Beiträge von Gerchla

    Hallo Suse011970,

    erst mal herzlich :welcome: hier im Forum.

    Ich bin Alkoholiker, Mitte 40 und seit Ende 2013 trocken. Ich war Heimlichtrinker, kenne also die Situation aus der Trinkersicht sehr gut.

    Zitat

    Ich habe nun viele Eurer Beiträge gelesen . Mein Fazit ist : das ich eigentlich nichts machen kann solange meine Frau nicht aufhören will !!!

    Dazu möchte ich sagen, dass Du die vielen Beiträge von uns vielleicht falsch interpretiert hast. Es ist zwar richtig: ein alkoholkranker Mensch muss selbst aufhören wollen sonst hat er normalerweise keine Chance trocken zu werden und dauerhaft trocken zu bleiben. Aber, oft wird dieser Wunsch dauerharft trocken zu werden durch ein Ereignis ausgelöst. Das kann z.B. sein, dass der Partner seine sieben Sachen packt und auszieht. Das kann durch die unterschiedlichsten Dinge ausgelöst werden, bei manchem "reicht" es auch, dass der Partner ein Ultimatum stellt. Also mein Fazit: Du kannst durchaus etwas tun! Problem ansprechen und Deine Positition klar formuliern. Und mitteilen, was Du tun wirst, wenn Deine Frau weiter trinkt.

    Ob es dann allerdings die gewünschte Wirkung zur Folge hat, also dass Deine Frau mit dem Trinken aufhört, das ist nochmal was anderes. Und da gebe ich Dir schon recht, oft geschieht dann eben erst mal nichts und es muss noch was anderes passieren, dass der Betroffene beschließt trocken werden zu wollen. Und leider gibt es auch viele, die es nie schaffen (wollen).

    Und Du kannst noch was tun. Nämlich auf Dich und Deine Tochter achten. Darauf aufpassen, dass Euer Leben nicht in die Abhängigkeit zum Leben des Trinkenden gerät. Oder, wenn das schon passiert ist, dass Ihr Euch von dieser Abhängigkeit wieder löst. Denn es bringt ja nix, mit dem Trinkenden zusammen unter zu gehen. Wenn der Trinker untergehen möchte, dann soll er das schon schön alleine tun.

    Ich weiß, alles bittere Theorie, die ich da von mir gebe. Schließlich ist es Deine Frau und es ist Deine Tochter und nicht irgend ein Trinkender auf dem Papier. Deshalb rate ich Dir, dass Du Dir auch außerhalb unseres Forum Hilfe holst. Es gibt SHG für Anghörige, Du kannst auch mit Suchtberatungsstellen sprechen.

    Zitat

    Unsere Tochter ist 9 und sie merkt sehr wohl wenn meine Frau angetrunken ist. Das ist im Moment meine größte Sorge ! Noch sagt Sie nichts , aber es wird kommen.

    Und unterschätze das nicht. Sie sagt nichts, ok. Aber das heißt ja nicht, dass sie damit klar kommt.

    Als ich in meiner schlimmsten Phase war, kurz bevor ich aufgehört habe, war meine Tochter genauso alt wie Deine jetzt. Wie gesagt war ich Heimlichtrinker. Meine Frau hat zwar gemerkt, dass ich emotional und körperlich völlig im Eimer bin, aber durch ein jahrelang perfekt (und perfide) aufgebautes Lügennetz konnte ich meine Trinkerei vor ihr verheimlichen und vor meiner restlichen Umwelt auch. NUR meine kleine Tochter hat es gewusst! Das hat sie mir später gesagt. Obwohl sie mich nie hat trinken sehen - sie sagt einfach "ich hab es gespürt, ich wusste es". Und hat es in sich hinein gefressen. Wie es ihr dabei ging brauche ich wahrscheinlich nicht weiter auszuführen.

    Genau deshalb ist es wichtig, dass Du die Initiative übernimmst und einen Plan machst, wie Dein/Euer Leben zukünftig aussehen soll. Wenn Deine Frau bereit ist etwas gegen ihre Krankheit zu unternehmen, dass kannst Du an ihrer Seite stehen und sie dabei tatkräftig unterstützen. Das hilft sehr. Wenn sie aber nichts tun will/kann, dann musst Du auf Dich und Dein Leben achten.

    Ich wünsche Dir einen guten Austausch hier im Forum und alles Gute auf Deinem Weg.

    LG
    gerchla

    Hallo Sophia,

    ein herzliches :welcome: hier im Forum. Schön, dass Du zu uns gefunden hast.

    Lies Dich erst mal in Ruhe ein. Zum Thema Alkohol findest Du hier viele kompetente Ansprechpartner, wir haben alle so unsere Erfahrungen gemacht bzw. machen müssen.

    Ich wünsche Dir eine guten Austausch und werde Deinen Thread weiter verfolgen.

    LG
    gerchla

    Guten Morgen Oleander,

    heute gehst Du zu Arzt und in eine SHG! Super! Alle Gute dazu von mir. Sei einfach offen und ehrlich - Ehrlich beim Arzt und offen für die SHG. Der Rest ergibt sich....

    Zum Thema Freunde: Was Dir jetzt wie eine Tragödie vor kommt ist leider eine Begleiterscheinung unserer Krankheit. Das war bei mir übrigens ganz genau so. Der beste und oft einzige Freund, den man als Alkoholiker hat ist natürlich der Alkohol. Alles andere kommt weit dahinter. Bei mir hat ausschließlich meine Ex-Frau die sozialen Kontakte gepflegt. Hätte sie nicht immer wieder gedrückt und geschoben, dass wir (ich) mal wieder was mit x und y machen, hätte ich mich mit gar niemanden mehr getroffen. So hätte ich fast meinen besten Freund verloren....

    Gerade vorletztes Wochenende (wir waren zusammen beim Hamburg Marathon) hat er zu mir gesagt, dass ich nicht mehr viel mit dem Menschen gemein habe, der ich noch vor ein paar Jahren war. Er meinte das vor allem was meine Einstellungen, meine Ansichten und meinen Umgang mit anderen Menschen betrifft. So hat er es gesagt, als wir zusammen mit unseren Frauen beim Abendessen saßen. Glaube mir, als ich an dem Punkt war, wo Du Dich jetzt befindest, war es bei mir ganz ähnlich:

    Ich war gerade ausgezogen, weg von Kindern und Frau. Ich habe gerade aufgehört zu trinken. Ich hatte doppelt viel Zeit zur Verfügung: 1. mir fiel alles weg, was ich an Zeit in die Familie investiert hatte. Trotz Trinkerei habe ich versucht viel mit den Kindern zu machen, Haushalt usw. und 2. Durch's nüchtern sein, war die Zeit plötzlich so laaaaang. Besonders die Abende zoooogen sich enorm.

    Also, was tun? Vor meiner Trinkerzeit bin ich sehr gerne gelaufen. Mein erster Reflex: Nimm Dein altes Hobby wieder auf! Ich wusste, dass mir Laufen immer geholfen hat, Dinge zu verarbeiten. Zwei Gründe sprache für mich dann aber erst mal dagegen: Erster und wichtigster Grund war, dass ich Angst hatte statt aufzuarbeiten zu verdrängen. Das wollte ich auf keinen Fall. Ich wollte mich bewusst mit meiner Krankheit und vor allem auch mit dem was ich getan hatte auseinander setzen. Und nicht durch Sport verdrängen. Und zweitens hatte ich durch die Trinkerrei mal locker über 100 Kilo auf den Rippen. Das war dann nochmal ein Grund zu sagen, "jetzt speck' erst mal noch bisl ab, ist besser für deine Gelenke".

    Heute laufe ich 4 - 5 mal die Woche, nimm ein- bis zweimal im Jahr an Wettkämpfen teil und fühle mich körperlich und psychisch sehr wohl. Ich hab' einfach Spaß an diesem, meinem Hobby. Und so kann es Dir auch gehen! Nur nimm' Dir für die einzelnen "Phasen" des Trockenwerdens jetzt auch die Zeit, die Du brauchst um zu verabeiten und lass Dir dabei helfen. Mir hat das sehr sehr geholfen. Gerade auch was Freunde oder überhaupt soziale Kontakte betrifft kann sich Dein Leben nach der Trinkerei sehr verändern. Aber es braucht halt etwas Zeit, geht nicht von heute auf morgen. In meiner Gruppe hat mal einer die Faustregel "solange man gesoffen hat, so lange dauerts auch bis man wieder normal ist" aufgestellt. Das halte ich persönlich jetzt für etwas übertrieben bzw. nicht auf jeden übertragbar aber dran ist da schon was.

    Also, gibt Dir einfach die Zeit die Du brauchst. Vielleicht kannst Du dann in ein paar Wochen / Monaten auch mal auf einen Deiner alten Freunde zu gehen und reden/erklären. Mein Freund hat das damals verstanden und stand an meiner Seite. Er war der einzige! Heute habe ich immernoch ihn als einen echten guten Freund und mittlerweile aber viele liebe andere Menschen um mich. Vor allem meine Nachbarschaft kann man schon als fast freundschaftlich bezeichnen. So etwas wäre früher undenkbar gewesen, weil ich mich ja überhaupt nicht auf andere Menschen, schon gar nicht auf Nachbarn, einlasssen hätte können. Du weißt was ich meine.

    Also Kopf hoch!

    Zitat

    Ich habe Lebenszeit vergeudet! Mehr nicht.

    Und das ist eine Erkenntnis, aus der Du etwas machen solltest! Es gibt nicht allzu viele Menschen, die ihr Leben so hinterfragen, wie das Alkoholiker machen wenn sie sich mit ihrem Leben und ihrer Krankheit auseinander setzen. Und dann auch noch die Chance habe, daraus zu lernen und es zukünftig besser zu machen! So eine Erkenntnis kann Dir helfen, Deine Zukunft ganz anders, viel bewusster zu gestalten! Und das schöne - Du hast es selbst in der Hand! Du bist nicht unheilbar krank und stehst kurz vor dem Ende und blickst jetzt auf Dein verkorkstes Leben zurück. Sondern Du hast zwar eine Kranheit die nicht heilbar ist aber die Du stoppen kannst. Du hast also eine Zukunft vor Dir, die DU gestalten kannst, wo DU sagst wohin die Reise geht! Das sind doch tolle Aussichten!

    Alles Gute heute bei Deinen Terminen!

    LG
    gerchla

    Hallo Oleander,

    ok, ich versuche jetzt mal meine Gedanken zu dem was Du geschrieben hast zu formulieren:

    Erst mal möchte ich mich Greenfox anschließen. Ohne Alkohol zu leben heißt nicht ohne Probleme zu leben. ABER: Es fallen die vielen Probleme weg, die man sich durch den Alkohol zugezogen hat und die sonst nicht vorhanden wären. Bei Dir aktuell die Trennung von Deiner Freundin - Hättest Du nicht getrunken, müsstest Du Dich möglicherweise nicht damit auseinander setzen. Natürlich können Beziehungen auch ohne Alkohol flöten gehen, ganz klar. Aber die "Trefferquote" mit Alkohol ist deutlich höher... Du bist jetzt in der Situation, dass Du, weil Du weniger trinkst, wahrnimmst, was um Dich rum passiert. Plötzlich wird einem klar, was man eigentlich gemacht hat. Ich sage Dir aus eigener Erfahrung: Das ist ganz normal. Das war bei mir auch so - weil das Betäubungsmittel ja weg ist.

    Für mich war das ein ganz wichtiger Teil des Trocken werdens. Ich möchte Dich dazu motivieren, das anzunehmen. Und aufzuarbeiten. Das habe ich auch gemacht - Monate lang hatte ich immer wieder Schübe von Schuldgefühlen - ich muss Dir dazu sagen, dass ich meine Frau verlassen habe, inklusive meiner Kinder. Für mich gab es keinen anderen Weg in die Trockenheit. Details würden hier jetzt den Rahmen sprengen. Ich war an einem Punkt, wo ich wirklich ALLES gemacht habe um trocken zu werden. Weil ich wusste, dass mein Leben bald vorbei sein würde, wenn das nicht schaffe. Und ich damit auch meine Familie in ein tiefes (noch tieferes) Loch gestossen hätte.

    So wie Du schreibst bzw. wie Du Dich ja selbst einschätzt

    Zitat

    ich weiß, meine richtige Einstellung zum Aufhören fehlt

    bist Du noch nicht an diesem Punkt angekommen. Aber auf dem Weg dort hin - und vielleicht funktioniert es bei Dir eben genau so, Schritt für Schritt.

    Zitat

    Diese Woche habe ich versucht einen Termin bei einer Suchtberatungsstelle der Caritas zu bekommen. - mmmh, ich hätte mir Urlaub nehmen müssen, um zu solch unglücklichen Terminen dort zu erscheinen.

    Da möchte ich mal auf Dein "mmmh" zu sprechen kommen. Das interpretiere ich so, dass Du schon darüber nachgedacht hast, evtl. doch Urlaub zu nehmen. Machs doch! Nichts ist wichtiger als Dein Weg in die Trockenheit! Sei bereit alles dafür zu tun - Du wirst davon sowas von profitieren, es wartet ein anderes Leben auch Dich!

    Zitat

    Psychisch bin ich aber immer noch richtig fertig, nach diesem Schock des Alleingelassen seins nach meiner Trennung von meiner Freundin. Ich bemerke einfach, dass ich mit meinen Problemen richtig alleine bin.

    Kenne ich. Siehe meine Abhandlung zum Thema Schuldgefühle. Also, ich hätte es alleine nicht geschafft. Psychologe, ein sehr guter Freund und noch ein paar andere Geschichten haben mir bei der Aufarbeitung sehr geholfen. Aber ich denke, erst mal ganz mit dem Trinken aufhören, also den Weg so gehen wie Du Ihn ja geplant hast (Arzt, Beratungs usw.) und anschließend dran bleiben und Aufarbeiten. Das war für mich der richtige Weg.

    Zitat

    Ich will!

    Dann kannst Du es auch schaffen! Aber lass' Dir helfen - dann ist es leichter diesen ohnehin schweren Weg zu gehen. Und freue Dich auf Deine "Belohnung": Ein Leben das wieder Dir gehört und nicht mehr dem Alkohol!

    LG
    gerchla

    Hallo Jake,

    bin gerade "zufällig" über diesen Thread gestolpert und wollte einfach mal fragen ob Du noch da bist und wie es Dir so geht?

    LG
    gerchla

    Hallo Oleander,

    auch von mir noch ein herzliches :welcome: hier im Forum! Schön das Du hier bist!

    Ich bin m und ein Jahr älter als Du. Seit Ende 2013 trocken.

    Vorher viele Jahre getrunken, am Schluss um einiges mehr als Du jetzt bei Dir als tägliche Menge angegeben hast. Wobei das allerdings völlig egal ist, sobald man süchtig ist ist der Zug abgefahren. Eine Steigerung der Menge kommt dann i. d. R. von selbst auch wenn es sich manchmal über viele Jahre hinziehen kann. Und genau das passiert dann auch mit der Veränderung des eigenen Wesens.

    Mit zunehmender Trinkmenge hat sich bei mir auch mein Verhalten und mein Denken verändert. Ich weiß noch die Zeiten, als ich so ein bis zwei Bier am Tag getrunken habe. Ich war wohl schon abhängig, auch wenn ich da noch ab und zu mal ein paar Trinkpausen einlegen konnte. Da war ich charakterlich noch "unaufällig", fröhlich, lustig im Leben stehend, konnte meine Aufgaben und Herausforderungen noch weitestgehend angehen, noch fast so wie zu der Zeit wo ich noch gar nix getrunken habe. Langsam fing es aber auch zu dieser frühen Zeit schon an, dass sich meine Gedanken um den Alkohol drehten. Da waren es noch nicht die Gedanken daran, wie ich jetzt schnell an Alkohol kommen könnte oder ob meine Vorräte gefüllt sind sondern eher besorgte Gedanken. Also in Richtung: Hast du ein Problem? Müsste ich nicht ein wenig aufpassen und weniger trinken? usw. Daraus folgten dann die ersten Trinkpausen usw. usf.

    Aber die Sucht hat schon mal klar gemacht, wer jetzt das sagen hat. Langsam kam dann die Steigerung, lange dann 3 - 4 Bier, über Jahre hinweg. Schon mal mit einem leichten Ausschlag noch oben, z. B. am Wochenende. Und einhergehend eine weitere Veränderung meines Wesens. Gerne mal Ruhe haben wollen, gerne mal in Ruhe ein paar Bierchen trinken. Mal was "ausfallen" lassen um trinken zu können. Und: LÜGEN! Erst Notlügen, langsam immer mehr lügen um trinken zu können am Schluss ein wahres Lügengebäude, wo eine Lüge von der anderen getragen wurde.

    Selbst merkt man die Veränderung erst mal gar nicht so. Aber das Umfeld nimmt es sehrwohl war. Macht sich Gedanken, Sorgen. Weiß nicht was los ist (bei mir, weil ich heimlich getrunken habe).

    Zitat

    Ich werde anders, wenn ich getrunken habe

    Ich konnte das bei mir nicht "nur" auf den Zeitraum beschränken wo ich tatsächlich getrunken habe, also der Alkohol in mir gewirkt hat. Sondern die Veränderung war dann auch im nüchternen Zustand vorhanden. Mit zunehmenden Trinkmengen hat sich auch mein Verhalten im nüchternen Zustand (der zugegebenermaßen immer seltener wurde) verändert. Klassisch ist es ja so: jemand trinkt, wird beschwippst und dann lustig, aggressiv, redseelig oder was auch immer. Und wenn er dann wieder nüchtern ist, ist das aber vorbei.

    Wenn man aber mal süchtig ist, dann verändert sich der Charakter dauerhaft. Leider bleibt das auch wenn man eine Trinkpause macht oder versucht dauerhaft trocken zu werden. Das ist zumindest meine Erfahrung. Ich will damit nur sagen, dass es m. E. nicht reicht, nur nicht mehr zu trinken. Man muss auch lernen, seine Verhaltens- und Denkweisen zu verändern. Also das Gehirn sozusagen wieder umzuprogrammieren auf den Zustand vor der Sucht. Das bedeutet neben Abstinenz auch Arbeit an sich selbst.

    Dabei können SHG, Suchtberatung, Psychologen usw. sehr hilfreich sein. Welcher Weg für Dich der richtige ist kann ich Dir nicht sagen. Da geht jeder einen anderen. Da kannst Du Dir hier richtig viel Informationen holen. Gut finde ich, dass Du die Gefahr des Kalten Entzugs erkannt hast und Dich hier auf nichts einlässt.

    Wie Dein Weg in die Trockenheit (und damit in ein neues, sehr lohnenswertes Leben) dann genaus aussieht, darüber kannst Du Dich hier prima austauschen!

    Ich wünsche Dir viel Erfolg für Deinen Weg und einen guten Austausch hier im Forum!

    LG
    gerchla

    Hallo rewolf,

    :welcome: hier im Forum. Schön, dass Du hiergefunden hast.

    Kurz zu mir: männlich, mitte 40, seit Ende 2013 trocken

    Ich wünsche Dir einen guten Austausch hier, wenn Du hier mal ein wenig stöberst kannst Du viele sehr interessante (Lebens-)Geschichten finden und Dir daraus für Deinen Weg etwas heraus ziehen.

    Hast Du denn schon einen "Plan", wie Du weiter vorgehen willst? Du machst jetzt seit 3 Tagen eine Trinkpause - wie geht es Dir damit? Hast Du körperliche Entzugserscheinungen? Ich frage hier bewusst, denn kalter Entzug kann sehr gefährlich sein. Über dieses Thema findest Du hier im Forum ebenfalls wichtige Informationen.

    Ganz kurz noch was ich damals so gemacht habe: Arzt eingeweiht, SHG besucht, Beratung, Psychologe (längere Zeit zum Aufarbeiten) und anderweitige Gesprächsgruppen. Keine Langzeittherapie. Etwas später bin ich dann auch hier "gelandet", was für mich eine virtuelle SHG ist.

    Meine Erfahrung, gesammelt durch zahlreiche Trinkpausen mit diversen Rückfällen:

    Nur einfach nix mehr trinken reicht nicht um dauerhaft trocken zu bleiben. Man muss tiefer gehen, verhaltens- und denkweisen ändern. Das hätte ich ohne Hilfe nicht geschafft.

    So, jetzt will ich Dich aber nicht gleich am Anfang zutexten. Schön, dass Du hier bist und ich wünsche Dir einen guten Austausch hier im Forum.

    LG
    gerchla

    Hallo angie,

    oh, das tut mir dann aber schon leid, dass Du Dich scheinbar angegriffen oder verurteilt fühlst. Ein paar Sätze dazu:

    Es liegt mir fern, sehr fern, Dich oder irgendjemand anderen hier im Forum zu verurteilen. Jeder hier so seine Erfahrungen gemacht, jeder ist irgendwie seinen Weg gegangen. Kein Weg gleicht dem anderen. Sowohl was das hineinrutschen in die Sucht betrifft als auch was das wieder herauskommen betrifft. Es gibt kein Schwarz/Weiss, es gibt viele Graustufen, genau wie Du sagst. Andererseits ähneln sich aber doch viele Wege, sowohl von denen, die es schaffen trocken zu werden und dauerhaft zu bleiben als auch von denen, die dazu ein paar Umwege gehen müssen.

    Ich wollte Dir eigentlich nur meine Gedanken mitteilen, ohne zu werten und ohne zu verurteilen. Warum auch, ich kenne Dich doch nicht mal. Wenn bei meinem Geschreibsel für Dich nichts dabei ist, das für Deinen Weg passt oder was Dich dazu anregt nachzudenken, dann mach einfach einen Haken dran. Ich habe hier nicht die Motivation als Klugscheißer daher zu kommen. Es ist ja schließlich Dein Leben, Dein Weg und Deine Entscheidung, wie oder wo oder was Du machst oder nicht.

    Also sorry nochmal, wenn es irgendwie falsch rüber gekommen ist und alles Gute auf Deinem weiteren Weg.

    LG
    gerchla

    Hallo angie,

    ich will Dir einfach mal ein paar von meinen Gedanken mitteilen. Vorab, die Frage von Greenfox bezüglich der Umfrage: In Deinem Thread ist ganz oben eine Umfrage eingebaut, die allerdings ziemlich sinnfrei ist. Vielleicht war das ja einfach nur ein versehen? Ich weiß gar nicht, wie sowas überhaupt geht.

    Jetzt zu meinen Gedanken:

    Erst mal super, dass Du da bist und Dich mit Deiner Sucht auseinander setzt. Ein Großteil der alkoholkranken Menschen kommt erst gar nicht so weit. Wenn ich Dich aber so lese, dann merke ich (oder ich glaube es zumindest), dass Du noch nicht so ganz weißt, welche Dimensionen diese Krankheit eigentlich so hat. Und vor allem welche Facetten. Dazu kannst Du hier im Forum ganz viel lesen, viele Geschichten, gescheiterte Versuche trocken zu werden, Rückfälle aber auch "Erfolgsstories".

    Zitat

    ich wollte hier einfach nicht endlos lange texte schreiben die dann eh keiner liest

    Dazu möchte ich sagen: Darum sind wir hier im Forum, freiwillig, niemand zwingt uns dazu. Die einen die hier sind, wollen helfen, Erfahrung weiter geben. Die Anderen suchen Hilfe, wollen davon profitieren. Für mich gibt es z. B. nix schöneres als wenn jemand schreibt, dass ihn mein Text zum Nachdenken angeregt hat. Deshalb kannst Du hier selbstverständlich lange Texte schreiben! Manchmal geht das gar nicht anders, weil man sonst nicht rüberbringen kann, was man eigentlich sagen will oder weil man falsch verstanden wird. Also, keine Hemmungen bitte.

    Zitat

    naja, als ich dann einmal eine AA-gruppe in zürich besuchte sagten die mir, das sei quatsch und klar ginge das von jetzt auf gleich, es sei sogar die einzige chance, davon wegzukommen.

    Ich weiß ja nicht genau in welchem Zusammenhang diese Aussage gefallen ist. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass eine AA-Gruppe zu kaltem Entzug rät. Es ist einfach so, dass Du 9 mal kalt entziehen kannst und beim 10. mal geht es schief. Es kann aber auch schon beim ersten mal schief gehen. Es ist hochgefährlich, wenn Du ins Delir kommst, hast Du eine 30 %ige Chance daran zu sterben. Beispiele dafür gibt es genug! Ich kann hier immer nur raten einen Arzt hinzu zu ziehen. D. h. ja auch nicht immer, dass man gleich klinisch entziehen muss, aber wenigstens unter ärztlicher Aufsicht. Das kann Leben retten.

    Zitat

    aber ganz ehrlich gesagt sind all die horrorgeschichten, die ich auch immer wieder gehört habe bei kalten enzügen, bei mir jedenfalls nicht eingetreten.

    Gut, dass es so ist. Aber mache jetzt bitte nicht den Fehler zu denken, dass das tatsächlich "nur" Horrorgeschichten sind. Es ist REALITÄT, leider.

    Zitat

    was denkst du denn über therapien oder gruppen wenn man schon clean ist?

    Weißt Du was mich bei diesem Satz besonders irritiert? Es ist das Wort "clean". Du trinkst jetzt 6 Tage nichts mehr... Das ist schön, das ist auch gut. Aber das ist jetzt erst mal nix anderes als eine kurze Trinkpause. Sei Dir dessen bewusst. Ich hab das mal ein dreiviertel Jahr geschafft. Einige hier auch mal ein Jahr oder sogar noch länger. Ok, ich könnte schon sagen, ich war ein dreiviertel Jahr clean oder trocken wie wir Alkoholiker sagen. Habe nix getrunken in der Zeit aber es war doch nur eine Pause und im Grunde war klar, dass ich wieder trinken werde.

    Weißt Du warum? Weil ich "einfach" nur nichts mehr getrunken habe. Ansonsten hatte sich mein Leben nicht wesentlich verändert. Ich habe nur nichts mehr getrunken. Meine Gedanken waren nach wie vor "nass". Mein Verhalten ebenso. Ich habe mich nicht hinterfragt, nichts aufgearbeitet, mir nicht weiter helfen lassen. Ich MUSSTE irgendwann wieder trinken. Also war ich im Grunde nicht clean oder trocken oder sagen wir mal so: Ich war körperlich trocken, geistig war nach wie vor voll drauf.

    Vielleicht ist das jetzt für Dich schwer zu verstehen. Wenn die 25 hinter Deinem Namen für Dein Alter steht, dann bist Du noch jung, siehst das alles auch nochmal aus einer anderen Perpektive. Das ist gut so! Aber ich kann Dir aus meiner Erfahrung (bei mir müsste eine 45 hinter dem Namen stehen), dass es unbedingt nötig ist an sich zu arbeiten. Darum kann ich Deine Frage nur mit JA beantworten. Unbedingt solltest Du was machen. Psychologe, Therapie, SHG - ausprobieren. Nicht alles ist für jeden geeignet.

    Ich habe, als ich dann endlich soweit war, alles gemacht, was mir geboten wurde. Viele viele Gespräche, geoutet im engeren Verwandten und Bekanntenkreis natürlich. Strategien entwickelt, wie ich bestimmte Situationen überstehen kann ohne wieder zu trinken anzufangen usw.usf.

    Es dauert erst mal, bis man die erste Zeit hinter sich hat. Nach der esten Euphorie (juhu ist ja ganz einfach nix zu trinken) kommen auch andere Zeiten, Probleme bleiben, sie lösen sich nicht, nur weil man jetzt nix mehr trinkt. Im Gegenteil, man nimmt sie plötzlich richtig wahr. Das kann einen dann schon auch mal runter ziehen, auch dafür braucht man eine Strategie. Denn trinken ist keine Alternative - man löst seine Probleme nur nüchtern - besoffen schafft man sich nur neue.

    Das waren einfach ein paar Gedanken von mir. Im Moment habe ich das Gefühl, dass Du so im "ach das ist ja alles ganz easy Modus" unterwegs bist. Behalte Dir eine gewisse Leichtigkeit ruhig bei aber sei wachsam. Diese Krankheit, diese Sucht ist wirklich unglaublich raffiniert und man darf sie auf keinen Fall unterschätzen.

    Bis bald und
    LG
    gerchla

    Hallo angie,

    erst mal :welcome: hier im Forum! Schön, dass Du hierher gefunden hast.

    Im ersten Moment habe ich mir gedacht: Na, bei einem gewöhnlichen Pegel von bis zu 4 Promille und dann kalt entziehen, da sind die Schlafstörungen ja noch das kleinste Problem...

    Aber ok, 1. weiß ich ja gar nicht ob Du kalt entziehst und 2. ist das Deine Entscheidung. Die Gefahren wirst Du ja kennen, denke ich. Falls nicht, kannst Du das hier auch nachlesen.

    Jetzt aber zu Deiner eigentlichen Frage. Ich hatte das auch. Anfangs recht häufig, später war das dann weg. Bei mir war das einfach das Gedankenkarussell, das mich nicht schlafen ließ. Von einem zum anderen, Gedanken darüber, was ich alles getan habe, Gedanken darüber, wie die vielen Probleme die ich (bedingt durch's Trinken) hatte, lösen kann, usw. usf.

    Ich hab dann mit dem Arzt gesprochen, der hat mir pflanzliche Medikamente verschrieben. Die habe ich genommen, die haben mir so lala geholfen. Ich sag mal so: Ich weiß nicht wie es ohne gewesen wäre. Was mir dann wirklich Entspannung und Ruhe verschafft hat, war ganz banal: Hörspiele. Ich hab jeden Abend zum Schlafen ein Hörspiel rein. Das hat mich abgelenkt und ich hab einigermaßen geschlafen. Manchmal musste ich dann auch nachts aufstehen und nochmal auf "play" drücken. Aber das war mir egal, es wurde damit deutlich besser.

    Und mit der Zeit ging das dann sowieso immer besser. Medikamente habe ich dann einfach wegelassen und ein Hörspiel hör ich mir immernoch gerne mal an. Aber nur des Hörspiels wegen, nicht mehr weil ich nicht schlafen kann...

    Vielleicht hilft Dir das ja auch. Ich wünsche Dir eine guten Austausch hier und alles Gute auf Deinem Weg

    LG
    gerchla

    Hallo xandi,

    Zitat

    Eines frag ich mich halt; Hätte ich besser zu Hause bleiben sollen und mich der Situation anders stellen sollen?
    Aber ich steh am Anfang und sag mir: Alles besser als Trinken!

    Na das meine ich aber auch - Alles besser als trinken! Ich finde es sehr gut, dass Du die Situation reflektiert hast und eine Entscheidung für Dich getroffen hast. Nämlich dass Du mit fährst weil Du die Gefahr gesehen hast, dass es schief gehen könnte. Vielleicht hättest Du Dich der Situation auch anders stellen können aber Du hast jetzt diese Entscheidung getroffen. Und das ist gut weil es Deine Entscheidung und sie hat funktioniert! Im Laufe der Zeit wirst Du mit solchen Situationen vielleicht auch anders umgehen können oder wollen. Daran arbeitest Du ja gerade.

    Zitat

    Ich merke, dass er mit seiner Kraft am Ende ist. Ich weiß nicht ob ich an seiner Stelle noch bei mir wäre.
    In dieser Situation bin ich nicht.

    Es ist für Angehörige sicher nicht einfach mit einem Alkoholiker zusammen zu sein. Dazu kann man vieles hier im Forum lesen und ich weiß es auch aus eigener Erfahrung, wenn auch von der anderen Seite her. Insofern kann ich nachvollziehen, dass man irgendwann mit seinen Kräften ans Limit kommt und vor allem Dingen auch mal gereizt sein kann. Ich will Dir aber ehrlich sagen, dass ich bei Dir im Unterton immer herauszuhören glaube, dass Du Dich selbst klein machst. Dass Du dankbar sein musst, dass Dein Mann überhaupt noch bei Dir ist und Dir zur Seite steht usw. Weil Du ja so schlimm bist/warst.

    Dazu kann ich sagen: Das kenne ich! Für mich war/ist das eine der größten Baustellen überhaupt, die ich zu bearbeiten hatte. Das schlechte Gewissen, das mieße Gefühl den anderen Menschen all das angetan zu haben, ein im Grunde kaum vorhandenes Selbstbewuststein - nach außen (bei mir) aber gut überspielt. Viele Dinge waren bei mir passiert, die eigentlich nicht zu entschuldigen sind, nur weil ich versagt habe und getrunken habe. Weil ich mich wieder und wieder nicht im Griff hatte...

    Jetzt das ABER: Du kannst die Vergangenheit nicht ändern! Du kannst nur Deine bzw. Eure Zukunft neu gestalten. Du gehörst zu den wenigen Alkohollikern, die überhaupt mal ernsthaft ihrer Krankheit den Kampf angesagt haben! Du machst was dagegen, Du kämpfst, Du stehst auf und bleibst nicht liegen! Da möchte ich jetzt mal sagen: RESPEKT
    Und ich finde, wenn ein Alkoholiker ernsthaft versucht gegen seine Krankheit vorzugehen, dann ist das aller Ehren wert und er verdient es dann auch, dass er dabei unterstützt wird. Vielleicht kannst Du offen mit Deinem Mann sprechen, darüber wie es in Dir aussieht, wie es Dir geht, was das alles für Dich bedeutet. Ich finde Ihr seid auf einem guten Weg zumal er ja auch selbst zum Psycholgen geht und sich in der Situation Hilfe holt. Auch das ist nicht immer so.

    Ich will Dir damit sagen: Sei auch mal stolz auf Dich, auf das was Du schon geschafft hast. Nimm das als Motivation weiter zu gehen. Verdränge die Vergangenheit nicht, aber lasse sie nicht Deinen Alltag dominieren. Arbeite sie auf, alleine und mit Hilfe und alles zu seiner Zeit!

    Zitat

    Mittlerweile geht es mir sehr gut.


    44. Somit würde ich mal sagen: Alles richtig gemacht!

    Zitat

    Heute hab ich wieder einen Termin bei der Psychologin und im Anschluss darauf eine Gruppe.

    Das mit der Gruppe finde ich super. Psychologin natürlich auch aber Du suchst noch weitere, andere Wege. Das zeigt, dass Du Dein Ziel unbedingt erreichen willst.

    LG
    gerchla

    Liebe xandi,

    ich freue mich, wenn Dir meine Geschichte ein Stückchen weiter helfen kann oder Dir einfach nur die ein oder andere Anregung gibt um Deinen Weg weiter zu gehen. Hauptsache Du gehst weiter, bleib' nicht stehen, gehe auf keinen Fall zurück. Es lohnt sich so dieses andere tolle Leben zu führen. Und bitte zweifle nicht, wenn jetzt nicht sofort nur Glückmomente über Dich herein brechen. Es ist nicht so, dass ohne Alkohol plötzlich alle Probleme gelöst wären. Im Gegenteil, sie sind da und sie werden plötzlich auch richtig wahr genommen. Also ohne Alkoholbetäubung!

    Aber der große Vorteil ist: Du kannst sie mit klarem Kopf angehen und lösen. Nach und nach, eines nach dem anderen. Trinkend löst Du gar nix, und wenn doch mal, dann warten schon zwei neue die Du ohne Alkohol gar nicht hättest.

    Zitat

    Ich sage Dinge -auch jetzt im trockenen Zustand- die er hören will, um sich sicherer zu fühlen.

    Das ist einer der ganz wichtigen Punkte, wie ich finde. Nur weil jemand nichts mehr trinkt hat er noch lange nicht seine Verhaltens- oder Denkweisen verändert. Du bist hier also noch in Deinem alten Fahrwasser. Aber das macht ja erst mal nichts, weil es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Ich meine, es bedarf schon einiges an Arbeit und eigener innerer Überzeugung um jahrelange Denkweisen zu verändern, oder? Bei mir war das so, dass ich erst mal meine Trockenheit an die allererste Stelle gehievt hatte. Ich wusste: Erst mal nix mehr trinken, dafür alles tun. Also Psychologe, SHG usw. Aber da war ich noch weit davon entfernt mein komplettes Handeln und Denken zu hinterfragen. Das war bei mir ein Prozess und ich glaube, der ist nie abgeschlossen. Heute bin ich viel weiter als ich vor 2 Jahren war und ich hoffe sehr, dass ich in 2 Jahren von mir sagen kann, dass ich wieder ein Stück weiter entwickelt habe. Das wäre schön.

    Ich habe mich später mal mit meiner Ex-Frau unterhalten, als ich etwas gefestigter war und es ihr auch schon wieder besser ging. Ich habe ihr erzählt, dass ich immer das Gefühl hatte, dass ich sie nie erreichen kann, dass ich sie als quasi fehlerfrei empfunden hatte. Sie hat mir geantwortet, dass das völliger Quatsch sei. Und dass sie das alles, was ich an Arbeit usw. gemacht habe gar nicht erwartet und gewollt hat. Dass es ihr lieber gewesen wäre, ich hätte NEIN gesagt und gesagt was ICH eigentlich will. Sie hat gesagt, sie hatte immer das Gefühl, sie hätte ein drittes Kind auf das sie aufpassen muss, nämlich mich. Tja, hätte ich damals klar gesehen hätten wir vielleicht noch eine Chance gehabt.

    Zitat

    Ich solle mehr Demut zeigen, sagt er zu mir

    Wenn das bedeutet, dass Du ihm gegenüber mehr Demut zeigen sollst, weil er Dir so viel hilft, dann befremdet mich das ehrlich gesagt ziemlich. Damit würde er Dich ja bewusst klein machen. Das macht man mit jemanden den man liebt aber normal nicht. Also wahrscheinlich verstehe ich das falsch.

    Grundsätzlich wollte ich Dir noch sagen, dass es für Menschen, die diesen Alkoholmist nicht selbst durchgemacht haben, schwer ist zu verstehen, was da mit uns Alkis so passiert. Welche Macht der Alkohol hat und wie gefährlich falsches Verhalten sein kann. Ich hab' Dir ja schon berichtet, wie das in meiner Familie so wegignoriert wird. Man darf dann gar nicht böse sein, denn sie wissen es ja nicht anders. Und denkt man mal an sich selbst, hat man vielleicht Probleme mit Menschen umzugehen, die eine unheilbare Krankeit haben oder vielleicht gerade einen engen Angehörigen verloren haben.

    Aber natürlich ist es nochmal was anderes ob nun ein Verwandter oder Bekannter mit Deiner Sucht nicht klar kommt oder nix darüber weiß oder ob das Dein Mann ist. Ich denke er ist einer Deiner Lebensmittelpunkte und Du bist einer seiner Mittelpunkte. Das ist ja auch schön und gut so. Aber ihr habt es jetzt ja nicht mit einer Lapalie zu tun. Darum wäre es wichtig, dass er genau weiß was Alkoholismus bedeutet und wie er Dir helfen kann. Könnt Ihr nicht mal beide zum Psychologen oder zur Suchtberatung? Damit er mit eingebunden ist, weiß worum es geht.

    Auf jeden Fall bist Du auf dem richtigen Weg. Das freut mich sehr. Und wenn es Dir mal nicht so gut geht, denke daran, dass ist ganz normal! Wichtig nur, dass Du nicht mehr trinkst weil Du denkst das könnte Dir helfen. Es hilft NICHT, es bewirkt genau das Gegenteil!

    LG
    gerchla

    Hallo Esprit,

    ein verspätetes herzliches Willkommen hier im Forum von mir.

    Hört sich ziemlich klassisch an, Deine Geschichte über Rutsch in den Alkoholsumpf. Was mir auffällt ist, dass Du immer wieder Gründe nennst, weshalb Du getrunken hast, rückfällig wurdest usw. Das habe ich anfangs auch oft gemacht, also mir Erklärungen gesucht, warum wieso weshalb. Ich habe damit auch versucht die Verantwortung für das, was ich im Alkoholrausch so an Mist gebaut hab, auf den Alkohol abzuschieben und diejenigen dafür verantwortlich zu machen, die aus meiner Sicht daran Schuld waren, dass ich getrunken habe.

    Aus heutiger Sicht kann ich Dir sagen: Es gibt keinen Grund Alkohol zu trinken! Es lag immer in meiner eigenen Verantwortung. Und somit kann ich mir gegenüber auch nichts entschuldigen, was ich aufgrund meiner Sauferei alles so getan habe. Ich kann es bestenfalls erklären....

    Ich wünsche Dir einen guten Austausch und alles erdenklich Gute auf Deinem Weg aus der Sucht!

    LG
    gerchla

    Liebe xandi,

    war jetzt mal ein paar Tage offline und habe Deinen Thread "nachgelesen". Zum Tag 6 von Dir wollte ich Dir noch ein paar Erfahrungen von mir erzählen:

    Zitat

    Ich liebe meinen Mann sehr, und er auch mich.

    Ich finde das ist doch schon mal eine ganz tolle Grundvoraussetzung! Bei mir war das so, dass ich "gefangen" war in meiner Beziehung. Verheiratet, viele Jahre, zwei wunderbare Kinder. Und eigentlich auch eine wunderbare Frau, zumindest würde das jeder sagen der sie kennt und der neutral auf die ganze Geschichte schaut. Eigentlich hätte ich überhaupt keinen Grund gehabt zu trinken und auf jeden Fall sehr gute Gründe um damit aufzuhören. Aber, es ging nicht, viele viele Jahre lang ging es nicht. Die Beziehung zu meiner Frau hat sich über die Jahre verändert, dahin gehend verändert, dass ich mit zunehmenden (HEIMLICHEN) Alkoholkonsum, damit beschäftig war, Konflikte zu vermeiden.

    Ich war also damit beschäftigt immer alles recht zu machen. Vielleicht wegen des schlechten Gewissens das ich natürlich hatte, weil ich heimlich getrunken habe. Und bestimmt auch wegen der vielen Lügereien, die damit verbunden waren. Also habe ich jahrelang versucht, eine heile Fassade aufrecht zu erhalten. Habe gekocht, geputzt, eingekauft und mich in allen Bereichen des Familienlebens hinein gekniet so gut ich das konnte. Morgens, Mittags und Nachmittags besser als Abends, weil irgendwann die Kraft alkoholbedingt nach ließ.

    Oft hat meine Frau gesagt: "mach lieber weniger aber das dann dafür richtig", "du musst doch nicht alles machen", "willst du dir nicht mal ein Hobby suchen, sport machen oder so" usw usw.
    Aber ich wollte nicht. Ich konnte nicht. Ich war gefangen in diesem Kreislauf. Meinen Job den gab es natürlich auch noch. Da lief alles super und so konnte ich meine ganze Resternergie in meine Freizeit stecken. Durch den Alkohol wurden meine "Tätigkeiten" aber immer schwieriger, ich machte Fehler, vergaß Dinge oder plante Arbeiten um den Alkohol herum. Einkaufen war irgendwann meine Leidenschaft, weil ich da dann schon mal in Ruhe meine ersten Bierchen trinken konnte. Also auf dem Heimweg, nach dem Einkaufen. Das dominierte mein Leben dann immer mehr. Meine Beziehung dagegen lief so vor sich hin. Ich sah mich einerseits als lügenden Alkoholiker den diese Frau ganz sicher nicht verdient hat und versuchte auf der anderen Seite möglichst viel zu tun, damit ich wenigstens damit mein Gewissen beruhigen konnte.

    Hätte damals ein Psychologe von außen drauf gesehen, er hätte mir klipp und klar gesagt, dass das niemals auf Dauer gut gehen kann. Wir waren verheiratet, sind mehr oder weniger zusammen erwachsen geworden und haben uns ganz sicher auch mal geliebt, viele Jahre lang. Aber das ging zumindest von meiner Seiter her verloren in Pflichtbewusstsein, Gewissensberuhigung usw. Irgendwann bemerkte ich dann, dass ich eine Frau habe, die so viel weiter war als ich. Sie hatte sich weiter entwickelt, neue Dinge erfahren, sich mit interessanten neuen Themen beschäft, Geistig weiter entwickelt. Ich konnte ihr nicht mehr das Wasser reichen, so habe ich es empfunden. Aber ich bin ständig hinterher gestrampelt, habe es versucht. Heute weiß ich, dass es gar nicht möglich war, weil ich nasser Alkoholiker war.

    Oje, wird wieder ne lange Story von mir. Ok, weiter im Text: In dem Moment wo mir ultimativ klar wurde, dass ich nun mein Leben ändern muss und werde und dass ich nie mehr Alkohl trinken will war mir auch klar, dass ich mich von meiner Frau trennen muss! Und damit auch von meinen über alles geliebten Kindern. Ich wusste, dass ich es nie schaffen werde dauerhaft trocken zu werden, wenn ich diesen Schritt nicht gehe. Das stand plötzlich ganz klar vor mir. Also habe ich mich geoutet und bin ausgezogen. Ich kann Dir gar nicht beschreiben, wie schlimm das für meine Ex-Frau war, für meine Kinder und natürlich auch für mich. ABER: Es war der richtige Schritt - das kann ich Dir heute aus voller Überzeugung sagen. Selbstverständlich bin ich diesen Weg dann nicht alleine gegangen. Ich hatte einen Psychologen, der mir allerdings nicht sehr lag und den ich Anfangs gar nicht verstanden habe. Der sagte immer: Benehmen sie sich endlich wie ein erwachsener Mann! Jammern sie nicht - sprechen sie mit ihrer Frau wie man das unter erwachsenen Menschen tut. Usw usf. Nun, heute weiß ich was er damit gemeint hat und heute kann ich auch sagen: Er hatte recht und es war zu dieser Zeit genau richtig das jemand mal Tacheles gesprochen hat! Auch wenn ich das natürlich gaaaanz anders gesehen habe.

    Dann gab (gibt es heute noch) einen Mönch, der mir ebenfalls zur Seite stand. Ganz anders als der Psychologe, ein Gegenpol sozusagen. Aber trotzdem kein Weichzeichner, auch bestimmt und direkt. Und dann noch meinen alten guten Freund, der wiederum alle Hintergründe genau kannte, mich von kleinauf kennt und wieder ganz anders an die Sache ran gegangen ist.

    Das waren meine Anker damals! Für jeden einzelnen bin ich sehr dankbar.

    Was will ich jetzt damit sagen? Ich spreche jetzt nur für mich: Nur zu trinken aufhören hätte bei mir nicht funktioniert. Ich musste mein Leben komplett ändern, meine Einstellungen, meine Verhaltensweisen und vor allem auch meine Denkweisen. Hätte ich das nicht getan, hätte ich nur nicht mehr getrunken, wäre ich nicht dauerhaft trocken geblieben. Es wäre höchstens wieder eine Trinkpause daraus geworden und ich wäre weiterhin unglücklich geblieben ohne das richtig zu merken.

    Mittlerweile bin ich geschieden. Ich verstehe mich gut mit meiner Ex-Frau. Es tut mir sehr leid, dass es zwischen uns so gekommen ist. Ich schäme mich dafür, wie ich diese Beziehung an die Wand gefahren habe. Aber ich bedauere nicht, dass ich mich dann letztlich getrennt habe, denn es war für mich der richtige Weg. Wie das alles gelaufen ist bedauere ich dagegen sehr und will auch nicht den Alkohol als "ja aber ich kann ja nix dafür, da war ja nur er blöde Alkohol schuld" Entschuldigung her nehmen. Damit macht man es sich zu leicht.

    Heute habe ich eine neue Partnerin, eine ganz tolle. Wir sind auf Augenhöhe - d. h. wir leben zusammen, wir gestalten unsere Zukunft, wir lieben uns aber wir sind ZWEI Menschen, jeder mit seinen Wünschen und Bedürfnissen, jeder ein Individuum! Wir achten darauf, dass wir gegenseitig darauf achten, dass der einzelne nicht "zu kurz" kommt. Das jeder das, was er gerne auch mal alleine machen möchte, machen kann.

    Liebe xandi, für Dich ist bestimmt ein ganz anderer Weg der Richtige. Wichtig ist aber aus meiner Sicht, dass Du keine Angst vor Veränderungen hast, dass Du bereit bist Veränderungen zu zu lassen. Dein Mann und Du, ihr liebt Euch! Also, das ist doch die ideale Voraussetzung um solche Veränderungen gemeinsam an zu gehen und umzusetzen! Vielleicht ist das das, was Deine Psychologin Dir sagen will. Denn ich glaube wirklich: Nur nix mehr zu trinken hilft auf Dauer nicht!

    LG
    gerchla

    Hallo xandi,

    dazu kann ich Dir ein bisl was von mir erzählen. Ich hatte eigentlich eine sehr schöne Kindheit, zumindest empfinde ich das im Nachhinein so. Meine Eltern haben sehr viel gearbeitet, ich war viel bei meinem Opa, oft auch über Nacht. Mein Vater hat sicher Alkoholmissbrauch betrieben, hat aber immer wieder die Kurve gekriegt, ist nie komplett abgestürzt. Das ist bis heute so. Mein Opa war Alkoholiker, hatte aber seine "Glanzzeiten" schon hinter sich als ich dann bei ihm war. Da trank er noch seine 4 -5 Bier pro Tag, mehr hat er nicht mehr vertragen. Er ist dann im hohen Alter von 84 Jahren gestorben als ich längst Erwachsen war. Meine Mama hatte kein Alkoholproblem, litt aber schon immer wieder unter den Trinkphasen meines Vaters. Aber sie haben sich doch immer wieder zusammen gerauft und heute genießen sie ihre Rente. Mein Vater trinkt nach wie vor, mal etwas mehr, mal weniger und ist felsenfest davon überzeugt, dass er aufgrund seines Bierkonsum nicht krank wird. Damit meint er Erkältungen, die er wirklich nie hat. Seinen Blutdruck, die Gicht, seine Fettleibigkeit und die Gelenkschmerzen unter denen er seit vielen Jahren leidet, blendet er einfach aus.

    Das nur zu meiner familiären Vorgeschichte. Vielleicht sollte ich noch erwähnen, dass ich in meiner Kindheit nicht ungerecht behandelt wurde, keine Schläge, kein Liebesentzug usw. Also wirklich anders als Du das von Dir berichtest.

    Irgendwann, genauer vor ca. 2,5 Jahren, habe ich allen mir wichtigen Personen gesagt, dass ich Alkoholiker bin. Auch meinen Eltern, meinen Geschwistern. Das ganze noch kombiniert mit der Information, dass ich mich von meiner Frau (ich habe auch noch zwei Kinder) getrennt habe. Ich hatte hier also wirklich einen extremen Schnitt in meinem Leben, das bis dahin ganz "normal" und nach außen hin perfekt verlaufen war. Schule abgeschlossen, Job mit Führungsposition, keine finanzielle Sorgen, 2 wunderbare Kinder und eine Frau die gut zu mir zu passen schien. Niemand hatte geahnt, dass ich heimlicher Trinker war.

    Soweit so gut. Im Nachhinein kann ich Dir sagen, dass dieses eine Gespräch, also als ich mich als Alkoholiker geoutet habe, das EINZIGE Gespräch über meine Alkoholsucht geblieben ist, dass ich je mit meinen Eltern geführt habe.

    Wie Du vielleicht erahnst liegt das nicht an mir. Oft gab es Situationen (und die gibt es auch heute noch ab und zu) wo ich mit ihnen darüber sprechen wollte. Es wurde immer übergangen, abgelenkt, betroffen ignoriert oder teilweise sogar aggressiv reagiert. Es war seit meinem Outing nicht mehr möglich auch nur ansatzweise ein Gespräch über meine Krankheit zu führen.

    Im Gegenteil, es ist so, dass mein Vater das komplett ignoriert. Beispiel: Ab und an bin ich zum Essen eingeladen, er kocht nämlich genial. Ich muss nur aufpassen, ob er in den Soßen Alkohol verwendet oder nicht. Denn das macht er gern und es ist ihm völlig wurscht, ob ich damit ein Problem habe. Also frage ich jedes mal nach. Selbstverständlich schwärmt er mir vor, welch tollen Wein er jetzt zum Essen trinkt, wie viele Flaschen er davon neulich mit seinem Nachbarn geleert hat usw. Bei Nachfragen bezüglich des weiteren Verlaufs seines Geburtstags neulich, hat er mir breit und SEHR stolz erklärt, dass an diesem Abend noch ganze 2 Flaschen Schnaps "vernichtet" wurden und dass es ein toller Abend war.

    Ich habe mir ja vom Anfang meiner Trockenheit an Menschen gesucht, mit denen ich regelmäßig reden konnte. Also Psychologe, aber auch ein wunderbarer Freund und ein Möch, der mir sehr sehr viel geholfen (obwohl ich nicht im klassischen Sinn gläubig bin). Genau über dieses Thema (übrigens ignorieren meine Geschwister meine Krankheit ebenso) habe ich dann mit diesen Menschen gesprochen.

    Dabei ist mental etwas mit mir passiert. Aus anfänglicher Empörung, aus Nichtverständnis und teilweiser Verletztheit wurde Akzeptanz. Mittlerweile ist es für mich ok so wie es ist. Meine Eltern, meine Geschwister sind wie sie sind. Sie können nicht anders. Probleme anzusprechen oder gar auszudiskutieren war in meiner Familie nie möglich. Auch ich habe das nicht gelernt. Vielleicht ein Grund dafür, dass ich meine Probleme mit Alkohol lösen wollte. Nur weil ich mich jetzt geoutet habe und viel an mir arbeite oder gearbeitet habe bedeutet ja nicht, dass meine Eltern das auch machen. Für die geht alles so weiter wie immer. Das muss ich einfach so akzeptieren.

    Und mich abgrenzen, wenn es notwendig ist. Also z. B. wenn er mir zu betrunken ist, dann gehe ich halt einfach. Dazu muss ich ihm keinen Vortrag halten, sondern es gibt immer einen Grund warum ich jetzt gehen muss. Es ist ja sein Leben, er entscheidet was er macht. Beim nächsten Mal freue ich mich ihn wieder zu besuchen. Ich nehme es hin, so wie es ist. Klar sehe ich, dass besonders mein Vater total verbohrt ist und eigentlich dringend auch aufhören müsste zu trinken, sein Leben auf gesunde Ernährung umstellen müsste usw. Aber ich habe akzeptiert, dass ich ihm dabei nicht helfen kann. Weil er sein Leben so wie er es hat als wunderbar empfindet.

    Zitat

    Oder beginnt nur der Anfang des Wegbrechens lieber/naher Menschen wie bei vielen Alkoholikerkarrieren?

    Hätte ich nicht zu dieser Akzeptanz gefunden, wäre ich den Weg der Konfrontation gegangen, dann wäre die Beziehung zu meinen Eltern wahrscheinlich langsam wegberochen. Das war es mir nicht wert und ich habe glücklicherweise gelernt damit umzugehen ohne belastet zu sein. Es gibt aber auch andere Beispiele, wo ich Kontakte abgebrochen habe. Im Freundeskreis, wo ich keine Akzeptanz für meine Situation erlebt habe und wo ich dann als Konsequenz den Kontakt abgebrochen habe. Aber auch hier ohne dass es mich belastet.

    Ich glaube das wichtigste ist doch, dass man selbst mit seinen Entscheidungen gut leben kann. Das man auf sich achtet. Gerade in Deiner Situation wo Du noch am Anfang stehst ist das besonders wichtig.

    Ich weiß nicht ob Dir mein Geschreibsel was bringt, es ist ja nicht auf Deine Situation übertragbar. Trotzdem wollte ich Dir das einfach mal schreiben.

    Ich wünsche Dir alles Gute!

    LG
    gerchla

    Guten Morgen xandi,

    erst mal HERZLICH WILLKOMMEN hier im Forum! Schön, dass Du zu uns gefunden hast.

    Ich bin Alkoholiker und seit ca. 2,5 Jahren trocken. Die übliche Story vorher: Alles Mögliche probiert, kontrolliert trinken, nix trinken, nur abends trinken und was weiß ich nicht noch alles. Ergebnis: Negativ. Hat natürlich auf längere Sicht nix gebracht. Ich muss von mir sagen, dass ich vom erst gelegentlichen Entspannungstrinker zum Spiegeltrinker geworden bin. Das was Du von Dir beschreibst, also längere Zeit nichts trinken und dann aber zum Totalabsturz saufen, kenne ich nicht. Insofern kann ich Dir da nicht aus eigener Erfahrung berichten.

    Ich kann Dir aber sagen, dass Du diese Krankheit nur besiegen kannst, wenn Du 100% weist, was Du willst. In dem Moment, wo Du Dir, wenn auch unbewusst, ein Hintertürchen offen lässt, wird es schwierig. Bei dem was Du von Dir geschrieben hast, hatte ich das Gefühl, dass das bei Dir so gewesen sein könnte.
    Und bei mir war das genauso. Die vielen Versuche, weniger oder gar nichts mehr zu trinken waren immer gescheitert, weil ich nicht 100% dahinter stand. Obwohl ich wirklich gute Gründe hatte endlich aufzuhören, obwohl ich wusste, dass ich Alkohliker bin. Erst bei meinem letzten und hoffentlich entgültigen Versuch hat es dann geklappt. Aber da fühlte es sich von Anfang an komplett anders an. Ich war bereit, ALLES dafür zu tun um nie mehr trinken zu müssen. Und das habe ich dann auch getan.

    Du hast ja nun schon 3 Therapien hinter Dir. Also, aller guten Dinge sind 3, deshalb solltest Du jetzt Nägel mit Köpfen machen. Ein Patentrezept gibt es leider nicht, aber hier kannst Du Dich mit vielen Menschen austauschen, die den Weg in die Trockenheit bereits hinter sich haben. Davon kannst Du nur profitieren.

    Ich wünsche Dir, dass Du Deinen Weg findest und einen guten Austausch hier im Forum

    LG
    gerchla

    Hallo Sunny80,

    die "Kunst" liegt wohl darin, Dich von Deinem Vater abzugrenzen (solange er an seiner Situation nichts ändern will/kann) ohne ihn komplett fallen zu lassen. Da kann ich LiS nur zustimmen. Ich schreibe das hier jetzt so leichtfertig, aber mir ist sehr bewusst in welcher Situation Du bist. Ich bin Alkoholiker, kein Angehöriger, und ich kann Dir aus eigener Erfahrung sagen, dass es einem sehr hilft, wenn jemand da ist der einem aus dem Mist raus hilft. ABER: Das funktioniert leider erst, wenn man selbst anfängt raus kommen zu wollen. Wenn diese extrem wichtige Entscheidung gefällt ist, dann kann es unheimlich hilfreich sein, wenn einem jemand beisteht, also z. B. der Partner, die Kinder usw.

    Somit wäre das Signal, dass Du aus meiner Sicht senden solltest eher so, dass Du ihm erklärst, dass Du für ihn da sein wirst, wenn er etwas ändern will und auch konkrete Schritte einleitet und diese dann auch geht. Ansonsten kannst Du nichts machen, ihn mal besuchen, schauen wie es ihm geht, immer mal wieder mit ihm reden und Dich dabei so gut es geht abgrenzen um nicht selbst (noch) tiefer in ganze Geschichte hinein gezogen zu werden. Denn wie Dein Vater für sein Leben verantwortlich ist, bist Du es für Deines.

    Alles Gute Dir!

    LG
    gerchla

    Hallo M_r_e,

    ok vielen Dank für Deine offenen Zeilen.

    Also Du vertraust Deinem Papa und soweit ist auch alles "ok", also er ist nicht aggressiv und ihr habt ein gutes Verhältnis. Ich interpretiere das jetzt so. Aber Du hast Angst um ihn, weil Du siehst, dass er eigentlich zu viel trinkt. Ich habe Dir ja schon geschrieben, dass es schwer oder fast nicht möglich ist, jemanden der trinken möchte davon abzubringen. Bestimmt hast Du ihm auch gesagt, dass Du Angst hast wieder ins Heim zu müssen. Er weiß also worum es Dir geht. Ich denke also, dass Du da jetzt nicht mehr viel machen kannst. Da hast mit ihm geredet, er hat Dir seine Sicht der Dinge geschildert. Viel mehr wird da jetzt erst mal nicht möglich sein, denke ich.

    Wichtig fände ich, dass Du weißt, was Du im Notfall machen kannst. Mit Notfall meine ich, wenn Du Dich nicht mehr wohl fühlst zuhause, oder wenn Du auch einfach nur mal jemanden zum Reden brauchst. Hilfe, Beratung usw. Gibt es denn eine Person an die Du Dich wenden kannst? Ich meine nicht wie hier im Forum sondern in echt! Wenn nicht, dann überlege Dir mal, ob es so jemanden gäbe, wer das in Deinem Umfeld sein könnte. Du bist ein junges Mädl, eine junge Frau und es ist toll, dass Du Dich so mit der ganzen Sache außeinander setzt, wenn auch gleichzeitig schade, dass Du das überhaupt musst. Aber ich denke es wäre gut für Dich, wenn Du das alles nicht allein mit Dir ausmachst sondern jemanden hast, an den Du Dich wenden kannst.

    LG
    gerchla

    Hallo M_r_e,

    vielen Dank für Deine Antworten. Deine Situation sehe ich jetzt etwas klarer. Und es tut mir wirklich Leid, dass Du da als Jugendliche/r so in dieser Geschichte drin hängst. Ich gehe jetzt mal davon aus, dass Du noch nicht 18 bist und deshalb Dir deshalb die Heimgeschichte droht. Ist das so oder bin ich da auf dem Holzweg? Wie lange musst Du denn noch "durchalten", bis Du nicht mehr in ein Heim müsstest? Wenn Du 18 bist könntest Du doch ganz normal bei Deinem Papa wohnen bleiben, oder? (Antworten nur wenn Du das willst!)

    Als erstes möchte ich Dir nochmal sagen, dass ich es wirklich super finde, dass Du hier nach Hilfe suchst!

    Wie sieht es denn in Deinem Umfeld aus? Hast Du bei Dir am Ort nicht die Möglichkeit Dich beraten zu lassen? Ohne dass Du gleich Angst haben muss, dass man Dich sofort in ein Heim schickt? Ich hoffe, dass es hier im Forum Menschen gibt, die sich da ein wenig auskennen und Dir hier schreiben. Ich kann Dir da nämlich leider nicht helfen, weil ich mich da nicht auskenne. Und ich will Dir ja auf keinen Fall irgend einen Quatsch erzählen oder nur Halbwissen von mir geben.

    Was Du von Deinem Papa so schreibst, ich meine was er durch den Alkohol schon alles verloren hat oder gemacht hat, das hört sich aber nicht nach maximal 5 Bier an. Also scheint es so zu sein, dass er im Moment in einer Phase ist, wo er nicht so viel trinkt, wie er es schon mal gemacht haben muss. Oder er trinkt heimlich. Aber egal, da kannst Du ja erst mal nichts ändern. Wenn es aber so ist, dass er im Moment wirklich weniger trinkt, dann macht er das wahrscheinlich sogar bewusst, um dagegen anzukämpfen. Das habe ich auch öfter gemacht, leider hält man das normal nicht auf Dauer durch. Aber vielleicht ist ja eine Chance ganz mit dem Trinken aufzuhören?

    Wie reagiert Dein Papa denn, wenn Du mit ihm darüber sprichst? Du beschreibst ihn ja als friedlichen Menschen, nicht aggressiv usw. Und Du sagst ja auch, er will davon weg kommen. Aber nicht mit Deiner Hilfe sondern alleine. Hast Du denn den Eindruck, dass er dafür irgendwas tut? War schon mal bei einer Beratung oder in einer Selbsthilfegruppe? Wie steht er zu einer Therapie? Habt Ihr da schon mal darüber gesprochen? Hast Du in Deiner Verwandtschaft jemanden, dem Du vertraust, der Dir zu Seite stehen kann?

    Viele liebe Grüße
    gerchla