Beiträge von Pinguin

    Hallo,

    wer von Euch stürzt sich in die fünfte Jahreszeit und warum?

    Wer von Euch meidet das und warum?

    Seltsamerweise konnte ich Fasching nie wirklich etwas abgewinnen, nicht einmal in "nassen" Zeiten. Dieses Jahr ist unser Umzug abgesagt worden, weil zu viele Aggressionen durch Betrunkene. :( Es ist auch irgendwie eine gefährliche Sache - nein, nicht unbedingt wegen der Terrorgefahr:

    Einmal hat ein aus dem Umzugswagen geschleuderter Flachmann haarscharf den Kopf meines Baby's verfehlt.

    Und Ihr so?

    Pinguin

    Liebe Katniss,

    ich weiß nicht, ob ich mich mit diesen Worten schon einmal an Dich wandte oder an jemand anderem. Bitte verzeih also, wenn ich mich wiederhole. Ich lese und schreibe hier manchmal einfach zu viel. ;)

    Ich vergleiche es immer mit Operationen. Für den Patienten selbst ist das ein Ausnahmezustand. Für den Chirurgen ist es Routine und Du bist gewissermaßen "einer von vielen". Das heißt jetzt nicht, dass Du nicht ernst genommen wirst. Ganz im Gegenteil.

    Will damit sagen, dass die Dich nicht verurteilen oder bewerten. Für sie ist Alkoholismus eine Krankheit und sie haben sich diesen Job herausgesucht, weil sie gerne helfen. Die Einstellung "Es ist keine Schande, alkoholkrank zu sein, es ist nur eine Schande, nichts dagegen zu tun." beschreibt am besten die Haltung der Suchthelfer. Dir wird vermittelt, dass es gut ist, dass Du kommst.

    Natürlich kommt es auch immer darauf an, wer dort arbeitet und ob Du gleich am Anfang zu jemandem kommst, bei dem die Chemie stimmt. Auf die Schweigepflicht kannst Du Dich jedenfalls 100% verlassen. Sei nicht misstrauisch, wenn sie Daten von Dir erheben. Diese Daten brauchen die einfach, aber sie werden diese Daten nicht missbrauchen oder weiterleiten, da würden die nämlich in Teufels Küche kommen. Hab Vertrauen.

    Liebe Grüße
    Pinguin

    Okay, jetzt kommt ein absoluter und ewiger Lieblings-Song von mir. Achtung, Triggergefahr!

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    Das "Hotel California" an sich, diesen Ort, habe ich immer mit Drogenkonsum bzw. das Milieu des Konsums - egal welcher Art Drogen, ob Alkohol oder den Illegalen - assoziiert. Oder eben das "Hotel California" als dieses Sucht-Bewusstsein an sich, also der Flucht vor dem realen Leben und der eigenen Wirklichkeit, vor allem die Liedzeilen:

    "some dance to remember,
    some dance to forget."

    sowie die Lyrics

    "You can check out any time you like,
    but you can never leave."

    Das sind zwar nicht gerade optimistische und erbauliche Zeilen, aber.... irgendwie ist da ein Fünkchen Wahrheit drin.

    Hier das schöne Lied:

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    Und hier der Songtext:

    On a dark desert highway, cool wind in my hair
    Warm smell of colitas, rising up through the air
    Up ahead in the distance, I saw a shimmering light
    My head grew heavy and my sight grew dim
    I had to stop for the night
    There she stood in the doorway
    I heard the mission bell
    And I was thinking to myself
    "This could be heaven or this could be hell"
    Then she lit up a candle and she showed me the way
    There were voices down the corridor
    I thought I heard them say

    Welcome to the Hotel California
    Such a lovely place (Such a lovely place)
    Such a lovely face
    Plenty of room at the Hotel California
    Any time of year (Any time of year)
    You can find it here

    Her mind is Tiffany-twisted, she got the Mercedes bends, uh
    She got a lot of pretty, pretty boys that she calls friends
    How they dance in the courtyard, sweet summer sweat
    Some dance to remember, some dance to forget

    So I called up the Captain
    "Please bring me my wine!"
    He said, "We haven't had that spirit here since 1969"
    And still those voices are calling from far away
    Wake you up in the middle of the night
    Just to hear them say

    Welcome to the Hotel California
    Such a lovely place (Such a lovely place)
    Such a lovely face
    They livin' it up at the Hotel California
    What a nice surprise (What a nice surprise)
    Bring your alibis

    Mirrors on the ceiling
    The pink champagne on ice
    And she said, "We are all just prisoners here of our own device"
    And in their masters' chambers
    They gathered for the feast
    They stab it with their steely knives
    But they just can't kill the beast

    Last thing I remember, I was
    Running for the door
    I had to find the passage back
    To the place I was before
    "Relax, said the night man
    We are programmed to receive
    You can check out any time you like
    But you can never leave"

    The Eagles

    Es gibt irgendwie zu wenige Lieder, die sich kritisch mit Drogen-/Alkoholsucht auseinandersetzen. Ein Klassiker ist dieser, den ich sehr liebe und der hier irgendwie doch unbedingt reingehört. Als dieses Lied populär war, da war mir noch gar nicht klar, welche Bedeutung diese Zeilen einmal für mich haben könnten.

    Wir haben wieder die Nacht zum Tag gemacht
    Ich nehm' mein Frühstück abends um acht
    Gedanken fließen zäh wie Kaugummi
    Mein Kopf ist schwer wie Blei, mir zittern die Knie

    Gelallte Schwüre in rotblauem Licht
    Vierzigprozentiges Gleichgewicht
    Graue Zellen in weicher Explosion
    Sonnenaufgangs- und Untergangsvision

    Was ist denn los, was ist passiert?
    Ich hab' bloß meine Nerven massiert

    Alkohol
    ist dein Sanitäter in der Not
    Alkohol
    ist dein Fallschirm und dein Rettungsboot
    Alkohol
    ist das Drahtseil, auf dem du stehst
    Alkohol, Alkohol

    Die Nobelszene träumt von Kokain
    Und auf dem Schulklo riecht's nach Gras
    Der Apotheker nimmt Valium und Speed
    Und wenn es dunkel wird, greifen sie zum Glas

    Was ist denn los, was ist passiert?
    Ich hab' bloß meine Nerven massiert

    Alkohol
    ist dein Sanitäter in der Not
    Alkohol
    ist dein Fallschirm und dein Rettungsboot
    Alkohol
    ist das Drahtseil, auf dem du stehst
    Alkohol
    ist das Schiff mit dem du untergehst

    Alkohol
    ist dein Sanitäter in der Not
    Alkohol
    ist dein Fallschirm und dein Rettungsboot
    Alkohol
    ist das Dressing für deinen Kopfsalat
    Alkohol, Alkohol

    Herbert Grönemeyer

    Hallo Archibald,

    :welcome:

    herzlich Willkommen - schön, dass Du da bist!

    Ich bin echt - boah! - also, das ist das Wort, was es am ehesten umschreibt: BOAH!

    Dein Text hat mich so dermaßen angesprochen. Es mag sogar sein, dass es der für mich persönlich beste Beitrag ist, den ich hier im Forum je gelesen habe... Jedenfalls könnte ich gerade weiterlesen und weiterlesen und weiterlesen. Es spricht mich sehr an, weil ich überzeugt von dem bin, was Du bzw. Daniel Schreiber aufzeigen. Kennst Du Maja Storch? Sie ist so etwas wie eine "Persönlichkeitstrainerin" und arbeitet/coacht nach ähnlichen Prinzipien. Es geht um das "Zürcher Ressourcenmodell", welches sogenannte "somatische Marker" zur Heilung (auch von Abhängigkeiten) nutzt. Wenn Du magst, kannst Du ja mal googeln.

    Das Buch von Daniel Schreiber hat mir sehr gut gefallen. Nach Deinen Ausführungen bekomme ich richtig Lust, es noch einmal zu lesen.

    Danke für diesen tollen Beitrag!

    Liebe Grüße
    Pinguin

    PS: Es war übrigens schön, den Text mal auf Deutsch zu sehen. Vieles war mir nicht so bewusst von den Lyrics. Dankeschön. Ist irgendwie rührend, der Text.

    Hehe, das ist ja schon witzig..... :D Es hat mich tatsächlich getriggert, aber da kannst Du ja nichts dafür. Janis Joplin kommt auch im Radio und manchmal sogar im Supermarkt zu bestimmten Zeiten. :) Diese Musik ist schon sehr geil. 44.

    Das war halt die Musik, die ich während meiner Hippie-Zeiten gehört habe (nein, nicht in den 70ern!).

    Schee war's, aber vorbei ist vorbei und jetzt ist anderes Leben und andere Musik. :)

    Und die richtige Musik kann auch wirklich so gut sein, dass sie selbst wie eine Droge wirkt, absolut wahr.

    Hallo Lea,

    ich glaube, dass bei ca. der Hälfte der Trinkerinnen, die das Ruder rumreißen, keine gravierenden äußerlichen Faktoren ausschlaggebend waren.

    Manchmal sind es drastische Erdrutsche im Inneren, die eine Wende herbeiführen. Wenn zum Beispiel das eigene Kind sagt: "Papa, du stinkst." oder wenn die Mutter sich in Grund und Boden schämt, weil sie vergessen hat, ihr Kind von der Kita abzuholen. Oder wenn man im Rausch eine extrem peinliche Aktion ausgeführt hat. Oder wenn man haarscharf einen Unfall gebaut hat oder, oder, oder...

    Bei mir persönlich war es eine sogenannte "substanzinduzierte Panikstörung", die mir gezeigt hat, dass etwas komplett falsch läuft.

    Viele Grüße
    Pinguin

    Liebe Lea,

    herzlich Willkommen! :)

    Ich finde Deine Motivation, unsere Motivation zu ergründen, gut.

    Sicherlich wirst Du hier Feedback bekommen.

    Ich selbst muss erst einmal darüber nachdenken und beim Kochen ein bisschen im Kopf "vorformulieren", dann werde ich Dir etwas dazu schreiben. ;)

    Viele Grüße
    Pinguin

    Wenn sich DAS durchsetzt bzw. wenn
    DAS ankommt, in den Suchtberatungsstellen, bei Ärzten und Kliniken,
    dann ist das eine REVOLUTION.

    Es würde vielen Menschen helfen, die sich bisher nicht getraut hatten, einen Schritt in die Genesung zu wagen.

    Es ist ein Paradigmenwechsel, in der Tat.

    Die Wissenschaft sollten sich dem "Ganz oder gar nicht", dem "Entweder Oder" abwenden, zumindest am Anfang und Raum schaffen für ein "Sowohl als auch". Die Mitte anzustreben versuchen. Falls dies nicht gelingt, hat man noch immer die Möglichkeit der radikalen Abstinenz. Doch alleine schon durch diesen Ansatz, durch diese Möglichkeit, erreicht man mehr Menschen.

    Diese "Wälzer" von denen gesprochen wird, würde ich mir gerne mal anschauen und querlesen.

    Es ist doch so, dass die Datenlage löchrig ist. Natürlich ist es so, dass durch die Bank durch ALLE in Selbsthilfegruppen oder in Suchttherapien mindestens ein Mal in ihrem Leben, ein reduziertes Trinken angestrebt haben und darin versagten. Das lässt natürlich den Schluss nahe, dass Alkoholiker nicht in der Lage seien, reduziert zu trinken (ich vermeide bewusst die Definition des "kontrollierten Trinkens").

    Die Trinker oder Alkoholmissbräuchler, die aber ihr Trinken drastisch reduziert haben, sind nirgends erfasst, leben "unauffällig". Wer soll schon von ihnen wissen? Sie tauchen ja in keiner Suchtberatung auf.

    Das macht Hoffnung. Mir gefällt diese Art Umdenken. Vor allem weil es den Blick auf die Erfolge des Patienten lenkt. Wenn jetzt jemand wie ich "nur" noch 6-8 Mal im Jahr trinkt, wo er/sie vorher die selbe Menge in zwei Wochen eines Jahres getrunken hat, so darf man das als Erfolg verzeichnen und nicht als Versagen. Genau das ist mein Thema. Und das ist auch meine Kritik an der momentanen Suchthilfe (s. meinen Thread "Suchthilfe unter dem Mikroskop"). Ich habe mich selbst kleingemacht bzw. klein machen müssen, da ich die Ansprüche der "anderen" nicht erfüllt hatte. Dabei habe ich einen großen Schritt nach vorne gemacht: ich BRAUCHE den Alkohol nicht mehr.

    Aber jetzt gehe ich zu sehr ins Persönliche. Eigentlich war es mir nur ein Anliegen, Pit für diesen Link zu danken, da er mich optimistisch stimmt. Viel mehr Menschen, denen es schlecht geht mit ihrer Sucht, könnten erreicht werden, weil die Hürden schrumpfen.

    Hoffentlich setzt sich dieses Konzept kurz- oder längerfristig durch.

    Pinguin

    Ja, ennasu. So ist es. :)
    Viktoria ist eine unglaubliche Erfolgsgeschichte mit Happy End. Sie ist auch eine ganz besondere Frau.

    Ich muss da an einen kitschigen Schlager von Nino de Angelo aus den 80ern denken. An folgende Zeilen:

    "Ich war verloren
    und bin neu geboren
    hab zu mir gefunden
    Ich sterbe nicht nochmal."

    Viki, Du bist für mich ein Leuchtturm. :)

    Pinguin