Beiträge von Pinguin

    Hallo mokka, uwe, katro :)

    Solche Diskussionen sind doch immer wieder mal interessant. 8)

    Aber es wird immer außer Acht gelassen, dass ich nicht einfach irgendetwas weglassen kann, ohne es zu ersetzen.
    Wenn dieser "Ersatz" eine andere Sucht zur Folge hat, dann ist irgendwas schief gelaufen. Das nennt man dann ja wohl die klassische "Suchtverlagerung".

    Bedeutend ist doch, dass der Mensch ein Ur-Bedürfnis nach Rausch, nach Ekstase, nach ozeanischen Gefühlen, nach Flow, nach Spiritualität oder wie auch immer hat! Das lässt sich nicht leugnen, nicht wegsperren, nicht killen. Und er hat ein Recht auf diese Zustände! An diesem Thema bin ich gerade ganz nah dran. Ich möchte weder legale noch illegale Drogen konsumieren, um DIES gelegentlich zu erfahren. Auch habe ich keine Lust mehr, meine Freiheit aufzugeben...

    Um zum kontrollierten oder normalen Trinken zurückzukommen:

    Ich bin immer skeptisch, wenn Wissenschaftler oder wie auch immer ewige Wahrheiten aufstellen. Aber diese Dogmen entstehen doch in erster Linie aus den Erfahrungsberichten und Versuchen der Süchtigen selbst! Das darf man doch bitteschön nicht außer Acht lassen.... Das, woran wir glauben, wird meistens Realität. So habe ich doch auch Bücher gelesen über das normale Trinken, über das kontrollierte Trinken - und ich habe daran GEGLAUBT. Nein, nicht nur das: ich war überzeugt davon... Es ist aber gescheitert, immer wieder und wieder.... Und zwar..... schleichend! Wenn man dieses Experiment jahrelang probiert, hat man irgendwann keinen Bock mehr auf diese "Anstrengung". Immer noch bin ich der Meinung, was ich schon vor längerer Zeit hier im Forum schrieb:

    Wenn ein Mensch "nur" Alkoholmissbrauch betreibt und (noch) nicht in der Abhängigkeit siecht, dann scheint dieses kontrollierte/normale Trinken machbar. Ab einem bestimmten Punkt ist es schier unmöglich.

    Viele Grüße
    Pinguin

    Hallo Jensen,

    toll, dass Du auch wieder da bist! Jetzt sind wir ja bald komplett. :)

    Neu registrieren ist normal.

    Ich habe Dich und Angel gerade als Vollmitglied aktiviert.

    Liebe Grüße
    Pinguin

    Als erstes Mal finde ich es gut und wichtig, dass Du hier postest und ich möchte es nicht missen. Deine Beiträge erzeugen Reibung. Diese Widerstände können helfen, zu wachsen!

    Trotzdem fühle ich mich von Dir nicht Ernst genommen. Mir kommt es so vor, als spräche aus Dir die "alte Schule". Also: "Alkoholismus ist Willensschwäche". So kommen Deine Statements bei mir an. Heute geht man davon aus, dass es eine Krankheit ist. Darauf ruhe ich mich aber nicht aus.

    "Alkoholabhängigkeit ist die einzige Krankheit, wo der Patient maßgeblich bestimmt, ob es zur Heilung bzw. Genesung kommt." So etwas habe ich neulich gelesen.

    Allerdings liegt hier die Betonung wiederum auf Krankheit. Ich habe viele Jahre gebraucht, um zu begreifen, dass ich krank bin. Alkoholkrank. Ich weiß, dass es für Dich unverständlich ist, wie Menschen, die gesunden wollen, Rückfälle "bauen", wie sie "kämpfen".... Nur muss ich Dir sagen, dass es für Dich vielleicht darum unverständlich zu sein scheint, weil Du selbst diesen "Point of no return" nie erreicht hast. Zum Glück!!!

    Du hast in Deinem hier eröffneten Thread Fragen gestellt, die ich mir selbst ständig stelle oder gestellt habe. Ich unterstelle mal Of Tzu (sorry, Of Tzu, falls ich irre), dass er meinte, wenn er jetzt auf Deinen Thread eingehen würde, dann käme dabei ein ganzes Buch rum. Eigentlich beschreibst Du das Dilemma recht gut. Aber wem hilft es? Das sind Fragen, die mir selbst Kopfzerbrechen bereiten. Die Lösung scheint so klar: "Einfach nicht mehr trinken." Aber so einfach ist es nun mal nicht.

    Und die Tatsache, dass Alkohol mittlerweile die einzige nicht nur legitimierte, sondern auch eingeforderte, Droge der Moderne ist, macht die Sache tonnenschwer. Es wird unterschätzt. Natürlich wird nicht jeder, der Alkohol konsumiert, alkoholabhängig. Aber ich bin davon überzeugt, dass die Zahlen, die uns die Bundeszentrale präsentiert völlig an den Haaren herbeigezogen sind. Es gibt massenweise Alkoholiker. Massenweise! Wieviel Prozent outen sich wirklich oder suchen Hilfe? Wir sehen nur die Spitze des Eisberges....

    Wenn ich heroinabhängig bin, wird mir ein Rückfall erschwert, weil es in einem komplett anderem Niveau angesiedelt ist. Doch was ist das für einen Alkohliker für eine Herausforderung, für ein STRESS - gerade am Anfang der Genesung, nämlich in einer Welt zu leben, wo einem an jeder Bushaltestelle lachende saufende Menschen auf Plakaten präsentiert werden, wo man Gutscheine für Bier im Briefkasten findet, wo in jedem guten Film gekippt wird, wo auf wirklich JEDER Veranstaltung, sogar auf Schul- und Kindergartenfesten (!) Alkohol ausgeschenkt wird, wo das Essen nur mit einem guten Wein ein wirklich würdiger Schmaus ist, wo Silvester ohne Alkohol undenkbar ist, Geburtstag, Hochzeit, Taufe, Einweihung, Jubiläum? Die Korken knallen und sie treffen mich direkt ins Auge. Und da lasse ich mir gerne vorwerfen, ich hätte ein Schwarz-Weiß-Denken. Okay, dann ist das halt so.

    Udo Jürgens spukt mir gerade im Kopf herum:
    "Der Teufel hat den Schnaps gemacht,
    um uns zu verderben.
    Ich hör' schon wie der Teufel lacht,
    wenn wir am Schnaps einmal sterben."

    Hallo Angel!

    Ich spreche Dich hier in einem Thread an, weil ich Dir keine private Mitteilung schicken kann. Wie auch immer. Ich habe gerade gesehen, dass Du Dich angemeldet hast.... Jippiiiiiiiiiiiiiieh! :)

    Mensch, bin ich froh, dass Du wieder hierhergefunden hast! :D Ich habe Dich auf Facebook gesucht, aber da gibt es so viele, die so heißen wie Du und ich habe nach dem mir vertrauten Profilbild gesucht, aber das war nicht da! Hast wohl ein anderes Profilbild dort? Oder bist nicht mehr dabei....

    Wie geht es Dir denn? Ach wie schön, dass Du wieder da bist!

    Liebe Grüße
    Pinguini

    Ich möchte weiterhin verwundbar sein (Konstantin Wecker)

    Wenn ich jetzt wieder ohne Schnee
    die letzten Jahre vor mir seh,
    muß ich zu meiner Schmach gestehn,
    es könnte vieles besser gehn.

    Doch weil der Himmel gütig ist,
    kann einem selbst der größte Mist,
    darf einem oft die größte Pein

    im nachhinein ganz nützlich sein.

    Ich hab mich schon zu weit gefühlt,
    um noch mit mir zu streiten,
    dabei schafft jeder neue Schritt
    nur Platz für neue Weiten.

    Es gibt kein Leben ohne Tod,
    ich bring mich wieder ein.
    Ich möchte wieder widerstehn
    und weiterhin verwundbar sein.

    Drum nehmt es mir nicht allzu krumm,
    ich bin halt öfters eher dumm,
    weil mancher Mensch zu seinem Leid
    speziell im Sumpf ganz gut gedeiht.

    Zwar gilt heut nicht als rechter Mann,
    wer seine Schwächen zeigen kann,
    doch Mann und Recht, ich glaube fast,
    daß das nicht gut zusammenpaßt.

    Und drum probier ich´s weiterhin
    mit der Moral nach meinem Sinn,
    denn wie uns die Geschichte lehrt,
    war die des Rechtes oft verkehrt.

    Und ists auch nicht ganz angenehm,
    und stünd ich ganz allein -
    ich möchte wieder widerstehn
    und weiterhin verwundbar sein.

    Stufen

    Wie jede Blüte welkt und jede Jugend
    Dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,
    Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
    Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.

    Es muß das Herz bei jedem Lebensrufe
    Bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
    Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
    In andre, neue Bindungen zu geben.

    Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
    Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.

    Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
    An keinem wie an einer Heimat hängen,
    Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
    Er will uns Stuf' um Stufe heben, weiten.

    Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
    Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen,
    Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
    Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.

    Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
    Uns neuen Räumen jung entgegen senden,
    Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden...
    Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!

    Hermann Hesse

    Ja, ja. Die Eulen und die Lerchen.... Of Tzu ist wohl eindeutig den Eulen zuzuordnen.... :)

    Lieber Robert,

    ich wünsche Dir einen schönen, alkoholfreien, klaren und gelingenden Tag. Es ist gut, dass Du hier mittlerweile öfters schreibst... :) Gefällt mir...

    Tschüssi,
    Pinguin

    Ja! Es lebe das Gammelfleisch! :D ;) Nee, nee, liebe Verena, mal im Ernst:

    "Müßiggang" ist auch eine Kunst! Wir scheinen das oft zu vergessen, wie wichtig das Nichtstun ist. DAS haben wir uns verdient, das können wir uns erlauben. Immer dieses MÜSSEN, SOLLEN.....

    Fünfe gerade sein lassen, rumflezen und es dabei genießen, ganz entspannt... Das ist soooooo schön und tut so gut. Eine Wohltat für die gestresste Seele. Der Perfektionist in uns, der Hetzer, der Treiber, den sperren wir da schön aus, der ist oft genug im Einsatz... Wir sollten uns nicht schämen, wenn wir den lieben Gott einen guten Mann sein lassen. Wir sollten stolz darauf sein, dass wir das können... ;) Wir pflegen ständig unsere Beziehungen, unsere Homepage, unseren Körper, unsere Kinder, unseren Garten, unsere Arbeitsmoral.... Aber wann pflegen wir unsere Seele? In Momenten der Entspannung...

    Jetzt habe ich aber genug gelabert. ;) Schlimm!

    Ich schmeiße mich jetzt echt mal in die Vorbereitungen für den heutigen Tag. Die ganze Zeit läuft das Forum im Hintergrund. Aber jetzt logge ich mich mal aus.... :D

    Ich wünsche Dir einen schönen, gemütlichen, kuscheligen Tag, meine Liebe :*

    Nagus, man hätte es nicht schöner ausdrücken können. Der körperliche Effekt, das Bewusstsein für den Körper, das da wieder erwacht. Das ist für mich persönlich das Allerschönste und das Hauptmotiv, auszusteigen, umzusteigen...
    Liebe Grüße
    Deine Pinguin :*

    Klar, bin ich damit nicht wirklich "einverstanden", aber dennoch halte ich Dich nicht für bekloppt. Wenn ich ehrlich bin freut mich bei Dir jeder nüchterne Tag, jede nüchterne Woche... Ich muss zugeben, ich habe Dich unterschätzt. Um so mehr bin ich ein kleines bisschen "stolz" auf Dich, sofern mir das zusteht. :) Also freu Dich weiterhin des nüchternen Lebens. ;) Du gehst mit gutem Beispiel voran. Gefällt mir. :)

    Als Ergänzung und als Nachruf auf Otto Sander hier "Das Lied vom Kindsein" aus "Der Himmel über Berlin".

    Gänsehaut pur für mich. Krass.

    Lied Vom Kindsein
    – Peter Handke


    Als das Kind Kind war,
    ging es mit hängenden Armen,
    wollte der Bach sei ein Fluß,
    der Fluß sei ein Strom,
    und diese Pfütze das Meer.

    Als das Kind Kind war,
    wußte es nicht, daß es Kind war,
    alles war ihm beseelt,
    und alle Seelen waren eins.

    Als das Kind Kind war,
    hatte es von nichts eine Meinung,
    hatte keine Gewohnheit,
    saß oft im Schneidersitz,
    lief aus dem Stand,
    hatte einen Wirbel im Haar
    und machte kein Gesicht beim fotografieren.

    Als das Kind Kind war,
    war es die Zeit der folgenden Fragen:
    Warum bin ich ich und warum nicht du?
    Warum bin ich hier und warum nicht dort?
    Wann begann die Zeit und wo endet der Raum?
    Ist das Leben unter der Sonne nicht bloß ein Traum?
    Ist was ich sehe und höre und rieche
    nicht bloß der Schein einer Welt vor der Welt?
    Gibt es tatsächlich das Böse und Leute,
    die wirklich die Bösen sind?
    Wie kann es sein, daß ich, der ich bin,
    bevor ich wurde, nicht war,
    und daß einmal ich, der ich bin,
    nicht mehr der ich bin, sein werde?

    Als das Kind Kind war,
    würgte es am Spinat, an den Erbsen, am Milchreis,
    und am gedünsteten Blumenkohl.
    und ißt jetzt das alles und nicht nur zur Not.

    Als das Kind Kind war,
    erwachte es einmal in einem fremden Bett
    und jetzt immer wieder,
    erschienen ihm viele Menschen schön
    und jetzt nur noch im Glücksfall,
    stellte es sich klar ein Paradies vor
    und kann es jetzt höchstens ahnen,
    konnte es sich Nichts nicht denken
    und schaudert heute davor.

    Als das Kind Kind war,
    spielte es mit Begeisterung
    und jetzt, so ganz bei der Sache wie damals, nur noch,
    wenn diese Sache seine Arbeit ist.

    Als das Kind Kind war,
    genügten ihm als Nahrung Apfel, Brot,
    und so ist es immer noch.

    Als das Kind Kind war,
    fielen ihm die Beeren wie nur Beeren in die Hand
    und jetzt immer noch,
    machten ihm die frischen Walnüsse eine rauhe Zunge
    und jetzt immer noch,
    hatte es auf jedem Berg
    die Sehnsucht nach dem immer höheren Berg,
    und in jeder Stadt
    die Sehnsucht nach der noch größeren Stadt,
    und das ist immer noch so,
    griff im Wipfel eines Baums nach dem Kirschen in einemHochgefühl
    wie auch heute noch,
    eine Scheu vor jedem Fremden
    und hat sie immer noch,
    wartete es auf den ersten Schnee,
    und wartet so immer noch.

    Als das Kind Kind war,
    warf es einen Stock als Lanze gegen den Baum,
    und sie zittert da heute noch.