Beiträge von Gerchla

    Ja, Franz, das ist echt übel! Ich versuche ja immer tolerant zu sein und mein Alkoholproblem nicht auf andere zu übertragen. Will nicht den Zeigefinger erheben, nicht gescheit daher reden. Aber umso länger ich trocken bin um so kritischer werde ich. Obwohl ich das ja eigentlich gar nicht will. Aber manche Sachen will ich auch einfach nicht mehr tolerieren. Neulich beim Griechen, mit Verwandschaft und der kleine, 3-jährige Neffe bekommt ein Ouzo-Glas (gefüllt mich Limo) mit den Worten "Und für Dich ein Kinderschnaps" hingestellt. Früher hätte mir das nix ausgemacht, aber jetzt war ich da wirklich am Agressionen schieben. Und sowas wie Du hier von diesem Discounter beschreibst geht eigentlich gar nicht.

    VG
    gerchla

    Hallo Marc,

    herzlich Willkommen hier im Forum.


    Naechsten Dienstag habe ich nun meinen ersten Termin auf der Suchtberatungsstelle meiner Gemeinde und bin etwas nervoes - nicht, weil ich mich vor dem Termin fuerchte. Ich fuerchte mich vor mir selber, denn ich beruflich bedingt sehr redegewandt und aeusserst geuebt darin, vor Publikum zu sprechen und mich selber zu verkaufen. Es faellt mir sehr schwer, das Heft aus der Hand zu geben und ich bin ein begnadeter Selbstbetrueger. Mit anderen Worten fuerchte ich mich davor es nicht auf die Reihe zu kriegen mit dem ehrlich sein am Beratungsgespraech und mich selber und die Beraterin hinters Licht zu fuehren. Ich mache mir nun eine Liste mit Punkten, welche ich NICHT bringen werde - naemlich alles was ich glaube im Griff zu haben. Na ja, etwas merkwuerdige Schilderung vielleicht und sind ja Profis da, werden mich schon durchschauen.


    Na das erinnert mich doch stark an mich. Bevor ich wirklich ernsthaft damit begonnen hatte trocken zu werden, habe ich mehrere Sitzungen bei einem Psychologen. Dem habe ich das Blaue vom Himmel herunter gelogen. Oskarverdächtig. Am Schluss hat er mir per Handschlag sogar zu meinen "Erfolgen" gratuliert. Gebracht hat mir das aber natürlich gar nix. Erfolge hatte ich natürlich auch keine, außer vielleicht, dass ich bei den Vormittagsterminen noch nüchtern war :o

    Schonungslos ehrlich konnte ich dann erst sein, als ich wirklich ernsthaft mit dem Saufen aufhören wollte. Plötzlich war klar, dass es jetzt vorbei ist mit Lügen, Tarnen und Täuschen. Ich wollte nur noch, dass mir jemand hilft und dass ich es dauerhaft schaffe abstinent zu sein. Ich wollte einfach mein Leben zurück. Ich hab's zurück, schöner als ich es je vorher hatte. Ehrlich zu sich selbst und auch zu anderen zu sein ist m. E. ein Schlüsselkriterium. Ohne wird's schwer mit dem Ausstieg, man hält sich ja quasi immer ein Hintertürchen offen....

    Spannend, was Du Dir im Rahmen Deines Projekts alles vorgenommen hast. Sind auf jeden Fall alles recht sinnvolle Punkte. Einiges davon habe ich auch erst nach dem Aufhören wieder gemacht (z. B. Frühstücken oder Sport). Hat aber gedauert.... Einiges trifft auf mich nicht zu, dafür gab's bei mir dann andere Dinge, die wieder machen wollte.

    Wünsche Dir auf jeden Fall viel Erfolg bei Deinem Termin und einen guten Austausch hier.

    VG
    gerchla

    Hallo Olaf53,

    klar, wenn es Dir nicht hilft über Alkohol zu diskutieren, dann ist das hier nicht das richtige Forum. Ist ja hier ein Forum für Menschen, die in irgendeiner Form (entweder selbst Alki oder Angehörige/r) vom Alk weg kommen wollen. Da ist das Thema Alkohol mit allen dazu gehörenden Facetten dann natürlich elementar.

    Ich wünsche Dir in Deinem philosophischen Forum viel Spaß/einen guten Austausch und natürlich auch viel Erfolg beim Erreichen Deiner Ziele.

    Alles Gute von mir!

    VG
    gerchla

    Hallo Joana,

    es ist schön, dass Du jetzt positives berichten kannst. Als trockener Alkoholiker mit Kindern reflektiere ich sehr viel meine Vergangenheit. Überlege, wie schlimm es für meine Frau und meine Kinder gewesen sein muss und mache mir auch Gedanken, wie es wohl jetzt für sie ist, einen trockenen Alkoholiker als Papa zu haben. Und hoffe auch immer wieder, dass sie sich nicht zu viel Gedanken darüber machen, dass ich wieder Rückfällig geworden sein könnte. Ich glaube besonders meine Tochter ist da sehr sensibel. Damit richtig umgehen ist gar nicht so einfach. Vielleicht mal ein Thema für einen eigenen Thread.

    Eigentlich wollte ich Dir nur sagen, dass ich mich für Dich freue und ich sehr sehr hoffe, dass Deine Mama es jetzt schafft dauerhaft trocken zu bleiben. Und dass ich sehr gut finde, dass Du sie jetzt, wo sie es wirklich angeht, dabei unterstützt. Z. B. dadurch, dass Du Ihr gesagt hast, dass Du mit ihr Weihnachten feiern willst. Es ist sehr schade und auch traurig, dass Deine Mama so abweisend behandelt wird. Natürlich verständlich, wenn sie jahrelang als nasse Alkoholikerin alle Weihnachtsfeiern "gesprengt" hat, aber andererseits sollte man zumindest versuchen fair zu bleiben. Ich finde jeder Alkoholiker hat eine Chance verdient, wenn er ernsthaft versucht seine Krankheit zu bekämpfen. Ich bin jedenfalls sehr froh, dass ich Menschen hatte, die mir halfen, besonders in den ersten Wochen und Monaten. Das werde ich nie vergessen.

    Freue mich, wieder mal von Dir zu lesen und drück' die Daumen für Deine Mama.

    LG
    gerchla

    Hallo 18boy,

    hab' bis jetzt Deinen Thread nur mitgelesen und will jetzt einfach mal meinen Senf dazu geben.

    Was die von Dir angegebenen Trinkmengen betrifft wollte ich vorab nur mal aus meiner Erfahrung sagen, dass die Menge nicht wirklich entscheidend ist. Ich bin jahrelang mit 2 - 3 Bier täglich durch die Gegend gelaufen. Bei uns in Bayern sozusagen eine gaaaaanz normlale Tagesdosis :o In wirklichkeit war ich da aber schon voll abhängig, weil ohne die 2 - 3 Bierchen bin ich ganz schön nervös geworden. Und wenn Du erst mal eine regelmäßige Dosis genießt, dann ist der Weg zu einer höhren Dosis vorprogrammiert. Lief dann halt nicht mehr alles so rund bei mir. Dosis erhöht, besseres Gefühl und damit wieder ein Stück tiefer rein gerutscht :( Irgendwann das ganze Spielchen wieder und wieder und wieder bis zum Absturz kanns dauern, aber er kommt....

    Und was heißt jetzt lief nicht rund? Super Job, super Familie - von außen darauf geschaut, hat jeder gesagt: Der hat alles was man zum Glücklichsein braucht. Aber innerlich, da ging's mir nicht gut. Ich fühlte mich minderwertig, wollte immer alles recht machen. Jede Kleinigkeit, die nicht so lief, habe ich mir selbst angekreidet. Das hat aber keiner gemerkt. Nach außen war ich der erfogreiche tolle Typ. Leider habe ich damals, mit Mitte 20, nicht kapiert, dass ich da ein Problem mit meiner Persönlichkeit, meiner Psyche habe. Und dass es durchaus Menschen gibt, die gelernt haben, anderen die diese Probleme haben zu helfen. Allein das Wort "Psychologe" oder "Psychiater" haben in mir sofortige Ablehnung ausgelöst! Erst als ich völlig fertig und ich mit dem Saufen aufgehört habe, war ich bereit alles zu tun um das auch dauerhaft zu schaffen. Und neben Suchtberatung, SHG war dann auch plötzlich der Gang zum Psychologen für mich möglich.

    Dazu kann ich Dir sagen, dass der, den ich als erstes aufgesucht habe, nicht ganz zu mir gepasst hat. Aber ich wusste ja durch viele Gespräche vorher u.a. in der SHG, dass man da evtl. ein wenig länger braucht um den richtigen zu finden. Deshalb habe ich nicht mit "ich hab's ja gewusst" reagiert sondern nach Alternativen gesucht. Parallel habe ich mir andere Gesprächpartner gesucht. Ich wollte einfach über mein Problem REDEN! Zum einen hatte ich meinen ganz alten Freund an meiner Seite. Der hatte übrigens null Ahnung, dass ich Alki war und wurde von meinem Outing komplett überrascht. Der war sozusagen fertig mit der Welt. Und dann habe ich mich an einen Mönch erinnert, bei dem ich in meiner nassen Zeit einmal eine Klosterführung gemacht hatte und der mich damals (obwohl ich sogar bei der Führung meinen Level hatte) menschlich sehr berührt hatte. Das Kloster war 100 km von meinem Wohnort weg, das war mir egal. Ich hatte einfach das Gefühl, es würde mir helfen, wenn ich mit diesem Menschen reden könnte. Nebenbei bemerkt: Ich bin nicht gläubig, jedenfalls nicht klassisch...

    War nicht ganz einfach, aber ich habe diesen Pater dann "aufgestöbert" und er war auch bereit mit mir zu sprechen. Es folgten VIELE Gespräche, keine Bekehrungsversuche oder so, nein einfach nur Gespräche. Und was soll ich sagen, dieser Mensch hatte und hat so eine Menschenkenntnis und hat mir sowas von geholfen....

    Warum schreibe ich Dir das jetzt so ausführlich? Weil ich das Gefühl habe, dass Du ähnlich wie ich damals den Alk zum Kompensieren persönlicher Probleme nimmst. Und gar nicht soooo genau weißt, warum eingentlich. Du schreibst, Dir fehlt die Motivation, der Glaube an Dich. Und wahrscheinlich siehst nur Du das so und andere wissen gar nicht wieso. Leider ist es nicht so, dass man jetzt einfach sagen könnte: Mensch, jetzt nimm Dich halt einfach mal zusammen und stell Dich nicht so an! Zumal Du ja schon ein Problem mit der Sucht hast.....

    Deshalb kann ich Dir nur raten, möglichst schnell Hilfe zu suchen und anzunehmen. Und nicht vorschieben, dass man Dich ja irgendwo erkennen könnte usw. Damit kommst Du nicht weiter. Letztlich ist es eine nämlich enorme STÄRKE, dass Du Dir eingestehst ein Alkoholproblem zu haben. Und dass Du etwas dagegen unternimmst! Da gehört viel STÄRKE dazu. Schwäche ist es, seine Probleme wegzusaufen und die Augen zu zu machen. Und früher oder später führt es Dich in den Abgrund, wie Du hier im Forum ja zur genüge nachlesen kannst. Und wenn Du da durch bist, es geschafft hast, dann hast Du trotz Deiner jungen Jahre eine Erfahrung, die Dich für den Rest Deines Lebens prägt. Positiv, weil Du einen ganz anderen Blick auf alles bekommst. Also, Hintern hoch und los geht's.

    VG
    gerchla

    Hallo Neversmoke,

    herzlich Willkommen hier im Forum.

    Was heißt denn "beträchtlich gestiegen"? Trinkst Du regelmäßig? Siehst Du Dich selbst als Alkoholiker? Ich hatte glücklicherweise nur das Problem Alkoholiker zu sein ("nur" ist natürlich ironisch gemeint) und wollte mit dem Saufen aufhören. Wenn ich jetzt auch noch Raucher gewesen wäre, weiß ich nicht, ob ich beides auf einmal angegangen wäre. Aber Du findest hier ja vielleicht Menschen, die in der gleichen Situation waren wie Du und ihr könnt Euch austauschen. Bei Dir scheint es ja jetzt so zu sein, dass Du den fehlenden Rauch durch Alkohol kompensierst. Diese "Variante" hatte ich bisher noch gar nicht auf dem Schirm. Aber wie gesagt, kann es als Nichtbetroffender nicht wirklich beurteilen.

    Für den Fall, dass Du ein richtiges Alkoholproblem hast (wovon ich jetzt einfach mal ausgehe, sonst wärst Du wahrscheinlich nicht hier im Forum), möchte ich auch wie schon Greenfox auf den kalten Entzug hinweisen. Nicht gut, gefährlich sogar. Solltest Du ernst nehmen und mit Deinem (Haus-)Arzt sprechen.

    Was Deine Gewichtsproblematik betrifft: Ich bin ein paar Jährchen jünger als Du (46), 186cm und hatte, als ich aufgehört habe zu saufen, exakt 105 Kilo. Das war einerseits ein Spoiler vorne und andereseits relativ viel aufgeschwemmtes Gewebe (so beurteile ich das zumindest, wenn ich mir alte Fotos anschaue).
    Nachdem ich aufgehört habe zu trinken, purzelten die Kilos erst mal von selbst. Und das, obwohl ich plötzlich wieder Heißhunger auf Süßes (vor allem Milchspeisen) hatte. Als ich trank, habe ich quasi gar keine Süßigkeiten zu mir genommen, dafür aber Deftiges.

    Ich habe mich komplett auf's trocken werden konzentriert (blöd ausgedrückt vielleicht) und nicht darauf geachtet und den neu gewonnnen Heißhunger genossen. Schokolade, Milchreis und Co. habe ich in Mengen zu mir genommen und trotzdem zügig abgenommen. Ich habe mal (viel später) hochgerechnet, was ich nur durch Alk an Zusatzkalorien pro Tag hatte. Ich kam so auf 3.000 - 3.500. Plus Essen wohl gemerkt. Da ich den Alk komplett durch Wasser erstetzt habe, vielen also diese Kalorien ausnahmslos weg.

    Relativ schnell war ich dann so bei 90 Kilo und da hatte ich dann wieder Lust auf meine alte Leidenschaft, das Laufen. Also habe ich damit wieder angefangen. Jetzt rasten die Kilos nach unten. Ruck zuck war ich bei etwa 82 Kilo. Da hat es dann etwas stagniert, aber ich wollte noch ein bisl runter. Ein wenig die Ernährung umgestellt (mehr Gemüse, Fisch, weniger Fleisch) und den dritten Michreis abends weggelassen. Jetzt ist es so, dass ich bei ca. 77 - 78 Kilo bin und auf keinen Fall weniger haben möchte. Das bedeutet ab und an, dass ich auch mal richtig futtern muss, d.h. ich muss eigentlich gar nicht mehr auf Kalorienredunktion achten. Allerdings laufe ich schon relativ viel. I.d.R. 4 x die Woche mit einer Gesamtlaufleistung von um die 50 km pro Woche. Aktuell beginne ich mich schon auf den Marathon in Hamburg vorzubereiten.

    So, lange Story über meine Laufaktivitäten. Aber nicht um mich Selbstzubeweihräuchern sondern um Dich darin zu bestätigen mit dem Sport weiter zu machen. Weil 1.: Sport und saufen geht gar nicht, 2.: der Sport verschafft Dir viele Glücks-/Erfolgsmomente und 3.: das mit dem Gewicht erledigt sich nebenbei. Achso, und gesund ist es sowieso, sofern man nicht übertreibt.

    Also bleibt dran aber achte darauf, dass Du Dich nicht überforderst. Rauchen aufhören, Saufen aufhören, Sport anfangen und abnehmen sind schon recht viele Dinge auf einmal. Wünsche Dir auf jeden Fall viel Erfolg und freue mich auf einen Austausch mit Dir.

    VG
    gerchla

    Hallo Fragezeichen,

    natürlich kannst Du hier weiter schreiben. Ich wollte nicht, dass Du das Gefühl bekommst, dass das hier nicht erwünscht ist. Im Gegenteil, umso mehr Du schreibst umso besser können wir "aus der Ferne" einschätzen, was Dich bewegt. Für mich persönlich ist es nicht einfach Deine Situation richtig einzuschätzen oder überhaupt einzuschätzen. Bei mir war das so, dass ich "eigentlich" schon wusste, warum oder wofür ich aufhören sollte.

    Also irgendwann kam halt der Zeitpunkt, wo ich gemerkt habe, dass ich ein Riesenproblem habe und aufhören muss mit dem Saufen. Und ich wusste auch wofür. Nämlich für mich, damit ich wieder ein selbstbestimmter Mensch werde und für mein Umfeld, speziell für die, die mir sehr nahe stehen. Damit diese Menschen (z. B. meine Kinder) auch wieder einen "normalen" Papa haben. Soweit so gut. Wenn Du jetzt aber denkst, dass sind ja gute Motive, da fällt das Aufhören dann ja ganz leicht. Weit gefehlt. Jahrelang habe ich es trotz guter Gründe nicht geschafft. Also wie das halt bei ganz vielen hier war. Die üblichen Versuche kontrolliert zu trinken, alle kläglich gescheitert. Ganz aufhören - gescheitert, anfangs konnte mal ein paar Wochen nix trinken, später dann paar Tage und die letzten Jahre war ich schon froh, wenn ich mal "nur" 6 oder 7 Bier am Tag hatte.

    Ich bin kein Psychologe. Beim Versuch einzuschätzen was Du schreibst, scheint es mir, dass Du nach einem Ziel, vielleicht einem Lebensziel (oder Sinn) suchst. Nicht genau weißt, wo oder was das sein soll. Wofür das ganze? Warum aufhören mit dem Saufen? Für wen? Für was? Was dann? So lese ich das aus Deinen Zeilen und sage auch ganz deutlich, dass ich hier natürlich komplett daneben liegen kann. Ich will ich auf keinen Fall klugsch...en.

    Ich kann Dir nur sagen, dass ich in meiner nassen Zeit überhaupt keinen Antrieb hatte, zu nichts. Also zumindest dann die letzten Jahre, als ich richtig im Sumpf steckte. Zukunftspläne? Wofür, ist doch eh alles Müll hier. Nach außen habe ich natürlich funktioniert, ich hatte ja einen guten Job. Den habe ich auch gemacht, aber innerlich war ich leer. Ein Tag wie der andere, hauptsache was zum Saufen, da gings dann nämlich besser. Aber halt nur so lange, wie ich den passenden Level hatte. Naja, alles keine sonderlich neuen Erkenntnisse für die meisten hier. Trotzdem hatte ich meine "lichten" Momente, wo ich mir schon klar war, dass ich aufhören muss, bis ich das umsetzen konnte hat es viele Versuche und viel Zeit gebraucht, leider. Ich ging erst, als ich nicht mehr aufhören musste, sondern wollte.

    Du schreibst, dass bei Dir, wenn Du mal längere Zeit nüchtern bist, alles flach und befremdlich ist. Na klar, das ist doch die SUCHT. Darum willst Du doch trinken, weil sich das dann ändert. Aber nur scheinbar und nur wenn Du Deinen Stoff hast. Und natürlich ist es nicht so, dass Du einfach mal paar Tage oder Wochen nüchtern bleiben musst und alles ist gut. So ist das gar nicht. So war das auch bei mir nicht. Im Gegenteil. Erst mal nimmst Du den ganzen Kack um Dich herum richtig wahr. Säufst ihn dir nicht schön oder säufst ihn nicht weg. Ja verdammt, das ist ja total übel. Jahrelang hat man (oder das Suchtgehirn) gelernt, wenn man nur seinen Freund Alkohol einsetzt wird alles bunt und plötzlich soll das jetzt alles falsch sein. Man soll auf seinen Freund verzichten und die Dinge so wahr nehmen wie sie sind. Klar, das ist nicht lustig.

    Aber genau so ist es. Und es dauert, sicher bei jedem unterschiedlich, lange, bis man aus der nassen Denke draußen ist. Bis das Hirn anfängt, wieder normal zu denken. Es gibt die These, dass man solange wie man gesoffen hat auch wieder braucht, bis man wieder "normal" ist (halte ich persönlich aber für nicht pauschal richtig). Ich habe mir dazu Hilfe geholt, es nicht allein probiert. Viele Gespräche geführt, auch viele Gespräche mit meinem besten Freund, der mir sehr geholfen hat. Reden hilft ungemein, auch hier im Forum.

    Und es lohnt sich. Plötzlich tut sich eine Welt auf, die man gar nicht mehr gekannt hat. Du wirst wieder Du selbst, entscheidest ohne Alk, ohne Einfluss. Das, wo ich vorher gesagt habe: ach hat doch alles eh keinen Sinn, was soll ich denn machen, langweilt alles usw. usw. weicht positivem Denken. Und dann machst Du auch positive Erfahrungen. Triffst neue Menschen, kannst ganz anders auf sie zugehen. Bekommst ein ganz anderes Gefühl für's Leben.

    Es lohnt sich den Weg in die Trockenheit zu gehen, das wollte ich Dir damit sagen. Ich hoffe und wünsche Dir, dass Du die Motivation dazu finden kannst.

    VG
    gerchla

    Hallo ?,

    bin leicht verwirrt von dem was Du geschrieben hast. Ich kann nicht richtig nachvollziehen, was Dich bewegt oder was Du jetzt eigentlich möchtest. Aufhören zu Saufen? Oder weiter saufen, bis irgend ein Tiefpunkt Dich dazu bewegt aufzuhören?

    Meine Meinung kurz dazu: Der berühmt Tiefpunkt oder Grund zum Aufhöhren (also z. B. alles verloren zu haben) ist höchst individuell. Es gibt Menschen, die stehen halb besoffen auf irgend einen Berg, schauen in die Landschaft und wissen plötzlich: das war's, ich will und werde nicht mehr trinken. Und es gibt welche, die alles verlieren was sie haben (Beziehungen, Würde, Geld, usw.) und hören dann auf. Und es gibt welche, die saufen sich tot. Weil die Tiefpunkte, die sie erreicht haben, scheinbar nicht tief genug waren. Meiner Meinung nach, gibt es hier keinen Pauschalen Tiefpunkt oder ein pauschales Ereignis, dass dann dazu führt, dass ein Alkoholiker beschließt trocken zu werden. Bei jedem anders, bei vielen passiert das nie.

    Was den von Dir (nicht vorhandenen) Suchtdruck betrifft: Du schreibst, Du hast keinen Suchtdruck, sondern Du trinkst weil .... Ich würde sage, genau das ist Dein Suchtdruck.

    Mehr kann ich Dir dazu nicht sagen. Ich weiß nicht so genau, was Du hier vom Forum und den Mitgliedern hier möchtest oder erwartest. Welches Ziel hast Du?

    VG
    gerchla

    Ich denke auch, dass dieser Schritt nicht zu hart ist. Da Du mit reden, flehen oder drohen nichts ändern kannst bleibt nichts anderes als auf Dich selbst zu schauen. Dich zu schützen um nicht selbst in diesen (psychischen) Strudel hinein gezogen zu werden (du steckst ja schon ein ganzen Stück drin).

    Ich finde es sehr gut ihm zu signalisieren, dass Du da bist, wenn er wirklich bereit ist etwas zu tun. Das er dann auch auf Deine Hilfe zählen kann. Wenn er wirklich einmal von sich aus zur Erkenntnis kommt, dass er sein Leben ändern will, dann kann bzw. wird Deine Hilfe oder generell auch Hilfe von außen sehr viel bringen.

    Manchmal, man liest es immer wieder mal, kann ein einschneidendes Erlebnis schon dazu führen, dass es beim Trinker "klick" macht (bei mir war es so). Das könnte z. B. auch sein, dass sich jemand von einem trennt. Oft passiert dieses "Klick"-Erlebnis aber auch gar nicht oder erst zu einem völlig anderen Zeitpunkt oder aus einem anderen Grund. Manchmal müssen viele, für Außenstehende unfassbare, Ereignisse eintreten, bevor ein Alkoholiker versucht trocken zu werden. Manche versuchen es aber auch nie.... manche scheitern beim Versuch. ABER, wie Du hier ja auch siehst, es gibt auch welche, die es schaffen!

    Es ist wirklich sehr komplex. Deshalb kann ich aus meiner Sicht nur sagen, dass betroffene Angehörige auf sich selbst schauen sollten. Niemand nicht verantwortlich für das Saufen des Partners/Vaters/etc. Als Angehöriger hat man in aller Regel auch keine Handhabe irgendwas dagegen zu tun.

    VG
    gerchla

    Hallo ezm1986,

    erst mal herzlich Willkommen hier im Forum. Ganz kurz zu mir: Ich bin Alkoholiker, habe viele Jahre getrunken und bin jetzt seit fast 2 Jahre trocken.

    Ich würde Dir erst mal vorschlagen, Dich hier in Ruhe einzulesen, vor allem eben hier im Angehörigen-Bereich (falls Du das nicht schon getan hast). Du wirst hier auf viele ähnliche Geschichten treffen, wobei es nicht immer trinkende Eltern sondern z. B. auch trinkende Kinder oder Partner sein können. Das "Grundproblem" oder die Grundfrage ist aber meist immer die selbe: Was kann ich tun? Ist es richtig was ich tue? Wie kann ich helfen? Wie komme ich aus diesem Teufelskreis heraus?

    Also ganz normale Fragen, denn schließlich will man Menschen die man liebt oder die einem sehr nahe stehen nicht einfach hängen lassen.

    Ohne pauschalisieren zu wollen wirst Du aber bei fast allen immer die gleichen Antworten erhalten, nämlich: Du kannst einem Alkoholiker, der nicht von selbst zum Trinken aufhören WILL, nicht helfen. Und ich kann das von meiner Seite (als Alkoholiker) genau so bestätigen. Deshalb musst du auf Dich selbst schauen.

    Einfach gesagt, aber nicht einfach umgesetzt, das ist klar. Deshalb denke ich, dass es gut wäre, wenn Du oder vielleicht Ihr (Dein Bruder, Deine Mama) zusammen mal zu einer Beratung geht. Das gibt es auch für Angehörige. Oder auch eine SHG für Angehörige. Dort könnt Ihr in Ruhe über Eure Sitaution sprechen und vielleicht auch Handlungsweisen ableiten.

    Wie reagiert denn Dein Vater, wenn Du/Ihr in auf sein Trinken ansprecht? Ist er einsichtig? Würde er gerne was ändern? Hat er schon mal versucht eine Therapie zu machen oder sogar gemacht?

    Ich wünsche Dir einen guten Austausch hier.

    LG
    gerchla

    Herzlich Willkommen Lucia,

    schön, dass Du zu uns gefunden hast. Nimm Dir einfach die Zeit die brauchst und lese Dich erst mal in Ruhe ein. Und wenn Du mal was schreiben magst, dann einfach raus damit. Wir sind hier ja "unter uns", also alle hier wissen, wovon Du oder wir sprechen. Weil wir alle betroffen sind.

    Ich wünsche Dir einen guten Austausch und freue mich wieder von Dir zu lesen.

    LG
    gerchla

    Hallo Andain,

    herzlich Willkommen hier im Forum. Eine lange, traurige Geschichte Deines aktuellen Lebens, die Du da erzählt. Und doch so typisch für das Zusammenleben mit einem Alkoholiker. Viele solcher oder ähnlicher Geschichten kannst Du hier im Forum oder auch in anderen Foren lesen. Und Du wirst immer wieder auf gleichen Ratschläge stoßen. Nämlich das Du DEIN Leben in die Hand nehmen musst und auf Dich (in Deinem Fall auch Deinen Sohn) achten musst. So lange Du Deinen Partner unterstützt oder auch einfach nur gewähren lässt wird sich nichts ändern. Wenn Du Konsequenzen ziehst und ihn z. B. verlässt, heißt das zwar noch lange nicht, dass er dann mit dem Trinken aufhört, aber letztlich darf es Dir dann darum auch gar nicht gehen.

    Es geht ja um DEIN Leben und das Deines Kindes. Du bist für DEIN Leben verantwortlich, für das Deines kleinen Jungen. Dein Mann ist für SEIN Leben verantwortlich, er alleine und nicht Du. Liebe bedeutet nicht die Verantwortung für das Leben des anderen zu übenehmen. Liebe bedeutet natürlich für den anderen da zu sein, ihm zu helfen, zu unterstützen. Aber nur wenn der andere das auch will, denn Liebe darf keine Einbahnstraße sein.

    Ich bin selbst Alkoholiker und kann Dir aus meiner Erfahrung nur sagen, dass ich erst aufhören konnte, als ich es unbedingt wollte. Ich wusste das ich Alki bin, ich wusste das ich viel zu viel trinke, ich wusste das ich mein Umfeld damit kaputt mache, das mein Kartenhaus zusammen fallen wird, das dann alles kaputt sein wird, all das wusste ich. Wollte es natürlich nicht wahr haben aber wusste es innerlich. Aber das hat mich nicht dazu gebracht aufzuhören.... Ich habe erst aufgehört, als die Seifenblase geplatzt ist...

    Und das wirst Du von den meisten so hören. Deshalb kannst Du Dich hier nur um Dich kümmern. Vielleicht magst Du auch einfach mal eine reale SHG besuchen, Dich dort austauschen, Dir dort auch Rat holen. Für Deinen Partner kannst Du nichts tun, außer konsequent sein. Das kann vielleicht den berühmten "Klick" auslösen, muss aber natürlich leider nicht unbedingt.

    Ich wünsche Dir viel Kraft, gehe Deinen Weg in ein neues Leben.

    LG
    Gerchla

    Hallo Olaf53,

    versteh' mich bitte nicht falsch. Es liegt mir fern, Dich zu kritisieren. Das steht mir gar nicht zu. Ich kann hier nur meine Meinung sagen und von meinen Erfahrungen berichten. Die sind genau so, wie ich sie bereits geschrieben habe.

    Wie man den Grund zum Trinken nennt, ist meiner Meinung nach eigentlich auch egal. Ob das jetzt KT, Experiment oder Sahnetorte heißt ist doch egal. Es geht doch letztlich darum zu trinken. Und zwar Alkohol. Warum auch immer. Für mich ist das eigentlich ganz einfach: Ist man Alkoholiker, dann ist der Zug abgefahren. Ende und aus. Man ist abhängig, das war's. Alkohol ist dann Tabu oder aber es geht dahin (im Normalfall).

    Oder man ist kein Alkoholiker, obwohl man vielleicht bedenklich viel über lange Zeit und auch regelmäßig getrunken hat. Dann kann man aber auch einfach aufhören, spürt keinen (Sauf-)Druck und muss auch keine Experimente machen. Sowas gibt es auch, wenn auch nicht so oft. Ich denke, Du wirst heraus finden wo Du stehst.

    Was Du da mit "abends einen Schnaps trinken und dann hunger bekommen und was essen und dann müde werden und schlafen gehn und deswegen dann keinen Alkohol mehr trinken wollen" usw. schreibst. Also nixweiss0

    Willst Du das jetzt dann Dein Leben lang so machen? :o

    Naja, Deine Sache. Drück' Dir auf jeden Fall die Daumen, dass alles so klappt, wie Du Dir das vorstellst. Für mich wäre das nix.

    VG
    gerchla

    Hallo Olaf53,

    herzlich Willkommen hier im Forum. Da hast Du ja gleich mal ein heißes Thema angesprochen mit dem KT. Zunächst muss ich eingestehen, dass ich (ähnlich wie einige meiner Vorposter) nicht ganz nachvollziehen kann, was Du eigentlich erreichen willst. Willst Du Dir beweisen, dass Du kein Alkoholiker bist und KT kannst? Oder bist Du Dir sicher, dass Du KT kannst?

    Meine persönliche Meinung dazu:

    Das ist ein Spiel mit dem Feuer. Ich habe das, bevor ich trocken wurde, mehrmals versucht. Das ging dann schon mal, paar Tage, paar Wochen. War immer eine Qual, weil ich eigentlich saufen wollte. Ich habe es nie lange durchgehalten. Als meine Sauferei fortgeschrittener war, habe ich dann schon die Versuche mal kontrolliert zu trinken argumentativ zur Seite gelegt. Z.B. mit dem Argument, dass ja in ein paar Wochen der Urlaub ansteht (i.d.R. Frankreich oder Italien) und da gehört doch der Wein zur Lebenskulter, also da kann ich auf keinen Fall kontrolliert trinken. Oder es stand irgendein Geburtstag kurz bevor oder Sylvester oder eine Feier oder oder oder. Das waren für mich immer Gründe, warum ich es sich nicht "rentiert" genau jetzt weniger zu trinken oder ganz aufzuhören. Aber danach, da kann ich dann ja immer noch..... Pustekuchen

    Für mich ist die zentrale Frage, warum ich eigentlich kontrolliert trinken sollte? Also, warum, weshalb und was bringt mir kontrolliertes Trinken? Mir, einem 100%igen Alkoholiker. Ich kann nur von mir sprechen. Ich sage, es brächte mir gar nichts. Ich habe nur gesoffen wegen der Wirkung! Ausschließlich! Später habe ich gesoffen, weil ich nicht mehr anders konnte, selbst wenn ich gewollt hätte. Das war nicht freiwillig am Schluss, sondern Sucht. Kennen wir ja alle. Würde ich jetzt kontrolliert trinken, in gesundheitlich unbedenklichen Mengen, ergäbe sich daraus für mich keine Wirkung. Ich würde es nicht merken oder vielleicht kaum. Und: so guuuuut kann das Glas Wein oder Bier oder sonstwas gar nicht schmecken, dass es mir Wert wäre dafür ein Rückfallrisiko einzugehen. Es gibt so viele gute Getränke ohne Alkohol, ich kann dieses "Genießer-Argument" überhaupt nicht nachvollziehen, zumindest nicht, wenn jemand Alkoholiker ist und damit dann sein Leben auf's Spiel setzt.

    Ich muss zugeben, dass am Anfang meiner Trockenheit, die unangenehmsten Situationen immer dann waren, wenn ich in Gesellschaft war und Alkohol trinken dazu gehörte. Ähnlich wie Du es beschreibst. Sich als Abstinenzler outen, hmmmm, nicht schön. Deshalb habe ich Anfangs Gesellschaften gemieden, wilde Ausreden erfunden usw. usw. Aber nach nicht allzu langer Zeit habe ich die Erkenntnis gewonnen, dass es ja wohl nicht sein kann, das andere über mein Trinkverhalten bestimmen. Nur weil andere Alkohol trinken und weil es zur "Lebenskultur" gehört (bei einigen gehört es eher zur Sterbenskultur, leider). Und dann habe ich eine interessante Erfahrung gemacht: Ich bin wieder zu Feiern, zu Helferfesten, auf Silvesterveranstaltungen usw. gegangen. Fest entschlossen, keinen Alkohol zu trinken, fest entschlossen notfalls ein: ICH BIN TROCKENER ALKOHOLIKER entgegen zu schmettern, wenn jemand penetrant versucht mich zu überreden. Und: Das war gar nicht notwendig. Bei 90 % der seit meiner Trockheit besuchten "Trinkanlässe" habe ich einfach gesagt, ich hätte gern ne Apfelschorle, ein Cola oder was auch immer ohne Akohol ist. Keinen hat's gejuckt. Da ich glücklicherweise kein Problem habe, anderen beim besoffen werden zu zu schauen, war und ist dieses "Problem" jetzt für mich gelöst. Ach, bleiben ja noch die 10%. Ja es gab und gibt auch Situationen, wo man mal Tacheles reden muss. Ich habe einmal jemand ganz Penetranten gefragt, ob er ein Alkoholproblem hat und unbedingt jemanden braucht , der mit ihm trinkt. Ich glaube, da habe ich den Nagel auf den Kopf getroffen. Das Thema war dann aber durch. Ich habe auch schon gesagt, ich bin trockener Alkoholiker, wobei ich das zu vermeiden versuche, weil es meist für die andere Seite sehr peinlich ist. Keinesfalls für mich, weil ich kann ohne Probleme offen mit meiner Krankheit umgehen.

    Du schreibst, dass in Portugal der Wein zur Kultur gehört und Du Dir nur schwer Vorstellen kannst, dort ohne Tischwein auszukommen. Warum? Alkohol gehört quasi fast überall zur "Kultur". Ich komme aus Bayern. Bei uns gehört Bier sowas von zur Kultur, dass ich eigentlich den ganzen Tag hackedicht sein müsste. War ich ja auch jahrelang, und wie oft habe ich mit "es gehört ja zur Kultur" argumentiert, meist um mich vor mir selbst zu rechtfertigen. Biergartenbesuch ohne eine Mass Bier? Das geht ja überhaupt nicht in Bayern. Vier Mass Bier? Für einen Bayern kein Problem, da werden wir vom Kulturvolk erst mal warm. Usw usw usw. Alles Selbstbetrug, genau wie kontrolliertes Trinken.

    Mag sein, dass es Ausnahmen gibt. Bassmann scheint eine zu sein. Ich kenne absolut niemanden in meinen Alkoholikerumfeld, der KT geschafft hat. Quasi jeder hat es mal versucht, alle gescheitert, früher oder später.

    Alles Gute Dir und schreib' hier gerne mal, wie es Dir ergangen ist.

    VG
    gerchla

    Hallo Vergissmeinnicht,

    nein, meine Frau ist nicht bei mir geblieben. Und nicht sie hat mich verlassen sondern ich sie. Und zwar nachdem ich trocken war bzw. schon in der "Trocken-werd-Phase". Ich denke, sie wäre gerne bei mir geblieben und hätte mich sicher auch versucht zu unterstützen. Aber mir ist im trockenen Zustand sehr viel klar geworden, was mein Leben betrifft. Ich habe aufgearbeitet. Also Dinge, die ich während der Sauferei gar nicht realisert habe (oder aber, die ich absichtlich durch saufen verdrängt habe). Also, das ist jetzt wirklich so kompliziert, dass ich Dir das hier nicht so einfach schreiben kann. Weißt Du, ich habe auch noch zwei Kinder. Im nachhinein weiß ich, das die beiden für mich der Grund waren, warum ich überhaupt so lange mit der Trennung gewartet habe. Wobei ich mich als nasser Alkoholiker wohl gar nicht hätte trennen können, weil ich hatte mich ja in meiner Alkiwelt eingerichtet. Die hätte ich "nass" nicht durchbrechen können/wollen.... Ach und ich möchte schon noch klarstellen, dass meine Ex-Frau keineswegs ein keifendes, nervendes Monster war, im Gegenteil. Sie war eine gute Partnerin, eine prima Mutter, soweit alles bestens.
    Klingt alles kompliziert, ist (oder besser, war) es auch.

    Hinterher ist man immer klüger. Und heute kann ich (und auch meine Ex-Frau) sagen, dass es besser gewesen wäre, viel früher klare Entscheidungen zu treffen. Auch sie hatte darüber oft nachgedacht als ich noch gesoffen hatte und sie mich nicht mehr erreichen konnte. Wir verstehen uns heute den Umständen entsprechend gut, mit meinen Kindern verstehe ich mich prima, mein großer ist erwachsen, meine Kleine sieht mich regemäßig, wir kommunizieren viel. Mein Leben hat sich komplett verändert, radikal. So, wie ich es mir vorher nie vorstellen hätte können. Aber es war der einzige Weg für mich, vom Saufen weg zu kommen. Das mal kurz zusammen gefasst, denn die Details sind natürlich wesentlich komplizierter und die kann ich hier auch nicht einfach schreiben.

    Ich weiß nicht, ob Dir meine "Ausführungen" jetzt was bringen. Meine Erfahrung ist, dass nur richtige Veränderungen von einem selbst auch dauerhafte Veränderungen von bestimmten Situationen bewirken können. Und häufig sind das Veränderungen, die man sich erst mal gar nicht Vorstellen kann. Und oft ist es leider auch so, dass es einen enormen (Leidens-)Druck braucht, bis man dann etwas verändert. Und manche schaffen es nie....

    LG
    gerchla

    Hallo LiS,

    schön gesagt, nicht den Worten glauben sondern auf die Taten schauen. Das triffts. Im Nachhinein fällt es mir wirklich schwer nachzuvollziehen, wie ich so viel Lügen, Geschichten und Ausreden hab erfinden, erzählen und zum großen Teil auch noch selbst glauben können :(

    Und Greenfox: Ja Du hast Recht, natürlich kann ich aus der Sicht des Süchtigen zum Thema Co-Abhängigkeit schon was beitragen. Mir fällt es nur immer etwas schwer, mich in den Co-Abhänigigen hinein zu versetzen...

    VG
    gerchla

    Hallo Vergissmeinnicht,

    also, eigentlich wollte ich mich in Deinen Thread nicht einbringen. Ich bin Alkoholiker, kein Co-Abhängiger und mir fehlt sicher die Erfahrung im Bereich Co-Abhängigkeit. Allerdings möchte ich Dir folgendes sagen:

    Das Verhalten Deines (Ex-) Partners kommt mir doch recht bekannt vor. Ich war zwar nicht ganz so weit unten, aber Verhaltensmuster kann ich ganz klar erkennen. Nämlich z. B. das, alles zu tun, um den anderen an sich zu binden. Um Zeit zu gewinnen, um irgendwie weiter zu machen. Um irgendwie alles so beizubehalten, wie man es gerne hätte, wie es einem taugt.

    Hier mal ein ILD schreiben, dort mal ein "Du fehlst mir" flüstern. Wunderbar, das ist schön subtil, tut nicht weh und bedeutet auch überhaupt keinen Aufwand für den Alki. Kleine Nadelstiche die sitzen. Aber es geht ja noch viel besser, den wir Alkoholiker sind im nassen Zusand wahre Geschichtenerfinder! Was wir alles erfinden und erzählen nur um zum Ziel zu kommen ist der blanke Wahnsinn! Ich war so gut im Geschichten erfinden und erzählen, dass ich diese dann auch selbst geglaubt hab! Und das war auch notwendig, denn nur so konnte ich sie absolut glaubwürdig rüber bringen... Nur wenn ich dann zwischendrin mal meine "Momente" hatte, also nüchtern war, dann wurde mir bewusst, was ich doch für ein mieser Lügner bin. Aber, das Problem war dann schnell gelöst, mit reichlich Alk einfach runter gespült und schon war ich wieder der beste, größte und schönste... Ich hab sogar meiner Mama einen schweren Verkehrsunfall angedichtet an dem ich ja sooooo leide und deshalb geht gerade dieses nicht und jenes nicht, und das kann ich auch nicht machen, ich muss ja ins Krankenhaus (wo viele Menschen lagen, nur meine Mama nicht, denn die war ja kerngesund). Und ich sage Dir, wenn ich nicht den Ausstieg aus der Sauferei geschafft hätte, hätte ich bei Bedarf meine Mama auch (fiktiv) sterben lassen, nur um wieder eine Geschichte zu haben, die mir "Luft" verschafft. Ja, so ist das... Und um mich herum? Eine besorgte Frau, die nicht wusste wie sie mir helfen kann und alles getan hat was sie konnte und darüber fast zu grunde gegangen ist.

    Aber sie konnte mir nicht helfen. Ein Alki kann sich nur selbst helfen. Zumindest muss er die ersten Schritte selbst wollen und auch tun. Erst dann können Angehörige unterstützen. Da, muss ich sagen, sehe ich Deiner Beschreibung nach bei Deinem Ex keinerlei Ansatz. Aber ok, alle hier haben Dir dazu ja schon mehr als genug gesagt.... Ich sage nur: glaube einem nassen Alkoholiker KEIN Wort! Für seine große Liebe und einzige Liebe, den Alkohol, lügt er wie gedruckt!

    VG
    gerchla

    Hallo Peter,

    :welcome: hier im Forum. Ich finde es gut, dass Du hier her gefunden hast und auch den Mut hast zu schreiben. Du bist noch recht jung, da ist die Einsicht normalerweise (also so war das zumindest bei mir :-\ ) nicht selbstverständlich. Aber Du hast erkannt, dass Du da ein Problem hast. Das finde ich schon mal ganz wichtig.

    Leider gibt es bei Alkoholismus kein Patentrezept für Abstinenz (weder wie man abstinent wird noch wie man es bleibt - ist oft sehr individuell). Ich möchte mich deshalb Greenfox anschließen und Dir raten, Dich hier erst mal in Ruhe einzulesen. Das kann Dir viel bringen und dabei helfen, die für Dich nötigen nächsten Schritte zu gehen. Wahrscheinlich wäre es bei Dir auch wichtig erst mal zu "analysieren" wo Du genau stehst und warum Du da stehst, wo Du jetzt stehst. Deshalb kann ich Dir auch nur empfehlen eine Suchtberatung aufzusuchen. Dort können sie dann mit Dir auch das weitere (sinnvolle) Vorgehen besprechen. Und, wie Greenfox schon schrieb, lass Dich bloß nicht abschrecken. Du kannst darauf vertrauen, dass man Dir dort helfen will sofern Du ernsthaft Hilfe suchst und offen bist. Du bist jung, hast ganz viel noch vor Dir, also pack es an! Verschwende Deine Zeit und Dein Leben nicht mit einer Alkoholikerkarriere. Die führt erst langsam und dann immer schneller Berg ab. Wenn Du das vielleicht für übertrieben halten solltest, ich habe es selbst erlebt.

    Drück die Daumen und freue mich wieder von Dir zu lesen.

    VG
    gerchla