Hallo Franz,
mein Ziel besteht nicht darin, anderen Usern den moderaten Alkoholkonsum "aufzuschwatzen". Ich finde es gut, wenn sich jemand für die absolute Alkoholabstinenz entscheidet, sofern er, wie das aus den Beiträgen des einen oder anderen abstinenten Users auch tatsächlich hervorgeht, von diesem abstinenten Leben wirklich begeistert ist. Denn dann wird er den Absprung "packen".
Ich schätze, dass du nicht täglich diese Grenze ausloten wirst, sondern bei bewusst gewählten Zeitpunkten.
Wenn ich es so sehen würde, also wenn es mir darum ginge, meine Alkoholverträglichkeitsgrenze auszuloten, wäre ich schon längst wieder im Suchtkreislauf gefangen.
In meinen Augen geht es zunächst einmal darum, aus dem Kreislauf einer Sucht auszusteigen. Das kann kurzfristig durchaus allein mit dem Willen gelingen.
Langfristig suchtfrei zu leben, ist m.E. jedoch nur dann möglich, wenn dieses suchtmittellose Leben spürbare individuelle Vorteile hat.
Für mich wäre ein wesentlicher Vorteil nicht mehr gegeben, wenn ich in der ständigen Angst vor einem Rückfall leben und deshalb stets und immer darauf achten müsste, dem Teufel Alkohol -koste es, was es wolle- aus dem Weg zu gehen. Diese Furcht, einen Weg zu beschreiten, den ich sooo überhaupt nicht gehen will, stellte sich bei mir bereits in den ersten Wochen meines (damals) abstinenten Lebens ein. Ich konnte mir nicht vorstellen, in einem von Furcht geprägten Leben glücklich zu werden, zumindest nicht ohne überprüft zu haben, ob es nicht auch anders geht.
Inzwischen habe ich allerdings auch erfahren dürfen, dass selbst abstinent lebende User dieses krasse "aus dem Weg gehen" nicht beherzigen.
Ich befinde mich seitdem an einem Punkt, an dem für mich feststeht, dass es für mich klasse ist, so zu leben, wie ich es jetzt tue. Dieses Leben kann und werde ich bis zum Ende so weiter leben. Ich werde jeden Morgen aufstehen und mich darüber freuen, klar im Kopf und (entsprechend meinem Alter) körperlich fit zu sein. Ich werde mich jeden Tag darüber freuen, Dinge, die ich mit meiner Familie und Freunden besprochen habe, nicht einfach vergessen zu haben, weil der Alkohol mein Erinnerungsvermögen lahmgelegt hat. Ich werde täglich meine neu entdeckte Stärke genießen. Usw, usf.
Diesen Punkt der Freude oder sogar Begeisterung muss man m.E. erreichen, um vor Rückfällen sicher sein zu können. (Wer ihn durch absolute Alkoholabstinenz erreicht, bekommt in meinen Augen für seinen Weg im Vergleich zu meinem noch ein Sahnehäubchen obendrauf.) Nur dann gibt es keinen Grund für erneutes Saufen. Auch nicht aus Leichtsinn. Denn Saufen hat in einem solchen Leben keinen Platz mehr, weil es kontraproduktiv in Bezug auf die Lebensqualität wäre.
Ich habe den Eindruck, dass ich in diesem Forum oft falsch verstanden und allein darauf reduziert werde, dass ich das Trinken von Alkohol nicht grundsätzlich ablehne. Es ist für mich unerheblich, ob sich ein Säufer für die absolute Abstinenz oder wie ich für ein moderates Trinken entscheidet. Wesentlich ist doch, dass sein Leben nicht mehr vom Alkohol bestimmt wird, dass es sich in diesem Leben wohlfühlt und im Wissen darüber, dass er das alles nur deshalb erleben darf, weil er nicht mehr säuft, sich nicht erneut in den Suchtkreislauf begibt.
Bassmann