Beiträge von Bassmann

    Natürlich bin ich nicht (mehr) abhängig, Greenfox, denn ich brauche den Alkohol nicht (mehr), um Probleme zu verdrängen, um mich besser zu fühlen usw..
    Bis vor etwas mehr als drei Jahren war ich abhängig, denn da brauchte ich den Alkohol. Und zu diesem Zeitpunkt war ich mir -wie du das auch für dich beschreibst- sowas von bewusst, ein erbärmlicher Suchtlappen zu sein, dass mir vor mir selbst schlecht wurde.

    Sich bewusst zu werden, süchtig zu sein, ist ein allererster Schritt. Denn ohne dieses Bewusstsein, sehe ich keine Veranlassung zum Handeln. Der wohl weitaus wichtigere Schritt besteht jedoch darin, gedanklich aus der Suchtspirale auszusteigen.

    Wir sind keine schwachen Würstchen, die nach einem Schluck Alkohol einfach so umfallen, weil es das Schicksal so will oder weil wir im Gegensatz zu den meisten anderen Menschen auf Alkohol allergisch reagieren. Wir haben keinen automatischen Kontrollverlust, gegen den wir machtlos sind, sondern wir entscheiden bei jedem Schluck, ob wir ihn zum Genuss trinken oder ob wir den Alkohol missbrauchen. Es liegt in unserer Macht und Verantwortung, ob wir in altes Verhalten zurückfallen oder nicht. Und wer sich dieser ihm selbst gegenüber bestehenden Verantwortung nicht stellen will oder kann, der muss dem Alkohol dann eben komplett aus dem Weg gehen. Das ist für ihn dann eine praktikable Verhaltensweise, um ein Leben führen zu können, das nicht vom Suff bestimmt wird.

    Als Quatsch würde und werde ich diese Verhaltensweisen Anderer nicht bezeichnen. Aus meiner Sicht ist die oben beschriebene Vorgehensweise der Kontaktvermeidung jedoch nur ein Weg, auf keinen Fall aber der Königsweg. Zumindest nicht für Menschen, die in ihrer Sucht noch nicht so tief unten angelangt sind, dass ohne fremde Hilfe, die dann natürlich auch Bedingungen setzt, nichts mehr geht. Punkt.

    Gruß zurück
    Bassmann

    P.S.: Vielleicht ist die neue Sprachweise, die Alkoholabhängigkeit nicht mehr als Alkoholismus, sondern als alkoholbedingte Störung bezeichnet, tatsächlich sinnvoll. Bei dem einen -wie bei dir- ist die Störung eben sehr tiefgehend, bei anderen -wie bei mir- weniger tiefgehend und deshalb möglicherweise anders zu beheben.

    Ich habe die Alkoholsucht aus meinem Kopf verbannt.
    Bis ich das tun konnte, ist jedoch -wie man so schön sagt- viel Wasser den Rhein herunter geflossen.

    Rund fünf Jahre bevor ich dem Alkohol die kalte Schulter zu zeigen vermochte, schaffte ich es, aus einer anderen Sucht, nämlich der Niktoinsucht, auszusteigen. Nachdem ich die physische Sucht überwunden hatte, machte ich sehr schnell die Erfahrung, dass nichts von dem, was ich dem Suchtmittel an Positivem zugeschrieben hatte, der Wahrheit entsprach.
    Ab da war ich frei. Auch wenn meine Psyche noch hin und wieder Sehnsüchte nach dem Suchtmittel heraufbeschwor, war die Sache für mich erledigt.
    Mir war klar, dass ich nie wieder rauchen würde.
    Alle vorangegangenen Ausstiegsversuche scheiterten daran, dass ich zwar aus gesundheitlichen Gründen den Ausstieg wollte, letztendlich aber davon überzeugt war, dass mir das Suchtmittel einen Nutzen verschaffte.

    Auch beim Alkohol ging ich lange Zeit davon aus, dass er mir nützlich war. Ich wusste, dass er in den Mengen, die ich zu mir nahm, gesundheitsschädigend war, versuchte deshalb weniger zu trinken und schaffte es sogar mehrmals für einige Wochen überhaupt nichts zu trinken, kippte dann aber immer wieder ins alte Muster zurück, wenn ich die Trinkpause beendete und „ein Gläschen in Ehren“ schluckte.
    Damit war es vorbei, als es in meinem Kopf „Klick“ machte. Das was ich dem Alkohol bis dahin an Positivem zuschrieb, schrumpfte ab diesem Zeitpunkt auf seine Betäubungs- und Enthemmungswirkung zusammen. Und auf die kann ich nicht nur verzichten, sondern die will ich nicht mehr spüren.
    Ich möchte und kann alles mit klarem Kopf erleben.

    Seitdem bin ich auch in Bezug auf den Alkohol frei. Ich kann ihn zwar trinken, allerdings beginnt sich nichts in mir danach zu sehen, mich zu betäuben, zu berauschen oder sonstwie psychisch zu verändern.

    Ätherischer Mist, wie ein User an anderer Stelle schrieb, oder erfahrene Wirklichkeit?

    Für mich ist es das Zweite.

    Bassmann

    Hallo Fran53,

    ich habe die letzten Jahre meiner Süchte -egal ob Alkohol oder Zigaretten- als Zwang erlebt, den ich lieber heute als morgen abgelegt hätte. Insofern fühle ich mich tatsächlich befreit und saugut, denn das, was ich mir wünschte, ist in Erfüllung gegangen.
    .
    Wenn ich zuruckblicke, dann tue ich das nicht wehmütig, sondern voller Freude. Meist gucke ich jedoch, wie es mir aktuell geht und auch was ich in der Zukunft ohne die Fessel Alkohol alles erleben kann.
    Und dann vermisse ich das Zeug nicht im geringsten.

    Gruß
    Bassmann


    Ich denke, viele Suchtkranke verbinden mit ihrer Abstinenzentscheidung, dass ab dato die Welt nur noch golden erscheint - und sie werden dann bitter enttäuscht, dass dem eben nicht so ist. Dass zu akzeptieren und die Welt mit ihren schönen und negativen Seiten so hin zu nehmen, wie sie halt ist, stellt sich als mir als Lern-Prozess dar, der auch bisweilen etwas Geduld erfordert.


    Trotz allem verändert sich die Welt vom ersten Tag des Ausstiegs an zum Positiven. Man muss das nur wahrnehmen.
    Da meine erste Sucht, der ich mich entledigte, die Nikotinsucht war, mache ich das auch daran deutlich. Anfangs stellte auch ich enttäuscht fest, dass sich vermeintlich nichts an meiner Welt geändert hatte. Außer dass ich mich mehr rauchte. Die Anfangseuphorie war verschwunden, Alltag war eingekehrt.
    Irgendwann merkte ich, dass sich sehrwohl etwa verändert hatte: Hatte ich früher bei Problemen mehr als gewöhnlich geraucht und bei großen Problemen noch mehr, so dass ich kurze Zeit später neben dem ursprünglichen Problem weitere Probleme wie Kopfschmerzen, Husten usw.hatte, so stellte ich jetzt fest, dass ich in der Lage war, das Problem schlicht und einfach auszuhalten (um es dann im nächsten Schritt zu lösen.)
    Das war ein gutes Gefühl. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie fantastisch ich mich fühlte, als ich dieser Tatsache gewahr wurde. Dieses Gefühl neu gewonnener Stärke würde mir niemand mehr nehmen konnen. Egal welche Probleme auch auf mich zukommen würden, ich würde mich nie wieder so als armes Würstchen fühlen wie zu Raucherzeiten. Denn wie sah denn meine Problemlosungsstrategie zu dieser Zeit aus?
    Erstmal eine bzw. am besten sogar einige viele rauchen.

    Diese Erfahrung neuer Stärke hat sich beim Ausstieg aus der Alkoholsucht fortgesetzt.
    Das Leben muss also garnicht stets golden bzw. rosarot sein (wäre auch langweilig), es ist aber ohne Sucht immer um gewaltige Längen besser als mit Sucht.
    Man muss sich das nur immer wieder bewusst machen... und schon ist die Motivation, den eingeschlagenen Weg beizubehalten, wieder so groß wie am ersten Tag (und die Gefahr eines Rückfalls in alte Suchtverhaltensweisen vermindert.

    Um noch einmal zum eigentlichen Thema dieses Threads zurückzukommen: Bei mir haben sich die Ziele im zeitlichen Verlauf des Ausstiegs verändert.

    Anfangs bestand mein Ziel darin, etwas, nämlich das Saufen, nicht mehr tun zu müssen. Ich wollte also von irgendetwas weg. Ich wollte keinen morgendlichen Brummschadel mehr haben, ich wollte mich nicht mehr in irgendwelche Fantasiewelten flüchten usw.
    Dieses Ziel veränderte sich relativ schnell, nachdem ich spürte, dass ich mich zu verändern begann. Ab diesem Augenblick wollte ich zu etwas hin.

    Mein erstrangiges Ziel besteht seitdem darin, das Leben in all seinen Auf und Abs ungefiltert zu erfahren. Das geht nur ohne Alkohol, Tabak und andere das Bewusstsein verändernde Stoffe.

    Mal ganz abgesehen davon, dass du, Greenfox, wie jeder andere für sich selbst entscheiden darf und muss, ob er Alkohol unkontrolliert, kontrolliert oder gar nicht trinkt: Es geht und ging mir immer um die Erfahrung, dass ich jahrelang versuchte kontrolliert zu trinken und so lange Schiffbruch erlitt, bis ich aus dem Suchtkreislauf ausstieg.
    Ich erkläre mir die Veränderung wie folgt: Ich versuchte jahrelang vom Alkohol etwas zu bekommen, nach dem ich süchtig war, nämlich die Betäubung. Weil die exzessive Sauferei ungesund ist, versuchte ich dem Alkohol die gleiche Wirkung bei einer kleineren oder Promille reduzierten Menge abzutrotzen.

    Das ging stets in die Hose.

    Jetzt will ich dem Alkohol nichts mehr abtrotzen. Und weil diese Einstellungsänderung einen so durchschlagenden Erfolg hatte, gehe ich davon aus, dass es nicht die Abstinenzentscheidung ist, die den Ausstieg aus dem Suchtkreislauf möglich macht. Zumindest nicht in dieser Ausschließlichkeit, wie das immer behauptet wird.

    Und genau das motiviert mich dazu, in diesem Forum immer wieder Flagge zu zeigen.

    Natürlich geht es nicht darum, das Trinken zu trainieren, Greenfox. Es geht aber um die Veränderung von Vorstellungen und Einstellungen.
    Ich hatte z.B.die Vorstellung, dass mir die Zigarette einen Kick gibt, der mein Leben bereichert. Ich dachte auch, dass sie mir dabei hilft mit Stress besser fertig zu werden.
    Seit ich allerdings erfahren habe, dass Rauchen ausschließlich der Beseitigung von Entzugssymptomen dient, bin ich nicht mehr süchtig nach Zigaretten. Ich habe Monate nach dem Ausstieg eine geraucht, und ich erfuhr keinen Kick, keine Beruhigung, nichts außer Gestank und schlechtem Geschmack im Mund.

    Mit dem Alkohol ist es ähnlich. Ich dachte, dass mein Leben ohne ihn unerträglich sein würde.
    Nach dem Ausstieg erfuhr ich das Gegenteil.
    Letzter Punkt: Ich dachte, dass ich die Trinkmenge nicht kontrollieren kann.Schließlich habe ich über viele Jahre erfahren, dass es so ist
    Nach meinem Ausstieg ging es mir nicht mehr darum,mich zu betäuben. Und plötzlich konnte ich meine Trinkmenge kontrollieren.

    Ich erfahre also, dass viele Fakten der Suchttherapie für mich nicht gelten. Deshalb ist es nicht unwahrscheinlich, dass dies auch auf andere Personen zutrifft.
    Das sollten die User bedenken, die ihr Erleben als allgemeingültig ansehen.

    Wenn ich die letzten Berichte lese, stelle ich fest, dass es in euren Empfindungen -z.B. kein Verzichtsgefühl- keinen Unterschied zu meinen Empfindungen gibt. Warum dann aber z.B. bei dir, Greenfox, der ständige Hinweis auf einen jederzeit möglichen Rückfall oder bei dir,Gerd, der immer wieder auftauchende Hinweis auf die Gefahr des Unterbewusstseins?

    Mir kommt da immer wieder der Gedanke, dass ihr auf halber Strecke stehen bleibt, euch damit zufrieden gebt, es hinzugekommen, "das erste Glas stehen zu lassen", aber die eigentliche Sucht nicht antastet. So kommt es zumindest bei mir an. Ich kenne nämlich weder Rückfallangste noch stelle ich fest, dass das Unterbewusstsein irgendeine Chance gegen meine aus Erfahrung entstandene Überzeugung, dass jeder saufen noch rauchen das Leben verbessert.

    "Ich war noch niemals Genusstrinker" lese ich bei LiS, und das habe ich schon oft bei Anderen als Begründung dafür gelesen, niemals anders als unkontrolliert trinken zu können.

    Ich kann verstehen, wenn jemand für sich entscheidet, ab sofort keinen Tropfen Alkohol mehr zu trinken. Das ist so wie bei Anderen, die sich dafür entscheiden, vegetarisch zu leben. Aber etwas für immer und ewig auszuschließen, weil man es noch nie konnte und von vornherein auszuschließen, es erlernen zu können, ist für mich nicht nachvollziehbar.

    Ich mag völlig falsch liegen. Aber genau in dieser Einstellung siehe ich die Begründung dafür, dass jemand nach zig Jahren Abstinenz wieder der Sucht verfällt. Er fühlt sich sicher, ist es aber nicht, weil er nie daran gearbeitet hat, etwas anderes als ein unkontrollierter Trinker zu sein. Und für den bleibt dann m.E.wirklich nur die Erkenntnis, dass er mit Alkohol nicht umgeben kann und deshalb alles dafür tun muss, diesem Stoff lebenslang konsequent aus dem Weg zu gehen.

    Warum wird der Weg (aus der Sucht) kein leichter sein? Warum soll er (immer?) steinig und schwer sein?

    Ich erfuhr ihn nicht so. Und ich denke, das liegt daran, dass ich innerlich komplett mit der Vorstellung gebrochen habe, dass mir ein Suchtmittel psychisch bei irgendetwas helfen kann. Im Gegenteil: Ein selbstbestimmtes Leben ist nur ohne Abhängigkeit möglich. Und nur ein selbstbestimmtes Leben kann in meinen Augen ein gutes Leben sein.

    Wer kann bei einer solchen Einstellung -sofern sie als wahrhaftig empfunden wird- noch saufen, rauchen, kiffen usw.?

    Ich glaube auch nicht, dass es EINFACH ist, eine Sucht aus dem Kopf zu verbannen. Aber ich glaube, dass es das wesentliche Ziel beim Suchtausstieg sein sollte. Letztendlich heißt Sucht doch, dass ich mein Denken und Fühlen bzw. mein komplettes Leben auf das Suchtmittel ausrichte. Es erfährt eine Bedeutung, die absolut ungesund und letztendlich falsch ist. Wenn ich das nicht wirklich spüre, laufe ich zeitlebens Gefahr, rückfällig zu werden.

    Ich bin bei meiner ersten Sucht so vorgegangen, dass ich mein Ziel vorrangig darin sah, das Suchtmittel nicht mehr zu konsumieren. Erst als ich den Punkt erreicht hatte, das Leben ohne Suchtmittel als den optimalen Zustand zu schätzen, war ich vor Rückfällen gefeit. Bei meiner zweiten Sucht, dem Alkoholismus, ging ich deshalb von Anfang an davon aus, dass es mir besser geht, wenn ich aussteige.
    Nicht mehr zu trinken, kann m.E. deshalb nur ein Mittel zum Ziel sein.

    Mir kommt das in den Beiträgen vielerorts anderer User oft so vor, als wäre bei ihnen die Abstinenz das Ziel.
    So kann ich das nicht sehen.

    Nochmal Greenfox: Was bringen dir MEINUNGEN?
    Ich bin z.B. der Meinung, dass alle Selbsthilfegruppen aus Bäckergesellen bestehen. Ich bin deshalb dieser Meinung, weil ich keine einzige SHG aus eigenem Erleben kenne.

    Und wem hilft diese absurde Meinung?

    Vielleicht hat aber jener Suchttherapeut, auf den du verweist, entsprechende direkte oder indirekte ERFAHRUNGEN gemacht, um zu der von dir aus Dumfug verunglimpften Aussage zu kommen. Vielleicht ist es aber auch nur seine Meinung.
    Und die dürfte in einem auf Erfahrungsaustausch abzielenden Forum irrelevant sein.

    Was bringen in diesem Zusammenhang MEINUNGEN, Greenfox?
    Wenn es um dir jedoch um ERFAHRUNGEN geht, dann kann ich dir weiterhelfen.

    Ich machte die Erfahrung, dass letztendlich nicht der Alkohol ansich den Suchtdruck auslöst, sondern meine Vorstellung von seiner (positiven) Wirkung auf mein Wohlbefinden.

    Klar genug ausgedrückt?

    Bassmann

    Du hast zwar immer wieder versucht, Deine Sicht zu erklären - und es sind auch immer wieder Teile dabei, die ich super ausgedrückt finde - aber im nächsten Satz frage ich mich dann wieder "Häh, was soll das denn? Was hat der denn genommen?", weil ich absolut nicht verstehe, was Du willst. Eben unverständlich. Und alles zusammengenommen ergibt bei mir diesen (für mich) unsinnigen Slogan "Man muss nur die Sucht aus dem Kopf verbannen ..."

    Oh Mann!


    In meinen Augen hat jeder, der irgendwie reduziert/kontrolliert/reguliert trinken will, nur einen einzigen Entschluß gefasst (der auch schon in meinem vorherigen Halbsatz steht):
    Ich will weitertrinken!

    Wenn jemand den Entschluss fasst, kontrolliert zu trinken, sind m.E. mehrere Motive/Ziele denkbar. Beispielsweise:
    1) Ich möchte weiterhin Alkohol trinken, aber auf einem mengenmäßigen niedrigeren Niveau, um die mit dem Alkoholkonsum einhergehenden gesundheitlichen Schäden zu reduzieren.
    2) Ich möchte weiterhin Alkohol trinken, aber frei entscheiden, wann und in welchem Umfang ich das tue (und nicht durch Sucht dazu getrieben werden).
    3) Ich begreife das kontrollierte Trinken als Strategie, um einen Weg aus der Sucht heraus zu finden, weil ich mir (noch) nicht vorstellen kann, ganz ohne Alkohol zu leben.

    Letztendlich will kein Mensch saufen um des Saufens willen. Zumindest habe ich das in Bezug auf meine Person so erfahren, denn ich trank, weil ich glaubte, trinken zu MÜSSEN, damit ich mein Leben aushalten konnte.

    Diese Vorstellung war absoluter Humbug, denn als ich aus dem Suchtkreislauf ausstieg, machte ich sehr schnell die Erfahrung, dass die Welt nicht untergeht, wenn ich nicht mehr saufe, sondern dass sie -im Gegenteil- schöner und lebenswerter wird.
    Und darum geht es m.E., wenn man eine Sucht endgültig hinter sich lassen will, nämlich um die Erkenntnis, dass Sucht zu völlig verdrehten Einstellungen und Sichtweisen führt, die mit der Realität nicht das Geringste zu tun haben.

    Das Suchtmittel ist in diesem Zusammenhang m.E. nur zweitrangig und letztendlich -wie man bei vielen Süchtigen sehen kann, die alle möglichen Stoffe „durchprobiert“ haben- austauschbar.

    Irgendwie kann ich nicht aufgeben, denn irgendwie schlummert nach wie vor die Hoffnung in mir, dass eine weitaus größere Zahl von Menschen aus ihrer Alkoholsucht auszusteigen vermag, wenn sie ihre Blickrichtung verändert. Dazu braucht es keines Resetknops.

    Wer beispielsweise von sich selber behauptet, dass er nicht mit Alkohol umgehen kann, der hat sicherlich Recht. Aber er kann das nur in Bezug auf die Vergangenheit für sich feststellen. Was sein zukünftiges Leben betriff, kann er möglicherweise lernen, mit Alkohol so umzugehen, dass ihm diese Flüssigkeit genauso lieb oder gleichgültig wird wie Wasser oder Limonade.
    Oder wer beispielsweise seinen Blick auf die rein körperlichen Faktoren richtet, der wird vielleicht zur Kenntnis nehmen (müssen), dass er aufgrund der eingetretenen Toleranz auch nach Jahren der Abstinenz keinen Rausch beim Konsum geringer Mengen bekommen kann.

    Doch was interessieren solche körperlichen Dinge einen Aussteiger, der das innere Wissen erworben hat, dass künstlich herbeigeführte Rauschzustände schlecht sind, weil sie letztendlich fast immer dazu führen, dass die Vielseitigkeit der Gefühle, die der Körper ohne Rauschmittel selbst erzeugt, verloren geht?
    Auf welche Freiheit und Lebensqualität verzichtet dagegen ein anderer, der sich dazu zwingt, auf den Rausch zu verzichten, wenn er dafür sein Lebtag lang z.B. in Selbsthilfegruppen Vorsorge treffen muss, dass er nicht dem nach wie vor in ihm schlummernden Wunsch nach Rausch nachgibt? (Denn er sieht ihn ja als Höhepunkt.)

    Ich bin nur dann wirklich frei von (Alkohol-)Sucht, wenn ich es schaffe, meinen Körper als das zu begreifen, was er ist: Nämlich ein Instrument, das am besten funktioniert, wenn es nicht manipuliert wird.
    Wenn ich das begriffen habe, muss ich keine Angst davor haben, dass ich irgendwann nach Jahrzehnten auf die Idee komme, mich mal wieder mit Alkohol zu berauschen, weil ich hoffe, mich mal wieder so richtig toll zu fühlen. Denn ich habe ja in den Jahrzehnten davor auf nichts verzichtet, sondern so gelebt, dass sich die Fähigkeiten meines Körpers optimal entfalten konnten.

    Bassmann alias Katro


    Aber man kann Beispiele falsch verstehen WOLLEN. Sorry, katro/Bassmann - aber bei Dir habe ich dieses Gefühl, dass Du dieses Beispiel/Synonym (oder wie auch immer man das bezeichnen will) bewusst falsch verstehen willst.

    Greenfox, woher willst du erstens wissen, dass ich Freeways Beispiel falsch verstanden habe? Schließlich warst nicht du, sondern Freeway der Verfasser, so dass auch du nur mutmaßen kannst, was dieser mit seinen gleichnisartigen Worten zum Ausdruck bringen wollte.
    Und woraus ziehst du zweitens den Schluss, dass ich das Beispiel bewusst falsch verstehen wollte? Vielleicht bin ja einfach nur zu blöde.

    Ich bin jedoch nicht zu blöde, aus Suchtkreisläufen auszusteigen. Und es scheint mir gelungen zu sein, meine psychischen Süchte gedanklich so zu bearbeiten, dass für mich seit langer Zeit weder das Rauchen, noch das Saufen den geringsten Hauch von Attraktivität aufweist. Weil ich mir absolut sicher bin, dass mir weder das Rauchen noch der Alkoholrausch irgendetwas Positives geben kann, habe ich keine Angst davor, rückfällig zu werden.
    Bei dir sieht das eben anders aus. Und weil das so ist, gehst du davon aus, dass Sucht nicht heilbar ist. Und so hast du -mit Hilfe von Suchtexperten, die allesamt eine bestimmte Sicht auf die Dinge haben- eine Möglichkeit gefunden, mit deiner Sucht zu leben, statt sie zu beenden. Und so wird sie wohl auch nicht vor, sondern mit dir sterben.

    Bei mir ist es anders. Und seit ich in einem anderen Forum aktiv geworden bin, weiß ich, dass es weitere Menschen gibt, die ihren Suchtausstieg wie ich erleben. Viele trauen sich jedoch nicht, ihre andere Herangehensweise laut zu äußern, weil sie die Erfahrung machten, dass sie „lautstark zusammengeschrieben werden“.

    Bassmann alias Katro