Lieber Speedy,
erst einmal
Herzlich Willkommen! :welcome:
Schön, dass Du da bist und danke für Deinen ehrlichen Text.
Das Alkoholproblem Deiner Frau ist eine große Belastung für Dich. Ich selbst kann nur "von der anderen Seite" sprechen, da ich mich selbst jahrelang wie Deine Frau verhielt. So war ich nie körperlich abhängig aber psychisch sehr süchtig. Genau wie Deine Frau habe ich in beiden Schwangerschaften nicht getrunken, genau wie Deine Frau habe ich sehr viel im Haushalt gearbeitet und mich intensiv um die Kinder gekümmert und sehr, sehr lange alles auf die Reihe bekommen. Genau wie Deine Frau habe ich mir mein "Recht" auf meine Alkoholportionen am Abend genommen - gewissermaßen als Belohnung. Auch ich fing irgendwann an, das Zeugs zu verstecken. Und auch ich war manchmal entsetzt über die Menge der anfallenden Flaschen. Und genau wie Deine Frau konnte ich meinem Mann dann auch ab und zu "beweisen", dass ich ja nicht abhängig sei, denn es gingen ja auch mal ein paar Tage ohne.
So glaube ich nicht, dass Du hysterisch reagierst. Deine Frau HAT ein Alkoholproblem. Ob es einfach massiver Alkoholmissbrauch oder schon eine ausgewachsene Sucht ist, darüber kann ich nicht urteilen. Ich finde es aber gut, dass Du Dich hier an uns gewandt hast. Da ich selbst Betroffene bin, kann ich Dir leider keinen guten Ratschlag geben und hoffe, dass sich hier jemand aus der "Angehörigen-Ecke" zu Wort meldet... Nur so viel: wenn von Deiner Frau keine echte Einsicht da ist bzw. kein Veränderungs-Wille, sind die Aussichten schlecht, dass sie sich von der Flasche löst. Ich selbst habe jahrelang meinen Alkoholkonsum verteidigt und gerechtfertig, nein, noch schlimmer: je mehr Widerstand von meinem Mann kan, desto mehr blockte ich ab und wurde immer trotziger... Ich musste erst einen starken Leidensdruck entwickeln bis ich mir Hilfe holte.... Leider... Im letzten Moment konnte ich das Ruder noch rumreißen, sonst wäre ich in eine körperliche Sucht abgerutscht.
Vielleicht wendest Du Dich einmal an eine Beratunsstelle? Die sind immer anonym und kostenlos... Googel doch mal, ob es etwas in Deiner Nähe gibt (Suchtberatungsstelle). Schaden kann es jedenfalls nicht... Die Leute dort kennen sich aus - und das Wichtigste: man muss sich nicht schämen, nicht fremdschämen. Für die Leute dort sind die Fragen, mit denen Du kommst, Routine. Und die Probleme sind ihnen vertraut.... "Das kommt in den besten Familien vor" sagt man. Und das stimmt ja auch....
Ganz liebe Grüße
Pinguin