Also, ...
Ich finde z.T - und das darf ich sagen, da ich selbst Anteile davon habe - dass spätere
Angehörige von Abhängigen oft Menschen sind, die etwas besitzergreifend und kontrollierend sind.
Und sie suchen sich oft Partner, die ihnen irgendwann den Anlass dazu liefern, kontrollieren zu dürfen
(gebraucht zu werden).
... ich finde, das trifft so absolut AUCH zu. Es gibt so viele Konstellationen, in denen es "chic" ist,
sich über den ausschweifenden, maßlosen oder unbeherrschten Lebensstil eines Nahestehenden
aufzuregen, dass der Aufreger damit mächtig Mitleids-Punkte sammeln kann. Oder seinerseits
große Bestätigung aus der "Anteilnahme" der schockierten Außenstehenden bezieht.
Damit geht ein Sprachstil einher, der mehr "über" das Problem (den Menschen!) kommuniziert,
als MIT ihm. Das ist sogar in co-abhängig sortierten Familien oft schon so und hält viele Süchtige
IN ihrer Abhängigkeit fest. So ein Mensch kann es kaum schaffen, zu zeigen, was er SELBST
will, leisten kann, fühlt oder denkt. Weil ja alle schon "wissen", DASS er ... Probleme hat, eine
Zumutung für die anderen ist, jemand, der es allein nicht schaffen würde, oder sonstiges.
Vielleicht wäre so eine Konstellation dann besser unterm Begriff "Sündenbock" aufgehoben.
Ich stimme aber absolut zu, dass Co-Abhängigkeit durchaus eine Linderung für den Besorgten
darstellen kann, wenn der sich dann nämlich geschützt weiß davor, seine eigenen Unzulänglich-
keiten (und die Scham, die stattdessen dem Süchtigen überschrieben wird) aushalten zu müssen.
- das ist ein ziemlich weites Feld und man muss ganz sicher unterscheiden zwischen "freiwillig"
Beteiligten ("späteren Angehörigen" / Partnerwahl bei schon bestehender und erkennbarer Sucht)
und den "unfreiwillig" Beteiligten (Kinder, oder Partnerschaft, wo die Sucht gerade erst entsteht ...).
Sorry, wollte den Faden nicht schreddern. Vielleicht kann das Thema / die Debatte ja anderswo
hin verlegt werden... ?
Liebe Grüße und Danke für den Input!
Wolfsfrau