Beiträge von Bassmann

    Mein viertes Ausstiegsjahr geht mit Sieben-Meilen-Schritten dem Ende zu. Und so sollte man meinen, dass jetzt alles in ausgetretenen Bahnen verläuft und dass es nichts mehr zu berichten gibt.
    Das ist auch so. Einerseits.
    Andererseits ist sie noch immer da, diese Freude über die durch den Ausstieg zurückerlangte Freiheit.
    Und sie wird nicht geringer. Das ist schon bemerkenswert. Und das möchte ich denjenigen mitteilen, die erst am Anfang ihres Weges stehen.

    Wie ich das sehe, habe ich nicht nur eine Einstellungsänderung erfahren, sondern das innere Wissen erworben, dass wirkliche Lebensqualität nur ohne Suchtmittel zu erlangen ist.
    Ich habe in meiner Vergangenheit gelernt, dass Nikotin und Alkohol durchaus angenehme Zustände erzeugen können. Doch ich habe auch gelernt, dass jeder aus Abhängigkeit resultierende Drogenkonsum zu Lasten der Fähigkeit des Körpers geht, diese Zustände aus sich heraus zu erzeugen.
    Und das macht die ganze Sache dann zu einer Lachnummer, wenn es nicht so traurig wäre.

    Für mich lässt sich die Folge des Drogenkonsums in einem Satz beschreiben: Wenn du dich (von einer Droge) abhängig machst, verlierst du früher oder später die Fähigkeit zu tief empfundener Freude.
    Und das kann selbst der krasseste Dopaminkick nicht wert sein.

    Bassmann

    Hallo Steff,


    Ich will unbedingt den richtigen Weg und diesen Feind Namens Alkohol besiegen !!


    wenn es dir hilft, den Alkohol als einen Feind zu betrachten, den es zu besiegen gilt, dann tue das. Solange dir bewusst ist, dass der Alkohol nicht die Ursache deiner Probleme ist, wird das sicherlich nicht schaden.

    Insbesondere in Bezug auf deine Vorstellung versagt zu haben, kann die Personalisierung des Alkohols eine Hilfe sein. Denn versagt hast du m.E. ganz sicher nicht. Es gibt auch keinen Grund für Schuldgefühle; du wirst nur das eine oder andere anders machen müssen, damit dir ein endgültiger Ausstieg aus dem Kreislauf der Sucht gelingt.

    Wenn du einen Feind besiegen willst, brauchst du eine Strategie, die du ggfs. veränderst, wenn du merkst, dass sie Schwächen hat.

    Eigentlich haben wir gegen den Alkohol leichtes Spiel. Wir wissen es am Anfang nur nicht, weil wir ihn in unserer Vorstellung stärker machen als er ist. Er kann nur eins: Betäuben. Alles andere ist ein Produkt unserer Fantasie.
    Sollten wir also Probleme haben, ist jedes Mittel wirksamer als der Alkohol, wenn es uns darum geht, diese Probleme zu lösen.
    Alkohol ist außer zur Betäubung zu nichts nutze. Das muss in Kopf und Herz ankommen.

    Alles Gute
    Bassmann

    Ich setze da noch einen drauf, Mimose.

    Sich nicht mehr betäuben zu wollen, war für mich mehr als nur eine Entscheidung pro Gefühle.
    Zugegeben, bei den positiven Gefühlen fällt die Erkenntnis leicht, dass es gut ist sie zu spüren. Aber auch alle anderen Gefühle sind wert nicht ausgeblendet zu werden. Auch sie machen uns reicher.
    Das ist zumindest mein Empfinden.

    Schön, dass es dir gut geht.

    Bassmann

    ...manchmal denke ich, dass ich weg aus dem gastronomischen Betrieb muss, um die brenzlige Zeit erstmal ohne alkoholischen Einfluss zu überstehen...

    Einige Meilen zwischen sich und dem Alkohol zu bringen, kann einiges erleichtern.
    Raus aus der Gastronomie wäre also eine Möglichkeit.

    Andererseits kenne ich Menschen, die z:B. aus der Nikotinabhängigkeit ausstiegen und bewusst eine Packung Zigaretten in erreichbarer Nähe deponierten, um sich selbst zu signalisieren, dass sie jederzeit rauchen könnten, das aber nicht wollen.
    Dieser Weg ist also auch möglich.

    Letztendlich musst du für dich herausfinden und entscheiden, welcher Weg für dich der erfolgversprechendere ist. Und wenn es der des Abstands ist, lässt sich für deine Tochter mit Sicherheit eine Lösung finden.
    Eins kann ich dir versprechen: Rückblickend wirst du sagen, dass die zurückgewonnene Freiheit von Sucht jede Anstrengung wert war.

    Alles Gute
    Bassmann

    Hallo Nay,

    du schreibst...


    Die Therapeutin sagte dann Anfang diesen Monats dass sie 4 Wochen nicht da wäre und warum auch immer, trank ich dann wieder normales Bier.


    ...und ich frage mich, warum du dir bisher keine Gedanken über dieses "warum auch immer" in dem von mir zitierten Satz gemacht hast.
    Kann doch spannend sein, eine Antwort zu finden, oder?

    Ansonsten schließe ich mich Land in Sicht an, wenn er schreibt, dass es gut ist zu wissen, was man nicht will und durchklingen lässt, dass es mindestens ebenso wichtig ist zu wissen, was man will. Denn nur wenn man ein positiv besetztes Ziel hat, strengt man sich auch an, dieses Ziel zu erreichen.

    Willkommen im Forum und alles Gute,
    Bassmann.

    Ich halte dein Verhalten nicht für falsch, Corab.

    Wie ich bereits schrieb, trinkt ein Alkoholiker unabhängig vom Verhalten seines familiären Umfelds.
    Wenn man ihn unter Druck setzt, trinkt er aus Frust; lässt man ihn gewähren, trinkt er aufgrund seiner Sucht.
    Nur eins tut er immer: Er trinkt.

    Selbst wenn man Alkoholismus als Krankheit definiert, was ich nicht tue (Für mich ist der Alkoholismus keine andere Abhängigkeit als die Nikotinsucht des Rauchers.), hast du als Gesunder das Recht, dich davor zu schützen, ebenfalls krank zu werden. Das würdest du ja auch tun, wenn deine Schwiegermutter an einer hochansteckenden Krankheit leiden würde. Du würdest dich und deine Kinder in diesem Fall sicherlich nicht der Ansteckung aussetzen, sondern Schutzmaßnahmen ergreifen.

    M.E. lädst du also keine Schuld auf dich, wenn du deinen Kontakt und den deiner Kinder so lange minimierst oder sogar auf Eis legst, bis sich die Situation grundlegend geändert hat.

    Bassmann

    Hallo Corab,

    ich hatte und habe (zum Glück) keinen trinkenden Angehörigen, trank allerdings selbst viele Jahre lang. Insofern weiß ich, dass mich ein Außenstehender weder von Trinken hätte abhalten, noch den Abwärtstrend hätte beschleunigen können.
    Das war allein mein Ding.

    Die folgende Website richtet sich an Angehörige und kann dir vielleicht eine Hilfe sein.
    http://www.a-connect.de/hilfea.php

    Viele Grüße
    Bassmann

    Ich möchte den Faden mal ein paar Zentimeter weiterspinnen...


    Es gilt diesen Dialog bewusst zu machen und möglichst schnell zu durchbrechen.

    Worin besteht jetzt dieses Bewusstmachen?
    Nach meiner ersten Bauchlandung (Rückfall), die ich einem solchen Dialog "verdankte", wurde mir eins klar:
    Zum einen ist ein Dialog völlig unnötig, denn die Entscheidung mit dem Trinken aufzuhören ist bereits gefallen. D.h., die Frage nach dem „Soll ich oder soll ich nicht“ ist beantwortet.
    Zum anderen sind Körper und Psyche auf Entzug und verlangen nach ihrem Suchtmittel. Dabei ist ihnen nicht an einem Dialog gelegen, sondern sie fordern dazu auf, ihnen endlich mal wieder Stoff zuzuführen.

    Und wie kann ich den Dialog -wenn er dann doch wieder einmal angelaufen ist- abrupt beenden, also altbekannte Dialogmuster durchbrechen?
    Das Bewusstmachen bestand bei mir darin, dass ich das Verlangen von Körper und Psyche als stinknormale Reaktion auf den Entzug zur Kenntnis nahm. Das Suchen nach Argumenten, warum mein Körper grundsätzlich und speziell heute keinen Stoff bekommen würde, wäre deshalb ein ausgesprochen müßiges Unterfangen.
    Ich stellte mir das körperlich-seelische Verlangen als Vogelbrut vor, die nach Futter schrie, das sie eigentlich nicht mehr von mir in den Rachen geschoben bekommen brauchte, weil sie bereits flügge war und das Nest verlassen konnte (und sollte) um an Nahrung zu gelangen. Mit der Vorstellung im Kopf, den erbärmlichen Nesthockern durch das Verweigern von Nahrung Beine zu machen, machte mir das Nichttrinken beinahe schon Spaß. Irgendwann würden die Schreihälse kapieren, dass sie von mir nichts mehr bekommen würden und das Feld räumen.

    Diese Vorstellung der Vogelbrut, ließ mich den Entzug aus einer „erwachsenen“ Position heraus erleben. Es ging um Erziehung (Wie das geht, kenne ich aus meinem täglichen Leben, denn ich bin Vater), und Erziehung erfordert neben Liebe eine ordentliche Portion Konsequenz. Jedes Nachgeben -in diesem Fall: Füttern der Brut- kann die Erziehung nur erschweren. Auch Diskussionen sind in diesem Fall nutzlos.

    Bassmann

    Hallo Susanne,

    es fällt mir schwer etwas Hilfreiches zu schreiben, weil du dich selbst so „runter machst“, dass ich allein beim Lesen spüre, wie Verzweiflung in mir aufkommt.

    Du schreibst:
    „Ich schaffe nichts durchzuziehen.
    Ich habs nicht geschafft.
    Ich kann bald nicht mehr.“

    Du schreibst (zum Glück) aber auch: „Ich will weg vom Alk.“

    Das ist gut! Denn da kommt wenigstens ein bisschen Kampfgeist zum Ausdruck.
    Doch wie soll dein Weg vom Alk gelingen, wenn du eine solch negative Meinung von dir hast?

    Ich kann dir nur raten, dir neben unserem Beistand die Hilfe von Profis zu suchen, die dir nicht -wie wir- nur virtuell zu Verfügung stehen.
    Eine erste Anlaufstelle kann die von Greenfox angesprochene Suchthilfe sein.

    Mach dich auf den Weg…

    Bassmann

    Hallo Wolfsfrau,


    Stichwort: "Nebelgranaten" der Sucht
    Verstehe ich das richtig, dass damit verzerrte Wahrnehmung, verdrehtes Denken und Fühlen, und in der Folge eben sucht-erhaltendes Verhalten gemeint ist? (So dass die Sucht, egal ob Stoff oder Angehöriger, weiterhin ungehindert greifen kann?)

    So habe ich das erlebt.
    Während ich rauchte und trank, machte ich mir zwar Gedanken über die negativen gesundheitlichen Auswirkungen des Suchtmittelkonsums. Grundsätzlich war ich aber der Meinung, dass mir das Rauchen und Trinken etwas gab. (Ich konnte mir das auch auf der Stelle beweisen. Dazu musste ich nur für eine kurze Zeit mit dem Rauchen und/oder Trinken aufhören; und schon spürte ich, dass etwas fehlte.) Insofern stellte sich mir lange Zeit auch gar nicht die Frage, wie ich es schaffen könnte, mit dem Rauchen und Trinken Schluss zu machen, sondern meine Gedanken kreisten ausschließlich darum, wie ich es hinkriegen konnte, die Menge der geliebten Suchtmittel so weit zu reduzieren, dass sie mir nach wie vor das gaben, was ich haben wollte und zu brauchen meinte, ohne mir gesundheitlich allzu sehr zu schaden.

    Heute sehe ich die Welt mit völlig anderen Augen. Ich sehe, dass die Welt nicht deswegen schön ist, weil ich ihre Schönheit herbeirauche oder herbeitrinke, sondern weil sie von sich aus so ist oder weil ich mich so verhalte, dass sie für mich schön sein kann. Ich bin jetzt nicht mehr davon abhängig, dass mir ein bestimmter Stoff zur Verfügung steht, damit ich mich wohlfühlen kann. Stattdessen kann und muss ich mein Leben selbst so gestalten, dass es mir in ihm gefällt.

    Die wohl größte Nebelgranate der Sucht bestand für mich in der Vorstellung, dass mir meine Suchtmittel etwas Positives gaben. Dabei war ich nur vor lauter Nebel blind. Ich sah vielleicht einen Meter weit. Und in dieser beschränkten Distanz gab es ausschließlich die von der Sucht gebaute Kulisse zu sehen.

    Viele Grüße vom
    Bassmann

    Ich würde diese Zungen gar nicht als böse bezeichnen, Franz.
    Als ich mit dem Trinken aufhörte, ging ich die Sache nicht viel anders als den Rauchstopp an. Und ich machte auch im Wesentlichen dieselben Erfahrungen.
    Deshalb würde ich salopp sagen: Kennst du eine Sucht, kennst du alle. (Und kennst du ein Carr-Buch, kannst du die anderen selber schreiben.)

    Bassmann


    Ich glaube, dass dieses Buch noch nicht geschrieben wurde. Denn wenn man diesen Grund kennen würde, gäbe es vermutlich keine Süchtigen mehr ... nur noch Missbräuchler nixweiss0

    Ich kenne ein Buch/eine Publikation (siehe http://www.kontrolliertes-trinken.de/kontrolliertes…erminismus.aspx), aber die dort veröffentlichte Erklärung dürfte vielen Leuten nicht gefallen, da sie die Schwarz-weiß-Sichtweise verlässt und die Welt nicht mehr in Alkoholiker (Kontrollverlust) und Nichtalkoholiker/Missbräuchler (kein Kontrollverlust) aufteilt, sondern in Menschen, die in Bezug auf Alkohol eine mehr oder minder große Kontrollaufgabe aufweisen.

    Wenn man sich dieser Sichtweise anschließt, hat man es selbst in der Hand, ob man an den Punkt kommt, an dem man die Kontrolle so weit aufgibt, dass man von einem Kontrollverlust sprechen kann. Wenn man sich dieser Sichtweise anschließt, ist man nicht mehr das arme Würstchen, das sich die Krankheit Alkoholismus eingefangen hat, indem es den Point of no Return überschritt, sondern ein nach wie vor handlungsfähiges Wesen, das etwas gegen die Kontrollaufgabe unternehmen kann.

    Exakt das habe ich bei mir erlebt. Ich ging lange Zeit davon aus, dass ich nichts gegen meine Sucht machen kann (Außer dem bekannten „Brimborium“ bestehend aus Entzug, LZT und SHG, was mir entsetzliche Angst einjagte, denn dann hätte ich vor mir selbst bekennen müssen, dass ich zu den „Loosern“ gehöre). Als sich diese Annahme des Nichts-Machen-Könnens Dank Allen Carr änderte, war es mir möglich, aus dem Kreislauf der Sucht auszusteigen. Und zwar allein durch das Vertrauen auf meine eigene Kraft.

    Das, was ich früher als Kontrollverlust erlebte, gibt es für mich heute nicht mehr.

    Bassmann

    Ich bin zwar ebenso wie du, LiS, davon überzeugt, dass nichts von vornherein verloren ist, wenn der innere Dialog „soll ich - soll ich nicht“ im Gehirn seine Runden zu drehen beginnt. Ich vermute aber, dass solche Dialoge den Ausstieg erschweren (können).

    Ich habe diesen Dialog beim Saufstopp nie führen müssen, da ich bereits beim Rauchstopp das Wissen erwarb, dass die Macht der Drogen auf „Gehirnwäsche“ beruht. Insofern reduzierte sich bei mir alles auf die Frage, wie lange ich mit den Entzugserscheinungen leben kann.
    Und da es mit denen schnell vorbei war, trat ebenso schnell Ruhe ein.

    Beim ersten Rauchstoppversuch dagegen begann ich irgendwann damit, den von dir angesprochenen Dialog zu führen. Rückblickend stelle ich fest, dass er viel Kraft gekostet hat, weil er letztendlich dazu führte, dass ich Tag für Tag oder sogar in kürzeren Abständen immer wieder über dieselbe Sache entscheiden musste, nämlich ob ich rauche oder nicht, also -um es in der Sprache der AA auszudrücken- ob ich das erste „Glas“ stehen lasse oder nicht.

    Beim zweiten Rauchstopp hatte ich bereits das Wissen, dass ein Leben „ohne“ besser ist. Und so stellte sich nur noch die Frage, wie lange ich die Entzugserscheinungen aushalten kann.
    Ich fand es entlastend, keine Entscheidungen mehr treffen zu müssen, sondern einfach abwarten zu dürfen, was der nächste Tag so bringt.

    Dass ich beim Ausstieg aus der Alkoholabhängigkeit ein so leichtes Spiel hatte, führe ich deshalb darauf zurück, dass ich innere Dialoge weder führen musste, noch führen wollte, sondern einfach darauf vertraute, dass sich alles zum Besseren verändern wird.
    Und dieses Vertrauen wurde nicht enttäuscht.

    Bassmann

    Ja, Pinguin, wenn man Carr liest, könnte man meinen, es geht auch ohne Verzichtsgefühl. Das Problem ist, dass man die absolute Sinnlosigkeit des Rauchens und Trinkens fühlen muss. Ich brauchte dazu die Erfahrung eines Rückfalls.
    Diese Erfahrung war dann allerdings so prägend, dass sie neben dem Rauch- auch für den Saufstopp reichte.
    Herbeischreiben läßt sich das Gefühl wahrscheinlich nicht.

    Gruß
    Bassmann

    Ich stimme Gerd zu. Wenn ich ein Ziel habe, das viele Andere bereits erreicht haben, ist es sinnvoll. sich an der Strategie der Erfolgreichen zu orientieren. Habe ich ein anderes Ziel, muss ich mir selbst eine Strategie basteln.
    M.E.gibt es nicht nur Pinguins A und B, sondern auch C. Und C war für mich der Versuch, etwas gegen den inneren Zwang zu unternehmen, rauchen und trinken zu müssen.
    Da ich C erreichte, waren für mich A und B nicht mehr wichtig.
    Jeder, der am Anfang des Suchtausstiegs steht, sollte sich darüber klar werden, hinter welchem Ziel er steht. Nach der Entscheidung ist nur noch Sturheit gefragt. Warum jetzt wieder einen Schritt zurück machen und über alternative Ziele nachdenken?

    Bassmann

    Guten Morgen Greenfox,

    ich habe nie gesagt oder geschrieben, dass man Sucht nur akzeptieren muss, um sie hokus-pokus-fidibus auf Nimmerwiedersehen verschwinden zu lassen. Mein Erleben ist, dass Sucht aus einer Vorstellung gegenüber und einer Erfahrung mit dem Suchtmittel resultiert, die mit der Realität nicht das Geringste zu tun hat. Hier geht es um biochemische Prozesse, die durch das Suchtmittel ausgelöst werden und die der Körper selbst erledigen könnte und kann, wenn man ihn denn lassen würde. Hier geht es auch darum, sich nicht ein Tschakka-Gefühl zu jedem beliebigen Zeitpunkt herbeizutrinken oder herbeizurauchen, sondern zu akzeptieren, dass nicht jeder Tag ein Festtag ist.

    Ich habe auch nie gesagt oder geschrieben, dass ich mich nur an Menschen wende, die ganz am Anfang oder kurz vor der Sucht stehen. Ich wende mich an Menschen, die wie ich den Wunsch nach Heilung haben, denen es nicht reicht, einfach nur das erste Glas stehen zu lassen und zu hoffen, dass die Sucht nicht irgendwann wieder zuschlägt und sie erneut machtlos in einen Sog nach unten geraten lässt. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich mein süchtiges Verhalten beenden kann, wenn ich die in meinem Kopf befindende Vorstellung vom Positiven des Suchtmittels auflöse.

    Und noch etwas, Greenfox. Ich würde wahrscheinlich genau dasselbe schreiben wie du, wenn ich nicht über Allen Carr von meiner Sucht abkommen wäre, sondern zur Entgiftung in ein Krankenhaus und anschließend in eine Langzeittherapie gegangen wäre. Dort hätte ich von Experten erfahren, wie Sucht funktioniert, dass ich lebenslang krank bin und dass ich nie wieder einen Tropfen Alkohol trinken darf. Und ich wäre davon ausgegangen, dass alles genau so ist, wie mir die Suchttherapeuten dort verklickerten. Denn dass ich nicht kontrolliert trinken kann, hatte ich ja in den Jahren davor zu Genüge erfahren.
    Und dass alles wirklich so ist, würde ich in meiner SHG von Menschen bestätigt bekommen, die einen ähnlichen Suchtausstieg wie ich durchlaufen haben.

    Ich war aber in keiner Therapie und keiner SHG. Deshalb darf ich mich völlig frei mit meiner Sucht auseinandersetzen und in den heutigen Zeiten, in denen uns Dinge wie das Internet zur Verfügung stehen, sogar darüber schreiben (und manchmal auch virtuelle Prügel beziehen).

    Gruß
    Bassmann


    ... dieses hier ist der Thread von GREENFOX ... !!!

    Ich bitte Euch darum, diese "Diskussion" (Statementabgabe) wieder da zu führen, wo sie hingehört ...


    Das tun wir doch. Schließlich hat Greenfox dieses Thema am 29. Januar in genau diesem Thread eröffnet.

    Und nun zum Thema:
    Ich erhebe keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit, Keppler. So vermessen bin ich nicht. Aber ich verschaffe mir immer wieder Gehör, denn die Welt der Abhängigen besteht nicht nur aus denjenigen, die bereits ganz unten angekommen sind, sondern aus einer großen Anzahl von Menschen, die sich noch in der Abwärtsspirale befinden. Die Chance, dass sie erst ganz unten ankommen müssen, bevor sie bereit sind, sich von denen helfen zu lassen, die nicht ganz unschuldig an ihrem späten Suchtausstieg sind, ist groß.
    Aber unten angekommen sind endlich alle Trinker „richtige“ Alkoholiker, die aus tiefstem Herzen bekennen können: Ich kann nicht mehr. Ich brauche Hilfe und ich nehme diese Hilfe zu euren Bedingungen an, weil nichts anderes mehr geht.

    Die Welt ist erst dort unten bei den „richtigen“ Alkoholikern wirklich schwarz. Ich begann diese Schwärze bereits zu ahnen, als ich in der letzten Zeit vor meinem Ausstieg immer häufiger bereits morgens trank. Aber ich musste sie nicht erleben, weil ich das Glück hatte, mit anderen als den „klassischen“ Ideen zum Suchtausstieg in Berührung zu kommen.
    Diese Ideen sind sicherlich nicht allgemeingültig. Aber sie scheinen zu funktionieren und schaffen es vielleicht, den einen oder anderen Trinker davon abzuhalten, sich zu einem „richtigen“ Alkoholiker zu entwickeln.
    Und das wäre doch -Allgemeingültigkeit hin oder her- eine gute Sache, oder?

    Bassmann

    Ja, vielleicht scheitern sie, Gerchla. Möglich ist das durchaus.
    Und daran ist dann ein solcher Mensch wie Bassmann nicht ganz unschuldig. Warum setzt der den Alkoholikern auch solche Flausen in den Kopf. (Könnte man unterschwellig aus deinen Zeilen herauslesen.)
    Unverantwortlich?

    Meine Antwort: Vielleicht rutschen durch seine Worte manche Menschen erst gar nicht so weit ab, dass sie "richtige" Alkoholiker werden. Er selbst hat nämlich viele Jahre seines Lebens damit vergeudet, sich immer wieder zu beweisen, dass er kein Alkoholiker ist, weil er durch Menschen, die so wunderbar betonen können, dass Alkoholiker nie wieder einen Tropfen Alkohol trinken dürfen, dass sie Medikamente usw. nur dann zu sich nehmen dürfen, wenn sie keinen Alkohol enthalten usw. usf., immer wieder davon abgeschreckt wurde, endlich etwas gegen das fortschreitende Abgleiten in die Sucht zu unternehmen. Stattdessen hat er versucht kontrolliert zu trinken.
    Aber wie soll man sich kontrolliert berauschen? Deshalb waren auch Bassmanns Versuche des kontrollierten Trinkens zum Scheitern verurteilt.

    Vielleicht ist es irgendwann tatsächlich zu spät, etwas anderes zu tun, als seine Sucht als unheilbare Krankheit zu begreifen, weil man ein "richtiger" Alkoholiker geworden ist.
    Es stellt sich nur die Frage, ob es so weit kommen muss.
    So wie ich das sehe, hat mich nicht die Suchthilfe mit ihrer These der unheilbaren Krankheit davor bewahrt, dass es so weit kam, sondern Allen Carr -und pikanterweise noch nicht einmal sein Säufer-, sondern sein Raucherbuch. Dort lernte ich theoretisch, dass real nichts Tolles am Suchtmittel ist, sondern dass sein "Erfolg" auf einer Art Gehirnwäsche basiert.
    Das erfuhr ich dann später auch.

    So bleibt mir die Hoffnung, dass ich den einen oder anderen "unrichtigen" Alkoholiker motivieren kann, rechtzeitig abzuspringen. Um die "richtigen" Alkoholiker, also diejenigen, die sich lange genug dagegen gewehrt haben, sich als Alkoholiker zu sehen, könnt ihr euch dann ja kümmern.

    Gruß
    Bassmann

    Hallo Greenfox,

    mir geht es eigentlich weniger ums Geißeln oder darum, dass ich ein konsequentes Nein zum Alkohol nicht gutheißen könnte (Kann ich nämlich!), sondern um dieses „Ich konnte noch nie… und kann deshalb für immer und ewig nie…“.

    Nicht mit Alkohol umgehen zu können ist m.E. keine lebenslange Unfähigkeit, sondern ein veränderbares Verhalten. Ich bin aufgrund meiner Ausstiegserfahrung der Meinung, dass jeder mit Alkohol umgehen kann, sofern er es schafft, sein Suchtverhalten abzustellen. Das erreicht er jedoch nicht dadurch, dass er den Alkohol meidet wie der Teufel das Weihwasser, sondern indem er begreift, dass der menschliche Körper für alle positiven und negativen Ereignisse des Lebens optimal gerüstet ist, dieses Optimum aber nur dann geben kann, wenn nicht mit Rauschmitteln in die körperlichen Prozesse eingegriffen wird.
    Oder negativ ausgedrückt: Ich schwäche mich, wenn ich mich -egal von was auch immer- abhängig mache. (Und solange ich mich nicht konsequent von allen Abhängigkeiten befreie, sondern die eine oder andere toleriere oder sogar gutheiße, bin ich stets gefährdet. Das hat dann aber nicht in erster Linie etwas mit den Suchtmitteln zu tun oder meiner Unfähigkeit, mit ihnen umzugehen, sondern mit meiner Einstellung.)

    Mir rollen sich zwar nicht die Fußnägel hoch, wenn jemand viele Jahre nach dem Ausstieg -wie du das hin und wieder machst- noch immer nicht mit Sicherheit von sich sagen kann, dass er den Alkohol nie mehr missbrauchen wird. Ich frage mich aber, was da bei dir und den vielen anderen Alkoholikern, die das ebenfalls nicht ausschließen können, falsch gelaufen ist.
    Ich gehe auch nicht an die Decke, wenn ich die als Wahrheit verkaufte Behauptung lese, dass Sucht für immer und ewig bleibt.

    Aber bei solchen Äußerungen balle auch ich schon mal die Faust in der Tasche.

    Gruß
    Bassmann