Beiträge von Bassmann

    Was ist schlimm daran, sich in Krisen- oder welchen Zeiten auch immer daran zu erinnern, dass es einmal eine Phase gab, wo man meinte, mit Alkohol den Kopf frei zu kriegen?
    Dass man mit Alkohol ein kurzzeitiges Vergessen herbei trinken kann, entspricht ja durchaus den Tatsachen.
    Wenn der Alkoholmissbrauch allerdings eine gute Strategie gewesen wäre, hätte man wahrscheinlich nicht alles daran gesetzt, sich aus der Abhängigkeit von ihm zu befreien.

    Also kann man beruhigt zur Tagesordnung übergehen und sich darüber freuen, dass man inzwischen schlagkräftigere Strategien entwickelt hat, um seinen Kopf frei zu bekommen.

    Gruß
    Bassmann

    Hallo Mona,

    auch ich bin der Meinung, dass du dir keinen unnötigen Stress machen solltest, sondern schlicht und einfach erst einmal Erfahrungen sammeln solltest, welche Möglichkeiten ein Leben ohne Sucht bietet.

    ich fand meine Sauferei mit zunehmender Dauer immer belastender.
    Als ich aus dem Suchtkreislauf ausstieg, gingen meine Gedanken deshalb nicht erstrangig um die Frage, ob ich nun nie wieder Alkohol trinken darf, sondern richteten sich auf die Möglichkeit, mich so weit zu verändern, dass ich nie wieder Alkohol trinken muss.

    Ich empfinde meine physische und insbesondere psychische Entfernung vom Alkohol nach wie vor als Befreiung und nicht als Beschneidung meiner Möglichkeiten.

    Viele Grüße
    Bassmann

    Ohne Alkohol lebt es sich aber sehr viel besser wie ich mal wieder merke.


    Dann ist doch alles klar, oder?

    Ich habe diese Feststellung in Bezug auf Tabak getroffen. In wenigen Monaten bin ich 10 Jahre rauchfrei. Und ich finde mein Leben ohne Tabak nach wie vor besser.
    War also die richtige Entscheidung.

    Ich wünsche dir, dass du in zehn Jahren dasselbe in Bezug auf deine Entscheidung pro alkoholfreies Leben empfinden wirst.

    Alles Gute,
    Bassmann.

    Ich habe während meiner Trinkerzeit keinen Alkohol zum Kochen verwendet.
    Deshalb brauche ich auch heute weder Alkohol im Essen, noch mache ich mir Gedanken darüber, ob ich deshalb statt Wasser irgendwelche Traubensäfte zum Ablöschen verwenden soll.

    Was mich immer wieder nachdenklich macht, sind diese Hinweise, dass etwas „triggern“ könnte und dass man deshalb alles meiden sollte, was ggfs. ein Trigger sein könnte. Ich kann die Logik dieser Warnung zwar nachvollziehen, konnte mich aber dennoch mit dieser Form der Rückfallprophylaxe nie anfreunden.

    Bassmann

    Och nee, was soll dieses Rumgehacke auf Wörtern wie man, wir usw.?
    Blaumann ist das doch selbst aufgefallen. Und er hat klargestellt, was er eigentlich zum Ausdruck bringen wollte.

    Zitat

    Im übrigen habe ich an einigen Stellen im Text das Wort "Wir" verwendet" Damit meine ich ausschließlich mich selbst.

    Bassmann

    Ganz dolle feiern ohne Alkohol…

    Hört sich banal an.
    Aber du hast Recht, Betty. Solange Sucht im Spiel ist, scheint so gut wie nichts im Leben ohne Suchtmittel zu funktionieren oder wirklich Freude zu machen.
    (Ist ja eigentlich auch logisch: Wenn dem Süchtigen der Stoff fehlt, geht´s ihm schlecht. Wie soll er dann freudig feiern?)
    Wer den Suchtkreislauf jedoch hinter sich lässt, darf die Erfahrung machen, dass genau andersrum ein Schuh draus wird.

    Alles Gute weiterhin.

    Bassmann

    Hallo Blaumann,

    meine Abhängigkeit vom Alkohol (aber auch vom Nikotin) bestand in der Vorstellung, dass mir diese Suchtmittel trotz ihrer Nachteile Lebensqualität verschaffen.
    Zum Beweis des „Nutzens“ meiner Suchtmittel reichte mir in meinem damaligen Irrglauben ein einfaches Experiment: Ich musste nur meine Nikotin-/Alkoholdröhnung aussetzen oder reduzieren, und schon ging es mir schlecht.

    Irgendwann erkannte ich, dass es mir nicht durch den Konsum meiner Suchtmittel gut ging, sondern dass ich sie konsumieren musste, damit es mir nicht schlecht ging. Auf der anderen Seite würde es mir ohne Suchtmittel jedoch nicht schlecht gehen, wenn ich mich nicht vorher süchtig geraucht und getrunken und mich auf diese Weise „angreifbar“ gemacht hätte. (Sucht wehrt sich mit Entzugserscheinungen, wenn sie nicht befriedigt wird.)
    Und so beißt sich die Katze in den Schwanz.

    Bleibt nur eine Lösung: Raus aus der Abhängigkeit.
    Das war für mich in erster Linie ein Schritt, der im Kopf passierte. Seit diesem Tag erwarte ich nichts mehr von Suchtmitteln, sondern hole mir das, was ich brauche, anderweitig und ohne Gefahr des Süchtigwerdens.

    In Bezug auf das Nikotin bin ich zum Abstinenzler geworden. Was den Alkohol betrifft, wollte ich nicht bei jedem Hustensaft, Tortenstück usw. erst eine chemische Analyse durchführen, bevor ich konsumiere. Deshalb probierte ich, ob ich ohne Rückfall mit geringen Mengen leben kann.
    Das klappt.
    Ich war und bin mir aber nicht sicher, ob sich nicht irgendwo ein Quäntchen Sucht versteckt. Deshalb habe ich mich anfangs ganz penibel an die empfohlenen Grenzwerte gehalten.
    Heute trinke ich automatisch sehr wenig. Denn mittlerweile finde ich es unangenehm, wenn ich die Wirkung von Alkohol spüre.

    Gruß
    Bassmann

    Guten Morgen Blaumann,

    Wenn nur nicht dieses Verlangen nach dem guten Geschmack von gutem Weißwein wäre.

    was du m.E. in aller Ehrlichkeit für dich klären musst, ist die Frage, ob dein Verlangen nach Weißwein nun tatsächlich dem Geschmack oder vielleicht doch eher seiner Wirkung geschuldet ist.

    Falls du zu dem Schluss kommst, dass es am Geschmack liegt, dann solltest du dir vergegenwärtigen, dass dein derzeitiger Konsum das Dreifache der allgemein für gesundheitlich unbedenklich gehaltenen Menge beträgt.
    Du schädigst deinen Körper also, indem du deinem Verlangen nachgibst.

    Ist der gute Geschmack das wert? (Und kannst du deine Hand dafür ins Feuer legen, dass du allein des guten Geschmacks wegen eine solche Schädigung in Kauf nimmst?)

    Ich selbst bin nach meinem viele Jahre andauernden Alkoholmissbrauch zwar auch nicht zu einem Abstinenzler geworden. Aber ich denke, dass eine Reduzierung der Konsummenge nur dann möglich ist, wenn man sich selbst gegenüber absolut ehrlich ist und es schafft, die Muster der Abhängigkeit und die eigenen -oft sehr falschen Vorstellungen- über „Genussmittel“ zu erkennen, um diese dann zu verändern/zu durchbrechen.

    Alles Gute
    Bassmann

    Hallo Calendula,

    man kann dieser "Nie-Wieder-Vorstellung", zumindest am Anfang, bewusst eine positive Vorstellung entgegensetzen.
    Nie wieder trinken heißt ja auch: Nie wieder Selbstvorwürfe wegen einer selbst herbeigeführten Vergiftung des Körpers und daraus drohenden Krankheiten, kein morgendlicher Kater, viel mehr Zeit für die wirklich schönen Dinge des Lebens usw.

    Niemand -außer meiner Vorstellung, etwas Schönes und das dann auch noch für immer aufzugeben- zwingt mich dazu zurückzublicken. Warum nicht dem Blick nach vorn richten?

    Gruß
    Bassmann


    "Schlicht keinen Vorteil mehr im Alkohol mehr erkennen" - das tönt sehr reif und gesund. Das möchte ich aus tiefster Überzeugung sagen können - aber so weit ist mein krankes Hirn noch nicht


    Vielleicht reicht ja die Erkenntnis/das Eingeständnis, dass mit Alkoholmissbrauch mehr Nachteile als Vorteile einhergehen?

    Auch von meiner Seite ein herzliches Willkommen im Forum.

    Bassmann

    Hallo Calendula,

    Vieles von dem, was du schreibst, erinnert mich an meine eigene Suchtzeit.

    Du schreibst von Motivation und triffst damit m.E. genau den Punkt, der über Erfolg oder Misserfolg des Suchtausstiegs entscheidet.
    Wenn es (dir) gelingt, die Anfangsmotivation aufrecht zu erhalten, entsteht m.E. das von dir gewünschte Gerüst. (Zumindest ein Teil davon.)

    Ich habe die Erfahrung gemacht, dass mich sämtliche Ängste vor den durch Alkoholmissbrauch verursachten Krankheiten nicht vom Trinken abhalten konnten. Ebenso liefen alle guten Vorsätze, weniger zu trinken, stets ins Leere.
    Erst als ich bei einer anderen Sucht -dem Rauchen- spüren durfte, was für einen enormen Zuwachs an Lebensqualität die Beendigung einer Sucht -nicht sofort, aber früher oder später- nach sich zieht, konnte ich mit dem Trinken aufhören.

    Denn jetzt wusste ich nicht nur, was ich nicht mehr wollte, sondern was ich gewinnen und Tag für Tag spüren wollte und -vor allen Dingen- auch irgendwann spüren würde.

    Willkommen im Forum,

    Bassmann.

    Hallo Nitram,

    auch mir ist der folgende Satz besonders aufgefallen:

    ich möchte aufhören schaffe es aber irgendwie nicht.

    wenn ich zurückdenke, passte der auch lange Zeit zu mir.
    Ich wollte ebenfalls über viele Jahre meines Lebens mit dem Trinken aufhören. Ich versuchte die Menge des von mir konsumierten Alkohols zu reduzieren, indem ich weniger Alkohol einkaufte (mit dem Ergebnis, dass ich am späten Abend zur Tanke fahren musste, um Nachschub zu besorgen), ich versuchte den Alkoholgehalt der von mir konsumierten Getränke zu reduzieren, indem ich die Light-Versionen trank usw.

    Nur eins wollte ich nicht: Aufhören den Alkohol für meine Zwecke zu missbrauchen. Denn so ein paar Glücksgefühle auf Knopfdruck. Das hat schon was.

    Erst als ich mit diesem Missbrauch aufhörte -und das passierte im Kopf- konnte ich mit dem Trinken aufhören.
    Denn jetzt wusste ich, warum ich aufhören wollte. Und ich wusste, warum ich es bislang niemals geschafft hatte.

    Nur aufhören wollen und zu erkennen, es irgendwie nicht zu schaffen, ist m.E. zu wenig.

    Alles Gute
    Bassmann

    Im Wesentlichen ging es ja vor allem darum, dass Du die etablierte Suchthilfe dafür verantwortlich machst, dass Dein Leidensweg fahrlässig verlängert wurde.
    Ich kann das nur aus meiner Perspektive heraus betrachten und würde so eine Verantwortungsablehnung für mein eigenes Tun und Handeln bei mir für fahrlässig und eben verantwortungslos einstufen.
    Aber, wenn es Dir hilft, dann ist es gut für Dich.

    Und jetzt sind wir m.E. ziemlich nahe beieinander, Dietmar.
    Beide Positionen sind sowohl fahrlässig als auch notwendig.

    Mir hilft das, was du mir in Bezug auf die etablierte Suchthilfe unterstellst, nämlich überhaupt nicht. Mir ist es persönlich sogar total schnuppe, ob die Suchthilfe den schwarzen Peter bekommt oder ich selbst. Sie hat mich beeinflusst, aber in der Sucht verharrt, bin ich ganz allein.
    Was mich aber betrübt, ist die Tatsache, dass eine ganze Reihe von Abhängigen den Schritt in die Therapie, die ja ganz bestimmte Voraussetzungen vorgibt, anscheinend fürchtet und deshalb länger als nötig in der Sucht verharren muss. Nicht umsonst lese ich sehr oft, dass Trinker über eine lange Zeit hinweg immer wieder versuchen, mit weniger Alkohol auszukommen um sich zu beweisen, keine Alkoholiker zu sein. (Habe ich ja auch getan, wie bereits geschrieben.)

    Für Menschen wie dich, die den Alkohol missbrauchten, um bestimmte seelische Zustände aushalten zu können und die selbständig zu keiner Verhaltensänderung kommen können, mag eine Therapie genau der richtige Weg sein.
    Für Menschen wie mich, die den Alkohol missbrauchten, weil er schnelle Entspannung oder Entfrustung o.ä. ermöglichte und die dann irgendwann aufgrund der regelmäßigen Verwendung der Droge die Erfahrung machten, dass das Weglassen des Alkohols aufgrund der entstandenen Abhängigkeit Probleme bereitet, ist eine solche Therapie vielleicht eher abschreckend statt der richtige Weg.

    M.E. braucht es beide Positionen in einem Forum wie diesem. Vielleicht gäbe es sie sogar, wenn die Vertreter der einen Richtung nicht so offensiv auf ihrer Meinung bestehen würden. Ich finde dieses Forum in dieser Beziehung zwar durchaus moderat.
    Aber auch hier wurde bereits geäußert, dass man sich in Selbstzensur übt, um nicht angegriffen zu werden.

    Letztendlich geht es doch darum, dass ein Forumsbenutzer Anstöße bekommt, wie er sich aus seiner Abhängigkeit befreien kann. Und da sollten alle Erfahrungen nebeneinander stehen können.

    Bassmann

    Guten Morgen Dietmar,

    zwei abschließende Anmerkungen bzw. Antworten zu deinem Text Nr.19 in diesem Thread.

    Zitat

    Du wirst mir vielleicht zustimmen, dass das Ergebnis (Kapitulation versus Befreiung von etwas, das Dir absolut nicht gut tut) dasselbe ist?

    Nur vordergründig.

    Wenn ich vor dem Alkohol kapituliere, stelle ich für mich fest, dass ich einen aussichtslosen Kampf gegen einen überlegenen Gegner führe. Ich stelle sämtliche Kampfhandlungen ein und beschränke mich in Anschluss an meine Kapitulation darauf, Verteidigungsanlagen zu errichten, die den Gegner daran hindern sollen, erneut einen Kampf vom Zaun zu brechen.
    Wenn ich mich befreie, kämpfe ich nicht mehr wie zuvor darum, dass mein Gegner die Illusion, die er geschickt inszeniert hatte, auch umsetzt. Denn damit erwarte ich etwas, was er überhaupt nicht leisten kann. In meinem letzten Kampf, enttarne ich meinen Gegner. Die Illusion tritt nun voll zu Tage. Nach dieser Befreiungsaktion kann mir der Gegner nichts mehr tun, weil ich sein Vorgehen durchschaut habe.

    Ich erkenne jetzt, dass er überhaupt nicht stärker ist als ich es bin, sondern als geschickter Fallensteller agiert.
    Doch das mit dem Fallenstellen klappt jetzt nicht mehr, weil ich die Fallen mittlerweile sehen kann. Da kann er sie noch so gut tarnen.

    Zitat

    Weil sie (Sie = Bassmanns Betrachtungsweise) impliziert, dass es sehr leicht wäre, allein durch das Lesen von Allan Carrs Bücher die Sucht zum Stillstand zu bringen. Es scheint dann so, als müssten Betroffene überhaupt nicht weiteres für sich tun.

    Ich habe nie geschrieben, dass ein Abhängiger nur Allen Carrs Bücher lesen muss, um erfolgreich aus seinen Süchten auszusteigen. Ich bin nach meiner Ausstiegserfahrung aber auch absolut nicht davon überzeugt, dass die Therapie persönlicher Defizite eine Voraussetzung für den erfolgreichen Suchtausstieg ist. Oder dass ich ständig darauf achten muss, dass es mir gut geht, damit ich die Rückfallwahrscheinlichkeit senke.

    Ich erfahre, dass Suchtmittel nach meinem Ausstieg keine Bedeutung mehr haben, um mich besser zu fühlen, zu betäuben usw., weil mir klar ist, dass Lebensqualitätsverbesserung durch Suchtmittelkonsum weder funktioniert, noch sinnvoll ist.
    Wenn ich heute etwas für mich tue, dann nicht aus dem Grunde, weil ich ein Alkoholiker bin/war, sondern weil es grundsätzlich gut für mich ist.

    Grüße vom
    Bassmann


    Ich mache Dir einen Vorschlag, den bestimmt auch die Forumsleitung nicht ausschlägt: Mach doch einfach hier einen eigenen Bereich, in dem Du Deinen Weg aus der Sucht mit Hilfe von Allan Carr beschreibst und andere Hilfe Suchende dazu animierst, diesen Weg zu gehen, wenn ihnen das, was die etablierte Suchthilfe anzubieten hat, nichts bringt.

    Schon geschehen. (Siehe Katro´s Thread)

    Gruß
    Bassmann


    Auf welcher Grundlage basiert denn Deine Annahme, dass Andere an der Verlängerung Deines Leidensweges schuld waren, nachdem Du selbst erkannt hast, dass Du ein Problem mit dem Alkohol hast?

    Es war die -wie ich heute in Bezug auf mein eigenes Erleben feststelle- Mär vom lebenslangen Alkoholiker, der stets auf der Hut vor jedem Schlückchen Alkohol sein muss, sich ständig mit seinem Alkoholismus beschäftigen sollte, indem er sich in SHGs austauscht usw. usf. , weil die Sucht nur zum Stillstand gebracht, aber nicht beendet werden kann.

    Natürlich habe ich diese Beschreibung von Alkoholismus für wahr gehalten und mich entsprechend gesträubt, zu akzeptieren, dass ich ein Alkoholiker bin. Stattdessen habe ich -wie das viele andere auch von sich beschreiben- immer wieder versucht, meinen Alkoholkonsum zu reduzieren, nur um dann festzustellen, dass ich immer weiter in die Sucht rutschte.
    Ich hätte dieses Verhalten wahrscheinlich weiterhin betrieben und wäre wie viele vor mir an dem Punkt angelangt, wo wirklich nichts mehr geht, wenn ich nicht über Allen Carr den Gedanken kennengelernt hätte, dass der Suchtmittelkonsum eine Art Gehirnwäsche bewirkt, die den Süchtigen die Welt aus einer Position betrachten lässt, die nichts mit der Realität zu tun hat.

    Um da raus zu kommen, musste ich nur das Suchtmittel absetzen und die Entzugserscheinungen aushalten. Klar, das ist nicht immer leicht. Aber je konkreter das Bild des neuen, nicht mehr von einer Sucht diktierten Lebens ist, desto leichter fällt der Entzug.

    Ich habe nicht kapituliert, sondern mich von etwas, das mir absolut nicht gut tat, befreit.
    Und um jetzt noch einmal auf das o. g. Zitat zurückzukommen: Hätte ich statt der üblichen Informationen über Sucht den Carr´schen Ansatz früher kennengelernt, wäre mein Leidensweg wahrscheinlich kürzer gewesen.
    Für mich war das, was über lebenslange Sucht, Kapitulation usw. geschrieben wird, absolut kontraproduktiv. Mir hätte es wahrscheinlich geholfen, wenn jemand in „fahrlässiger“ Weise eine andere Sicht der Dinge aufgezeigt hätte.

    Bassmann


    Ich denke, Du verstehst, wenn ich schreibe, dass Deine lässige Art mit dem Suchtproblem umzugehen auf Andere ggf. auch als fahrlässig wirkt. ;)

    Ich denke, dass diese Anschuldigung/Sichtweise einseitig ist.
    Ich habe an mir erlebt, dass mich die von den „Hardcores“ stammende Art und Weise, die Alkoholsucht zu betrachten, davon abgehalten hat, mich so einfach aus der Sucht zu befreien, wie ich das dann später nach meiner Rauchstopperfahrung tat. Diese ganze Sache mit „Ich bin ein Alkoholiker“, „Ich darf nie wieder einen Tropfen Alkohol trinken“, usw. usf. hat mich immer wieder davon abgehalten, mich zu meiner Sucht zu bekennen.
    Mir gingen dadurch –und das schrieb ich hier sehr oft, ohne eine Rückmeldung von denen zu bekommen, die diese Hardcoreposition vertreten- wertvolle Jahre verloren.

    Insofern denke ich, dass durchaus auch die einseitige „Hardcoreposition“ gefährlich ist oder sein kann. Zumindest für diejenigen, die keine "Hardcores" sind, aber durch das Aufbauschen des Alkoholismus und das damit zu lange Warten bis zum Erreichen des sogenannten Tiefpunkts, der dann tatsächlich erst dann erreicht wird, wenn nichts mehr geht, zu "Hardcores" werden.

    Bassmann

    Hallo Silvia,

    der wichtigste Warnhinweis bei Tabak, Alkohol und jeder anderen Droge sollte m.E. folgender sein: Achtung, kann abhängig/süchtig machen.

    Ich mache zwischen den von mir erfahrenen Abhängigkeiten (Alkohol und Tabak) nicht den geringsten Unterschied. Auch wenn die direkten Auswirkungen der Alkoholabhängigkeit auf die Lebensqualität wahrscheinlich weitreichender sein können/werden als die der Nikotinabhängigkeit, habe ich doch in beiden Fällen die Erfahrung gemacht, dass ich von beiden Süchten gleichermaßen ab dem Augenblick gebeutelt wurde, wo ich den Ausstieg wollte und spüren musste, dass ich ein Sklave war, dessen Lebensrhythmus von einer Droge bestimmt wurde.
    In diesem Augenblick begann für mich jahrelanges Leid, das erst in dem Augenblick endete, als ich die Erfahrung machen durfte, dass die Fesseln, die mich in meinen Süchten hielten, eigentlich nur in meiner (falschen) Vorstellung bestanden.
    Und natürlich in -zum Glück endlichen- Entzugserscheinungen.

    Gruß
    Bassmann

    Hallo Lars,

    du fragst, ob du mit "deinem Problem" leben kannst.
    Klare Antwort: Mag sein. Aber damit zu leben wäre ganz schön blöd.

    Warum?

    Ich habe mich von zwei Süchten (Alkohol und Tabak) verabschiedet und in beiden Fällen erlebt, dass mit dem Ende der Sucht ein völlig neuer Blick auf das Leben entstand.
    Vorher dachte ich, dass mir der Suchtmittelkonsum etwas wirklich Tolles bringt. Ich fand nur schlecht, dass ich so viel konsumieren musste, dass die vermeintlich positiven Effekte mit gesundheitlichen Nachteilen erkauft werden mussten.

    Heute ist mir klar, dass dieses Denken völliger Humbug war und allein der Sucht entsprang bzw. dem Erfahren von Entzugserscheinungen.

    Mir geht es weitaus besser ohne deshalb rauchen und trinken zu müssen, weil mein Körper der Meinung ist, dass mal wieder ne Ladung Nikotin oder Alkohol fällig ist. Und ich genieße nach wie vor Musik. In Bezug auf Unterhaltungen läuft es m.E. sogar weitaus besser als unter dem Einfluss von Alkohol.

    Kurz gesagt: Was man unter dem Einfluss einer Sucht denkt, kann man getrost in das Reich der Märchen stecken. Wirklich spannend wird das Leben erst, wenn man es "pur" erleben darf.

    Willkommen im Forum!

    Bassmann