Liebe AmSee,
ich möchte mal kurz auf Deine Gedanken bezüglich des Schreibens hier im Forum eingehen.
Ich habe hier schon sehr viele Menschen virtuell getroffen, mich mit ihnen ausgetauscht, meine Geschichte erzählt und meine Meinung geteilt. Die allermeisten davon waren akut Hilfesuchende. Da waren welche dabei, wo ich mir dachte, dass sie auf einem guten Weg sein könnten. Andere wiederum machten mir einen sehr labilen und unsicheren Eindruck. Die meisten dieser Begegnungen endeten vermeintlich im Nichts.... D. h. früher oder später schrieben sie nicht mehr und bei manchen, jene die mir "besonders" am Herzen lagen, habe ich auch mal geschaut, wann sie denn das letzte mal hier online waren. Oft, sehr oft waren sie ab irgend einen Zeitpunkt gar nicht mehr online. Einfach weg.... Warum und weshalb? Ich weiß es nicht, ich könnte spekulieren "sie/er trinkt wieder", ich könnte mir beim ein oder anderen denken "der/die hat bestimmt die Kurve bekommen und jetzt keine Zeit oder Lust mehr" - aber ich bemühe mich, genau das nicht zu tun.
Jeder so wie er möchte und auf seine Art und Weise. Bestimmt ist es so, dass viele die hier nur kurz und oft in großer Not ankommen und sich anmelden wieder zurück in alte Gewohnheiten fallen. Dass bei allem Willen etwas verändern zu wollen dann doch die Sucht stärker war. Manch einer aber, der hier vielleicht sogar länger aktiv war, findet seinen Weg und lässt dieses Forum, das für ihn ein temporäres Hilfsmittel war, einfach hinter sich. Genau so, wie ich das mit meiner analogen SHG auch getan habe. Ohne Groll, ohne abfällige oder überhebliche Gedanken. Das Forum hat dann "seinen Zweck" erfüllt und ich meine, das ist dann auch gut so.
Die Schreiber hier, also diejenigen, die viel schreiben und dadurch auch logischerweise viel Zeit "investieren", tun das alle freiwillig und wahrscheinlich aus unterschiedlichen Gründen. Bei mir ist das so, dass ich einfach meine Erfahrungen teilen möchte um anderen Betroffenen die Möglichkeit zu geben, etwas für sich mitzunehmen. Das ist aktuell Teil meiner persönlichen Entwicklung und ich tue das schlichtweg, weil ich das möchte und es mir wichtig ist. Was gleichzeitig auch bedeutet, dass ich natürlich auch von meiner Aktivität hier profitiere, weil ich ja sehr viele Denkanstösse erhalte die ich für mich selbst "verwenden" kann.
Und so denke ich mir, dass jeder seine Gründe haben wird warum er sich hier engagiert oder vielleicht auch irgendwann mal nicht mehr.
Ich habe mir am Anfang oft gedacht, dass man hier ja kaum eine Rückmeldung bekommt. Da hängt man sich bei manchen rein wie verrückt und schreibt sich sozusagen die Finger wund und dann verschwinden sie einfach sang- und klanglos. Und ich bin dabei immer von mir ausgegangen, wie ich reagieren würde, wenn ich auf der anderen Seite stehen würde. Also wenn mir hier alle so viel Input geben würden um mir zu helfen mein akutes Problem zu lösen. Und klar, ich würde natürlich nicht einfach verschwinden, ich würde mich sicher bedanken und vielleicht auch erklären, warum ich jetzt weg bin. So wie es auch bei "meinem" Mönch getan habe, im analogen Leben oder auch bei anderen Menschen. Aber, jeder ist da eben anders und jeder lebt in einer anderen Lebenswelt mit anderen Prioritäten und auch anderen Sorgen und Problemen. Und so wurde mir nach und nach klar, dass es das ja nicht sein kann. Also das es nicht sein kann, dass ich hier irgendwas (aktiv) erwarte sondern das ich eigentlich hier bin um zu geben. Freiwillig, wohlgemerkt.
Und schon wurden meine Gedanken positiver und ich entspannter. Ein Stück weit führte das bei mir dann auch dazu, dass ich mich emotional leichter distanzieren konnte. Nicht, dass ich damit ein großes Problem hatte aber manch' einen oder eine hier (besonders auch bei den Angehörigen) hätte ich gerne "unbedingt" helfen wollen, weil sie mir einfach auch furchbar leid taten und ich mir oft dachte: "das kann sie doch nicht mit sich machen lassen" oder "da muss er doch raus kommen". Ich musste lernen, dass ich schreiben kann was ich will und mich reinhängen kann wie ich will und es trotzdem nichts helfen muss oder das manche dieser Menschen trotzdem einfach verschwinden ohne ein Wort. Oder das manche es sogar falsch auffassen und mir sogar noch die Keule über den Kopf ziehen.
Und deshalb versuche ich mich immer an meine Grundmotivation zurück zu erinnern: Gerne helfen wollen und eigene Erfahrungen teilen ohne irgendwas dafür zu erwarten.
Das gelingt mir jetzt sehr gut. Und trotzdem freut es mich immer wahnsinnig, wenn mal jemand schreibt, dass ihn /sie meine Erfahrungen geholfen haben. Das ist toll und tut richtig gut und es motiviert natürlich auch. Wenn ich was anderes schreiben würde, dann würde ich lügen. Und es ist für mich auch schön, wenn ich ab und an mit Menschen hier auch in eine PN-Kontakt treten darf um dort dann etwas intensiver und persönlicher zu diskutieren.
Die Frage, warum hier meist immer die gleichen schreiben und andere weniger oder gar nicht, die kann ich nicht beantworten. Es ist wie es ist und jeder entscheidet letztlich ja selbst, wieviel Zeit er hier investieren möchte oder auch investieren kann. Mir ist einfach nur wichtig, dass ich mich nicht unter Druck gesetzt fühle, etwas schreiben zu müssen. Denn das wäre nicht gut für MICH. Ich hatte hier auch schon Phasen, wo ich viel weniger geschrieben habe, wo ich mir eine Auszeit nahm, wo ich mal eine Pause wollte. Und ich habe das dann auch getan, ohne Druck und ohne schlechtes Gewissen. Und ich würde (oder werde es bestimmt auch) wieder tun, wenn es an der Zeit ist oder meine persönlichen Umstände es erfordern.
Das waren dann mal meine Gedanken dazu.
Ich finde es übrigens sehr schön, dass Du hier jetzt viel schreibst. Und ich denke nicht, dass Du Dich rechtfertigen musst weshalb Du das tust, oder darüber nachdenken, ob Dir das jetzt "schon zusteht". Die Menschen hier lesen Deine Zeilen und können entweder etwas für sich daraus mitnehmen oder eben nicht. Wie bei allen anderen hier auch.
LG
gerchla