Beiträge von wolfsfrau

    ... Teil 2 ... :)

    Jetzt noch etwas zur buchstäblichen SELBST-Hilfe.
    (Die ging mit den genannten Infos erst richtig los, bei mir. Vielleicht ist etwas für Dich dabei.
    Falls nicht, einfach hier liegen lassen. ;) )

    Das war für mich eine hilfreiche Startrampe für die weitere Beschäftigung mit MEINER inneren Heilung.
    Da auch Dein familiärer Hintergrund alkohol-belastet ist, könntest Du auch bei EKS (Erwachsenes Kind
    aus suchtkranker Familie) gute Infos bekommen. Das ist eine verwandte Gruppe nach demselben Konzept.
    Auch im Netz zu finden. Man kann sich im Literaturdienst die Mappe bestellen (DIN A4 Blattsammlung),
    in der sehr Aufschlussreiches über unsere emotionale Prägung steht.

    Und wie sie unsere Duck-Bereitschaft vorm emotionalen Ausfall (Nicht-Erreichbarkeit) eines Gegenübers
    (ehemals Elternteil) erhöht. So dass auch wir viel zu viel inakzeptables Verhalten (nicht-Verlässlichkeit,
    nicht-Ansprechbarkeit, häufige Rückzüge) hinzunehmen bereit sind und damit eine "gute Partie" für
    Süchtige werden.

    Warum? Weil es sie ungestört ihrer Sucht nachgehen lässt, wenn wir bereit sind, mehr Zeit "allein (gelassen)"
    zu verbringen als in echtem Austausch miteinander. Es gibt sehr viele Bücher über die eigene Verlustangst
    (trinkenden Partner / Elternteil verlassen 'sollen') als Treibstoff unserer Sucht, lieber das Unmögliche zu schaffen,
    seine Sucht zu kontrollieren. Oder unsere Emotionen. (Aus Trauer, Wut und Schmerz "Einsicht" zaubern, Verstehen,
    Hoffen, Ultimaten erfinden und doch nicht halten können.)

    Es ist KEINE SCHWÄCHE, an einer Beziehung festhalten zu wollen. Es ist menschlich.

    Die Schwäche liegt darunter: Es ist der Irrglaube, erst die Nähe dieses Menschen würde uns sagen können,
    dass wir liebenswert sind, Nähe und Respekt verdienen, Geborgenheit und Akzeptanz. - Mir hat beim Lösen
    aus dem Helfenwollen geholfen, dass es eine Instanz gibt, die all das längst für mich will und mich so sieht.
    Das können wohlwollende Menschen aus der SHG sein, oder eine eigene spirituelle Kraft, ... ganz egal.

    Wichtig ist nur, dass Du Deinen Selbstwert nicht davon abhängig machst, ob ein emotional Abwesender
    irgendwann in der Lage ist, Dir zu spiegeln, Du bist seine Aufmerksamkeit wert. - Der Kampf ist völlig
    UNNÖTIG. Der Preis, den Süchtigen dafür in die Nüchternheit "haben zu wollen", verschwendet Deine Kraft.

    Vielleicht will er selbst in die Nüchternheit, wenn ER bemerken darf (indem Du ausscherst), dass er ein
    Problem hat, das IHN vom Erleben schöner Gefühle mit Dir als seiner Partnerin abhält. Und da kommt
    der Gedanke von oben ins Spiel, derweil die eigene emotionale Unabhängigkeit zu trainieren und als
    Deinen Teil zu einer GESUNDEN Haltung "anzubieten". (Frei vom Mittragen und Mitleiden an seiner Sucht.)

    Nicht als Spielchen, sondern als einziger Weg, ohne transportierte Erwartungen (incl. Enttäuschungen
    für Dich) kenntlich zu machen, dass Du nicht mehr zur Verfügung stehst für seine emotionale nicht-Verfügbarkeit.

    ... das war jetzt recht viel. 8) - frag' gern nach, falls es irgendwo unklar formuliert ist. :)


    Liebe Grüße erst einmal und "Willkommen" hier im Forum,
    Wolfsfrau

    Hallo Mimi, :)

    ich bin selbst Angehörige (Erwachsene Tochter alkoholabhängiger Eltern) und habe sehr
    lange gebraucht, zu verstehen, dass die Sucht meiner Mutter nichts ist, dass ich mit
    eigener Zugewandtheit, Entschlossenheit, Stärke/Härte, Willenskraft o.a. steuern kann.
    Dennoch an dieser Person festhalten zu wollen, sie nicht "allein zu lassen", hat nichts
    mit Schwäche zu tun. Es ist menschlich, entspringt aber der Illusion, SELBST der Sucht
    eines anderen beikommen zu können. (Irrtum, da Motivation von außen dort nicht greift.)

    Ein Süchtiger "gehorcht" im abhängigen Zustand zunächst nur der Forderung der Sucht,
    den gewohnten Pegel schnellstmöglich herzustellen. Heimlich trinken, lügen müssen, das
    alles kann sich als krankmachendes Verhalten aufs Umfeld (Kind, Partner) mit erstrecken.
    So kommt es zur Co-Abhängigkeit, man wird der verlängerte Arm des Leugnens. Dazu
    findest Du unter diesem Begriff mehr Infos.

    Ändern tut der Süchtige auf diese Weise nichts FÜR SICH. - Er hat ja alle Sicherheit, die
    ihm ein "folgsames", hilfloses, mit der Zeit selbst mürbe & vielleicht still gewordenes Umfeld
    bietet. So lange keiner den Weg "nach draußen" geht, die Sucht als Thema offenlegt, bleibt
    das auch so.

    Deshalb ist es super, dass Du Dich bereits mal in einer Gruppe informiert hast. 44.
    DU kannst etwas ändern, auch wenn Dein Partner noch in seiner Sucht lebt.

    Insofern stimmt zwar der erste Teil der Nachricht:


    (...) da wir ein vom anfang an erzählt das er sich für nichts auf der Welt {von außen}
    ändern wird und das trennung die einzige möglichkeit ist.

    Der zweite Teil (Trennung als das einzige Mittel) stimmt nur bedingt.

    Es gibt durchaus Ansätze (Verhaltens-Tipps) für Angehörige, wie sie NEBEN ihrem süchtigen
    Partner / Elternteil ihrem Leben und Wohlbefinden weiter nachgehen können, ohne sich seiner
    Sucht zu verpflichten. Inneren Abstand einnehmen und unterscheiden: Sucht vs. Person.
    Auch im eigenen Verhalten: Zur Person wertschätzend, zur Sucht klar abgegrenzt.

    Mir sind Empfehlungen dazu bei Al-Anon gegeben worden. Das ist eine anonyme Gruppe,
    die mit den 12 Schritten arbeitet. Du findest sie im Netz unter ihrem Namen. Die dort weiter
    gegebenen Gedanken haben mir geholfen, einzusehen, dass ...

    - ich an einer fremden Sucht nichts ändern kann
    - ich im ständigen Versuch, damit zurecht zu kommen, selbst viel Kraft verliere
    - ich ein Anrecht darauf habe, selbst glücklich zu sein, egal ob der andere für sich etwas will
    - ich mich von der betrunkenen Person (Sucht) distanzieren "darf", ohne "fies" zu sein
    - ich der nüchternen Person sagen "darf", dass ich seine Sucht nicht weiter mittrage
    (z.B. Flaschen wegbringen, für sie lügen, meine emotionalen Nöte geheim halten statt Hilfe suchen)

    ... erstmal Pause ...

    Guten Morgen, liebe Celestine,

    zum co-abhängigen "Instrumentarium", Einfluss auf den Trinkenden zu nehmen,
    kann ich aus meinen gewonnenen Erfahrungen und Infos (Al-Anon und Therapie)
    nur weitergeben:

    Dinge tun, die das Verhalten des Süchtigen (also sein Trinken) verändern sollen,
    bringt nichts. Es hält einen im Irrtum fest, gegen die Sucht ankommen zu können,
    wenn man es nur doll genug versucht. - Der Trinker trinkt weiter, dafür gehst Du
    irgendwann in die Klinik, weil Deine Kraft aufgebraucht ist, Dein Leben still steht,
    Deine innere Spannung alles überlagert, Entspannung kaum noch möglich ist.

    Etwas Unkontrollierbares (die Sucht eines andern, manchmal auch die eigene
    Kontrollsucht) kontrollieren wollen, ist die Selbst-Überschätzung aus Liebe und aus
    Interesse am anderen Menschen, der viele Co-Abhängige Partner und Kinder aufsitzen.

    Dein Brief war der best mögliche Schritt: Die Info ist über den Tisch, gilt in SEINEM
    Leben. Egal, wie er sich jetzt dazu vor Dir zeigt. Auch das ist Teil seiner Sucht. Leugnen.

    Ich würde nicht nachsetzen, ihn zum "Zugeben" überreden oder überlisten wollen:


    Ich eigentlich öfters hin fahren müsste, weil er vor uns ja nix trinken kann.

    Dazu musste ich als Angehörige und nicht-Profi erst lernen, dass bei Sucht auch die
    psychische, teils hirn-chemische Abhängigkeit ein Eigenleben entwickelt, das nicht nach
    Belohnung oder Strafe auszuhebeln ist.

    Einzig Deine Klarheit (ohne Erwartung) und Abgrenzung lässt den Ball auf seiner Hälfte.
    Er muss dann SICH fragen, ob er will, dass ihr immer nur für einen Tag kommt.
    Oder ob er bereit ist, dann viele schöne Erfahrungen mit seinem Enkel zu verpassen.

    Das sind innere Prozesse auf seiner Seite, über die Du auch die Kontrolle abgeben darfst.
    Es muss sich dort abspielen, sonst bleibst immer Du Gegner, Vorwand, Anlass, Instrument,
    für seine Sucht. Dann wirst Du eingebaut in die "Notwendigkeit" des Süchtigen, zu trinken.

    Bei AA und Al-Anon habe ich dazu den etwas versöhnlichen Ansatz kennen gelernt, dass in
    so giftigen Momenten, wo man mit der "Fratze" Kontakt hat, eigentlich die Sucht spricht.
    Das entschuldigt nicht das Verbleiben in der Sucht, aber der Mensch als Person existiert auch.
    An den und seine Gefühle, Bewusstheit, Einsichtsfähigkeit ist im betrunkenen Zustand KEIN
    Rankommen. Auch im nüchteren Zustand nur bedingt. Den "Klick" muss es bei ihm machen.

    Das ist für uns Kinder total paradox: Der eigenen Sorge mit "Nichtstun" und innerem Abrücken
    vom Fokus Alkohol begegnen zu sollen. Aber anders ent-heddern sich die Systeme nicht und
    es bleibt ein aussichtsloser K(r)ampf in völliger Verhakelung.

    Ich bin jahrelang in Minderwertigkeitsgefühlen und Depression stecken geblieben, weil ich mich
    unbewusst sogar als Teil des Ungesunden, nicht-mehr-Lebendigen (im Elternhaus) gefühlt habe,
    bis in meine Erwachsenen-Karriere hinein. Sonst würde ich nicht so klar Partei für das eigene
    Recht auf freien inneren Raum und Glück - egal wie sehr ein anderer sich SELBST vernachlässigt -
    ergreifen.

    Dazu musste ich aber auch erstmal lernen, "genug mit mir selbst" zu sein, innerlich stehen zu
    können ohne eine starke Mutter, die alle Berechtigung zum ich-selbst-sein, meiner Durchsetzung,
    an mich hätte weitergeben können. (Andere Geschichte als Deine, aber die Tentakeln IHRER Sucht
    haben mich mit im Griff gehabt, ehe mir mein eigener Verzicht auf Lebendigkeit bewusst werden
    konnte. Das läuft sehr unterschwellig und Schuldgefühle, "erfolglos" bei der Suchtheilung zu sein,
    tun ihr übriges.)

    Das ist jetzt wieder sehr viel geworden. Ich hoffe, ich habe Dich nicht erschlagen.

    Nimm Dir, was für Dich jetzt und hier brauchbar ist, und der Rest steht ja später auch noch da. :)

    Liebe Grüße und weiterhin Mut zu Deinem Gefühl, wünsche ich Dir.

    Wolfsfrau

    ... nochmal ich ... :)


    Andere im umfeld sagen ich solle seinem Hausarzt bescheid geben ...

    Als reine Info an den Hausarzt könnte das hilfreich sein, falls der als "Externer" (also
    nicht Familie/Freunde) einen sachlicheren Zugang zu Deinem Vater finden könnte.
    Oder sich nicht von unauffälligen Leberwerten täuschen lassen sollte. - Aber das können
    Betroffene vielleicht noch besser einschätzen. Für OPs kann es eine wichtige Info sein,
    weil der Narkose-Bedarf dann glaube ich höher liegt. Irgendwie ist es schon ein Eiertanz.
    Nicht Regie führen, trotzdem klare Grenzen setzen, und medizinisch unterstützend sein.

    Kein leichter Job. schwitz. Ich freue mich jedenfalls, wenn ich Dir etwas Mut machen kann,
    auf Deinem Kurs (Situation ansprechen) zu bleiben. Das ist das Wichtigste, nicht mehr
    mit zu leugnen, auch nach außen. Nur so findet die Hilfe zu Deinem Vater, wenn er es zulässt.

    Nochmals alles Gute, vor allem für die SHG! Ein guter Schritt. 44. (Denn Du bist auch wichtig.)

    Liebe Grüße,
    Wolfsfrau

    p.s.
    Du könntest die Frage (KK informieren u.a.) mal selbst als Anliegen mit zur "Suchtberatung"
    (für die Angehörigen) nehmen. Was die mir gesagt haben, hat mir geholfen, mich mehr bei
    mir selbst aufhalten zu "dürfen" und weniger "ich müsste doch aber ..." in mir auszukämpfen.
    Es gibt viele gute Adressen, auch für uns Angehörige! (Denn wir brauchen mindestens so viel
    Hilfe wie der zuerst Süchtige.)

    Hallo Celestine, :)

    ich sehe es ähnlich wie Brant. Keine Antwort heißt, er wird "darüber" mit Dir (noch?) nicht sprechen wollen.
    Du hast ihm alles hingelegt, was Deine Position zu ihm betrifft. Dass Du ihn liebst, aber nicht mehr daneben
    stehen wirst (übernachten und mehr sehen), wenn er auf dem Weg des Trinkens bleibt, sich damit umbringt.

    Mehr ist erstmal gar nicht "anzubieten". Deine Grenzen sind benannt, das ermöglicht ihm, zu erkennen, etwas
    stimmt nicht mit seiner bisherigen Situation (Alkohol). Jedenfalls ist es jetzt auf dem Tisch, auch vor ihm selbst.

    Meiner Mutter (damals ebf. noch funktionierende Pegeltrinkerin) habe ich 2010 genau so einen Brief geschickt,
    mit Broschüren der Suchthilfe und AA-Kontaktdaten dabei. Plus 3 Seiten Text über meine eigene Erfahrung durch
    die Arbeit mit Gefühlen in einer 12-Schritte-Klinik, über die Erkenntnis, dass Scham nur alle Lebendigkeit tötet,
    und dass sich kein Süchtiger für die Sucht zu schämen braucht. Sie redet auch grundsätzlich nicht über sich.

    Reaktion: Den Brief behielt sie, die Broschüren kamen zurück: "Liebe Wolfsfrau, ich habe keine Verwendung dafür."
    Super-Text, oder? Kein Wort zuviel, und kein einziges über sich. - Das ist bis heute ihre Kommunikation zu Gefühlen.

    Es ist nicht unsere Pflicht als Kinder, dem alkoholkranken Elternteil unsere Liebe zu versichern. (Die wissen das.)
    Und es heilt auch nicht. Heilend kann allenfalls eine eigene Einsicht sein, ein starker Verlust, irgendein innerer Riss,
    der den Motor anschmeißt, vom eigenen Leben "mehr" haben zu wollen, überhaupt wieder etwas zu WOLLEN. Das
    kann eine Weile dauern, weil davor viele Störgefühle (eben die genannte Scham vor sich und anderen) liegen.

    Mein Therapeut erklärte mir das mal als Spirale:
    Solange j-d trinkt (also fern seiner Gefühle sein 'muss'), braucht er Alkohol. (Um die Gefühlsferne auszuhalten.)
    Ein Kreis, der sich aufrecht erhält, außer es ändert sich etwas in Bezug auf die Gefühle und den Umgang damit.
    Dann könnte etwas in der Seele in Gang kommen, ein Hunger nach Lebendigkeit. Das braucht aber Schutz und
    Ermutigung (Klinik, Therapie). - Vielleicht schreibe ich das hier recht idealisiert, aber mit diesem Bild fiel es mir
    dann leichter, zu begreifen: Mehr als meine Wahrnehmung samt Infos hinlegen, kann ICH nicht an ihrem Leben
    "tun". Das ist auch nicht meine Aufgabe.

    Im Moment lebe ich auch mit einer Funkstille zu ihr, aber vor allem, weil ich gerade keinen Nähewunsch fühle.

    Das Wichtigste ist, dass DU Dich weiterhin so spontan und unverdreht in Deinen Gefühlen bewegst wie sonst.
    Wenn Dir nach Anrufen ist, mach es doch einfach? Erwartungen würde ich nicht dran hängen, das würde Dich
    in der Co-Abhängigkeit (ihn heilen wollen) festhalten. Aber das Maß an Nähe finden, mit dem DU gut umgehen
    kannst, wenn Dir der Kontakt wichtig ist, das könnte eine Richtung sein. Dein Wille, nichts "für ihn" oder "damit
    er ..." - ...

    (Dieses Mitdenken ist nicht ohne. Es suggeriert auch Dir oder mir, wir hätten "Einfluss" und müssten aufpassen.
    Haben wir nicht und müssen wir nicht. Genau das sind ja die Pfeiler der Co-Abhängigkeit, die uns ans Geschick
    der anderen Person binden und schlimmstenfalls eher noch verhindern, dass er / sie eigene Schritte tun kann.)

    Ich wünsche Dir viel Glück und innere Klarheit für Dich und Deine Gefühle. (Du bist nicht für ihn verantwortlich.)

    Liebe Grüße,
    Wolfsfrau

    - p.s.: Ich sende das erstmal, auch wenn vor mir noch jemand geschrieben hat -

    Hi Greenfox,

    und ich kann offen bestätigen, dass mich genau "die" Stelle (Eltern, Knöpfe, Kind) auch
    angesprochen hat. :)

    Und ich stimme Dir hier auch zu:


    Ich denke, dieses Problem betrifft nicht nur Alkoholiker. Vielmehr glaube ich, dass viele
    Menschen ein Problem haben, sich abzugrenzen und für ihr eigenes "Seelenheil" zu sorgen.


    Das hatte ich so auch gemeint. Erst die ich-Schwäche, dann die Überforderung und
    dann möglicherweise der Griff zur Betäubung, Alkoholsucht oder eine andere Sucht:


    Dann bestand die Ausnutzung vielleicht schon länger, und der Süchtige ist eigentlich
    "nur" co-abhängig (sich und seinen Gefühlen fern) aufgewachsen und unterwegs.
    Brauchte irgendwann die Betäubung, um der ständigen Selbstüberforderung zu ent-
    gehen.

    In meinem Bild steht die anerzogene Co-Abhängigkeit (Ferne vom eigenen Gefühl,
    egal wodurch 'erreicht') an erster Stelle, und die nachfolgenden Selbstzweifel oder
    ständige Selbstüberforderung, Perfektionismus und völlige Selbstverausgabung sind
    dann ein mögliches Einstiegs-Tor in die Sucht.


    ... nochmal zum Eltern-Kind-Ding ... weil es mir gerade auf den Nägeln brennt:

    Wenn ein suchtkranker Elternteil sein co-abhängiges Kind an sich binden will, um
    immer noch nicht selbst den Mut für Lossagungen aufzubringen, macht mich das in-
    zwischen wütend. Glücklicherweise, denn ich kann sehen, dass meine innere Arbeit
    da lediglich mit verschlissen werden soll, unterdrückt einerseits, und verdoppelt ("es"
    auch für sie mit zu machen, mich z.B. meinem Vater widersetzen, um sie zu schützen)
    zugleich. Das ist vielleicht unbewusster Egoismus*, aber es bleibt eine Nichtwürdigung
    meiner Grenzen und Schmerzen, im "etablierten" Rollensystem zwischen meinen Eltern
    irgendwas ausrichten-können zu sollen, während ich doch genau das nicht schaffen soll.
    Sie wollen mich kleinhalten, damit sich genau NICHTS verändert, und meine Mutter
    "funkt" im Subtext immer noch um Verbesserung ihrer selbst beibehaltenen Lage.

    (* = hier meine ich wirklich den benutzenden unlebendigen Egoismus)


    Klassischer geht double-bind wohl kaum: Hilf mir aber wehe, Du fasst etwas an.

    Also da bin ich wirklich raus. Zerquetschen lassen muss ich meine mühsam zurückge-
    wonnenen Lebensgeister nicht umgehend wieder, ohne dass dadurch mehr Leben entsteht.
    (Habe derzeit überhaupt kein Gefühl, für keinen der beiden, und Null Kontaktwunsch.)

    - und das ist einzig mein Erleben, ich sehe das völlig abgegrenzt zu allen anderen und
    denkbaren Vernetzungen. Aber ich bin froh, dass ich inzwischen "sehe" statt immer nur
    irritiert, verwirrt und sonstwie nützlich fürs eigene Leugnen meiner Kräfte & Grenzen zu sein.
    (In dem Zustand bin ich zu Hause wenigstens für etwas eingetreten, immer wieder neu.)

    nochmal liebe Grüße, an alle, die hier mitlesen,

    Wolfsfrau


    Genau, @ Betty, :)
    packen wir es an. Ich bin dabei.

    Hallo ihr drei,

    das ist ja ein hochspannendes Thema, auch für mich als Co-Abhängige. 44.
    Danke @ Dich, Greenfox, fürs Starten.

    Dass Gefälligkeit (jedem zu Diensten sein), das Weitertrinken ermöglichen soll,
    kann ich gut nachvollziehen. Ich schätze meine Mama auch so ein: Ich mache doch
    alles, jedem geht es gut, ... also: Was will mir wer vorwerfen? (gefälligst nicht!).

    Mich hat das jahrelang gehemmt, meinen eigenen Kummer und auch den Ärger
    ihr gegenüber zu fühlen. Ihrer inneren Abwesenheit bei vollem Funktionieren.
    Ich "konnte" ihr ja nichts vorwerfen, ihren Einsatz betreffend. Sie war "nur" als
    Person in ihren eigenen Gefühlen nicht "da". (Kein Gegenüber.)

    ***

    Möglich ist für mich heute auch der umgekehrte Zusammenhang, wie ihn mein
    Therapeut mal aufzeigte: Nur eine Person, die so "weg von sich" ist (Verlust des
    Gefühls für sich selbst durch lang dauernde Sucht / Betäubung des Gefühls) wie
    eine trinkende Person es eben ist, KANN überhaupt über die eigenen Grenzen
    gehen und geben. Weil die Grenzen gar nicht mehr ins Bewusstsein treten. Und
    so werden viele Alkoholiker ausgenutzt bis implizit erpresst: "Wenn ich Dir Deine
    'Ausfälle' (inneren Rückzüge in die Betäubung als Zuflucht) lassen soll, musst Du
    aber bitte Leistung bringen, ohne dass an der Front, im Anschein unserer Familie,
    auch nur ein Steinchen fehlt." (Sonst hagelt es Abwertungen und Vorwürfe.)

    Dann bestand die Ausnutzung vielleicht schon länger, und der Süchtige ist eigentlich
    "nur" co-abhängig (sich und seinen Gefühlen fern) aufgewachsen und unterwegs.
    Brauchte irgendwann die Betäubung, um der ständigen Selbstüberforderung zu ent-
    gehen.

    Weiß nicht, warum mir das jetzt wichtig war, ich glaube es geht mir ums Spüren für
    sich selbst und die eigenen Bedürfnisse. Wenn das beschädigt wurde (Kindheit oder
    desolate Erwachsenenbeziehungen), fällt man dem eigenen Perfektionismus zum Opfer
    und sucht/bindet sich an einen entsprechend fordernden Partner, der mit seiner Kontroll-
    sucht die Trinksucht oder eine andere mit aufrecht erhält. (Weil die emotionale Leere in
    so einer Beziehung bzw. die ständige eigene Überforderung nüchtern kaum auszuhalten
    wäre, bzw. weil der Forderer genau weiß, nüchtern wäre die verunsicherte und dienliche
    Person vielleicht viel zu stark und selbst-gesteuert für ihn. Dann wäre der Fortbestand
    der 'Beziehung' gefährdet und damit seine emotionale bis hin zur materiellen Versorgung.)

    Nein-Sagen ohne Angst vorm Verlassenwerden, das wäre dann das Lernziel, wie ich es sehe.
    Und dahinter: Das eigene Wohlergehen mit sich selbst wirklich höher setzen als das Gefallen.
    Das braucht aber eine Menge Selbstvertrauen, auch in den eigenen Wert, wenn da niemand
    sonst ist, der einen bestätigt. - Das ist für mich ein ganz schöner Anlauf, genug um nur jeden
    Tag einzeln daran zu üben!

    Liebe Grüße Euch allen, und sorry, dass es so lang geworden ist,

    Wolfsfrau

    Hallo OnlyTheH,

    ich kann jetzt besser verstehen, in welcher Annahme Du Dich hier mit Deinem Anliegen ans
    Forum gewendet hast. Vielen Dank für Deine Erläuterung! :)

    Als "Neuling" im Thema Alkoholsucht ist wirklich nicht ohne weiteres erkennbar, dass mit den
    "Themen rund um den Alkohol" tatsächlich ebenfalls Fragen im Umfeld der Genesung gemeint
    sind. (Soweit ich das hier bisher verstehe.)

    Mein Ärger rührte daher, dass gerade dieses "aber ein bisschen (Alkohol) geht doch!" sehr oft
    den frühen Ausstieg aus der Sucht verhindert, womit sich auch die emotionale Heilung nach
    dem körperlichen Entzug als sehr viel schwieriger gestaltet und denjenigen länger belastet.

    Da finde ich es dann sehr schwer, solche "Verharmlosungen" unkommentiert stehen zu lassen.

    Nichts für ungut. Ich bin froh, wenn Du selbst nicht gefährdet bist und möchte mich den
    Empfehlungen von Brant und Gerchla anschließen, damit das für Dich auch so bleiben kann.

    Klare Sicht weiterhin und viele Grüße,

    Wolfsfrau
    (eine Angehörige)

    Hallo OnlyTheH,

    Zitat

    Über hilfreiche und zielführende Antworten würde ich mich sehr freuen. :)

    Was wäre 'zielführend' für Dich? Tricks, Deinen Körper zu überlisten?
    In der Apotheke Deines Vertrauens sollte Dir 'geholfen' werden können.

    Genesende Alkoholiker zu fragen, wie Du Dich weniger mühsam und leidend in den Vollrausch trinken kannst,
    zeigt mir, dass Anliegen und Setting für Dich noch ziemlich wahllos neben einander liegen ... ? 8)

    Mir hat die Therapie meines Vertrauens helfen können, zumindest bewusst dafür zu werden,
    dass es Glückssache ist, ob und welche Antworten ich in gelegentlicher Wahllosigkeit so ernte ...

    Hier hast Du Glück. Nicht weil die Antwortenden Dir aus der Hand fressen (müssten), sondern
    weil sie ihrerseits keinen Vorteil davon hätten (oder ihn auszuspielen versuchen), Dich zu verletzen.
    Verständlich wäre es aber. Umso höher mein Respekt vor diesem Forum. Wie steht es um Deinen?

    Wolfsfrau

    Hallo Brant,

    lieben Dank für das hier ... :sun:

    Zitat

    Und vor allem immer wieder üben hierher zu kommen denn das ist kein Ort irgendwo
    und irgendwann da draussen sondern immer hier - das Leuchten im eigenen Herzen.

    ... und was ich hier sonst noch von Dir lesen kann. :) Da steckt viel Kraft drin!

    Liebe Grüße,
    Wolfsfrau

    Liebe Xandi, :)

    ufff .... ich fand eben Deinen Bericht hier und war sprachlos! - Über Deine Eltern.


    Ich glaube nicht, dass ich wegen meiner Kindheit mit dem Trinken angefangen habe,
    eher weil ich mich nie abgrenzen konnte. Weder privat noch beruflich.

    Dazu denke ich in vertauschten Positionen:

    Wenn Anerkennung, Annahme, Liebe, Stabilität NICHT vorhanden sind, ist es so schwer,
    ein Selbstwertgefühl aufzubauen. Einen Platz, von dem aus man "nein, so nicht mit mir!"
    sagen 'darf', ohne Angst. In einem liebenden Umfeld, wenn es echt ist, darf jeder seine
    Grenzen haben. Ja oder Nein, beides sind erlaubte Antworten.

    Was Du beschreibst, ist aber emotionaler, körperlicher und seelischer Missbrauch.

    Ich ziehe echt meinen Hut, wieviel eigene Motivation Du dennoch für DEINE Ziele aufgeboten
    hast. Dein Bericht ist überhaupt keine Zumutung. Deine Ursprungsfamilie emotional aber schon!
    Das sage ich jetzt einfach mal so, meinem Gefühl folgend. Wo hattest DU Sicherheit?

    Ich freue mich gerade umso mehr, dass Du hier gelandet bist und jetzt eigene Weggefährten hast.
    Zusätzlich zum realen Leben, und vielleicht auch etwas unabhängiger davon, wie zugewandt Dir
    Deine Menschen dort gerade sein können.

    Danke, für Deinen so offenen Bericht! (Mein Therapeut hätte mehrmals empört "Ar***loch!"
    ausgerufen. Das tat er, als ich begann, Verhaltenweisen Umstehender auf mich zu beschreiben.
    Und mit ihm lernte ich erst, wie inakzeptabel und lebens-vernichtend all diese Abwertungen waren.)

    Liebe Grüße, und nochmals Respekt, ehrlich. 44.

    :sun:

    Wolfsfrau

    Hallo Greenfox, :)


    Immer schön Schön-Reden, bagatellisieren, nur ja nicht den wirklichen Konsum {ersetze
    durch: "Gefahr" für den Trinkenden und die dran hängende Familie} angeben ...

    ... und wir haben den gemeinsamen Nenner. Das Leugnen der Sucht ("ist doch gar nicht so schlimm").
    Es wird durch die Werbung aufrecht erhalten. Genau wie durch die Co-Abhängigen, die der Krankheit dienen.
    Das macht mich an solcher Stelle so "direkt". - Für mich ist hier die Werbung der Arm der Sucht-Erhaltung.

    An einem Ort, wo wir uns daraus zu befreien versuchen.

    Egal ob man einem Trinkenden seine Eigenverantwortung aufnötigen will. In der Sucht ist die nicht wählbar.
    Leider. Und der Weg raus aus dem eigenen Nebel, oft aus dem Familien-Nebel, wo alle leugnen, ist sooo hart.
    Nicht nur für den Trinkenden. (Aber das muss ich Euch hier ja wirklich nicht erst nahe bringen. :-X )

    Ich höre jetzt mal auf, sonst falle ich in die Meckersucht. (Ernst gemeint, das bedeutet Abstieg der Gefühle.)

    Liebe Grüße,
    Wolfsfrau

    Hallo Dave,

    ich bin Angehörige alkoholkranker Eltern, und für mich passen Alkohol und Werbung (dafür),
    egal wie herum ich es drehe, nicht zusammen. Das wäre wie für Gefahrgut-Transporte werben.
    "Benutzen Sie alle Fahrtwege?" - Nein, Kopfsteinpflaster meide ich. Und damit Gefahr aus der Welt?

    Die Frage wäre auch, ob ein Süchtiger, der noch trinkt, überhaupt ehrlich antworten "könnte".
    Welchen Nutzen also Eure Gruppe von den Antworten hätte?

    Denen gegenüber, die seit Jahren alle Kraft der Abstinenz widmen, empfinde ich es als Schlag ins
    Gesicht, hier mit dem Ansinnen aufzutreten. "Wir" können doch gar nicht die Kauf-Zielgruppe sein?!

    Absender, Ziel, Betreff und Empfänger ... das passt in diesem Kreis hier für mich überhaupt nicht.

    Meine Wut gilt dem Alkohol, eher noch: Dem Versuch, daraus Profit zu schlagen (Konsum), nicht Dir.
    Er fordert zuviele Opfer, direkte und Unbeteiligte, die dran hängen an einem zerstörten Leben.
    Meine Meinung.

    Ich würde es anderswo versuchen mit Eurem Anliegen.

    Viele Grüße,
    Wolfsfrau

    Hallo, ihr lieben Schreiber hier,

    gerade stoße ich auf dieses Thema, und auf Eure Ideen dazu. Danke! :sun:

    Ich habe das auch mal gemacht, angeregt durch "Der Weg des Künstlers".
    Das ist ein Buch zur seelischen Selbst-Aktivierung. Dort geht es um Kreativität.

    Eure Beiträge haben mich gerade an die Freude erinnert, die das macht.

    Alles beim Trinken verschüttete (Freude, Beziehungen, Eigenaktivität, Zutrauen)
    liegt bei jeder anderen Form von "Sackgasse" (Ängste, Depression, Zwangsverhalten)
    ebenso brach.

    Seelisch gesehen, denke ich hier nicht zum ersten Mal, dass sich "Alkohol" oder eben
    emotional zum Selbstläufer gewordene "Zwangsmuster" (Vermeidungen, Verkapselung)
    in der Auswirkung auf die eigene Wahlmöglichkeit ähneln. Die verengt sich auf Dauer.

    Einfach vielen Dank für dieses Thema! - Ich bekomme wieder Lust, ein Buch anzulegen.

    Liebe Grüße,
    Wolfsfrau

    ... einen hab' ich noch ... :)

    [glow=red,2,300]Nina Simone, "Feeling Good"[/glow]

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    Sie sieht nicht "glücklich" aus, aber zutiefst verbunden mit sich selbst.
    Darin steckt für mich die echte Kraft. Dann ist ein Untergang (Kapitulation)
    das Aufrichten in eine neue Würde. (Für die "Mädels" unter uns. ;) )

    Hallo Liv,

    hier mal ein Gruß von mir in Deinen Abend ... :)

    Ich kann jetzt doch noch schreiben, das freut mich gerade. Und ich picke mir mal einiges aus Deiner Nachricht, ok?


    Zitat

    ... (externe Versorgungswege wie du das nennst), nun darüber muss ich mich informieren. Im Endeffekt hat bisher das Emotionale
    („ich kann meine Eltern doch nicht hängen lassen“ bzw. das Nebulöse „es wird alles schrecklich enden, egal was ich versuche") erstmal Überhand genommen.

    In dem Punkt bin ich auch erst in der 'rationalen' Ablösung. Deshalb ist es für mich heikel, vorschnell darauf einzugehen. Mit Verstandenem, Angepeiltem, ... - nur soviel: Ich erkenne in mir allmählich die Bereitschaft, das Suchtgeschehen incl. eigener Folgen (körperlich, Haushalt) auch als solches 'betreuen' zu lassen. Weg von mir. Weg mit der allzu vertrauten Lethargie und Dunkelheit. Selbst bei Tageslicht ertrage ich die Verhangenheit - ganz ohne aktives Trinken meiner Eltern - kaum. Ist aber ein anderes Thema. (Leblosigkeit, Null-Kommunikation, Vereinzelung nebeneinander ... mein Fell sträubt sich, ich will weg.)


    Zitat

    wenn solche heftigen emotionalen Bedürfnisse von ihnen kommen (wir können nicht ohne dich)

    Dieser ausgesprochene Satz "Wir können nicht ohne Dich" ... - Du, das nennt man "emotionale Erpressung"!
    - Wir können nicht ... (!) --- Stimmt. Ihr könnt etwas nicht, das ihr euch selbst schuldet: Verantwortung.
    - Deshalb (und unabhängig davon, was das mit dir macht!) musst Du. (?) --- Eltern? Wer bin ich dann?

    Ich brauchte einiges an Therapie, um auch fühlend zu verstehen, wie sehr das eigentlich wieder MEINE Not nieder macht. (Sollte mir gerade mal eine Scheibe der Empörung hier für mein eigenes Thema abschneiden ...) Es ist schlichter EMOTIONALER MISSBRAUCH, dem Kind die Verantwortung für sich (als Eltern!) aufzubürden.

    Diese "Erkenntnisse" können aber nur sehr langsam in meinem Gefühl andocken, weil ich "es" ja so kannte, vor allem meiner Mutter gegenüber. Zuständig sein, durch eigenes Aushalten hoffen, die eigene Scham und Machtlosigkeit etwas zu mindern. Aber nein, dadurch wurde unsere Familie kein bißchen "normal"! Egal wie ordentlich ich stets gekleidet war, in mir drin war ich durch und durch nur heimatlos. Außer ich konnte mit Hunden oder beim Spielen aufleben. Ich schämte mich (für mich!) viel und wusste nicht, dass es die Scham war, die meine Eltern eigentlich hätten auflösen müssen, in ihrem Leben. Weil SIE sie durch ihr Handeln in sich selbst erzeugten und in den Gesichtern vor sich her trugen (Teilnahmslosigkeit, Verlorenheit, inmitten einer Feier.) Ich war eine Verlängerung ihrer Scham. Ich habe gelernt, dass ich als eigene Person scham-würdig bin, ohne das abstellen zu können. Weder wusste ich über das Gefühl "Scham" bescheid, noch hätte ich mich als Person davon unterscheiden können. Es gab mich nicht.


    Dein Stichwort "Familienschicksal", das ging mir auch durch. Ich habe mich zwar als Kind nie für meine Eltern schämen müssen. Das Trinken verlief gelöst und freudig in ihrem damaligen gebildeten Freundeskreis. Später erst konnte ich ihr Erscheinungsbild der Sucht zuordnen. - Ich bin gerade dabei, mich von meiner jungen Mutter zu "verabschieden", was nicht leicht ist. (Sie war ja nicht schon immer so.) Ganz anders als die Wut auf ihre Sucht - eher: die Folgen für mein Leben - der ich hier beim Schreiben ohne Scham folgen kann.


    Zitat

    ... ein ganz vorherrschendes Gefühl, nachdem jetzt meine Schwester gestorben war. Ich dachte: Das war erst der Anfang,
    und die anderen werden folgen, auf die gleiche Art, und am Ende stehe ich allein da und schließe das letzte Kapitel dieser Familie ab.

    Ich wünsche Dir, dass Du die Verkettung der Muster mit einfühlsamer Hilfe schrittweise lösen kannst und sich dadurch ein Abstand zu Deiner eigenen Wahl, allen betroffenen Themen gegenüber, herstellen wird. (Wird er, mit zunehmendem Erkennen.)

    Diese Gedanken ('mit uns stimmt grundsätzlich etwas nicht') trage ich in ähnlicher Sicht auch in mir. Bei "uns" ist es aber die seltsame Sprachlosigkeit und Bindungslosigkeit in der ganzen Familie, versprengte Beziehungen und Brüche inbegriffen. Ich habe mal ein Genogramm (schematischer Familienbaum) für eine Ausbildung anfertigen müssen. In wirklich jeder der drei Generationen gab es Sucht und unverarbeitetes Trauma. ... So richtig geerdet und einfach nur locker mit einem Brötchen in der Hand erzählen, wie einem wirklich gerade mal ist, ... das ist als Kind nie wirklich meine Welt gewesen. Außer wir teilten "gute" Erfahrungen und konnten heiter sein damit. Vorzeigbares in die Mitte, den Rest hintern Rücken. - Und ja, ich bin traurig drum. Dafür hatte ich immer Beziehungs-Freunde, die mit ihren Fehlern oder Schwächen kein Problem hatten. Für mich gesund, mein Sensor stimmte also noch. Für meine Mutter zum Schämen (?), anders kann ich ihre Abwertungen nach dem jeweiligen Beziehungsende nicht verstehen. (Das ordne ich wirklich ihrer Sucht zu.)

    Wenn ich mir das genau und zusammen-gezählt angucke, was an meinem Leben also folglich alles "falsch" war - aus Sicht meiner Eltern, und wofür SIE sich schämten (?!) - ... dann bleibt nicht mehr viel an Scham für ihr eigenes Leben übrig. Clever eigentlich. Solche Erlebnisse (Misswürdigung, in Pose und Feinheit eingewickelt) haben eigentlich die Distanz zwischen uns eingeläutet, seit ich eigene Wege - überhaupt die ersten - ging.

    Als hätten mich meine Eltern schlicht nicht aus ihrer Backstube entlassen wollen. Und dann habe ich auch noch das Förmchen gewechselt, bin - sie sind heute noch überzeugt, es war ein Fehler - mit 28 in Therapie gegangen ... hach, und ab da klemmte mein Leben ja erst richtig. Jetzt finde mal die Sprache, diesen Socken im Einverständnis mit ihnen wieder auf rechts zu drehen. ("Wie es wirklich war" ... Fantasie in 3 Folgen. Daher mein Schreibzwang seit der Genesung.)

    Ich lache mich hier gerade kaputt beim Schreiben. (Da bin ich jetzt mal ganz auf meiner Seite. Dank Meeting, Zurückfinden in meinen Spieltrieb und überhaupt alles Lebendige. Für mich ein Genesungsgeschenk, das nie wieder verloren geht!)

    Tatsächlich haben wir es doch in der Hand, welche Note wir dem "Finish" unserer eigenen Linie geben. Einen kleinen, eigenständigen Lebensstrahl tragen wir ja noch vor uns her, und den können wir schmücken wie unseren eigenen Tannenbaum. Ich gedenke das zu tun.

    Ich hatte heute ein sehr gutes Meeting, deshalb kann ich Dir doch schreiben - obwohl ich dachte, ich brauche noch eine Woche Tiefschlaf - und bin mal "leicht" unterwegs. Das ist auch für mich entspannend! Mir fällt das gerade mal auf und ich bin froh, das heute mit Dir teilen zu können. - Was ich mir von mir und meinem Leben zu allererst wünsche, ist dann auch die volle Lebendigkeit, und von da aus in eigener Gelöstheit total klar und locker entscheiden, was ich übernehmen mag, und wo ich gern Hilfe zur Selbsthilfe anbiete. Aus meiner Ganzheit, ... direkt vertont.

    So sei es. Das ist ein Versprechen an mich selbst. (Muss man an guten Tagen für sich treffen!)

    Liebe Grüße und ... allzeit ein Fünkchen Vergnügen, die lauern überall.

    Wolfsfrau

    Hallo Liv,

    ich habe Dich gelesen und wollte Dir nur Info geben, dass ich darauf erst später eingehen kann.

    Gerade läuft viel inneres Geschehen durch mich hindurch, da bin ich nicht so gut im "Denken".

    Von wegen multi-tasking. ;) (Der Krug ging wohl an mir vorüber.)

    Einfach einen lieben Gruß für Dich, den wollte ich aber senden.
    Wolfsfrau

    ... was ich Dir gern weitergeben wollte ... :

    ich wünsche Dir viel Kraft, bei Deinem Bauchgefühl zu bleiben! :sun:

    Du klingst sehr klar und durchschaust auch die Zusammenhänge. Komplex ist es, weil die "Kette" hier drei aneinander gebundene Partein umfasst: Die Schwiegermutter <- den bedrängten Sohn / Deinen Mann <- Dich <- die Kinder.

    Deine Sorge überhaupt zu denken, finde ich sehr mutig:

    Sie spielen mit den Emotionen meines Mannes, aber ich versuchen mich nicht unter Druck setzen zu lassen.
    Ich hoffe, es beeinflusst am Ende nicht unsere Ehe...


    Darin steckt auch Deine Bereitschaft, Deinen Kurs beizubehalten. Sollte die Situation zwischen Euch beiden deshalb unter Spannung geraten, ist es für seine Chance auf seelische Genesung allemal gut, wenn EINER klarsichtig bleibt und den Mut dafür aufbringt, Illusionen (den Süchtigen kontrollieren zu können) als Antreiber enttarnen zu können.

    Vielleicht hilft es Deinem Mann, sich selbst als bereits geschädigtes Opfer der (mütterlichen) Sucht zu begreifen? Seine Spannungen und die sicherlich nicht zu unterschätzenden seelischen Schmerzen (innerlich keinen Raum für sich frei zu haben) sind dann jedenfalls nicht mehr als eigenes 'Versagen' im Helfen-Wollen zu interpretieren, sondern als Folgeschaden, für den er selbst in die eigene Bewältigung (Trauer zulassen, Mitgefühl für sich selbst entwickeln) kommen kann.

    Falls Du ihn nicht schon hast, hier mal der Link zu EKS und wie Du an die Info-Mappe kommst. In der steht vieles über Merkmale, Familienrollen, Selbstbild und spürbare Beeinträchtigungen im eigenen Leben. Für mich (selbst EKS) war es wie eine Offenbarung, dass nicht ICH zu schwach für den Druck (Dinge hinkriegen zu müssen) war/bin, sondern mir die nötigen Kräfte für mein eigenes Leben fehlten, da sie in der fremden Sucht (Eltern) gebunden waren: http://www.eksev.org/literatur.htm

    Das alles zu erkennen, war erst sehr schmerzhaft, aber dann kam die Wut, über diese maßlose Überforderung, die letzlich mir und meiner Lebensgestaltung geschadet hat. - Wut hilft beim Abgrenzen, und beim Wunsch, die Autorität über sein Leben zurück zu gewinnen. "Selbst etwas wollen", das galt in einem dysfunktionalen Haushalt nichts, damit waren die Eltern zumeist überfordert. Ohne diesen vitalen Kern (Abgrenzungsfähigkeit) in sich zu tragen, ist fortgeführtes Helfen / Funktionieren im Außen aber wie Autofahren ohne Benzin. Seine seelische Erschöpfung wird ihn - ohne eigene Aufarbeitung - über kurz oder lang selbst aus dem Verkehr ziehen.

    Und dann steht er vor derselben Entscheidung, die seine Mutter genau jetzt zu treffen hat: Im vertrauten Suchtmuster bleiben (und dabei drauf gehen, ob körperlich oder "nur" seelisch oder beides), oder - um weiter am gemeinsamen Leben teilnehmen zu können - etwas zur eigenen Rettung tun. ("Sucht" heißt in meinem Verständnis alles zwanghaft Ablaufende, über das ich keine eigene Kontrolle zu meinem Selbstschutz mehr habe. "Helfen statt sich selbst Mitteilen", ist z.B. ein gängiges Suchtverhalten "Erwachsener Kinder" & Co-abhängiger Partner. Genau genommen aber ein von der Gesellschaft als "edel" propagierter Wert, der die Menschen seelisch (bis körperlich) ebenso aushöhlt wie der Konsum zugänglicher 'legitimer' Alltagsdrogen.)

    Es geht immer um die Verschiebung der Aktivität von sich selbst weg, hin zu anderen. Wenn das ein "gesunder" Mensch in der Achtsamkeit seinen Kräften gegenüber tut, schadet ihm das nicht. Tut es aber ein "leer" gebliebener Mensch, der nur so überhaupt Bindung oder eine Rolle darin erfährt, dann schadet das allen Beteiligten, ihm am meisten. Seine Kräfte gehen von "0" auf rückwärts. Und was er anderen abgenommen hat, füllt sich in ihrem Tank unspürbar auf. Die merken nicht, dass sie auf fremdem Benzin reisen und stürzen dann später - wenn plötzlich eigene Kräfte gefragt sind - ab. Niemand bleibt Ganz, das meine ich damit.

    Ich hoffe, ich habe Dich nicht 'erschlagen' ... diese Sicht könnte aber (auch Deinem Mann) hilfreich sein, das ganze Ausmaß seiner eigenen Versehrtheit zu erkennen und die Weichen so zu stellen, dass Selbstbestimmung für ihn wieder zum Kompass seiner Entscheidungen werden kann. Es geht darum, dass er weg vom Gefühl kommt, es "selbst hinkriegen" zu müssen. Der Blick auf die große Landkarte kann helfen, sich als Opfer zu begreifen und alle gewohnten "Pflichten" als fremdes Gepäck, das jeder gut für sich selbst tragen kann.

    ich wünsche Dir Mut, Vertrauen und Zuversicht, Deiner Wahrnehmung zu folgen. :)

    Lieben Gruß,
    Wolfsfrau

    Hallo corab, :)

    das (Pflegeplan) klingt ja grauslich. Es mag edel scheinen, aber Deine / seine Familie hat scheinbar überhaupt nichts dazu in Erfahrung gebracht, was Sucht bedeutet. Es ist kein Makel, keine schlechte Eigenschaft, es ist wie eine Stoffwechselkrankheit (bildlich). Für Krebs oder Diabetes wird ja auch nicht im Verborgenen am Patienten herum gepfuscht.

    Ich bin Erwachsenes Kind und musste überhaupt erst mal erfahren, dass ich machtlos bin, einen Menschen "zu lenken", solange die Sucht ihn lenkt:

    - Sie ist für einen Angehörigen weder zu stoppen, noch zu kurieren
    - Sie ist für den Süchtigen tödlich
    - der Süchtige braucht den Entzug (vorher aber den Willen dazu)
    - Er, der Süchtige muss etwas "wollen", anders dreht sich nichts.

    ... ich hänge hier gleich noch einen Beitrag an, den ich eben schon für Dich geschrieben hatte. (Achtung lang! ;) )