Beiträge von Gerchla

    Hallo mucal,

    ja, ich glaube ich weiß was Du meinst. Diesen Grund für das Trinken zu finden scheint nicht ganz einfach zu sein. Ehrlich gesagt, wenn ich mich da mal an die eigene Nase fasse: Ich hatte auf den ersten Blick gesehen absolut keine Gründe mit dem Trinken zu beginnen. Also ich meine wirklich keine!

    Keine schlechte Kindheit, keine miese Jugend, Job und Karriere top, Familie gegründet mit der Frau die ich geliebt habe, tolle Kinder die ihren Weg gegangen sind bzw. gehen, keine Krankheiten oder Schicksalsschläge ect., keine finanziellen Nöte, etc. Also warum zur Hölle bin ich da rein gerutscht? Da gäbe es doch wirklich genügend andere Menschen, denen das Schicksal übel mitspielt wo man noch nachvollziehen kann, dass Trost im Alkohol gesucht wird (auch wenn es komplett sinnfrei ist und genau das Gegenteil bewirkt, wie wir heute wissen). Aber bei mir? Wie konnte das passieren?

    Ich überspitze etwas, aber genau das waren die Fragen, die ich mir gestellt habe. Monatelang versucht habe eine Erklärung zu finden. Bei einem Gespräch mit dem Mönch habe ich ganz am Anfang mal gesagt: Wenns dem Esel zu wohl ist begibt er sich aufs Eis - das war meine Erklärung am Anfang.... Nun, heute denke ich, dass ich in der Kindheit nicht gelernt habe Konflikte auszufechten, das ich nicht gelernt habe, Probleme als solche zu akzeptieren und dann zu lösen. Das ich nicht gelernt habe auch mal egositisch zu sein, zu sagen was ich eigentlich will und vor allem auch was ich nicht will...

    Und genau darüber bin ich über die Jahre vor allem in meiner Partnerschaft in eine Beziehung getriftet, die ich eigentlich so gar nicht wollte. Und anstatt zu sagen was ich will oder was ich nicht will habe ich immer versucht den Frieden zu bewahren. Das Trinken half mir dabei Dinge entspannt und gelassen zu sehen. Aber mit zunehmender Dauer und auch Intensität veränderte es auch mein Wesen und meinen Charakter und die Abwärtsspirale begann sich immer schneller zu drehen. Wir kennen das ja alle.

    Für mich war es wichtig mein Umfeld zu ändern, alte Gewohnheiten abzulegen und ja, auch mich von meiner Frau zu trennen, denn zuviel war passiert während meiner Saufzeit. Es war eine der Grundlagen, dass ich trocken bleiben konnte, davon bin ich heute absolut überzeugt.

    Bei Dir kann das ganz anders aussehen, ganz andere Dinge eine Rolle spielen. Ich glaube nicht, dass wir Alkoholiker einfach etwas machen sollten weil es bei anderen auch geholfen hat. Ich glaube, wir sollten da schon genau hin sehen. Diese Krankheit scheint ja nun irgendwie bei allen irgendwie gleich zu sein oder auf jeden Fall ähnlich. Vom Einstieg, vom Verlauf und oft auch vom Ausstieg her gesehen. Aber schaut man genauer hin, dann ist doch eine höchst individuelle Angelegenheit. Ich kann Dir leider nicht sagen, was bei Dir den Schalter umlegen würde oder wird. Ich kann Dir nur sagen das ich einfach ganz viel nachgedacht, quergedacht, mit anderen ausgetauscht und so weiter habe. Und so habe ich meinen Weg gefunden. Vielleicht war da auch einfach Glück dabei, ich weiß es nicht. Ich hoffe auf jeden Fall, dass Du "Deine Lücke" finden und füllen kannst!

    LG
    gerchla

    Hallo mucal,

    herzlich Willkommen auch von mir.

    Ich tue mich ehrlich gesagt jetzt auch schwer einen "qualifizierten" Post für Dich zu hinterlassen. Ich versuch's aber mal:

    "Klassisch" gesehen hast Du das getan, was man im Allgemeinen so rät. Also qualifizierte Entgiftung, anschließend Therapie, Besuch von SHG usw. Das hat in der Regel die größten Erfolgsaussichten im Bezug auf ein dauerhaft trockenes Leben... Trotzdem hast Du immer wieder zu kämpfen. Warum das so ist, kann ich Dir natürlich nicht sagen, leider. Ich würde es gerne.

    Ich bin fast doppelt so alt wie Du und habe deutlich länger getrunken bevor ich dann irgendwann (nach zahlreichen Versuchen) den Absprung geschafft habe. Mittlerlweile bin ich schon einige Jahre trocken und habe überhaupt kein Bedürfnis nach Alkohol. Ich habe nicht qualifiziert entgiftet und ich habe auch keine LZT gemacht. SHG besuchte ich in den ersten Monaten meiner Trockenheit, was mir sehr sehr gut getan hat.

    Ich ging andere Wege - ich suchte Kontakt zu einem Kloster und dort zu einem Mönch, den ich ein paar Jahre vorher zufällig mal getroffen hatte. Ich muss noch dazu sagen, das ich nicht gläubig war oder so, jedenfalls nicht im klassischen Sinne. Dieser Mönch half mir enorm, ich möchte fast sagen er war eine Schlüsselperson für mein neues trockenes Leben. Es ging dabei übrigens nie, zu keiner Zeit, um Glauben oder Gott oder so. Ich vermute mal, wenn er damit angefangen hätte, hätte ich mich wohl fehl am Platz gefühlt. Ich vermute er wusste das. Heute denke ich durchaus anders darüber. Nein, wir führten viele lange, intensive Gespräche. Insofern war das wohl auch eine Art Therapie - es half mir enorm mein Leben wieder zu ordnen.

    Einen klassischen Psychologen habe ich auch besucht. Auch er spielte seine Rolle in meinem Weg zur Trockenheit - damals kam ich mit ihm nicht zurecht, habe ich über ihn aufgeregt. Trotzdem hat es etwas in mir bewirkt - heute sehe ich vieles, wo er einfach nur Recht hatte....

    Dann gab und gibt es noch einen richtig guten Freund. Auch er hatte seinen Anteil - wieder ganz anders weil er ganz andere Ansichten hatte als z. B. der Mönch.

    So ging das viele Monate, mit immer neuen Gesprächen und immer weiteren Aufarbeiten. Ehrlich gesagt bis heute, wobei die Gespräche zum Thema Alkohol und meine eingene Sucht deutlich weniger geworden sind und die Gespräche an sich sind deutlich positiver, angenehmer....

    Ich schreibe Dir das nur, weil vielleicht was für Dich dabei ist. Vielleicht auch nicht. Jedenfalls scheint es so, dass es viele Weg zu einem trockenen Leben gibt und mancher eben ganz außergewöhnliche gehen muss und mit den klassischen Angeboten eben nicht weiter kommt oder diese als Grundlage dienen aber nicht ausreichen.

    Übrigens habe ich nebenher noch mein komplettes Lebensumfeld verändert. Damit verbunden war die Scheidung von meiner Frau, damit die Trennung von meiner Familie, eine teilweise Veränderung meines Freudeskreises bzw. ein Neuaufbau des selben. Auch das waren, im Nachhinein betrachtet, Gründe dafür, dass ich trocken bleiben konnte.

    Ich hoffe Du findest Deinen Weg und wünsche Dir einen guten Austausch hier im Forum.

    LG
    gerchla

    Hallo Tina,

    herzlich Willkommen bei uns im Forum. Ich glaube hier bist Du sehr richtig!

    Mein Trinkniveau war zum Ende hin ähnlich hoch wie Deines, vielleicht sogar noch ein wenig mehr. Ich bin nun schon seit mehreren Jahren trocken und verdammt glücklich. Dieses Glück, diese Freude über mein jetziges Leben besteht seit ich nicht mehr trinke und dieses Gefühl lässt nicht nach! Es ist wunderschön wenn man sein Leben zurück bekommt!

    Dafür lohnt es sich zu kämpfen! Ich wünsche Dir einen guten Austausch hier im Forum!

    LG
    gerchla

    Guten Morgen Zensilein,

    tja, das ist eine der möglichen "Nebenwirkungen" der Sucht. Arroganz, Überheblichkeit, Realitätsverlust - Es geht aber auch anders, manche werden verbal aggressiv und beleidigend, manche werden auch physisch gewalttätig und wieder andere weinerlilch und depressiv. Und gar nicht so selten gibt's auch einen Mix aus mehreren Komponenten.

    Es hilft Dir halt leider nichts zu wissen, dass das alles von der Sucht verursacht wird. Denn solange er seine Krankheit nicht bekämpft wird sich daran nichts ändern. Und ich denke nicht, dass Du und Deine Kinder es nötig haben sich so behandeln zu lassen.

    Also sei ruhig wütend und zieh' Dein Ding durch!

    LG
    gerchla

    Zitat

    Ich hab ihn wirklich geliebt... Aber es tut einfach weh zu wissen das er lieber säuft anstatt für seine Familie da zu sein..Heute hab ich so einen Tag da seh ich alles schwarz und weine nur .. Ich versuche mich abzulenken aber die gedanken kreisen..Heute früh hat er mir geschrieben das ich immer einen Platz habe in seinen leben aber nicht mehr da wo ich mal war...Er gibt praktisch alles auf nur um saufen zu können? Das tut weh.. Ich hoffe das es mir bald besser geht..Ich habe keinen Hunger mehr und rauche wie ein schlot obwohl ich mir nichts sehnlichst wünsche glücklich zu sein und alles hinter mir zu lassen . Es gelingt mir im moment einfach nicht

    Es trifft mich immer so tief, wenn ich lese wie Angehörige leiden müssen. Wie Du jetzt leidest.... Denn auch ich war einmal Täter, der hier jetzt nach langer Zeit und mit ordentlich Abstand versucht anderen seine Sichtweisen mitzuteilen. Gib Dir bitte Zeit! So eine Trennung überwindet man nicht innerhalb von ein paar Tagen oder Wochen. Es braucht Zeit.

    Nochwas wollte ich sagen:

    Ich weiß von meiner Ex-Frau, dass Sie sich Hilfe gesucht hat. Sie war bei einem Psychologen (Details sind mir aber unbekannt) und er/sie hat ihr sehr geholfen. Das habe ich damals sogar aus Ferne im Umgang mit ihr bemerkt. Du kannst Dir vorstellen, dass unser Umgang am Anfang sehr schwierig war - ich bin quasi unmittelbar nach meinem Outing ausgezogen und kam "nur" zurück um entweder meine Kinder zu sehen oder irgendwelche Sachen abzuholen. Die Treffen mit ihr waren unglaublich schwer für mich, aber auch für sie natürlich. Schließlich waren wir 17 Jahre verheiratet und sie hätte gerne ihr altes Leben zurück gehabt. Ich konnte aber nicht mehr zurück.... Ich habe mir übrigens auch helfen lassen - einerseits natürlich speziell bezüglich meiner Sucht, andererseits aber eben auch was das Verhältnis zu meiner Frau betrifft. Und auch aus dieser Erfahrung heraus kann ich sagen, dass es sehr hilfreich sein kann hier nicht alles mit sich selbst auszumachen. Mir wurde damals sehr geholfen und meiner Ex-Frau auch.

    Kopf hoch - Du kommst durch dieses Tal und dann geht es wieder Berg auf

    LG
    gerchla

    Hallo Zensilein,

    Deine Zeilen lesen sich in manchen Bereichen für mich so, als würde meine Ex-Frau kurz nach meinem Outing schreiben. Ich trank heimlich, meine Frau wusste nicht warum unsere Beziehung so den Bach runter ging und ich oft so reagierte wie ich reagierte, warum ich mich isolierte, warum ich antriebslos war usw. und hat darunter jahrelang gelitten. Als ich mich dann geoutet habe und alle meine Lügen und Betrügereien auf den Tisch gepackt hatte, brach für sie eine Welt zusammen. Sie hat mich gefragt, ob ich nicht gesehen und erkannt hätte, was für eine tolle Familie ich eigentlich hatte - wie viel sie für mich getan hat - wie sehr sie um eine harmonische Beziehung bemüht war.... (könnte noch einiges anfügen).

    Nun, ich hab's gesehen - ich habe mich wegen meines Verhaltens geschämt - und habe getrunken um es zu verdrängen. In den Stunden wo ich "nüchtern" war habe ich versucht "alles wieder gut" zu machen. Haushalt gemacht, Kinder versorgt mich voll reingehangen um dann mit einem gefühlt etwas besseren Gewissen zu trinken. Das war aber nicht das, was meine Familie wollte oder gebraucht hätte. Weil ich emotional völlig weg war, egal wieviel ich im Haushalt oder sonstwo gearbeitet habe.

    Ich dachte wirklich eine lange Zeit lang, dass irgendwann irgendwie irgendwas passiern wird und alles wird wieder gut. Einfach so - völliger Realitätsverlust.

    Du hast wirklich das Richtige gemacht in dem Du Dich getrennt hast. Dieser Schmerz, den Du jetzt empfindest ist normal und Du solltest ihn zulassen. Es werden wieder bessere, schöne Zeiten kommen. Gib Dir Zeit dafür - wenn Du bei ihm geblieben wärst hättest Du überhaupt keine Perspektive gehabt. Seine Sucht schreitet fort und es wird immer schlimmer.... Vielleicht findet er irgendwann einen Ausstieg... Aber warte nicht darauf, vielleicht findet er ihn auch nicht.

    Als Hoffnung für Dich: Meine Ex-Frau und ich verstehen uns heute sehr gut - wir reden miteinander, ich helfe ihr ab und an mal wenn sie es möchte und manchmal gibt es sogar Momente, wo wir mal zusammen lachen können. Es hat ein paar Jahre gedauert, war ein Prozess und die Grundlage war, dass ich mit dem Trinken aufgehört habe. Heute bin ich wieder verheiratet, glücklich und meine Kinder sind sowohl ein Teil des Lebens meiner Ex-Frau als auch das meiner neuen Frau.

    Hätte mir das jemand vor ein paar Jahren so prognostiziert, hätte ich kein Wort geglaubt - Das es jemals so sein kann hätte ich nicht mal erträumt.

    Und übrigens, soweit ich das einschätzen kann: Meiner Ex-Frau geht es jetzt, ohne mich, auch wesentlich besser als die vielen Jahre vorher! Sie hat wieder zurück gefunden zu einem Leben ohne Sorgen um einen Mann, der eigentlich gar nicht vorhanden war. Sie lebt jetzt wieder ihr eigenes Leben - und das freut mich sehr, wenngleich es mir unendlich leid tut, dass ich ihr so viele Jahre geraubt habe...

    LG
    gerchla

    Guten Morgen Zensilein,

    erst mal Herzlich Willkommen bei uns im Forum.

    Ich wollte Dir eigentlich gestern schon schreiben, auf Deinen Post im Vorstellungsbereich. Bin dann aber leider nicht mehr dazu gekommen.

    Mal kurz zu mir: männlich, Mitte 40, Alkoholiker, mehrere Jahre trocken, 3 Kinder - 2 davon aus erster Ehe (die u. a. auch wegen meiner Trinkerei gescheitert ist).

    Ich kann Dir hier also nur aus der Sicht des Alkoholikers schreiben, nicht aus der eines Angehörigen. Und ich schreibe auch immer nur wie es bei mir war und prinzipiell nur aus meinen eigenen Erfahrungen heraus. Andere haben ganz andere Erfahrungen, aber Du kannst hier ja viel lesen und Dir dann Dein eigenes Bild machen.

    Ein paar Anmerkungen zu dem was Du geschrieben hast:

    Zitat

    Ich entschuldige mich jetzt schon mal falls der Text lang wird, aber ich muss mir das mal von der Seele schreiben...

    Dafür sind wir doch hier. Da brauchst Du Dich sicher nicht für entschuldigen

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    Als wir zusammen kamen fand ich es noch nicht mal schlimm das er getrunken hat wir waren ja noch jung 19 und 18..

    Ja, so ist das häufig. Vielleicht war es am Anfang ja auch noch nicht häufig, so viel und so regelmäßig. Leider suggeriert uns die Gesellschaft, dass Alkohol dazu gehört, dass es ganz normal ist, Alkohol zu trinken und mehr noch, dass diejenigen, die keinen Alkohol trinken manchmal, zumindest in bestimmten Kreisen, ausgeschlossen werden. Und ehrlich gesagt: Man ist jung, man hat Spaß und man trinkt halt auch mal Alkohol, vielleicht auch mal zu viel. Soll so sein - die meisten werden deshalb nicht automatisch zum Alkoholiker. Nur leider ist diese Krankheit so angelegt, dass es breits zu spät ist, wenn man bemerkt, dass man ein Problem hat. Dann ist der Zug schon abgefahren und es gibt leider auch kein Zurück mehr. Und leider gibt es auch keine Norm die besagt, bei wie viel Alkohol oder auch bei wie oft Alkohol man noch safe ist.

    Ich kenne beispielsweise Menschen, die ewig viele Jahre fast täglich mehrere Biere getrunken haben und trotzdem (meiner Meinung nach) keine Alkoholiker wurden. Einige davon sind jetzt zu einem ganz "normalen" Trinkniveau (ab und zu mal ein Bier) zurück gekehrt. Wären sie süchtig, hätte das wohl nicht funktioniert (auch wenn es seltene Ausnahmen geben soll, mir ist noch keine begenet). Natürlich betrieben diese Menschen Alkoholmissbrauch und gesund war das sicher auch nicht. Aber die Sucht blieb aus.

    Ich dagegen, trank jahrelang auf niedrigstem Niveau (1 bis max. 2 Bier am Tag auch mal mit Pausen) und war bereits süchtig. Beim Aufarbeiten meiner Sucht wurde mir das bewusst. Medizinisch gesehen war ich also jahrenlang fast in dem Bereich, wo mein Konsum noch als unbedenklich eingestuft wird - psychisch war ich aber schon abhängig.

    Zitat

    Am anfang hat er sich um die kinder gekümmert...

    Die Sucht schreitet voran, anderes, z. B. Du oder auch die Kinder, verlieren für den Süchtigen an Bedeutung. Er ist sehr damit beschäftigt, seine Sucht zu befriedigen und muss zunehmend seine Energie dafür aufwenden. So geraden andere Dinge langsam in den Hintergrund, also z. B. auch Freunde, sonstige soziale Kontakte und irgendwann dann eben auch die eingene Familie....

    Zitat

    s gab Zeiten da traank er weniger und dann wieder viel aber nur Bier..

    Diese Zeiten gab es bei mir auch. Es gab auch Zeiten, da trank ist Wochen oder sogar Monate lang gar nichts. Weil ich eben insgeheim erkannt hatte, dass da was nicht stimmt. Nach jeder Trinkpause wurde es bei aber schlimmer. Am Schluss war ich weder in der Lage weniger zu trinken und schon gar nicht in der Lage noch eine Trinkpause einzulegen.

    Zu "er trinkt nur Bier" kann ich nur sagen: Es ist völlig egal was er trinkt - Alkohol ist Alkohol / Eine entsprechende Menge Bier hat genauso viel Alkohol wie eine Flasche Schnaps. Ich weiß nicht wie viel Bier er trinkt am Tag - ich hatte am Schluss so 10 - 12 Flaschen + Wein - ich kann das jetzt spontan nicht umrechnen ist in die entsprechende Schnapsmenge aber ich würde mal schätzen, dass das in etwa 1,5 bis 2 Flaschen Schnaps ergibt, rein von der Alkoholmenge her gesehen. Es ist wirklich egal was man trinkt. Dem Alkoholiker geht es ja immer nur um die Wirkung. Und ja, er beruhigt sich auch selbst damit, dass er sagt: Ich trinke ja NUR Bier - das ist Selbstbetrug.

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    Das schlimme ist man kann mit ihm nicht reden er blockt sofort ab...Die Launen wurden bei ihm immer schlimmer wo er uns sehr verletzt hat...

    Ja, das ist leider so. Eine Folge der Sucht, eine Nebenwirkung, eine Begleiterscheinung. Im Laufe der Sucht verändert sich der Süchtige, der Charakter, sein Denken und sein ganzes Wesen. Ich war als nasser Alkoholiker ein ganz anderer Mensch als ich es heute bin. Und leider ist man auch nicht sofort wieder "normal", wenn man mal nichts trinkt. Es ist ein sehr langer Prozess wieder zurück in ein normales Leben (und Denken) zu finden.

    Zitat

    Er hat den sinn zur Realität verloren und schiebt die schuld immer auf andere..

    Kann ich von mir bestätigen. Ich lebte in einer kompletten Scheinwelt. Lügen und betrügen gehörten zu meinem Handwerkszeug. Ich war so gefangen ist meiner Scheinwelt, dass ich die tatsächliche Realität von meiner künstlich geschaffenen nicht mehr unterscheiden konnte. Es war schrecklich.

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    . Auf alle fälle hab ich ihn vor die Wahl gestellt entweder er ändert sich oder er kann gehen..Er will sich nicht ändern dann hab ich gesagt er soll gehen..

    Das hast Du sehr gut gemacht! 44. Und er ist gegangen - das tut weh, das kann ich sehr gut verstehen. Er hat sich für seine Geliebte, den Alkohol, entschieden und nicht für Dich und seine Familie. Dennoch war es das einzig Richtige, dass Du ihn vor die Wahl gestellt hast. Denn anderfalls wird sich für Dich und Deine Kinder nichts ändern, nichts zum Positivem verändern.

    Nur er selbst kann die Entscheidung treffen nicht mehr trinken zu wollen. Nur er ganz allein ist für sein Leben verantwortlich. Nur wenn er will, kann er etwas ändern. Du kannst nichts tun außer auf Dich und Deine Familie zu achten. Sollte er sich für eine Entgiftung und eine Therapie entscheiden, dann kannst Du (wenn Du das dann noch willst) unterstützen. Aber auch nur dann. Wenn er weiter trinkt verpufft jegliche Hilfe, jegliche Energie die Du hinein steckst komplett.

    Manchmal ist es so, dass so ein Ultimatum, wie Du es gestellt hast dazu führt, dass der Trinkende zur Besinnung kommt und etwas unternimmt. Manchmal.... Oft auch nicht, wie es bei Dir der Fall ist. Vielleicht ist er irgendwann später mal so weit - vielleicht gibt er sich aber auch sein Sucht hin und stürzt komplett ab. Es ist hart, aber es ist nicht Deine Verantwortung und schon gar nicht Deine Schuld. Er allein ist für sein Leben verantwortlich. Das schreibe ich Dir als Alkoholiker, der das alles kennt und erlebt hat von der anderen Seite her.

    Ich wünsche Dir die Kraft, DEINEN Weg zu gehen, auf DICH und Deine Kinder zu achten und dass Du Dich abgrenzen kannst. Vielleicht wäre ja auch eine reale SHG für Anghörige etwas für Dich. Dort könntest Du Dich auch sehr gut austauschen.

    Hier natürlich auch. Alles Liebe und Gute und bis bald

    LG
    gerchla

    Guten Morgen Liira,

    herzlich Willkommen bei uns im Forum.

    Ich bin Mitte 40, Alkoholiker und ein paar Jahre trocken. Ich habe selbst Kinder, bin geschieden, bald wieder verheiratet und hab so bisl einen Hintergrund um in etwa die Situation Deines Partners einschätzen zu können (sofern das nach ein paar Zeilen lesen überhaupt möglich ist).

    Ich mache jetzt einfach mal ein paar Anmerkungen aus meiner Erfahrung auf das, was Du geschrieben hast:

    Zitat

    Er hatte sich bis dahin auch schon viele wichtige Dinge im Leben durch den Alkohol versaut (Familie, Beziehungen, sozialer Status)

    Das deutet für mich darauf hin, dass er sein Alkoholproblem nicht erst seit gestern hat. Es scheint, als hätte er schon lange/länger damit zu kämpfen. Er hätte also auch in der Vergangenheit schon Gelegenheit gehabt etwas dagegen zu unternehmen. Gründe denke ich hätte er auch gehabt. Du schreibst ja, dass er Familie hatte die er wahrscheinlich auch nicht hat verlieren wollen. Allerdings möchte ich vorab sagen, dass man als Alkoholiker immer zuallerst für sich selbst trocken werden wollen sollte. Andere Gründe können den Anstoss liefern aber man muss es für sich selbst und sein eigenes Leben wollen, sonst wird's schwierig...

    Zitat

    Ich komme momentan am Wochenende mit unserer Tochter zu ihm oder er zu mir. Wenn wir da sind trinkt er nicht mehr.

    Schön, dass er sich da zusammen reißt. Auf Dauer wird er das nicht können, davon musst Du leider ausgehen

    Zitat


    Er geht jetzt auch zu den anonymen Alkoholikern einmal pro Woche

    Auch gut, jedoch offensichtlich hilft es nicht um den Schalter richtig umzulegen. Bist Du sicher, dass er das immer noch regelmäßig macht?

    Zitat

    Es verletzt mich jedoch sehr zu sehen, dass er es nicht schafft.

    Kann ich ein Stück weit verstehen, allerdings ist er für sein Leben selbst verantwortlich. Du bist für DEIN Leben verantwortlich und jetzt auch für das Deines Kindes. Du wirst ihm nicht helfen können solange er selbst nicht die Kurve bekommt. Das ist hart aber das ist leider die Realität. Schütze Dich und Dein Kind!

    Zitat

    Ich habe mir vorgenommen dem ganzen eine Chance zu geben-auch weil ich es wichtig finde dass der Papa da ist für unsere kleine Tochter.

    Bestimmt bekommst Du hier auch Rückmeldungen von Kinder von Alkoholikern. Oder kannst es gerne auch in anderen Threads nachlesen. Das was ich dort lesen musste/durfte war für mich immer das Gegenteil von gut für das Kind. Ehrlich gesagt glaube ich, dass ein alkoholkranker Papa aber auch eine alkoholkranke Mama mit das schlimmste ist, was einem Kind passiern kann. Sicher gibt es unterschiedliche "Ausprägungen" aber Du darfst auch davon ausgehen, dass seine Sucht nicht auf dem Stand bleibt wo sie heute ist. So wie Du ihn jetzt kennst wird er nicht bleiben. Die Sucht schreitet fort, damit auch die Veränderung des Süchtigen. Einzige Chance ist, dass er seine Sucht zum Stillstand bringt und trocken wird - oder Du Dein eigenes Leben führst.

    Zitat

    Er hat es auch als Chance betrachtet und will versuchen für seine kleine Familie trocken zu bleiben.

    Schön, vielleicht will er das wirklich. Wie oft habe ich mir das auch vorgenommen. Nie geschafft, über viele Jahre. Dir helfen hier nur Taten - keine Reden oder Versprechungen. Die sind absolut nichts Wert.
    Auch die Tatsache, dass er zu den AA geht oder mit Dir mal bei der Suchtberatung war hilft Dir nicht weiter. Es war eine Hoffnung - aber wenn er anschließend nicht weiter gegen seine Krankheit angeht, dann kommt nichts bei raus. Ich weiß nicht, welcher Weg für ihn der richtige wäre - ob ihm z. B. eine Langzeittherapie helfen könnte. Ich weiß aber das ich damals, als ich wirklich weg vom Alkohol wollte, genau alles diese Möglichkeiten durchgespielt habe. Mit professioneller Hilfe. Und ich war bereit ALLES für meine Trockeheit zu tun. Wenn er das auch ist, dann habt ihr eine Chance, sonst wird's wohl eher schwer. Und dann kann ich Dir nur raten, Dein eigenes Leben zu leben. Denn mit einem Alkoholiker an Deiner Seite ist das Leben nicht lebenswert.

    Alles alles Gute und eine guten Austausch wünsche ich Dir!

    LG
    gerchla

    Hallo Mia,

    herzlich Willkommen bei uns im Forum.

    Ich finde es gut, dass Du Dir diese Gedanken machst. Ich glaube das gerade die möglichen Folgen eines kalten Entzugs oft eher verdrängt werden. Du solltest jetzt aber meiner Meinung nach auch nicht gleich immer nur an das Schlimmste denken.

    Ich würde Dir raten, Dich von Anfang an in professionelle Hände zu begeben. Gerade auch weil Du so genau reflektierst was alles passieren könnte. Möglicherweise hängt das auch ein wenig mit Deiner Angststörung zusammen so dass Du hier sehr vorsichtig bist. Was auch richtig ist.

    Wie wäre es denn, wenn Du einen/Deinen Arzt erst mal einweihst und mit ihm über Deine Sucht sprichst? Sicher ist er/sie auch über Deine Angststörung informiert so dass er/sie das komplette Krankheitsbild abschätzen kann. Vielleicht besuchst Du parallel auch noch eine Suchtberatung um Dir von dort auch noch Infos zu holen. Je mehr Du weißt, desto besser ist das.

    Gemeinsam könnt ihr dann entscheiden was für Dich der richtige Weg ist. Und dann wirst Du das auch schaffen!

    Ich wünsche Dir alles alles Gute und einen guten Austausch hier im Forum.

    LG
    gerchla

    Ja Isebon, das ist wirklich eine besch..... Situation.

    Ich denke, dass Du einfach auf Dich schauen musst. Vielleicht kannst Du nochmal in Ruhe mit ihm reden. Deine Sicht der Dinge nochmal klar machen und auch klar und deutlich sagen, welche Konsequenzen zu ziehen wirst, wenn sich nichts ändert. Sollte es am Alkohol liegen, was ich eigentlich glaube, dann kann er sich überlegen, ob er ernsthaft versucht mit dem Trinken aufzuhören. Idealerweise spricht er mit seinem Arzt, geht zur Suchtberatung und legt dann zusammen mit diesen beiden das weitere Vorgehen fest. Der Arzt wird einschätzen können, ob er eine klinische Entgiftung braucht und zusammen mit der Suchtberatung wird er sicher auch über mögliche Therapien aufgeklärt werden. Das wäre ein Vorgehen, wo Du auch erkennen könntest, dass er es wirklich ernst meint.

    Die ganzen Lippenbekenntnisse und das gerede, er hätte gar kein Problem, daraus folgendes reduziertes Trinken seinerseit, etwaige Trinkpausen (womöglich mit den von Dir geschilderten Folgen), dass kannst Du nach meiner Erfahrung alles vergessen. Ich habe und hätte das Blaue vom Himmer runter versprochen, auch gelogen das sich die Balken biegen, nur um mein Alkileben irgendwie aufrecht erhalten zu können. Erst ganz am Schluss kam ich an den Punkt, wo ich wirklich von mir aus, von innen heraus, weg wollte vom Alkohol. Und dann hat's auch funktioniert.

    Ich glaube aber es ist auch wichtig für Dich zu wissen, dass Du nicht automatisch davon ausgehen kannst, nach einer erfolgreichen Therapie den Mann zurück zu haben, den Du vorher gekannt hast bzw. den Du Dir "wünscht". Ich bin heute ganz sicher nicht mehr derjenige, der ich vor meiner Trinkerzeit war. Natürlich bin ich ein ganzes Stück älter, habe ein ganzes Stück mehr Lebenserfahrung usw. Aber es ist einfach auch so, dass man beim Aufarbeiten der Sucht viele Grenzerfahrungen macht, sehr tief in die eigene Psyche geführt wird - ich spreche nur von mir, habe aber Ähnliches von anderen auch gespiegelt bekommen.

    Das führt dazu, dass man sich verändert. Muss ja auch sein, denn das ist ja das Ziel. Aber man dreht eben nicht die Zeit zurück. Es kann also schon sein, dass Du nach einer Therapie einen "neuen" Mann hättest - was aber ja auch nicht automatisch negativ sein muss.

    LG
    gerchla

    Hallo Isebon,

    Zitat

    Allerdings sagt mein Mann, dass er das nicht hat und es ihm überhaupt nicht schwer fällt nichts oder nur wenig zu trinken. Er hat mir auch gesagt, dass er nicht das Gefühl hat, irgendwie gereizt zu sein oder andere "Nebenwirkungen" verspürt.
    Entweder ist es wirklich so oder er merkt es selber nicht....

    Wenn dem so ist könnte ja einfach komplett verzichten. Einfach mal paar Wochen, besser Monate gar keinen Alkohol trinken.

    Und wenn das dann tatsächlich problemlos funktioniert, er vielleicht gar kein Alkoholiker ist und er trotzdem permanent gereizt ist. Tja, dann ist er wahrscheinlich grunsätzlich mit seinem Leben nicht sehr zufrieden, sonst wäre er ja entspannt unterwegs. Dann müsstet ihr wahrscheinlich andere Wege gehen, Paarberatung oder ähnliches...

    Meine Vermutung ist aber eine andere. Und aus eigener Erfahrung (siehe auch Greenfox und Dietmar): Mit Alk hat meine Umwelt einen deutlich entspannteren Menschen erlebt, einen Menschen, der (bei noch nicht zu hohem Level) alles ganz locker gesehen hat und immer so getan hat, als hätte er alles im Griff. Aufregen konnte mich da dann fast nichts. Wie gesagt, so war das in der Phase, wo ich zwar schon längst Alkoholiker war, aber noch nicht in Endphase (bereits morgentliches Trinken usw.). Am Schluss war dann gar nix mehr lustig.

    LG
    gerchla

    Hallo Isebon,

    herzlich Willkommen auch von mir.

    Ich möchte mich Greenfox anschließen und kann Dir auch aus eigener Erfahrung sagen, dass der fehlende Alkoholpegel durchaus für das Verhalten Deines Mannes verantwortlich sein kann. Ich war in diesem Zustand zwar nicht unbedingt aggressiv aber ich war permanent mit den Gedanken wo anders, also beim Alkohol. Dadurch ergaben sich viele Situationen, wo sich meine Frau gefragt hat, ob ich überhaupt noch am gemeinschaftlichen Leben teilhabe. Ich muss dazu sagen, dass ich heimlich trank. Sie konnte sich diese Phasen also auch nicht erklären. Bei Dir sieht das ja jetzt etwas anders aus, was Dir aber eigentlich auch nichts bringt, um es mal salopp auszudrücken.

    Wenn ich als Alkoholiker kontrolliert getrunken habe, dann hatte ich ein permanentes Gefühl der massiven Unzufriedenheit. Obwohl das schon mal eine Zeit lang funktioniert hat, war ich alles andere als glücklich damit. Denn ich war ja immer im Zwispalt zwischen "ich möchte eigentlich viel mehr Alkohol um mich wohl zu fühlen" und "nein ich darf nicht trinken weil...."
    Es war für mich dann tatsächlich einfacher, eine Zeit lang gar nichts zu trinken. Natürlich wurden diese Trinkpausen mit zunehmender Sucht immer kürzer und immer schwieriger zu realisieren und in den letzten Jahren vor meinem Ausstieg war ich gar nicht mehr in der Lage einen Tag ohne Alkohol zu überstehen. Und auch reduziertes Trinken war mir nicht mehr möglich. Immer so viel rein in den Hals bis ich mein Level hatte....

    Die Frage ist jetzt natürlich: Was machst Du jetzt mit dieser Erkenntnis? Es scheint mir ja schon so zu sein, dass Dein Mann sein Problem sieht und dass er Dir zuliebe auch dagegen ankämpft. Er versucht weniger zu trinken (offenbar mit den von Dir beschriebenen Folgen) weil er weiß, dass es Dich stört.

    Das wird auf Dauer aber zu nichts führen. Er wird nur wegkommen, wenn er von sich aus zur Erkenntniss kommt für SICH nicht mehr trinken zu wollen. Und wenn er nicht nur nichts mehr trinkt sondern auch die Gründe für seine Sucht aufarbeitet. Und gleichzeitig Strategien für sein neues, alkoholfreies Leben erlernt. Deshalb, wie Greenfox schon geschrieben hat, wäre eine Suchtberatung, wenn er dazu bereit wäre, schon mal ein guter Anfang. Den Hausarzt einweihen und mit diesem eine Lösung suchen ist auch nicht schlecht, oder auch beides.

    Entscheidend ist halt, ob er dazu bereit ist. Ansonsten bleibt Dir nur auf Dich selbst zu achten und entsprechende Konsequenzen zu ziehen. Darauf, dass sich das alles schon irgendwie geben wird, brauchst Du nicht hoffen. Die Sucht schreitet fort und es wird i. d. R. nur immer schlimmer.

    Alles Gute und einen guten Austausch hier im Forum wünsche ich Dir!

    LG
    gerchla

    Guten Morgen sweethoney,

    herzlich Willkommen bei uns im Forum.

    Ich bin männlich, Mitte 40, Alkoholiker und ein paar Jahre trocken.

    Das Trinkniveau Deiner Partners erinnert mich an meines damals - 11 Bier und auch noch Wein dazu, das war für mich eine normale Tagesration. Mal mehr, mal weniger. Ich war dann auch kurz davor auf härtere Sachen umzusteigen. Hab das immer wieder mal "probiert", hauptsächlich weil ich das Entsorgen der vielen Flaschen nicht mehr im Griff hatte. Kinder hatte ich damals auch 2 und ich war noch verheiratet, auch schon über 15 Jahre.

    Als ich trocken wurde kam sofort die Trennung von meiner Frau (und damit auch von meinen Kindern) und ich habe so die erste und ich denke schwierigste Phase meines Weges in ein abstinentes Leben mit dieser, für mich enormen, Belastung angetreten. Das ich meine Kinder nur noch 14 tägig sehen konnte, meine Rolle als Vater komlpett wegbrach, das war für mich unglaublich schlimm. Finanziell blieb mir das Minimum, das mir zustand. Der Rest ging als Unterhalt an meine Ex-Frau und meine Kinder. Ich hatte vorher von diesen Geschichten ja keine Ahnung und war erstaunt, wie wenig mir letztlich zum Leben noch blieb. Aber ich kam hin, denn relativ schnell habe ich bemerkt, dass meine neu gewonne Trockenheit das größte Geschenk ist, das ich mir machen konnte. Große Bedürfnisse darüber hinaus hatte ich gar keine mehr. Ich wollte nur Aufarbeiten und wieder richtig auf die Beine kommen. Und ich war mir sicher, dass ich, wenn ich es schaffe dauerhaft vom Alk wegzukommen auch wieder andere finanzielle Möglichkeiten haben werde.

    Ich empfand diese Zeit als sehr befreiend.. Jeden Tag ohne Alkohol empfand ich als Segen. Zu bemerken und zu spüren dass es nicht viel braucht um zufrieden zu sein war eine ganz neue Erfahrung. Ich wollte unbedingt weg vom Alkohol und ich wusste, dass ich einen schweren Weg vor mir habe und ich war bereit ihn zu gehen.

    Ich schreibe Dir das (wenn auch in der extrem kurzversion), weil Du Veständnis für das Trinken Deines Partners angedeutet hast. Ok, meine Eltern leben noch, aber selbst wenn diese in dieser Zeit verstorben wäre, hätte ich nicht wieder zu trinken begonnen. Da bin ich ganz sicher.

    Sicher, Schicksalsschläge und co. dienen oft zur Erklärung wieso jemand da hinein rutscht - das mag auch zum Teil stimmen. Eine Entschuldigung darf es aber nicht sein. Genügend Menschen haben ein schreckliches Schicksal und trinken nicht. Weil es übrigens auch gar nichts bringt sondern die Situation auf Dauer nur extrem verschlimmert. Wie Du jetzt selbst gerade erfährst.

    Noch ein paar Anmerkungen aus meiner persönlichen Erfahrung heraus:

    Zitat

    weil alles perfekt läuft bis auf den scheiß alkohol


    Die Sucht bleibt nicht stehen, sie entwickelt sich weiter. Kann ganz langsam sein, kann auch irgendwann schneller gehen. Alles wird sich dann immer nur um Alkohol drehen, falls es nicht heute schon so ist....

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    er trinkt nur bier und keine harten sachen.


    Habe ich auch gemacht. Hätte ich den Absprung nicht geschafft würde ich heute mit Sicherheit harte Sachen trinken (obwohl ich vorher ca. 15 Jahre nur "weiches" getrunken habe) oder ich wäre schon tot.

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    Und wurde noch nie aggresiv oder so er ist immer lieb und tut alles für mich geht arbeiten und hat sein geregeltes leben.


    War bei mir auch so. Ich wurde bis zum Schluss nicht aggressiv. Allerdings hat meine Ex-Frau mal zu mir gesagt, dass sie die psychischen Verletzungen, die ich ihr zugefügt habe letztlich als schlimmer empfunden hat als wenn ich sie physisch angegangen wäre. Vielleicht war das eine Aussage aus dem Schmerz heraus aber sie hat mich sehr nachdenklich gemacht und ich glaube das beides gleichermaßen schlimm ist. Ich kenne auch Geschichten von Alkoholikern, die erst in späteren Phasen ihrer Alkoholkarriere gewalttätig wurden. Damit meine ich, dass sich das jederzeit ändern kann aber das sich das nicht ändern muss. Ich finde es aber schlimm genug, wenn man über so etwas überhaupt nachdenken muss. Es sollte doch eine Selbstverständlichkeit sein, dass es in einer Beziehung keine Gewalt gibt - egal ob Alkohol im Spiel ist oder nicht.

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    Wir haben da rüber geredet er sagt auch er hat ein aklohol problem und gibt das auch offen zu das er das ändern möchte aber anfangen was zu ändern tut er nicht.

    Das ist nun vielleicht der wichtigste Punkt. Erkannt hat er schon, dass er ein Problem hat und er gibt es sogar offen zu. Oft bestreiten das die Betroffenen wehement, obwohl sie innerlich genau wissen was los ist. Aber scheinbar ist er noch nicht so weit sich wirklich Hilfe zu suchen. Die Frage ist, ob er irgendwann mal von sich aus bereit ist etwas zu tun.

    Du wirst ihn nicht vom trinken abbringen können, wenn er das nicht selbst will. Du musst für Dich entscheiden, wie weit Du Dein Leben mit einem Trinker teilen willst oder wann für Dich der Punkt gekommen ist zu sagen: Jetzt ist Schluss. Wenn er nichts unternimmt wird die Sucht weiter voran schreiten - Alkohol wird sein Leben dominieren (noch mehr als schon jetzt) und Du wirst immer die zweite Geige spielen. Gegen die Geliebte Alkohol hast Du keine Chance.

    Sollte er sich helfen lassen, dann kannst Du ihn natürlich unterstützen, für ihn da sein und ihn beim Weg in ein neues Leben begleiten. Das ist schwer genung, für ihn aber auch für Dich.
    Ich wünsche Euch, dass er einen Weg findet und seine Sucht bekämpft. Für Dich wäre es vielleicht auch eine Option mal eine SHG für Anghörige zu besuchen. Dort kannst Du Dich auch noch intensiv austauschen mit Menschen, die genau wissen wovon Du sprichst. Wie eben hier auch, nur eben persönlicher und nicht über eine Tastatur.

    Um Dir Mut zu machen noch kurz von mir: Ich habe es geschafft und jetzt habe ich eine neue Beziehung, eine gute Beziehung zu meiner Ex-Frau, sehe meine Kinder wann ich möchte und bin finanziell wieder sehr solide unterwegs. Ich konnte das nur schaffen, weil nicht mehr getrunken habe und nach und nach alles aufgearbeitet habe. Und das verlorene Vertrauen bei den Menschen in meiner Umgebung wieder zurück gewinnen konnte. Nicht zuletzt das meiner Ex-Frau, die vorher die Kinder natürlich nicht einem Alki in Obhut geben wollte (absolut nachvollziehbar finde ich).

    Achte auf Dich! Du bist für Dein Leben alleine verantwortlich - Er ist für SEIN Leben alleine verantwortlich.

    Alles alles Gute und einen guten Austausch hier im Forum wünsche ich Dir!

    LG
    gerchla

    Guten Morgen Pippilotta,

    herzlich Willkommen hier im Forum. Hier bist Du richtig!

    Lies Dich mal in Ruhe ein und stelle Deine Fragen, wenn Du welche hast. Meine Fragen an Dich wären (antworten natürlich nur wenn Du möchtest):

    Wie lange trinkst Du schon in diesem Muster? Wirst Du Dir auch außerhalb dieses Forum Hilfe suchen? Hast Du in der Vergangenheit schon mal ernsthaft versucht auzuhören?

    Ich wünsche Dir einen guten Austausch hier!

    LG
    gerchla

    Hallo Franstef,

    Zitat

    Ich bin sehr froh, das ich nicht mehr süchtig trinken muss.
    Ohne Alkohol lassen sich viele Probleme einfacher lösen.
    Und bewusster!

    Na, was haben wir gesagt? ;D ;D ;D

    Das freut mich sehr!!! Und vor allem auch, dass Du Deinen Kleinen sehen kannst wann Du willst. Ne neue Rolle als Papa aber deswegen keine Katastrophe. Schön, dass Ihr so klar kommt.

    Ansonsten: Gute Besserung - ich hoffe Deine Beine kommen schnell wieder in Ordnung!

    Bis bald mal

    LG
    gerchla

    Hallo Katanka,

    Erst mal noch herzlich Willkommen hier im Forum. Ich schreibe vom Tablet aus, deshalb bin ich etwas kurz angebunden.
    Du warst jetzt zwei Jahre trocken. Meine Frage: Warst Du "nur" trocken oder hast Du in dieser Zeit auch Dein Leben und Deine Sucht hinterfragt? Hast Du Strategien entwickelt wie Du Dein Leben weiter gestalten möchtest, wo Du hin willst, wer Du sein möchtest?

    Ich kann nur für mich sprechen. Dieses Aufarbeiten und umkrempeln meines alten Lebens waren bei mir sicher der Schlüssel zum Erfolg. Ich bin jetzt schon einige Jahre trocken und ich arbeite immer noch auf bzw. arbeite an mir. Ohne Stress aber mit viel Bewusstsein.

    Ich weiß nicht was Du bisher genau gemacht hast aber vielleicht wäre das ein Ansatzpunkt für Deine Zukunft. Dein Partner kann nur bedingt helfen in dem er Dir zu Seite steht.

    Ich wünsche Dir alles Gute und einen guten Austausch hier im Forum

    LG
    Gerchla

    Guten Morgen Marc,

    schön wieder von Dir zu hören. Und noch schöner nur Positives zu hören.

    Bleib' dran, Du hast schon sehr viel geschafft! Ich glaube die "heißeste" Phase hast Du bereits hinter Dir! Und nachdem Du dieses Mal nicht den Plan verfolgst irgendwann wieder kontrolliert trinken zu können oder zu dürfen, stehen Deine Chancen für eine wunderbare (da alkoholfreie) Zunkunft sehr gut.

    Bei mir sind nun schon einige Jahre ins Land gezogen. Einige Jahre komplett ohne Alkohol. Und es ist nicht so, dass ich das Thema "ich bin Alkoholiker" ständig im Kopf hätte oder mit mir herum schleppe.

    Zitat

    Dranbleiben heisst aber nicht, sich den ganzen Tag als Mantra vorzubrabbeln "Ich bin Alkoholiker, ich bin Alkoholiker ...". Einfach sich immer wieder Mal bewusst machen, warum man jetzt da steht, wo man ist, welche Lebensqualität man (wieder) gewonnen hat - und welches "Problem" einen an den Rand des Abgrunds gebracht hat.

    Dem habe ich nichts hinzu zu fügen. Genau so sehe ich es auch und so mache ich es auch. Und dieses bewusst machen wird bei mir oft quasi nebenher ausgelöst - ein eindeutig Alkoholkranker vor mir an der Supermarkkasse, jemand in der U-Bahn dessen Ausdünstungen mir fast die Luft nehmen, ein Mensch im Getränkemarkt der vier Kisten Bier und drei Flaschen Schnapps im Wägelchen vor sich her fährt, und und und.... Das sind bei mir oft die Momente, wo ich kurz, manchmal auch nur ganz kurz, zurück denke an meine Trinkerzeit um dann ewig dankbar mein jetziges Leben glücklich fortzusetzen.

    Alles Gute und lass mal wieder von Dir hören!

    LG
    gerchla

    Hallo Chloé,

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    Das Essen mit meiner Freundin war toll, wie immer. Hatte aber leider den Mut nicht, mit ihr über mein Problem zu sprechen.

    Wie Du selbst sagst: Aufgeschoben ist nicht aufgehoben - vielleicht solltet Ihr Euch mal unter 4 Augen sprechen, ohne mögliche Zuhörer. Ich habe mich meinem Freund gegenüber übrigens auch in einem Restaurant geoutet. Er hatte sich noch ganz entspannt ein Bier bestellt ;D
    Als ich dann die Katze aus dem Sack gelassen habe war ihm das ganz peinlich. Aber da kann er ja nix dafür. Und seither hat er nie mehr in meiner Gegenwart Alkohol getrunken, obwohl das für mich ok wäre, das habe ich ihm auch gesagt. Da er aber überhaupt kein Alkoholproblem hat kann er natürlich auch gut verzichten wenn wir zusammen sind. Und macht das auch.

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    Lustigerweise hat meine Freundin auch nicht nachgefragt warum, darüber war ich natürlich froh.

    Vielleicht hat sie ja ganz bewusst nicht gefragt. Vielleicht war sie froh, dass Du keinen Alkohol getrunken hast. Vielleicht ahnt oder weiß sie mehr als Du denkst.

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    Ich fand dann, ok du hast das ganze Wochenende (also eigentlich ja die ganze Woche) nichts getrunken, da kann ein kleiner Apéro ja nicht schaden. Er schadete und ich bin abgestürzt!

    Mal wieder ein Klassiker - Nee, nee, das funktioniert i. d. R. nicht mehr, wenn man erst mal abhängig ist. Und Du bist eben Alkoholikerin und deshalb langt so ein kleiner Apero um Dich zum Komplettabsturz zu führen. War bei mir nicht anders, nur dass ich keinen Apero getrunken habe.

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    Ist ja kein Weltuntergang, aber eine Herausforderung.

    Nein, es ist natürlich kein Weltuntergang und ja, es ist eine Herausforderung. Wenn ich Dir aus meinen Erfahrungen etwas sagen darf: Hake es nicht zu einfach ab denn dann wirst Du die Herausforderung nicht meistern können. Die Gefahr, dass man sich von Trinkpause zu Trinkpause schleppt und zwischendrin immer wieder mal abstürzt ist enorm hoch. Ich habe das jahrelang praktiziert, am Schluss habe ich dann aufgegeben und einfach gesoffen was rein ging. Ich wollte gar keine Pausen mehr machen.

    Ich will damit sagen, dass es meiner Meinung nach gut wäre, wenn Du genau überlegst was Du tun willst wenn Du wieder an so einem Punkt ankommst. So eine Situation wirst Du sicher (bald) wieder mal haben. Dein Job bleibt Dein Job, zumindest im Moment und auch sonst kann immer mal ein Einschlag kommen. Ich würde versuchen etwas anders zu machen als Du es sonst immer gemacht hast. Du hast ja mal geschrieben, dass Du eine Suchtberatung aufsuchen möchtest, aber noch Zeit brauchst. Vielleicht wäre es eine Idee, dass angzugehen.

    Ich versuche ja immer nur auf meine eigenen Erfahrungen zurück zu greifen. Und da kann ich sagen: Es hat erst funktioniert, als ich es anders gemacht habe als die vielen Male vorher.

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    Ich werde mich auf keinen Fall outen! Sie werden bestimmt fragen stellen, mal sehen was ich dann erzähle.

    Das Portfolio der plausiblen Ausreden ist groß. Da wirst sicher was finden. Wenn Du Dich aber erst mal zu Deiner Krankheit bekannt hast, brauchst Du über sowas gar nicht mehr nachdenken. Es lebt sich wesentlich freier, druckfreier, nach dem Outing. Aber natürlich kenne ich Deine familiäre Situation nicht und der Geburtstag Deines Bruder mag dafür durchaus nicht der geeignete Zeitpunkt sein.

    Alles Gute weiterhin und einen alkoholfreie Geburtstagsfeier wünsche ich Dir!

    LG
    gerchla