verhalten, Machtworte
    für mich selbst zu sprechen, völlig neu und UNKOMPATIBEL mit den Erwartungen
    daheim waren/sind.

    Ich möchte Dir jedenfalls alle nötige Kraft wünschen, diesen Schritt, raus aus dem
    kranken und Dich zerstörenden Gefüge, zu wagen. Egal womit, und egal wann. Nur
    mit dem Wissen, dass unser Leben anders gedacht ist, als im Schatten krank lebender
    Menschen auszuharren. (Die nachweislich nicht anders leben wollen.) Diese Gewissheit
    konnte ich in mir stärken, allein indem ich genesenden Alkoholikern zuhörte, oder
    co-abhängig aufgewachsenen Menschen, die mir ihre Art der Selbstfürsorge mitteilten.

    Das war jetzt viel Text. :-X Ich hoffe, es ist etwas für Dich dabei. :)

    Ich find's toll, dass Du Deine Gefühle und Deine Not ernst nimmst, indem Du Dich
    mitteilst. (Das war für mich damals der schwierigste Teil, das Schweige-Gebot zu
    brechen und meine Wut erstmals zuzugeben.)

    Liebe Grüße und bleib dran!

    Wolfsfrau

    Liebe Sorra,

    ich habe Deine Beiträge gelesen ... Ich kann Dir glaube ich nachfühlen.
    Es klingt schlüssig, was Du übers Fallenlassen (Loslassen) schreibst. Und
    dass das familiär um einiges härter ist, als einen Partner zum Ex zu machen.

    Das dachte ich bei Al-Anon auch oft. Deshalb ging ich zu EKS. Dort ging es
    um mich als "erwachsenes Kind", eben auch mein Aufwachsen betreffend.
    Und die familiären Gebote, Verbote, den Selbstkritiker, die Lebensangst, usw.
    Bei Al-Anon klingt alles so nach: Na, da machste halt ... und dann Deinen
    Kram. - Ja toll. Wie Du schon sagst, Eltern oder Geschwister sind ganz an-
    ders im eigenen Inneren mit verwurzelt.

    Ich habe aber gelernt am Satz meines Therapeuten: "Ihre Eltern, der X
    und die Y, haben schon weit vor Ihnen ihre eigenen Entscheidungen getroffen."
    - So fand ich aus meiner übermäßigen Verantwortlichkeit für meine Mutter.
    - Sie hat ihn geheiratet. Sie ist geblieben. - Das habe NICHT ICH gemacht.
    - Und sie hat indirekt auch mir meinen Vater zugemutet, durch ihr Bleiben.
    (Alles nicht änderbar, sonst hätte sie selbst es anders zu machen geschafft.)

    Einen misshandelnden Vater aushalten, und mit ihm all die Ohnmacht und
    die Schutzlosigkeit nahestehender Menschen. Das sind viele Themen zugleich.
    Ich mag Dir gar nichts vorschlagen, weil ich denke, das geht nur nacheinander.
    Die Beschützerrolle für Deinen Bruder ist ja nicht einfach so abstreifbar. Das
    stelle ich mir zumindest sehr schwer vor.


    Zu meiner Situation möchte ich noch ergänzen:

    Meine Mutter trinkt nicht mehr. Sie ist emotional aber immer noch so verbaut
    wie damals (aktive Trinkzeit). Seit 2012 hat sie mit einer Krebsdiagnose zu tun,
    nur deshalb habe ich mich damals, inmitten meines eigenen Aufwinds, wieder
    entschieden, öfter heimzufahren. Jetzt, nach 6 Jahren, wurde mir deutlich, dass
    ich darüber schleichend meiner eigenen Genesung abhanden gekommen bin.

    Auch ich fühle mich immer wieder im Dilemma. Ganz wegbleiben, wäre für mich
    und meinen Aufwind (Heilung) das Beste. Ich fühle aber mit meiner Mutter, auch
    sie ist weichherzig, großzügig, hilfsbereit und einfach liebenswert. - Aber sie taut
    nur auf, wenn wir länger zusammen sind. Und ich halte meinen Vater nicht lange
    aus. Schöner Sch**ß. Eigentlich kein Sch**ß, sondern einfach Fakt. Aber ich lege
    mir das negativ aus und habe Schuldgefühle, da nicht drüber zu stehen, für sie.

    Ich danke Dir für Deine liebevolle Rückmeldung zu meinem Teilen mit Dir.

    Meine Geschichte war auch schön, ich hatte eine richtig klasse Tagesmutter. Bei ihr
    wusste ich immer, wo richtig und wo falsch liegt. Sie war christlich unterwegs, nicht
    bekehrend, nie vorwurfsvoll, aber gradlinig wo nötig, ich konnte mich auf sie verlassen. :)

    Auch von meiner Mutter habe ich viel Liebe erfahren. Sie war nur zerrissen zwischen
    einem sehr verletzten und fordernden Ehemann (selbst Kind dysfunktionaler Eltern)
    und mir. Sie hatte sozusagen zwei Kinder, und er trat in Konkurrenz zu mir. - Egal.
    Seit ich das klarer habe (Therapie) und weiß, was mein Vater da eigentlich an sich
    selbst bekämpft, fällt mir der Abstand zu seinen Wertungen leichter. Aber nur mit
    räumlichen Abstand dazu. Ich bin noch nicht immun dagegen, es schwächt trotzdem.
    Weil es negative Energie ist. Selbst wenn ich gut mit mir verbunden bin, stresst das.
    (Und DAS zu erkennen, dann wegbleiben, ist wiederum gesund. Und gerechtfertigt.)

    Jetzt und hier und heute hatte ich einen wunderschönen Tag!

    Ich bin den A-Gruppen sehr dankbar, meinem eigenen Weg, und den Menschen, die
    immer wieder für mich bereit stehen, mir zuhören, mir Hilfen zur Orientierung geben.
    Es gibt soviel Hilfe, ich muss nur die Augen offen halten. Auch Dein Teilen hilft mir.
    Ich darf mich an eigene Heilungsschritte erinnern und finde wieder dorthin. :)

    Einfach Danke und weiterhin alle Kraft der Welt, die Du brauchst, um gut zu Dir zu sein.


    Liebe Grüße,
    Wolfsfrau

    Hallo Sorra, ... nochmal ich ...


    Ich überlege nun, ihn regelmäßig dezent mit Nachrichten zu bombardieren, ...

    Das "Bombardieren" mit weiteren Nachrichten, auch nach dem 1. Versuch, könnte
    tatsächlich die Co-Rollen aufrecht erhalten: Du "weißt, wie es geht", Dein Bruder nicht.
    Du strengst Dich an, willst etwas für ihn, "an seiner Stelle", er will das aber aktuell nicht.
    Das hält ein Ungleichgewicht aufrecht, ein für beide Seiten anstrengendes Gerangel.

    Dieses "Detail" übersehe ich selbst auch gern. Dass erst der Süchtige selbst wollen muss.
    Vorher bin ich ihm, egal mit welchem "Bemühen", absolut keine Hilfe. Im Gegenteil ... die
    Gegenwehr, die nötige Abgrenzung mir gegenüber, kann den Verbleib in der Sucht unnötig
    verlängern. Dann werde ich zum Problem für den Süchtigen.

    Um aus meiner still-duldsamen Rolle, die Sucht meiner Mutter (das Trinken) mit zu leugnen,
    raus zu kommen, empfahl mir mein Therapeut zwar die klare Ansage, DASS ich ihre Sucht
    sehe. Da hörte aber mein Gelände auf. Ich konnte nur diese Info zwischen uns stellen.

    Damals schrieb ich ihr auch mutig und mit Herzklopfen (wegen des Tabus, dass darüber nicht
    gesprochen werden darf) einen Brief. Mit MEINEN Gefühlen, meinen Erfahrungen mit Sucht und
    mit AA. (Als Angehörige durfte ich in offenen Meetings viele hilfreiche Erfahrungen hören.)
    Ich wollte ihr trotz Benennen ihrer Sucht unbedingt die Scham nehmen, dass man es mitkriegt.
    Und ICH wollte, dass sie sich traut, sich Hilfe und Menschen zu holen, um darüber zu sprechen.
    (Damit ICH sie endlich versorgt und auf dem Weg ihrer Heilung wüsste. SIE wollte das nicht.)

    - Und es ging, wie Greenfox beschrieb, komplett nach hinten los. (Sucht und Gegenwehr eben.)

    Ich bekam zwei Zeilen zurück: "Ich habe keine Verwendung dafür" (beigelegte Broschüren).
    Das war ihr klares Statement. (1. Habe kein Problem, 2. will noch viel weniger drüber sprechen,
    3. und am allerwenigsten mit Dir.) Für mich galt: Das war jetzt klar eine Faust in meinen Bauch.
    Es - die Sucht - war brutal, ich bildete mir das nicht länger ein. Kein Platz für meine Belange.
    Auf so verlorenem Posten wollte ich nicht bleiben, mit meiner Lebendigkeit weiter leer ausgehen.

    Erst ab da ging es auch mit meiner Therapie besser vorwärts, weil ich an MEINE Trauer und meinen
    Schmerz heran kam. (Endlich.) Vorher wollte ich sie retten - eigentlich meinen Wunsch, dass es
    Nähe zwischen uns gibt. Es war aber eine verschrobene Nähe des stummen miteinander Leidens.
    Verbunden in Ohnmacht. Für mich fiel da gar nichts ab. Das begriff ich erst durch die "Aussprache".

    Danke Greenfox und alle Alkoholiker, die hier im Forum so ehrlich von sich teilen!

    Liebe Grüße,
    Wolfsfrau

    Hallo sorra, :)

    ich bin erwachsene Tochter aus dysfunktionaler Familie (Alkohol), bei uns war
    aber äußerlich alles "intakt": Haus, Garten, Jobs meiner Eltern, Auto, Mode, ..
    meine Ausbildung und unser gehobener Lebensstil.

    Von meinen eigenen Problemen hatte ich Jahrzehntelang überhaupt keine Ahnung,
    eben weil ja alles bei einander, vorzeigbar, solide und lückenlos war. (Nach außen.)


    (...) Ich sehe mich nicht als co-abhängig, in dem Sinne, dass ich das Suchtverhalten des Betroffenen fördere.


    Co-Abhängigkeit ist nach allem, was ich seit Beginn meiner eigenen Suche erfahren
    konnte, viel mehr als das - aktive oder indirekte - Fördern fremder Sucht. Es ist
    der raumgreifende Prozess im eigenen Innern, sich unbemerkt immer mehr um das
    Wohlergehen des Süchtigen, bzw. seine Sucht zu drehen. Im Versuch, sie auszumerzen.
    Schon so früh (als Kind um Schutz / stabile Eltern ringend), dass ich mich gar nicht als
    seelisch ungesund unterwegs (fixiert aufs Wohl meiner Mutter) begreifen konnte. Für
    mich ist das der tückische Anteil der eigenen inneren Verdrehung (Überverantwortung).

    Für meine eigenen tiefsten Belange oder ursprünglichen Gefühle war nie Raum, die
    habe ich quasi gar nicht von innen her spüren und kennen gelernt. Ich war immer nur
    auf den möglichst unbedrohlichen Gesichtsausdruck meines Vaters bedacht (selbst de-
    pressiv und süchtig), oder darauf, dass meine Mutter sich wieder fing, nachdem er sie
    verbal nieder gemacht hat. (Auch sie wuchs mit einem Alkoholiker als Vater auf.)

    Diese emotionale Wüste zwischen uns - Sprechen über Gefühle oder eigene Klarheit
    gab es nicht - war mir so vertraut, dass ich erst durch "gesunde" Gleichaltrige drauf
    gebracht wurde, dass ich kaum Gefühle "hätte". (Was nicht stimmte. Aber ich wusste
    gar nicht, wie ich sie zeigen kann, oder dass das für Nähe zu anderen wichtig wäre.)

    Auch Du scheinst mit einigen Verschiebungen aufgewachsen zu sein:

    Hier sitzt die echte Co-Falle, die auch mich immer wieder gegen mich
    und meine begrenzten (!) Möglichkeiten anrennen und mich müde
    laufen lässt: Ich will DARÜBER reden, mit meiner Mutter (sie trinkt nicht
    mehr, ist aber weiterhin innerlich einsam und isoliert). Und genau DAS
    GEHT NICHT, weil sie blockt, sich selbst von Gefühlen abschneidet, ...
    und was noch alles reinspielt. Auch Angst, meinen Vater zu reizen,
    wenn sie mir näher ist als ihm.

    Mein schlimmster innerer Kampf war/ist, dass ich nicht hinnehmen will,
    einen anderen Menschen NICHT ERREICHEN ZU KÖNNEN, solange er eben
    in dem Problem (Sucht) steckt, das ich so gern mit ihm (und für mich!)
    lösen möchte. Damit ich ihn zurück bekomme, für echten Kontakt.

    Selbst Kontakt wollen - und das mit einem Süchtigen - führt in die Wüste.
    Für mich eine schlimmere Wüste, als mein Alleinsein MIT meinen eigenen
    Gefühlen.

    Auch ich werde in diesem emotional erstarrten Umfeld (meiner Eltern)
    zu einem Zombie, als träte Kaltluft und Nebel zwischen mich und mein
    Fühlen. Ihre Lethargie, ihre ständigen Wertungen und Rationalisierungen,
    ... das alles lässt bei mir jeden inneren Fluss erlahmen, jedes Mitteilungs-
    bedürfnis.

    Auch ich kenne Al-Anon. Es gibt auch EKS (Erwachsene Kinder sucht-
    kranker Eltern/Erzieher). Dort habe ich noch mehr über MEINE verschüttete
    Lebendigkeit und zerstörerischen Muster der verschobenen Verantwortlichkeiten
    gelernt. Mir geht es - Schuldgefühle inclusive - besser, wenn ich Abstand habe
    zum Geschehen meiner Eltern. Das stelle ich jetzt, nach einem eigenen Umzug
    fest. (Innerhalb der Stadt, wo ich schon lange wohne.) Dieses Projekt hat mich
    wieder zurück zu mir und meinen eigenen Belangen gebracht. Dort gibt es genug
    zu tun. Vorher hatte ich gar keine Kraft dafür, weil ich im Leiden an meiner Ohn-
    macht (Mutter nicht retten zu können) versank.

    Ich trug dann also ihre Depression aus, wachte verquollen und apathisch auf, mit
    Druck auf dem Gemüt. Ich kam nicht von der Stelle (liest sich bei Dir glücklicher-
    weise anders!) und kam meinem eigenen Leben und den drängenden Themen im-
    mer mehr abhanden. Wie ein Süchtiger. Nur dass mich anstelle einer Substanz
    dieser innere K(r)ampf von mir weg trug: Dinge (Menschen) verändern wollen,
    die ich nicht verändern kann. - Die nicht einmal sich selbst oder ihre Lebenslage
    verändern wollten!

    Seit ich das begriff, hilft mir die Wut ein wenig dabei, Abstand einzunehmen.
    Keine Gleichgültigkeit, aber eine innere Abtrennung von der fremden inneren Ver-
    wahrlosung. Die ist nicht da, weil ICH irgendwie bin oder nicht bin, sondern weil
    der andere nicht BEI SICH SELBST ist. Nicht genug, um wirklich zu begreifen, dass
    er seine eigenen Beine gebrauchen muss, um in eine andere Richtung zu finden.

    Abstand ist der einzige Weg, Raum für dieses fehlende Bewusstsein zu schaffen.
    Die emotionale Versorgungslücke des anderen nicht mehr füllen, schon gar nicht
    mit "dem Thema" (Alkohol), das ohnehin jeden authentischen Kontakt torpediert.

    Dazu passt:


    Mir geht es nicht gut seitdem Besuch. Ich bin sehr wütend auf ihn und auf mich,
    da ich mich nicht so verhalten konnte wie ich wollte. Es macht mich aggressiv.
    Mir bricht es das Herz, ihn bei seiner Selbstzerstörung zuzusehen und es fällt mir
    schwer mich davon zu distanzieren.

    Mir fällt auch auf, wie es mir förmlich meine Lebensenergie raubt.

    Tu' Dir Gutes! Wichtig ist, dass Du über DEINE THEMEN sprechen kannst. :blumen2:

    Das habe ich oft völlig "vergessen", weil mein Kopf ja voll war mit der Lösungssuche
    für meine Mutter. Selbst meine Therapie habe ich streckenweise noch ihr geopfert.
    Ihr Leid wog lange noch viel mehr als meins. Ich konnte meine Verluste kaum fühlen.
    Ich konnte nur fühlen, dass sie mir fehlt. Nicht aber sehen, dass SIE DAS WAR. Die,
    die trinkt UND damit mich allein lässt. - Ihre Depression täuschte mich immer wieder
    über ihre Verantwortung hinweg. Lange fühlte ich mich zuständig dafür, sie aufzuhellen.


    Du klingst schon sehr klar bzgl. Deiner Grenzen im Helfen: Hinweise geben ... (wo
    Meetings sind) ... die Verantwortung dann aber wirklich bei Deinem Bruder lassen. 44.


    Einfach liebe Grüße, Mut und Kraft, immer wieder "die inneren Besitzverhältnisse zu klären".
    (Das ist ein Motto aus Melody Beattie's Buch "Kraft zum Loslassen")

    Das wünsche ich Dir!

    :sun:

    Wolfsfrau

    Hallo Libelle,

    ich habe eben Deinen Faden von Anbeginn gelesen. Wow. Danke für Deine Offenheit!
    Auch ich bin Tochter aus alkoholkrankem Elternhaus. Ich kann bestätigen, WIE hart
    es ist, immer noch, klar zu unterscheiden zwischen der Verantwortung, die jeder von
    uns ALLEIN für sein EIGENES Leben hat. - Die Gefühle spielen auch mir immer wieder
    einen Streich.

    Ich bin Einzelkind und meine Eltern waren zuerst beide alkoholabhängig. Mein Vater
    hörte auf (ärztlicher Rat, Mahnung des Arbeitgebers), blieb aber bei meiner Mutter,
    die weiterhin trank. (Weil sie emotional in der Ehe völlig zu kurz kommt und keinen
    eigenen Platz für sich behauptet. Obwohl sie die Leistungsträgerin in der Ehe war und
    ist. Von ihrem Einkommen hat sie für die Sicherheit meines Vaters mitgesorgt. Eine
    trinkende Co-Abhängige.)

    Und ich habe etliche Jahre an Therapie gebraucht, bis ich so etwas wie einen eigenen
    Willen nach Glück und FREIEM Raum in meinem eigenen Leben, in meinen Gefühlen,
    spüren konnte, als meins. Vorher war ich einfach randvoll von Mitgefühl mit meiner
    Mutter (emotional), weil auch ich unter der Unzugänglichkeit meines Vaters litt, der viele
    seiner eigenen Gefühle direkt in Unterstellungen und Projektion uns gegenüber um-
    leitete. Verbale Angriffe, Abwertungen, Lächerlichmachen, überhaupt "alle da draußen
    doof", nur er hell genug, die richtigen Maßstäbe zu vertreten. - Kommunikation zwischen
    uns ging nicht wirklich, wir folgten eher dem täglichen Drehbuch, Eigenheiten meidend.

    Das ganze Ausmaß meiner eigenen Verwüstung - die ich als Jugendliche gar nicht so
    dingfest machen konnte - begriff ich erst mit knapp 45 Jahren. Und dann kam die Wut,
    das Aufbegehren, und endlich so etwas wie ein eigenes Land, das neu zu bepflanzen
    war.

    Meine Heilung hat noch mal eine harte Probe erfahren, als mein Therapeut für ein Jahr
    ausfiel und das in einer Phase, in der ich wg. einer Krebserkrankung meiner Mutter
    wieder näher an mein Elternhaus heran rückte (regelmäßige, wenn auch kurze Besuche).

    Diese schei**-Schuldgefühle, die Ohnmacht (über ihre innere Isolation) kehrten direkt
    wieder, und ich fühlte wieder mehr auf ihrer Seite mit, als zu begreifen, was das mit MIR
    macht: Dass sie auf einmal begann, Aufmerksamkeiten, kleinere Geschenke oder Karten,
    "abzuwählen". Dass sie sagte, "Du musst auch nicht so oft anrufen (besorgt sein)" ... sie
    dachte FÜR MICH MIT und ich ließ das zu. Meine schöne, hart erarbeitete Selbstsbestimmt-
    heit ist inzwischen wieder angekommen bei der Frage: Darf ich? Oder störe ich dann?

    Es ist ein einziger Quallen-Salat, ich bekomme gar nicht auseinander (rational), was wie
    hervorgerufen wird oder wer da gerade welche Rolle spielt. Fest steht, ich will sie immer
    noch "retten" und dachte, es mit meinen aufhellenden Aufmerksamkeiten vielleicht noch
    zu schaffen. Ihre Zeit ist begrenzt (meine übrigens auch, wie mir Dein Faden gerade nahe
    brachte). - Trotzdem kriege ich es im Moment schwer hin, mich an meinen eigenen Akti-
    vitäten zu freuen. Der Platz ist immer noch belegt vom Gefühl: Etwas ist unerledigt. (Die
    Rettung meiner Mutter?) - Wie Gummibänder liegen diese fremd-Gefühle um die Pfoten,
    und ein aufrechter Gang fällt mir da sehr viel schwerer als zu Beginn der Therapie, als ich
    mich deutlich distanzierte.

    ***

    Abstand nehmen, innere Distanz, damit das eigene Feld wieder frei für eigene Gefühle,
    Bedürfnisse und Ziele wird, das kann ich als einzigen Weg zur eigenen Genesung absolut
    unterschreiben. Danke fürs Erinnern an alle wichtigen Punkte!

    Ich habe großen Respekt vor der Arbeit und Kraft, die Du immer wieder aufgebracht hast,
    um Dein eigenes Leben aus der Gleichgültigkeit der Sucht wieder frei zu legen. (Bei mir
    ist es das innere Kind, das immer noch dagegen anrennt, dass meine Mutter prima mit
    Distanz und nicht-beachtet-werden zurecht kommt. Sagt sie, ... 'weiß' das Kind ... usw.)

    Hoffentlich bleibst Du uns erhalten. :) - Ich kann gedankliche Begleitung, durchs Mit-
    lesen in Deinem Faden, gerade sehr gut gebrauchen. Das merke ich daran, wie sehr mich
    Deine Gedanken ansprechen. Sorry für den vielen Text, hier in Deinem Faden.

    Liebe Grüße,
    von einer neu ermutigten Wolfsfrau

    :sun:

    Hallo Siegfried,

    vielen Dank für Deine ausführliche Antwort auf meine spontanen Einfälle.
    Du hast ja eine beachtliche Auswahl zum kreativen Austoben! Kein Grund
    also, sich um Deine Begeisterungsfähigkeit Sorgen zu machen ... ;D

    Das macht Spaß zu lesen, was Du schon so alles gewerkelt hast.

    Lieben Gruß,
    Wolfsfrau

    Hallo Siegfried Drachentöter, :)


    Ich weis gar nicht wo ich mit meinem zwar alten, aber jetzt Generalüberholten
    und von allem Mist befreiten Gehirn zuerst hindenken soll.
    Habt ihr Ideen? ;D

    Diese Frage sprang mich gerade an, als ich hier am nächtlichen Lesen war.
    Und das waren meine inneren Sätze dazu:

    "Was würde mir jetzt so richtig Spaß machen?" - So die Richtung vielleicht?
    Und dann rein ins Vergnügen. Vielleicht irgendwas basteln, verschönern, ...
    umgestalten, ausmisten, von Ballast befreien ... (also nicht unbedingt häkeln).

    Ich bin immer total begeistert dabei, wenn mir etwas derartiges gelungen ist.
    Also schon die Ausgangsidee, wie das aussehen würde (Raum-Deko oder Hand-
    arbeit), elektrisiert mich dann.

    Ich würde nicht nur an Nützliches denken, ich würde meinen Spieltrieb stärken.
    Die Kreativität. - Das kann auch Sprache, Musik, Natur, Fotografie, Sammeln sein.

    Zwar habe ich nie in einer Substanz-Sucht gesteckt, aber der Ausstieg aus tiefer
    Lethargie und Abgeschnittenheit zu mir selbst ist mir noch sehr gegenwärtig. Und
    erst ab da fühlte ich mich überhaupt erstmals "lebendig" und wusste auch gar
    nicht so recht, wie das geht? - "Au ja" war die innere Antwort bei passenden Ein-
    fällen, was ich jetzt tatsächlich gern einfach tun würde. Singen, Tanzen, Schlafen,
    Kochen, Blumen gießen, egal. Hauptsache mit echter Hingabe und Zufriedenheit. ;D
    An meiner eigenen Begeisterung habe ich gemerkt, was ICH überhaupt gern mag.
    Lange gab es nur ein "wie passt es denn?" - Ich kannte nur, von außen gesteuert
    zu sein (und wusste das gar nicht).

    Es gibt ein schönes Buch: "Der Weg des Künstlers". Das ist nicht (nur) für Künstler,
    es richtet sich an genau diese innere Lebendigkeit, die nur von einem selbst genährt
    und ermutigt werden kann. Die Freude ist da eindeutig das treibende Element.
    Und jede Menge "Unfug" für verständnislose Außenstehende gehört auch dazu. Den
    Nutzen durch Begeisterung ersetzen und so seine Ziele wählen. Dabei kommt ganz
    mühelos sehr viel Nützliches für eigene innere Wohl heraus. ;D

    Ich habe nach meinem Ausstieg aus der Verstrickung (incl. Depression und Leere)
    ganz beiläufig meine Wohnung aufgehellt, eine Wand gelb gestrichen und um die
    Fenster geschwungene Bögen in Weiß. Und meine Einrichtungsfarben wurden auch
    heller. Nicht der Stil, mit dem Leute sich Gewicht geben würden, eher unbefangen,
    meiner Begeisterung folgend. Die, die etwas damit anfangen konnten, verstanden es.
    Und mit den anderen, Ernsten, Gewichtigen, mochte ich nicht mehr mithalten (wollen).

    Das sind so meine Gedanken gerade, beim nächtlichen Lüften.

    Ich lese Deinen Faden total gern. Da steckt auch für mich viel Bekenntnis zu wirklich
    ehrlichem Leben und Lebendig-Sein drin. Danke dafür!

    Liebe Grüße,
    Wolfsfrau

    Hallo Julia,

    ich schreibe als "nur"-Angehörige, kann über Alkohol selbst also wenig mitreden.

    Aber was das Hilfe-Annehmen betrifft, weiß ich ziemlich genau, was mir oft im
    Weg steht: Die Scham. Ich habe so hohe Ansprüche an mich selbst, oder an das,
    "wie etwas gehört" - und wie ich es also eigentlich (alles!) selbst hinkriegen
    müsste. "Es" nicht allein hinzukriegen, kann ich weder mir selbst gestattten,
    noch einem Außenstehenden (Zeugen), der mich wohlmöglich "durchschaut".
    Das ist ein ziemlicher Teufelskreis. Ich werte mich dann immer mehr ab für
    meine scheinbare Unfähigkeit, "durchzugreifen" (gegen meine Schwäche).
    Ich nehme es mir selbst immer mehr übel, dass ich in so einer "peinlichen"
    Situation bin. - Und meine Tendenz, das alles vor anderen verbergen zu wollen,
    steigt!

    Die Sucht fördert Scham. Einmal weil man sie nicht einfach so besiegt bekommt.
    Und weil man sich schlicht täuscht: Sie ist nicht per Wille allein klein zu kriegen.
    Sonst gäbe es keine (unfreiwillig!!!) Süchtigen.

    Das Gegenmittel heißt: Sprechen. Genau über das, was Dich im Moment umtreibt.
    So, wie Du es hier schreibend in Deiner Vorstellung gemacht hast.

    44.

    Auch wenn ich mit anderen Verstrickungen zu tun habe und anders an meine
    eigene Abhängigkeit (vom Retten geliebter Menschen) heran gehen muss:
    Ich freue mich immer so mit, wenn jemand beginnt, sich anzuvertrauen. Nur
    dann kann Hilfe ins Spiel kommen. Nur dann wirst Du / werde ich gesehen!

    Ich wünsche Dir Mut, immer nur für einen kleinen Schritt, ... und dass Du
    Stärkung erlebst, von innen und von außen, indem Du damit DIR hilfst ... :)

    Das ist ein schönes Gefühl, erstmals zu erleben: Da versteht mich jemand,
    ich darf so sein, ich muss mich gar nicht verstecken. Und ich werde auch nicht
    abgelehnt. (Das erledige ich eher selbst in meinem Innern, mich abwerten.)

    Liebe Grüße und bleib dran!

    :sun:

    Wolfsfrau

    Hallo Ailin,

    ich kann Dir auch sehr gut folgen. Gerade zu Beginn wollen all die Eindrücke und
    Fragen und Ängste um nahestehende Menschen überhaupt erst mal "raus" ... 44.

    Schreiben und sich Miteilen sind der beste Weg, innerlich wieder Raum für Eigenes
    zu schaffen. Bei mir war/ist es bei allen Problemen so, dass ich mich wie durch
    einen Baumkuchen vorarbeite, von der äußersten Schicht immer mehr zum Kern.

    Mir helfen Analysen von außen und verbunden damit vorausgreifende Überlegungen
    oder Lösungsvorschläge bei diesem Prozess wenig, sie unterbrechen ihn eher und
    ich habe dann zuviel auf einmal zu verarbeiten. Das Fremde und Meins parallel.


    Ich würde gerne in Ruhe in diesem Forum ankommen und mir nicht nach zwei Posts sagen lassen,
    dass ich zu viel über ihn schreibe. Wie soll man meine Geschichte denn ansonsten nachvollziehen können?


    Genau darum geht es. Indem Du so berichtest, wie Du es tust, sagst Du sehr viel
    über Dich. Ich kann Dich gut "sehen" und ich weiß aus meiner Therapie und vielen
    SHGs, dass allein das Teilen (sprechen, schreiben) schon von selbst viel im eigenen
    Innern in Gang bringt.

    Nicht umsonst gibt es "helfende" (rückmeldende) Gruppen und "abstinent von Rat-
    schlägen" arbeitende Gruppen. Ich wäre mit Ratschlägen, während ich noch selbst
    meinen Platz im Familien- oder Beziehungsgeschehen suche, überfordert. Darum
    habe ich eine input-arme Form der Therapie und eine frei von Ratschlägen arbeitende
    Gruppenform für mich gewählt.

    Es gibt viele Wege, und jede/r von uns findet Entlastung und Ermutigung auf ganz
    eigene Weise.

    Mir tut es sehr gut, mich in anderen Geschichten wieder zu finden. Dann fühle ich
    mich nicht mehr so "seltsam" mit "meinem" Problem (haben tatsächlich sehr viel
    mehr Leute als man denken würde), und ich höre Namen für das, was auch ich
    erlebe. - Es kann etwas dauern, bis ich dann auf dem Info-Niveau bin, das ein
    Experte längst hat. Aber dafür habe ich alle Infos auch während des Aufnehmens
    "organisch" in meinen eigenen Weg und mein Erleben zuordnen können, immer
    nur soviel, wie mich auch erreichen kann.

    Eile verlangt aus meiner Sicht nur der Punkt Auto-Fahren (Deines Ex-Partners),
    und wie Du den am besten geklärt bekommst. Alles andere sortiert sich von selbst,
    solange Du ehrlich mit Dir bleibst und Deine Wahrnehmungen weiterhin ernst
    nimmst. Die Themen/Aufgaben tauchen ganz von selbst auf, wenn die innere
    Festplatte Raum dafür frei gibt, und wenn von innen genug Kraft und Vertrauen
    in das eigene Handlungsvermögen nachgewachsen sind ... - Auch diesen Prozess
    muss man loslassen können, Vorgreifen oder (Selbst-) Ermahnungen verbessern
    ihn nicht.

    Ich wünsche Dir ganz viel Vertrauen in Deine Fähigkeiten und in uns als Zuhörende.
    Du bist nicht verpflichtet, aufzugreifen, was von außen kommt. Auch in den SHGs
    heißt es oft, "nimm, was Du gebrauchen kannst, den Rest lass' liegen". Das mag
    ich sehr.

    Alles Liebe und soviel Power, wie Du für alles brauchst, das wünsche ich Dir!

    :sun:

    Wolfsfrau

    p.s. völlig vergessen: Ich bin Tochter aus alkoholkranker Familie. Als meine Heilung
    begann, habe ich seitenlang nur über das, was ich an meinen Eltern "neu" sehen
    konnte als für-mich-schädigend, geschrieben ... Ich konnte gar nicht auf Tipps
    eingehen, ich brauchte auch keine. Weil ich spürte, mein Erkennen, was wirklich
    von meinen Eltern kam oder eben nicht kam, hat die gewünschte Distanzierung
    in mir ganz von selbst gefördert. Der Prozess hat sich von innen her selbst ge-
    steuert, seit ich die Therapie begann und dort Namen für alles hörte.


    Ich denke also nicht, dass man Suchtdruck haben muss, um wachsam bleiben zu können.

    ... das denke ich auch nicht.

    Wenn sich aber Dauerglück nicht als eigene lebbare Realität einstellen will, und wenn man
    folglich Mühe hat, nicht zu zweifeln, zuviel zu denken, ... was auch immer ... dann ist es doch
    eine sehr gesunde und selbst-fürsorgliche Haltung, es zu ent-krampfen, indem man denkt:
    Ok, so IST es gerade, ich fühle mich nicht gelöst und toll. - Und JETZT schauen, dass ich nicht
    wegdrifte, sondern es FÜHLEND durchlebe.

    So verstand ich auch Weinbergschnecke: Dass es wichtig ist, "es anzupacken". Ohne Anspruch,
    dass man dabei gleich dauer-frei und happy sein wird oder sein muss, um "es richtig zu machen".

    Mein Senf dazu. :sun:

    Liebe Grüße,
    Wolfsfrau