Weil es in meinen Augen wichtig ist, zum nachstehenden Zitat Stellung zu nehmen, und weil diese Stellungnahme m.E. nicht nur etwas für den internen Bereich ist, hier ein paar Gedanken zur "Leichtigkeit des Suchtausstiegs":
Bei Bassmann liest es sich immer so einfach: "man muss NUR ... das Positive sehen"
Wenn man das NUR weglässt und das Wort „Sehen“ durch das Wort „Spüren“ oder besser: "Erspüren" ersetzt, kommt man dem, was ich meine und in meinen Suchtausstiegen erfahren habe, ziemlich nahe.
Suchtmittel verändern uns enorm. Auch wenn wir -so habe ich das erfahren- aus Vernunftsgründen aus dem Suchtkreislauf aussteigen wollen, sträubt sich fast alles in uns dagegen, weil wir sofort einen Verlust zu spüren meinen.
In Alkoholikerforen wird m.E. meist nicht so motivierend geschrieben, wie ich das z.B. in einem Raucherforum erlebte. Dort berichtete z.B. eine Frau, dass ihr nichtrauchender Mann sie nie vor die Wahl zu stellen getraut hätte, sich entweder für ihn oder für die Zigarette zu entscheiden, weil er geahnt hätte, wofür sie sich entschieden hätte. Und dann heißt es im Anschluss: Wenn ich geahnt hätte, wie sensationell ich mich einmal ohne Zigarette fühlen würde, dann hätte….
In Alkoholikerforen geht es meist weitaus verhaltener zu und oft darum, dass ein bestimmtes Gerüst vorgegeben wird, das man dann abarbeiten soll: Sich als Alkoholiker bekennen, Therapie durchlaufen und anschließend SHG besuchen, weil man ja lebenslang krank ist.
So richtig Freude auf die Zukunft kommt da m.E. nicht auf. Höchstens dass mal einer schreibt: Seit ich nüchtern bin, kann ich Probleme besser lösen. Na toll! (Es gibt natürlich auch in Alkoholikerforen Ausnahmen wie z.B. Betty)
Ich hätte es ohne die Vorfreude wahrscheinlich nicht so leicht geschafft. Und ich wäre in meiner Vorstellung, dass nur ein Leben ohne Suchtmittel ein wirklich gutes Leben sein kann, wahrscheinlich nicht so gefestigt, wenn ich mich nicht täglich über den Suchtausstieg freuen könnte.
Was ich mit meinen Beiträgen in erster Linie erreichen möchte, ist, dass das Augenmerk von „Ich sollte mit dem Trinken aufhören, weil ich sonst frühzeitig sterben werde“ wechselt auf „Ich sollte mit dem Trinken aufhören, weil ich sonst eine Menge Schönes verpasse.“
Bassmann