Ich kann alles was Du hier so schreibst wunderbar nachvollziehen. Vielleicht mal der Reihe nach:
Definition, wann bin ich Alkoholiker, wann nicht: Du hast natürlich Recht, dass es nix bringt, wenn Du am Wochende Dir dann das Hirn wegsäufst, nur weil Du unter der Woche nix getrunken hast. Es gibt ja unterschiedliche Arten von Alkoholikern, also die Spiegeltrinker, die halt täglich ihren Level brauchen, aber auch die Quartalssäufer, die monatelang nichts trinken können und dann eine Woche komplett abstürzen.... Auch die Kategorie "Kontrollverlusttrinker".... Und man kann da auch nicht sagen, die eine Variante wäre besser oder einfacher zu therapieren als die andere. So wie Du Dich beschreibst, fällst Du aber nicht in die Kategorie der Quartalssäufer, eher regelmäßiger Problem/Entspannungstrinker/in.
Deshalb glaube ich, dass Du diesen kleinen Selbsttest sicher recht gut machen könntest. Wobei ich, und das meine ich wirklich erst, eigentlich lieber den Weg zum Arzt und einen ärztlich begleiteten Entzug empfehlen würde. Denn ein möglicher kalter Entzug (Du weißt ja nicht genau wo Du stehst) kann auch mal übel ausgehen. Schlimmstenfalls mit Delir und Tod. Wobei ich wirklich nichts dramatisieren will, aber das ist nun mal Fakt.
Die Situation mit Deinem Partner, tja, das ist auch nicht so selten. Ich weiß, das macht es nicht einfacher. Gibt es nicht die Option, dass ihr das beide gemeinsam angeht? Wenn nicht, musst Du wissen was DU willst. Du bist für DEIN Leben verantwortlich. Dein Partner für seins. Vielleicht denkst Du Dir jetzt: Na, der hat ja leicht reden. Is aber nicht so: Ich habe meine Familie bzw. meine Frau verlassen weil ich wusste, dass ich es sonst nicht schaffe mit dem Saufen aufzuhören. Das hört sich jetzt vielleicht etwas verwirrend an, wäre jetzt hier aber eine zu lange Geschichte ums sie in ein paar Sätzen zu erklären. Unterm Strich kann ich aber sagen: Hätte ich nicht mein Leben komplett verändert, wäre ich die klassische Alkoholiker-Leiter nach unten gestiegen. GANZ sicher. Davon hätten dann auch meine Frau und meine Kinder nichts gehabt, und ich natürlich auch nicht. Jetzt haben wir ein gutes (getrenntes) Verhältnis, besser als in den letzen Saufjahren.
Was ich damit sagen will: diese Krankheit ist leider so heimtückisch, so mieß, dass sie oft/meist/fast immer nicht nur mit Willenskraft zu besiegen ist. Nicht saufen wollte ich viele Jahre. Bis auf ein paar Tage am Stück, habe ich es nie geschafft. Am Schluss war es schon ein Erfolg, wenn ich mal "nur" 6 oder 8 Bier an einen Tag hatte...
Es kann also sein, dass Du, falls Du Alkoholikerin bist, wirklich Dein ganzes Leben inkl. Umfeld umstellen musst um trocken zu werden und zu bleiben. Aber um das alles zu entscheiden, solltest Du erst mal wissen, wo Du eigentlich stehst.
Und dann halt auch wirklich professionelle Hilfe suchen. Du bist ja nicht allein auf dieser Welt. Ich habe es auch nicht alleine geschafft obwohl ich jetzt keine LZT hatte, aber sehr wohl psychologische Hilfe.
Ach und noch was: Sich selbst hassen ist ganz schlecht! Und das brauchst du auch nicht. Schließlich bist Du jetzt ja hier, du hast ein Problem erkannt, Du willst etwas tun! Vergiss nicht, dass Alkoholismus eine KRANKHEIT ist. Muss man sich für eine Krankheit hassen oder schämen? Nö, aber man sollte etwas dagegen tun. Noch eine kleine Geschichte: Eine trockene Alkoholikerin hat mal geschrieben, dass sie eine Freundin in den Tod begleitet hat. Diese Freudin war nicht Alkohlkrank, sie hatte Krebs. Man konnte nichts mehr dagegen tun, er war zu weit fortgeschritten. Sie hatte keine Chance mehr, auch wenn sie noch so dafür gekämpft hätte. Sie hat geschrieben, dass sie dankbar dafür ist, dass sie alkohlkrank ist, noch keine Folgeschäden hat und dass sie die Chance hat, ihre Krankheit SELBST zu besiegen. Diese Chance hatte ihre Freundin nicht....
Ich habe mir das zu Herzen genommen.
LG
gerchla