Beiträge von Pinguin

    Ich möchte melody mal verteidigen.

    Aber nicht, weil ich selbst auch kritisch gegenüber SHGs bin, sondern weil ich finde, das sie niemanden persönlich angegriffen hat. Mit "kroppzeug" hatte ich mich gar nicht angesprochen gefühlt und wäre nie auf die Idee gekommen, melody hätte alle SHG-Besucher gemeint.

    Da sind hier schon derbere Worte gefallen.

    Also hoffe ich mal, dass die Wogen sich glätten.

    Pinguin

    Habe es gerade schon in einem anderen Thread gepostet, aber eigentlich gehört das hierher:

    Es ist so schön, morgens zu erwachen und das Schlafzimmer stinkt nicht.
    Früher hing sonntags meist ein widerlicher, säuerlicher Geruch meiner Alkoholausdünstungen im Raum. Total ekelhaft!

    Ich bin heute morgen aufgewacht und freute mich, dass dem nicht (mehr) so ist. :)

    Hallo melody,

    ich bin weiblich. ;)

    Solange der Besuch einer Selbsthilfegruppe mit Freiwilligkeit verbunden ist, so ist fast nichts dagegen einzuwenden. Doch unterschwellig wird einem vom Suchthilfesystem und den Medizinern suggeriert, dass es Pflichtprogramm ist. Die unterschwellige Botschaft ist doch: ohne Selbsthilfegruppe wirst Du es nicht schaffen.

    Das führt dann zum Beispiel auch dazu, dass unmotivierte Schein-Aussteiger auftauchen, die das Ding einfach nur durchziehen, sei es wegen der MPU oder weil der Partner oder der Chef gemeckert hat. Diese "Mitläufer" können der Gruppe genau so schaden wie der oftmals "spirituelle" Geist, der durch diese Gruppen weht.

    Und das erzürnt mich, manchmal entsetzt es mich, manchmal macht es mich fassungslos, je nach Stimmungslage.

    Bei den Anonymen Alkoholikern habe ich viel gelernt, sehr viel. Zum Beispiel bin ich jetzt überzeugte Atheistin. In gewisser Hinsicht bin ich den AA sogar dankbar, denn sie haben mir geholfen, zu erkennen, wer ich tief im Inneren wirklich bin. Dadurch, dass ich mit meinen Grenzen konfrontiert wurde und mir viele Gedanken über Religion und Esoterik gemacht habe. Aber ich hatte seltsame Erlebnisse bei den AA, worüber ich aber nicht reden "darf".

    Es gibt bestimmte Redewendungen und Einstellungen, die werden in fast jeder Selbsthilfegruppe heruntergebetet. Ich bitte darum, mich nicht misszuverstehen: auch ich bin der Meinung, dass Alkoholismus eine Krankheit ist, die man nur stoppen und nicht heilen kann. Auch ich bin mir sicher, dass das "nur heute (trinke ich nichts)" funktioniert. Und für mich selbst ist es auch ganz wichtig und hilfreich, "das erste Glas stehen zu lassen". Davon spreche ich aber nicht. Ich spreche über andere Sachen, deren Thematisierung tabu ist.

    Viele Grüße
    Pinguin

    Liebe melody,

    ich finde das wirklich ungeheuerlich, was Dir passiert ist, obwohl ich die Geschichte nicht kenne. Leider stehen da wirklich zu viele Organsationen drüber und stecken drin, genau wie Du schreibst. Man hat da kaum Einfluss. Und wie Du sagst, kann es für einen selbst sehr belastend sein, da man sich ja geöffnet hat.

    Ich habe ähnliche Erfahrungen gemacht, aber nicht so krasse wie Du, denn ich wurde nicht rausgeschmissen. Auch bin ich einmal an einen Psychotherapeuten gekommen, dem man m.E. die ??? entziehen müsste (mir fällt das Wort nicht ein - ich meine die Erlaubnis, zu therapieren).

    Es ist wirklich eine sehr heikle Sache und es ist ein Thema, mit dem ich mich noch umgehend auseinandersetzen werde, schon allein aus journalistischem Interesse (ich habe schon seit Jahren ein Mini-Journalismus-Fernstudium am Laufen, das ich nicht zu Ende bringe). Selbsthilfegruppen können eben wie alles andere auf dieser Welt auch Schaden anrichten. Überall gibt es Fehler, auch in Selbsthilfegruppen. Von daher bin ich immer wieder sehr skeptisch, wenn SHGs so dermaßen propagiert und hochgehalten werden.

    Doch ich möchte in diesem Forum nicht darüber diskussieren, weil ich mir der Verantwortung und der Wirkung bewusst bin. Denn auf der anderen Seite stehen so viele Aussteiger, die sich lediglich allein mit ihrer Selbsthilfegruppe über Wasser halten, denen es tatsächlich hilft und nicht schadet, dort hinzugehen, jahrelang, um trocken zu bleiben. Ich weiß das, weil ich in jeder Selbsthilfegruppe meiner Stadt mal länger und mal kürzer dabei war. Auch ist der Besuch einer SHG meist der erste Schritt um sein Leben nachteilig zum Besseren zu wenden. Im Prinzip war das so auch bei mir. Die SHG war für mich der erste Schritt auf einen Weg, wo es für mich keine Umkehr mehr gibt.

    Von daher verteufle ich SHGs nicht, aber ich sehe manche Strukturen mit kritischen, skeptischen Augen.

    Falls Du irgendwann (nochmals) darüber sprechen möchtest, kannst Du mir gerne eine PN schicken.

    Liebe Grüße
    Pinguin

    Gestern gab es indisches Hähnchencurry mit den fantastischsten, orientalischen Gewürzen und frischen Tomaten, roten Linsen, Kichererbsen, dazu Basmatireis.

    Heute mache ich einen ZWIEBELKUCHEN! Oh, ich freue mich so darauf. Mürbeteig heute, nicht Hefeteig.

    Nein, kein neuer Wein, kein Federweißer, sondern köstlicher gekühlter weißer Traubensaft. Auch supergesund und oberlecker! 44.

    Vielleicht gehört das nicht in diesen Thread, aber katro, mich würde mal interessieren:

    Rauchst Du ab und zu mal eine Zigarette? Zählst Du dann auch bis eins?

    Wenn nein, warum nicht?

    Grüße von
    Pingu

    keppler, das hast Du wieder einmal sehr gut formuliert.

    Hinzu kommt auch, dass ich die etwas beunruhigende Aussicht auf ein "normales" Leben deutlich vor Augen habe. Dass mir nun langsam bewusst ist, dass es eben auch viele langweilige, trostlose, schlechte Tage geben wird und dass ich diese bewältigen werde mit dem Selbstverständnis und der Verantwortung eines Erwachsenen, aber mit dem emotionalen Ausgeliefertsein eines Kindes, welches die Flucht in den Rausch noch nicht kennt. Dass mir klar ist, dass mir die Option eines normal Trinkenden, sich in Extremsituationen zuzuballern, nicht mehr zur Verfügung stehen wird, weil ich krank bin. Dass ich viel auszuhalten habe.

    Auch macht es mich traurig, dass ich das nie richtig gelernt habe, die Dinge auszuhalten. Mich selbst und das Leben so anzunehmen wie ich bin/wie es ist. Dass die Abhängigkeit ein Stück meiner persönlichen, menschlichen Reifung blockiert bzw. gehemmt hat. Es fühlt sich an wie eine Entwicklungsverzögerung.

    Bei mir stellt sich so langsam "Die Ruhe nach dem Sturm" ein. Die Party-Zeit ist nun zu Ende. Es ist, wie Du - keppler - schreibst, ein Stück Wehmut, verbunden mit der Faszination des Ausblickes auf ein Leben, welches echt ist und was ich mich nie zu leben gewagt hatte.

    LG
    Pinguin

    Hallo liebe melody,

    das mit der SHG würde mich aber auch sehr interessieren. Ich setze mich in letzter Zeit sehr intensiv mit dem Thema "Selbsthilfegruppen" auseinander und möchte dazu auch etwas Schriftliches verfassen, in erster Linie erst einmal für mich selbst, um mich zu positionieren und einiges aufzuarbeiten.

    Wenn Du magst, kannst Du da ja mal drüber schreiben. Aber es liegt mir fern, Dir zu nahe zu treten oder etwas "aufzureißen".

    Liebe Grüße
    Pinguin

    Wenn Ihr mal auf Post wartet, geb' ich Euch einen Tipp: Geht aufs Klo. ;)

    Gestern habe ich das Buch "Nüchtern" gelesen. Komplett. Das spricht ja schon für sich. Ich kann mich dem, was keppler schrieb, nur anschließen.

    Das Buch hat mich sehr berührt, aber auch ein bisschen traurig gemacht. Ich weiß nicht warum. Jedenfalls ist das ein Buch, was ich nicht mehr hergebe und mit Sicherheit irgendwann noch einmal lese.

    Pingu

    "Die beste Droge ist ein klarer Kopf."
    Harald Juhnke


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