Hallo Suse011970,
erst mal herzlich :welcome: hier im Forum.
Ich bin Alkoholiker, Mitte 40 und seit Ende 2013 trocken. Ich war Heimlichtrinker, kenne also die Situation aus der Trinkersicht sehr gut.
ZitatIch habe nun viele Eurer Beiträge gelesen . Mein Fazit ist : das ich eigentlich nichts machen kann solange meine Frau nicht aufhören will !!!
Dazu möchte ich sagen, dass Du die vielen Beiträge von uns vielleicht falsch interpretiert hast. Es ist zwar richtig: ein alkoholkranker Mensch muss selbst aufhören wollen sonst hat er normalerweise keine Chance trocken zu werden und dauerhaft trocken zu bleiben. Aber, oft wird dieser Wunsch dauerharft trocken zu werden durch ein Ereignis ausgelöst. Das kann z.B. sein, dass der Partner seine sieben Sachen packt und auszieht. Das kann durch die unterschiedlichsten Dinge ausgelöst werden, bei manchem "reicht" es auch, dass der Partner ein Ultimatum stellt. Also mein Fazit: Du kannst durchaus etwas tun! Problem ansprechen und Deine Positition klar formuliern. Und mitteilen, was Du tun wirst, wenn Deine Frau weiter trinkt.
Ob es dann allerdings die gewünschte Wirkung zur Folge hat, also dass Deine Frau mit dem Trinken aufhört, das ist nochmal was anderes. Und da gebe ich Dir schon recht, oft geschieht dann eben erst mal nichts und es muss noch was anderes passieren, dass der Betroffene beschließt trocken werden zu wollen. Und leider gibt es auch viele, die es nie schaffen (wollen).
Und Du kannst noch was tun. Nämlich auf Dich und Deine Tochter achten. Darauf aufpassen, dass Euer Leben nicht in die Abhängigkeit zum Leben des Trinkenden gerät. Oder, wenn das schon passiert ist, dass Ihr Euch von dieser Abhängigkeit wieder löst. Denn es bringt ja nix, mit dem Trinkenden zusammen unter zu gehen. Wenn der Trinker untergehen möchte, dann soll er das schon schön alleine tun.
Ich weiß, alles bittere Theorie, die ich da von mir gebe. Schließlich ist es Deine Frau und es ist Deine Tochter und nicht irgend ein Trinkender auf dem Papier. Deshalb rate ich Dir, dass Du Dir auch außerhalb unseres Forum Hilfe holst. Es gibt SHG für Anghörige, Du kannst auch mit Suchtberatungsstellen sprechen.
ZitatUnsere Tochter ist 9 und sie merkt sehr wohl wenn meine Frau angetrunken ist. Das ist im Moment meine größte Sorge ! Noch sagt Sie nichts , aber es wird kommen.
Und unterschätze das nicht. Sie sagt nichts, ok. Aber das heißt ja nicht, dass sie damit klar kommt.
Als ich in meiner schlimmsten Phase war, kurz bevor ich aufgehört habe, war meine Tochter genauso alt wie Deine jetzt. Wie gesagt war ich Heimlichtrinker. Meine Frau hat zwar gemerkt, dass ich emotional und körperlich völlig im Eimer bin, aber durch ein jahrelang perfekt (und perfide) aufgebautes Lügennetz konnte ich meine Trinkerei vor ihr verheimlichen und vor meiner restlichen Umwelt auch. NUR meine kleine Tochter hat es gewusst! Das hat sie mir später gesagt. Obwohl sie mich nie hat trinken sehen - sie sagt einfach "ich hab es gespürt, ich wusste es". Und hat es in sich hinein gefressen. Wie es ihr dabei ging brauche ich wahrscheinlich nicht weiter auszuführen.
Genau deshalb ist es wichtig, dass Du die Initiative übernimmst und einen Plan machst, wie Dein/Euer Leben zukünftig aussehen soll. Wenn Deine Frau bereit ist etwas gegen ihre Krankheit zu unternehmen, dass kannst Du an ihrer Seite stehen und sie dabei tatkräftig unterstützen. Das hilft sehr. Wenn sie aber nichts tun will/kann, dann musst Du auf Dich und Dein Leben achten.
Ich wünsche Dir einen guten Austausch hier im Forum und alles Gute auf Deinem Weg.
LG
gerchla