Guten Morgen Maud,
erst mal herzlich :welcome: hier im Forum. Schön, dass Du Dich nach dem Mitlesen jetzt auch dafür entschieden hast mit zu schreiben.
Kurz zu mir: männlich, Mitte 40, Alkoholiker und bald 3 Jahre ohne.
Ich möchte Dir einfach ein paar Gedanken von mir mitteilen, die mir beim Lesen Deines Textes gekommen sind. Also einfach aus meiner eigenen Erfahrung heraus ohne irgendwas bewerten oder klug daher reden zu wollen.
ZitatMit Alkohol verbinde ich: gesellig + lustig sein, lachen, tanzen, Musik hören, mit Freunden zusammen trinken, Party, Gespräche führen und einfach Spaß und gute Laune haben.
Da kam bei mir erst mal einfach nur die Frage auf, ob das Du Dir das alles auch ohne Alkohol vorstellen kannst oder ob Du den Alkohol brauchst um das zu tun bzw. diesen Zustand zu erreichen.
ZitatIn letzter Zeit allerdings beobachte ich bei mir Tendenzen nicht mehr aufhören zu können beim Trinken
Deshalb finde ich es sehr gut und wichtig, dass Du hier aktiv wirst. Denn das ist ein Zeichen, dass Du kein normales oder unaufälliges Trinkverhalten (mehr) hast. Wenn Du (weiter) trinken willst obwohl Du eigentlich schon genug ist das schon ein Alarmsingal. Ich persönlich bin der Meinung, dass es schon ein Alarmsignal ist, wenn man beginnt häufiger über sein Trinkverhalten nachzudenken.
ZitatKörperlich bin ich auch nicht abhängig.
Das machst Du wahrscheinlich daran fest, dass Du keine klassischen Entzugscherscheinungen hast, wie Zittern oder Schwitzen. Aber das ist eigentlich auch egal denn die psychische Abhängigkeit ist eigentlich die kompliziertere. Also, wenn Du körperlich abhängig bist ist es natürlich sehr gefährlich beim Entzug. Und man sollte grundsätzlich niemals kalt entziehen, also ohne ärztliche Begleitung. Aber, der reine körperliche Entzug ist relativ schnell vorbei. Was aber bleibt ist die psychische Abhängigkeit, also einfacher gesagt, die Sucht. Und diese werden wir Alkoholiker nie mehr los, unser ganzes Leben nicht mehr. Aber wir können lernen mit ihr umzugehen und sie sozusagen still zu legen. Achtsam allerding müssen wir immer bleiben.
ZitatDas bin doch nicht ICH!
Alkohol verändert die Persönlichkeit. Wenn man mal betrunken ist, dann nur ganz kurz, temporär. Wenn man über Jahre trinkt, so wie ich (Spiegeltrinker), dann dauerhaft, auch wenn man nüchtern ist. So meine Erfahrung. Und es bedarf viel Arbeit (bei mir) um wieder in die Spur zu kommen. Also einfach mit dem Trinken aufhören reicht nach meiner Erfahrung nach jahrelangem Trinken nicht. Weil sich das Gehirn an alkoholische Denk- und Verhaltensmuster gewöhnt hat...
ZitatNun zum Eigentlichen, furchtbaren Fiasko
Vielleicht ist das, was für Dich jetzt das eigentlich Furchtbare ist, bald das Schlüsselerlebnis, dass Dich dazu gebracht hat Dein Leben (oder weniger dramatisch: Dein Trinkverhalten) zu ändern. Es ist oft so, dass es bestimmte Tiefpunkte sind, die einen Alkoholiker dann dazu bringen etwas zu verändern. Ganz unterschiedlich, also z. B. Führerschein weg, Frau oder Mann weg, Job weg, oder ein Unfall im Suff oder oder oder. Der persönliche Tiefpunkt ist sehr individuell. Leider ist es bei der überwiegenden Mehrzahl so, dass sie trotz allem nie den Weg heraus finden ![]()
Ob Du jetzt Alkoholikerin bist oder Missbrauch betreibst oder oder, dass kann ich nicht beurteilen und das will ich auch gar nicht. Es liegt an Dir, wie Du Dich siehst und wie Du Dein zukünftiges Leben gestalten möchtest. Ich wollte Dir einfach nur mal schreiben, was ich mir bei Lesen Deines Textes so gedacht habe und hoffe, es gibt Dir den ein oder anderen Denkanstoss.
Schön, dass Du da bist. Ich wünsche Dir einen guten Austausch hier im Forum
LG
gerchla