Guten Morgen Dietmar,
zwei abschließende Anmerkungen bzw. Antworten zu deinem Text Nr.19 in diesem Thread.
Zitat
Du wirst mir vielleicht zustimmen, dass das Ergebnis (Kapitulation versus Befreiung von etwas, das Dir absolut nicht gut tut) dasselbe ist?
Nur vordergründig.
Wenn ich vor dem Alkohol kapituliere, stelle ich für mich fest, dass ich einen aussichtslosen Kampf gegen einen überlegenen Gegner führe. Ich stelle sämtliche Kampfhandlungen ein und beschränke mich in Anschluss an meine Kapitulation darauf, Verteidigungsanlagen zu errichten, die den Gegner daran hindern sollen, erneut einen Kampf vom Zaun zu brechen.
Wenn ich mich befreie, kämpfe ich nicht mehr wie zuvor darum, dass mein Gegner die Illusion, die er geschickt inszeniert hatte, auch umsetzt. Denn damit erwarte ich etwas, was er überhaupt nicht leisten kann. In meinem letzten Kampf, enttarne ich meinen Gegner. Die Illusion tritt nun voll zu Tage. Nach dieser Befreiungsaktion kann mir der Gegner nichts mehr tun, weil ich sein Vorgehen durchschaut habe.
Ich erkenne jetzt, dass er überhaupt nicht stärker ist als ich es bin, sondern als geschickter Fallensteller agiert.
Doch das mit dem Fallenstellen klappt jetzt nicht mehr, weil ich die Fallen mittlerweile sehen kann. Da kann er sie noch so gut tarnen.
Zitat
Weil sie (Sie = Bassmanns Betrachtungsweise) impliziert, dass es sehr leicht wäre, allein durch das Lesen von Allan Carrs Bücher die Sucht zum Stillstand zu bringen. Es scheint dann so, als müssten Betroffene überhaupt nicht weiteres für sich tun.
Ich habe nie geschrieben, dass ein Abhängiger nur Allen Carrs Bücher lesen muss, um erfolgreich aus seinen Süchten auszusteigen. Ich bin nach meiner Ausstiegserfahrung aber auch absolut nicht davon überzeugt, dass die Therapie persönlicher Defizite eine Voraussetzung für den erfolgreichen Suchtausstieg ist. Oder dass ich ständig darauf achten muss, dass es mir gut geht, damit ich die Rückfallwahrscheinlichkeit senke.
Ich erfahre, dass Suchtmittel nach meinem Ausstieg keine Bedeutung mehr haben, um mich besser zu fühlen, zu betäuben usw., weil mir klar ist, dass Lebensqualitätsverbesserung durch Suchtmittelkonsum weder funktioniert, noch sinnvoll ist.
Wenn ich heute etwas für mich tue, dann nicht aus dem Grunde, weil ich ein Alkoholiker bin/war, sondern weil es grundsätzlich gut für mich ist.
Grüße vom
Bassmann