Beiträge von Gerchla

    Hallo Morgenrot,

    die Schilderung von Deinem Rückfall hat mich ziemlich bewegt. Es werden nun bald zwei Jahre, die ich trocken bin, wobei ich gar nicht zu denen gehöre, die Tage, Wochen oder Monate zählen. Ich habe immer das Gefühl, dass es mir im Vergleich zu vielen anderen ziemlich leicht gefallen ist, meine Abstinenz zu halten. Sie zu erreichen ist ein bzw. war ein anderes Thema, da habe ich alle Phasen erfolglos durchgemacht (kontrolliertes Trinken etc.). Aber als es dann "Klick" gemacht hat, wusste ich, dass ich nie mehr trinken will. So weit so sehr gut.

    Aber seit dem habe ich immer die Angst vor einem Rückfall im Kopf, mal mehr, mal weniger. Ich weiß nicht genau, wie ich damit umgehen soll - Ich versuche es als positiv zu bewerten, weil ich mir denke, dass es mich achtsam macht.... Was mich bei Dir besonders bewegt hat, war die Tatsache, dass Du ja gar keinen Saufdruck gespürt hast. Dagagen könnte man ja kämpfen und hoffentlich den Kampf auch gewinnen. Du hast ja quasi aus einer Laune heraus, aus einer positiven Stimmung heraus, wieder getrunken... Da ich nie Saufdruck verspüre oder verspürt habe, macht mich das noch extrem nachdenklicher. Ich bin Dir sehr dankbar, dass Du das hier auch so offen geschrieben hast. Ich glaube, das bringt mich auf meinem Weg wieder ein Stück weiter und ich werde das auch mal mit anderen diskutieren.

    Dir wünsche ich ganz fest, dass Du diesen Ausrutscher auch als solchen annimmst und an Dein Jahr Trockenheit einfach noch ganz viele anhängst. Ich denke Bassmann hat recht, wenn er sagt, Du solltest mal hinterfragen wie es dazu kommen konnte. Das hilft Dir dann sicher, künftig solche Situation zu umgehen. Ich glaube Du bist auf jeden Fall stark genug, Deinen Weg weiter zu gehen und Dich nicht unterkriegen zu lassen. Wäre ja noch schöner ;)

    LG
    gerchla

    Hallo Leo,

    willkommen hier im Forum. Gut, dass Du zu uns gefunden hast! Jetzt haben Dir praktisch die ganzen Vorposter schon zu verstehen gegeben, dass sie der Meinung sind, Du hättest ein Alkoholproblem. Auch aus meiner Sicht hast bist Du Alkoholiker. Ich bin kein Arzt und habe keine Ahnung, wie es zur Diagnose "nur Mißbrauch" gekommen ist. Sowas ist ja immer ein wunderbarer Freischein zum weitersaufen... Alles was Du hier so beschreibst passt wunderbar zu einem Alkoholiker. Ich kann das so selbstverständlich sagen, weil ich bin ja selbst einer :-\

    Was Deine Panik damit zu tun hat, kann ich nicht beurteilen. Aber so eine Sucht beeinflusst die Psyche enorm. Nur so viel von mir: Ich hatte immer megaschmerzen im Brustkorb, so dass ich dachte ich hätte einen Infarkt. Immer wieder. War aber nix.... Nachdem ich aufgehört habe mit dem Saufen war das weg. Medizincheck: alles bestens. Mittlerweile bin ich Langstreckenläufer, die Pumpe funktioniert bestens... 8)

    Ich rate Dir dringend etwas gegen Deinen Alkoholkonsum zu unternehmen. Ich könnte mir vorstellen, dass sich dann das mit der Panik auch erledigt oder zumindest bessert. Wenn Du so weiter trinkst, wird Dir wahrscheinlich die übliche "Karriere" bevor stehen. Da geht der Weg noch lange ganz steil bergab. Deshalb denke bitte mal darüber nach, ob Du nicht ein neues, sauffreies Leben angehen willst. Hilfe gibt es an verschiedenen Stellen, z. B. (Haus-)Arzt, Suchtberatung, Selbsthilfegruppen usw. Es lohnt sich trocken zu leben, soviel kann ich Dir sagen...

    Wünsch Dir alles Gute

    LG gerchla

    Guten Morgen mittäter,

    also, da hat der Greenfox schon vollkommen echt recht. Es geht auch ganz bestimmt nicht um Panikmache. Schließlich wollen wir hier helfen und nicht Angst machen!

    Alkoholsucht und Entzug mit der Trinkmenge zu verbinden ist auch keine gute Idee. Du wirst auch immer einen finden, der auf jeden Fall mehr als Du trinkt oder getrunken hat. Was ich damit sagen will: Es kommt nicht auf die Menge an, ob man Alkohliker ist oder nicht sondern es hängt davon ab, ob Du eben abhängig bist oder nicht. Klar, umso mehr Du trinkst, umso wahrscheinlicher ist die Abhängigkeit. Muss aber nicht.... D. h. also, Du kannst auch mit zwei Bier am Tag akloholkrank sein. Nämlich dann, wenn Du auf diese zwei Bier nicht dauerhaft verzichten kannst. Eigentlich ganz einfach und doch kompliziert. Mit den von Dir beschriebenen 6 Bier (und ich gehe mal davon aus, dass durchaus auch problemlos mal noch ein paar mehr gehen) führst Du Dir schon regelmäßig eine gehörige Menge Alkohol zu. Jetzt stellt sich die Frage, wie Dein Körper reagiert, wenn er das nicht mehr bekommt... Kann sein, dass nix passiert oder dass Du nur bisl schwitzt oder unruhig bist oder oder oder. Es kann auch sein, dass Du 10 x ganz easy entziehen kannst und beim 11. mal gehts schief. Du siehst, es wäre wirklich besser, Du hättest einen Arzt an der Seite. Wenn nix ist, dann ist ja auch gut. Aber, natürlich ist das Deine Entscheidung.

    Ansonsten kann ich mich Greenfox nur anschließen. Probier mal ob Du 4 Wochen ohne auskommst und, was ich ganz wichtig finde, achte darauf, wie es Dir dabei geht. Ob sich Deine Gedanken um den Alkohl drehen. Das war bei mir, bei meinen Versuchen zu reduzieren oder aufzuhören, extrem der Fall. Es ging zwar (anfangs) immer mal ein paar Tage, aber ich hab an fast nix anderes als an Alk gedacht...

    Neben der körperlichen Abhängigkeit gibt es ja eben auch noch die psyschische. Die körperliche ist nach relativ kurzer Zeit vorbei, die psychische bleibt.... Sie sorgt für die Rückfälle...

    Ich freue mich, wieder von Dir zu lesen.

    LG
    gerchla

    Ich kann alles was Du hier so schreibst wunderbar nachvollziehen. Vielleicht mal der Reihe nach:

    Definition, wann bin ich Alkoholiker, wann nicht: Du hast natürlich Recht, dass es nix bringt, wenn Du am Wochende Dir dann das Hirn wegsäufst, nur weil Du unter der Woche nix getrunken hast. Es gibt ja unterschiedliche Arten von Alkoholikern, also die Spiegeltrinker, die halt täglich ihren Level brauchen, aber auch die Quartalssäufer, die monatelang nichts trinken können und dann eine Woche komplett abstürzen.... Auch die Kategorie "Kontrollverlusttrinker".... Und man kann da auch nicht sagen, die eine Variante wäre besser oder einfacher zu therapieren als die andere. So wie Du Dich beschreibst, fällst Du aber nicht in die Kategorie der Quartalssäufer, eher regelmäßiger Problem/Entspannungstrinker/in.

    Deshalb glaube ich, dass Du diesen kleinen Selbsttest sicher recht gut machen könntest. Wobei ich, und das meine ich wirklich erst, eigentlich lieber den Weg zum Arzt und einen ärztlich begleiteten Entzug empfehlen würde. Denn ein möglicher kalter Entzug (Du weißt ja nicht genau wo Du stehst) kann auch mal übel ausgehen. Schlimmstenfalls mit Delir und Tod. Wobei ich wirklich nichts dramatisieren will, aber das ist nun mal Fakt.

    Die Situation mit Deinem Partner, tja, das ist auch nicht so selten. Ich weiß, das macht es nicht einfacher. Gibt es nicht die Option, dass ihr das beide gemeinsam angeht? Wenn nicht, musst Du wissen was DU willst. Du bist für DEIN Leben verantwortlich. Dein Partner für seins. Vielleicht denkst Du Dir jetzt: Na, der hat ja leicht reden. Is aber nicht so: Ich habe meine Familie bzw. meine Frau verlassen weil ich wusste, dass ich es sonst nicht schaffe mit dem Saufen aufzuhören. Das hört sich jetzt vielleicht etwas verwirrend an, wäre jetzt hier aber eine zu lange Geschichte ums sie in ein paar Sätzen zu erklären. Unterm Strich kann ich aber sagen: Hätte ich nicht mein Leben komplett verändert, wäre ich die klassische Alkoholiker-Leiter nach unten gestiegen. GANZ sicher. Davon hätten dann auch meine Frau und meine Kinder nichts gehabt, und ich natürlich auch nicht. Jetzt haben wir ein gutes (getrenntes) Verhältnis, besser als in den letzen Saufjahren.

    Was ich damit sagen will: diese Krankheit ist leider so heimtückisch, so mieß, dass sie oft/meist/fast immer nicht nur mit Willenskraft zu besiegen ist. Nicht saufen wollte ich viele Jahre. Bis auf ein paar Tage am Stück, habe ich es nie geschafft. Am Schluss war es schon ein Erfolg, wenn ich mal "nur" 6 oder 8 Bier an einen Tag hatte...
    Es kann also sein, dass Du, falls Du Alkoholikerin bist, wirklich Dein ganzes Leben inkl. Umfeld umstellen musst um trocken zu werden und zu bleiben. Aber um das alles zu entscheiden, solltest Du erst mal wissen, wo Du eigentlich stehst.

    Und dann halt auch wirklich professionelle Hilfe suchen. Du bist ja nicht allein auf dieser Welt. Ich habe es auch nicht alleine geschafft obwohl ich jetzt keine LZT hatte, aber sehr wohl psychologische Hilfe.

    Ach und noch was: Sich selbst hassen ist ganz schlecht! Und das brauchst du auch nicht. Schließlich bist Du jetzt ja hier, du hast ein Problem erkannt, Du willst etwas tun! Vergiss nicht, dass Alkoholismus eine KRANKHEIT ist. Muss man sich für eine Krankheit hassen oder schämen? Nö, aber man sollte etwas dagegen tun. Noch eine kleine Geschichte: Eine trockene Alkoholikerin hat mal geschrieben, dass sie eine Freundin in den Tod begleitet hat. Diese Freudin war nicht Alkohlkrank, sie hatte Krebs. Man konnte nichts mehr dagegen tun, er war zu weit fortgeschritten. Sie hatte keine Chance mehr, auch wenn sie noch so dafür gekämpft hätte. Sie hat geschrieben, dass sie dankbar dafür ist, dass sie alkohlkrank ist, noch keine Folgeschäden hat und dass sie die Chance hat, ihre Krankheit SELBST zu besiegen. Diese Chance hatte ihre Freundin nicht....

    Ich habe mir das zu Herzen genommen.

    LG
    gerchla

    Hallo mittäter,

    das, was Bassmann bei sich beschreibt, motiviert mich jetzt, dazu noch meine Meinung kund zu tun. Ich will eigentlich keine Diskussion aufmachen, ob kontrolliertes Trinken möglich ist oder nicht. Bassmann, und das glaube ich ihm selbstverständlich uneingeschränkt, kann kontrolliert trinken, oder sagen wir mal: Er genießt Alkohol zu besonderen Anlässen und nimmt nicht mehr als die bisher als medizinisch unbedenklich definierten Mengen zu sich. Was mengenmäßig echt nicht viel ist. Er verhält sich hier also so, wie es eigentlich "normal" ist oder wie es sein sollte.

    Ich glaube (meine persönliche Meinung), dass ein Alkoholiker nicht mehr kontrolliert trinken kann. Zumindest nicht auf Dauer. Die Gretchenfrage ist bei dieser ganzen Diskussion deshalb für mich: Bist Du nun (schon) Alkoholiker oder nicht? Ich BIN Alkohliker, Versuche kontrolliert zu trinken sind IMMER fehlgeschlagen, deshalb blieb mir nur die Option gar nichts mehr zu trinken. Jetzt, nach fast 2 Jahren Trockenheit, kann ich nur sagen: Ich vermisse NICHTS., gar nichts! Das habe ich mir am Anfang nicht vorstellen können. Ich WILL gar nicht mehr kontrolliert trinken, wozu denn auch bitte? DENN: Ich habe Alkohol ja nur getrunken wegen der Wirkung, nicht weil's mir so gut geschmeckt hat. Natürlich hat Bassmann recht, das erste Glas schmeckt vielleicht noch, aber dann geht's ja weiter....
    Ich möchte sagen, dass ich diese Diskussion über kontrolliertes Trinken für (noch nicht ganz gefestigte) trockene Alkoholiker für gefährlich halte. Denn man kann schnell der Meinung sein: Naja, vielleicht probier ich's halt mal.... Allerdings, wenn Du noch säufst, dann passiert ja erst mal nicht viel, wenn Du es probierst. Also probier es doch mal aus. 0,5 - 0,75 Liter Bier am Tag oder 0,2 - 0,25 Liter Wein (ein Gläßchen). Und das war's dann! Und das vielleicht auch nur ein- bis zweimal die Woche. Du wirst schnell merken, wohin Deine Reise gehen wird.

    Ich wünsche Dir auf jeden Fall alles Gute.

    VG
    gerchla

    Hallo Greenfox,

    da hast Du vollkommen recht. Es ist verdammt gut und wichtig, dass es Menschen wie Eva gibt. Wie wir ja wissen, ist der Umgang mit uns (im nassen Zustand) alles andere als lustig :-\ So dass man eigentlich (sogar absolut verständlich) sagen könnte: Das tu ich mir nicht an.... Und es ist ja auch nicht so, dass Erfolgserlebnisse überwiegen würden, leider. Deshalb habe ich allergrößten Respekt vor den Evas dieser Welt.

    Viele Grüße
    Gerchla

    Hallo Eva,

    also, ich bin neu hier, das ist mein erster Post überhaupt. Ich bin seit ca. 1,5 Jahren trocken und beschäftige mich immer mehr mit dem Thema Alkohol. Ich konnte das anfangs gar nicht so, da war ich wohl auch noch zu viel mit mir selbst beschäftigt, aber das ist ein anderes Thema. Ich finde es sehr gut, dass Du Dich auf diese Weise informierst und dass Du so motiviert bist und Hilfe leisten willst. Ich kann Dir aus meiner Erfahrung folgendes sagen: Ich glaube Alkohlismus oder die Alkoholabhängigkeit ist wie ein Fingerabdruck. Eigentlich schauen die alle gleich aus. Es gibt unterschiedliche Finger, deshalb grundsätzlich auch unterschiedliche Fingerabdrücke (Daumen, Zeigefinger usw.). Wie bei Alk-Abhänigen, die Du grundsätzlich auch in unterschiedliche Typen einordnen kannst (Spiegeltrinker, Quartalsäufer uws.). Aber wenn Du dann genau hin schaust, ist doch kein Fingerabdruck wie der andere. Und kein Alkoholiker ist wie der andere. Und das betrifft alle Bereiche, also wie sie abhängig wurden, wie die Sucht verlaufen ist und auch, wie sie es geschafft haben, trocken zu werden und trocken zu bleiben. Oft gleichen sich die Wege, die wir Alkohliker gegangen sind, die Situation, die wir erlebt haben, die Abstürze, die Hoffnung usw. Aber im Detail, ist es doch bei jedem immer irgendwie anders.

    Deswegen glaube ich, dass man Deine Frage nicht beantworten kann. Jeder bräuchte doch irgendwie etwas anderes. Letztlich aber hilft dem Abhängigen zum Ausstieg erst mal nur es unbedingt SELBST zu wollen. Von außen ist da meiner Meinung nach nichts zu machen. Wenn er es dann SELBST will, dann kann von außen unterstützt werden, dann ist die Unterstützung sogar wichtig. Aber vorher....

    Ich wünsche Dir auf jeden Fall, dass Du viele gute Erkenntnisse gewinnst und so motiviert bleibst. Ich glaube, dann kannst Du wirklich was bewirken. Alles Gute und
    liebe Grüße
    Gerchla 44.