Hallo Nick,
erst mal Herzlich Willkommen hier bei uns im Forum.
Kurz zu mir: männlich, Mitte 40, Alkoholiker und ein paar Jahre trocken.
Nun zu Dir: Ich finde es gut, dass Du Dich hier angemeldet hast und Deine Sorgen bezüglich Deines Alkoholkonsums mit uns teilst. Du wirst feststellen, wenn Du Dich hier ein wenig einliest, dass wir hier in der Regel immer unsere eigenen Erfahrungen teilen und versuchen die Dinge aus unserer eigenen Sicht zu schildern. Du findest hier Alkoholiker und auch Angehörige die alle das gleiche Problem haben, nämlich den Alkohol und die Sucht. Aber jeder von uns hat eine andere Geschichte, ist anders in die Sucht geschlittert und auch anders wieder heraus gekommen. Ein Patentrezept gibt es nicht auch wenn es manchmal den Anschein hat, dass die Alkoholsucht doch bei allen immer gleich verläuft.... Das tut sie nur auf den ersten Blick, denn eigentlich ist jedes Alkoholiker-Leben höchst individuell. Und was dem einen geholfen hat muss bei anderen noch lange nicht funktionieren. Natürlich gibt es viele Grundregeln, die den meisten von uns Helfen, sofern man sie einhält. Aber eben auch immer wieder ganz individuelle Ansätze...
Warum schreibe ich das?
Zitat
Also nochmal die fragen, ist es möglich innerhalb von 3 monaten alkoholabhängig zu werden?
und
Ist es möglich dass die ICD Kreterien zutreffen aber keine alkoholsucht vorliegt?
Nun, darauf kann ich aus meiner Erfahrung sagen: Ja, ich denke man kann nach 3 Monaten alkoholabhängig werden zumal es bei Dir ja auch eine alkoholische Vorgeschichte gibt und Du ja immer schon ein Problem damit hattest rechtzeitig aufhören zu können. Bzw. Du schreibst ja, dass Du nie aufhören konntest bevor Du Dich nicht komplett abgeschossen hattest. Auch wenn dazwischen lange Pause lagen, das ist kein normales Trinkverhalten... Ich kenne aber auch Leute, die seit vielen Jahren mehr oder weniger moderat trinken und wo ich mir ziemlich sicher bin, dass sie keine Alkoholiker sind. Während ich selbst bereits bei einem Level von 1 - 2 Bier mehrmals die Woche abhängig war. Ich weiß das ich abhängig war, weil ich mich immer dann, wenn ich diese 1 - 2 Bier nicht trank, mich danach gesehnt habe und sich meine Gedanken um Alkohol drehten. Ich denke das ist der springende Punkt: wenn man beginnt darüber nachzudenken, dass man jetzt ja was trinken könnte aber dann verzichtet, obwohl man doch gerne trinken würde, dann wird's schon kritisch.... Meine Meinung.
Und auf die zweite Frage: Ich kenne niemanden, der die Kriterien erfüllt und kein Problem mit Alkohol hat.... Vielleicht gibt es das, aber es ist wohl recht unwahrscheinlich aus meiner Sicht.
Ich möchte auch noch was zu folgemden Thema sagen:
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klar fühle ich mich unwohl, habe auch kopfschmerzen und innere unruhe, aber ist das nicht villeicht auch nur psychisch?
Mir scheint Du hast große Angst davor körperlich abhängig zu sein uns wärst erleichtert, wenn Du "nur" psychisch abhängig wärst. Ich glaube da machst Du einen Denkfehler! Das eigentliche große Problem bei der Alkoholsucht ist meiner Meinung nach eben genau diese psychische Abhängigkeit die in der Regel auch immer vor der körperlichen besteht. Denn es ist doch so: Die körperliche Abhängigkeit, sofern vorhanden, die hast Du nach ein paar Tagen oder Wochen (idealerweise mit Hilfe eines klinischen Entzugs) überwunden. Der Körper ist entgiftet und kann sich erholen und wenn Du Dir noch kein Organ krank gesoffen hast, dann ist nach ein paar Wochen oder Monaten körperlich alles wieder bestens.
Bei der Psyche sieht das aber ganz anders aus! Sie ist nämlich dafür verantwortlich, dass Du erst mal überhaupt mit dem Trinken angefangen hast. Denn offenbar brauchtest Du den Alkohol um irgendetwas zu verarbeiten /zu verdrägen, um klar zu kommen, um zu vergessen, um locker zu werden um um um, wofür auch immer. Ein psychisch gesunder Mensch braucht dazu keinen Alkohol.
Die psychische Abhängigkeit ist dafür verantwortlich, wenn Du körperlich entgiftet bist und alles wieder passt, dass Du rückfällig wirst. Es ist die Psyche, die Dir dann einflüstert "na, eins könntest Du schon trinken" oder "jetzt hast Du so lange nicht mehr getrunken, jetzt weißt Du doch, dass Du keine Problem hast" oder "ist eh alles fürn A...., jetzt kannst Dir auch gleich die Kante geben" usw. usf.
Das kommt alles von der Psyche. Deshalb ist es auch so, dass daran am meisten gearbeitet werden muss, wenn man ernsthaft vor hat ein trockenes Leben zu führen. Und deshalb wird man bei einer Therapie auch von Psychologen betreut und nicht von Pysiologen.
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Ich habe schon überlegt einfach zu einem arzt zu gehen, frage mich aber was er da machen könnte...
Genau das kann ich Dir raten. Geh zum Arzt Deines Vertrauens und sprich mit ihm oder ihr über Dein Problem. Er kann mit Dir weitere Schritte besprechen, er kann Dich auch beim körperlichen Entzug begleiten und dadurch die Gefahr von Delir und co minimieren. Sofern Du schon körperlich Abhängig sein solltest kann ein kalter Entzug lebensgefährlich werden, aber das weißt Du ja bereits aus Deinem Umfeld, wie Du selbst schreibst.
Vielleicht möchtest Du auch eine Suchtberatung aufsuchen, die können Dir auch sehr gut helfen. Oder auch einfach mal eine SHG besuchen und dort das Gespräch suchen. Es gibt viele Möglichkeiten und ich denke man muss selbst heraus finden, was für einen das beste ist. Das kann man nur, wenn man offen alles ausprobiert. Ich habe das damals gemacht und dann nach und nach gemerkt, was ich auf Dauer weiter machen möchte und was mir hilft und was nicht.
Das solls von mir erst mal sein, zum Anfang. Ich wünsche Dir auf jeden Fall alles Gute und einen guten Austausch hier im Forum!
LG
gerchla