Beiträge von Bassmann

    Guten Morgen Greenfox,

    Zitat

    Na klar kann man die Augen vor den negativen Seiten verschliessen und sich ausschließlich auf den positiven Aspekt konzentrieren.
    Aber es ist schon komisch, dass die Leute, die nie eine Entgiftung in einer Klinik mitgemacht haben, so dagegen sind, auch diese Seite anzusprechen.

    ich bin mir ziemlich sicher, dass ich meine Augen nicht vor den negativen Seiten verschließe. Ich habe sie erlebt und sie sind Teil meiner Erinnerung. Ganz sicher helfen sie auch dabei, Rückfälle zu vermeiden.
    Aber negative Erinnerungen verblassen mit der Zeit.
    Zum einen gibt es nun die Möglichkeit, sie am Leben zu erhalten. Zum anderen ist es möglich, sich immer wieder zu vergegenwärtigen, was man durch den Suchtausstieg gewonnen hat.
    Diese (andere) Möglichkeit hilft mir mehr.

    Dass es hilfreich ist, die Fallstricke auf dem Weg des Suchtausstiegs zu kennen, sehe ich wie du, Greenfox. Warum das Rad neu erfinden, wenn es erfolgreiche Strategien gibt, die ich übernehmen oder an denen ich mich orientieren kann?
    Mein grundsätzliches Problem mit z.B. deiner Sicht- und Vorgehensweise besteht darin, dass sie sich mehr von rückwärts gerichteter Angst als von vorwärts gerichteter Freude leiten zu lassen scheint. Und ich habe deshalb ein Problem damit, weil mir diese Herangehensweise nicht aus meinen Abhängigkeiten herausgeholfen hätte. Für mich MUSSTE es anders gehen.

    Ich bin jetzt seit fast zehn Jahren rauchfrei. Natürlich will ich nie wieder als Raucher leben (müssen). Aber viel wichtiger ist mir, als Nichtraucher zu leben. Was das bedeutet, erfahre ich jeden Tag. Ich erlebe die Vorteile des Nichtrauchens täglich. Mir zu vergegenwärtigen, dass ich bei einem Rückfall z.B. wieder ein höheres Lungenkrebsrisiko als jetzt hätte, ist für mich weniger hilfreich als z.B. die Erfahrung beim Schwimmen, dass ich als Nichtraucher Luft für drei habe.
    Auch beim Trinken ist es so. Ich könnte mir jeden Tag aufs Neue vergegenwärtigen, dass Trinken mit großen Nachteilen verbunden ist. Ich kann meinen Blick aber auch auf die Vorteile des Nichttrinkens richten.
    Das macht mir die gewonnene Freiheit spürbar, und das ist gut für MICH.

    Bassmann

    Warum beenden, Keppler? Auch mir liegt es fern, Sucht zu verharmlosen. Ich denke aber, dass es den meisten Abhängigen tatsächlich ziemlich schnuppe ist, wie sie sich bezeichnen können, sollen oder müssen. Irgendwann wollen sie nur noch eins: Raus aus ihrer Sucht.

    Ich schließe mich Land-in-Sicht an. Auch bei mir hat die negative Sichtweise, also z.B. auf den frühen Tod, der vielen Alkoholikern droht, dazu geführt, dass ich verdrängte und verharmloste. Außerdem hatte ich irgendwann den Punkt erreicht, wo ich meiner Abhängigkeit nichts Positives außer der Tatsache abgewinnen konnte, dass sie ein mir sehr bekannte Raum war.

    Ich brauchte den positiven Blick nach vorn, um einen Schritt aus der Sucht heraus in eine unbekannte Freiheit zu wagen. Und auch heute stärkt mich eher der Blick auf die positiven Seiten meiner Unabhängigkeit von Suchtmitteln als die Angst vor einem Rückfall, den ich ohnehin für unwahrscheinlich halte.

    Bassmann

    Hallo Susi,

    auch von mir ein herzliches Willkommen im Forum.

    Ebenso wie du es von dir berichtest, meinte auch ich über viele Jahre hinweg meinen täglichen Rausch zu brauchen. Als ich es jedoch schaffte damit aufzuhören, merkte ich, dass meine Welt ohne diesen Rausch nicht nur nicht unterging, sondern dass sie schöner wurde.

    Du bist also ganz eindeutig auf dem richtigen Weg, wenn du all deine Kräfte darauf richtest, dich aus der Abhängigkeit vom Alkohol zu befreien.

    Alles Gute
    Bassmann

    Guten Morgen Sandra,


    Die Arbeit reibt mich auf, dazu die Familie, ich der ich funktionieren muss, das treibt mich jeden Abend wieder zu dieser verfluchten Flasche...

    ich nehme mal nur zu diesem Satz Stellung, weil er in meinen Augen deutlich macht, dass du durchaus ein Alki (Ist in meinen Augen nichts Schlimmes, sondern ausschließlich die Beschreibung einer gewollten oder ungewollten Abhängigkeit vom vermeintlichen Helfer Alkohol.) bist. Egal, wie viel oder wenig du auch immer trinken magst, wenn in der eigenen Vorstellung die irrige Erkenntnis angekommen ist, dass der Alkohol (m)eine Lebenshilfe ist, dann ist Abhängigkeit entstanden. Und die ist nunmal nicht gut, weil sie dazu führt, dass ein Leben ohne das Objekt der Begierde kaum noch möglich ist.

    Wenn wir abhängig geworden sind, denken wir, dass wir ohne unser Suchtmittel kein gutes Leben mehr führen können. Dass das Gegenteil der Fall ist, erfahren wir, wenn uns der Ausstieg geglückt ist.
    Deshalb alles Gute auf deinem Weg in die Unabhängigkeit vom Alkohol und willkommen im Forum,

    Bassmann.


    Also die Antworten, die mein Hirn mir dann gibt lauten immer etwa so: so lange du noch dieses oder jenes Problem hast, kannst du auch noch Alkohol trinken, sobald xy dich nicht mehr belastet, wird es auch viel einfacher, vom Alk zu lassen, du bist "im Moment" noch zu schwach, dagegen zu kämpfen...


    Du bist m.E. nicht schwach, sondern schlicht und einfach „nur“ süchtig, Cocoon.
    Manchmal hilft es, die Sucht zu personalisieren um zu entlarven, was für einen Schwachsinn sie einem in Person des Suchtteufels Tag für Tag und insbesondere dann einflüstert, wenn man darüber nachdenkt, aus dem Kreislauf der Sucht auszubrechen.

    Auf den Punkt gebracht stellt sich die Situation doch wie folgt dar: Wenn du mit dem Trinken aufhörst, hast du ein (gravierendes) Problem weniger, das dich belastet. Somit hast du Kraft gewonnen, um zu einem späteren Zeitpunkt auch Problem xy in Angriff zu nehmen.
    Oder umgekehrt: Solange du deinen Ausstieg aus dem Kreislauf der Sucht aufschiebst, schwächst du dich.

    Was du brauchst, ist eine ordentliche Portion Ausstiegsmotivation. Und die lässt sich umso stärker aufbauen, je konkreter dein Bild von den Vorteilen eines suchtmittelfreien Lebens ist.
    Deshalb auch noch einmal von mir: Es lohnt sich wirklich, sich vom Alkohol (und anderen Drogen) zu emanzipieren. Auch wenn zunächst ein mehr oder weniger tiefes Tal der Tränen zu durchschreiten ist, gibt´s eigentlich keine Alternative zum Suchtausstieg, falls man sich langfristig etwas Gutes tun will.

    Gruß vom
    Bassmann

    Ja, Techfreak, ich stimme deinem

    Vielleicht sollte sich der Abhängige auf das Schlüsselereignis (klick) seiner Abstinenz besinnen und dieses versuchen nicht verblassen zu lassen?


    zu.

    Und ich ergänze aus meiner Sicht

    Zitat

    Vielleicht hilft es darüber hinaus, wenn sich der (m.E.: ehemalige) Abhängige immer wieder bewusst macht, welchen Gewinn an Freiheit oder sonstigen Vorteilen er allein deshalb Tag für Tag erleben darf, weil er sich aus der Abhängigkeit herausbegeben hat.

    Nicht (mehr) abhängig zu sein, ist eine viel zu großartige Sache, als dass man sie nur rückwärts gerichtet betrachten sollte. Also in der Form, dass man sich vergegenwärtigt, wie schlimm alles in Zeiten der Abhängigkeit war. Ich betrachte die Sache nach vorne gerichtet. Also in der Form, dass ich mich jeden Tag aufs Neue darauf freue, einen weiteren Tag erleben zu dürfen, an dem ich entscheide, was ich tue oder nicht tue (und das nicht von einer Abhängigkeit bestimmen lasse).

    Bassmann


    Da kann ich mir bildhaft vorstellen, wie so jemand durch die Fahne des anderen Gruppenteilnehmers auch einen Rückfall bauen.

    Ich kann mir das auch vorstellen.
    Ich kann mir aber EBENFALLS vorstellen, dass die Fahne das genaue Gegenteil bewirken kann.
    M.E. hängt die Reaktion davon ab, welches Bild in meinem Kopf mit dem Auslöser „Fahne“ verknüpft ist bzw. von mir mit ihr verknüpft wurde.

    Solange ich die vermeintliche positive Wirkung meiner Rauschmittel nicht wirklich hinterfragt hatte, also trotz aller gesundheitlicher und sonstiger Nachteile davon ausging, dass sie für mich subjektiv gut waren, lösten Gerüche nach Alkohol oder Tabak bei mir augenblicklich Konsumwünsche aus.
    Nach meiner Ausstiegsentscheidung war das sicherlich zum einen noch immer so; gleichzeitig lief aber in mir ein völlig anderer Film ab. Und der bewirkte, dass ich nicht trank oder rauchte. Der bewirkte sogar, dass ich nicht voller Bedauern auf Alkohol bzw. Tabak verzichtete, sondern den Konsum durchaus freudig sein ließ.

    In meinem Kopf war nämlich -anfangs zusätzlich und inzwischen ausschließlich- ein völlig neues Bild vorhanden. Dieses Bild ließ mich eine Freiheit sehen und lässt sie mich heute erfahren, von der der „Marlborough-Mann“ oder die „Becks-Bier-Segelmänner“ nur träumen konnten.

    Bassmann

    Ich hoffe für Dich - und JEDEN, der soetwass sagt - dass Du/er/sie Recht behält und wirklich nie wieder ...

    Ich kann deine Skepsis durchaus verstehen, Greenfox. Du hast in deiner Therapie entsprechende Sichtweisen vermittelt bekommen und erlebst in deiner Gruppe, dass diese anscheinend stimmen. So werden Sichtweisen zu Fakten.

    Auch ich konnte mich dieser Sichtweise anfangs nicht entziehen. Nur bewirkte sie bei mir, dass ich überhaupt nicht versuchte, mich aus den Fängen des Alkohols zu befreien. Stattdessen tat ich genau das, was anscheinend alle Alkoholiker tun: Ich verheimlichte, beschönigte, verdrängte.

    Seit ich diese fatalistische Haltung abgelegt habe, wurde es mir möglich, einen Weg aus der Sucht zu finden und zu gehen. Ich fühle und erlebe mich als Chef im Ring. Und das, was ich im Umgang mit meinen ehemaligen Suchtmitteln Tag für Tag erfahre, gibt mir mehr als nur die Hoffnung oder den Glauben, dass ich über einen Status quo mit dem Alkohol oder dem Tabak hinaus bin.

    Für mich war’s das mit der Sucht. Sie spielt sich m.E., sobald die körperliche Abhängigkeit überwunden ist, ausschließlich im Kopf ab. (Wenn es anders wäre, müssten z.B. alle Alkoholiker, die versehentlich Alkohol zu sich nehmen, rückfällig werden.) Ein bisschen Selbstbewusstsein und ein klares: Das war’s! statt dem unsicheren: Ich hoffe, dass ich nie wieder trinken werde. kann m.E. nicht schaden.

    Bassmann

    Mit anderen Worten: Man sollte niemals NIE sagen! Oder hast Du eine Glaskugel zur Verfügung?...Denn momentan habe ich nicht vor, wieder zu trinken. Ob ich es nie wieder tue ... nixweiss0

    Bei mir ist das wie bei vielen anderen Dingen ganz einfach, Greenfox, denn ich bin anscheinend ein einfach gestrickter Mensch:
    Genauso wie ich ohne Glaskugel weiß, dass ich niemals wieder rauchen werde, weil ich erfahren habe, dass mir die Zigarette nichts zu geben vermag, was ich nicht auch ohne Zigarette haben kann, weiß ich, dass ich niemals wieder saufen werde.
    Anders als die meisten Aussteiger versage ich mir den Alkohol ja nicht komplett. Es gibt allerdings einen Unterschied zu früher: Ich gehe nicht (mehr) davon aus, dass er mir bei irgendetwas eine Hilfe sein kann. Und die Sache mit dem Suchtgedächtnis, das mich wie eine Marionette handeln lässt, erfahre ich nicht. Darüber hinaus lehne ich inzwischen jede Form der Abhängigkeit ab.

    Warum sollte ich also so tun als sei ich unsicher?
    So wie ich nur wenige Monate nach meinem Rauchausstieg auf die mir selbst gestellte Frage: War's das mit dem Rauchen? mit ja antwortete, vermag ich das auch in Bezug auf das Trinken zu tun. Und ja, ich kann das durchaus auf jeden Stoff ausweiten und konstatieren, dass ich niemals wieder einen Stoff missbrauchen werde.

    Und da lasse ich mich von dir auch nicht verunsichern, Greenfox. Im Gegenteil hoffe ich darauf, dass auch Andere zu entsprechender Sicherheit finden können.

    Bassmann

    Hin und wieder schaue ich in das Rauchstoppforum, mit dessen Hilfe ich vor mehr als neun Jahren mit der Qualmerei aufhören konnte. Da es dort in der letzten Zeit einige Rückfälle gab -ein Kandidat konnte auf eine rauchfreie Zeit von mehr als zehn beachtlichen Jahren zurückblicken- schrieb ein User, dass er daraus lernen würde, immer vorsichtig zu sein; der Rauchteufel lauere eben überall.

    Als ich das las, musste ich meinen Senf dazugeben und schrieb, dass ich ängstliche Vorsicht für eine nicht so gute Strategie halte, weil die Wachsamkeit i.d.R. irgendwann nachlasse. Irgendwann komme der eine oder andere an den Punkt, wo er sich sage, dass die Gefahr jetzt so gering geworden sei, dass er mal wieder eine rauchen könne. Nachhaltiger sei deshalb m.E., sich immer wieder bewusst zu machen, was man durch den Rauchstopp gewonnen habe.
    Damit trat ich eine kleine Lawine los.
    Es zeigte sich, dass es die eine Gruppe gibt, die sich den Verlockungen des Suchtmittels gegenüber relativ machtlos sieht und darauf baut, durch ständige Vorsicht einem Rückfall zu entgehen. Und dann scheint es die andere Gruppe zu geben, die meint bzw. die Erfahrung machte, dass ein Rückfall aus einer Entscheidung heraus resultiert, nämlich der, rauchen zu wollen um… (Hier lässt sich dann eine Vielzahl von Gründen einsetzen.)

    Ich meine diese beiden Gruppen auch in diesem Alkoholikerforum wiederzufinden, wobei die Gruppe der Vorsichtigen in der Überzahl zu sein scheint oder sich schlicht und einfach vehementer äußert. Mir hat die Auseinandersetzung mit dieser Gruppe allerdings dabei geholfen, mir immer sicherer in Bezug auf „meinen“ Weg zu werden.
    Anfangs habe ich nur gemerkt, wie ich innerlich auf Widerstand ging, wenn mal wieder einer von der Machtlosigkeit gegenüber dem Alkohol oder von Kapitulation schrieb. Später merkte ich, dass dieses Vorgehen einfach nicht meinem Wesen entspricht. Ich wäre nur dann auf diesen Weg eingeschwenkt, wenn sich herausgestellt hätte, dass es für mich keine Alternative geben würde.

    In meiner Vorstellung gibt es in Bezug auf den übermäßigen Gebrauch von Suchtmitteln keinen positiven Aspekt (mehr). Sucht ist schlecht. Selbst wenn man darauf abstellt, dass Alkohol z.B. in einer unangenehmen Situation das kurzzeitige Vergessen ermöglicht, ist sein Ge- oder besser Missbrauch die schlechteste aller möglichen Vorgehensweisen, um mit der Situation klar zu kommen. Suchtmittel stellen keine Hilfe dar. Sie verschieben die notwendige Auseinandersetzung mit der unangenehmen Situation nur auf später.

    Ich werde deshalb nie wieder Stoffe missbrauchen.

    Bassmann

    ...die Scham ist so groß, dass ich mit niemandem darüber reden mag, obwohl die Selbsterkenntnis da ist.


    Das mit der Scham war bei mir nicht anders. Es war aber in dem Augenblick damit vorbei, nachdem ich mit dem Trinken aufgehört hatte und mir eine Chance ausrechnete, endgültig vom Trinken abzukommen. Ab da wollte ich mich meiner Umwelt mitteilen. Und ich tat das auch, weil ich mich wieder klasse fand.
    Also fang einfach an.
    Es lohnt sich.

    Bassmann


    Ich meine das Leben ist doch so eintönig und langweilig.


    Wird das Leben denn spannender, wenn du trinkst?
    Ich frage das deshalb, weil ich im Nachhinein für mich feststelle, dass ich mich durch das Trinken letztendlich vom Leben ausschloss.

    Gruß
    Bassmann

    Hallo Celestine,

    bei mir war es so, dass ich durchaus um meine Abhängigkeit wusste, mir aber nicht vorstellen könnte, ein Leben ohne Alkohol zu führen. Wenn meine Frau mich auf mein Trinkverhalten ansprach, empfand ich das als Stress. Am liebsten wäre mir gewesen, wenn man mich in Ruhe hätte trinken lassen.

    Lange Rede kurzer Sinn: Mir hätte das Sägen an meinem In-die-Tasche-lügen nichts gebracht. Schließlich wusste ich ja, dass ich abhängig war. Ich wollte das nur nicht aussprechen oder von Anderen hören.

    Gruß
    Bassmann

    Hallo Celestine,

    ich würde dir gerne bei deiner Entscheidung Hilfestellung leisten, fühle mich aber ebenso ratlos wie du dich selbst. Vielleicht kann dir jedoch unsere Linksammlung im Forumsbereich Selbsthilfe/Therapie Entscheidungshilfe geben.

    Alles Gute
    Bassmann

    Auch ich wollte HIER nichts mehr posten.

    Was mich jedoch umtreibt ist die Frage, warum es bei mir im Gegensatz zu Anderen geklappt hat, zu einem neuen Trinkverhalten zu finden. Es kann natürlich sein, dass ich nie so abhängig war, wie ich mich fühlte. Tatsächlich kommt es mir aber so vor, dass ich ganz tief in mir drin eine komplett andere Einstellung zu Suchtmitteln entwickelt habe. Ich gehe nicht mehr davon aus, dass mir ein Suchtmittel bei irgendetwas eine Hilfe sein kann. Stattdessen vertraue ich darauf, dass mein Körper alles zur Verfügung stellt, was ich für ein gutes Leben benötige. Ich gehe sogar davon aus, dass es der Körper alleine besser kann. Und ich scheine in meiner Ablehnung von Abhängigkeit so weit zu gehen, dass ich in diesem Forum von Süchtigen schon belächelt werde, wenn ich mir z.B. Gedanken über das Suchtpotential von Zucker mache.
    Vielleicht macht das den Unterschied aus?

    Bassmann

    Ist schon erstaunlich.

    Da habe auch ich mich viele Jahre an dem Begriff der zufriedenen Abstinenz gerieben und dieses Ziel insbesondere deshalb und dann für mich als zu schwach empfunden, wenn es mit der Handlungsanweisung verbunden wurde, alles dafür zu tun, dass man sich wohlfühlt. Da schwang für mich immer mit, dass Abstinenz letztendlich nur dann funktionieren kann, wenn in meinem Leben alles stimmt. Oder anders ausgedrückt: Der Begriff löste bei mir die Vorstellung aus, dass es mit der Abstinenz schnell vorbei sein kann, wenn das Leben nicht so rund läuft, wie man sich das wünscht.

    Für mich war deshalb wichtig, jederzeit spüren zu können, dass der Ausstieg aus der Sucht ein wirklich großes Geschenk ist. Dieses Geschenk besitze ich seit dem Ausstieg und völlig unabhängig davon, ob die sonstigen Umstände in meinem Leben gut oder schlecht sind.

    Vielleicht empfindet ein anderer ebenso und beschreibt diesen Zustand des Nicht-mehr-kämpfen-müssens nur eben anders als ich. Beispielsweise mit dem Begriff der zufriedenen Abstinenz.

    Wie auch immer. Ich merke, dass mir die Begrifflichkeiten allmählich weniger wichtig werden.

    Bassmann


    Ich bin nicht nur zufrieden - ich bin GLÜCKLICH!

    Ich empfinde ähnlich.

    Natürlich bin ich nicht 24 Stunden am Tag glücklich. Es gibt Momente, in denen ich Ärger empfinde, es gibt Momente des Frusts, und manchmal gibt es sogar Momente, in denen ich meinem Gegenüber am liebsten eine reinhauen würde. Aber beispielsweise in jenen Augenblicken, in denen ich andere süchtig rauchen oder trinke sehe, empfinde ich tatsächlich Glück.
    Dann spüre ich die durch den Suchtausstieg gewonnene Freiheit plötzlich wieder ganz intensiv.
    Und dieses Gefühl geht über bloße Zufriedenheit weit hinaus.

    Was soll das bloß immer mit dem Schlagwort der zufriedenen Abstinenz?
    Ich kapier´s nicht.
    Es ist doch viel mehr drin.

    Bassmann

    Und jetzt auch noch ein Kommentar von mir zum folgenden Zitat:


    Wenn man sich ohne Zucker, Koffein, Nikotin, Alkohol, Spielsucht, Sucht nach Liebe, Besitztum, nach Status, Glücksspielen, online sein, Rechthaberei, und was weiss ich noch was... besser fühlt, umso besser, .. aber ich glaub ein paar Süchte wird immer jmd. haben...

    In meinen Augen wäre es schade, wenn wir, die wir allesamt unter der Alkoholsucht gelitten haben, akzeptieren würden, dass jeder von uns gar nicht anders kann, als ein PAAR Süchte zu haben. Denn Sucht ist Unfreiheit. Und Unfreiheit kostet Lebensqualität.

    Warum sich einfach damit abfinden?

    Es spricht nichts gegen Zucker, Koffein, Alkohol, Internet usw. Problematisch wird es, wenn aus Freiwilligkeit Zwang/Sucht wird.
    Das habe ich beim Tabak und beim Alkohol erlebt.
    Das reicht in meinen Augen an Suchterfahrung. Mehr brauche ich nicht. Und aus diesem Grunde bin ich sehr sensibel in Bezug auf mögliche Suchtgefahren geworden. Ohne jedoch in Panik zu verfallen.

    Bassmann

    Hallo Cocoon,

    du hast die Vorteile des Trinkens kennengelernt, anschließend machten sich die Nachteile bemerkbar, und jetzt willst du aus dem Kreislauf der Sucht aussteigen.
    So weit, so auch mir am eigenen Leibe bekannt.

    Als ich an dem Punkt angelangt war, an dem du heute stehst, war mir klar, dass ich mich aus der Abhängigkeit vom Alkohol lösen WILL. Die Frage war jedoch, ob ich mit dem allabendlichen Trinken aufhören KANN. Denn der Stoff, von dem ich mich abhängig gemacht hatte, würde mir dann ja fehlen. Keine Betäubung mehr, kein künstliches Enthemmen usw. usf.

    Du schreibst, dass du keine Entzugserscheinungen hast. Das wage ich zu bezweifeln. Du bekommst wahrscheinlich nicht das große morgendliche Zittern -hatte auch ich nicht- aber ich bin mir ziemlich sicher, dass dir der Alkohol fehlt, wenn du ihn dir entziehst. Sonst würdest du nicht trinken, obwohl du weißt und spürst, dass der Stoff nicht gut für dich ist.

    Wie auch immer, meine Erfahrung ist, dass das Tal der Tränen, das mit dem Entzug einhergeht, endlich ist. Irgendwann spürte ich, dass es auch ohne den Alkohol geht. Und noch ein Stück später machte sich in mir die Erkenntnis breit, dass es ohne nicht nur geht, sondern dass es ohne weitaus besser als mit geht.

    Diese Erfahrung wünsche ich dir auch.

    Willkommen im Forum.

    Bassmann