Beiträge von Bassmann

    Wenn ich den zitierten Satz lese, denke ich weniger ans Relativieren als vielmehr daran, dass hier der Karren schon ziemlich in den Dreck gesetzt wurde. Ich habe deinen alten Tread überflogen. Damals schienst du dich auf einem guten Weg zu befinden. Nur du wirst wissen, warum dieser Weg nicht zum Erfolg führte.

    Vielleicht nimmst du die Sucht nicht Ernst genug? Vielleicht hast du dich über den Alkoholismus nicht schlau genug gemacht? Vielleicht brauchst du Mitstreiter, die den Weg gemeinsam mit dir gehen? Du kannst die Fragen selbst fortsetzen.

    Ich habe an mir erlebt, dass man eine Sucht nicht so nebenbei erledigt.
    Mach dich schlau. Und wenn du merkst, dass du alleine nicht weiter kommst, suche dir Hilfe. Keine falsche Scham dabei. Selbst wenn dich jemand kennen sollte.Was solls? Alles ist besser als weitere drei Jahre ungenutzt verstreichen zu lassen.
    Werde aktiv!

    Alles Gute
    Bassmann

    Ich habe es auch zig Mal versucht. Doch diese Versuche zähle ich letztendlich nicht. Denn bei diesen Malen ging es für mich immer darum, etwas, das ich zu brauchen meinte, aus gesundheitlichen Gründen sein zu lassen oder zumindest zu reduzieren.

    Erst als ich kapierte, dass Suchtmittel langfristig bei nichts eine Hilfe sein können, war mir der Ausstieg möglich. Denn ab diesem Zeitpunkt ging es nicht mehr darum, mich von etwas für mich Hilfreichen zu trennen, sondern nur noch darum, physische und psychische Entzussymptome auszuhalten, damit es mir langfristig gut gehen kann.

    Und da sind solche Dinge wie "nur" Missbrauch usw. absolut bedeutungslos. Was zählt, ist, dass ich nicht mehr trinken MUSS und dass meine Gedanken nicht Karussell fahren, sondern dass ich das Leben, so wie es jetzt ist, als für mich richtig und meinen Umgang mit dem Alkohol als für mich stimmig empfinde.
    Ich habe nichts aufgegeben, aber ich habe viel gewonnen.

    V.G.
    Bassmann

    Hallo Nagini,

    Selbsthass ist ein Gefühl, das dich nicht weiter bringt, sondern eher zum Stillstand animiert. Was ist denn passiert? Du hast den Ausstieg nicht beim ersten Anlauf gepackt. Na und? Geht vielen so.
    Jetzt ist Analyse angesagt. Und dann versuchst du es -nach der Analyse besser gerüstet- aufs Neue.

    Kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken.

    Bassmann


    Wie kann ich jedoch sagen mit 29 den Rest meines Lebens nie mehr Alkohol zu trinken? Kann das funktionieren??


    Ja, das kannst du durchaus auch mit 29 Jahren tun. Und funktionieren kann es auch.
    Es stellt sich m.E. nur die Frage, ob du den Fokus in erster Linie darauf richten solltest, keinen Alkohol mehr zu trinken oder eher darauf, alles dafür zu tun, damit du ein lebenswertes Leben führen kannst. Wenn es dir gelingt, die Weichen entsprechend zu stellen, wird die Vorstellung, keinen Alkohol mehr zu trinken, nicht Bedenken, sondern Freude bei dir auslösen.
    Ich erlebe das mit der Freude zurzeit wieder besonders intensiv in Bezug auf eine andere Sucht, nämlich das Rauchen, da ich mich und einem Land befinde, in dem noch stark geraucht wird. Plötzlich spüre ich wieder, wie klasse es ist, nicht mehr rauchen zu müssen.
    Diese Freude kann man auch in Bezug auf das Nichttrinken empfinden, wenn dieses Nichttrinken im Bewusstsein als Lebensqualität empfunden wird.

    Bassmann


    Nach den ICD-10 Kriterien wären wir nach einem Jahr Abstinenz geheilt.
    Wir wissen ganz genau, teilweise aus sehr schmerzhaften Erfahrungen, dass das nicht so ist.


    Die Kriterien werden m.W. angewendet, um bei einem Trinker Alkoholismus zu diagnostizieren. Du wendest die Kriterien bei einem ehemaligen Alkoholiker an, der zurzeit nicht trinkt. Ob das im Sinne des Erfinders ist?

    Wenn ich die Kriterien auf mich anwende, passt das eher, da ich ja (wieder) Alkohol trinke. Und da kommt es auch wieder hin, obwohl ich auch sagen muss, dass ich wahrscheinlich nie wieder so locker mit Alkohol umgehen werde/kann wie jemand, der den Alkohol niemals missbraucht hat.

    Bassmann


    Mit einem klaren Kopf kann man alles wesentlich besser meistern


    Und nicht nur das.
    Ich habe in der Vergangenheit erlebt, dass dieses Meistern -zumindest für mich- viel mehr zählte, seitdem ich das ohne meine Suchtkrücken tat. Das fing bereits mit dem Wegwerfen der ersten Krücke -der Zigarette- an. Plötzlich erlebte ich eine ungeahnte Stärke in mir, obwohl ich meine zweite Krücke -den Alkohol- noch zu brauchen glaubte.
    Heute weiß ich, dass ich weder das eine noch das andere brauche, sondern dass es sich um Hemmschuhe handelte.
    Deshalb glaube ich auch, dass die Sache mit den Sorgen und dem Wegfall des Filters eher positiv als negativ zu sehen ist.
    Die Sorgen werden dich nicht umhauen.
    Und was uns nicht umhaut, macht uns stärker.

    Auf die nächsten 100!

    Bassmann

    Hallo Nagini,

    ich lese bei dir, warum du nicht mehr trinken willst. Nämlich, weil du nicht kontrolliert trinken kannst, weil du nicht einen Freund nach dem anderen verlieren willst usw.
    Was soll sich denn positiv verändern, wenn du mit dem Trinken aufhörst?

    Als ich aus dem Suchtkreislauf ausstieg, bestand mein Ziel darin, meine Freiheit zurückzuerlangen. Ich wollte wieder selbst entscheiden (können), was ich trinke, wann ich trinke und wie viel ich trinke.
    Das kann ich jetzt wieder, so dass mir jeden Tag auf Neue bewusst wird, was sich in meinem Leben positiv verändert hat.
    Das motiviert.

    Mein Rat lautet deshalb: Suche dir positive Ziele, deren Erreichen du spüren und abhaken kannst.

    Willkommen im Forum und alles Gute
    Bassmann

    Hallo zusammen,

    ich bin immer stärker zu einem Vertreter des positiven Denkens geworden, der mehr darauf guckt, was besser geworden ist als auf das, was an Schlechtem nicht mehr da ist.
    Mir persönlich hilft es mehr, mir immer wieder aufs Neue bewusst zu machen, was ich durch den Ausstieg aus der Sucht alles gewonnen habe und jetzt, ohne etwas dafür tun zu müssen, genießen darf.

    Früher musste ich trinken, damit es mir subjektiv gut ging. Heute lösen viele andere Dinge Freude bei mir aus.
    Beim Rauchen war es noch schlimmer: Wenn etwas schön war, konnte ich mich erst so richtig freuen, sofern ich das Gefühl durch das Rauchen einer Zigarette verstärkte.
    Und was ich wirklich sehr genieße, ist das Gefühl der Gelassenheit, das sich seit meinen Suchtausstiegen in mir breit gemacht hat.

    Stellt ihr ähnliche Veränderungen fest?

    Es grüßt
    der Bassmann

    Guten Morgen Mann36,

    was mir an deinem letzten Beitrag auffällt, ist seine Zweiteilung. Der erste Teil, in dem es um deine Freundschaft zu dem Russen geht, ist sehr positiv, im zweiten Teil dagegen wimmelt es von Anschuldigungen, und ich merke wie ich innerlich abwinke und das Geschriebene als „typisches weinerliches Alkoholikergeschwafel“ abklassifiziere.

    Ob es das tatsächlich ist, vermag ich natürlich nicht wirklich zu beurteilen. Ich kann mir aber auch nicht vorstellen, dass diese negativen Dinge für deinen Heilungsprozess förderlich sind.
    Mein Rat: Konzentriere dich lieber auf die positiven Dinge und darauf, wie du deine Zukunft gestalten kannst und musst, damit du aus dem Teufelskreis der Sucht heraus kommst.

    Was deine Erlebnisse im Krankenhaus betrifft, halte ich Greenfoxes Vorschlag für gut. Schreibe das Erlebte auf, schicke es an die kassenärztliche Vereinigung… und hake es dann für dich ab.

    Alles Gute wünscht dir
    Bassmann

    Hallo LiS,


    ich glaube aber mittlerweile dass ich die schönen Dinge nicht wie ich lange dachte wegen dem 'Livestyle' des Trinkens erleben durfte, sondern vielmehr trotz dessen.

    Für mich ist das schon lange keine „Glaubenssache“ mehr, sondern eine Tatsache.

    Ich kann die Wirkung von Drogen zwar nur an Alkohol und Tabak festmachen. Aber ich habe mit beiden dasselbe erlebt. Und dieses Erleben bestand letztendlich aus einer vom jeweiligen Suchtmittel initiierten großen Illusion, die zwar einen realen Hintergrund, nämlich das Dopamin hat, die im Grunde genommen aber ein großer Fake ist, weil es früher oder später nur noch um eins geht: Nämlich das Beseitigen von Entzugserscheinungen, die das Leben vermiesen und die man ohne den übermäßigen Konsum des Suchtmittels niemals gehabt hätte.

    Das wirkliche, spannende, glückliche usw. Leben findet immer außerhalb des Suchtkreislaufs statt.

    Grüße vom
    Bassmann

    Willkommen Lucia.

    Als ich vor mehr als drei Jahren in diesem Forum aufschlug, hatte ich es nach vielen Jahren täglichen Alkoholmissbrauchs geschafft, zwei oder drei Wochen lang keinen Tropfen mehr zu trinken, war also ein ganz frischer Aussteiger. Ich hatte keine Therapeuten, mit denen ich reden konnte, also schrieb ich einfach drauf los.
    Dieses Schreiben entlastete mich und es half mir.

    Dir alles Gute!

    Bassmann.

    Hallo Pompeya,
    willkommen im Forum.
    Ich antworte jetzt nur auf den von mir nachfolgend zitierten Satz. Andere User werden sicherlich weitere Aspekte in ihren Antworten ansprechen.


    Ich kann einfach nimmer , es saugt mir jede Energy raus.

    Wenn es so ist, wie du in dem Satz zum Ausdruck bringst, wird es wohl nicht anders gehen, als dass er bis zur Therapie woanders trinkt. Schließlich hat nicht nur er ein Problem mit dem Alkohol, sondern auch du. Wenn auch indirekt über ihn. Und wenn du spürst, dass du nicht mehr kannst, solltest du auf dieses Gefühl hören.

    Alles Gute
    Bassmann


    Mich verwundert es, wenn bei der SHG die meisten sagen, es gehe ihnen sehr gut bis
    "perfekt", das nehme ich ihnen nicht ganz ab.

    Möglicherweise sind die Begriffe sehr gut bis perfekt tatsächlich übertrieben. Aber wie du selbst schreibst, ist auch dein Befinden grundsätzlich besser als zu Alkzeiten, Franz.

    Vielleicht hängt es auch davon ab, wie sehr man sich durch die jeweilige Sucht belastet gefühlt hat. So erlebe ich nach mehr als acht Jahren Rauchfreiheit noch immer, wie mich eine Welle der Freude durchfährt, wenn mir -aus welchen Gründen auch immer- mal wieder bewusst wird, dass ich nicht mehr rauchen muss.
    Diese Gedanken und die damit verbundene Freude kommen meist, wenn es mir mal nicht so gut geht, weil ich in solchen Situationen noch mehr als üblich geraucht habe und mir so über das Rauchen zusätzlich negative Dinge wie z.B. Kopfschmerzen eingehandelt habe.
    Diese Freude kommt oft aber auch einfach so.

    Der Ausstieg aus dem Suff hat diese positive Grundstimmung noch einmal verstärkt. So sind z.B. jene Tage, in denen ich mich ohne Grund traurig fühlte, mit dem Alkohol aus meinem Leben verschwunden.

    Deshalb sage auch ich meist aus echter Überzeugung, dass es mir richtig gut geht.
    Und eins gilt immer: Egal, wie es mir aktuell geht, es geht mir immer besser, als es mir gehen würde, wenn ich rauchen oder trinken würde. Das ist meine Überzeugung und mein Empfinden.

    Bassmann

    Auch ich habe mich immer mal wieder mit der Frage beschäftigt, warum ich so viele Jahre versoffen und verraucht habe, obwohl mir klar war, dass ich meinen Körper mit diesem Verhalten schädigte.

    Da war zum einen die tief verwurzelte Vorstellung, ohne das jeweilige Suchtmittel nicht leben zu können. Auch wenn ich wusste, dass Alkohol und Tabak ungesund sind, ging etwas tief in mir davon aus, dass sie mir auf der anderen Seite etwas ganz Tolles bzw. genau das geben, was ich unbedingt brauche.

    Zum anderen kam die Erfahrung dazu, dass ich einfach nicht in der Lage war, weniger zu saufen oder zu rauchen. Diese Erfahrung ließ mich in Punkto Selbstbewusstsein ganz klein werden.
    Also habe ich irgendwann überhaupt nicht mehr versucht, weniger zu rauchen und zu saufen, damit ich mich nicht als Niete fühlen musste. Wenn ein Familienmitglied in diese Richtung auf mich Einfluss nahm, wurde ich aggressiv. Zum einen weil ich mir das „Tolle“ nicht nehmen lassen wollte und zum anderen, weil ich mich nicht wieder als Niete fühle wollte, die es nicht packt, weniger zu trinken.
    In dieser Phase verstrich unglaublich viel Zeit.

    Bei mir kam der von Ennasu angesprochene „Klick“ per Zufall und über eine Person außerhalb meiner Familie. Es war nur ein kurzes Gespräch, aber dieses Gespräch setzte eine unglaubliche Motivation in Gang.
    Seitdem halte ich Motivation für das A und O des Suchtausstiegs. Und hier könnte tatsächlich so etwas wie eine Glaskugel helfen. Aber keine, in der wir sehen, wie übel es uns gehen wird, wenn wir weiter süchteln, sondern eine, in der wir sehen, welchen Zuwachs an Lebensqualität wir erfahren, wenn wir mit dem Süchteln aufhören.
    Doch wie ist es zu schaffen, dass diese Motivation nicht dem Zufall überlassen bleibt?

    Bassmann

    "Wenns dem Esel zu wohl ist, zieht es ihn auf's Eis", "Was soll schon passieren - nun bin ich ja schon x Jahre trocken"

    Das ist jetzt wirklich spannend, Greenfox, und zeigt exakt auf, was mein persönliches Problem mit der sogenannten zufriedenen Abstinenz ist.

    Wie kann ein solcher Gedanke (Was soll schon passieren - nun bin ich ja schon x Jahre trocken.) bei einem Menschen entstehen, der für sich akzeptiert hat, dass er mit Alkohol nicht umgehen kann?
    Wie kann ein solcher Gedanke bei einem Menschen entstehen, der für sich akzeptiert hat, an einer chronischen unheilbaren Krankheit zu leiden?
    Wie kann ein solcher Gedanke bei einem Menschen entstehen, der in einer zufriedenen Abstinenz lebt?

    Ein solcher Gedanke ist m.E. nur möglich, wenn dieser Mensch in Frage stellt, was er bislang dachte.
    Aber warum tut er das?
    Vermisst er irgendetwas?
    War das mit der Zufriedenheit in und mit der Abstinenz vielleicht nicht wirklich erlebt, sondern nur Autosuggestion?

    Unter anderem genau diese Fragen haben mich dazu bewogen, einen Weg zu gehen, der sich vom üblichen Weg unterscheidet. Im Gegensatz zu einem Langzeittrockenen, der sich zur Abstinenz entschieden hat, erlebe ich keinen Bruch in meinen Überzeugungen, wenn ich Alkohol trinke. Ich tue das, was ich als für mich richtige Strategie erfahren habe.
    Sollte ich in meinem Leben vor Übermut über die Stränge schlagen, wird sich das mit Sicherheit nicht in einem Mehrkonsum an Alkohol zeigen. Oder sollte ich irgendetwas vermissen, also Einbußen in meiner Zufriedenheit hinnehmen müssen, werde ich ganz bestimmt nicht auf die Idee kommen, dass ich diese Zufriedenheit mit einem Mehr an Alkohol zurückbekommen werde. Dann werde ich eher noch weniger trinken.
    Insofern bin ich an einem Schlusspunkt angelangt, was den Alkohol angeht.

    Bassmann

    Hallo Franz,

    mein Ziel besteht nicht darin, anderen Usern den moderaten Alkoholkonsum "aufzuschwatzen". Ich finde es gut, wenn sich jemand für die absolute Alkoholabstinenz entscheidet, sofern er, wie das aus den Beiträgen des einen oder anderen abstinenten Users auch tatsächlich hervorgeht, von diesem abstinenten Leben wirklich begeistert ist. Denn dann wird er den Absprung "packen".


    Ich schätze, dass du nicht täglich diese Grenze ausloten wirst, sondern bei bewusst gewählten Zeitpunkten.

    Wenn ich es so sehen würde, also wenn es mir darum ginge, meine Alkoholverträglichkeitsgrenze auszuloten, wäre ich schon längst wieder im Suchtkreislauf gefangen.

    In meinen Augen geht es zunächst einmal darum, aus dem Kreislauf einer Sucht auszusteigen. Das kann kurzfristig durchaus allein mit dem Willen gelingen.
    Langfristig suchtfrei zu leben, ist m.E. jedoch nur dann möglich, wenn dieses suchtmittellose Leben spürbare individuelle Vorteile hat.

    Für mich wäre ein wesentlicher Vorteil nicht mehr gegeben, wenn ich in der ständigen Angst vor einem Rückfall leben und deshalb stets und immer darauf achten müsste, dem Teufel Alkohol -koste es, was es wolle- aus dem Weg zu gehen. Diese Furcht, einen Weg zu beschreiten, den ich sooo überhaupt nicht gehen will, stellte sich bei mir bereits in den ersten Wochen meines (damals) abstinenten Lebens ein. Ich konnte mir nicht vorstellen, in einem von Furcht geprägten Leben glücklich zu werden, zumindest nicht ohne überprüft zu haben, ob es nicht auch anders geht.
    Inzwischen habe ich allerdings auch erfahren dürfen, dass selbst abstinent lebende User dieses krasse "aus dem Weg gehen" nicht beherzigen.

    Ich befinde mich seitdem an einem Punkt, an dem für mich feststeht, dass es für mich klasse ist, so zu leben, wie ich es jetzt tue. Dieses Leben kann und werde ich bis zum Ende so weiter leben. Ich werde jeden Morgen aufstehen und mich darüber freuen, klar im Kopf und (entsprechend meinem Alter) körperlich fit zu sein. Ich werde mich jeden Tag darüber freuen, Dinge, die ich mit meiner Familie und Freunden besprochen habe, nicht einfach vergessen zu haben, weil der Alkohol mein Erinnerungsvermögen lahmgelegt hat. Ich werde täglich meine neu entdeckte Stärke genießen. Usw, usf.

    Diesen Punkt der Freude oder sogar Begeisterung muss man m.E. erreichen, um vor Rückfällen sicher sein zu können. (Wer ihn durch absolute Alkoholabstinenz erreicht, bekommt in meinen Augen für seinen Weg im Vergleich zu meinem noch ein Sahnehäubchen obendrauf.) Nur dann gibt es keinen Grund für erneutes Saufen. Auch nicht aus Leichtsinn. Denn Saufen hat in einem solchen Leben keinen Platz mehr, weil es kontraproduktiv in Bezug auf die Lebensqualität wäre.

    Ich habe den Eindruck, dass ich in diesem Forum oft falsch verstanden und allein darauf reduziert werde, dass ich das Trinken von Alkohol nicht grundsätzlich ablehne. Es ist für mich unerheblich, ob sich ein Säufer für die absolute Abstinenz oder wie ich für ein moderates Trinken entscheidet. Wesentlich ist doch, dass sein Leben nicht mehr vom Alkohol bestimmt wird, dass es sich in diesem Leben wohlfühlt und im Wissen darüber, dass er das alles nur deshalb erleben darf, weil er nicht mehr säuft, sich nicht erneut in den Suchtkreislauf begibt.

    Bassmann


    Dann eben viele Wochen kontrolliertes Trinken (am Wochenende ein paar Bier),
    bis dann der alte Schlendrian wieder zurückgekehrt ist.

    Ich vermute, dass es sich hier um mehr als nur „den alten Schlendrian“ handelte, Franz. Könnte es nicht auch so gewesen sein, dass du einfach mehr wolltest, als dir das kontrollierte Trinken zu geben vermochte?

    Ich denke sehr oft darüber nach, warum es mir früher einfach nicht gelingen wollte, die von mir getrunkene Alkoholmenge langfristig zu reduzieren, und warum vor etwas mehr als drei Jahren plötzlich alles ganz einfach war. Und jedes Mal komme ich zu demselben Ergebnis: Sowohl der Alkohol als auch der Tabak waren Krücken für mich, auf die ich meinte, mich verlassen zu müssen, um mein Leben meistern zu können.
    Um sie wegwerfen zu können, musste ich zunächst die Erfahrung machen, dass ich sie erstens zum Laufen nicht brauche und dass ich zweitens ohne sie schneller als mit ihnen bin.

    Deshalb gehe ich davon aus, dass es sich beim Ausstieg aus einer Sucht trotz aller körperlichen Aspekte in erster Linie um eine Kopf- und Motivationssache handelt. Solange ich spüre, dass ich mehr gewinne als ich aufgebe, kann ich auf meinem Weg guten Mutes voranschreiten.
    Das ist der Grund, warum ich so oft betone, sich bewusst zu machen, was man durch das Nichtmehrsaufen alles gewinnt. Ich glaube, dass Langzeittrockene i.d.R. deshalb umfallen, weil sie irgendwann aufhören, sich diesen Gewinn bewusst zu machen und sich stattdessen von ihrem „Suchtgedächtnis“ unrealistische Werbefilme pro Saufen vorspielen lassen.

    Ein schönes Wochenende wünscht
    Der Bassmann.

    Guten Morgen Olaf,


    Alkohol jagt mir keinen Schrecken mehr ein.

    wenn es so ist, dass du nicht (mehr) trinken MUSST, besteht auch kein Grund, dich vor dem Alkohol zu fürchten. Das tue auch ich nicht. Ich habe aber erfahren, dass Alkohol süchtig machen kann; deshalb und weil der menschliche Körper nur geringe Alkoholmengen ohne Katerbeschwerden am nächsten Morgen bzw. ohne langfristige negative Folgen wegstecken kann, habe ich mein Trinkverhalten komplett geändert.

    So ganz verstehe ich deinen Eingangsbeitrag nicht. Besteht die Botschaft darin, dass dir der Selbstversuch gezeigt hat, dass du seit deiner Erkenntnis in Bezug auf die nicht vorhandene Heilwirkung des Alkohols vor süchtigem Trinken gefeit bist? Und was hat das alles mit kontrolliertem Trinken zu tun?

    Grüße vom
    Bassmann