Hallo Linda,
Wie ich schon mal an anderer Stelle erklärte, habe ich hier oft das Gefühl, mich verteidigen zu müssen.
das Einzige, was du verteidigen musst, ist deine Entscheidung, einen Weg aus der Abhängigkeit vom Alkohol zu finden. Ob dieser Weg nun von dem Einen oder Anderen gut oder schlecht gefunden wird, dürfte letztendlich egal sein. Was allein zählt, ist, dass sich deine Lebensqualität nachhaltig verbessert. Ob du diese Lebensqualität nun in 0,0 Promille Alkohol bis ans Ende deiner Tage oder im moderaten und nicht gesundheitsgefährdenden Konsum (falls es den gibt) findest, ist m.E. unerheblich.
Als ich in dieses Forum kam, ging es mir darum, eine Art öffentliches Tagebuch zu führen. Das hatte ich bei meinem Ausstieg aus der Nikotinabhängigkeit so gemacht und dabei festgestellt, dass mir das Schreiben eine große Hilfe war. Anfangs hatte ich nur in den Tagebüchern anderer angehender Nicht(mehr)raucher gelesen. Das war schon klasse, weil mich vieles von dem, was ich las, dazu motivierte alles daranzusetzen, irgendwann das Gleiche wie diejenigen zu erleben, die mir Monate voraus waren.
Als ich dann selber schrieb, machte ich die Erfahrung, dass nicht nur ich, sondern auch Andere von meiner Schreiberei profitierten. Deren Rückmeldungen taten mir gut. Und als ich dann meinen Ausstieg aus der Alkoholabhängigkeit anging, war mir völlig klar, dass ich mir auch hierfür ein Forum suchen würde.
Mein Weg aus dem Suff war im Vergleich zum Suchtausstieg der meisten hier Schreibenden Foristen „anders“. Und weil er anders war, bekam auch ich Dinge zu hören/zu lesen, die mir nicht gefielen. Der eine prophezeite mir, dass meine Begeisterung für die neu gewonnene Freiheit irgendwann ins Gegenteil kippen würde, ein anderer schrieb –was auch dir geschrieben wurde- dass meine Beiträge Andere zum Trinken verleiten könnten. Es gab aber auch Zustimmung. Und weil ich diese Zustimmung oftmals nicht öffentlich, sondern per PM bekam, weil sich die Schreiber vor der Reaktion des Mainstreams fürchteten, blieb ich dem Forum als eifriger Schreiber erhalten.
Und davon profitiert hoffentlich der eine oder andere Aussteiger, der mit dem klassischen Suchtausstieg nicht klarkommt. Ich zumindest habe von dieser Auseinandersetzung, in der ich mich manchmal einer Vielzahl Andersdenkender gegenüber sah und mich deshalb durchaus in eine Verteidigungsstellung gedrängt hätte sehen können, auf jeden Fall profitiert.
Deshalb habe ich hier auch nicht das Gefühl, mich verteidigen zu müssen. Und das musst auch du nicht haben. Schreibe ehrlich und offen über deinen Weg. Das wird dir helfen. Und wenn dein Weg funktioniert, werden deine Berichte vielleicht dem Einen oder Anderen eine Hilfe sein.
Gruß
Bassmann