Beiträge von Gerchla

    Hallo Angemon,

    ich schließe mich Gerd an. Erst mal geht es um Dich. Nur wenn Du selbst mit Dir im Reinen bist, wenn Du selbst es geschafft hast Deine Sucht zu bekämpfen und wieder ein suchtfreies Leben zu führen, kannst Du mal an andere denken. Hört sich vielleicht hart an aber ich denke es ist so. Man kann nur geben, wenn man stark genug ist und sich selbst dabei nicht zu sehr in den Hintergrund stellt. Das ist bei Co-Abhängigkeit aber der Fall. Das eigenen Leben gerät in den Hintergrund weil man ja für den anderen da sein "muss".

    Und dann stellt sich natürlich noch die Frage, inwieweit Du Deinem Vater überhaupt helfen kannst. Er ist auch Alkoholiker, d.h. auch er kann nur selbst gegen seine Krankheit angehen. Genau wie Du. Nur wenn er etwas tun will, dann kann es funktionieren. Wie bei Dir auch.

    Natürlich könnte es sein, dass er von Dir jetzt motiviert wird ebenfalls was zu unternehmen, dass Ihr gemeinsam aus diesem Kreislauf heraus kommt. Idealfall! Aber wenn nicht, dann solltest Du auf Dich und Dein Leben achten! Und Dein Leben leben für das Du verantwortlich bist. So wie Dein Vater für seines verantwortlich ist.

    Zitat

    Ein kleiner Lichtblick ist für mich das ich heute mal bei einer neuen Arbeitsstelle Probearbeiten darf, ich nehme das für mich als Neuanfang mit.

    Viel Glück wünsche ich Dir! Und alles Gute weiterhin

    LG
    gerchla

    Guten Morgen Isa,

    herzlich Willkommen bei uns im Forum!

    Ich bin Mitte 40, männlich, Alkoholiker und ein paar Jahre trocken.

    Zitat

    Von Psychotherapie, über Selbsthilfegruppen (AA) bis hin zu ambulanten Klinikaufenthalten habe ich alles ausprobiert. Und immer wieder "erfolgreich" - für Monate, Wochen, Tage...

    Da sag ich jetzt mal: Eigentlich hast Du vieles von dem gemacht, was man jemanden erst mal raten würde zu tun! Frage: was bedeutet abulanter Klinikaufenthalt? War das eine ambulante Therapie oder Entzug?

    Meine Situation: Viele Versuche weniger zu trinken, immer wieder Trinkpausen (anfangs Monate, später Wochen, dann Tage und am Schluss keine mehr möglich). Dann kam irgendwann eine Art "Klick"-Erlebnis mit der tiefen Erkenntniss: Jetzt ist Schluss! Ob das nun mein persönlicher Tiefpunkt war weiß ich nicht. Ich denke, es hätte noch viel tiefer gehen können. Ich hatte noch alles - Job, Familie und auch die Gesundheit war mehr oder weniger noch intakt. Lassen wir mal Fettleibigkeit, Antriebslosigkeit u.ä. außer Acht.

    Ich habe dann auch, ähnlich wie Du, einen Psychologen aufgesucht, bin in eine SHG, habe mit meinem Arzt gesprochen und mir anderweitig auch noch Hilfe in Form von Gesprächspartnern gesucht.

    Letzteres, also die vielen Gespräche die ich führen konnte und durfte, mache ich jetzt hauptsächlich dafür "verantwortlich", dass ich es geschafft habe trocken zu werden und zu bleiben. Ich möchte mal sagen ich hatte Gespräche mit Profis, wie z. B. Psychologen und Laien, wie z. B. meinem besten Freund aber auch mit ganz anderen Menschen, z. B. einem Mönch, der mir unglaublich viel geholfen hat. Über die Gespräche bin ich ins Aufarbeiten gekommen, übers Aufarbeiten habe ich angefangen meine Sucht zu verstehen, überhaupt diese Krankheit erst mal ansatzweise zu kapieren. Mir wurde bewusst, dass ich als Alkoholsüchtiger psychisch krank bin. Mir wurde auch bewusst, dass ich es selbst in der Hand habe diese Erkrankung zu stoppen, dass ich entgegen z. B. eines Krebspatienten, alle Karten selbst in der Hand habe. Und so ging das dann über Monate, sogar Jahre, denn auch heute spreche ich noch ab und an mit jemanden darüber. Jetzt ist es nicht mehr "dringlich", es ist eher ein Nacharbeiten, ein Justieren, ein Korrigieren. Ich denke, das bleibt mir ein Leben lang und das ist auch nicht schlimm. Es sind keine schlimmen Gespräche mehr.

    Ich finde, so wie Du schreibst, wie Du es formuliert hast, zeigt, dass Du es schaffen willst. Dass Du weg willst von dem Zeug, dass Du Dein Leben zurück willst. Überlege Dir, was Du dieses Mal anders machen willst oder kannst, als bei den letzten malen! Versuche heraus zu finden, warum Du doch immer wieder zurück zum Alkohol bist. Warum Du trinken willst, was es auslöst! Vielleicht hilft Dir das gegenzusteuern. Bei mir war es ein Stück weit auch eine Reise in meine Kindheit.... Eine gute Kindheit, ohne zweifel. Trotzdem war sie ein Stück weit der Grundstock für das was kam. Bei mir. So glaube ich zumindest und dieses "Wissen" half mir zu verstehen. Um dann letztlich zu sagen: Ich will keinen Alkohol mehr trinken, auch wenn es jetzt eine Pille gäbe, die mein Suchtgedächtnis auf Null setzten würde und ich wieder ganz von vorne anfangen könnte. Ich will nicht, weil ich schlicht keinen Vorteil darin erkennen kann. Alles was ich will kann ich auch ohne Alkohol. Besser sogar - auch lustig sein, gut drauf sein, selbstbewusst sein, Probleme lösen, Glückgefühle erleben, Negatives verarbeiten - alles kann ich ohne Alkohol besser, weil es echt ist.

    Alles Gute wünsche ich Dir und einen guten Austausch hier im Forum

    LG
    gerchla

    Guten Morgen Angemon,

    herzlich Willkommen bei uns im Forum.

    Ich bin männlich, Mitte 40, Alkoholiker und ein paar Jahre trocken.

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    Ich bin auch kein Problemtrinker sondern auch wenn ich keine Probleme habe trinke ich leider viel zu viel davon. ;(

    Um Alkohol zu trinken oder "zum Alkoholiker zu werden" brauchts keine Probleme! Das geht auch problemlos ;D ohne! Ich hatte auch keine Probleme wurde süchtig. Es bieten sich ja so viele andere Anlässe weswegen man jetzt mal was trinken "muss" - Feiern oder Erfolgserlebnisse oder zum Locker werden, zum Runter kommen oder weil's so toll schmeckt!

    Aber Fakt ist: Auch wenn man ohne Probleme zum Alkoholiker wurde, spätestens wenn man dann mal einer ist, dann hat man Probleme (die man vorher nicht hatte). Und die liefern dann wieder wunder bare Gründe für's weitersaufen..... So meine Erfahrungen!

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    Jetzt habe ich mal der Drogensuchtberatung eine Mail geschrieben um einen Termin auszumachen und warte noch auf den Rückruf einer Psychologin für einen Gesprächstermin zudem vereinbare ich noch einen Termin beim Arzt.

    Das hört sich doch schon mal sehr gut an! Ich würde mit meinem heutigen Wissen versuchen jetzt Schritt für Schritt vorzugehen. Suchtberatung und Arzt, letzteren schon wegen der Gefahr des kalten Entzugs. Mit der Suchtberatung die weiteren Optionen besprechen und wenn Du einen guten Arzt Deines Vertrauens hast, dann kann der auch psychologisch viel helfen. Psychologe für die Begleitung des "Trocken-werde-Prozesses" ist auch eine gute Idee - ggf. käme auch eine ambulante oder stationäre Therapie in Frage. Darüber kannst Du mit Deinem Arzt und der Suchtberatung sprechen.

    Nicht zu verachten wäre auch der Besuch einer realen SHG. Dort triffst Du andere Abhängige persönlich und kannst Dich direkt austauschen. Das kann sehr hilfreich sein, gerade am Anfang ist es wichtig sich soviel Hilfe wie möglich zu holen. Und da können andere, die diesen Weg bereits gegangen sind, sehr unterstützen. Selbstveständlich kann so eine Gruppe auch dauerhaft dafür sorgen, dass man stabil bleibt oder eine Anlaufstelle hat, wenn's mal Schwierigkeiten gibt... Ich denke Du solltest einfach ausprobieren....

    Alles Gute und ich freue mich wieder von Dir zu lesen!

    LG
    gerchla

    Guten Morgen Calendula,

    ich bin männlich, Mitte 40, Alkoholiker und ein paar Jahre trocken.

    Schön, dass Du etwas gegen Deine Alkoholsucht unternehmen willst!

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    Wirklich betrunken bin ich eigentlich nie, hatte auch noch nie einen "Filmriss" oder am Morgen einen riesen Kater. Auch habe ich noch nie bei der Arbeit gefehlt oder bei der Arbeit getrunken.


    So sah das bei mir auch aus! Viele viele Jahre lang. In der Arbeit zu trinken wäre mir nicht in den Sinn gekommen, vormittags schon zu trinken wäre mir nicht in den Sinn gekommen, Geheimverstecke mit reichlich Alk anzulegen wäre mir nicht in den Sinn gekommen. Und überhaupt war mein Trinkniveau damals, viele lange Jahre, nur knapp über dem was offiziell noch als unbedenklich gilt. 2 Bier am Tag, das hatte ich sehr lange, auch mal 3, denn wieder nur 2, mal ein Tag ohne ging auch noch. Trotzdem war ich bereits abhängig! Das weiß ich heute. Ich war deshalb abhängig, weil sich meine Gedanken schon damals sehr häufig um Alkohol drehten. Immer wenn ich mal Pause machte, dachte ich, dass ein Bierchen jetzt schon schön wäre! Aber ich war noch stark genug es nicht zu trinken! Wenn ich dann doch mal an zwei Tagen hintereinander statt der üblichen 2 Bier dann 3 trank meldete sich mein Gewissen: Hey, das ist zu viel! Um dann aber sofort vom bereits eingenisteten Suchteufel mit Gegenargumenten beliefert zu werden: Wie zuviel? Quatsch, wir sind hier in Bayern - 3 Bier sind lächerlich! Grundnahrungsmittel und überhaupt, schau mal was xy so weghaut und dem gehts doch wunderbar....

    So war das bei mir, viele Jahre lang. Ich muss wohl nicht weiter erwähnen, dass ich später dann selbstverständlich in der Arbeit getrunken habe, dass ich selbstverständlich schon vormittags anfing und dass ich natürlich an den unmöglichsten Stellen Alkohol gebunkert habe. Warum? Weil ich nicht mehr anders konnte. Die Sucht hat sich langsam aber stetig einen Weg gebahnt und ich bin immer tiefer hinein gerutscht. Über meine Trinkmenge am Schluss will ich erst gar mal nicht sprechen. Mein "größtes" Problem war es dann, jeden Tag die Flaschen zu entsorgen, weil ich heimlich trank und keiner was mitbekommen sollte....

    Deswegen finde ich es sehr gut, dass Du JETZT die Reißleine ziehen willst! Und nicht erst, wenn Du mal soweit bist wie ich war!

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    Brauche aber ein Gerüst, das mich hält, wenn ich wieder zu fallen drohe.


    Hier hast Du natürlich uns hier im Forum. Die Frage ist aber, ob das ausreichend ist. Das kann ich Dir nicht beantworten. Ich persönlich bin der Meinung, dass man sich gerade am Anfang soviel Hilfe holen sollte, wie man bekommen kann. Das bedeutet ja nicht, dass man zwangweise alles sein Leben lang dann weiter machen muss. Ich z.B. bin auch sofort in eine reale SHG gegangen, war beim Psychologen und habe mir auch anderweitig noch Hilfe gesucht. Besonders die Gesrpäche, die ich dabei führen konnte haben mir sehr geholfen. Heute bin ich z. B. nicht mehr in einer realen SHG, weiß aber, dass es damals genau das richtige für mich war. Ausprobieren sage ich da nur, Du hast absolut nichts zu verlieren, Du kannst nur gewinnen!

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    Nur fühle ich mich manchmal nicht so ganz ernst genommen, da die meisten finden, dass ich doch gar nicht soviel trinke, und das das doch gar nicht so schlimm sei. Aber vielleicht ist das auch nur die Hilflosigkeit oder sie sind damit überfordert.


    Das kenne viele von uns, zumindest diejenigen, die es "geschafft" haben einen Großteil ihrer Sauferei zu verheimlichen. Mich eingeschlossen! Was sind die Leute aus den Wolken gefallen, als ich mich geoutet habe. Und natürlich kamen Sätze wie: "Meinst Du nicht, dass Du da etwas übertreibst"... Und wäre ich nicht absolut fest dazu entschlossen gewesen endlich aufzuhören und mir mein Leben zurück zu holen, ich hätte genau diese Sätze dazu genutzt mir zu sagen: Naja, so schlimm war's ja dann scheinbar doch nicht..... Ein fataler Irrglaube, eingeflüstert von der Sucht! Ja und klar, bei einigen ist es sicher so, dass sie überfordert sind und nicht wissen was sie sagen sollen. Ich habe auch welche gekannt, die sich einen Spiegel vorgehalten fühlten und deshalb relativiert haben.

    Das ist auch völlig egal. Es geht um DEIN Leben, es ist DEINE Sucht.

    Ich wünsche Dir einen guten Austausch hier im Forum und alles gute auf Deinem Weg aus der Sucht!

    LG
    gerchla

    Guten Morgen Domi,

    wie geht es Dir? Wie war Dein Wochenende?

    Willst Du ein wenig über Deine weiteren Pläne erzählen? Wann planst Du in den Entzug zu gehen? Ich schließe mich Greenfox komplett an: Super, dass Du für DICH aufhören willst! Deine Partnerin und Dein Sohn motivieren natürlich zusätzlich. Meine Kinder waren für mich auch eine riesen Motivation aber der Hauptgrund war für mich, dass ich MEIN Leben zurück haben wollte. Endlich wieder ich selbst sein und so sein wie ich es gerne möchte!

    Eine gute Woche wünsche ich Dir!

    LG
    gerchla

    Hallo Domi,

    auch von mir ein herzliches Willkommen hier im Forum.

    Schön, dass Du hierher gefunden hast und noch schöner, dass Du etwas gegen Deine Alkoholsucht unternehmen willst.

    Ich habe keine Erfahrung im Reduzieren vor dem Entzug. Ich habe (nach vielen gescheiterten Versuchen) von heute auf morgen aufgehört. Und bin ehrlich gesagt dann auch erst zu spät zum Arzt, also erst nach ein paar Tagen ohne Alkohol. Glücklicherweise hatte ich kaum bzw. nur leichte, eher harmlose Entzugserscheinungen. Das war z. B. starkes Schwitzen und ziemliche Schlafprobleme. Mein Trinkniveau war um einiges höher als das, was Du von Dir beschreibst. Aber dran kann und darf man es auch nicht fest machen.

    In jedem Fall rate ich mit dem Wissen, das ich heute habe, jedem absolut von kaltem Entzug ab. Das ist einfach so leichtsinnig und kann so gefährlich werden, egal mit welcher Trinkmenge man antritt. Aber das machst Du ja nicht. Sicher wirst Du noch Rückmeldung von anderen hier bekommen, die es ähnlich angegangen sind wie Du. Greenfox hat Dir ja schon seine damalige Situation geschildert.

    Desweiteren denke ich, dass die Fragen, die Dir Greenfox gestellt hat, genau die sind, die Du für Dich beantworten solltest. Wenn Du erst mal entgiftet bist, den Entzug hinter Dir hast, dann beginnt die eigentliche "Arbeit". Dann geht es um die psychische Abhängigkeit. Nach meiner Erfahrung brauchts da idealerweise einen "Plan", also wie wo was willst Du unternehmen, welche Schritte leitest Du ein, welche Hilfangebote nimmst Du in Anspruch. Du wirst dabei wahrscheinlich auch feststellen, das manches super für Dich ist, anderes vielleicht nicht so ganz passt. Nimm es entspannt zur Kenntniss, das ist ok so - nach meiner Erfahrung muss man nicht krampfhaft alles machen, sondern kann durchaus für sich entscheiden was einem wirklich hilft und weiter bringt. ABER: man sollte bereit sein alles mal auszuprobieren, ich meine damit z. B. SHG, Psychologen, ggf. natürlich auch eine Therapie, Suchtberatung usw. Nur wenn man die Dinge offen angeht und ausprobiert kann man entscheiden was man für die Zukunft beibehalten möchte, was einem hilft und weiter bringt.

    Ich habe z. B. keine LZT gemacht - aber "nur" desahalb nicht, weil ich erst mal sofort beim Psychologen und in die SHG gegangen bin. Dann auch zum Arzt. Und über die Zeit, die darüber verstrichen ist habe ich gemerkt, dass ich recht gut klar komme und meine Trockenheit entwickeln kann. Rückfallgedanken hatte ich kaum, auch das Aufarbeiten konnte ich langsam beginnen. Also habe ich mir noch weitere Hilfe geholt und viele Gespräche geführt und bekam ein immer besseres Gefühl. Dann war die LZT vom Tisch - ABER: Wäre es anders gelaufen, ich wäre absolut bereit gewesen auch eine Therapie zu machen. Alles, hauptsache nicht mehr trinken müssen!

    Das waren jetzt nur mal so meine Gedanken. Alles Gute wünsche ich Dir und einen guten Austausch hier im Forum!

    LG
    gerchla

    Hallo Nick,

    alles klar, Du hast also 3 Wochen für den Entzug! Nicht als Therapie. 3 Promille ist ne ganz schöne Hausnummer...

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    Psychisch habe ich tatsächlich auch nicht dass Gefühl dann schon stabile zu sein

    Nein, Du bist ja dann "nur" entgiftet. Körperlich ist das Zeug dann erst mal draußen. Aber die Hauptaufgabe steht Dir dann ja noch bevor, das ist dann die psychische Abhängigkeit in den Griff zu bekommen. Ich denke, da wird Dir eine Langzeittherapie sehr hilfreich sein. Was Deinen Hund betrifft: Da müsste sich doch eine Lösung finden lassen. Ich verstehe schon, dass Du Dir um ihn sorgen machst. Bei anderen ist es die Frau, die Familie, der Job, die Oma die zu betreuen ist usw. Ich denke, hier musst Du unbedingt lösungsorientiert denken. Das wichtigste für Dein Leben ist Deine Trockenheit. Wenn Du Deine Sucht nicht stoppen kannst, dann hast weder Du etwas davon noch Dein Hund. Du weißt ja wie unsere Krankheit in der Regel irgendwann endet, wenn man nicht den Absprung schafft. Ich wünsche Dir sehr, dass Du schnell einen LZT-Platz bekommst!

    Alles Gute weiterhin!

    LG
    gerchla

    Hallo Eve,

    herzlich Willkommen bei uns im Forum.

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    Manchmal schaffe ich es für ein paar Wochen trocken zu bleiben dann wieder hole ich das alles nach als ob es Morgen nichts Mehr zu kaufen gäbe

    Ich glaube, dass kennen wir hier alle. Zumindest die Alkoholiker unter uns. Bei mir war das so: Umso länger ich eine Trinkpause durchgehalten habe, umso mehr habe ich nach Beendigung der selben dann getrunken. Als ob ich alles nachholen musste was ich verpasst hatte. Nicht selten war nach einer längeren Trinkpause mein Trinkniveau dann auch Dauer höher als es vorher war.

    Gegen Ende meiner Trinkerkarriere ließen die Trinkpausen dann aber stark nach bzw. aus Monaten wurden Wochen, aus Wochen wurden Tage und die letzten paar Jahre waren schon Tage mit etwas reduziertem Trinkverhalten ein großer Erfolg. Es ist so, wie alle immer sagen und gesagt haben: Es wird einfach immer schlimmer - wenn man nicht dagegen unternimmt.

    Etwas dagegen unternehmen bedeutet aber eben NICHT krampfhaft zu versuchen nichts mehr zu trinken! Das musste ich dann auch erst mal lernen bzw. mir wurde es im Nachhinein erst bewusst. Es bedeutet eigentlich, sich erst mal bewusst zu machen, dass man Alkoholiker ist und dann eine Strategie zu entwickeln, wie man mit dieser Tatsache jetzt umgeht. Da ist man dann noch lange nicht trocken aber aus meiner Sicht brauchts einen Plan, wie man das anstellen möchte. Und "nur" nichts mehr trinken funktioniert normalerweise nicht auf Dauer - das ist eine Erfahrung die ganz viele machen müssen und mussten, mich eingeschlossen. Man muss sein Leben und seine Einstellung, die Denkweise, verändern. Oft wird gesagt, man muss sein komplettes Leben umkrempeln - Bei mir war das so aber ich denke, das die Ausprägung des Umkrempelns nicht immer eine Megadimension annehmen muss. Das hängt sicher vom Umfeld ab, und den individuellen Gegebenheiten, wie stark man Dinge ändern muss.

    Aus heutiger Sicht würde ich Dir zu dem raten, was Greenfox Dir geschrieben hat. Alles ausprobieren, schauen was für Dich passt, was Dir weiter hilft. Auf Dauer trocken zu sein ist wirklich Arbeit, gerade am Anfang etwas mehr, später weniger und irgendwann ist das neue, abstinte Leben dann Normalität. Das ist dann ein wunderbares, sehr bewusstes Leben - nicht ohne Probleme aber ohne den Problemverstärker und Problemerzeuger Alkohol. Ich kann Dir nur sagen: die "Trockenarbeit" lohnt sich sowas von.....

    Alles Gute und einen guten Austausch hier im Forum.

    LG
    gerchla

    Hallo Nick,

    es freut mich für Dich, dass Du das Ruder in die Hand genommen hast! Das war auf jeden Fall schon mal die richtige Entscheidung.

    Und jetzt heißt es "dran bleiben". Du hast jetzt schon einen riesen Schritt getan, Deine Angst überwunden. Ich hoffe sehr, dass Du jetzt weitere Schritte tun kannst. Ich habe keine Erfahrung mit Therapien aber mir scheinen 3 Wochen auch ein wenig kurz. Aber ich kenne mich da nicht so aus, ich hatte selbst keine. Aber wie dem auch sei, wichtig ist, dass Du für Dich die richtigen Anregungen bekommst und lernst mit der Sucht umzugehen und Strategien zu entwickeln wie Du künftig ohne Alkohol leben willst.

    Alles Gute und lass wieder von Dir hören!

    LG
    gerchla

    Hallo nitram,

    hab' gerade mal geschaut wann Du Dich hier im Forum zum ersten Mal gemeldet hast. Das ist jetzt fast genau ein Jahr her.

    Zitat

    ich möchte aufhören schaffe es aber irgendwie nicht.

    Was hast Du denn das letzte Jahr über alles gemacht um mit den Trinken aufzuhören? Warst Du bei der Suchtberatung, hast Du mal ein paar Selbsthilfegruppen "probiert" oder gar versucht eine Therapie zu machen? Wenn ja, dann erzähle uns doch ein wenig über Deine Erfahrungen. Dann können wir Deine Situation sicher etwas besser einschätzen.

    Falls Du "einfach nur" versucht hast nichts zu trinken und dann jedes mal spätestens nach 2 Wochen wieder trinken musstest, dann wird Dir jetzt klar sein, dass Du eben nicht "einfach nur nix trinken" kannst. Du hast also die Wahl, es weiter immer wieder selbst zu versuchen oder aber Dir Hilfe zu suchen. Welche Art von Hilfe es gibt weißt Du ja. Es liegt an Dir das anzugehen.

    Ich kann schon verstehen, dass man erst mal alternative, eigene, Methoden ausprobieren will um mit dem Trinken aufzuhören. Ich denke, dass gehört in gewisser Weise zu einem Erfahrungsprozess, den viele einfach durchlaufen müssen. Es gibt ja auch immer wieder Alkoholiker die es wirklich schaffen dauerhauft mit dem Trinken aufzuhören ohne eine Therapie oder andere Hilfsangebote in Anspruch zu nehmen. Im großen und ganzen aber wahrscheinlich die Minderheit. Ist auch egal: wichtig ist, dass man erkennt, wenn man seinen Weg ändern muss weil man nicht weiter kommt.

    Ich würde übrigens bei dem was Du schreibst nicht von Rückfällen sprechen wollen. Denn eigentlich hast Du ja weiter getrunken unterbrochen von kurzen Trinkpausen. Aber unterm Strich ist das natürlich Wortklauberei und auch völlig egal.

    Meine Frage an Dich: Wie können wir Dir helfen? Hast Du Fragen? Den Tipp Dir Hilfe zu suchen und diese anzunehmen hast Du ja schon von mehreren erhalten. Was können wir noch für Dich tun? Ich bin gerade noch etwas ratlos, was ich tun kann um Dir auf Deinem Weg zu helfen.

    Schön, dass Du Dich wieder mal gemeldet hast. Bleib dran!

    LG
    gerchla

    Hallo Lars,

    willkommen hier im Forum für Alkoholiker und Angehörige.

    Um Deine Frage zu beantworten: Ja, klar kannst Du mit Deinem Problem leben. Ich habe sehr viele Jahre mit "meinem" Problem gelebt und zwar so, dass keiner etwas von meinem Problem bemerkt hat. Alles bestens - Familie in Takt, Freunde wunderbar und Job ebenfalls alles bestens - viele Jahre trotz Alkoholabhängigkeit.

    Klar, langsam wurde es mehr, ich brauchte einfach mehr von dem Zeug. Aber was solls, ich hatte mich ja daran gewöhnt und letztlich bin ich mit 7 Bier pro Tag genauso in der Früh aufgestanden wie ein paar Jahre davor mit 4 Bier. Und mit 10 Bier / tägl. bin auch morgens aufgestanden und in die Arbeit und alles war ok. Und mit 10 Bier und einer Flasche Wein bin ich auch aufgestanden und in die Arbeit und alles war ok.

    Tja, nur irgendwie habe ich nicht mitbekommen, dass ich mich psychisch immer mehr verändert habe. Ok, körperlich sah ich da dann schon nicht mehr so toll aus. Eher so wie eine übergewichtige Wasserleiche - aber hey, das war mir egal, weil ein Mann ohne Bauch ist ja kein Mann und überhaupt, wenn man älter wird legt man halt zu.

    Naja, dass meine Familie immer häufiger fragte was mit mir los ist und ich in der Arbeit dann schon öfter mal tagsüber im Keller verschwand um mal in Ruhe eins zu trinken, ok das war halt so. Aber damit konnte ich leben. Ok, irgendwann gabs dann das erste Bierchen halt schon in der Früh vor der Arbeit aber naja, war ja nur eins und war ja nur Bier, nix Hartes. Ok wurden dann auch mal zwei oder drei Bier vor der Arbeit - hmmmm irgendwie war's dann schon nicht mehr so tolle.... Aber leben konnte ich damit immernoch! Tja und so gings dann halt weiter bis ich irgendwann mal bemerkte, dass ich eigentlich absolut gar nix mehr im Griff habe und ich einfach nur ein süchtiger Alkoholiker ohne eigenes Leben bin.

    Wie Du vielleicht bemerkt hast, habe ich mal eine etwas ironische Darstellung meines Suchtlebens skizziert. Vielleicht gibt Dir das einen Denkanstoss. Es ist einfach so, dass man mit dieser Alkoholsucht teilweise seeeeeeeehr lange recht gut leben kann. Und es ein Merkmal der Sucht, dass diese einem auch suggeriert, dass man ja alles im Griff hat und alles wunderbar ist. Man kann damit aber auch ganz gut sterben, früher oder später. Denn die Sucht verläuft im Endeffekt immer gleich. Du brauchst einfach immer mehr und je länger sie dauert desto schwieriger wird es von ihr loszukommen. Wer nicht loskommt geht an ihr zugrunde.

    Aber das ist jedem seine eigene individuelle Entscheidung.

    Alles Gute wünsche ich Dir und einen guten Austausch hier im Forum

    LG
    gerchla

    Hallo mutje,

    herzlich Willkommen hier im Forum.

    Ich bin männlich, Mitte 40 und Alkoholiker - ein paar Jahre trocken.

    Ich wünsche Dir einen guten Austausch hier im Forum und hoffe, dass Du viel für Dich mitnehmen kannst. Hier schreiben auch Eltern mit alkoholkranken Kindern, sicher kannst Du Dich da gut austauschen. Lies Dich erst mal in Ruhe ein und wenn Du Fragen hast, dann stelle sie einfach!

    LG
    gerchla

    Hallo Nick,

    ich sag' Dir einfach mal wie ich es gemacht habe:

    Ich habe nachmittags mein letztes Bier getrunken und abends meiner Familie erzählt was los ist, also erst mal meiner Frau, dann meinem damals fast schon erwachsenen Sohn. Meine Tochter war noch kleiner, da haben wir beschlossen erst mal mit einem Psychologen zu sprechen. Am Tag 2 bin ich abends in eine SHG und habe dort natürlich auch offen gesprochen. Dann habe ich innerhalb weniger Tage (ganz genau weiß ich es jetzt auch nicht mehr) meine Geschwister und meine Eltern informiert. Etwas später dann noch meinen besten Freund und noch etwas später weitere enge Freunde. Ich habe Anfang Dezember aufgehört mit dem Trinken, bis Weihnachten wussten alle Bescheid die mir nahe standen.

    Also, ich war ja Heimlichtrinker und es scheint, dass ich darin wirklich gut war. Oft wird ja berichtet dass alle bereits wissen das man trinkt aber keiner sagt einem was. Bei mir war das wohl nicht so, denn ausnahmslos alle sind aus den Wolken gefallen, konnten es nicht glauben und haben dann im Nachhinein aber Dinge verstanden, die sie sich vorher nicht erklären konnten.

    Du kannst mir glauben, dass diese Gespräche - vor allem mit meiner Frau, meinen Kindern, meinen Eltern und meinen Geschwistern sehr sehr schwer für mich waren. Ich möchte sagen, dass ich mich dabei fürchterlich gefühlt habe und dass ich dabei aber auch wirklich reinen Tisch gemacht habe. Viele Dinge, die ich in meiner Säuferzeit heimlich fabriziert habe, musste ich dabei offen legen. Die Lebensversicherung versoffen, den Sparvertrag gibt es nicht mehr usw. usf. und noch viele andere Dinge die ich jetzt hier nicht weiter ausführen möchte.

    Aber ich will Dir sagen, dass ich von dem Moment an, an dem mir klar war, dass ich nicht mehr trinken will und werde, wusste, dass ich allen reinen Wein ( ;) ) einschenken werde und einschenken muss. Denn weiter irgendwas verheimlich kam für mich nicht mehr in Frage. Alles musste auf den Tisch und ich wollte neu anfangen. Ohne Alkohol, ein neues Leben beginnen. Lieber ein Ende mit Schrecken als Schrecken ohne Ende. Ich konnte auch nicht mehr, ich war psychisch tot!

    Ich wollte das mein Umfeld Bescheid weiß, weil ich viele Jahre lang immer wieder versucht hatte heimlich mit dem Trinken aufzuhören. Also quasi: Heimlich getrunken und auch heimlich aufhören, dann kann man seine weise Weste behalten. Das hat selbstverständlich nie funktioniert - es wurden immer Trinkpausen und ich konnte immer bequem in mein altes Muster zurück. Denn niemand wusste ja, dass ich ein Problem habe, alles prima, wenn der Suchtteufel mich überzeugt hatte, dass ich mir mal wieder was gönnen kann, dann konnte ich das, ohne dass ich Angst haben musste, dass jemand aus meinem Umfeld mit wachem Auge auf mich schaut. Wenn man sich geoutet hat, dann ist das anders!

    Das Umfeld weiß Bescheid und merkt, wenn man heimlich konsumiert. Zumindest schneller als wenn sie keine Ahnung haben. Das Umfeld kann aber auch Unterstützen und Helfen, so war das bei mir. Viele Gesrpäche mit meinem alten Freund. Er hat mir sehr geholfen.

    Deswegen bin jemand der sagt: Karten auf den Tisch, wenn Du es ernst meinst! Das bedeutet nicht, dass Du es jeden und überall erzählen musst. Es kann auch kontraproduktiv sein, z. B. in der Arbeit. Da muss man abwägen ob es gut ist oder nicht. Das kann ich aber aus der Ferne nicht beurteilen.

    Heute weiß mein erweitertes Umfeld bescheid. Z. B. die Nachbarschaft usw. Aber nicht alle mit denen ich so zu tun habe. Aber alle wissen, das ich der bin, der keinen Alkohol trinkt und für keinen (soweit ich das beurteilen kann) ist das in irgendeiner Form ein Problem.

    LG
    gerchla

    Guten Morgen Nick,

    Zitat

    Ich denke Ihr versteht was ich damit sagen möchte, und kennt die symptome...

    Klar kennen wir diese Symptome. Es geht auch noch viel schlimmer, wie Du ja aus Deinem Umfeld weißt. Nach unten ist die Skala offen. Alles was Du so schilderst kenne ich aus eigener Erfahrung. In unterschiedlicher Ausprägung in den unterschiedlichen Phasen meines Alkoholikerdaseins.

    Anfangs noch das Denken an Alkohol aber durchaus noch widerstehen können. Dann wurde der Widerstand zunehmend zum Kampf. Dann kamen Strategien nicht mehr widerstehen zu müssen und dafür heimlich zu trinken. Depots anlegen, an den verrücktesten Stellen. Ich hatte z. B. das Reserverat meines Autos entfernt und in der dafür vorgesehenen Kuhle immer reichlich Alkohol gebunkert, für den Notfall.... Irgendwann kam dann morgendliches Trinken dazu und ja, dann mussten ja auch die ganzen Flaschen entsorgt werden. Und als passionierter Heimlichtrinker musste ich die auch heimlich entsorgen. Wenn Du jeden Früh 10 bis 12 Flaschen Bier entsorgen musst und teilweise gar nicht mehr weißt wo du die alle versteckt hast, ganz schön stressig. Ich war kurz davor auf härtere Sachen umzusteigen (Wein hatte ich bereits in mein Trinkmuster integriert), weil ich da dann weniger Flaschen gebraucht hätte. Aber davor bin ich dann ausgestiegen - Die mit Abstand beste und wichtigste Entscheidung meines Lebens!

    Vor dieser Entscheidung stehtst Du jetzt auch. Du reflektierst Dich sehr gut, finde ich. Du beschreibst Dein Verhalten und es ist für mich das Verhalten eines Alkoholikers - ohne Hintertürchen, das es ja vielleicht "nur" Missbrauch sein könnte. Aber ich denke, dass Du das für Dich ganz genau so einschätzt. Denn das was Du jetzt vor hast, und ich hoffe und wünsche Dir, dass Du das durchziehst, sind genau die richtigen Maßnahmen. Ganz wichtig ist dabei, dass Du selbst erkennst und auch akzeptierst, dass Du Suchtkrank bist.

    Du hast ja auch vom Rauchen gesprochen und dass du weißt wie sich Sucht anfühlt. Ja, Rauchen ist auch eine Sucht. Nur mit dem kleinen Unterschied das sich dabei die Psyche nicht so nachhaltig verändert wie beim Trinken. Wenn Du körperlich entzogen hast, dann wird es darauf ankommen, dass Du psychisch stabil wirst und lernst mit Deinem Leben klar zu kommen ohne dass Du die "Hilfe" des Alkohols dazu brauchst. Das ist die Herausforderung. Denn leider ist es nicht so, dass die Welt plötzlich rosarot und wunderbar wird, nur weil Du jetzt trocken bist! Dessen musst Du Dir bewusst sein und Du musst lernen, schwierige Situationen ohne Alkohol zu meistern. Dass das funktioniert siehst Du an uns!

    Und aus eigener Erfahrung möchte ich sagen: Das Leben ohne Alkohol ist einfach der Hammer! Auch wenn die ganz normalen Probleme natürlich trotzdem vorhanden sind. Diese kannst Du aber ganz anders angehen und Du gewinnst Dein eigenes Leben zurück. Gesteuert von Dir, nicht von der Sucht! Das ist dann eben doch wunderbar!

    Ich wünsche Dir, dass Du Deinen Plan jetzt so durchziehst. Ich freue mich, wenn Du uns hier teilhaben lässt. Bis bald und

    LG
    gerchla

    Zitat

    Ich denke ich werde dann Nächste Woche einen Artzttermin machen.

    Gute Entscheidung, finde ich. Was Du so schreibst deutet doch sehr stark darauf hin, dass Du mehr als nur "gerade mal ein bischen zu viel" trinkst. Du schilderst die Symptome einer Alkoholsucht. Und ich finde es wirklich sehr gut, dass Du das für Dich so klar reflektierst. Je früher Du aus der Suchtspirale aussteigst, desto besser! Das heißt jetzt nicht, dass Du dann irgendwann wieder gefahrlos trinken kannst, es heißt aber, dass es Dir leichter fällt auf Dauer damit aufzuhören.

    Also bleib dran und wenn wir Dir helfen können, Du etwas wissen willst, dann melde Dich.

    LG
    gerchla

    Hallo lime juice,

    ich lese Deine Zeilen so, dass Du, nachdem Du Deine Vorräte, die Du nicht einfach wegschütten wolltest (warum eigentlich nicht?) leergetrunken hattest, aufgehört hast mit dem Trinken und jetzt darauf wartest, dass sich "positives" einstellt. Aber irgendwie kannst Du da jetzt nicht wirklich was positives finden, oder? Körperlich bescheiden, wie Du schreibst und auch so grübelst Du darüber nach, dass Du ja gar keinen richtigen Tiefpunkt hattest, den man laut AA aber ja braucht. Du grübelst über die AA, die Dir zu religiös sind (ich war dort auch und hab von Religion nix gemerkt, kann aber natürlich von Gruppe zu Grupper unterschiedlich sein) und irgendwie machst Du auf mich den Eindruck, dass Dir das alles nicht so richtig gefällt und Dir irgendwie der Sinn dieser ganzen Geschichte nicht so richtig klar ist. Täusche ich mich da oder liege ich richtig?

    Und jetzt kommt auch noch Karneval oder Fasnacht und das ohne Alkohol zu feiern zu MÜSSEN (wie Du so schön schreibst) ist ja schon mal eine Höchststrafe. Also so lese ich Deinen Text.


    Ich möchte Dir dazu eine Frage stellen:

    Warum willst Du mit dem Trinken aufhören? Woher nimmst Du Deine Motivation oder besser Deine Überzeugung nicht mehr trinken zu wollen?

    Diese Frage für sich selbst zu beantworten ist ein Schlüssel zur Trockenheit.

    Alles Gute weiterhin und

    LG
    gerchla

    Hallo Nick,

    erst mal Herzlich Willkommen hier bei uns im Forum.

    Kurz zu mir: männlich, Mitte 40, Alkoholiker und ein paar Jahre trocken.

    Nun zu Dir: Ich finde es gut, dass Du Dich hier angemeldet hast und Deine Sorgen bezüglich Deines Alkoholkonsums mit uns teilst. Du wirst feststellen, wenn Du Dich hier ein wenig einliest, dass wir hier in der Regel immer unsere eigenen Erfahrungen teilen und versuchen die Dinge aus unserer eigenen Sicht zu schildern. Du findest hier Alkoholiker und auch Angehörige die alle das gleiche Problem haben, nämlich den Alkohol und die Sucht. Aber jeder von uns hat eine andere Geschichte, ist anders in die Sucht geschlittert und auch anders wieder heraus gekommen. Ein Patentrezept gibt es nicht auch wenn es manchmal den Anschein hat, dass die Alkoholsucht doch bei allen immer gleich verläuft.... Das tut sie nur auf den ersten Blick, denn eigentlich ist jedes Alkoholiker-Leben höchst individuell. Und was dem einen geholfen hat muss bei anderen noch lange nicht funktionieren. Natürlich gibt es viele Grundregeln, die den meisten von uns Helfen, sofern man sie einhält. Aber eben auch immer wieder ganz individuelle Ansätze...

    Warum schreibe ich das?

    Zitat

    Also nochmal die fragen, ist es möglich innerhalb von 3 monaten alkoholabhängig zu werden?
    und
    Ist es möglich dass die ICD Kreterien zutreffen aber keine alkoholsucht vorliegt?

    Nun, darauf kann ich aus meiner Erfahrung sagen: Ja, ich denke man kann nach 3 Monaten alkoholabhängig werden zumal es bei Dir ja auch eine alkoholische Vorgeschichte gibt und Du ja immer schon ein Problem damit hattest rechtzeitig aufhören zu können. Bzw. Du schreibst ja, dass Du nie aufhören konntest bevor Du Dich nicht komplett abgeschossen hattest. Auch wenn dazwischen lange Pause lagen, das ist kein normales Trinkverhalten... Ich kenne aber auch Leute, die seit vielen Jahren mehr oder weniger moderat trinken und wo ich mir ziemlich sicher bin, dass sie keine Alkoholiker sind. Während ich selbst bereits bei einem Level von 1 - 2 Bier mehrmals die Woche abhängig war. Ich weiß das ich abhängig war, weil ich mich immer dann, wenn ich diese 1 - 2 Bier nicht trank, mich danach gesehnt habe und sich meine Gedanken um Alkohol drehten. Ich denke das ist der springende Punkt: wenn man beginnt darüber nachzudenken, dass man jetzt ja was trinken könnte aber dann verzichtet, obwohl man doch gerne trinken würde, dann wird's schon kritisch.... Meine Meinung.

    Und auf die zweite Frage: Ich kenne niemanden, der die Kriterien erfüllt und kein Problem mit Alkohol hat.... Vielleicht gibt es das, aber es ist wohl recht unwahrscheinlich aus meiner Sicht.

    Ich möchte auch noch was zu folgemden Thema sagen:

    Zitat

    klar fühle ich mich unwohl, habe auch kopfschmerzen und innere unruhe, aber ist das nicht villeicht auch nur psychisch?

    Mir scheint Du hast große Angst davor körperlich abhängig zu sein uns wärst erleichtert, wenn Du "nur" psychisch abhängig wärst. Ich glaube da machst Du einen Denkfehler! Das eigentliche große Problem bei der Alkoholsucht ist meiner Meinung nach eben genau diese psychische Abhängigkeit die in der Regel auch immer vor der körperlichen besteht. Denn es ist doch so: Die körperliche Abhängigkeit, sofern vorhanden, die hast Du nach ein paar Tagen oder Wochen (idealerweise mit Hilfe eines klinischen Entzugs) überwunden. Der Körper ist entgiftet und kann sich erholen und wenn Du Dir noch kein Organ krank gesoffen hast, dann ist nach ein paar Wochen oder Monaten körperlich alles wieder bestens.

    Bei der Psyche sieht das aber ganz anders aus! Sie ist nämlich dafür verantwortlich, dass Du erst mal überhaupt mit dem Trinken angefangen hast. Denn offenbar brauchtest Du den Alkohol um irgendetwas zu verarbeiten /zu verdrägen, um klar zu kommen, um zu vergessen, um locker zu werden um um um, wofür auch immer. Ein psychisch gesunder Mensch braucht dazu keinen Alkohol.

    Die psychische Abhängigkeit ist dafür verantwortlich, wenn Du körperlich entgiftet bist und alles wieder passt, dass Du rückfällig wirst. Es ist die Psyche, die Dir dann einflüstert "na, eins könntest Du schon trinken" oder "jetzt hast Du so lange nicht mehr getrunken, jetzt weißt Du doch, dass Du keine Problem hast" oder "ist eh alles fürn A...., jetzt kannst Dir auch gleich die Kante geben" usw. usf.

    Das kommt alles von der Psyche. Deshalb ist es auch so, dass daran am meisten gearbeitet werden muss, wenn man ernsthaft vor hat ein trockenes Leben zu führen. Und deshalb wird man bei einer Therapie auch von Psychologen betreut und nicht von Pysiologen.

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    Ich habe schon überlegt einfach zu einem arzt zu gehen, frage mich aber was er da machen könnte...

    Genau das kann ich Dir raten. Geh zum Arzt Deines Vertrauens und sprich mit ihm oder ihr über Dein Problem. Er kann mit Dir weitere Schritte besprechen, er kann Dich auch beim körperlichen Entzug begleiten und dadurch die Gefahr von Delir und co minimieren. Sofern Du schon körperlich Abhängig sein solltest kann ein kalter Entzug lebensgefährlich werden, aber das weißt Du ja bereits aus Deinem Umfeld, wie Du selbst schreibst.
    Vielleicht möchtest Du auch eine Suchtberatung aufsuchen, die können Dir auch sehr gut helfen. Oder auch einfach mal eine SHG besuchen und dort das Gespräch suchen. Es gibt viele Möglichkeiten und ich denke man muss selbst heraus finden, was für einen das beste ist. Das kann man nur, wenn man offen alles ausprobiert. Ich habe das damals gemacht und dann nach und nach gemerkt, was ich auf Dauer weiter machen möchte und was mir hilft und was nicht.

    Das solls von mir erst mal sein, zum Anfang. Ich wünsche Dir auf jeden Fall alles Gute und einen guten Austausch hier im Forum!

    LG
    gerchla

    Hallo Wolfgang,

    ich kann nur sagen: Super, was Du erreicht hast! 44.

    Du hast jetzt die allerbesten Chancen auf Dauer trocken zu bleiben. Die Erfahrungen, die Du gemacht hast und hier mit uns geteilt hast zeigen, wie sehr Du Dich mit Deiner Krankheit auseinander gesetzt hast und immer noch auseinander setzt. Ich glaube, dass das mit das wichtigste ist um diese Sucht in den Griff bekommen zu können.

    Zitat

    ich habe erleben dürfen mit wie wenig diese Menschen zufrieden und glücklich sind

    Das es nicht viel braucht um zufrieden und glücklich zu sein, das habe ich auch erleben dürfen. Als ich aufhörte empfand ich jeden Tag wie ein Geschenk, zu spüren, wie es mir erst körperlich, später auch seelisch immer besser ging, empfand ich als Glück pur. Es machte mir nichts aus "nur" von einem Tag auf den nächsten zu leben und zu denken.... Hauptsache nichts mehr trinken müssen.... Es machte mir auch nichts aus, dass ich plötzlich mitten in der Stadt wohnte, nahe an Hauptstraßen, wo ich doch eigentlich mein Leben lang auf dem Lande lebte und nur in die Stadt pendelte. Es machte mir nichts aus, dass ich meinen geliebten Wald nicht vor der Haustüre hatte - gab es doch einen Fluss der durch die Stadt verlief und zu dem ich nicht weit zu Fuß hatte. Dort spazieren zu gehen reichte mir aus, auch wenn dort hunderte anderer Leute auch unterwegs waren. Früher hätte ich darüber abschätzig geäußert, mir gedacht: "Gott wie grauenvoll hier". Nein, es war ok so und ich war einfach nur dankbar und zufrieden nicht mehr trinken zu müssen... Ich bin bescheiden geworden, demütig....

    Heute lebe ich wieder auf dem Lande und pendle in die Stadt. Ich wohne wunderschön und ich bin immernoch sehr zufrieden und glücklich. Und ich denke oft zurück an mein Leben in der Stadt, die Zeit kurz nach dem ich aufgehört habe mit dem Trinken. Dankbar bin ich, dass ich das erleben durfte denn es hat mir gezeigt, dass es nicht viel braucht um zufrieden und glücklich zu sein.

    Ich wünsche Dir alles alles Gute. Bleib auf Deinem Weg und achte auf Dich!

    LG
    gerchla

    Hallo Heidi,

    herzlich Willkommen im Forum auch von mir.

    Ich bin Mitte 40 und Alkoholiker, ein paar Jahre trocken.

    Deine 6 Jahre habe ich noch nicht erreicht - eine großartige Leistung von Dir. Es zeigt mir aber auch, wie gefährlich unsere Krankheit ist und dass sie auch nach so vielen Jahren unvermittelt plötzlich wieder zuschlagen kann.

    Aber hey, lass jetzt bloß nicht den Köpf hängen und höre auf Dich zu schämen. Jetzt geht es doch darum, dass Du möglichst schnell wieder die Kurve bekommst. Und Du hast es schon einmal geschafft, jetzt kannst Du es wieder schaffen. Und dann noch stärker in Deine neue Trockenheit gehen, denn jetzt bist Du um diese eine Erfahrung reicher und kannst reflektieren, wie es dazu kommen konnte und warum Du keinen anderen (aus)Weg gewählt hast. Ich glaube es ist ganz wichtig, dass Du Dich in Ruhe hinterfragst wieso dieses für Dich sicher schlimme Ereignis dann genau wieder zum Alkohol geführt hat. Und wie Du das für die Zukunft vermeinden kannst.

    Ich wünsche Dir einen guten Austausch hier bei uns und alles Gute für Deine hoffentlich bald trockene Zukunft!

    LG
    gerchla