Beiträge von Gerchla

    Guten Morgen Linda,

    ich kann Deine Gedanken schon nachvollziehen. Gleichzeitig glaube ich aber nicht, dass Dich Menschen hier nicht ernst nehmen. Ich glaube auch nicht, dass sie Dich verletzen wollen. Ich glaube viel mehr, dass sie, genau wie Du, eine feste Meinung haben, die sie genau wie Du, aus eigenen Erfahrungen heraus gebildet haben.

    Bei der immer wieder aufkommenden Frage, ob Du hier richtig bist bzw. ob das das richtige Forum für Dich frage ich mich immer wieder warum Du überhaupt in einem Selbsthilfe-Forum aktiv bist. Egal ob jetzt hier in einem Forum für Alkoholiker oder auch in einem Forum für Kontrolliertes Trinken. Du vermittelst nicht den Eindruck als ob Du Hilfe benötigen würdest. Im Gegenteil, Du vermittelst mir das Gefühl, dass Du alles im Griff hast, genau weißt was Du tust und was Du willst. Du willst und wirst wahrscheinlich weiterhin kontrolliert Alkohol trinken - in Mengen die Du als nicht schädlich erachtest - also wo ist jetzt das Problem? Alles prima würde ich mal sagen.

    Und denjenigen, die versucht haben Dich dazu zu animieren über eine andere Vorgehenweise nachzudenken, hast Du deutlich gemacht, dass sie komplett falsch liegen und Du selbst am besten weißt wie Dein Weg auszusehen hat. Denjenigen, die größtenteils Deiner Meinung waren hast Du bestätigt, dass es die richtige Meinung ist. Also warum bist Du hier wenn Du doch bereits genau weißt was richtig ist und wie Dein Weg aussieht? Diese Frage stelle ich mir bei Dir häufiger weil ich es nicht verstehe.

    Selbst auf die Anregung, dass Dein Saufdruck während Deiner längeren Trinkpause davon hätte kommen können, dass Du eben nur eine Pause gemacht hast und nicht den entgültigen Entschluss zu einen abstinenten Leben gefasst hattest, bist Du weiter nicht eingegangen - fühltest Dich angegriffen, nicht verstanden und warst der Meinung, dass andere das gar nicht einschätzen könnten. Dabei wollte man Dir nur einen Denkanstoss geben, Dir aus eigenen Erfahrungen berichten, dass es so etwas gibt und dass man, hat man mal den Entschluss gefasst dauerhaft abstinent leben zu wollen, durchaus auch komplett ohne Saufdruck leben kann.
    Aber Du weißt es besser, Du weißt, dass das bei Dir so nicht sein kann. Warum bist Du dann hier? Was sollen die Menschen Dir hier sagen das Dir etwas bringen könnte?

    Zitat

    Nur hör bitte auf, mir einen Stempel auf die Stirn drücken zu wollen!

    Und abschließend nun auch dazu noch meine Meinung: Ich kenne Dich nicht - warum sollte ich Dir einen Stempel auf die Stirn drücken wollen? Ich habe emotional zu Dir absolut überhaupt keine Bindung, wieso sollte ich Dir irgendwas aufdrücken wollen? Was hätte ich davon? Ich bin hier im Forum eigentlich immer sehr diplomatisch unterwegs, vielleicht sogar manchmal zu diplomatisch - aber ich will das beibehalten. Andere sind deutlicher und direkter, und ich schätze und respektiere sie ALLE, auch wenn ich manchmal eine komplett andere Meinung habe. Sie alle wollen nur helfen. Wir machen das in unserer Freizeit. Wir versuchen Menschen an unseren Erfahrungen teilhaben zu lassen obwohl wir keinerlei Verbindung zu diesen Menschen haben. Es sind einfach Menschen die sich hier anmelden, sich einen Avatar suchen, und Hilfe möchten. Wir wissen eigentlich nichts von diesen Menschen, haben keine persönliche Bindung zu ihnen, trotzdem angagieren wir uns hier für diese Menschen, weil wir selbst wissen, wie schwer es ist diese (unsere) Krankheit zu besiegen.

    Ob Du Hilfe suchst hat sich mir nie wirklich erschlossen. Denn eigentlich wusstest Du immer was für Dich richtig ist, zumindest hast mir diesen Eindruck immer dann vermittelt, wenn Dir jemand etwas geschrieben hat was Dir nicht gefallen hat.

    Ich möchte das jetzt für mich abschließen. Ich kann Dir nicht weiter helfen - meine Erfahrungen und meine Meinung kennst Du. Mehr habe ich nicht zu sagen.

    Ich wünsche Dir alles Gute und das Dein Weg genau so funktioniert wie Du es Dir wünscht. Und das meine ich ernst und komplett ohne Ironie!

    LG
    gerchla

    Zitat

    Wahrscheinlich würde ich jemandem abraten, wenn ich erkenne, dass er sich gesundheitlich in Gefahr bringt, z.B. mit einer Nulldiät, aber mehr auch nicht.

    Linda, was würdest Du tun, wenn derjenige Dir dann sagen würde, dass er einen Weg gehen muss der zu ihm passt und dass er sein Problem klar und deutlich sieht und es eben unterschiedliche Wege gibt?

    LG
    gerchla

    Hallo Franstef,

    wenn Du losheulen muss, dann heule los. Lass' es raus, trags nicht mit Dir rum. Ich weiß wovon ich spreche - ich hab' auch oft geheult wie ein Schlosshund. Es ist gut wenn man das kann!

    Die Zeit wird Dir hier helfen. Natürlich immer vorausgesetzt, dass Du trocken bleibst wovon ich fest ausgehe. So blöd der Spruch mit der Zeit auch ist aber ich habe die Erfahrung gemacht, dass er stimmt. Es braucht Zeit und es wird besser werden. Es wird anders werden aber deshalb nicht schlechter! Du wirst ein guter Papa sein - im Rahmen Deiner Möglichkeiten und der Möglichkeiten die Dir Deine Ex-Frau lässt. Vielleicht am Anfang nur der Dir gesetzlich zustehende Umgang - vielleicht später aber auch häufiger. Wenn das Vertrauen wieder da ist, wenn sie merkt das Du ein anderer bist. Vielleicht auch nur deshalb, weil sie merkt wie anstrengend es ist ein Kind alleine groß zu ziehen und froh darüber ist, wenn der Kleine mal bei seinem Papa ist und sie Luft hat was anderes zu machen.

    Lass es auf Dich zu kommen und kümmere Dich zwischenzeitlich um Dich, Dein Leben und Deine Trockenheit. Dann wird's!, bestimmt!

    LG
    gerchla

    Hallo Linda,

    ich glaube die Frage, die Du Dir stellen musst ist, ob Du Dein Leben damit verbringen willst Dich ständig mit dem Thema Alkohol außeinander zu setzen. Und mit außeiandersetzen meine ich hier jetzt nicht Aufarbeiten. Ich meine damit die ständige Präsenz dieses Themas in Kombination mit Angst, Kontrolle, Überwachung und einem latent schlechten Gefühl das es ja doch schief gehen könnte.

    Die Frage ist doch für Dich eigentlich: Was kann ich tun, dass ich diese Gedanken eben nicht haben muss - dass Du ein freies, normales Leben mit allen Höhen und Tiefen führen kannst. Dass der Alkohol bei Dir eben keine oder eine ganz "normale" Rolle spielt. Ob letzteres bei Dir (noch) möglich ist kann und will ich überhaupt nicht bewerten. Du selbst kannst Dir diese Frage beantworten.

    Ich habe diese Frage für mich geklärt, wenn auch anfangs sicher nicht bewusst. Heute ist mir aber klar, wie mein Leben sein muss, dass ich frei und glücklich leben kann. Und genau so lebe ich jetzt auch. Das ist doch sicher auch Dein Ziel.

    LG
    gerchla

    Guten Morgen Chloé,

    also zur Vegetarier-Diskussion kann ich nichts weiter beitragen - ich bin kein Vegetarier, gehöre aber keinesfalls zu der Fraktion, die sich darüber lustig macht. Ehrlich gesagt finde ich es ziemlich niveaulos, wie sich teilweise über Vegetarier lustig gemacht wird. Ein paar der "tollen" Sprüche habt Ihr ja schon genannt.... Auch hier geht es meiner Meinung nach mal wieder darum, den anderen zu respektieren. Respekt und Achtung anderen Gegenüber ist leider mittlerweile vielen etwas abhanden gekommen.

    Aber zurück zum Alkohol:

    Zitat

    Am Freitag gehe ich mit meiner besten Freundin essen. Ihr werde ich es erzählen. Wir kennen uns seit 30 Jahren und ich bin gespannt was sie dazu meint.

    Das könnte eine sehr gute Idee sein! Mein bester Freund, mit dem ich aufgewachsen bin und die komplette Schulzeit usw. verbracht habe, hat mir sehr geholfen. Auch er hat meine Sucht nicht mitbekommen - er fiel aus allen Wolken als ich mich geoutet habe. Und hat mich fortan unterstützend begleitet. Ich möchte sagen bis heute. Natürlich ist das Thema Alkohol jetzt nicht mehr so präsent wie am Anfang, wo ich eigentlich fast immer mit ihm darüber gesprochen habe und er mir seine Sicht auf die Dinge geschildert hat. Aber ab und an sprechen wir dann doch noch mal drüber - manchmal auch mit viel Humor, manchmal auch, weil er jemanden kennt der vielleicht ein Problem hat und meine Einschätzung haben will. Neben der professionellen Hilfe kann ein guter Freund oder natürlich auch eine gute Freundin wirklich eine wichtige Säule auf dem Weg in die Trockenheit werden. Bei mir war das so.

    Zitat

    Bin mir echt nicht sicher ob ich es meinen Eltern erzähle, obwohl wir ein sehr enges und gutes Verhältnis haben. Dazu muss ich noch sagen, ich finde den Alkoholkonsum von meinem Vater ebenfalls sehr bedenklich, besonders seit er pensioniert ist.

    Auch da kann ich mal wieder mitreden. Mein Vater hat definitiv auch ein Alkoholproblem, eigentlich schon immer. Nicht ganz schlimm aber definitiv zu viel. Mir war das egal - ich wollte und musste mich outen. Alleine schon deshalb, weil es bei Besuchen bei meinen Eltern immer Alkohol gab und ich immer mitgetrunken habe. Darüber hinaus ist mein Vater ein begnadeter Koch und kocht bei Familientreffen immer groß auf. Und da ist dann kaum eine Soße ohne Alkohol... Da ich bewusst niemals Alkohol zu mir nehme, fallen für mich natürlich Soßen oder auch Kuchen, Torten etc. die mit Alkohol "verfeinert" wurden flach. Übrigens auch Medikamente, Mundwasser ect. Da meine Eltern von meiner Krankheit wissen, muss ich hier jetzt nicht irgendwie rumeiern, warum ich dieses oder jenes nicht esse. Falls Du jetzt denkst, mein Vater würde dann mir zu liebe seine leckeren Soßen ohne Alkohol zubereiten hast Du weit gefehlt. Er macht das trotzdem, ich bekomme dann halt eine Tütensoße. Meine Eltern, speziell mein Vater, hat sich mein Outing zwar angehört, er kann damit aber nicht umgehen. Er ingorniert das Thema so gut er nur kann. Er nimmt keinerlei "Rücksicht" auf mich und meine Krankheit - trinkt ungehemt seine Biere oder Weine und schwadroniert darüber, wie gut ihm das gerade schmeckt, manchmal denke ich er macht das in meiner Gegenwart sogar absichtlich.

    Damit musste ich lernen umzugehen. Anfangs war ich getroffen, fühlte Unverständnis - dachte, dass ich meinen Sohn nach so einem Outing sicherlich anders gegenüber treten würde. Aber mit der Zeit (und andaurnder Trockenheit meinerseits) bin ich zur Erkenntnis gekommen, dass er machen kann was er will. Er ist mein Vater und ich nehme ihn so wie er ist. Er ist kein böser Mensch, er kann einfach nicht anders. Und ich kann da mittlerweile echt komplett darüber stehen - denn ich sehe was ich erreicht habe für mich und für meine Familie durch meine Abstinenz. Und ich sehe wie gut es mir geht. Und ich sehe auch, wie schlecht es ihm eigentlich geht... Eigentlich müsste er auch etwas machen gegen sein Trinkverhalten. Aber ich weiß, dass ich ihn nicht dazu bringen kann und ehrlich gesagt auch nicht bringen will. Denn das würde zum Zerwürfniss führen. Sein Leben - Seine Entscheidungen. Wenn es mal zuviel ist bei ihm mit der Trinkerei, dann fahre ich einfach wieder...

    Kleiner Exkurs, aber ich denke gerade das Verhältnis von alkoholkranken Kindern zu den Eltern, noch dazu wenn ein oder beide Elternteile auch ein Problem haben, ist meist nicht so einfach. Bei meiner Mutter habe ich manchmal das Gefühl sie glaubt etwas falsch gemacht zu haben und ich wäre deshalb zum Alkoholiker geworden. Aussprechen tut sie das nicht aber in manchen Situationen ist es schon mal so rausgekommen. Leider gehört auch sie zu denjenigen, die darüber lieber schweigen als zu reden. Vielleicht war das sogar das Grundsatzproblem meiner Kindheit und Jugend, das nie über Probleme gesprochen wurde sondern sie immer wegignoriert wurden.... Später habe ich sie dann auch wegignoriert und, da sie mich aber doch belastet haben, zusätzlich noch weggesoffen.

    Alles Gute weiterhin!

    LG
    gerchla

    Hallo Linda,

    ich habe das bei Rekonvaleszent nicht so empfunden, dass er Dich angegriffen hat. Ich bin mir sicher, dass er das auch nicht wollte und es ihm fern liegt. Es ist halt immer wieder dieses Thema kontrolliertes Trinken, das einfach zu kontroversen Diskussionen führt. Da die Beführworter, dort die Gegner (meist Menschen, die es erfolglos probiert haben) und es gibt dann halt auch keinen Mittelweg. Ich sage mal: Ein bisschen kontrolliert Trinken gibt es halt nicht.

    Grundsätzlich ist es auch so, dass auch Beführworter des KT bereits trockenen Alkoholikern abraten es zu versuchen. Wer bereits trocken ist, sollte auch trocken bleiben, denn das ist immer der Königsweg. KT richtet sich, so jedenfall meine Meinung, an jene, die noch trinken und sich eben nicht vorstellen können, komplett abstinent zu leben. Bevor die also einfach weitersaufen, völlig unkontrolliert, können die es ja mal lieber mit KT versuchen. Weniger trinken ist immer besser. Bleibt halt immer die Frage, ob das auf Dauer funktioniert und ob es nicht doch besser ist gleich ganz aufzuhören, als Monate oder Jahre damit zu "verschwenden" kontrolliert zu trinken. Aber wie gesagt, meiner Meinung nach richtet sich KT nicht an bereits trockene Alkoholiker sondern eben an jene, die noch trinken und nicht komplett abstinent leben wollen/können - also so wie Du. Und da hat Rekonvaleszent schon recht: für bereits trockene Alkoholiker oder welche die kurz trocken sind kann KT sehr gefährlich sein und einen Rückfall erzeugen. Und die Diskussion darüber kann den individuellen Suchtteufel bei noch nicht gefestigten, erst kurz trockenen Alkoholikern natürlich mächtig Auftrieb geben. Mich z. B. lässt es komplett kalt.

    Was meine Formulierung "schmunzeln" betrifft, so wollte ich damit keines Falls lustig machen über Dich. Ich musste schmunzeln, weil ich mich einfach an mich selbst erinnert fühlte. An mich selbst vor mehrern Jahren. Denn, ich schrieb es bereits, ich hab' ja Ähnliches versucht wie Du und teilweise auch ähnlich gedacht. Wenngleich Du viel länger kontrolliert trinkst als ich das jemals geschafft habe.

    LG
    gerchla

    Guten Morgen Linda,

    alles Gute wünsche ich Dir. Ich respektiere Deine Entscheidung, es ist ja Dein Leben und Du allein bist dafür verantwortlich. Und solltest Du irgendwann bemerken, dass es doch nicht funktioniert (ich wünsche Dir das natürlich nicht), dann hast Du ja schon einiges an Anregungen bekommen welchen Weg Du dann gehen könntest.

    Eines noch:

    Zitat

    Abstinenz ist nichts für mich. Ich möchte es definitiv nicht und es steht um mich ja auch nicht so, dass es dringend angezeigt wäre, etwas so drastisches zu unternehmen.

    Ich musste schmunzeln bei Deiner Formulierung "etwas so drastisches zu unternehmen". Hängst schon arg an Deinem Alkohol, wenn Du glaubst es wäre etwas drastisches nicht mehr zu trinken. Ich meine, man trinkt halt einfach keinen Alkohol mehr - das ist weder drastisch noch dramatisch. Ganz viele Menschen ohne Alkoholproblem trinken keinen Alkohol, als Kind hast Du viele Jahre ohne Alkohol gelebt und nix vermisst. Aber gut, ich denke Du hast da eine Angst die es eigentlich gar nicht bräuchte.

    Alles alles Gute auf Deinem weiteren Weg!

    LG
    gerchla

    Hallo Chloé,

    Zitat

    Mein Plan ist erstmal hier im Forum aktiv mit zu schreibe und ich habe mir vorgenommen in eine Suchtberatung zu gehen. Muss noch ein wenig Mut sammeln. Braucht schon Überwindung sich einem Fremden gegenüber zu stellen und das Problem zu schildern finde ich.

    Das finde ich erst mal einen sehr guten Plan. Damit willst Du jetzt etwas tun, was Du die vorher noch nie getan hast. Somit besteht zumindest die Chance, dass es dieses Mal anders ausgeht als die vielen letzten Male. Suchtberatung ist sehr gut, da kannst Du mit Menschen sprechen, die wirklich etwas von dieser Krankheit verstehen und die mit Dir zusammen einen möglichen Weg heraus erarbeiten. Eine reale SHG ist da auch nicht schlecht! Vielleicht wäre das auch noch eine Möglichkeit, eine weitere Möglichkeit für Dich. Selbstverständlich verstehe ich, wahrscheinlich alle hier, dass Du erst mal Bammel hast diesen Schritt zu gehen und mit einem fremden Menschen über Deine Krankheit zu sprechen. Ich glaube fast jeder von uns war mal an diesem Punkt, ich auch.

    Solange ich das abgelehnt habe, mir nicht habe helfen lassen weil ich mich eben nicht überwinden konnte oder weil ich dachte ich schaffe das schon selbst irgendwie, solange ging es bei mir schief. Also wahrscheinlich ähnlich wie bei Dir - unzählige Versuche heimlich mit dem Trinken aufzuhören, ohne das jemand etwas mitbekommt. Es ging IMMER schief.

    Lass Dir helfen, überwinde Dich - Du wirst sehen, es ist unheimlich befreiend. Und Du bist mit dieser Krankheit wahrlich nicht alleine. Schau uns hier an, blick Dich mal in Deinem Umfeld um, von der Dunkelziffer will ich gar nicht mal sprechen.

    Zitat

    Ich habe nun noch eine Frage an euch. Wie seit ihr mit dem Umfeld umgegangen? Was erzähle ich, warum ich nichts trinke.

    Das ist ein Klassiker. Auch wieder so ein Punkt vor dem wir fast alle standen. Ich habe ja schon geschrieben, dass ich viele Male versucht habe heimlich aufzuhören. Ich habe heimlich getrunken, also kann ich auch heimlich aufhören und keiner erfährt, dass ich ein Problem hatte - so dachte ich. Da hatte ich allerdings diese Krankheit komplett unterschätzt. Ich bin ja suchtkrank und die Alkoholsucht ist wie alle anderen Süchte auch einfach gnadenlos. Keine Chance da einfach so raus zu kommen.

    Deshalb habe ich auch hier meine Strategie geändert. Bei meinem letzten Austiegsversuch, der ja jetzt schon einige Jahre her ist und bisher erfolgreich war, wusste ich, dass ich mich outen muss. Ich habe deshalb unmittelbar nachdem ich aufgehört hatte mein näheres Umfeld informiert. Also meine Frau und Kinder, meine Eltern, meine Geschwister und auch meine engsten Freunde. Das war, wie Du Dir denken kannst, echt sehr schwer. Sich selbst eingestehen dass man Alkoholiker ist, ist ja schon mal nicht so einfach - es aber dann auch anderen gegenüber zu tun nochmal ne ganz andere Hausnummer. Ich kam mir ziemlich schäbig vor, wie ein ganz großer Verlierer. War ich doch vorher immer der tolle Papa, der erfolgreiche Sohn usw. usf. Und jetzt musste ich die Hosen runter lassen und zugeben, dass alles nur Fassade war und ich ein psychisch kranker Süchtiger bin..... hart, echt hart. Damit verbunden habe ich auch gleich alle meine Lügengebilde, die sich um Laufe meiner Saufkarriere so aufgebaut haben, gestanden. Da waren Lebensversicherungen, die es nicht mehr gab, weil ich heimlich aufgelöst (und die Kohle verprasst) hatte, da waren Sparkonten die nicht mehr gab und noch vieles mehr. Auch das kam gleich am Anfang auf den (jetzt dann reinen) Tisch.

    Es war wirklich eine schwere Zeit - denn ich musste reinen Tisch machen und gleichzeitig abstinent bleiben. Bei allem was ich zu hören bekam, berechtigterweise, bin ich im Nachhinein doch manchmal erstaunt wie leicht es mir letztlich eigentlich gefallen ist. Saufdruck hatte ich quasi fast nie, auch nicht in diesen ganz schweren Zeiten. Ich denke das lag daran, dass ich absolut unbedingt weg wollte von dem Zeug. Ich wollte es schaffen und ich wollte mein Leben zurück und das war für mich die Grundvoraussetzung, dass ich es dieses Mal schaffen konnte. Absolute Ehrlichkeit, keine Lügen mehr, nie mehr lügen. Unde es beinhaltete übrigens auch, dass ich dieses Mal sofort in eine SHG gegangen bin, dass ich zum Psychologen gegangen bin und dass ich noch weitere wichtige Dinge gemacht habe und mich anderen Menschen anvertraut habe.

    Ich habe meinem engeren Umfeld durch dieses Outing dann auch keine Geschichten mehr erzählen müssen. Von wegen, ich habe Magenprobleme und trinke deswegen nichts oder ich muss noch Auto fahren oder oder oder. Es war klar, ich bin Alkoholiker und will trocken werden. ABER: da gibt es ja noch das weitere Umfeld, z. B. die Arbeitswelt. Das war eine meiner ersten Fragen, die ich in der SHG gestellt habe. Muss ich meine Kollegen einweihen? Man hat mir damals davon abgeraten, bzw. mir gesagt es wäre abhängig von der Art meiner Arbeit. Hätte ich eine Job wo ständig die Gefahr besteht, dass ich zum Trinken animiert werde, dann ja - habe ich einen Job, wo trinken eigentlich nur in Ausnahmefällen passiert (also z. B. Weihnachtsfeier) dann nein oder nicht unbedingt. So habe ich es dann auch gehalten. Heute wissen alle Kolleginnen/Kollegen, dass ich keinen Alkohol mehr trinke. Mit vielen habe ich später auch mal darüber gesprochen, nicht im Detail, nur so, dass ich ihnen erzählt habe, dass ich mein Leben verändert habe. Die Frage, wieso trinkst Du nichts mehr, wurde mir nie gestellt. Eher die Frage: Wie hast Du soviel abgenommen? Du hast Dich so verändert und bist so positiv geworden, woran liegt das? Da habe ich dann erzählt, dass ich mein Leben umgestellt habe. Ich denke der ein oder andere wird sich seinen Teil denken, aber keiner ist mir jemals negativ gegeüber getreten.

    Auch in der Nachbarschaft (ich habe eine sehr gute wo man auch öfter mal zusammen sitzt) weiß jeder dass ich keinen Alkohol trinke. Keiner weiß aber, dass ich Alkoholiker bin. Ich glaube aber viele denken es sich - es ist aber völlig egal weil sie mich so nehmen wie ich bin und ich sie so wie sie sind. Trotz geselliger Abende sind es keine Trinker (mit solchen würde ich nicht zusammen sein wollen), nehmen aber trotzdem natürlich (ganz normal) mal das ein oder andere Gläßchen zu sich. Das macht mir nichts aus genauso wenig wie es ihnen etwas ausmacht, dass ich keinen Alkohol trinke. Ich muss mich nicht rechtfertigen, es ist einfach alles ganz normal!

    Ich weiß noch genau, dass dieses Thema "was sage ich wenn mir jemand Alkohol anbietet" sehr belastend sein kann. Besonders am Anfang. Tipp: Anfangs Gesellschaften bei denen zu erwarten ist, dass Alkohol getrunken wird meiden = Risikominimierung. Später, wenn die Abstinenz gefestigter ist, eine Strategie entwickeln, wie man mit allzu penetranten "Trink doch ein Gläßchen mit" Typen umgeht. Wahrscheinlich wirst Du feststellen, dass Du gar keine Lust mehr hast Veranstaltungen zu besuchen, wo Alkohol ein wichtige Rolle spielt. Wenn man nüchtern ist bekommt man erst mal mit wieveil Mist die Besoffenen eingentlich labern. Das kann echt nerven.

    LG
    gerchla

    Guten Morgen Chloé,

    herzlich Willkommen bei uns im Forum. Schön das Du hergefunden hast.

    Ich bin männlich, Mitte 40, Alkoholiker und ein paar Jahre trocken.

    Du hast ja schon ein paar Rückmeldungen bekommen und ich möchte mich meinen Vorschreibern anschließen.

    Aber Dir auch gleich eine Frage stellen:

    Zitat

    In den letzten 10 Jahren war ich unzählige Male an diesem Punkt wo ich mich jetzt befinde.

    Was willst oder wirst Du dieses mal anders machen? Wie willst Du es dieses mal schaffen? Hast Du bereits einen Plan im Kopf, ich meine außer nur nichts mehr zu trinken?

    Ich wünsche Dir einen guten Austausch hier und wenn Du Fragen hast, dann raus damit.

    LG
    gerchla

    Guten Morgen Linda,

    ich wollte auch noch kurz auf Deine Fragen eingehen, auch wenn sich meine Antworten denen meiner Vorschreiber sehr ähneln:

    Zitat

    Ich habe den Eindruck, dass die meisten, die hier schreiben, trocken sind. Ist das richtig? Meine Frage an Euch: wie hält es ein trockener Alkoholiker mit jemandem wie mir aus? Und warum schreibt Ihr hier? Ich stelle es mir quälend vor, sich dauernd gedanklich mit Alkohol zu beschäftigen, wenn man trocken ist.

    Ich glaube viele hier sind trocken, manche auf dem Weg dorthin, viele Angehörige von Alkoholikern sind hier - alle hier haben ihre jeweils individuellen Erfahrungen mit dem Thema Alkohol. Das macht es auch so interessant hier dabei zu sein. Denn dadurch bekommt man viele unterschiedliche Ansichten und Ansätze und kann für sich selbst wahnsinnig viel mitnehmen. So ist das jedenfalls bei mir.

    Von "es mit Dir aushalten" kann keine Rede sein. Ich bin hier aus zwei Gründen: Ich will mich mit meiner Krankheit beschäftigen. Sie hat sehr viele Jahre meines Lebens dominiert, hat mein Handeln und mein Denken bestimmt und hat mich zu einem unfreien Menschen gemacht. Auch Jahre nach meinem Ausstieg habe ich das Bedürfnis weiter über diese Krankheit zu sprechen und Erfahrungen auszutauschen. Zu sehen, wie es anderen ergangen ist, welchen Weg sie gegangen sind. Das ist für mich die Aufarbeitung meiner Sucht - die war anfangs sehr intensiv (ohne dieses Forum mit realer SHG, Psychologen usw.) und ist jetzt weniger intensiv aber ständig präsent. Das hat aber nichts mit Qual zu tun sondern ist, ich sage mal, der bewusste Umgang mit meinem Leben. Der zweite Grund ist, dass ich z. B. Menschen wie Dir von mir erzählen möchte. Nicht des erzählens Willen sondern weil es mich freuen würde, wenn Betroffene etwas für sich mitnehmen können. Das schönste ist, wenn jemand aufgrund meiner Geschichte für sich selbst einen Ansatz findet um seine Sucht zu besiegen. Das erfährt man meistens nicht, das ist aber auch egal. Hauptsache diejenigen, die hier Hilfe suchen finden auch welche. Und da hier ja noch ganz viele andere Menschen schreiben ist die Chance gar nicht so schlecht, dass ein Hilfesuchender hier "seinen Weg" findet.

    Belasten tut mich das in keinster Weise! Das Du das denkst liegt daran, dass Du süchtig bist und noch "nass". So hätte ich auch gedacht, früher. Wenn man aber seine Sucht einmal besiegt hat, ich meine richtig überwunden nicht nur eine lange Pause, dann belastet das Thema Alkohol nicht mehr. Denn man hat erkannt, wie viel besser es einem doch geht als all den Menschen, die glauben Alkohol wäre ein so tolles Genussmittel. Man sehnt sich dann nicht mehr nach Alkohol, weder nach dem Geschmack und schon gar nicht nach der Wirkung.

    Zitat

    Mein Neid auf andere bezieht sich, glaube ich, darauf, dass ich gern gesund wäre. Ich hätte gern keinen Saufdruck und keine immer kreisenden Gedanken um Alkohol.

    Zitat

    Und Gerchla, Du hast recht! Was will ich eigentlich? Ich praktiziere das erfolgreich. Ich bin auch zufrieden mit der Menge. Weiter runter will ich nicht.

    Schau, da widersprichst Du Dir selbst. Du sprichst von Saufdruck, von kreisenden Gedanken. Also ich meine von etwas, was belastend ist, was scheinbar schon einen ordentlichen Teil Deines täglichen Denkens beeinflusst. Diese Gedanken an Alkohol scheinen einfach (immer?) da zu sein. Der Druck scheint da zu sein - das stelle ich mir nicht schön vor! Kommt noch die Angst dazu, dass Du vielleicht doch abrutschen könntest. Damit willst Du den Rest Deines Lebens leben?

    Andererseits bist Du zufrieden mit der Menge, willst gar nicht weniger trinken. Passt so, alles prima. Da stellt man sich als Außenstehender natürlich die Frage: Ja was nun?

    Du scheinst hier eine innere Zerissenheit zu haben -willst einerseits weg vom Alk aber eigentlich auch nicht. Wovor hast Du eigentlich so Angst? Ich meine außer, dass Du abrutschen könntest. Was macht Dir denn so Angst vor dem Gedanken einfach nicht mehr zu trinken? Damit hättest Du Dein Problem gelöst, auf einen Schlag! Schau mal wie viele hier nichts mehr trinken. Jeder schreibt Dir wie gut es ihm/ihr damit geht. Wovor hast Du solche Angst?

    Wenn Du darüber mal in Ruhe nachdenkst kommt Du vielleicht ein Stückchen weiter. Du hast es ja selbst in der Hand was Du tun willst und was nicht. Es ist und bleibt immer Deine Entscheidung.

    LG
    gerchla

    Hallo Linda,

    herzlich Willkommen hier im Forum.

    Ich bin Mitte 40, Alkoholiker und ein paar Jahre trocken.

    Wie die meisten hier habe ich natürlich auch versucht kontrolliert zu trinken. Wie bei den meisten hier gelang mir das, besonders am Anfang meiner Karriere, noch ganz gut, auch über längere Zeiträume hin weg. Wie Du es von Dir beschreibst war auch bei mir der Gedanke an Alkohol, an MEHR Alkohol, immer präsent. Mal weniger stark, mal stärker. Ich habe es letztlich nicht geschafft dauerhaft kontrolliert zu trinken und bin irgendwann immer wieder komplett abgestürzt. Bei mir hatte das Ende von Trinkpausen oder auch das Ende von kontrollierten Trinkphasen immer zur Folge, dass ich erst mal nachgeholt habe was ich verpasst habe und dann immer auf einem etwas höherem Trinkniveau gelandet bin als vor den Pausen. Das scheint ja bei Dir so nicht der Fall zu sein.

    Jetzt möchte ich noch auf ein paar Dinge von Dir eingehen bzw. Dir meine Meinung dazu schreiben:

    Zitat

    Meine Frage, die ich dauernd an mich selbst richte, ist eigentlich (kurz gefasst): kann jemand wie ich, der so kontrolliert und strukturiert in allem ist, der über 25 Jahre Alkohol konsumiert, sich aber immer mehr gebessert hat, kann der wirklich abrutschen und irgendwann mittags die Flasche Korn auf dem Tisch stehen haben?

    Ja, klar kann das passieren. Eigentlich wäre das sogar der klassische Weg. Ob Du dann mittags eine Flasche Korn auf dem Tisch hast oder statt dessen abends 3 Flaschen Wein trinkst bleibt offen. Entscheidend ist ja nicht was Du trinkst sondern die Menge reinen Alkohols, die Du am Ende eines typischen Tages so intus hast. Und diese Menge steigert sich in der Regel mit anhaltender Sucht. Es ist aber auch so, dass einzelne Phasen der Alkoholsucht viele Jahre, sogar Jahrzehnte andauern können. Es ist also nicht so, dass man automatisch nach 5 oder 10 Jahren von Konsum x nach Konsum y rutscht. Diese Krankheit ist sehr individuell.

    Ich habe in meinem Bekanntenkreis einen Menschen, der meiner Meinung nach sicher Alkoholiker ist, der seit meiner Kindheit definitiv viel zu viel trinkt (in diesem Fall "nur" Bier) und der jetzt im mittleren Rentenalter ist. Und immer noch einfach zuviel trinkt, ab und an etwas über die Stränge schlägt und sich dann wieder eine Zeit lang einigermaßen im Griff hat (ohne komplett zu verzichten). Ich sage jetzt mal, das macht der schon sein ganzes Leben so. Ohne dass er jemals eine Flasche Korn auf dem Tisch stehen gehabt hätte. Er ist also sein Leben lang an einem Grad entlang gewandert zwischen zu viel Trinken, wieder etwas weniger trinken, dann wieder zu viel usw. Aber ist nie komplett abgestürzt. Das gibt es auch, ich habe es ja selbst mit angesehen und sehe es noch.

    Aber: Glücklich wirkt er nicht auf mich. Diverse Krankheiten begleiten ihn seit vielen Jahren (z. B. schwere Gicht, Fettleibigkeit, Herz-Kreislauferkrankungen) - Aber die Handvoll Tabletten täglich werden halt mit ein paar Bier hinunter gespült. Ein Leben, wie es nicht führen möchte.... Aber ohne die Flasche Korn auf'm Tisch.

    Zitat

    Und noch eine Frage, die ich mir nicht beantworten kann: warum ist mein Saufdruck in den gut 11/2 Jahren der Abstinenz nicht milder geworden, sondern immer schlimmer? Ich habe von anderen immer nur gelesen, dass er besser wird.

    Ich habe die Erfahrung gemacht, dass der Saufdruck nicht automatisch mit andauernder Abstinenz weniger wird. Also nicht AUTOMATISCH. Hier geht es ja um die psychische Abhängigkeit, nicht um die körperliche. Körperliche Abhängigkeit, sofern sie überhaupt besteht, ist nach dem Entzug in ein paar Tagen / Wochen Geschichte - Aber die Psyche macht ja die Sucht. Wenn Du also kontrolliert trinkst oder auch mal eine Trinkpause machst, im Hinterkopf aber immer ein Türchen offen lässt, weil Du ja nicht komplett aufhören möchtest, dann freut sich die Sucht ja schon darauf, endlich wieder ordentlich zuschlagen zu können. Mal Salopp gesagt.

    Bei mir hat es erst funktioniert, als ich mir innerlich ganz sicher war nie mehr trinken zu wollen. Und bereit war dafür alles zu tun. Ich hatte und habe kaum Probleme mit Suchtdruck. Ich weiß, dass es auch andere Menschen gibt, die sehr starken Druck empfinden obwohl sie auch wirklich aufhören wollen. Damit umzugehen und diesen Zustand dauerhaft zu verändern ist dann wichtiger Teil einer Therapie - oder, je nach Typ, auch Teil der eigenen Aufarbeitung der Krankheit. Ich habe z. B. keine Therapie gemacht. Ging aber zum Psychologen und habe mir auch anderweitig noch einiges an Hilfe gesucht. Das war für mich genau der richtige Weg.

    Zitat

    Ich bin neidisch auf die, die einfach ein paar mal in der Woche was trinken oder auch nicht und sich gar keine Gedanken darüber machen!

    Solche Gedanken sind mir völlig fremd. Warum soll ich darauf neidisch sein, wenn jemand ein paar mal in der Woche was trinkt oder trinken kann? Was hätte ich denn davon, wenn ich was trinken könnte? Welchen Vorteil brächte es mir, wenn ich ab und zu mal Alkohol trinken würde/könnte? Wäre ich dann glücklicher? reicher? schöner? attraktiver? - Wozu soll das Zeug eigentlich überhaupt gut sein? Seit ich abstinent lebe merke ich erst mal, wie überbewertet das Zeug überhaupt ist. Und wie unwichtig Alkohol eigentlich für mein eigenes Leben ist. Absolut bedeutungslos - und das meine ich ernst. Ich vermisse absolut überhaupt nichts. Auch nicht im Bezug auf mein soziales Umfeld. Lustige Abende, Spaß mit Freunden - alles ohne Alkohol nicht das geringste Problem.

    Zugegeben, ich war nie Genusstrinker sondern immer Wirkungstrinker. Wobei - es gab schon den ein oder anderen Wein, der mir wirklich geschmeckt hat. Aber, es gibt so viele andere, nicht alkoholische Getränke oder auch Speisen die mir auch schmecken. Was juckt es mich denn, wenn ich auf diesen einen Genuss verzichte? Das juckt mich überhaupt nicht! Gleichzeitig gönne ich jedem sein Glas Wein, der es trinken möchte. Das ist mir total egal - weil es mir einfach nur gut geht und ich absolut nichts vermisse.

    Zitat

    Und noch eine Frage: warum habe ich schon morgens Saufdruck? Ich habe eigentlich nie morgens getrunken, höchstens in den schlimmsten Zeiten und das ist so lange her, das war fast ein anderes Leben.

    Als das mit dem morgentlichen Saufdruck bei mir anfing und ich diesen dann irgendwann mal nachgegeben habe, das war dann endgültig der Anfang vom Ende. Da gings dann rapide bergab. Ich weiß auch noch, wann ich das erste mal vormittags getrunken habe. Es war einen Tag nach der Zeitumstellung - ich habe auf 12 Uhr mittags hingefiebert um endlich (beim Kochen) den ersten Schluck trinken können. Denn, Eisere Regel:kein Bier vor 12 Uhr (was'n Schwachsinn mein Alkihirn da produziert hat :o ). Nun war's aber erst halb 12 gewesen - aber ich sagte mir: eigentlich ist es ja schon 12.30 Uhr! Nur wegen der blöden Zeitumstellung.... Ich trank - und von da an regelmäßig. Natürlich verschoben sich die Zeiten immer mehr nach morgens. Zum Ende hin trank ich in der früh, auf dem Weg zur Arbeit meine ersten Biere....
    Auf Deine Frage warum das so ist: Das ist der Lauf der Sucht...... ganz normal....

    Zitat

    Gar nichts trinken, also aufzuhören, ist für mich keine Option. Nein, meine Vorstellung ist ein vernünftiger Umgang mit dem Zeug. Mein Wunsch wäre ein "normaler" Umgang, aber das ist bei der Vorgeschichte natürlich undenkbar.

    Deine Entscheidung! Du hast erkannt, dass Du Alkoholikerin bist willst aber weiter trinken. Niemand kann Dich daran hintern. Es gibt ja die Programme für kontrolliertes Trinken - vielleicht willst Du ja mal an so einem Programm teilnehmen. Andererseits - das was Du über Dein Trinkverhalten allgemein so schreibst klingt ja so, als würdest Du schon viele Jahre nichts anderes machen. Also kontrolliert trinken - halbe Flasche Wein und Schluss ist. Wo ist jetzt dann das Problem? Ist das nicht das was Du willst? Also nicht komplett verzichten und reduziert trinken? Vielleicht ist Dir die halbe Flasche noch zuviel, ok, dann reduzier halt noch etwas. Dann hast Du doch Dein Ziel erreicht?

    Ok, der Saufdruck ist da - aber ist der nicht bei (fast) allen da, die kontrolliert trinken? Ist das nicht der Grund, warum so viele kontrollierte Trinker wieder in ihr altes Trinkverhalten zurück fallen - weil sie diesen permanenten Verzicht auf den Stoff, den sie eigentlich in viel größeren Mengen konusumieren möchten, nicht bekommen und dann irgendwann nachgeben? Ist es nicht dieser Saufdruck, der die meisten dazu bringt irgendwann zu sagen: Ich kann nicht kontrolliert trinken, deshalb will ich komplett abstinent Leben?

    Wenn dauerhafte Abstinenz für Dich keine Option ist, dann versuche doch einfach mal mit professioneller Hilfe kontrolliert zu trinken - Vielleicht bist Du ja eine von jenen, die das dauerhaft schaffen. Ich kenne bisher niemanden der das geschafft hat, aber ich würde gerne mal jemanden kennen lernen. Das sind immer sehr intensive Diskussionen, die um das Thema kontrolliertes Trinken geführt werden. Und irgendwie gibt es dann meist immer niemanden, der jemanden kennt, der das dauerhaft geschafft hat. Trotzdem wird es immer wieder als eine Option dargestellt. Für mich war es keine!

    Ich wünsche Dir alles Gute auf Deinem Weg und einen guten Austausch hier im Forum.

    LG
    gerchla

    Hallo Sandra,

    schön, dass Du mal wieder schreibst! Und Du offenbar immernoch keinen Alkohol mehr trinkst! 44.

    Lass' Dich mal von Begrifflichkeiten nicht runter ziehen. Ob Du "nur" eine Pause machst oder ob Du jetzt dauerhaft abstinent lebst weißt Du entweder wenn Du bald wieder mit dem Trinken anfangen solltest (was ich Dir natürlich von Herzen NICHT wünsche) oder wenn Du in ein paar Jahren trocken zurück blickst und eben nicht mehr angefangen hast.

    Ich denke wir schildern Dir hier alle nur unsere Sicht auf die Sucht, geprägt durch das was wir selbst erlebt haben. Und in der Regel hilft halt ein komplett alkoholfreies Umfeld schon sehr. Sich outen ist normalerweise auch ein ganz wichtiger Schritt, zur Krankheit stehen und offensiv damit umgehen, offensiv etwas dagegen unternehmen. Eben das, was immer wieder gesagt wird: Nur einfach nix mehr trinken reicht nicht aus.

    ABER: Die Wege aus der Sucht sind vielfältig. Nicht jeder der eine Therapie angetreten hat war von Anfang an der Meinung er wäre krank und bräuchte das. Manche gingen aus Zwang und kamen dann aber einsichtig zurück und haben es geschafft (ja, viele scheitern auch). Obwohl immer gesagt wird, dass man selbst wollen muss. Ja, muss man, aber man kann dieses Wollen über unterschiedliche Wege erreichen. Es muss nicht immer gleich von Anfang an klar sein.

    Ich wünsche Dir, dass Du über Deine "Pause" dauerhaft trocken wirst und bleibst. Umso länger Du nichts trinkst umso mehr müsstest Du doch auch merken, wie sinnlos dieses Zeug eigentlich ist und dass es sehr wohl sehr gut ohne geht. Und was den persönlichen Tiefpunkt betrifft: Er heißt ja persönlicher Tiefpunkt - was bedeutet, dass er höchst unterschiedlich ist. Vom "angesprochen werden durch einen Freund oder Kollegen" bis zum Absturz in die Odachlosigkeit ist alles dabei. Ich kenne auch jemanden der beim Wandern in den Bergen ins Tal blickte und genau in diesem Moment beschlossen hat, dass er nie mehr Alkohol trinken wird. Hat funktioniert - wo jetzt da der Tiefpunkt? Andere saufen sich zu tode, das sind sogar sehr viele. Tiefpunkt verpasst?

    Alles Gute und schön, dass Du mal wieder von Dir hören hast lassen!

    LG
    gerchla

    Guten Morgen Frank,

    ich finde es prima, wie Du das alles jetzt konsequent angehst! Sehr gut, kein Rumgeeiere sondern ein klarer Weg, den Du jetzt einschlägst. Ich kann mir vorstellen, wie es in Dir drinnen aussieht. Da ist bestimmt nicht alles so klar und so einfach, sondern Du wirst viel nachdenken - über Deinen Sohn, Deine Beziehung, Deine Sucht und wie es weiter gehen soll.

    Das ist nicht immer einfach, manchmal schmerzlich, ich weiß das noch sehr genau von mir. Aber es wird besser werden! Und wichtig ist, dass Du diese Gedanken und Gefühle nicht verdrängst sondern sie zulässt - und Stück für Stück aufarbeitest.

    Leider scheint es bei Dir so zu sein, dass Deine Frau doch etwas "schwieriger" (oder ich sage mal normal) ist, als das bei mir der Fall war. Ich glaube meine Ex-Frau hat es mir, sicherlich im Sinne unserer Kinder, sehr leicht gemacht. Bei Dir wird vielleicht das ein oder andere Scharmützel angesagt sein. Wenn ich Dir hier meine Meinung sagen darf: Bleib immer klar, immer ehrlich und transparent. Damit machst Du Dich am wenigsten angreifbar. Wie das mit dem Unterhalt so läuft haben Dir ja schon meine Vorposter geschrieben. Meine Ex-Frau und ich haben und hatten einen gemeinsamen Anwalt (was die Scheidungskosten drastisch reduziert hat) und lassen jedes Jahr den Unterhalt neu checken. Wenn Du nur für Dein Kind zahlen musst (was Du sicher gerne tust), dann ist es relativ einfach - bei mir ist es etwas komplizierter, weil meine Ex-Frau auch noch einen Teil Unterhalt erhält der sich jeweils nach meinem Einkommen und auch ihrem Einkommen bemisst.

    Auch wenn Du es vielleicht nicht mehr hören kannst: Am wichtigsten ist Deine Trockenheit! Ohne Alkohol wirst Du das alles schaffen und bald auf ein neues, geordnetes Leben blicken können. Und dann kannst Du auch an einer positiven Zukunft arbeiten.

    Alles Gute und bis bald

    LG
    gerchla

    Guten Morgen Frank,

    44.

    Die Zeit wird für Dich arbeiten! Wichtig ist, dass Du immer berechenbar bist, Deiner Ex-Frau gegenüber. Vielleicht musst Du auch mal einiges einstecken, vielleicht auch mal Dinge, die nicht ganz so gerecht erscheinen aus Deiner Sicht. Bei mir war das jedenfalls so. Aber ich habe dann immer daran gedacht, wie meine Ex-Frau alles erlebt hat und konnte es aus ihrer Sichtweise meist verstehen. Und habe mich entsprechend defensiv verhalten.

    Es ist nicht einfach, kein einfacher Weg - schließlich musst Du "nebenher" ja auch noch Deine Alkoholsucht aufarbeiten und an dieser Baustelle dran bleiben. Und da ist niemand, der Dich dafür lobt, dass Du "ganz normal" bist bzw. wirst. Du machst es für Dich, weil es Dir Dein Leben zurück bringen wird! Glaube mir, Du wirst Dein Leben zurück bekommen. Und das ist das wunderbarste das Dir passieren kann!

    Ich wünsche Dir eine schöne Osterzeit. Alles Gute und bis bald mal

    Lg
    gerchla

    Hallo online75,

    herzlich Willkommen bei uns im Forum!

    Ich bin Mitte 40, männlich, Alkoholiker und seit ein paar Jahren trocken.

    Als ich Deinen Vorstellungstext gelesen habe dachte ich: Der hätte von mir sein können!

    Ich hatte eine ähnliche, eigentlich fast die gleiche Situation, wie Du sie von Dir beschreibst. Langjährig verheiratet, allerdings "nur" 2 Kinder, guten Job und viele Jahre lang mein Trinkniveau "im Griff". Es gab bestimmte Tabus - kein Alkohol vormittags z. B. war so eine Regel. Kein Alkohol, wenn ich noch Auto fahren muss war eine andere. Hat man die Regel erst mal gebrochen, dann ist es auch schon egal - so war's bei mir auch. Ich erinnere mich, dass ich nach der Zeitumstellung mal ein Bier kurz vor 12 Uhr getrunken habe - und mir gesagt hab: Eigentlich ist es ja schon fast 13 Uhr... Naja, mal abgesehen davon, dass ein normaler Mensch weder um 12 noch um 13 Uhr mit dem Trinken anfängt war das eine ganz schöne kranke Denkweise....

    Aber beim Alkoholiker funktioniert das Hirn leider nicht mehr so wie es sollte. Die Sucht dominiert einfach alles und es wird im Laufe der Zeit immer schlimmer. Noch kurz zu meiner "Karriere":
    Nach Jahren des Trinkens auf erst mal recht niedrigem Level ging es dann langsam nach oben so dass ich anfangen "musste" heimlich zu trinken. Da wusste ich natürlich längst, dass ich kein normals Trinkverhalten mehr habe - deshalb auch die Heimlichtuerei. Wieder vergingen Jahre, wo ich in etwa das von Dir beschriebene Niveau halten konnte, so 4 - 6 Bier im Schnitt. Dann ein paar Tabubrüche, ähnlich wie Du das beschreibst und schwupp war ich bei 8 - 10 Bier angelangt.

    Dazwischen natürlich immer mal Versuche zu kontrollieren oder dann auch ganz aufzuhören. Alles heimlich, alles selbstverständlich zum Scheitern verurteilt weil ich mich ja nicht zu meiner Krankheit bekannt habe. Nach jedem Versuch zu reduzieren bzw. aufzuhören (was durchaus auch mal ein paar Wochen funktioniert hat, wenn auch erkämpft), bin ich mit leicht erhötem Niveau wieder eingestiegen. Irgendwann waren es dann schon mal 12 Bier am Tag, irgendwann kam dann auch noch Wein dazu....

    Die Menge ist ja nun nicht entscheidend ob man süchtig ist oder nicht. Bei mir wurde aber bedingt durch die Menge auch äußerlich gut sichtbar, dass ich ein kranker Mensch war. Übergewichtig, aufgedunsen usw. Mein Umfeld machte sich Sorgen um mich - trotzdem konnte ich meinen Konsum noch geheim halten. Ich selbst merkte neben den äußerlichen Symptomen auch innerliche. Schmerzende Organe, ich konnte nicht mehr auf dem Bauch liegen usw. Trotzdem hörte ich nicht auf, ging nicht zum Arzt.

    Irgendwann konnte ich nicht mehr - nicht körperlich sondern psychisch. Ich outete mich und für sehr viele Menschen in meinem engeren Umfeld brach erst mal eine Welt zusammen. Für meine Frau und für meine Kinder aber auch für meine Eltern.... Das outen war entscheidend - ein weiterer heimlicher Versuch aufzuhören wäre wieder kläglich gescheitert. Ich habe dann sofort alles an Hilfe ergriffen, was mir in den Sinn kam. Ich ging schon am 2. Tag ohne Alkohol zu einer SHG, ließ mich beraten, war beim Psychologen und hatte auch noch andere Gesprächspartner. Ein großer Fehler im Nachhinein war, dass ich kalt entzogen habe - allerdings größtenteils aus Unkenntnis. Ich hatte zum Glück keine Probleme, bin auch zum Arzt aber erst spät, da war der körperliche Entzug schon vorbei.

    Solltest Du also gerade planen nichts mehr zu trinken - sei bitte so klug und sprich mit Deinem Arzt darüber. Kalter Entzug kann fürchterlich enden und man muss dafür nicht ein Niveau von 3 Flaschen Wodka pro Tag gehabt haben.

    Tja, ich kenne alles was Du so schreibst von mir selbst. Ich habe es geschafft auszusteigen - Du kannst das auch schaffen, wenn Du es wirklich willst. Wie das bei Dir funktioniert musst Du selbst heraus finden. Wenn Du bereit bist alles dafür zu tun, dann kannst Du es auch schaffen. Einfach ist es nicht - vor allem die Zeit nach dem körperlichen Entzug. Denn die eigentliche Arbeit hängt mit der Psyche zusammen.

    Schön das Du hier bist, schön, dass Du selbst erkannt hast, dass Du etwas unternehmen willst. Ich wünsche Dir einen guten Austausch hier im Forum. Wenn Du Fragen hast, einfach raus damit.

    LG
    gerchla

    Hallo Lime Juice,

    also, ich denke schon mal ab und zu zurück. Aber eher im Rahmen meiner Aufarbeitung. Wenn ich zurück blicke, dann geht es meist darum, was ich wem und was in meiner nassen Zeit alles zugemutet habe und was gewesen wäre, wenn ich mich damals anders verhalten hätte.

    Im Bezug auf mein eigenes Leben blicke eigentlich nicht zurück. Also nicht in dem Sinne " wie wäre mein Leben verlaufen wenn ich nicht abhängig geworden wäre". Das liegt vielleicht daran, dass ich jetzt mit meinem Leben absolut zufrieden bzw. glücklich bin. Und sogar immer wieder die "Vorteile" meiner Sucht erkenne. Nämlich, dass ich es unglaublich genießen kann so leben zu dürfen wie ich es heute tue. Ich glaube nicht, dass mir das ohne diese Sucht bewusst geworden wäre.

    LG
    gerchla

    Guten Morgen Frank,

    ich habe mich nachdem ich trocken war (relativ zu Beginn meiner Abstinenz) ebenfalls von meiner Frau getrennt. Und damit auch von meinen beiden Kindern. Mein Sohn war damals schon fast volljährig, meine Tochter gerade mal 9 Jahre alt. Beide liebte bzw. liebe ich über alles. Besonders zu meiner Tochter hatte ich aufgrund ihres Alters eine sehr enge Beziehung. Obwohl ich ja nie nüchtern war habe ich doch meine ganze Restenergie immer in meine Kinder gesteckt. Ich wollte einfach ein guter Vater sein - vielleicht auch mein schlechtes Säufergewissen dadurch aufbessern, dass ich wenigstens immer für meine Kinder da bin.

    Nun, als ich dann wieder klar denken konnte habe ich natürlich auch meine Ehe und meine Beziehung durchdacht. Und ich kam zu dem Schluss mich trennen zu müssen, letztlich deshalb, weil ich der Meinung war, dass ich nicht trocken bleiben würde, wenn ich weiter in dieser Beziehung bleibe. Allerdings war meine (mittlerweile EX-)Frau keinefalls so unterwegs wie Du das von Deiner beschreibst. Sie hätte gerne die Beziehung fortgeführt - ich sah aber keine Chance.

    Also, es war die schlimmste Zeit meines Lebens - Ich zog aus und aus dem Vollzeitpapa, der all seine Restenergie in seine Kinder gesteckt hatte wurde ein Freizeitpapa, der nur zu vereinbarten Zeiten seine Kinder sehen durfte. Am Anfang war es hart - vor allem weil vor allem meine Tochter das alles nicht so recht verstanden hat. Sie hat sehr gelitten. Glücklicherweise konnten meine Ex-Frau und ich noch miteinander reden, so dass wir relativ schnell überein gekommen sind, dass wir alles für die Kinder tun. Sie hat nie ein böses Wort über mich verloren, ich über sie auch nicht. Das ist bis heute so.

    Natürlich war es Anfangs noch etwas schwierig, weil ich z. B. mit meinen Kindern nicht Auto fahren durfte. Meine Frau traute meiner Trockenheit nicht und wollte nicht, dass ich mit den Kindern alleine unterwegs bin. Ich konnte meine Kinder also nie zu mir holen, musste mich mit ihnen immer an öffentlichen Orten treffen oder in meiner Ex-Wohnung wo sie wohnen geblieben waren. Ich konnte das durchaus nachvollziehen. Dazu musst Du wissen, dass ich heimlich getrunken hatte und meine Frau erst durch mein Outing von der ganzen Wahrheit erfahren hat. Ich war also ein sehr guter Lügner und sie konnte mir natürlich nicht mehr vertrauen.

    Aber auch das ist längst Geschichte! Ich habe heute eine neue Partnerin, meine Kinder haben ein Geschwisterchen bekommen, ich werde bald wieder heiraten und meine Kinder gehen bei mir und meiner bald Frau ein und aus. Meine Tochter ist mittlerweile in der Pubertät und trotzdem nicht schwierig und mein Sohn ein junger erwachsener Mann der bald sein Studium abschließt. Zu meiner Ex-Frau habe ich ein, ich sage jetzt mal fast freundschaftliches Verhältnis.

    Ich will Dir damit Mut machen! Ich habe nichts geschönt, es ist bei mir wirklich so. Und es hat nur funktioniert weil ich nüchtern geblieben bin und all den Schmerz und auch alle Probleme nüchtern ertragen und abgearbeitet habe. Und immer auch an mir selbst gearbeitet habe. Nur so konnte ich wieder Vertrauen aufbauen, wieder eine Basis schaffen.

    Es ist klar, Du wirst nicht mehr der gleiche Vater sein können wie Du vorher warst. Einfach weil Du nicht mehr so viel Zeit mit Deinem Kind verbringen kannst. Aber Du kannst trotzdem ein guter Vater sein! Und versuche irgendwie einen einigermaßen erwachsenen Umgang mit Deiner Ex-Frau hinzubekommen! Wenn sie mit spielt und Dir keine Steine in den Weg legt, wenn auch nur Eurem Sohn zu liebe, dann hast Du viel erreicht! Im Sinne Eures Sohnes. Und eines ist auch klar: Voraussetzung ist, dass Du Trocken bleibst!

    Alles Gute und Kopf hoch!

    LG
    gerchla

    Guten Morgen Enidu,

    ich bin Mitte 40, männlich, Alkoholiker und trinke seit ein paar Jahren keinen Alkohol mehr.

    Ich glaube die zentrale Frage ist erst mal nicht ob Dein Freund "schon" Alkoholiker ist oder nicht. Die Frage ist doch erst mal: Respektiert er Dich und Deine Wünsche? Du möchtest, dass er keinen oder deutlich weniger Alkohol trinkt. Für jemanden dem sein Partner etwas bedeutet und der kein Problem OHNE Alkohol hat, sollte es eine leichte Übung sein sich entsprechend zu verhalten.

    Kann er also nicht mehr verzichten (auch wenn er sagt er könnte aber er möchte nicht), dann ist doch irgendwas nicht ganz in Ordnung, oder? Entweder er kann wirklich nicht, weil er bereits süchtig ist und sich das nicht eingesteht oder aber er will tatsächlich nicht, dann bist Du ihm scheinbar nicht so wichtig.

    Grundsätzlich deute ich das was Du geschildert hat schon eher in Richtung Sucht wobei das mit absoluter Bestimmtheit erst mal keiner sagen kann, so aus der Ferne. Aber unabhängig davon finde ich, solltest Du auf Dich achten und Dir überlegen welche Art von Beziehung Du eigentlich führen möchtest.

    LG
    gerchla