Beiträge von wolfsfrau

    Hallo Matthias,

    ich lese hier bei Dir immer mit. :)


    Mein Leben und die letzten rund 20 Jahre meines Berufslebens waren immer geprägt von Engagement und Leistungsdruck. Damit umzugehen bzw. umgehen zu können war auch ein Grund, warum ich in die Sucht geraten bin.

    Genau das kann ich aus meiner Familie mehrfach bestätigen: Meine Mutter war/ist auch ein
    Leistungsmensch, seit ihrer Rente legt es sich glücklicherweise etwas. Meine Cousine ist auch
    so unterwegs, hat einen sehr verantwortungsvollen Posten und ist ständig um andere "bemüht".
    Sie kommt nirgends vor und holt sich ihre "Kraft" (?) aus einigen Bieren am Abend. Mich geht
    das nichts an und wir wohnen auch weit entfernt voneinander, telefonieren aber manchmal.

    Ich finde das inzwischen anstrengend, weil sie in Gesprächen nie etwas von sich selbst zeigt.
    So entsteht keine Nähe, und ich fühle mich dann allein gelassen, mit meiner Offenheit.

    Eigentlich will ich nur sagen: Was Gerchla übers Reden und Anvertrauen sagt, erlebe ich genau
    so. Wenn keiner anfängt damit, und man übers Funktionieren (Protokoll) nicht hinauskommt,
    höhlt das die Verbindung eher aus, egal ob es "Trostpreise" (Belohnung durch die Nutznießer)
    für die Selbstausbeutung gibt.

    Ich finde es mutig, und es öffnet mir als Angehöriger auch die Augen, zu sehen, wie schwierig
    es für einen Menschen ist, durch die Abstinenz seine eigene Persönlichkeit wieder zu finden
    und auch leben zu wollen.

    Danke für Deine Offenheit hier. Und alles Gute für Deinen neuen Weg, weiterhin! :)

    Liebe Grüße
    Wolfsfrau

    Hallo Pyrophoric,

    mit Selbst-Beschuldigungen kenne ich mich auch bestens aus.
    Etwas (eine Beziehung) IST längst keine mehr, aber mir wurde das Schluss machen
    zugespielt. Einfach indem der Partner an seinem Verhalten nichts änderte. (Vielleicht
    nicht einmal ändern hätte können.)

    Übrig blieb der dauerhafte Dorn im Fuß bei einem Verhalten, dass MICH verletzte.
    (Egal mit welchen Gründen, Abschwächungen, Nachsicht, Vorausschau, o.a. ich es
    VOR MIR abzumildern versuchte. Ich versuchte, damit meinen Schmerz zu mindern.)


    Ich bin grad selbst mit mir unzufrieden, weil ich jetzt das getan habe was ich nicht wollte.
    ICH HABE ALLES SCHLECHT GEREDET. Obwohl es damals viel seltener Alkohol gab und er
    seltener weg war. Mich machte nur die egoistische Art und Weise, dass er das oft spontan
    allein entschied Wütend.

    Worauf meine Taktik ebf. hinauslief: Nur nicht IHN beschuldigen (und dann verlassen müssen).
    Genau genommen bescherte mir meine Angst, dann allein zu stehen, meinen Schmerz. Ich
    "erkaufte" mir scheinbare Stabilität (ohne emotionalen Gehalt/Verlässlichkeit/Sicherheit) mit
    meinem noch viel scheinbareren "Verständnis", das eigentlich die Verwahrlosung meines längst
    empfundenen Schmerzes war. Den habe ich allein gelassen, mich stattdessen "anders" gewünscht.
    Aus heutiger Sicht war/ist das der eigentliche Verrat an mir, meinem Bedürfnis und Gefühl.
    - Egal ob ein anderer mir zuliebe einlenkt, dazu überhaupt in der Lage ist (bei Sucht ?!) ...

    Dieses Szenario (Sucht) hat kein Angehöriger "im Griff". Auch nicht die eigene Belastungsgrenze.
    Das einzusehen ist so schmerzhaft, weil man damit auch vor der Wahrheit steht, dass etwas längst
    kaputt IST. Eigene Duldsamkeit oder Vertröstungen konnten das wenigstens in Nebel hüllen.

    So sehe ich diese co-abhängigen Manöver heute.

    Einfach viel Kraft für Deinen eigenen Weg dadurch, so wie Du die Wahrheit zulassen kannst,
    das wünsche ich Dir.

    Liebe Grüße
    Wolfsfrau

    ... nochmal ich ... ;)


    Und wenn ich am nächsten Tag gefragt habe, sollen wir Nummern raussuchen ?
    Dann kam „nö das muss ich allein schaffen“ und wenn ich sagte, dass Problem ist
    doch schon zu groß für uns zwei wurde er stinkig.

    Dazu kam mir eben der Einfall: Es ist sein Thema, seine Verantwortung, und die möchte
    er sich vermutlich nicht aus der Hand nehmen lassen. - Für Dich bedeutet das umgekehrt,
    dass Dein Part (Angebot machen) auch getan ist, und genügt.

    Wie er damit dann verfährt, ist der schwierige Teil beim Loslassen/Abgrenzen.
    "Wir" Co-Abhängige sind dann gefordert, nicht mehr "einzugreifen", nachzusetzen, sicher
    zu stellen (dass sich was tut), ... an dem Punkt beginnt dann die eigene Arbeit, raus aus
    der Kümmer-Sucht und dem oft unbewussten Eingriff ins fremde Revier.

    Es hat schon Partnerschaften gegeben, da konnte der aktiv Süchtige nicht "in Ruhe" sein
    eigenes Tempo gehen, weil sich ständig andere über ihn stellten in ihrer Art "zu helfen".
    (Ich gebe das nur weiter wie selbst gehört und beziehe das ausdrücklich nicht auf Dich.)

    Gehst Du selbst in eine Selbsthilfegruppe? Ich hab's vielleicht überlesen ...

    Lieben Gruß
    Wolfsfrau

    Nochmal Hallo, liebe Pyrophoric,


    Ich weiß nicht wie ich das beschreiben soll, aber er war extrem unruhig und hat auch
    selten „Ruhe“ gefunden (er nur mit Alkohol) wisst ihr was ich meine ?

    Das kenne ich auch. Beim Partner einer Freundin fiel mir das mal extrem auf. Der war
    erst entspannt, wenn wir (in jüngeren Jahren) dann endlich in der Disco (Bier) waren.
    Dem wäre es zu Hause auch langweilig gewesen, wenn es keinen Alkohol gab.



    Solang er mir nicht sagt, er hat sich Hilfe geholt seh ich da kein Fortschritt
    und auch dann kann ich nicht mehr so tun, als ob alles super zwischen uns
    wieder wäre.

    Dazu habe ich eine Frage: Fühlst Du eine Bereitschaft, für ihn da zu sein, WENN
    er sich Hilfe sucht (den Schritt schon tut)? In dem Fall könnte es ihm helfen zu
    begreifen, Du hast Dich nicht von ihm abgewendet, nur von seinem Stillstand in
    der Sucht.

    Irgend jemand hier im Forum nannte dazu mal sinngemäß diese zwei Sätze:

    "Wenn Du weiter trinken möchtest, wirst Du das ohne mich tun müssen."
    "Wenn Du Dir Hilfe holst, bin ich gern dabei."

    Das würde vielleicht auch Dir helfen, "beides" gesagt zu haben: Nein zur Sucht,
    und Ja zu ihm. Es sind ja zwei Bezüge da, der zu ihm als Mensch (ohne/vor der
    Sucht) und der zu seiner Verkapselung/Sucht. Das eine liebt man, das andere
    zerstört eben diese Gefühle, weil es auch ihn von seinen Gefühlen abschneidet.

    Das fiel mir noch zu Deinen vorigen Gedanken ein.

    Grüße von der
    Wolfsfrau

    Hallo pyrophoric,

    schön, dass Du wieder mal geschrieben hast! Und Glückwunsch zu Deiner klaren
    Entscheidung, Dein eigenes Leben in seelischer Gesundheit zu beschützen.

    :sun:


    Diese Beschreibung spricht absolut dafür, dass das der einzige hilfreiche Weg für
    Dein eigenes Wohl war:


    Letztendlich war ich an allem schuld. Ich war die Partnerin, die nach all den Abstürzen
    nicht mehr glauben wollte, dass er KEIN ERNSTHAFTES PROBLEM hat.
    ICH WÜRDE IHM SOGAR EINREDEN ER SEI ALKOHOLIKER anstatt zu sagen, hey du schaffst das.


    Da gab es nichts einzureden: Wäre er nicht Alkoholiker, könnte er Alkohol bleiben lassen.
    Dein Vertrauen war zurecht erschüttert. Du hast ja sehr wohl oft genug mit ihm gehofft ...
    Letztlich zählt, was Du als Deine Belastungsgrenze empfindest, um nicht selbst Schaden
    zu nehmen. "Einsicht" oder Einfühlung ist in dieser Situation von ihm nicht zu erwarten.
    (Das macht es ja so schwer, die Entscheidung fürs Abgrenzen ganz ruhig selbst zu tragen.)

    Mir scheint, er verwechselt sich als Mensch mit seinem Suchtproblem.
    Und genau diese Gleichsetzung unterstellt er Dir. Du hast aber nicht IHN im Stich gelassen,
    Du hast DICH vor dem Wahnsinn der Sucht (und seinem Leugnen) in Sicherheit gebracht.

    44.

    Hätte er Krankheitseinsicht ("ich HABE ein Problem"), müsste er Deine Abgrenzung nicht
    als feindselig oder ihn betreffend wahrnehmen ("ich BIN das Problem").

    Ich wünsche Dir wirklich, dass alles gut wird. Lass Dich nicht schwindelig argumentieren. ;)

    Viele Grüße
    Wolfsfrau

    Hallo Mami1719,

    ich schreibe Dir als Einzeltochter, aufgewachsen in einem sehr gepflegten, dennoch
    suchtbestimmten Haushalt. Meine Eltern waren/sind herzensgut, dennoch seelisch
    durch ihre eigenen Kindheitsverletzungen nicht in der Lage, emotional so präsent
    zu sein, wie ich es als Kind gebraucht hätte. Es gab keine Gewalt, ich bin "behütet"
    groß geworden. Eben nur mit zeitweise "gedimmten" Eltern. Mir fehlten sie als
    Spiegel zum Arbeiten mit meinen eigenen Gefühlen. (Dass sie alle "normal" sind und
    zu mir gehören, z.B.)

    Deshalb finde ich es gut, dass Du Dir Gedanken um Deinen Konsum machst und
    die Vorzeichen der Sucht nicht einfach abtust.

    Es geht beim Freikommen von der Sucht nicht darum, zugleich das "makellose Bild"
    nach außen zu retten. Auch umgekehrt muss es nicht bedeuten, dass Du fortan im
    Büßergewand überall Selbstdemontage treibst, Dich anklagst oder unnötig schämst.

    Man spricht von einer Sucht-Erkrankung, das ist also kein Versehen, sondern ein
    richtig handfestes eigenes Geschehen mit Auswirkung auf Seele und Körper. Und
    sie ist anerkannt als Krankheit. Das Medikament ist fachliche Begleitung (Arzt und
    Therapie beispielsweise), ebenso die Chance, sich über alle Ängste und anderen
    belastenden Gefühle ehrlich mit anderen Betroffenen auszutauschen, so "sein zu
    dürfen". - Ohnedem, unter Verschluss mit den eigenen Idealen und der Gefahr,
    sich immer nur wieder selbst zu verdammen für die "Schwäche" (Angst zu haben,
    zu trinken, ... was immer), dürfte der Alkohol zum Aushalten dieser enormen
    inneren Anspannung (Selbstvorwürfe bei Rückfällen, gesteigerte Anstrengung,
    erneutes Scheitern, zusätzlich wachsende Spannungen mit nahen Menschen)
    viel zu wichtig bleiben. - Weil Du vermutlich kein anderes Ventil (offen darüber
    sprechen z.B.) zur Verfügung hast.

    Deshalb würde ich von diesem Versuch klar abraten:


    Deshalb hoffe ich dass ich es irgendwie alleine schaffe.

    Es gibt kein "Schaffen" im Sinn von "es wieder hinbiegen". Es gibt aber die Chance, im
    völligen Einklang mit der Wahrheit (dass man es mit einem großen Gegner Sucht zu tun
    hat) alles mal neu zu benennen. Dabei mitzubekommen, was einen wirklich so belastet.

    Da Du selbst einige Päckchen mit in Dein Erwachsenenleben genommen hast, vermute
    ich einfach mal, dass Alkohol als Abschalt-Hilfe nur die offen liegenste Facette der in Dir
    gesammelten Themen sein könnte. Ohne Vertrauenspersonen (als Du Kind warst) und
    sachkundige, behutsame Begleitung durch die unbewältigten, eher weggesperrten
    Erfahrungen agierst Du immer ein bißchen wie ein Arbeitspferd auf Glatteis. Du wendest
    haufenweise Kraft auf, aber es fehlt (möglicherweise) der Griff für die Umsetzbarkeit,
    damit auch innerlich Lasten abzuwerfen.

    Ein äußerlich stabil eingerichtetes Leben kann eine Weile lang den erwünschten Halt geben.
    Das innere Zuhause aber beherbergt oft noch die eigenen (fehlenden oder missbräuchlichen)
    Eltern, in Form unbewusster Ablehnung von Teilen des eigenen Selbst, von der Lebensfreude,
    der Freude an sich selbst, den eigenen Gefühlen, Bedürfnissen und ihrer Berechtigung.

    Ich schreibe hier nur ins Blaue, weil ich mich selbst sehr mit den Folgen des Aufwachsens in
    seelisch nicht kindgerechter Umgebung auseinandersetzen musste. Lange wusste ich nämlich
    gar nicht, dass ich Selbstabwertung und Selbstüberforderung betrieb. Das war ja meine Brille,
    und so lange ich dadurch schaute, war nie etwas gut genug. Und schlechte Gefühle waren
    "mein Fehler". Ich wusste z.B. lange gar nicht, wie angenehm gelöst (im Oberbauch) es sich
    anfühlt, mich völlig ehrlich irgendwo mitzuteilen und dafür NICHT beschämt / kommentiert
    zu werden.

    Diese Chance bieten manche Selbsthilfegruppen, sowohl die für Süchtige, als auch die für
    Kinder, die in einem seelisch nicht gesunden, dysfunktionalen Haushalt (Sucht, Gewalt oder
    Missbrauch) aufgewachsen sind.

    Nach meinem Gefühl würde ich Dir beide Richtungen ans Herz legen wollen. :blumen2:

    Je eher das "hinkriegen" aufhören darf und das "erstmal sein, wie ich bin, und genau damit
    genügen" beginnen darf, umso kürzer der Weg aus dem ganzen Knäuel, das Dich festhält.
    Genau da, im Annehmen der eigenen Gegenwart, incl. der Machtlosigkeit gegenüber Zwängen
    (ob Trinken oder ander Verhaltensweisen), kann ganz neue Kraft frei werden, die vorher nötig
    war, um alles zu "verbergen", es eben "allein hinzukriegen".

    Einfach Mut, das auszuprobieren, was Dir am meisten helfen würde, wünsche ich Dir!

    Wenn Du Fragen hast, schreibe ich gern nochmal hier. :)

    Viele Grüße
    Wolfsfrau

    Hallo chillymilly,

    ich bin selbst erwachsene Tochter aus suchtgeprägtem Elternhaus.

    Zwei Stellen fielen mir hier in Deinen Beschreibungen (auch) auf.
    Susanne und Gerchla haben Dir aus Sicht der Sucht ja schon einiges
    zum Verhalten (Leugnen) Deiner Mutter und ihres Umfelds gesagt.



    Ich versuche ständig zu erklären, dass es keine Entscheidung aus einem Streit
    heraus war, dass ich ihr auch nicht böse bin und ihre Definition eines Alkoholikers doch
    ein wenig weltfremd sei...

    "Erklären" bedeutet, Du bleibst abhängig von der Einsicht der Süchtigen und auch
    der co-abhängig handelnden Familie (incl. Freund Deiner Mutter). Damit hältst Du
    Dich selbst gefangen. - Die Angst, meine Eltern zu "verlieren" (dass wir also nur
    aneinander vorbei, völlig emotional getrennt voneinander leben könnten) schwand
    bei mir irgendwann. Nämlich dann, als mir klar wurde, wie einsam ich schon war.

    (Weil es auch meine Eltern kein bißchen interessierte, wie es MIR mit ihrer Sucht
    ging. Anstelle von Sucht kann man auch jede Art emotionaler Verstrickung im Sinn
    von leugnendem Leben setzen.)



    Ihrer Meinung nach hab ich meine Mutter auch hintergangen, indem ich Beratungsstellen
    aufgesucht hab.

    Wieder macht die (nicht-einsichtige) Unterstellung und Abwertung DEINES Interesses
    Dich machtlos. Das ist überhaupt nicht vorwurfsvoll von mir gemeint, ich sehe einfach die
    Übermacht des süchtigen und co-abhängigen Systems in ihrer gegenseitigen Zuarbeit.

    Du hast dort keine Chance, Deine Interessen (emotional gesunden, entlastenden Umgang
    mit dem Suchtthema anzustreben) anzumelden. Die "Wahrheit" bedroht Deine Mutter und
    Deine Familie (? noch). Solange Leugnen dort der einzig mögliche Umgang mit der Sucht ist,
    haben Deine Gefühle, Deine (sehr klare!) Wahrnehmung und Dein Kummer über die Sucht
    und ihre Folgen für Deinen Platz in der Familie kein "Ohr" in diesem Getriebe dort.

    Vielleicht kannst Du Dir das Leugnen als Krach vorstellen, der notwendig ist, damit niemand
    an seinem Weltbild rütteln muss. ("Wir" haben kein Problem. Auch "Deine Mutter" nicht.)

    Jetzt komme ich nochmal aufs "Erklären", weil mir ein Therapiesatz aus meiner Zeit damals
    dazu einfällt. Als ich Gewissensbisse beschrieb, weil ich es zu Hause immer nur so kurz mit
    meinen Eltern aushielt, lieber eigentlich weg blieb, klärte mich mein Therapeut über meine
    eigene emotionale Gesundheit auf: "Sie bleiben weg, um iHRE eigene Sucht zum Stillstand
    zu bringen." (Er meinte das ständige und völlig uneinsichtige Antreten gegen die Sucht
    meiner Eltern, bzw. meine ständigen Retter-Impulse, die zeitweise völlig meinen Kopf und
    mein Gefühlsleben besetzt hielten. Eigenes Leben war da gar nicht möglich, Freude z.B .)

    Solltest Du nochmal angesprochen werden, könntest Du (nur wenn Dir nach einer Antwort
    ist), sagen, dass Du weg bleibst, um Deine eigene Gesundheit nicht zu gefährden. Einem
    leugnenden, süchtigen System etwas über das Wesen der Sucht zu erklären ... (Funkloch).

    Anders kann ich es auch nicht beschreiben. Ich finde es gut, dass Du Dich abgrenzt und auf
    Dich achtest.

    Viele Grüße
    Wolfsfrau

    Das finde ich auch spannend, einen Notfallkoffer zu packen ... 44.

    Also, in meinen müssten rein:

    - eine Kerze (damit ich hinein schauen und still werden könnte)
    - ein richtig schöner, nostalgischer Stift (damit ich aufschreibe, was mich belastet)
    - 3-4 Telefonnummern von Menschen, die mich gut aushalten/anhören können
    - Krafttexte oder Slogans auf Zetteln, zum schnelleren Erden
    - ein Kraftbild (Postkarte), das ausdrückt, was mich begeistert und meine Freude weckt
    - meine Lieblingstasse
    - Glitzer oder anderes Dekomaterial, für die Spielfreude meines inneren Kinds
    - ein Symbol für meine Höhere Quelle, von der ich mich immer gesehen/geliebt fühle

    So, dann mache ich mich mal ans Packen. :)

    Euch allen liebe Grüße,
    Wolfsfrau

    Hallo,

    auch von mir alle guten Wünsche und eine möglichst geruhsame Zeit
    bis zum Jahreswechsel Euch allen. Ein herzliches Danke an alle, die
    dieses Forum pflegen und betreuen. Es hat auch mir als Angehöriger
    schon über lange Zeit geholfen. :*

    Herzliche Grüße Euch allen
    Wolfsfrau

    :sun:

    Hallo Hubby45,

    ich schreibe Dir als Angehörige (erwachsene Tochter), weil ich diesen Prozess, den Du
    beschreibst, selbst durchlaufen habe. Vom ungläubigen Staunen (was? meine Mutter
    doch nicht!) über Angst (was tun? mich allein mit allem fühlen) und Scham (will doch
    niemanden bloßstellen) bis hin zur Erschöpfung/Wut/Schmerz (ist mir alles zuviel).


    Sie ist jetzt schon frustriert das ihre Beteuerungen bei mir auf Misstrauen stoßen aber ich
    habe ihr schon gesagt das das auf der Tatsache beruht das sich die letzten 3 Jahre ja auch
    nichts geändert hat.

    Vermutlich erlebt sie ihre Machtlosigkeit (über den Konsum) noch nicht so deutlich, wie Du
    Deine eigene (über ihre Sucht) bereits erkennst:


    Du kannst es nicht ignorieren und Du kannst auch nicht aktiv dagegen vorgehen. Zumindest
    ich kann das nicht.


    Auch wenn es Dir trostlos erscheint, finde ich dieses Anerkennen der Wahrheit sehr wichtig.
    Du bist bereits dabei, Dich zu schützen, INDEM Du zulassen kannst, dass ihr beide es mit
    Sucht zu tun habt (ihrer). Für Dich geht jetzt die innere und äußere Auseinandersetzung damit
    los, Du bist nicht mehr am "Schachern", sondern kannst Deine eigenen Kräfte jetzt klarer auf
    das ausrichten, was für Dich machbar ist: DIR selbst Hilfe holen, Dein Denken zu entwirren,
    aber auch Deine Fragen zu stellen. (An anonymer Stelle ist vielleicht der entlastendste Weg?)

    Kein Suchtberater der Welt käme auf die Idee, Dir Lieblosigkeit oder fehlende Loyalität Deiner
    Frau gegenüber zu unterstellen, nur weil Du aussprichst, was sich gerade in Deinem/Euren Leben
    ereignet. Ganz im Gegenteil. Dass es Dich betroffen macht und Deine Kräfte übersteigt, ist nicht
    Zeichen Deines Versagens, sondern schlicht dem Muster "Sucht" (Zwang statt Freiwilligkeit beim
    Konsum) geschuldet.



    Ich will mich nicht "schützen". Ich will meine Frau zurück......aber ich weiß schon das das einer
    dieser Dinge ist in denen ich "der Realität ins Auge blicken muß" und mich wie ein Erwachsener
    verhalten.....

    Ich kann das gut nachfühlen. Aus meiner Sicht ist es nicht egoistisch, etwas zu wollen. Es ist ein
    fühlbares Bedürfnis, und Du weißt ja, dass ihr andere Zeiten hattet, ehe das alles (ihr Trinken)
    begann.

    Bei mir war es zwar meine Mutter, die lange Zeit regelmäßig und sehr viel trank, aber mein Wunsch,
    endlich mal wieder mit ihr reden zu können wie "früher", statt diesem glasigen Blick gegenüber zu
    sitzen, der war ebenso bohrend. Als ich einige Zeit später in Therapie ging (für mich selbst), erfuhr
    ich dort, dass es ein Ur-Bedürfnis ist, in einem Kontakt auch ein "greifbares" Gegenüber zu haben.
    Jemanden, der Gefühle zeigt, sich auf meine Wahrnehmung und seine eigene noch klar beziehen
    kann, kurz: Der mir durch seine echte Zugewandtheit hilft, auch mich als Teil der gemeinsamen
    Situation in Beziehung wahrzunehmen. Nichts Abgekapseltes, Abgefertigtes, "draußen" gelassenes.

    Ich finde, diese Vorstellung trifft generell für ein Miteinander auf Augenhöhe zu. Egal, ob ich jetzt
    meine Mutter vermisst habe (sie trinkt nicht mehr) oder ob Du Deine Partnerin "vermisst", wie Du
    sie kennen lernen durftest.

    Diese Klarheit in Deinem Wunsch schützt Dich aktuell zumindest davor, Dir erneut vormachen zu
    müssen, "das wird vielleicht (von selbst)". Und es gibt Dir zum gegebenen Moment ganz bestimmt
    die nötige Kraft, Deiner Frau als DU gegenüber zu treten. Mit allem, was Dich beschäftigt und was
    Du selbst zu dem Thema (ihrem Trinkverhalten) denkst. Du als eigenständig fühlende Person.

    Was mir mein Therapeut damals noch mit auf den Weg gegeben hat, war eine feine Unterscheidung.
    Auch ich wollte meine Mutter "retten" (damit ich sie wieder habe). Am liebsten hätte ICH sie geheilt,
    indem ich das "richtige" (auf sie ausgerichtet) tue, damit sie auf die "richtigen" Einsichten stößt, usw.

    "Sie können nicht selbst Heil-ung für Ihre Mutter sein.
    Aber Sie können in Ihrer Ehrlichkeit sich selbst und Ihrer Mutter gegenüber heil-end sein."

    Ich habe das so begriffen, dass ich ihr ihren eigenen Weg und die Zeit, die sie benötig(e), nicht
    abnehmen kann. Dass aber meine Unverstricktheit mit falscher Rücksichtnahme, eigenem Kalkül
    ("es nicht noch schlimmer machen wollen") allein unterstützend für ein gesünderes Verhältnis zur
    Realität ist. Und das für uns beide, sie und mich. Indem ich benenne, was ich sehe. Indem ich
    benenne, wie das heißt (Abhängigkeit). Und indem ich meine Ängste um sie ebenso offen lege.

    Es hat mich Mut gekostet, ihr einen Brief zu schreiben (und damals leider noch nichts genützt),
    aber dieser innere Ausstieg aus dem Stillhalten und stummen Mittragen einer mich überfordernden
    Situation war lebensnotwendig für den Erhalt bzw. die innere Wiederherstellung MEINER Gesundheit.
    Es war ein Dienst an mir. Und in Deiner Situation sehe ich es auch als Dienst an Eurer Beziehung,
    dass Du Dich wieder stärkst, indem Du klar hervor trittst, raus aus dem Schatten des gemeinsamen
    "Umschiffens" (Leugnens) der Sucht.

    Einer muss die Wahrheit benennen (können). Solange Deine Frau sie nicht sieht oder zulassen kann,
    nützt es zwar äußerlich noch nichts, wenn Du sie - verbunden mit Deinen Sorgen um Deine Frau -
    sagst, aber es stellt Weichen. Es ordnet Eure inneren Verantwortlichkeiten und befreit Dich aus der
    Rolle, etwas Unkontrollierbares mitzutragen, Dich durch Deine eigene Anstrengung darin gefangen
    zu halten.

    Du kannst tragendes "Geländer" sein, indem Du unabhängig von ihrem eigenen Prozess auf ganzer
    Linie klar mit Dir selbst, Deinen Gefühlen und Deiner Wahrnehmung (ihre Sucht betreffend) bleibst.
    Für mich ist das wie ein inneres Bild von zwei Geleisen, die parallel verlaufen. Du bleibst sichtbar,
    auch ansprechbar (für sie), aber Deine eigene Sicherheit beziehst Du nicht mehr aus Ihrer Haltung
    (Einsicht) gegenüber der Sucht, auf Die Du ständig mit Volldampf hinarbeiten müsstest.

    "Es" sein zu lassen, fühlt sich erstmal wie ein Tiefschlag an, und in gewisser Weise ist es das ja auch.
    Man schlägt auf dem Boden auf, aber man hat auch wieder welchen unter den eigenen Füßen, statt
    aus eigener Angst unklar und ausharrend zu bleiben. Sich zu schützen, meint nicht, gleichgültig zu
    werden, sondern immer wieder klar zu haben: Das (meine Arbeit mit mir) kann ich ändern, alles
    andere (wie meine Frau es macht) nicht, jedenfalls nicht auf direktem Weg. Aber für sie entstehen
    vielleicht Impulse, indem Du klar anzeigst, was für Dich erträglich ist, und was nicht.

    So ein Gespräch ist in der Suchtberatung vielleicht einfacher vorzubereiten, als ganz allein mit sich. :)
    Das weiß ich aber nicht für Dich. Ich möchte damit nur sagen, dass es kein Zeichen mangelnder
    Loyalität gegenüber Deiner Frau ist, wenn Du dort etwas zur Sprache bringst, das DICH überlastet.
    Ich schreibe das dazu, weil ich jahrelang Mühe hatte, dieses Tabu ("bei uns ist nichts") zu brechen.
    Das Mitschweigen und allein-mit-sich-ausmachen ist das, was mich sonst auf längere Sicht richtig
    krank gemacht hätte.

    Es ist jetzt ganz schön viel geworden ... ;)

    Ich wünsche Dir ganz viel Glück und einen hilfreichen Austausch hier und möglichst auch in Deinem
    realen Umfeld, in Gruppen oder bei der Suchtberatung ...

    Alles Gute für jeden kleinen Schritt, es anzusprechen!

    Wolfsfrau

    Hallo Pyrophoric,

    das hier sprach mich sehr an:


    Ich fühl mich einfach von allen hier in der Realität unverstanden. Außer meinen Eltern denkt
    niemand er sei Alkoholiker. Und sogar sie sagen jetzt zu ihm, du hast es doch schon bewiesen,
    du hast ja schon vier Monate gar nichts getrunken. Deine Frau übertreibt.

    Nein, Du übertreibst nicht. Und es steht niemandem zu, seine Wünsche (z.B. nach einer "heilen
    Welt" innerhalb der Familie) über Deine zu stellen. Oder Deine Wahrnehmung zu untergraben,
    indem sie relativiert und herunter gespielt wird ("übertreiben"). Das ist genau genommen ein
    Übergriff in Deine Beziehung zu Dir selbst, und in Deine Selbstachtung. - An der Stelle hat außer
    Dir selbst niemand Zutritt oder Ahnung genug, sie für Dich auszufüllen. (Für Dich zu urteilen.)

    Ich lese hier schon länger mit, und ich finde, Du bist innerlich sehr klar und damit auf dem besten
    Weg, gut für Dich zu handeln.

    Möglicherweise leugnen Deine Eltern, um ihrerseits nicht an (welche auch immer) Themen heran
    zu müssen. Das ist aber ihr Problem, um das sie sich kümmern müssten. Auch um "die Leute" ... ;)
    falls das der Punkt sein sollte.

    Ich finde, Du machst alles richtig. (Meiner bescheidenen Meinung nach. Ich bin Tochter aus alkohol-
    krankem Elternhaus und hatte mit den Themen "Leugnen" und "Verzicht auf meine Wahrnehmung"
    ausgiebig zu tun, so wie eigentlich jeder hier im Forum.)

    Liebe Grüße
    Wolfsfrau


    Nur sagt beim Alkoholier jeder, da musst Du dich halt ändern, während Co den Leidensbonus
    hat - übrigens ein Krankheitsgewinn, dass man sich als guter Mensch fühlen darf - ... 44.

    Das bringt für mich sehr vieles treffend und irgendwie auch neu auf den Punkt!

    Danke fürs Erinnern, Susanne , und für die Beschreibung "aktives Einlassen" (des Co's).
    Genau dieses Drehmoment zu begreifen, dass Ausharren eigentlich ist: sich selbst etwas
    Schädigendes zumuten. Dass dahinter - klar oder nicht - eine Entscheidung gegen das
    eigene Wohlbefinden liegt. Das war "eigentlich" immer das Ziel hinter den Sätzen meines
    Therapeuten. Und hinter seinem Ärger, wenn ich wieder - wegen anderer - "litt". Erst jetzt
    kriege ich das alles zu einem Bild zusammen. Seine Wut hat mich damals oft verunsichert.
    Jetzt sehe ich, sie richtete sich gegen meinen Selbstbetrug - das passive Leiden, das
    genau genommen der Nebel ist, der mich davon abhielt, zu begreifen: ICH füge mir das zu.

    Hammer. Aber genau das ist es. Selbst-Schädigung. Wenn man ohne Bewusstsein über die
    eigene Wahl in dieser völlig stagnierenden und vom anderen abhängigen Position verharrt
    und die Gewalt oder Schuldigkeit (an sich selbst) dem anderen zuschreibt. Krass. Den
    Punkt habe ich so klar noch nie gesehen. Dass auch dadurch Groll aufs Gegenüber entsteht!

    sorry fürs Unterbrechen, liebe Pyrophoric, ich hatte das zeitgleich mit Dir getippt. Und ich
    schreibe als ebenfalls Angehörige (Tochter), beziehe diese Gedanken vornehmlich auf mich
    selbst. :)

    Frank , :)

    also für mich müsstest Du hier nichts "klären" oder irgendwie zueinander bringen.
    Ich stehe inhaltlich auf Deiner Linie (Übertreiben) und wollte das nur untermauern.

    @Emilie,

    sorry, dass das hier in Deinem Faden statt fand. Wie sehr sich jemand selbst fordert
    beim Sport, ist allein ihre/seine Angelegenheit. Achtsamkeit ist vermutlich hilfreich,
    mehr wollte ich dazu nicht sagen.

    Liebe Grüße
    Wolfsfrau

    Hallo ihr, ich verfolge dieses Thema auch gerade ...

    Kann es sein, dass die Schwierigkeit, etwas MAßVOLL tun zu können,
    ein Zug süchtigen Verhaltens (oder neudeutsch: der Suchtstruktur)
    ist?

    Das würde dazu passen, dass man nahezu alles süchtig (übertrieben)
    tun kann: Dinge sammeln, Aufräumen, Sport, Arbeiten, Internet,
    Essen, Beziehungen, ...

    Und im "normalen" (nüchternen) Umgang hätte man die bewusste Wahl.
    Will ich es heute wissen (voller Einsatz)? Oder mache ich mal gemütlich?
    Solche (nicht-süchtigen) Menschen regeln sich automatisch einfach runter
    oder kommen gar nicht erst auf die Idee, "nur viel hilft viel" (150% mind.).

    Das ist jetzt nur ein laienhafter Versuch, dieses "Übertreiben" und die Sucht
    irgendwie zusammen zu bringen. Man spricht ja auch von Sucht-Persönlichkeit
    und von Suchtverlagerung. Für mich sind die Motive dabei (Kontrolle, Schutz
    durch Perfektionismus, Gefühle verdrängen o.a.) wichtiger als der "Stoff".

    Vielleicht kommt Frank ja nochmal vorbei. :)

    Hallo Claudia, :blumen2:

    ich las eben Deine Nachricht hier, dass Deine Mutter im Sterben liegt. Und
    von ihrer heftigen Reaktion auf Deinen Mut 44. , sie überhaupt anzurufen.

    Es klingt, als hättest Du zu ihr nie ein vertrauensvolles Verhältnis haben
    können. Das entnehme ich so Deinem Gedanken beim Gang in die Klinik:


    Ich dachte, dass mal jemand mit mir drüber redet, warum es soweit kam.

    Falls du in einem dysfunktionalen Elternhaus aufgewachsen bist, wo z.B. nie
    über Gefühle geredet wurde, Unrecht vertuscht, Willkür oder Maßregelung
    die Regel waren, übermäßige Kontrolle oder Ehrgeiz, oder Sucht der Eltern, ...
    dann könnte Dir ein Blick in die Literatur zugehöriger Selbsthilfegruppen viel-
    leicht ein erstes Wiederkennen Deiner Situation ermöglichen. Ich wünsche Dir
    von Herzen, dass Du Entlastung findest von diesem verdrehten Gefühl, das
    diese jüngste "Begegnung" mit Deiner Mutter in Dir ausgelöst hat. (Ich kann
    Deine Wut und Verletztheit sehr gut nachempfinden, gerade weil Du über Deinen
    Schatten und an möglichen Bedenken vorbei neu auf sie zugegangen bist.)

    Schreib' einfach, wenn Du Dir weitere Infos zu möglichen Selbsthilfegruppen
    wünschst, dann liefere ich gern nach. ;)

    Für jetzt alles Gute und viel Kraft, Deine Gefühle zu verarbeiten.

    Herzliche Grüße
    Wolfsfrau

    Hallo Kassiopeia,

    ich kann nicht viel tippen, habe Dir aber für den Einstieg ins Thema "Sucht" und
    Co-Abhängigkeit einen Text aus dem Genesungsprogramm von Al-Anon verlinkt.
    Al-Anon richtet sich an Angehörige und Freunde von Alkoholikern, die ähnlich wie
    Du mit der Schwierigkeit umgehen müssen, dass sie dem Alkoholiker nicht die
    Einsicht in seine Sucht abnehmen oder verschaffen können.

    https://blog.al-anon.de/toleranz-und-f…koholismus.html

    Kurz gefasst lautet die Richtung: Dein Wohlergehen nicht von seiner Einsicht abhängig
    machen. Stattdessen selbst klar formulieren, wo die eigene Grenze (incl. Trennung,
    falls Du seelisch sonst Schaden nimmst) liegt und Dich um Deine Dinge kümmern,
    nicht mehr um seine Sucht. Die kannst Du nicht bekämpfen, das muss er veranlassen.

    Es gibt auch andere Selbsthilfegruppen und Suchtberatungsstellen als Anlaufstelle
    für Dich selbst als Angehörige. Wichtig ist, dass Du erstmal in Dir selbst wieder Ruhe
    und Frieden findest, und dazu sind klare Grenzen (Eigenverantwortung beider Partner)
    sehr hilfreich. :)

    Liebe Grüße und ich hoffe, dass der Text Dich ermutigt, Dir selbst Unterstützung für
    Dein eigenes Seelenheil zu suchen.

    :sun:

    Wolfsfrau

    Hallo Heiko,

    Willkommen im Forum und "im Club" der erwachsenen Kinder aus alkohol
    geschädigtem Elternhaus. Ich bin selbst Tochter aus derselben Konstellation.

    Als ich auszog zum Studieren, nahm der Konsum meiner Mutter zu. Als ich
    klein war, wurde noch aus Genuss in ausgelassenen Besuchsrunden getrunken,
    als ich ca. 14 war, fiel mir auf, dass meine Mutter unglücklich war (und trank).
    Mein Vater machte irgendwann einen Entzug, blieb aber bei meiner Mutter.

    All die Jahre über ging es bei uns gepflegt und nach außen hin sorgsam zu.
    Alles gut in Schuss, wertige Kleidung und Einrichtung, ich war immer versorgt.

    Ganz kritisch für meine eigene Psyche wurde es (auch), als ich begann, mich
    anderswo nach Wärme, Lebendigeit und Freude umzusehen. Ohne es zu wissen,
    habe ich mich durch meinen ersten Freund (selbstverständlich angefeindet) "raus"
    aus dem System bewegt, gezeigt: Ich möchte was anderes als immer hintan stehen.
    Das konfrontierte meine Eltern mit ihrer Situation, es war kein Puffer mehr da.

    Als ich irgendwann - gestützt durch meine Therapie - einen Brief an meine Mutter
    schrieb, in dem ich mit 40 Jahren (!) erstmals das Wort "Alkoholsucht" erwähnte,
    spürte ich die ganze Wucht und Gewalt ihres Leugnens. Kein Eingehen darauf,
    nur die Zurücksendung beigelegter Unterlagen, falls sie sich informieren möchte.

    Bei AA sagen sie, dass Alkohol eine Familienkrankheit ist. Und das stimmt!

    Die Sucht muss gedeckt werden, nichts darf nach draußen dringen. Eigene Gefühle
    äußern ist eine Überforderung für die Eltern, wird also gedeckelt, belächelt oder
    anders herunter gespielt. Auch ich habe sie nie über ihre eigenen Gefühle sprechen
    hören. Es ging immer nur mit einem "gemeinsamen Feind" (blöder TV-Moderator,
    Sportler oder blöde Preise im Supermarkt, oder lächerlich gemachte Nachbarn.)

    Ich begann also mit 40 Jahren, mir meine Lebensfreude zurück zu holen, was nur
    mit ganz viel Distanz nach Hause ging. Jetzt trinkt meine Mutter nicht mehr, ich weiß
    mehr über mich und meine echten Bedürfnisse, entdecke sogar neue eigene Gefühle
    für sie, für unsere Familiengeschichte usw. ... und trotzdem muss ich höllisch aufpassen,
    dass ich mich in unserem Kontakt nicht wieder auf ihre Seite des Leugnens ziehen lasse
    oder FREIWILLIG beginne, auf meine Wahrheit und ihr Aussprechen zu verzichten. So
    tief sitzt die mit-erworbene Verstummung über das, was wirklich zählt und bewegt.

    Was proky zu den Schuldgefühlen geschrieben hat, kann ich voll unterstreichen:
    Sie sind unnötig. Sie gehören zum Sucht-System Familie und halten alles bei einander.
    Mit dem Verlassen des Systems steigen sie nochmal richtig auf und dann braucht es
    wertschätzenden, verlässlichen, liebevollen Austausch, um damit fertig zu werden
    und sie als das zu erkennen was sie sind: Merkmal einer dysfunktionalen Familie, in
    der man "nicht so einfach für sich selbst zuständig wird", das stört die Verstrickung.

    ... viel Text zu Deinem Thema ... ;) ... Ich will nur sagen: Deine Wahrnehmung stimmt.
    Die Reibung mit Deiner Familie ist Alkohol-bedingt, hat mit Dir rein gar nichts zu tun!
    Es ist normal und gesund, ein freudvolles Leben anzustreben, das Problem hat derjenige,
    der es nicht "angeht" und sich z.B. einen Ersatz in der Sucht sucht. Wir "Kinder" erben
    so einiges und dürfen das auch wieder verlernen. So habe ich es auf meinem Weg mit
    Hilfe anderer aus der Selbsthilfegruppe gelernt.

    Ich wünsche Dir weiterhin soviel Offenheit, Deine eigene Situation ernst zu nehmen
    und Dir Hilfe zu holen, wann immer Dir danach ist. :)

    Viele Grüße
    Wolfsfrau