Beiträge von wolfsfrau

    Liebe Alina,

    Deine Geschichte berührt mich sehr. Wie schön, dass Du hier schreibst und Dich so
    offen anvertraust! Danke für Dein Vertrauen. :)

    Ich schreibe Dir als Tochter aus suchtkrankem Elternhaus. Auch bei uns ist nie etwas
    "Schlimmes" (Kräche, Gewalt oder so) passiert. Dennoch waren meine Eltern süchtig.
    (Sie sind heute trocken, haben aber nie eine Therapie für ihre Seele gemacht.)
    Und dennoch hatte IHRE Sucht für MEINE seelische Gesundheit Folgen. Alkoholismus
    ist eine Familienkrankheit. Das bedeutet, dass sich auch das Denken und Fühlen von
    uns Kindern verschiebt. Weg vom Unbefangenen, hin zu übermäßiger Sorge und Für-
    sorge ... Wir lernen schon früh, unsere Eltern retten zu wollen. Ich denke, wir wollen
    sie einfach als gesunde und starke Eltern wieder haben, damit sie für UNS da sein
    können.

    Auch ich bin mit diesem drängenden Wunsch aufgewachsen. Ich habe ihn weit mit
    in mein Erwachsen-Sein mitgenommen und muss noch heute sehr aufpassen, nicht
    wieder darin zu versinken, meine Eltern "retten" zu wollen.

    Ich schreibe einfach mal aus meiner Sicht, was mir zu Deinen Gedanken und Gefühlen
    einfällt, ja?



    Er hat mir nie was Schlimmes angetan aber so gesehen auch nicht wirklich irgendwas Gutes
    (woran ich mich erinnern kann) immer wenn ich ihn besuchen komme, ist es ist als würden
    wir immer zusammenleben und es fühlt sich so normal und gut an außer natürlich dass er
    durchgehend trinkt dabei, allerdings nicht gewalttätig oder so ...

    Dieses vertraute, "friedliche" Gefühl mit meinen Eltern, wenn sie betrunken waren,
    kenne ich auch. Ihre Entspanntheit fühlte sich unbedrohlich an. Ich dachte immer, ich
    hätte es besser als die Kinder in Familien, wo es laute Streits zwischen den Eltern oder
    Schläge für irgend jemanden gab.

    Ich wusste damals noch nicht, wie wenig Gutes (wie auch Du schreibst) zu mir kam:
    Echte Zugewandtheit, aktives Interesse, oder offen ausgesprochene Gefühle, Wärme,
    eigene Lebensfreude. - Da war nur die gleichbleibende, eher passive Anwesenheit.

    Tatsache war und ist, dass meine Eltern mir alles Lebensnotwendige gegeben haben,
    und dass es mir äußerlich nie an etwas fehlte. Im Gegenteil, alles war sehr hochwertig.
    "Nur" diese emotionale Verbindung zwischen uns blieb in Worten immer eher flach. Ich
    weiß inzwischen auch, dass sie selbst das in ihren Familien nicht lernen konnten.
    Und dass langer Alkoholmissbrauch auch zu Abstumpfung im Gefühlsleben führt.

    Dein Papa scheint auch sehr durch seine Sucht ausgefüllt zu sein, mit wenig Offenheit
    für Dein inneres Bemühen um Verbindung:


    ... aber wenn ich wieder nach Hause fliege bricht der Kontakt sehr schnell wieder ab.
    Wir schreiben nur sehr selten auf WhatsApp. Meistens ist er dabei auch betrunken.


    Hier ist es für Dich glaube ich sehr wichtig und befreiend, das Thema "Liebe" von den
    Zwängen seiner Sucht zu unterscheiden. Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie schmerz-
    haft es ist, mit der Sucht des Elternteils allein zu sein UND auch mit dem Kummer darüber.
    Ohne Austausch darüber, wie "gesunde Familien" und "gesunde Eltern" sich verhalten
    würden, entsteht in Kindern sehr schnell das Bedürfnis, den Elternteil retten zu wollen.
    (So kehren sich die Rollen um und wir Kinder verlieren den Blick dafür, dass auch wir
    Aufmerksankeit und Liebe brauchen, um Lebensmut zu entwickeln und Freude zu fühlen.)

    Das Wichtigste für Dich und Deine Unbefangenheit ist aus meiner Sicht, dass Du Men-
    schen und einen Ort findest, an dem Du über all dies sprechen kannst. Es gibt, wie Dir
    Dietmar schon schrieb, neben Beratungen auch freie Selbsthilfegruppen für Kinder aus
    suchtkranker Familie. Dort hörst Du Geschichten, die Deiner teils haargenau gleichen.
    Und Du lernst dort auch, wie Du mit Deinen Gefühlen, auch Deiner Liebe zu Deinem Vater,
    umgehen kannst, ohne Dich von seiner Sucht und SEINER Entscheidung, nicht aufzuhören,
    in Deinem Leben behindern zu lassen. :)



    Diese bedingungslose Liebe die ich gegenüber ihm empfinde, weil er mein Vater ist,
    quält mich weil ich keine Lösung finde wie ich ihm helfen könnte, weil er so weit weg ist.

    Dazu möchte ich gern noch einen Gedanken ins Feld bringen:
    Es ist möglich, dass Du so einen besonderen Sog und Schmerz für seine Unerreichbar-
    keit spürst, WEIL er süchtig ist und möglicherweise schon sehr früh emotional für Dich
    nicht wirklich aktiv und zugewandt da sein konnte. (?) Daraus kann das Verlangen in Dir
    entstehen, ihn jetzt irgendwie aus seiner Sucht heraus zu bekommen, damit er für eine
    nahe Verbindung zur Verfügung steht.

    Ich schreibe das, weil ich auch hier denke: Das Wichtigste ist, dass Du für Deine Gefühle
    ein offenes Ohr und Herz bei anderen, mitfühlenden Menschen (Berater oder Gleichgesinnte)
    findest, die genau wissen, was in Dir vorgeht. Weil sie dasselbe erleben und sich daraus
    befreien. Das meinen die Ratschläge hier, die sagen: Kümmere Dich um Dein LEBEN. Es
    sollte ein Leben sein, kein Über-leben und dahin kümmern an Dingen, die gar nicht in
    unserem Einfluss liegen!

    Nähe, Wärme und Annahme durch Menschen, die das auch real geben können, :blumen2:
    sind der beste Schutz für Deine Gefühle! Und sie helfen Dir, immer besser zu verstehen,
    in welche unnatürliche und überfordernde Situation Du durch die Sucht eines Elternteils
    selbst geraten bist.

    Alle hier im Forum mussten sich - egal auf welcher Seite - frei von den Verwirrungen machen,
    die die Sucht im Denken und Fühlen (und Handeln) eines Menschen bewirkt.

    Ich wünsche Dir von Herzen Kraft, Neugier und Mut, Dich und Deine Möglichkeiten ganz neu
    und im Schutz anteilnehmender Menschen kennen zu lernen! - Schreib' jederzeit hier, wenn
    Du mehr loswerden willst. Auch ich begleite Dich hier gern weiter.

    Liebe Grüße
    Wolfsfrau

    :sun:

    Guten Morgen, liebe AnnMary,

    ich bin ein sehr viel älteres Baujahr und habe immer noch (immer wieder)
    mit dem Thema "Abgrenzen" von den krankmachenden Verhaltensweisen
    einer suchtgeprägten Familie zu tun! ;)

    Das Schwierige für uns erwachsene Kinder ist, dass wir schon so früh und
    dann so lange mit dieser verdrehten 'Normalität' zu leben gelernt haben.
    Ohne Alternativen überhaupt zu kennen: Wie ist das, wenn mein Vater/
    meine Mutter wirklich Verantwortung für sich und ihre Gesundheit über-
    nehmen? Stattdessen entwickelt sich dieser überdimensionale Antrieb,
    irgendwas "retten" zu wollen. (Damit auch für uns wieder alles stabil sei.)

    Ich hatte 2008 einen Tiefpunkt in eigener Sache und kam erst dadurch,
    in einer psychosomatischen Reha, an meine eigenen unaufgearbeiteten
    Bedürfnisse und die Riesenwut dahinter heran.

    Wut, weil ich in all den Jahren (weit über Studium und Auszug hinaus!)
    so wenig von mir SELBST mitbekam oder zu greifen kriegen konnte. Ent-
    sprechend profillos habe ich mich durch verschiedene Arbeits- und auch
    Beziehungsversuche gewurschtelt. Ohne mir erklären oder vorstellen zu
    können, WAS mir fehlt, um klar und wirksam mit Menschen in Kontakt
    (Beziehung) zu treten. Meine Arbeitslosigkeit wurde zudem zu einem
    Reizthema innerhalb meiner Familie (bin Einzelkind) und so hatten wir
    lange einen "Patt".

    "Ich rühre nicht an Deiner Sucht." (Immer noch trug ich das Leugnen mit.)
    "Du lässt die Finger von Bewertungen über mein Leben." (Ich blieb weg.)

    Heute erkenne ich, dass mich auch das noch nicht wirklich frei gemacht
    hat, aber ich hatte wenigstens die Hände frei für Therapie und Wachstum.

    Richtig frei (mein Wunschziel) bin ich gefühlt, wenn ich MIT allen meinen
    Themen und Anteilen ohne Scham- oder Schuldgefühle vor anderen stehen
    kann, zu allererst zu mir selbst.

    Genau dafür war in meinem Aufwachsen kein Platz: Das zu lernen.
    Meine Gefühle annehmen, sie überhaupt spüren und unterscheiden können.
    Dann noch darüber reden. Mit wem denn? (Das ging vielen anderen auch so.
    Ich kam durch ein Buch von Melody Beattie auf das Thema Co-Abhängigkeit.)

    Was ich daraus für mich und meinen Wunsch, seelisch ganz und gesund zu
    werden, lernen konnte, war: ERST muss ich mir Fürsorge geben, einschließ-
    lich im Annehmen von Hilfe dafür. DANN könnte ich, falls ich es überhaupt will,
    andere in ihren Belangen unterstützen. Ich brauchte und brauche immer noch
    sehr viel Raum und Zeit zum Verarbeiten. Wenn es mir nicht wirklich gut geht,
    brauche ich Abstand zu Menschen und ihrem Input. Sonst komme ich in Stress.

    Es liest sich sehr schön, dass Du bereits therapeutische Hilfe gesucht und
    auch gefunden hast! Ich weiß, wieviel Kraft es erstmal kostet, einen Kontakt-
    abbruch zu verkünden. Der frei werdende Raum trägt aber mit viel mehr
    Kraft, als in einer dysfunktionalen Beziehung je zu gewinnen wäre.

    Ich wünsche Dir ganz viel Mut, dran zu bleiben. 44.
    Toll, was Du schon alles für Dich aufgedeckt und an Entscheidungen zu Deinen
    Gunsten getroffen hast!

    Das schreibt Dir eine weit Ü40erin, die immer noch übt und neu lernt ... ;)

    Liebe Grüße
    Wolfsfrau

    Hallo Mika, :)

    bist Du noch da? Ich hoffe, Du schreibst hier weiterhin, um Dich mitzuteilen.
    Ganz unabhängig davon, was jemand (wie z.B. ich) dazu spontan denkt. Eine
    Idee reift ja vor sich hin. Ich hoffe, ich habe Dich nicht 'platt' geschrieben ... schwitz.

    Liebe Grüße und einen schönen Mai-Feiertag!
    Wolfsfrau

    Hallo Mika,

    ich schreibe Dir als Tochter aus alkohol-geprägtem Elternhaus. Bei uns stimmte die
    Fassade, meine beiden Eltern funktionierten auch in ihren Jobs weiterhin. Also kein
    direktes Beispiel für den leidvollen Weg, den Deine Schwester durchlaufen musste.

    Mir kamen beim Lesen zu Deinen Vorhaben eigene Gedanken, die ich einfach nur
    hier lassen möchte. (Falls sie für Dich nicht passen, einfach liegen lassen. :) )


    Sie fühlte sich zuhause nicht mehr wohl, floh immer öfter zu Freunden und kam nur noch
    zum Schlafen nach Hause. Geredet hat sie mit niemandem darüber, auch nicht mit mir.

    Meine Frage dazu:
    Fühlst Du Dich dafür in irgendeiner Weise schuldig? Ist das der Auslöser für Deinen Wunsch,
    alles in Form eines - auch für andere Menschen - zugänglichen Projekts aufzuarbeiten?
    (Deiner Schwester wäre unabhängig davon aus meiner Sicht direkter gedient, wenn sie
    aus erster Hand und unmittelbar an den Erfahrungen Gleichgesinnter teilhaben kann, wie
    es in Selbsthilfegruppen der Fall ist. Dafür müsste sie selbst offen sein. Erst einmal Namen
    für das eigene innere Leid zu finden, indem sie sich in anderen Berichten wieder erkennt,
    ist oft der erste Schritt, sich überhaupt mit dem eigenen Erleben auseinander setzen zu können.
    Informieren könntest Du sie unterstützend über die möglichen Angebote an ihrem Wohnort.)



    Ich würde gerne das persönliche Gespräch
    mit Euch suchen, um die schweren Situationen meiner Mutter und meiner Schwester besser
    zu verstehen und nachzuvollziehen.

    Informationen über die Erlebniswelt eines Angehörigen aus einem alkoholgeprägten
    Haushalt könntest Du unmittelbar aus bestehenden Programmen gewinnen. Hier mal ein
    Link zu vielen persönlichen Berichten, die in einem eigens dafür eingerichteten Blog (von
    der Selbsthilfegruppe Al-Anon) zusammen getragen und nach einer Prüfung veröffentlicht
    werden. Die Beiträge stammen von Angehörigen in Genesung. "Genesung" bedeutet, dass
    sie sich empfohlener Mittel und gedanklicher Annäherungsweisen bedienen, um ihre eigene
    Rolle im System "Sucht" besser begreifen und sich nach und nach daraus lösen zu können.
    Der verlinkte Beitrag ist nur einer von vielen, die man rechts am Rand auswählen kann:
    https://blog.al-anon.de/endlich-an-einem-sicheren-ort.html



    Mithilfe dieser Gespräche möchte ich Euch die Möglichkeit
    geben, über die Auswirkungen einer Sucht zu sprechen und zusammen den
    (in meinem Fall von mir versäumten) Leidensweg eines Angehörigen aufzuarbeiten.

    Darf ich Dir eine Frage stellen? - Fühlst Du Dich verantwortlich oder als nicht vor
    Ort lebender Bruder vielleicht schuldig daran, dass Deine Schwester mit dieser
    Situation Deines Vaters konfrontiert war? Das ist für Angehörige nämlich sehr oft
    der Fall. Dass sie denken, "hätten sie nur ... (rechtzeitig eingegriffen), wäre das
    alles nicht so weit gekommen". (Sucht hat aber nichts mit Hilfsbereitschaft allein
    zu tun. Darin decken sich sämtliche Erfahrungen Alkoholabhängiger wie Angehöriger,
    die Du hier mit lesen kannst.)



    Außerdem würde Ich gerne als persönlich Betroffener eine sehr persönliche fotografische Arbeit
    über das Thema der Alkoholerkrankung aus der Sicht der Angehörigen machen, (...)
    Dazu bräuchte ich die Hilfe, von denjenigen, die Lust haben
    mitzumachen, da die Sucht einer/s Anderen ein sehr schwer fotografisch umsetzbares Thema ist.

    Auch dazu kam mir eine Frage: Berührt es Dich selbst so intensiv, dass Du eine Form suchst, das
    Thema sichtbar auszudrücken (Fotos)? Oder liegt Deinem Wunsch das Bedürfnis zu Grunde, auf
    irgendeine Weise auszugleichen, dass Du nicht selbst Zeuge der Situation im Elternhaus warst,
    um direkt zur Zeit und am Ort eingreifen zu können?

    Ich frage das so nachdrücklich, weil es mir wichtig erscheint, in sich selbst Klarheit zu haben, aus
    welchen Motiven man etwas verfolgt. Ist es ergebnis-gebunden, unterstellt man eigene Gewinne
    (für andere?), oder geht es um eigene tiefere Einblicke, vielleicht auch das Akzeptieren der eigenen
    Hilflosigkeit über die Sucht eines anderen. (Das wäre aus meiner Sicht der erste Schritt. Vorher ist
    ein Projekt möglicherweise unbewusst zum Erfolg verdonnert, um sich eben nicht hilflos fühlen zu
    müssen. Das würde dann Deinen Leidensweg, den Kampf gegen die Machtlosigkeit, unnötig in die
    Länge ziehen, und an äußere Erfolge oder eine "Verbesserung" der Situation von Betroffenen ketten.
    Damit würdest Du in die klassische Falle der Co-Abhängigkeit trudeln, selbst etwas ausrichten zu
    müssen, damit es anderen besser geht. Diese anderen haben einen guten inneren Kompass, wenn
    sie selbst Hilfe suchen. Gegen die mögliche Scham als Hindernis hilft das Einlesen, z.B. Online (link).


    Ich kann Deinen Wunsch sehr gut nachfühlen, durchs Aufarbeiten und Sichtbar machen etwas "für
    das Thema" tun zu wollen. Ich finde auch die Idee eines persönlichen Foto-Projekts sehr nachvoll-
    ziehbar. Es ist nur schwer zu unterscheiden, ob Du es für Deine eigene Beruhigung* tun möchtest
    oder in Interesse Deiner Schwester? (Wie ist denn Euer Kontakt, spricht sie mit Dir über diese Zeit?)

    * = Sorry, ich unterstelle aus irgendeinem Grund, dass Du Dich beruhigen möchtest. Vielleicht
    gibt es einen ganz anderen Grund, der meiner Sicht verborgen bleibt. Auch ich bin ja geprägt.

    Einfach alles Liebe und Gute für alles, was zur Aufarbeitung Eures Themas mit dieser Sucht gehört,
    das wünsche ich Dir und Deiner Schwester von Herzen!

    Viele Grüße
    Wolfsfrau

    Ok. :)
    In Klammern hinter den entsprechenden Buchtiteln dann den Vermerk
    "für Kinder" oder "erwachsene Kinder" oder "Angehörige" zu setzen,
    ist eine gute Idee. Meine Sorge war eher, dass die Liste für Menschen
    zu vermischt und unübersichtlich wäre, die gezielt über Alkohol lesen
    möchten.

    Hallo liebe Sunrise,


    Immer noch alles ein wenig konfus bei mir bored013 ( im kreis denk )

    Ich muss mich mal ganz von Herzen bei Dir entschuldigen. :blumen2:

    Mit meinen Erklärungsversuchen wollte ich Dir Deine Schuldgefühle nehmen.
    Ich nahm an, Du ringst noch mit Dir, ob Weggehen eine gute Idee war ...
    Oder ob Du Schuld am Trinken Deines Ex-Partners gewesen sein könntest. schwitz.



    Das mit dem "Hindernis" fühlt sich aber noch immer "falsch" für mich an.

    Dann trifft es auf Deine Situation auch wirklich nicht zu.
    Außerdem bist Du aus dem Ringen gegen seine Sucht ja ausgestiegen (gegangen).

    Nochmals ein :sorry: für die Input-Flut. Ich wollte Dich wirklich nicht verwirren.

    Ich wünsche Dir jetzt einfach einen sonnigen und leichten Tag!

    :sun:

    Liebe Grüße
    Wolfsfrau

    Liebe Sunrise, :)

    Danke für Deine Zeilen.
    Ich möchte noch was dazu sagen:

    Ich hätte nie Coabhängiges Verhalten entwickelt hätte mein Partner kein Alkoholproblem entwickelt. nixweiss0

    In Deinem Fall halte ich das auch für die nachvollziehbare Reihenfolge.

    Ein "Hindernis" wird der co-abhängige Part durch Verhärtungen im Ringen gegen die Sucht,
    wenn er den Süchtigen immer offensichtlicher zu kontrollieren, bewerten, lenken versucht.
    Abwertung, eigene Enttäuschung, Hilflosigkeit, Erpressungsversuche, ... sowas ist gemeint.
    (Jedenfalls soweit ich das Gebiet überblicke.)

    Ich würde diesen Aspekt für mich umformulieren:
    Indem ich meinen trinkenden Partner - in seiner Sucht - sich selbst überlasse, KANN er über-
    haupt nur die Erfahrung machen, für sein Verhalten (Trinken) allein verantwortlich zu sein.
    (Bliebe ich da und könnte meine Sorge, Ärger o.a. nicht verbergen, wäre das weiterhin ein
    Einfluss, der selbst Auslöser für seine Flucht ins Trinken sein k ö n n t e .)

    Für uns Co-Abhängige ist es sehr wichtig, in Sachen Verantwortung gut zu unterscheiden.
    Nicht ich als Person in meinen berechtigten Gefühlen bin Schuld am Verhalten (incl. Trinken)
    meines Gegenübers. - Allenfalls k a n n mein Verhalten beim anderen etwas auslösen, was
    ihn hindert, beim Trockenwerden selbst im Gleichgewicht bleiben zu können.

    Ich würde das ganz vorwurfsfrei sehen: Lieb gemeint ist das Gegenteil von "gut".
    Wir müssen aufhören, für andere voraus zu denken, oder zu handeln, sonst bleiben WIR auf
    der Strecke. (Und der andere ggf. auch, weil er keine Selbstwirksamkeit entwickeln kann.)

    Tu' was für Dich selbst, ohne Schuldgefühle. Und wenn sie sich wieder anschleichen, betrachte
    sie als alte Bekannte, die neu zum Tanz einladen wollen. - Dankend ablehnen, sich Ruhe gönnen.
    Auch wir müssen den Auslösern für unsere Sorge-Sucht entsagen, wenn wir gesund werden
    wollen. Sag' ich jetzt mal so schlau. ;) Auch das ist ein sehr mühseliger Prozess und immer nur
    für einen Tag, eine Stunde oder einige Minuten bewusst zu gestalten.

    Liebe Grüße und weiterhin die Kraft, die Du für Dich brauchst,
    Wolfsfrau

    Hallo phobie, :)

    ich bin selbst co-abhängig und muss sehr auf die Klarheit meiner eigenen Gefühle
    achten. Vorher nützen mir alle egal-wie-gut-gemeinten Tipps leider nichts.

    Du schreibst:


    Kopf Herz Bauch müssen koordinieren. Ich denke instinktiv habe ich meine Antwort.

    Das ist eine gute Basis, hinter einer zu treffenden Entscheidung wirklich auch gut
    stehen zu können. Ohne dass es einen vom anderen Ende her dann auffrisst.

    Wissen muss man beim Ausscheren egal aus einer Sucht-belasteten Beziehung
    oder Familie aber auch: Schuldgefühle sind DAS Markenzeichen der Co-Abhängigkeit.
    "Ich will etwas schöner haben für mich?" - Hilfe, das darf ich doch gar nicht ?!
    (Ehe der andere gerettet, in Sicherheit, in einer neuen Beziehung, steinreich ist, ... )
    DOCH, wir dürfen.

    Ich habe mir diesen Wunsch von Dir mal im Licht der Co-Abhängigkeit und ihrer
    Lieblingsbefehle an uns angeguckt - und etwas unterteilt ... :


    1. Es ist die Sache sich zu lösen,
    2. in der Hoffnung das es nicht allzu sehr weh tut
    3. und Ärger verursacht.

    1. Deine Wahrnehmung ist intakt. Du erkennst: Grenzen erreicht, Kräfte auch alle.

    2. Darf ich es kurz machen? Es wird weh tun. Anders kann niemand Verluste verarbeiten.
    Diesen Schritt kannst Du weder Dir selbst ersparen, noch fremde Gefühle (seine) steuern.
    Die gute Nachricht: Diese Art von Schmerz hat tröstendes Fundament, anders als bisher.
    Ich meine das nicht so hart, wie es klingt. Nur: Schmerz vermeiden, das macht wirklich krank.
    Weil dann eine Lücke im Fühlen entsteht und die verwirrt den restlichen Seelenhaushalt unnötig.

    3. "Ärger" verursacht alles, was bislang unhinterfragte Abläufe und Routinen in Frage stellt.
    Ohne Schuld. - Weder derjenige der geht, ist Schuld. Noch derjenige, der so weitermacht.
    Wenn ich beschließe, dass ich belastende Situationen oder Räume nicht mehr besuche,
    löst das in denen, die dort bleiben wollen, auf natürliche Weise Ärger aus.
    Ihr Ärger sagt: Mist, ich kann nicht beides haben. Meine vertrauten Pfade, UND phobie.
    Stimmt! - Und jeder ist eingeladen, sich die Räume, die Du Dir jetzt erschließen wirst,
    selbst für sich aufzusuchen. (Ich meine damit "Gesundwerden, wieder fühlen lernen".)


    Du nimmst mit der Entscheidung, Dir für Dein Gesundwerden Hilfe zu holen, niemandem
    etwas weg! In unserem Land gibt es für beide Seiten ein reiches Angebot an Hilfen. :)

    Die Gründe, warum ein anderer diesen Weg für sich verweigert, sind allein seine.
    Dem gehenden Teil Schuldgefühle zu machen, heißt nur: Ich will weiterhin beides haben!
    Meinen Stoff und die Person, die jetzt "einfach geht". An seine Bedürfnisse wäre so gedacht.

    Deine sind in diesem engen Radius der aktiven Sucht nicht mit-gedacht.
    Und das war bei mir und meinem Ausscheren der Grund für den heilsamen Schmerz:
    Ich habe erstmals begreifen dürfen, dass ich schon lange allein gelassen war. - Hart.
    Und zugleich das erste Mal die Chance, klar zu erkennen: Dann DARF und muss also wirklich
    ich selbst aussprechen, was ich brauche. Dafür sorgen, dass ich es bekomme. Das muss ich.
    (Weil es kein anderer innerhalb von suchtbelasteter oder anders dysfunktionaler Beziehung
    je könnte! Die haben alle mit ihrem eigenen Kram genug zu tun. Ich würde Jahrtausende warten.)

    In der Hoffnung, Dir etwas Mut für den anstehenden Beratungstermin mitzugeben,
    ganz liebe Grüße und ein anteilnehmendes "bleib dran"! 44.

    Wolfsfrau

    Hallo Nadine,

    Danke für Dein Vertrauen! Ich glaube, dass ich sehr gut kenne, was Du von Dir schreibst.

    Wolfsfrau: Dein zweiter Absatz spiegelt mich glaube ich wieder. Ich merke im Moment, dass
    ich nicht zufrieden hab, dass irgendwas nicht stimmt. Und ich denke es hat was mit der nicht
    besprochenen Sucht zu tun. Oder mit mir selbst, ich weiß es nicht. Ich wohne ja noch im
    Elternhaus, aber direkt ansprechen? Das trau ich mich nicht.


    Auch meine Eltern waren/sind sehr gewissenhaft, leistungsbereit und zuverlässig.
    Man muss über Sucht erst sehr viel lernen - und erklärt bekommen! deshalb SHG -
    um zu begreifen, wie das alles genau mit Deinem/meinem Problem als Kind aus
    solchem Haushalt zusammenhängt.

    Niemand ist da "gemein" oder "versagt". Das macht es ja so schwer, der eigenen
    Wahrnehmung und dem Unbehagen zu vertrauen. Ich fühlte mich lange wie eine
    Verräterin, "es" überhaupt über die Grenzen des Hauses hinaus irgendwo, NUR
    FÜR MICH UND MEINE ERLEICHTERUNG jemandem zu erzählen.

    Warum? Weil ein Gebot aus einer sucht-belasteten Familie heißt: Du sollst nicht
    merken oder offen über Gefühle sprechen. Eltern haben das oft selbst nicht gelernt.
    Verrückt genug, dass Sucht vielfach genau deshalb überhaupt entsteht. Weil es nie
    einen offenen Umgang mit Gefühlen gegeben hat. Trost und Beruhigung bei Stress,
    Angst oder Überforderung muss also anders erreicht werden. Drogen, Alkohol und
    Essen sind da - seelisch betrachtet - gar nicht so weit auseinander.

    Dein Thema mit dem Gewicht hatte ich so genau auch! - Schon seit ich kleines Kind
    war. Essen als Versuch, sich stabiler zu fühlen, Trost oder Beruhigung für bedrohliche
    Gefühle (wie Wut, Unzufriedenheit, zu kurz kommen) zu schaffen, war und ist da bei
    mir ein Thema. In gewisser Weise ein verdrehter Versuch, für mich selbst da zu sein.

    Selbst-Fürsorge ist eine Tugend, die ich erst ganz langsam kennen lernen musste.
    Dazu gehört unbedingt, Vertrauen in die eigenen Gefühle zu lernen. Wir haben keinen
    besseren Kompass, um zu begreifen, wo wir gut aufgehoben sind und wo etwas fehlt.

    Dieses Fehlende ist schwer auszudrücken, eben weil wir nicht wissen, was es ist.
    Nicht drüber sprechen = Leugnen (das macht auch andere eigene Gefühle stumpf)
    Sich nicht in Ordnung fühlen = Druck, Scham, Überforderung, Verwirrung, Ängste, ...

    Wo ich das gerade so alles aufzähle, wird mir selbst nochmal deutlich:
    Meine Schwere und Verwirrung, bis zur Verzweiflung damals, die war meine Antwort auf
    den Druck "sprich (bitte) nicht darüber". Über das was Du siehst, fühlst, möchtest.

    Was ich sah: Eine traurige Mutter, einen betretenen Vater, ... vor beiden ein Glas Wein.
    Was ich fühlte: Angst, Ohnmacht, Wut (dass niemand mich anhören wollte oder ansah)
    Was ich wollte: Ansprache! Jemanden, der mir meine Gefühle erklären könnte

    - zum letzten Punkt: Das fand ich in der SHG, und auf sehr anteilnehmende, liebevolle
    Weise. Allein, indem ich Geschichten anderer erwachsener Kinder anhörte, oder auch von
    Partnern süchtiger Personen. Das hat mir so sehr geholfen, nicht mehr MICH falsch zu
    fühlen. (Nur weil ich mein inneres Chaos, den Druck, nicht allein auflösen konnte. Das
    war mit den fehlenden Mitteln ja gar nicht möglich, damals!)

    "Ängste sausen lassen" ist ein hervorragendes Stichwort dazu! :)
    (Das gerchla eben schrieb.)

    Ich schreibe das einfach so nieder, damit Du nehmen kannst davon, was Dir weiter hilft.
    Den Rest lass einfach liegen. - Mach Dir nicht unnötig Druck, davon hast Du genug. :blumen2:

    Liebe Grüße
    Wolfsfrau

    Hallo Nadine,

    ich war selbst viele Jahrzehnte mit der Sucht meiner Mutter konfrontiert.

    Aus verschiedenen Gründen habe ich für mich selbst eine Therapie gemacht,
    um dann völlig überrascht zu begreifen, wie sehr meine eigenen Probleme
    mit dieser NICHT besprochenen Sucht in meinem Elternhaus zu tun hatten.

    Es gibt dazu das Stichwort "Erwachsene Kinder aus suchtkranker Familie".
    https://nacoa.de/infos-f%c3%bcr…s-suchtfamilien

    Mich hat es sehr entlastet, mich in den Erfahrungsberichten anderer
    Betroffener wieder zu finden. Ich fühlte mich nicht mehr so gespalten zwischen
    meinem ehrlichen Widerwillen (Ekel wegen des Alkoholgeruchs) gegen die
    Sucht, und der Liebe für meine Mutter in ihrem Wesen.

    Trotzdem habe ich einige Jahre (!) Anlauf gebraucht, mich selbst von falscher
    Verpflichtung zu ihrem "Schutz" (vor Beschämung) frei zu machen und sie klar
    auf ihr Problem anzusprechen.

    Aus meiner Sicht 'schonte' ich sie und ihr Selbstbild, indem ich ihr nicht 'vorwarf',
    dass sie trinkt. Das Glas Wein auf der Küchenarbeitsplatte war für mich als Kind
    schon normal. Und ich kannte keinen anderen Ablauf am Wochenende. Meine
    Mutter kochte aufwendige Gerichte, meine Eltern schätzten gute Weinsorten, es
    lief immer völlig harmonisch ab. Nachmittags schlief meine Mutter einige Stunden,
    auch das kannte ich von ihr nicht anders.

    Mich dann vor diese Frau hinzustellen und es heraus zu bringen, das "böse Wort"
    Alkohol-Sucht. - Undenkbar. Irgendwann habe ich es dann mit einem Brief geschafft.
    Ich lebte da schon länger in einer anderen Stadt.

    Was Dir Gerchla aus der Sicht eines genesenden Alkoholikers schreibt, trifft zu!


    Ich finde es auch nur fair, wenn man den Alkoholkranken mit seiner Sucht konfrontiert, ...

    Erst heute begreife ich, dass das nichts mit Beschämung (durch mich) zu tun hat.
    Viele Süchtige wagen nur lauwarm, sich einzugestehen, dass sie "es" nicht mehr im
    Griff haben. Eine Konfrontation könnte da ihre Wahrnehmung stärken und ihnen helfen,
    sich und ihr Problem ernst genug zu nehmen, um sich Hilfe zum Suchtausstieg zu holen.

    Mir war nie bewusst, dass das "drüber weg sehen", ausweichen, sich arrangieren, nur
    um es NICHT aussprechen zu müssen (dem Süchtigen nicht das Gesicht nehmen zu
    müssen), tatsächlich auch den Selbstbetrug und damit die Schädigung der eigenen
    körperlichen und geistigen Gesundheit unnötig verlängert.

    Deshalb würde ich Dir auch raten, Deiner Mutter mitzuteilen, wie Du selbst sie erlebst,
    wenn sie ihr Bier trinkt oder danach. Welche Gefühle Du in diesem Miteinander dann
    hast. Dass Du Dich schwertust, ihr dann näher zu sein (Geruch) oder selbst von Dir
    zu sprechen. - Was immer Deiner Wahrnehmung und Deiner Wahrheit entspricht ... :)

    Meine Mutter hat sich nicht über meinen Hinweis freuen können und mich sehr sach-
    lich darauf aufmerksam gemacht, dass sie auch keinen Bedarf an Informationen zur
    Genesung habe. - Das half mir damals, dann wirklich innerlich Abstand zu nehmen.

    Soviel erstmal zu Deiner Gegenwart. Der erste Schritt ist Ansprechen allemal!
    UND Dich mit Deiner eigenen Seite im Suchtgeschehen (als Kind) auseinander setzen.
    Obwohl meine Mutter mich liebt, HABE ich sehr eigenartige Strategien "gelernt", mich,
    meine Gefühle und Bedürfnisse einer Situation oder Person zuliebe abzuschwächen.

    Achte darauf, dass Du Deine eigene Ehrlichkeit nicht dem scheinbaren "Schonen"
    Deiner Mutter unterordnest. Für sie ist Unehrlichkeit keine Schonung, sondern mehr
    psychischer und körperlicher Schaden. Das co-abhängige System Familie aber trägt
    unausgesprochen der Gedanke, man dürfe nicht an der Sucht rühren. - Für alle fatal.

    Also, ran an die Ehrlichkeit, ... und das mit aller Muße, die Du dafür brauchst.
    Auch die eigenen Ängste um den Kontakt, ob/wie er dann noch fortbesteht, reisen ja mit.
    Deshalb würde ich mir genügend Zeit lassen, bis ich selbst stark genug bin, notfalls
    meinerseits alles zu tun, um selbst nicht Schaden am gemeinsamen Leugnen zu nehmen.

    Viel Mut und Rückendeckung (durch Gruppen für Angehörige) wünsche ich Dir!
    Es ist ein Akt der Liebe, dem Süchtigen die Wahrheit über seine Situation zugänglich
    zu machen, damit er wählen kann, ob er sich selbst (und möglicherweise die Familie)
    weiter schädigen will.

    Liebe Grüße
    Wolfsfrau

    Hallo little,

    ich lese hier bei Dir mit, und ich finde es kein bißchen "dumm", sich so zu fühlen.
    Schön, dass Du mit Schreiben begonnen hast. So kann alles einen Namen bekommen
    und Du fühlst Dich nicht völlig allein und seltsam mit "so einem Problem".

    Spontan möchte ich einfach nur einige Gedanken da lassen, z.B. hierzu:


    Ja,hilflos fühle ich mich auch.
    Denn ich habe Angst vor seiner Reaktion,wenn ich ihm sage das ich
    das alles nicht mehr will.

    Deine Angst solltest Du achten und Dir Schutz suchen, mental und/oder räumlich.
    Sonst kannst Du vermutlich keine freie Entscheidung treffen.

    Ich fragte mich beim Lesen auch:
    Hättest Du Angst vorm Alleinsein, wenn Du gehst?
    Oder Angst davor, wie er das findet, selbst allein zu sein?
    (Letzteres darf Dir egal sein, er konnte auch vor Eurer Beziehung schon leben.)



    Er überwacht mich wenn ich mal weggehe und zieht andere Leute da mit rein.
    Das ist das Problem,er hat keine Kontrolle mehr.

    Du kennst seine Bedürfnisse (nach Macht und Sicherheit/Kontrolle) schon sehr gut.
    Dass er andere Leute da mit reinzieht, geht auf seine Person zurück, nicht auf Dich.
    Sollte da jemand "komisch" reagieren, bist nicht Du Schuld an SEINEM Verhalten.
    (Ich bin co-abhängig. Co-Abhängige geben sich irgendwann für alles die Schuld.
    Und sie erliegen irgendwann der Illusion, durch Wohlverhalten alles "richten" oder
    wenigstens "im Zaum halten" zu können. - Sie verbiegen sich, alles andere bleibt stur.)



    Bloss ich muss langsam mal wieder klar kommen,ich gehe nun seit fast 2 Monaten
    nicht mehr arbeiten,weil ich einfach nicht mehr kann.

    Das (wieder klarkommen) wird nach der langen Strapaze so nicht nahtlos gehen, vermute
    ich mal. Und sicher nicht ohne mehr Raum für Dich, zum Durchatmen, Runterkommen, Dich
    fühlen. Nicht iHN DENKEN. Du musst nicht seine Wut verhindern, Du darfst dem Schraub-
    stock-Gefühl - also auch so einer einschränkenden Beziehung - den Rücken kehren.

    Ich möchte noch einen Einfall mit Dir teilen, den ich spontan zu Deinem Namen hier habe:
    Ich höre "little" und ich empfinde (stellvertretend in Deiner Lage): Schnauze voll. Leben will!

    Sich klein oder hilflos/gelähmt zu fühlen, ist nicht Deine Wesensart. Es kommt zustande,
    wenn man lange genug in einem rigiden System lebt, das keinen "Widerspruch" duldet.
    Ein Partner, der einem im Gegenzug verspricht, die Burg gegen jedes äußere Übel zu sein,
    verschweigt ganz nebenbei, dass es dafür im Innern umso gnadenloser für Dich zugeht.

    Die subtilen Einschränkungen, erst aus Rücksicht ihm zuliebe mitgetragen, fordern über
    die Zeit mehr und mehr Raum. (Ich vermute, das geht nicht ursächlich auf sein Trinken
    zurück. Das kann Dir für Deine eigene Bilanz aber erstmal völlig wurscht sein, denn Du
    nimmst ganz ehrlich und authentisch an Dir selbst wahr, dass Du "alle bist". - Zurecht!)

    Hast Du die Möglichkeit, Dir für die eigene Entlastung jemanden zum Reden zu suchen?
    Bei so einer lang andauernden Belastung (durch all die Einschränkungen in Dir selbst)
    wäre es vielleicht wichtig, Dir eine vertrauenswürdige Person (Therapeut/in) an die Seite
    zu nehmen, um überhaupt erstmal ganz langsam wirklich genauer hinzusehen.

    Das wäre mein erster Schritt, wenn ich Angst bekomme um mein seelisches Überleben.
    Und es ist keine Schande, für Dich zu sorgen. Du sagst damit nichts gegen ihn. Nur
    gegen die Schieflage, in der Du nicht gesund bleiben kannst. (Sonst wärest Du jetzt
    nicht "alle".)

    Man darf einen Raum (Beziehung, Familie) verlassen, wenn es einem dort nicht gut geht.
    Auch der andere darf das.

    Wenn diese Freiheit unterdrückt wird, durch Einschüchterung, Schwächung, Abwertung
    oder Gewalt, handelt es sich nicht um eine Liebesbeziehung, sondern um Machtmissbrauch.
    Für den unterdrückten Teil der Beziehung können diese Erfahrungen zu bekannt (Familie)
    sein, um sie überhaupt als Schieflage erkennen und voll-berechtigt ablehnen zu "dürfen".

    Deshalb mein Hinweis auf die Chance, aus diesem lähmenden Denken und Fühlen besser
    heraus zu kommen mit der Hilfe einer Therapie. (Zusätzlich zu den unterstützenden äußeren
    Maßnahmen, die Dir Greenfox schon ans Herz gelegt hat.)

    Es geht hier nicht darum, möglichst schnell möglichst "richtig" zu handeln, um uns oder
    anderen zu gefallen. Ich schreibe Dir eher, weil ich denke, es ist wichtig, zu BEGINNEN.

    Das kann ein Anruf sein, fragen ob man mit seinem Problem dort richtig ist, ... und etwas
    erzählen. Du wirst dabei schnell das Gefühl verlieren, dass Du etwas falsch gemacht hast
    oder Schuld bist daran, dass jemand Dich durch seine eigene Unfreiheit mit unterdrückt.

    Ich wünsche Dir einen hilfreichen ersten Funken, so einen Schritt zu wagen.
    Und gute Erfahrungen genau dabei!
    (Damit meine ich vor allem die Bestätigung Deiner Wahrnehmung, dass es zuviel ist.)

    Liebe Grüße und schreib' weiterhin hier :)

    Wolfsfrau

    Hallo liebe Sunrise,

    ich bin ebenfalls Angehörige (Tochter aus suchtgeprägtem Elternhaus) und setze
    mich auch deshalb schon lange mit dem Begriff "Co-Abhängigkeit" auseinander.
    Deshalb hat mich diese Stelle in Deinem Beitrag sehr angesprochen:

    Ich habe mich unglücklich formuliert mit Coabhängigkeit ist eine positive Charaktereigenschaft. Was ich damit sagen wollte ist, dass für mich das Wort Coabhängigkeit manchmal auch als Vorwurf rüber kommt. Ich hätte nie solche Verhaltensweisen entwickelt hätte mein Partner kein Alkoholproblem gehabt.

    Ich glaube, zu verstehen, wie Du das meinen könntest. Gerade in offenen Meetings der AA
    bekam ich oft mit, dass co-abhängige Partner für einen Alkoholiker selbst ein "Hindernis"
    auf dem Weg des Trockenwerdens sein können. - Dieses Thema hat so viele eingebaute
    Dreh- und Angelpunkte. Mich als co-abhängig aufgewachsenes Kind suchtkranker Eltern
    hat das oft völlig verwirrt. Es klingt wirklich sehr leicht wie: "Du bist aber auch nicht ohne."

    Toll. :( Davon konnte ich mir kein besseres Leben "kaufen". Wieder fühlte ich mich für
    etwas schuldig, mein Verhalten also (?), das ich ohne eigene Not nie an den Tag gelegt hätte.
    Und der Berg von Dingen, für die ich mich bereits selbst (ganz unnötig!) verantwortlich
    fühlte, wuchs also weiter. - Ohne ein gutes und durch und durch wohlwollendes "Geländer"
    in Form von Therapie und SHG zum Thema "Sucht"/Co-Abhängigkeit hätte ich das niemals
    zu meinen eigenen Gunsten aufdröseln können.

    Wie Du schon selbst schreibst: Solche Verhaltensweisen (Gegenüber kontrollieren wollen,
    auf Strategien sinnen, wie man sie/ihn irgendwie zu Einsicht oder Bereitschaft bekommt,
    sich zu öffnen, ehrlich mit Gefühlen und Aussagen umzugehen, ... usw.) entstehen ja tat-
    sächlich überhaupt erst aufgrund der Suchterkrankung des Süchtigen.

    Erst als ich emotional wieder einigermaßen beim Verstehen und Annehmen meiner selbst
    angekommen war, konnte ich die "Architektur" des süchtigen Kreiselns um Stoff oder
    suchtgefangenes Gegenüber mit dem dafür nötigen Abstand langsam verstehen.

    Entlastend war für mich die "Erlaubnis", all meine Versuche der Einflussnahme, egal auf
    wen (meine Mutter oder mich selbst), so auch haben zu dürfen. Als Zeichen meiner eigenen
    Gefangenheit im System Sucht. - Es klingt paradox. Aber ehe mir dieses Verständnis nicht
    zuteil wurde und ich mich also immer noch allein in diesem Kampf (gegen die Sucht und
    emotionale Nichtverfügbarkeit des Süchtigen) fühlte, konnte ich in solchen Hinweisen zu
    meinem eigenen Anteil (?!) nichts anderes begreifen als einen weiteren Vorwurf.

    Für meinen Therapeuten war es teils völlig unmöglich, mir meinen Anteil auf eine Art er-
    kennbar werden zu lassen, die ich nicht "gegen mich" bezog. Ich wollte ja längst alles
    "schaffen", richtig machen, "damit" endlich meine Familie, ich selbst, wenigstens irgend-
    was in Ordnung wäre. Wenn er dann also mal deutlich wurde, heißt: lauter oder unerbitt-
    licher als sonst, war ich zutiefst geknickt. - Später sauer auf ihn, fühlte mich völlig nicht-
    gesehen in meinem Kummer. (Der war jetzt also auch noch unzufrieden mit mir. :-[ )

    Dieses "Sie kreiseln aber auch tüchtig mit in dem Geschehen dort!" konnte ich schon von
    einer Therapeutin 15 Jahre früher nicht hören. Es fühlte sich genau so an, wie Du es hier
    auch formulierst: Natürlich will ich, dass sich etwas ändert. Sonst würde ich ja nicht dran
    hängen, mich so anstrengen. Wäre es mir egal, müsste ich nicht kreiseln. Wieso versteht
    die (später: der) MEINE Not nicht?

    Beide hatten meine Not und Überforderung längst mitbekommen. Aber mich zu erreichen,
    ohne dass ich mit dem co-abhängig zerlegten Ohr ("ich weiß, ich bin schuld") zur Verfügung
    stand und sofort dagegen aufbegehrte, hat nur durch treue und gleichbleibende Liebe zu mir
    als Klientin geklappt. Ich brauchte soviel Bestätigung, dass mit meinen Wünschen alles völlig
    normal und berechtigt ist, um genug Vertrauen in die Zugewandtheit meines Therapeuten zu
    gewinnen. Dass er also auf meiner Seite steht, auch wenn er so "unangenehm" wird. (Weil
    ich aus dem angeschlagenen Teil meiner Seele zuhörte, nicht mit dem berechtigten, der erst
    später nachzog, als mein Verständnis/Mitgefühl meiner eigenen Erkrankung und Aushöhlung
    gegenüber wuchs.)

    Das waren in manchen Stunden gefühlte Nanometer, die ich nur voran kam. Aber gerade mein
    Groll, wenn ich mich missverstanden fühlte - und den Mut hatte, das zurückzumelden! - half
    mir (und dem Therapeuten), dort abgeholt werden zu können, wo ich noch stand: In meinem
    (unnötigen) Perfektionismus, meiner Selbstanklage, meinem völlig überentwickelten und frucht-
    losen Verantwortungsgefühl (immer "richtig" sein zu müssen).

    Dahinter steckte der Versuch einer Hoffnung, alle mir wichtigen Dinge kontrollieren zu können:
    Wenn ich es nur richtig machte/wusste/einsah/formulieren konnte, ... DANN würde sich alles
    (wie gewünscht und ersehnt) ändern. Beim anderen, bei mir selbst, völlig egal. Es lag aber an
    MIR und meiner Anstrengung/Leistungsbereitschaft, davon war ich felsenfest (und im Fall "Sucht"
    leider zu meinen Ungunsten!) überzeugt.

    Glücklicherweise drang dann in der zweiten Therapie irgendwann Stück für Stück die eigene
    Erkenntnis zu mir durch, dass ich längst OK und in eben all diesen Wünschen berechtigt war!
    Dass meine Mama nicht mehr trinken müsste, ... dass ich mich meinem eigenen Leben zuwen-
    den wollte, ... das sind ganz natürliche Wünsche. Ich erhöhte den Druck auf mich selbst ganz
    unnötigerweise, indem ich das an den Erfolg meiner Retter-Bemühungen band und daraus einen
    Knoten machte: Erst wenn ... , dann könnnte auch ich frei sein, eigene Entscheidungen treffen,
    unabhängig denken, fühlen, handeln.

    Diesen Knoten konnte ich nur auflösen, indem ich auf meine eigenen Gedanken VERZICHTETE,
    wie es dabei wohl dem anderen ginge. Oder auf welchem Wege er/sie dann zurecht käme. Was
    ich falsch gemacht hatte, dass ich erfolglos in einem Bemühen blieb. - Das alles verblasste, je
    mehr ich auf die Spur fand, was mir selbst jetzt gut tun würde. Worauf ich selbst so richtig sauer
    war. Worum ich mich betrogen fühlte. Wovon ich so richtig den Kanal voll hatte. - Wut! Die kam
    auf einmal hervor. Und damit auch ganz langsam der Schmerz, die Anspannung, das Loslassen,
    der Spannungsabfall, ganz viel Trauerarbeit. Ich war endlich mit Kopf und Gefühl ganz auf meiner
    Seite angekommen. Endlich konnte ich die erlebten Verluste zu mir nehmen und durch fühlen.
    Dafür fand ich in meiner Therapie und bei den Weggefährten in der SHG den nötigen Rückhalt.
    Das war härteste Arbeit. Ich war ja völlig ungeübt darin, meine eigenen Gefühle anzunehmen.

    Ich war auf meiner eigenen Seite angekommen! - Wenn ich jetzt sagen sollte, wie das geht,
    fiele mir nur ein: Durchs Fühlen meiner eigenen Trauer, Schmerzen, Verluste und der Wut
    über jahrelange Grenzverletzungen in meinem eigenen Leben. Durch andere, aber auch durch
    völlig idiotische "Vorgaben" (Leisten, Funktionieren, Gefühle abstellen), die ich übernommen
    habe, weil das Wissen, dass ich längst genüge, noch nicht in mir wurzeln konnte.

    Vielleicht hat es so lange gedauert, eben WEIL mich meine co-abhängige Verstrickung ja immer
    denken ließ: ERST müssen die Dinge, meine Eltern, meine Mama, in Ordnung kommen, DANN
    dürfte auch ich "vorkommen" in meinem eigenen Innern. - Das war nicht bewusst, es ist hier
    nur der Versuch, zu formulieren, wie mein Denken durch das Suchtgefüge und meine innere
    Anpassung darauf, deformiert war. - Es hielt mich auf Abstand zu mir selbst! Ich koppelte ja
    meine eigenen Angelegenheiten incl. meiner Freiheit, immer an die kranken Lebensbedingungen,
    die das System "Sucht" in meiner Familie und in mir noch übrig ließ. Das konnte nicht gehen.

    ... und so verstehe ich die Versuche von Außenstehenden heute, mich "da möglichst schnell
    raus kriegen zu wollen". Mit "schnell" war da nichts zu machen. ;) Aber mit Besinnung auf
    mein eigenes Unwohlsein, meine Erschöpfung, Verzweiflung und langsam auch die Wut, ...
    da konnte etwas in Gang kommen. (Deshalb ging ich damals ursprünglich in die Therapie.)

    Das war jetzt viel Text. Ich hoffe, nicht zuviel, hier in Deinem Faden. Ich fühle mich mit Deinem
    inneren Standort verbunden. Deshalb entstand mein Wunsch, Dir vielleicht etwas Mut machen
    zu können, wenn Du siehst, dass Du damit nicht allein bist. Dass ich diese innere Bedrängnis
    mit Dir teilen kann und sie auch kenne. Ich nehme Dich als sehr klar wahr und mache mir
    überhaupt keine Sorgen, dass Du in Deinem eigenen Tempo den Weg gehst, der Dich aus der
    Verstrickung heraus führen wird.

    Liebe Grüße und allen Mut der Welt, weiterhin Deiner eigenen Wahrnehmung zu vertrauen,
    das wünsche ich Dir! :)

    Wolfsfrau

    Hallo Annika, :blumen2:

    ich schreibe Dir als Tochter aus einem Elternhaus, das von Alkohol beeinträchtigt
    war und immer noch ist. (Meine Eltern haben nie eine Therapie oder Aufarbeitung
    ihrer Sucht gemacht.)

    Was für Außenstehende kaum nachzuvollziehen ist, ist diese unmerklich gewachsene
    FALSCHE Zuständigkeit im Kind für den alkoholsüchtigen Elternteil. Auch mein Denken
    und Fühlen ist von Rettungs-Impulsen für meine Mutter völlig durchtränkt. Dadurch ist
    meine Sicht aufs Problem (Sucht und ihre Auswirkungen aufs Fühlen) leider oft genauso
    eingeschränkt wie die meiner Mutter (zu ihren aktiven Zeiten).

    Die Logik über Sucht sagt aber ganz zutreffend, was man auch Dir geraten hat: Abstand!


    Mir wurde auch schon öfters gesagt das ich ausziehen soll und meiner Mutter den Rücken
    kehren soll, da sie sich niemals Hilfe holen wird.

    Auch wenn das überhaupt nicht zum vertrauten, trotzdem FALSCHEN Zuständigkeits-
    gefühl für den betroffenen Elternteil passen will. - Und schon ist der innere Konflikt
    am Kochen. Ich meine zu wissen, wie hoch der innere Druck in Dir dabei inzwischen ist.

    Das wirklich Verrückte am UNGEFRAGTEN HELFEN wollen ist, dass "wir" als Angehörige
    etwas bewegen wollen, der Betroffene selbst für sich derweil aber gar nicht auf dem Plan
    steht. - Muss er auch nicht, die besorgten Angehörigen setzen sich ja mit allem ausein-
    ander. Aber von außen kannst Du IM Kopf Deiner Mutter nichts bewegen. Sie schon!
    Sie ist erwachsen. Sie hat zwei Töchter, und DU leidest gerade unter ihrer Sucht,
    genauer: An Deiner MACHTLOSIGKEIT ihrer Sucht gegenüber. Das ist völlig logisch.

    Du trittst gegen ein Problem an, das Du mit keiner Anstrengung der Welt lösen kannst.
    - Weil es ihres ist und ihren wachen Kopf braucht, um es als solches erkennen zu können.



    Ich bin wirklich am verzweifeln und weiß einfach nicht weiter. Ich fühle mich mit diesem
    Problem komplett allein gelassen und ich glaube das ich langsam daran zerbreche.

    Dein Gefühl kann ich aus eigener Erfahrung nachvollziehen. Gerade wenn sich irgend-
    wann das gesamte Umfeld ebenfalls ver-rückt verhält: Jeder hat Teil an der Sucht aber
    niemand springt ein. Besonders belastend empfinde ich die Tatsache, dass Du die letzte
    im Haushalt Deiner Mutter verbliebene Person bist. - Lass Dich davon nicht einspannen!

    Ein Einfall: Bist Du gar nicht wütend? Dass das alles an Dir hängen bleibt? Dass Du
    wegen des inneren Drucks kaum Schönes für Dich selbst auf die Beine bekommst und
    genießen kannst? - Dass es Dir immer schlechter geht, ohne dass sich dadurch irgend-
    was für Deine Mutter zum Guten verändert?

    Ich frage, weil ich WUT erst als mein eigenes Gefühl lernen musste. Ich habe ja immer
    die Gefühle meiner Mutter angenommen und nicht mal gewusst, was ich eigentlich will.
    (Auch ein Effekt der co-Abhängigkeit: Den eigenen Schmerz im anderen sehen, statt ihn
    so klar und berechtigt fühlen zu können, um ein beherztes "Nein!" zur Dauer-Überforderung
    sagen zu können.)



    Wenn meiner Mutter jemals was passieren würde könnte ich mir das niemals verzeihen.

    Auch wenn es hart klingen mag: Könntest Du es Dir verzeihen, wenn Du - ausgelöst
    durch mögliche Depressionen und/oder Substanzkonsum (zum Runterkommen) vor die
    Hunde gehst? Würde jemand anders einspringen, um Dich "zu retten"? Wäre Deine
    Mutter dadurch gesund? - Es tut weh, aber Deine Verausgabung bewirkt für sie nichts.

    Selbsthilfegruppen für betroffene Kinder / Angehörige von trinkenden Eltern sind Dir
    da vielleicht eine Hilfe, um mit dem ver-rückten Gefühlsleben und Denken überhaupt
    erstmal verstanden zu werden. Diesen Marathon - bis zur nötigen Distanzierung vom
    süchtigen Elternteil - haben dort so ziemlich alle durch.

    Für mich war das Kennenlernen aller Fakten über Sucht und mein (sorry: besch***ener)
    Part als Kind darin lebenswichtig. Es dauert seine Zeit, alte Fühl- und Denkroutinen zu-
    gunsten gesünderer Sichtweisen zu überdenken und irgendwann loslassen zu können.
    Je mehr ich aber begriff, wieder und wieder hörte, umso mehr erkannte ich MEIN Leid.
    Und von da aus ging dann auch Handeln (für mich selbst). Immer in kleinen Schritten.

    Es lohnt sich!

    Ich wünsche Dir alles erdenklich Gute und vor allem Mut, "neues Denken" zu wagen.
    Sonst erliegst Du irgendwann dem Irrglauben, mit Dir stimme etwas nicht, nur weil
    ein erwachsener Mensch neben Dir beschließt, die Verantwortung für sich liegen zu
    lassen. - Die muss man als Kind nicht aufheben, die gehört in seine Hände.

    Besonders schwer ist es, die Hilfsversuche bleiben zu lassen, weil man ja den Eltern-
    teil eigentlich gern als Elternteil behalten möchte. Die eigenen Nähewünsche fahren
    zu lassen, ist im ganzen Heilungsprozess nochmal ein ganz eigenes Thema. Auch
    das lockert sich aber mit zunehmend gesünderem Denken (und Fühlen). ;)

    Schreib' hier mal weiter, wie es Dir ergeht, falls Du Dir Gruppen anguckst, ok? ... :)

    Liebe Grüße
    Wolfsfrau