Beiträge von Gerchla

    Hallo Stefanut,

    super, dass es so gut bei Dir läuft! Das kannst und solltest Du durchaus genießen!

    Ich möchte den Gedanken von Dietmar aufgreifen. Ich glaube er hat mit dem was er sagt sehr recht.

    Bei mir war es ähnlich wie bei Dir. Es fiel mir relativ einfach nichts mehr zu trinken und ich hatte kaum Saufdruck. Nicht falsch verstehen: Ich hatte vorher jahrelang versucht irgendwie aufzuhören und es wurden nur Trinkpausen daraus. Auch nach Monaten wurde ich wieder rückfällig. Erst bei meinen (jetzt hoffentlich letzten) Versuch war es ganz anders und konnte es dauerhaft schaffen (sind jetzt schon ein paar Jahre). Und der große Saufdruck blieb tatsächlich im Großen und Ganzen aus.

    Was war anders? Erst mal wollte ich es dieses Mal unbedingt schaffen. Aber ich wollte es auch unbedingt aufarbeiten. Und damit fing ich eigentlich sofort an. In den ersten Wochen meiner Trockenheit war ich abwechelnd in SHG, Psychologen und bei weiteren Maßnahmen. Und habe ganz viel Zeit mit mir selbst verbracht. Denkend verbracht, aufarbeitend verbracht um das, was ich mir da so erdacht habe dann anschließend wieder mit jemanden zu besprechen. Daraus resultierend, dass ich mein Leben richtig umgekrempelt habe. Das war eine Erkenntnis aus meiner Aufarbeitung.

    Ich will damit sagen: Wenn Du keinen oder kaum mehr Saufdruck hast: SUPER - nutze die Zeit und den freien Kopf zum Aufarbeiten. Schmiede Deinen Langzeitplan! Keinen Saufdruck zu haben ist ein enormer Vorteil.

    Reflektierend kann ich sagen, dass meine vorherigen Versuche trocken zu werden daran gescheitert sind, dass ich eben keinen Plan hatte. Also, vielleicht ist Plan das falsche Wort. Ich hatte einfach kein Bewustsein wie es funktionieren soll. Ich habe halt einfach mal nix getrunken und ging manchmal auch eine Zeit lang ganz gut. Aber ich hatte mich nicht mit mir und meiner Krankheit beschäftigt. Heute würde ich sagen: Ich musste Rückfällig werden, ging gar nicht anders.

    Bleib dran! Ich freu mich für Dich, dass es so gut läuft.

    LG
    gerchla

    Hallo Moonflower,

    herzlich Willkommen auch von mir.

    Eine traurige Geschichte die Du da niedergeschrieben hast. Fühl Dich mal virtuell umarmt.

    Du hattest eine extrem belastende Zeit über mehrere Jahre. Als Ausgleich und Entspannung dann zum Alkohol gegriffen, so lese ich das mal aus Deinen Zeilen heraus.

    Wie ist denn Dein aktueller Konsum? Trinkst Du noch und trinkst Du täglich? Hast Du schon versucht aufzuhören? Hast Du schon Kontakt zu einer Suchberatung?

    Ich bin kein Psychologe aber ich denke, dass "neben" dem Alkohol auch noch das von Dir Erlebte mit Deiner Mama und Deinem Stiefvater auf Aufarbeitung wartet. Was absolut verständlich ist denn Du hast hier ja wirklich Extremes erlebt und geleistet.

    Würde mich freuen noch ein bisl mehr von Dir zu hören. Auf jeden Fall schön dass Du hier bist. Lies Dich auch erst mal ein bisschen ein hier, vielleicht findest Du dabei auch schon die ein oder andere Anregung wie Du es angehen könntest.

    LG
    gerchla

    Hallo Glitzerstern,

    ich wünsche Dir auch alles Gute für's neue Jahr!

    Ziele sind gut, Ziele sind wichtig. Wäre ich an Deiner Stelle wäre mein Ziel: sofort ausziehen - den Rest anschließend angehen.

    Ziele hatte ich als nasser Alkoholiker auch! Sie dienten dazu mich zu beruhigen und mein Gewissen etwas ruhiger zu stellen. Wie bei Dir jetzt waren es immer Ziele (oder auch Gründe), die zeitlich noch etwas hin waren. Da war z. B. "wenn wir unsere Wohnung verkauft haben und das alles gut gegangen ist, dann höre ich mit dem Trinken auf". Oder "dieser Urlaub gemeinsam mit Freunden in Frankreich noch - dann ist Schluss" - oder "wenn ich dieses Sch...Projekt hinter mir habe - dann höre ich auf, garantiert" - die Liste könnte ich noch reichlich verlängern. Aufgehört habe ich deswegen nie - ich fand ein neues Ziel....

    Wie gesagt, Ziele sind gut und wichtig. Ich habe aber gelernt, dass man die wirklich wichtigen Dinge im Leben einfach tun muss. Hätte ich meine Abstinenz davon abhängig gemacht, dass ich vorher irgend ein Ziel erreicht haben will, dann wäre mit absoluter Sicherheit heute noch nicht Trocken. Das ist Fakt.

    Ich glaube aus Co-Abhängige steckst Du genau in der selben Situation.

    LG
    gerchla

    Hallo Bri,

    erst mal HERZLICH WILLKOMMEN bei uns im Forum!

    Ich bin kein Angehöriger sondern Alkoholiker. Mitte 40 und seit ein paar Jahren trocken.

    Wenn Du Dich hier ein bisschen einliest (hast Du vielleicht auch schon gemacht) wirst Du auch sehr viele Angehörige finden die sich in einer ähnlichen Situation befanden oder zum Teil auch noch befinden wie Du. Sie haben oder hatten alkoholkranke Partner, Eltern oder auch Kinder und müssen mit dieser Situation umgehen.

    Du wirst recht schnell feststellen, dass der Tenor was eine mögliche Hilfe für den alkoholkranken Menschen betrifft, fast immer der gleiche ist. Nämlich dass Du als Angehöriger kaum etwas machen kannst. Der Betroffene muss seine Krankheit selbst erkennen, akzeptieren und selbst etwas dagegen unternehmen wollen und dann auch entsprechende Schritte einleiten. Von außen kann das nicht funktionieren, nicht ernsthaft und nicht auf Dauer.

    Das hört sich bestimmt schlimm an für Dich und ich finde es ist auch schlimm. Es ist möglich, dass von außen, also z. B. vom Partner ein Anstoss kommen kann für den Trinkenden. Also z. B. ein Ultimatum: "wenn Du nichts unternimmst werde ich mich von Dir trennen". Es kann sein, dass so etwas dazu führt, dass der Betroffene dadurch "wach gerüttelt" wird und tatsächlich bereit ist etwas gegen seine Krankheit zu tun, vielleicht entgiftet und eine Therapie beginnt. Aber, wenn ich hier die vielen Geschichten dazu lese, ist das wohl eher eine seltene Ausnahme. Und dann kommt natürlich noch hinzu, dass man ein gestelltes Ultimatum auch einhalten muss. Oft ist es so, dass eine Androhung der nächsten folgt und der Trinkende sich denkt: lass' sie mal reden. Oder aber auch das Blaue vom Himmel herunter verspricht um Zeit zu gewinnen. Oder lügt was das Zeug hält.

    Du bist ja nun kein Partner sondern Kind. Ich habe dazu keine Erfahrung und kann Dir deshalb auch nichts raten. Sicher wirst Du aber hier von anderen den ein oder anderen Hinweis bekommen.

    Das klingt jetzt alles so sachlich dahergeschrieben. Ich kann das jetzt machen, weil ich nicht betroffen bin. Aber sei sicher, es berührt mich sehr, was Du geschrieben hast und in welcher Situation Du steckst. Ich habe selbst Kinder. Und es hat nicht allzuviel gefehlt und sie wären heute vielleicht in einer ähnlichen Situation wie Du. Und sie konnten nichts dafür und hätten wohl auch nichts dagegen machen können. Ich kann Dir nicht sagen ob ich bereit gewesen wäre etwas gegen meine Krankheit zu unternehmen wenn mein Sohn oder meine Tochter zu mir gesagt hätten: Papa, es macht mich so traurig das Du trinkst, hör bitte auf damit.... Ich glaube ich hätte wohl versucht so zu tun als ob und es klein geredet. Ich weiß es nicht.


    Viel raten kann ich Dir also wie gesagt leider nicht. Aber was ich als enorm richtig empfinde ist, dass Du zu einer Beratungstelle gehst und Dir dort Hilfe suchst. Das ist genau das was ich und ich glaube viele andere auch raten würden. Und natürlich ist es auch gut, dass Du hierher gefunden hast. Ich glaube der Austausch kann Dir helfen. Denn ich denke, dass was Du jetzt tun musst ist auf DICH zu achten. Ich glaube nicht, dass Du Deiner Mutter helfen kannst wenn sie sich nicht helfen lassen will. Aber Du kannst lernen mit der Situation umzugehen und damit klar zu kommen. So, dass Du nicht das Leben Deiner Mutter lebst sondern Dein eigenes.

    Ich wünsche Dir viel Kraft und einen guten Austausch hier im Forum.

    LG
    gerchla

    Hallo Greenfox,

    danke für Deine Gedanken. Ich finde es immer wieder interessant, wie viele Gedanken man sich über bestimmte Begriffe machen kann. Also wie jetzt z. B. über "zufriedene Trockenheit". Besonders der Vergleich mit "zufriedenem Zölibat" hat mich schmunzeln lassen.

    Die Frage in diesem Zusammenhang ist ja immer: wie kann beschreiben oder erklären welches der vermeintliche Optimalzustand für einen trockenen Alkoholiker ist um ein Minimum an Rückfallgefahr zu haben.

    Und da kommt halt immer wieder der Begriff "zufriedene Tockenheit" (den ich auch selbst gerne verwende) ins Spiel. Für mich bedeutet es einfach mit meinem Leben rundum zufrieden zu sein. Und zwar auch dann, wenn es an der ein oder anderen Ecke mal zwackt oder Schwierigkeiten gibt.

    Vielleicht klingt das für den ein oder anderen nicht lustig oder aufregend genug. Mag sein und ist auch jedem unbenommen hier anders zu denken. Ich glaube, dass ich jetzt ein sehr aufregendes und sehr spannendes Leben habe. Im Gegesatz zu meiner Trinkerzeit - Da habe ich den größten Teil meines Lebens nicht mitbekommen oder völlig falsch wahrgenommen. Die ersten euphorischen Trinkerjahre, als es noch nicht ganz so schlimm war, vielleicht mal ausgenommen. Aber die waren ja nur das "warm up" für das kommende Elend.

    Ich glaube, man sollte diese Zufriedenheit von der hier ja immer gesprochen wird nicht auf das "zufrieden damit sein nichts mehr zu trinken zu wollen" reduzieren. Es geht darum mit sich selbst im Reinen zu sein - durchaus auch losgelöst vom Zusammenhang mit dem Alkohol. Der Blick auf's Ganze ist entscheidend.

    Also durchaus so, wie der Duden es beschreibt und wie Du es für Dich auch empfindest.

    Auf jeden Fall bin ich sehr froh, dass ich das für mich auch so sehen kann und keinerlei negativen Assoziationen im Zusammenhang mit "zufriedener Trockenheit" habe. Weil mir das zeigt, dass es mir an nichts fehlt und es mir richtig gut geht!

    Ich wünsche Dir auch ein gutes, gesundes und damit verbunden natürlich auch ein alkoholfreies Neues Jahr!

    LG
    gerchla

    Guten Morgen Stefanut,

    44.

    Zitat

    Mein nächstes Ziel: 1 Monat 44.

    Und irgendwann kommt dann die Zeit, wo Du gar nicht mehr soviel darüber nachdenkst, wie lange Du eigentlich schon trocken bist! Weil es selbstverständlicher Bestandteil Deines Lebens geworden ist. Und wenn Du Dir aber trotzdem immer wieder mal bewusst machst wie gut es Dir jetzt eigentlich geht, auch nach x trockenen Jahren und wie das war, damals, als nasser Alkoholiker, dann ist das das beste Rüstzeug um nicht leichtsinnig zu werden!

    Ein tolles 2017 wünsche ich Dir, Gesundheit und Zufriedenheit und dass der Alkohol keine aktive Rolle mehr in Deinem Leben spielt!

    LG
    gerchla

    Guten Morgen Stefanut,

    Zitat

    Sie kommt mir am Anfang aber auffällig nahe, wenn ich von der Arbeit komme ;D
    sie macht eine Riechprobe, ich hab sie durchschaut ;)

    ;D Na, dass kannst Du ihr ja ruhig zugestehen. Ganz klar, dass sie misstrauisch ist nach all dem, was sie erleben musste.

    Da kann ich Dir noch kurz von mir erzählen. Ich habe mich ja relativ am Anfang meiner Trockenheit von meiner Frau getrennt. Da ich ja heimlich getrunken hatte war es für sie erst mal gar nicht so einfach zu glauben, dass ich wirklich so tief im Alkoholsumpf steckte. Also, ich musste sie quasi erst mal davon überzeugen, dass ich wirklich ein "richtiger" Alkoholiker bin. Was allerdings recht schnell gelang, da ich ihr erst mal alle meine prall gefüllten Geheimverstecke (inkl. Radkasten unseres Autos wo das Reserverad den Alkvorräten weichen musste ::) )gezeigt habe. Der "Rest" ergab sich dann bei Durchsicht unserer Konten und (größtenteils nicht mehr vorhandenen) Sparverträge. Da hatte ich doch in meiner Alkohohl vernebelten Scheinwelt ganz schön Mist gebaut....

    Nun, worauf ich eigentlich hinaus möchte: Ich bin ausgezogen, andere Stadt jedoch nicht so weit weg. Und ich wollte natürlich meine Kinder regelmäßig sehen. Und ich kam natürlich mit dem Auto. Meine Frau hat mich nicht mit meiner Tocher alleine Auto fahren lassen. Also ich durfte gar nicht ans Steuer. Mein großer Sohn, der gerade Volljährig geworden war, hat das Fahren dann übernommen und war mit dabei. Wenn ich mit meiner Tochter etwas alleine unternehmen wollte, dann musste ich mit dem Zug kommen wir mussten mit dem Zug irgendwo hin fahren.

    Und ich muss sagen: Ja, es war absolut ok für mich. Ich habe es absolut nachvollziehen können. Ehrlich gesagt hätte ich sogar nachvollziehen können, wenn sie mich gar nicht alleine mit meiner Tochter hätte lassen wollen. Denn wenn ich mich in ihre Lage versetze, falls ich das überhaupt kann, dann ist das für mich absolut verständlich. Wer sagt ihr denn, dass ich nicht schon wieder lüge und betrüge? Wo ich sie doch so lange getäuscht habe...

    Es dauerte, es daurte lange, bis sie irgendwann mal sagte: diesbezüglich vertraue ich dir jetzt wieder. Ich habe ihr Verhalten in dieser ganzen Zeit nicht einmal kritisiert. Es war ihr gutes Recht sich so zu verhalten und sie hätte noch ganz anders reagieren können.

    Heute haben wir, ich schrieb es schon, ein recht gutes Verhältnis. Natürlich den Umständen entsprechend aber vergleichsweise (wenn ich mich da in meinem geschiedenen Bekanntenkreis so umsehe) ein sogar sehr gutes. Aber es braucht alles Zeit und auch gegenseitiges Verständis. Und, was ich auch festgestellt habe und was ich als wichtige Erkenntnis empfunden habe:

    Ich als Alkohliker kann nicht mehr durch Worte überzeugen, nur noch durch Taten!

    Einen schönen Tag wünsche ich Dir und

    LG
    gerchla

    Guten Morgen Stafanut,

    liest sich echt gut, was Du so schreibst. Ok, das mit den Launen Deiner Frau ist nun nicht so toll. Aber Du wirst sie sicher gut kennen und weißt das einzuschätzen.

    Früher, also noch vor ein paar Wochen, hättest Du Dir einen angesoffen wegen dieser Launen. Das machst Du jetzt nicht mehr und jetzt kannst Du auch ganz "nüchtern" darüber nachdenken was es Dir gebracht hat, wenn Du Dich besoffen hast. Ich vermute mal: NIX. Außer vielleicht, dass Du mal für ein paar Stunden weggebeamt warst. Aber es hat sich nichts verändert, Du hast kein Problem damit gelöst. Nur neue geschaffen....

    Für mich war es genau das, was ich mir ganz am Anfang immer wieder bewusst gemacht habe. Nie, zu keinem Zeitpunkt, hat der Alkohol irgend ein Problem bei mir gelöst. Ja, die Probleme schienen mir im besoffenen Zustand nicht mehr so schlimm. Bei finanziellen Problemen dachte ich, wenn ich meinen Level hatte: Morgen spiele ich Lotto! Was für ein schwachsinniger Selbstbetrug... Und dann, wenn ich wieder annähernd nüchtern war, dann waren sie wieder da, die Probleme. Meistens noch bedrohlicher als vorher.

    Sei mal froh, dass Du jetzt einen neuen, nüchternen und trockenen Weg gehst. Ab jetzt hast Du es selbst in der Hand. Du entscheidest über Deine Leben- nicht mehr der Alkohol! Ich hab's ja schon mal geschrieben: Es ist nicht alles um Dich herum plötzlich rosarot und wunderbar nur weil Du jetzt nicht mehr trinkst. Das könntest Du auch gar nicht erwarten. Du kannst auch nicht erwarten oder fordern, dass Deine Frau jetzt keine Launen mehr hat, wenn sie diese schon immer hatte. Aber Du kannst jetzt anders damit umgehen.

    Und Du machst das wirklich gut, soweit ich das aus der Ferne so beurteilen kann.

    Bis bald und

    LG
    gerchla

    Lieber Stefanut,

    Zitat

    Ich weiss aber auch, das ich in allererster Linie für MICH trocken werden muss.

    Das würde ich mal als die zentrale und wichtigste Erkenntnis bezeichnen! Nicht für andere sondern für Dich. Erst wenn man mit sich selbst im Reinen ist (und das ist man als nasser Alkoholiker nie), dann kann man auch für andere da sein. Ohne sich selbst dabei aus den Augen zu verlieren.

    Hört sich gut an was und wie Du schreibst. Aber Du weißt, der Suchtteufel ist fies und heimtückisch. Und er bleibt es Dein Leben lang! Deshalb ist es so wichtig, dass Du Dir die Hilfe suchst, die Du schon angekündigt hast. Und das Du für Dich aufarbeitest. Und dann wird aus dem MUSS ein WILL!

    Und es freut mich, dass Deine Frau/Familie offenbar noch bei Dir ist und zu Dir hält. Das macht auch Sinn, wenn Du es ernsthaft anpacken willst (und ich denke das willst Du), dann können sie Dich unterstützen. Aber wie Du schon erkannt hast: Mach es für Dich! Und alles andere wird sich nach und nach ergeben. Es wird einfach immer besser werden, so war es jedenfalls bei mir. Und klar: Probleme sind jetzt nicht einfach weg nur weil Du nichts mehr trinkst. Und die Welt wird nicht plötzlich rosarot und packt Dich in Watte, nein. Aber trocken und mit einem veränderten Bewusstsein wirst Du die Dinge ganz anders angehen können.

    Es lohnt sich einfach. Ich habe ein komplett neues Leben - und durch die Erfahrungen, die ich als nasser Alkoholiker gemacht habe, fühlt sich dieses Leben nochmal so verdammt viel besser an als es sich vielleicht für jemanden anfühlt, der nie ein anderes hatte.

    Also, bleib dran, auch wenn Du jetzt noch unruhige Nächte hast. Es wird und es braucht Zeit. Du kannst jahrelanges Trinken nicht in ein paar Tage oder Wochen wettmachen. In meiner AA-Gruppe sagte ganz am Anfang einer zu mir: Solange man gesoffen hat, solange braucht man bis man wieder "normal" ist. Vielleicht hörst Du das ja heute auch. Ich möchte jetzt sagen, dass das so vielleicht nicht ganz stimmt aber die Grundaussage, dass es einfach viel Zeit braucht, die ist vollkommen richtig!

    LG
    gerchla

    Hallo Stafanut,

    erst mal: Natürlich bist Du herzlich Willkommen bei uns im Forum! Und natürlich sind wir auch gerne bereit Dich auf Deinem weiteren Weg zu begleiten. Das ist ja auch ein Grund, weshalb wir alle hier sind.

    Wir sind so ziemlich gleich alt. Ich habe meine Familie verloren bzw. mich von meiner Frau getrennt und damit auch meine Kinder "verloren". Zumindest was den täglichen Umgang betraf. Es war das schlimmste für mich. Ich wünsche Dir, dass Du die Kurve kriegst und es bei Dir nicht so weit kommen muss. Es hätte bei mir auch anders laufen können, dafür hätte ich viel früher mit dem Trinken aufhören müssen. Statt dessen habe ich, ähnlich wie Du, immer nur mal ein paar Trinkpausen hinbekommen. Sicher, es waren auch mal längere dabei, aber letztlich wurden die mit der Zeit immer seltener und immer kürzer. Schlimmer als mein Auftreten in betrunkener Variante (ich trank heimlich und konnte es auch gut verheimlichen) war allerdings die Veränderung meiner Persönlichkeit und meiner Denkweisen. Das führte über die Jahre dazu, dass ich mich von meiner Frau entfernt habe und letztlich auch keine Chance mehr sah mich wieder anzunähern. Auch nicht, nachdem ich aufgehört hatte. Somit habe ich mir durch meine Sauferei die Chance genommen eine Beziehung weiter zu führen, die eigentlich sehr sehr gut begonnen hatte und meiner (jetzt EX)-Frau habe ich die Chance genommen ein Leben zu führen, dass sie verdient hätte.

    Das nur mal zusammen gefasst und vielleicht als kleine Motivation für Dich es anders zu machen!

    Nun bin ich seit ein paar Jahren alkoholfrei und konnte in dieser Zeit sehr viel für mich erreichen. Ich habe eine neue Beziehung und werde wieder heiraten. Ich bin glücklich und zufrieden und habe mittlerweile ein gutes Verhältnis zu meiner Ex-Frau und auch zu meinen Kindern. Wir sehen uns wann wir wollen, die Zwänge der Anfangszeit gibt es nicht mehr.

    Ich habe jetzt einen Zustand erreicht, den ich mir, nachdem ich aufgehört hatte zu trinken, nie erträumen hätte lassen. Ich habe ihn deshalb erreicht, weil ich nicht nur keinen Alkohol mehr trinke sondern weil ich versucht habe alles aufzuarbeiten. Nur nicht mehr trinken reicht m. E. nicht aus. Denn man muss erkennen, warum man getrunken hat. Vielleicht kommt man nicht zu einer 100%igen Antwort - Es gibt meist nicht nur den einen Grund für den Rutsch in die Sucht. Aber wenn man aufarbeitet hat man die Chance zu erkennen, wofür der Alkohol im eingenen Leben alles verantwortlich war und kann reflektieren.

    Bei mir führte das dazu, dass sich meine Denkweise von anfangs "ich darf keinen Alkohol mehr trinken" hin zu "ich will keinen Alkohol mehr trinken" geändert hat. Einmal hat jemand hier oder in einem anderen Forum die Frage gestellt: Würdest Du wieder trinken, wenn es ein Medikamt gäbe, dass die Sucht heilt? Darüber habe ich dann lange nachgedacht und ich bin zur festen Überzeugung gekommen, dass ich auch, wenn meine Sucht jetzt auf "Null" gestellt werden könnte, nicht mehr trinken würde. Weil ich heute alles habe was ich mir wünsche, alles tun kann was ich mir wünsche, so sein kann wie ich mir wünsche - und das alles ganz ohne Alkohol. Wozu sollte ich nochmal trinken wollen? Genusstrinker war ich nie....

    Das sind jetzt nur ein paar Gedanken von mir. Vielleicht helfen sie Dir Deinen Entschluss künftig ohne Alkohol zu leben noch etwas zu festigen. Wobei ich das Gefühl habe, dass Du bereits selbst felsenfest entschlossen bist Deine Sucht zu besiegen! Übrigens finde ich es sehr gut, dass Du eine SHG besuchen wirst. Habe ich auch gemacht. Und auch, dass Du zur Psychologin gehst und über eine ablulante Therapie nachdenkst 44. Es zeigt, dass Du bereit bist alles für Dein neues Leben zu tun!

    Hier im Forum findest Du viele Menschen die einen ähnlichen Weg wie Du gegangen sind. Auch welche, die es völlig anders geschafft haben. Von allen kannst Du nur profitieren.

    Auf einen guten Austausch und viel Kraft für Deinen Weg wünsche ich Dir!

    LG
    gerchla

    Hallo Sandra,

    was ist genau passiert? Und wie?

    Du bist nicht die erste und sicher nicht die letzte Alkoholabhängige bei der der Suchteufel >:D wieder mal die Oberhand gewonnen hat. Muss nicht passieren, kann aber und ist leider auch nicht so selten. Und es ist auch nicht so selten, dass die Rückfälligen dann komplett in ihr altes Trinkmuster zurück fallen oder sogar noch schlimmer trinken als vorher.

    Willst Du zu diesen Menschen gehören? Wenn nicht, dann heißt es: Jetzt erst recht! Aufstehen und weitermachen.

    Und ganz wichtig: Analysieren was passiert ist. Wieso, weshalb, warum! Und ehrlich zu Dir selbst sein und auch darüber nachdenken was nicht funktioniert hat und was Du nun tun willst. Vielleicht ist ja jetzt etwas dabei, das Du vorher ausgeschlossen hattest.

    Ich hoffe sehr, dass Du die Kraft findest weiter gegen Deine Sucht anzugehen. Du kannst es schaffen. Vielen hier ist es wie Dir ergangen, kannst Du überall nachlesen. Und viele haben es geschafft indem sie gelernt haben und auch das ein oder andere verändert haben.

    Also auf, wir sind ja auch noch da! Wünsche Dir Kraft und Energie!

    LG
    gerchla

    Hallo Maru,

    Zitat

    Wie macht ihr denn das so?

    Ja, das ist immer so eine Sache mit diesen Feiertagen. Da hat das Suchtgedächtnis oft Hochkonjunktur weil man es jahrelang trainiert hat.

    Für mich ist das heute kein Thema mehr. Es macht für mich, nach ein paar Jahren ohne Alkohol, jetzt keinen Unterschied mehr ob Feiertage anstehen oder ganz normaler Alltag ist.

    Das wird bei Dir hoffentlich auch so sein, wenn Du mal eine längere Zeit hinter Dir hast. Aber ich wollte Dir eigentlich von meinem ersten Weihnachten und meinem ersten Silvester ohne Alkohol berichten. Da war ich gerade mal ein paar Wochen trocken...

    Also den 1. Feiertag habe ich damals wie immer bei meinen Eltern verbracht. Wie gesagt, ein paar Wochen trocken und frisch getrennt von meiner Frau. Meine Kinder hatte ich dabei, wie immer und wie die vielen vielen Jahre vorher auch. Meine frisch von mir getrennte Frau nicht. Wir hatten uns Weihnachten immer aufgeteilt, einen Tag bei meinen Eltern, einen Tag bei den Schwiegereltern. Und Hl. Abend zuhause bei uns. Der Hl. Abend fiel also für mich aus, den habe ich sozusagen vor dem Fernseher verbracht und mich so gut es ging abgelenkt. Hat gut funktioniert, war emotiononal natürlich eine Katastrophe aber ich wusste: da musst Du durch.

    Der Tag bei meinen Eltern verlief alkoholtechnisch Problemlos weil absolut alle Anwesenden bereits wussten, dass ich Alkoholiker bin. Also Geschwister, Eltern usw. wussten bereits Bescheid. Das war mir sehr wichtig und ich wusste ja, dass dieser Tag kommen wird. Deshalb habe ich im Laufe des Dezembers mit allen persönlich gesprochen und sie informiert. Ich glaube, dass das einer der wichtigsten Schritte für mich war.

    Am 2. Feiertag waren meine Kinder dann, wie immer, mit meiner Ex-Frau bei meinen Ex-Schwiegereltern, natürlich ohne mich. Diesen Tag habe ich als "einfacher" in Erinnerung als den Hl. Abend. Froh war ich trotzdem, als Weihnachten vorbei war

    Für Silvester hatte ich den Plan die Nacht im Wald zu verbringen. Klingt blöd - ist halt einfach eine sehr individuelle Geschichte. Wald und Natur bedeutet mir sehr viel und ist mir sehr wichtig, auch heute noch. Ich wollte raus, ich wollte nachdenken und wollte den Jahreswechsel genau dort verbringen. So war ich also bis ca. 1 Uhr im Wald und bin dannach nach Hause gefahren.
    Alkohol war die ganze Zeit über gar kein Thema. Viel mehr habe ich (die Zeit verging wie im Fluge) über mich, über das kommende Jahr und über das, was ich erreichen möchte (in bezug auf meine Persönlichkeit und mein weiteres Leben) nachgedacht. Ich habe diesen Jahreswechsel als schwer aber positiv in Erinnerung.

    So war das bei mir beim "ersten Mal".

    Das Jahr darauf war alles ganz anders. Normal, schön, und alkoholtechnisch schon absolut gefestigt. Manches braucht einfach Zeit. Und um Ziele zu erreichen muss man vielleicht auch mal Wege gehen oder Dinge tun, die für andere vielleicht "nicht ganz normal" aussehen. Aber am wichtigsten ist einfach, auch diese oft etwas schwierigeren Tage ohne Alkohol zu verbringen.

    Denn es ist ja völlig egal ob Feiertag oder Werktag: Wenn man wieder zur Flasche greift geht alles wieder von vorne los. Es ist einfach völlig sinnfrei Alkohol zu trinken, egal zu welchem Anlass oder zu welchem Zeitpunkt.

    Alles Gute wünsche ich Dir und schon mal ein schönes, alkoholfreies, Weihnachtsfest und Silvester!

    LG
    gerchla

    Hallo lime juice,

    an dieser Stelle muss ich auch mein Unwissen kund tun. Ich habe nämlich auch keine Ahnung von Schizophrenie und auch nicht davon, wie man diese richtig behandeln kann.

    Somit bin ich hier als kompetenter Ansprechpartner raus! nixweiss0

    Ich vermute jetzt zwar mal, dass man sie idealerweise nicht mit Alkohol behandelt, weil man dadurch ja dann in die Sucht rutscht und das mittelfristig in den Abgrund führt.

    Aber ich will jetzt ehrlich sagen, dass ich bei dem Thema raus bin. Da fehlt es mir an Hintergrund.

    Alles Gute wünsche ich Dir und

    LG
    gerchla

    Hallo Glitzerstern,

    eigentlich wollte ich mich jetzt nicht mehr weiter äußern weil ich denke, dass schon alles gesagt ist. Aber nun will ich doch nochmal folgendes schreiben:

    Ich bin echt berührt von dem was Du schreibst und es tut mir wirklich leid für Dich. Aber es ist klar zu sehen, was da bei Dir und Deinem Mann abgeht und wie sich die Situation darstellt. Und die vielen Menschen hier, die auf Deine Posts antworten, geben Dir im Grunde ja immer die gleichen Tipps.
    Mir stellt sich dann die Frage, was genau passieren muss, damit Du Dein Leben in die Hand nimmst. Du hast beste Voraussetzungen ein neues Leben zu beginnen. Noch keine Kinder, hast einen Job und kannst für Dich selbst sorgen. Warum tust Dir dann das alles noch an?

    LG
    gerchla

    Hallo lime juice,

    Herzlich Willkommen bei uns im Forum.

    Zu Deiner Frage, ob Du bei 3 Liter Bier pro Tag "schon" Alkoholiker bist oder nicht würde ich gerne mal eine Gegenfrage stellen: Warum ist Dir diese Antwort wichtig? Was wäre, wenn Dir ein Arzt bestätigen würde, dass Du NOCH nicht abhängig bist? Würdest Du dann beruhigt sein und weiter trinken? Und wo würde das dann hin führen?

    Worauf ich eigentlich hinaus will ist, dass ich glaube dass die Menge nicht so entscheidend ist. Ich habe z. B. jahrelang ein bis zwei Bier, also 0,5 bis 1 Liter pro Tag getrunken. Sogar lange auch mit immer wieder mal einem oder zwei Tagen Pause dazwischen. Ich weiß heute, dass ich damals schon abhängig war, trotz der eigentlich fast noch offiziell unschädlichen Menge. Warum? Weil ich immer, wenn ich meine ein oder zwei Bierchen nicht getrunken habe, daran gedacht habe sie trinken zu wollen. Deshalb glaube ich, dass man bereits dann ein Problem hat, wenn man anfängt intensiver darüber nachzudenken - nur meine Theorie....
    Am Schluss hatte ich dann 10 oder 12 Bier + Wein pro Tag. Und war quasi immer noch genauso Abhängig wie mit zwei Bier. Nur auf einem höherem Alkohollevel mit den damit verbundenen körperlichen Auswirkungen. Verstehe mich nicht falsch: umso früher und umso geringer die täglich konsumierte Menge ist umso besser ist es aufzuhören. Und vielleicht auch einfacher, wenn man noch nicht bei Unmengen angekommen ist. Aber die Abhängigkeit ist die gleiche und es ist halt so, dass sie, wenn man den Ausstieg nicht schafft, irgendwann zu dieser Steigerung der Alkoholmenge führt. Mit allen Folgen, die Du ja sicher kennst.

    Ich hätte vielleicht noch 100 Jahre mit ein bis zwei Bier weiter Leben können, ohne körperliche Probleme. Aber ich habe so auch gelernt, dass mich die paar Bierchen entspannen, dass sie mich locker machen und wenn dann mal Stress war, dann kam halt ein drittes dazu und schon gings besser. Und wenn's dann mal länger nicht so tolle ist, dann trinkt man halt häufiger mal drei Bier oder halt mal vier. Und merkt dann irgendwann, dass die ein bis zwei, die man vorher hatte irgendwie plötzlich zu wenig sind. Auch wenn man gar keinen Stress mehr hat....

    Tja und so geht's dahin. Deshalb würde an Deiner Stelle nicht danach fragen ob Du schon abhängig bist oder nicht. Sondern überlegen, was Dir der Alkohol bringt. Wenn Du ehrlich bist, sorgt er nur dafür, dass sich die Realität für Dich temporär verändert. Nur für Dich und nur für kurze Zeit. In Wirklichkeit aber verändert sich gar nichts.... Aber Du kannst es Verändern wenn Du willst. Aber eben nicht dadurch, dass Du Alkohol trinkst.

    Zum Thema Alkoholvorrat:

    Als mein Entschluss stand, habe ich bewusst alles weggeschüttet und dabei zugeschaut, wie das Zeug in den Gully lief. Alles an Bier was ich hatte, alles an Wein und auch die harten Sachen die in Mengen vorhanden waren (ich aber glücklicherweise NOCH kaum angerührt hatte). Da war teures Zeugs mit dabei was ich im Laufe der Jahre geschenkt bekommen hatte - aber das war mir egal. Trotzdem, verschenken ist natürlich auch eine Alternative.

    Heute habe ich aktuell keinen Alkohol im Haus. Wobei das zwischendrin mal sein kann, wenn ich Gäste habe. Aber auch das kommt in letzter Zeit kaum noch vor. Nicht weil ich keine Gäste mehr hätte sondern weil mittlerweile alle wissen, dass ich keinen Alkohol trinke und die meisten dann auch keinen trinken wollen.

    Ich wünsche Dir einen guten Austausch hier im Forum und alles Gute für Deinen weiteren Weg.

    LG
    gerchla

    Hallo Glitzerstern,

    ich bin selbst Alkoholiker, männlich, Mitte 40 und seit ein paar Jahren trocken.

    Was soll ich sagen? Letztlich gibst Du Dir zu Deinen Fragen ja die Antworten selbst. Du wirkst auf mich wie ein unglücklicher Mensch, der gerne seine Situation verändern möchte, aber große Angst davor hat. Ich kann aus dem was Du schreibst auch keine Perspektive erkennen. Manchmal lese ich hier von Co-Abhängigen wie sehr sie ihren Partner lieben, wie sehr sie den Partner lieben wenn er mal nüchtern ist oder auch auch, wie liebevoll ihr Partner ist (kann natürlich auch Partnerin sein) selbst wenn er getrunken hat. Dass der Partner schon mehrere Versuche hinter sich hat um trocken zu werden aber immer wieder gescheitert ist. Dass sie verzweifelt sind und unbedingt zu ihm/ihr halten möchten, sich eine Trennung gar nicht vorstellen können usw. usf.

    Bei Dir lese ich, dass Du eigentlich schon weißt was Du möchtest, aber dass da eine große Angst ist das auch umzusetzen. Wohl auch durch die Erfahrungen die Du mit Deinem Vater machen musstest.

    Deshalb glaube ich, dass Du Dir Hilfe suchen solltest. Unbedingt. Meine Vorredner haben es ja schon geschrieben. Suchtberatung für Anghörige.... Irgendwie glaube ich auch, dass Du Angst vor körperlicher Gewalt hast obwohl Du ja geschrieben hast er wäre nicht handgreiflich, bis auf eine Ausnahme. "Immer diese Ausnahmen", möchte ich da jetzt mal schreiben. Bei Gewalt ist eine Ausnahme eine zu viel.... Ich empfinde das was Du schreibst so, dass Du der ganzen Sache nicht so richtig traust, dass Du durchaus Angst davor hast, dass wieder Gewalt ins Spiel kommen könnte.... Umso mehr wäre aus meiner Sicht wichtig, dass Du jemanden vor Ort hast, mit dem Du die Situation besprechen kannst und den Du immer wieder kontaktieren kannst.

    Und ich denke Du weist selbst, dass es in Deinem Fall nicht (mehr) darum geht, ob er jetzt Gewohnheitstrinker oder Alkoholiker oder Astronaut ist. Du schreibst wie jemand der weiß das er weg möchte aber sich nicht traut....

    Ich drücke Dir ganz fest die Daumen, dass Du einen, Deinen, Weg findest!

    LG
    gerchla

    Hallo Maru,

    jetzt will ich mich auch mal an Deinem Thread beteiligen. Kurz zu mir: männlich, mitte 40, seit ein paar Jahren trocken

    Zitat

    bei mir macht sich seit 3 tagen so ein relativierungsgefühl breit. ich könnte ja.. eigentlich.

    Das ist etwas, das sehr häufig vor kommt. Du hast jetzt einige Wochen hinter Dir und nun sagt Dir Dein Suchtgehirn: "Na siehste, war doch gar kein Problem. Sooo schlimm war es doch gar nicht. Und überhaupt, wahrscheinlich bin ich gar kein Alki, hast halt nur ein bisl übertrieben, komm' probiers doch einfach mal aus. Ein Gläßchen geht schon..."

    Auf diese Weise habe ich mehrere Trinkpausen beendet. Eine davon war über ein halbes Jahr lang. Ein lächerliches Biermischgetränk hat ausgereicht um innerhalb kurzer Zeit mein altes Niveau wieder zu haben. Und bei mir war das dann immer so, dass ich nach diesen Pausen mein Pensum erhöht habe. Es war, als wollte ich nachholen was ich "verpasst" hatte. Dieses gesteigerte Niveau habe ich dann gehalten, bis zum nächsten Versuch. Mit der Zeit kam ich dann auf immer mehr und mehr und mehr.....

    Bei meinem entgültigen Ausstieg war es dann anders. Ich habe mich viel mehr mit meiner Sucht auseinander gesetzt, vor allem psychisch. Immer wenn ich diese Gedanken hatte "Du könntest ja mal wieder...." habe ich mich sofort gefragt: WOFÜR? Was bringt es mir? Welchen Vorteil hätte ich davon? Wenn Du diese Fragen stellst erhältst Du folgende Antworten: Du hast nichts davon wieder zu trinken... Und zwar egal ob Du nun Alkoholiker bist oder nicht. Es ist eigentlich völlig egal. Alkohol bringt einem nichts. Genuss? Ok, der Genusstrinker der ab und an mal ein Glas trinkt möchte nicht darauf verzichten - er hat in der Regel auch sicher kein Alkoholproblem. Aber selbst wenn er verzichten würde? Wäre das so tragisch? Enstpannung? Das gibt einen der Alkohol doch nur kurzfristig und nur ganz oberflächlich. Wir wissen doch, dass er eigentlich genau das Gegenteil macht. Und wenn wir entspannen wollen, dann müssen und können wir auf ganz andere Methoden zurück greifen. Vielleicht muss man das erst neu lernen. Ich musste es neu lernen - aber das ist kein Hexenwerk, es braucht nur etwas Zeit....

    Alkohol hat absolut keine Vorteile. Das musst Du Dir bewusst machen. Dann kommst Du auch weg von "ich darf keinen Alkohol mehr trinken" hin zu "ich will keinen Alkohol mehr trinken, selbst wenn ich kein Alkoholiker wäre". Es ist einfach egal, Du willst dann einfach nicht mehr.

    Ich wünsche Dir alles alles Gute! Du hast schon viel geschafft. Weiterhin viel Kraft!

    LG
    gerchla

    Hallo Olli,

    also, ich kann jetzt schon sagen, dass es sehr schön für mich ist Dich zu lesen! Die Gedanken und Ansätze die Du hast entsprechen auch meinen Vorstellungen und vieles von dem, was Du beschreibst habe ich auch erlebt. Ich habe zwar keine Therapie in der Form gemacht, wie das bei Dir war, aber auch ich hatte viele Gespräche mit unterschiedlichen Menschen ohne die ich es wohl nicht geschafft hätte in die Spur zu kommen. Im Laufe der Zeit wurde mich auch klar, dass es nicht nur darum geht einfach nichts mehr zu trinken sondern das die ganze Geschichte viel tiefer ist. Das alles aufzuarbeiten war und ist nicht leicht. Aber es bringt mich ständig ein Stück voran. Und immer wieder komme ich an Situationen, wo ich vor Glück platzen könnte, weil ich dieses Leben jetzt führen kann / darf. Das ist ein tolles Gefühl.

    Ich habe mich aus sehr gefreut, als ich gelesen habe, dass Deine drei F's keinen Schaden genommen haben 44.

    Bei mir folgte nach meiner Trockenheit die Trennung von meiner Frau und damit auch von meinen beiden Kindern. Das war hart, die schlimmste Zeit meines Lebens möchte ich mal sagen. Wobei ich dazu sagen muss, dass die Trennung von mir aus ging. Sie war eine Erkenntnis die im Zuge meiner Aufarbeitung für mich zu Tage kam. Tja - hätte ich nicht die vielen Jahre versoffen, wäre das alles sicher anders gelaufen.

    Allerdings bin ich heute wieder in einer sehr glücklichen Partnerschaft, habe guten Kontakt zu meiner mittlerweile Ex-Frau und auch zu meinen Kindern. Wenn mir einer damals gesagt hätte, dass das jemals so sein könnte - ich hätte kein Wort geglaubt. Heute denke ich, dass man mit einer positiven Lebenseinstellung und einem offen zu gehen auf andere Menschen sehr viel erreichen kann. Für die anderen aber auch für sich selbst. Früher konnte ich das überhaupt nicht.

    Und manchmal denke ich darüber nach, ob ich vieles von dem, was ich heute habe, was ich heute als so positiv empfinde, nicht meiner Alkoholsucht zu verdanken habe. Das klingt jetzt erst mal bescheuert aber ich weiß nicht, ob ich ohne diese Krankheit jemals so weit in der Entwicklung meiner eigenen Persönlichkeit gekommen wäre. Ich vermute, ich hätte halt so vor mich hin gelebt. Das ganz normale Leben eben - Familie, Job, Urlaub, Freunde etc. ohne dem Bewusstsein, dass das alles sehr Wertvoll ist. Schwer zu beschreiben... Klingt ja fast so, als könnte ich meiner Sucht dankbar sein.... Da muss ich nochmal in Ruhe drüber nachdenken.

    Bis bald mal

    LG
    gerchla

    Hallo Olli,

    44. Alles richtig gemacht. Schön das Du hier bist.

    Kurz zu mir: Männlich, Mitte 40, einige Jahre trocken. Vorher ca. 10 Jahre nasser Alkoholiker, die letzten Jahre davon recht massiv. Vor den 10 Jahren ca. 5 Jahre mit einem, in unserem Kulturkreis als "normal" zu bezeichnenden Trinkverhalten - Also, lustige Wochenenden, ab und an mal ein Feierabendbierchen und nicht weiter darüber nachdenkend. Und wiederum davor war ich quasi Abstinenzler.

    Das mal nur als kurzer Überblick.

    Ich freue mich auf den Austausch mit Dir!

    LG
    gerchla