Beiträge von Bassmann

    Hallo Nana,


    Bassmann - Was kam denn schlussendlich beim Arzt raus? Wie lange hast du getrunken?


    Ich hatte Glück. Der Arzt konnte keine körperlichen Schäden feststellen, obwohl rund 30 Jahre Alkoholmissbrauch zusammenkamen, wenn ich die schleichenden Anfänge mitzähle.

    Zitat

    Ich kann für einige Stunden mal positiv in die Zukunft sehen, Pläne schmieden (die nie umgesetzt werden).


    Ist das positiv?
    Schöner ist doch, wenn ich mit klarem Kopf realistische Pläne aufstelle, die ich dann auch umsetze bzw. umsetzen kann, oder?

    Gruß
    Bassmann


    Ich weiß einfach nicht, wie es noch weitergehen soll...

    Hallo Nana,

    dein Thema scheint die Angst zu sein. Und die wird durch den Missbrauch des Alkohols nicht kleiner, sondern größer.
    Nur so viel zum jetzigen Zeitpunkt: Auch ich hatte vor den Diagnosen meines Arztes Angst, als ich noch trank. Also trank ich weiter, um meine Angst weniger zu spüren. Doch dadurch wurde meine Angst vor der ärztlichen Diagnose noch größer.
    Nachdem ich mit dem Trinken aufgehört hatte, begann mein Leben in zahlreicher Hinsicht neu. U.a. wollte ich jetzt wissen, ob ich mich durch den Alkoholmissbrauch geschädigt hatte und ging zum Arzt.

    Ich will damit sagen, dass es letztlich nur einen Weg gibt. Nämlich aus dem Teufelskreis der Sucht auszubrechen, damit sich etwas ändern kann.

    Alles Gute und willkommen im Forum!
    Bassmann

    Hallo Maru,

    noch ein Beitrag zum Kopfkino.

    Klar, insbesondere am Anfang des Suchtausstiegs drehen sich die Gedanken oft um den Alkohol. Und da ist es durchaus sinnvoll, sich durch sportliche oder sonstige Aktivitäten einfach mal für eine gewisse Zeit auszuklinken.
    Was mir jedoch langfristig geholfen hat, war die Akzeptanz des Kopfkinos verbunden mit der Veränderung des laufenden Films. Ich ließ nicht mehr länger den Alkoholteufel meine Gedanken und damit die Handlung des Films- bestimmen, sondern drehte den Spieß um. Tragischer Held wurde jetzt der Alkoholteufel, der in meinem Film nicht mehr das bekam, was er haben wollte. Ich ließ ihn sich winden und sich beklagen und signalisierte ihm Sturheit. Und wenn er es besonders schlimm trieb, war das in meinem Film ein Zeichen seiner Angst, dass er ab sofort für immer auf dem Trockenen sitzen würde.

    Auf diese Weise wurde ich von einem, der nur reagierte, zu einem, der aktiv gestaltete.

    Alles Gute,
    Bassmann.

    Nun habe ich auch meine Stimme abgegeben. Habe "Ich habe das Rauchen aufgegeben" angekreuzt, obwohl meine Begründung eigentlich eher lauten müsste: "Ich habs geschafft, meine Sucht nach Nikotinkicks zu beenden. "

    Schönen Sonntag,
    Bassmann.

    Hallo Summi,
    ich kenne das mit dem weiterhin süchtigen Partner zwar nicht in Bezug auf den Alkohol, aber in Bezug auf den Tabak. Insofern kann ich dich verstehen, wenn dir z.B. der Geruch auf den Geist geht.
    Ich handhabe das so: Ändern kann ich ihr Rauchverhalten nicht. Aber wenn es mich stört, zwinge ich mich nicht dazu, die Qualmerei auszuhalten.
    Ansonsten demonstriert mir ihre Sucht immer wieder aufs Neue, dass meine Entscheidung, den Weg aus der Sucht zu suchen, top war.

    Bassmann

    Manche müssen diese Erfahrung einfach selbst machen um es zu glauben, auch wenn hier kürzlich wieder über Wunderheilungen schwadroniert wurde.

    Andere müssen die "Wunderheilungserfahrung" erst selbst machen, um zu "glauben", dass Alkoholabstinenz nicht der einzige Weg aus der Sucht ist.

    Aber wie auch immer, wer feststellt, dass bei ihm ein bestimmter Weg nicht funktioniert, der sollte einen anderen einschlagen. Insbesondere dann, wenn er der Rauscherfahrung nach wie vor positiv gegenübersteht. (Das mit der positiven Sicht des Rausches las ich beim Zurückblättern.)

    Alles Gute auf dem Weg der Alkoholabstinenz, Marc.

    Bassmann

    Hallo Jury,

    ...somit die Frage gehöre ich auch schon zum Alkoholiker?

    was hilft es dir, wenn du jetzt ein Ja oder ein Nein von mir liest?
    Was ist denn in deinen Augen ein Alkoholiker? Jemand, der Alkohol trinkt? Jemand, der viel Alkohol trinkt? Jemand, der beim Trinken die Kontrolle über seine Trinkmenge verliert?
    Oder, oder, oder?

    Viel wichtiger als die Einordnung in irgendeine Begrifflichkeit ist zum einen die Frage, ob es eine sinnvolle Verhaltensweise ist, dich immer wieder bis zum Filmriss zu betrinken. Und zum anderen ist der Konsum von Drogen -und Alkohol gehört dazu- mit der Gefahr der Abhängigkeitsentwicklung verbunden. Insofern stellt sich die Frage, ob du eine solche Entwicklung riskieren willst oder dein Trinkverhalten änderst.

    Und jetzt noch mal zurück zum Ausgangspunkt. Wenn du mit deiner Frage abklären willst, ob du bereits abhängig geworden bist, kann ich nur wie Greenfox darauf verweisen, dass Ferndiagnosen unmöglich sind.
    Lass doch einfach mal für einige Wochenenden den Alkohol weg und schau, was sich dann in dir abspielt.

    Willkommen im Forum!

    Bassmann

    Man sollte auch nicht darüber streiten. Es ist mehr etwas für ein Fachfourm.

    M.E. ist es etwas, das uns in Bezug auf den Ausstieg aus der Alkoholabhängigkeit eine Menge Angst nehmen kann. Meine Hoffnung ist, dass vielen Abhängigen auf diese Weise ein zeitlich weitaus früherer Ausstieg als zurzeit gelingt.

    Denn: Man muss sich nicht mehr mit dem Stigma des „einmal Alkoholiker, immer Alkoholiker“ herumplagen und aus diesem Grunde z.B. auch nicht über viele Jahre immer wieder versuchen sich zu beweisen, kein Alkoholiker zu sein.

    Begriffe wie der des Alkoholikers sind doch ohnehin nur Worthülsen. Und sie werden durch Adjektive wie nass und trocken nicht besser oder aussagekräftiger.

    Was wirklich zählt, ist die Frage, ob ich unter meiner Abhängigkeit leide oder nicht.
    Wenn ich leide und diejenigen, deren Hilfe ich erbitte -oder wie es oft so schön heißt: einfordere- einen so starken Druck aufbauen, dass ich in diesem Druck ein größeres Leid sehe als in meiner Abhängigkeit, läuft etwas falsch.
    Denn dann müssen erst viele Jahre ins Land ziehen, bevor ich so weit unten bin, dass ich mich auf die angebotene Hilfe einlasse.

    Bassmann

    Nachtrag: Wenn ich meinen letzten Satz lese, bekomme ich zum ersten Mal eine Ahnung, warum oft geschrieben wird, dass der Alkoholiker Hilfe suchen und ANNEHMEN muss. Bislang ging ich immer davon aus, dass nur ein Verrückter sich die Mühe macht, Helfer ausfindig zu machen, um dann anschließend zu entscheiden, auf ihre Hilfe zu verzichten.

    Hallo Praxx,

    Seit Jahrzehnten durch hunderte sorgfältiger Studien falsifiziert ist die Legende vom lebenslangen Kontrollverlust. Übereinstimmend zeigen Untersuchungen weltwet eine "Selbstremission" der Suchtkrankheiten - zwischen 60% (Deutschland) und 80% (USA, Canada) der diagnostizierten Alkoholiker geben ihr abhängiges Trinkverhalten im Verlauf wieder auf, sie leben je einem Drittel abstinent, konsumieren "medizinisch unbedenklich" oder sind "symptomfreie Risikokonsumenten".

    es tut gut, mal wieder so etwas zu lesen. Denn genau diese Rückbildung des Kontrollverlusts erlebe ich ja (und fange manchmal schon zu zweifeln an, weil stets im Brustton der Überzeugung verbreitet wird, dass dies unmöglich ist). Diese Erfahrung der Rückbildung des Kontrollverlusts lässt sich jedoch -zumindest von mir- nicht unters Volk bringen. Das (vermeintliche) Wissen über den Alkoholismus scheint schlicht und einfach zu zementiert zu sein.

    Gruß
    Bassmann

    Hallo gamma draconis,

    dein letzter Beitrag wirft bei mir Fragen auf.

    Ich kenne viele Leute, einschließlich meiner eigenen Erfahrung, für die das Leben ohne Suchtmittel erst einmal eine ziemliche Qual war. Das aber nicht wegen der Entzugserscheinungen, sondern weil eine schon lange bestehende Angststörung ohne das Suchtmittel ungefiltert zu Tage trat. Dann ist es die Angst vor dem noch größeren Elend, die den Betroffenen trocken hält und nicht eine vage Hoffnung auf ein besseres Leben, das vielleicht irgendwann in ferner Zukunft mal eintritt.

    Worin besteht in dem geschilderten Fall das noch größere Elend?
    Ist es die Tatsache, dass bei einem Rückfall zur Angststörung auch noch das Elend des Saufens dazukommt? Oder liegt das größere Elend in der Angststörung?
    So ganz wird mir der geschilderte Sachverhalt nicht klar.

    Ich frage mich, ob Angst tatsächlich eine solch starke Triebfeder wie die Hoffnung zu sein vermag. Vor allem, wenn beispielsweise spürbar ist, dass durch den Trinkstopp trotz zu Tage tretender Angststörung etwas Positives in Gang gesetzt wurde.
    Und ich frage mich bei Beiträgen wie dem oben zitierten, wie oder wo da die Motivation zum Suchtausstieg entstehen soll und vor allem wie sie am Leben gehalten werden soll/kann.

    Wäre schön, wenn du irgendwann darauf antworten könntest.

    Gruß
    Bassmann

    Ja, Techfreak, es tut weh, Abstürze des Partners miterleben zu müssen und sich einzugestehen, sie nicht verhindern zu können. Ich kann verstehen, dass du in dieser Situation über eine Trennung nachdenkst.

    Der einzige Lichtblick besteht darin, dass dieser Schritt, wie Greenfox bereits schrieb, deine Frau aufrütteln könnte.

    Alles Gute
    Bassmann


    Obwohl ich weiß, wie sinnvolles Rückfallmanagement aussehen kann, tendiere ich mehr dazu, den Rückfall als riesige Bedrohung anzusehen.

    So wie ich das bei mir selbst erfahre, hängt die Bereitschaft zum erneuten Suchtmittelge- bzw. missbrauch in erster Linie davon ab, ob ich beim Ausstieg eine endgültige, also eine Entscheidung ohne Hintertürchen treffen konnte. Das funktioniert m.E. nur bzw. am leichtesten, wenn ich vor dem Ausstieg aus dem Suchtkreislauf mit meinem Leben als Abhängiger so unzufrieden war, dass mir das Suchtmittel quasi zum Halse raus hing. Und ihr aus tiefstem Herzen treu bleiben kann ich nur dann, wenn ich zumindest zeitweilig erfahre, dass (m)ein Leben in Freiheit ein besseres ist.

    Natürlich bin ich auch in diesem Fall nicht davor gefeit, dass in bestimmten Situationen Impulse/Wünsche in Richtung Suchtmittelkonsum auftreten. (Stichwort Suchtgedächtnis bzw. Erinnerung des Trinkerlebnisses) Nach einer begründet getroffenen Entscheidung, kann ich solche Impulse jedoch als ein Aufflackern der altbekannten Sucht begreifen und zur Tagesordnung übergehen.
    Darüber nachzudenken in der Art von „Soll ich oder soll ich nicht?“ oder „Brauche ich das jetzt oder brauche ich das nicht?“ lohnt sich dann nicht mehr.

    Ich muss mir deshalb keine Bedrohungskulisse in Form eines Rückfallszenarios aufbauen, denn ich weiß, dass mein Leben ohne Suchtmittel“unterstützung“ ein besseres ist.

    So sehe und fühle ich das seit meinem Rauchausstieg vor knapp zehn Jahren.

    Grüße vom
    Bassmann

    Wenn mir aber jemand erzählt, daß er nach ca. 20 Jahren sich plötzlich zum Essen ein Bier bestellt und eigentlich nicht einmal sagen kann, warum er das getan hat, was dann?.

    Meist liest man so etwas einige Tage oder Wochen nach dem Ausstieg. Ich denke mir in solchen Fällen, dass derjenige durchaus weiß, warum er rückfällig wurde, aber damit nicht herausrücken will. Ich kenne das von mir selbst aus dem Rauchstopp. Da wollte ich schlicht und einfach diesen Kick wieder erleben, den die Morgenzigarette, also die erste, nach längerer Zeit gerauchte Zigarette, vermittelt.

    Wenn jemand nach 20 Jahren rückfällig wird, wird es wohl nicht anders sein. Meist sprechen solche Menschen dann allerdings von Leichtsinn oder Unachtsamkeit. Scheint wohl weniger schlimm zu sein als das Bekenntnis, mal wieder dem berühmt-berüchtigten Drogenkick nachgejagt zu sein.

    Bassmann

    Hallo Wolfgang,

    was mich ehrlich am meisten stört ist der Ausdruck " trockener Alkoholiker " gibt es "trockene Raucher" auch ?

    es gibt tatsächlich auch den „trockenen Raucher“, der allerdings nicht so, sondern als Nichtmehrraucher bezeichnet wird. Soviel ich weiß, will man damit zum Ausdruck bringen, dass jemand, der einmal süchtig geraucht hat, niemals wieder so sein wird, wie er war, als er noch nicht geraucht hat. Bzw. dass er immer anders sein wird als derjenige, der nie geraucht hat.

    Das ist nichts Negatives. Wenn ich als ehemaliger Raucher heute z.B. einen Raucher sehe, freue ich mich darüber, dass ich nicht mehr rauchen muss. Ein anderer, der nie geraucht hat, registriert den Raucher wahrscheinlich überhaupt nicht. Er verbindet im Gegensatz zu mir mit dem Rauchen keine Erinnerungen.

    Auch ein ehemaliger Trinker hat andere Erinnerungen als einer, der nie Trinker war.
    Ob dieser ehemalige Trinker in der Bezeichnung „trockener Alkoholiker“ etwas Negatives sieht, hängt m.E. in erster Linie davon ab, wie er sich selbst sieht.

    Bassmann

    Nein, das ist weder komisch im Sinne von lustig, noch komisch im Sinne von merkwürdig.
    Es gibt nun einmal beide Seiten.

    Während ich trank, obwohl ich das eigentlich gar nicht mehr tun wollte, sah und spürte ich die Schattenseiten meiner Abhängigkeit. Seitdem ich nicht mehr trinke, erfahre ich mehr und mehr die positiven Seiten der Unabhängigkeit.
    Doch wie kriegt man einen Trinker raus aus dem Sumpf?
    Indem man ihm mit Schreckensbildern aufzeigt, was ihn erwartet, wenn er weiter trinkt? Oder ist es erfolgreicher, wenn man ihm mit positiven Bildern aufzeigt, was ihn erwartet, wenn er mit dem Trinken aufhört?

    Beides kann funktionieren.
    Für mich war eindeutig das mit den positiven Bildern sinnvoller, weil ich mich auf sie einlassen konnte, während ich die Schreckensbilder nach Leibeskräften zu verdrängen versuchte.
    Vielleicht ist jedoch bei einem anderen Trinker der Weg über die Schreckensbilder erfolgreicher.


    Bevor ich auf dieses Forum stiess, ging ich davon aus, dass mein Weg (irgendwie) der einzig wahre sei.

    Dieses Zitat trifft auch auf mich zu.
    Inzwischen bin jedoch auch ich offener für andere Wege geworden, weil ich meinen eigenen Weg vor mir selbst nicht mehr verteidigen muss, sondern den als für mich genau richtigen Weg erfahre.
    Was mich aber nach wie vor auf die Palme bringt, sind Aussagen, die Allgemeingültigkeit beanspruchen. Z.B. die Sache mit dem Kontrollverlust und die gleichzeitige Aussage, dass dieser nicht rückgängig zu machen ist.

    Der Alkoholismus scheint noch nicht komplett erforscht zu sein. Und deshalb sollten wir nicht so tun, als sei alles klar.

    Bassmann