(Ich sehe gerade, dass jemand vor mir geschrieben hat, aber ich schicke das erst mal so ab - also den Beitrag über meinem, den habe ich noch nicht gelesen).
Immer wenn Diskussionen in dieser Richtung gestartet werden, fliegen die Fetzen. Dabei glaube ich, dass wir gar nicht so unterschiedlicher Meinung sind, sondern vielleicht einfach nur manchmal aneinander vorbeireden.
Zum einen gebe ich greenfox recht: es gibt solche Selbsthilfegruppen und solche. Wir haben Gott sei Dank die Wahlfreiheit, zumindest hier in Deutschland. Wobei ich schon gelesen habe, dass man in den USA nicht gefragt wird, sondern automatisch in die AA "zwangseingewiesen" wird, wenn man wegen Alkohol auf- oder straffällig geworden ist.
Nicht alle SHGs sind gleich und nicht alle sind dogmatisch. Es ist in der Tat so, dss SHGs vielen Menschen das Leben gerettet hat. Das liegt auch am sozialen Zusammenhalt. Ich habe in verschiedenen SHGs erlebt, wie wichtig es ist, Freunde zu finden, die nicht (mehr) trinken. Viele Menschen haben sich im Laufe der Jahre einen Bekannten- und Freundeskreis aufgebaut, der aus (Mit-)Trinkern besteht. Trinken sie plötzlich nicht mehr, sind sie einsam. Diese Einsamkeit war für mich als Außenstehende schwer zu ertragen. Nicht alle Leute sind z.B. so kontaktfreudig wie ich. Manche tun sich richtig schwer, einen neuen Bekanntenkreis aufzubauen. Auch hierfür sind SHGs gut. In den meisten SHGs werden Ausflüge, Treffen außerhalb der Gesprächsgruppen organisiert, Telefonnummern ausgetauscht, es entstehen Freundschaften, nüchterne, trockene Kontakte. Das ist nicht zu unterschätzen! Es ist wichtig. Niemand sollte einsam sein, nur weil er den Alkohol meidet.
Allerdings ging es ja im Kern der Diskussion darum, inwieweit die Suchthilfe abschreckend wirkt oder nicht. Es gibt viele Menschen, die entweder Berührungsängste haben, eine SHG zu besuchen oder die einmal in einer Gruppe waren und dann viele, viele Jahre nicht mehr. So wie ich.
Denn Praxx hatte (leider) Recht. Mir ging es auch so. Ich war schon vor mehr als 15 Jahren bei einem Treffen der AA. Und ich ging nicht mehr hin. Aber nicht, weil die Leute so schrecklich waren oder weil ich dachte, das ist eine Sekte.... sondern weil es für "Anfänger", die sich noch nicht sonderlich stark mit ihrer Sucht auseinander gesetzt haben, schon abschreckend wirken KANN, wenn man hört, dass man unheilbar krank ist, dass man immer nur eine Ellenlänge vom nächsten Glas entfernt ist usw.... Da wird am Anfang erst einmal jegliche Hoffnung im Keim erstickt. Ich betone: anfangs! Und ich glaube, darauf will auch Praxx hinaus: dass dann Jahre "verloren" gehen, wo man früher hätte handeln können.
Liebe, respektvolle Grüße
Pinguin