Beiträge von Gerchla

    Hallo Sunny,

    herzlich Willkommen hier im Forum.

    Ich stelle mich mal kurz vor: Ich bin Anfang 50, Alkoholiker und trinke jetzt schon lange keinen Alkohol mehr. Davor trank ich über 10 Jahre abhängig, die meiste Zeit davon heimlich. Ich hatte Familie (2 Kinder) und funktionierte bis zum Schluss.

    Ich habe mir jetzt wirklich lange überlegt, ob ich Dir überhaupt schreiben soll. Ich habe mir überlegt, ob ein 50-jähriger eine 25-jährige mit seinen Erfahrungen und seinen "Lebensweisheiten" überhaupt erreichen kann. Ob Dir das, was ich Dir schreiben möchte, überhaupt etwas helfen kann oder ob das alles nicht viel zu altklug herüber kommt.

    Ich habe dann unterschiedliche Gedanken gewälzt, u. a. dachte ich daran, dass mein Sohn genauso alt ist wie Du und dass ich mit ihm ja auch "ganz normal" rede und diskutiere (Du merkst also, nicht nur Du hast Dir Gedanken über Dein Alter gemacht sondern auch ich mir über meines ;) ).

    Und deshalb habe ich mich entschieden, Dir jetzt einfach mal meine Gedanken schreiben. Vielleicht kannst Du da etwas für Dich mitnehmen.

    Erst mal möchte ich Dir sagen, dass ich es sehr gut finde, dass Du Dir diese Gedanken über Deinen Alkoholkonsum machst. Was Du von Dir beschreibst deutet auf jeden Fall auf ein großes Problem hin. Es scheint, als ob Du über den "Status" des Alkoholmissbrauchs bereits hinaus bist und schon in der Sucht hängst.

    Und wenn Du mal auf Deine bisherigen Erfahrungen mit dem Zeug zurück blickst, wie Du z. B. auch bereits die Menge gesteigert hast, dann kannst Du Dir in etwa vorstellen, wie die Geschichte weiter gehen wird, wenn Du aus dieser Spirale nicht austeigen kannst. Ich kenne niemanden, wo es mit der Zeit besser wurde. Bei dieser Sucht ist es oft so, dass "man" sie relativ lange relativ gut "aushalten" bzw. sich schönreden kann. Ich will damit sagen, dass die allermeisten Alkoholiker zu den funktionierenden Alkoholikern gehören. Das sind jene, denen man das erst mal gar nicht ansieht.

    Bei dem Begriff Alkoholiker hat man ja oft sofort den Penner auf der Parkbank mit der Pulle in der Hand im Kopf. Aber das stimmt eben so nicht. Die meisten haben von außen betrachtet "ein ganz normales" Leben. Ich schreibe Dir das so ausführlich, weil Du davon geschrieben hast, dass Du in der Arbeit nicht trinkst und dort erfolgreich Deine Frau stehst. Das habe ich auch getan, das habe ich auch noch mit täglich 10 Bier getan. Das habe ich auch noch getan, als ich bereits morgens auf dem Weg in die Arbeit mit dem Trinken begonnen habe. Ich habe bis zum Schluss funktioniert.

    Was aber absolut nichts damit zu hat, dass es mir damit auch gut gegangen wäre. Denn das genau Gegenteil war der Fall. Die Sucht hatte mich derart im Griff, dass es mir zunehmend schwerer fiel, all das andere zu bewältigen. Als erstes gingen sozusagen meine sozialen Kontakte den Bach runter, weil ich die Zeit zum Trinken brauchte. Parallel dazu wurde meine Ehe immer kaputter, auch wenn meine Frau nicht wusste warum das so war. Der Job war sozusagen das, was am längsten relativ problemlos funktionierte. Auch wenn ich dann in den letzten Jahren meiner Sucht auch während der Arbeit (bzw. schon vor der Arbeit) trank. Aber ich hatte einen derart guten Stellenwert und mein Aufgabengebiet auch (routinemäßig) gut im Griff, dass ich hier meine Scheinwelt aufrecht erhalten konnte. Jedoch wäre auch dieses Kartenhaus bald zusammen gefallen, hätte ich den Absprung nicht geschafft.

    Du siehst vielleicht, je früher Du von dem Zeug weg kommst, desto länger hast Du etwas von Deinem Leben. Also vom eigentlichen Leben, nicht von dem durch Alkohol manipulierten und somit gar nicht wirklich vorhandenen. Auch wenn das anfangs ganz nett sein kann, seine Welt ab und zu mal zu manipulieren, so kehrt es sich doch in dem Moment ins Gegenteil, wenn man süchtig ist. Und plötzlich trinken muss, auch wenn man eigentlich nicht mehr möchte. Und an diesem Punkt bist Du wohl angekommen.

    Aus meiner Sicht geht es nun erst mal darum nicht mehr zu trinken. Aber wie Du ja vielleicht bereits bei oder nach Deiner zweimonatigen Pause festgestellt hast, reicht da alleine bei weitem nicht aus um dauerhaft von dem Zeug weg zu kommen. Meine längstge Trinkpause betrug überigens fast ein Jahr, da war ich Anfang 30 und bereits süchtig. Wenn auch auf einem, für meine späteren Verhältnisse, niedrigem Niveau. Aber das ist egal, süchtig ist süchtig. Ein lächerliches Biermischgetränk, EIN EINZIGES, brachte mich nach fast einem Jahr ohne Alkohol wieder zurück in die Spur. So schnell hab ich gar nicht schauen können.

    Was also ganz wichtig ist, neben dem erst mal nichts mehr trinken, ist ein Plan für Dich und letztlich dann für Dein Leben. Es fällt mir nicht einfach, so ein Zeugs einem so jungen Menschen wie Dir zu schreiben. Denn das kommt sicher sehr spießig rüber. Schließlich willst Du sicher noch was erleben, willst Spaß haben, auch mal mit Freunden um die Häuser ziehen, etc. Ich wollte das jedenfalls in diesem Alter.

    Ich möchte Dir sagen, dass Du das trotzdem kannst. Wenn ich heute zurück denke, dann hatte ich in meinem Freundes- und Bekanntenkreis gar nicht so wenige Menschen die nichts tranken und trotzdem mit uns unterwegs waren, und natürlich auch trotzdem gut drauf waren. Das war auch nie ein Problem, erst später, als ich da langsam rein gerutscht bin, habe ich mich lieber mit Leuten umgeben, die auch was tranken. Weil ich da dann weniger auffiel. Wobei diese Phase bei mir nur kurz war, ich glitt relativ schnell in die heimliche Trinkerei ab.

    Was ich sagen möchte: Versuch Dir darüber klar zu werden, warum Du den Alkohol missbraucht hast. Was er Dir gegeben hat, warum Du ihn eingesetzt hast. Versuche dabei mehr zu ergründen als nur "oberflächliche" Gründe, versuche tiefer zu schauen, ob da irgendwas ist, was grundsätzlich angegangen werden sollte, was verändert werden sollte. Sowas ist nicht ganz einfach und hier ist es nicht das Schlechteste, wenn Du Dir dazu Hilfe von außen holst.

    Wenn Du es schaffst mit Dir und Deinem Leben zufrieden zu sein, wenn Du vor allem mit Dir selbst komplett im Reinen bist, dann verliert der Alkohol seine Bedeutung. Denn eingesetzt hast Du ihn, weil Du etwas verändern wolltest. Was auch immer das letztlich war. Wenn Du aber zufrieden bist, wenn Du klar bist, wenn Du weißt wer Du bist und wer Du sein möchtest und das entweder bereits erreicht hast oder Dich auf den Weg dorthin auf gemacht hast und diesen Prozess bewusst lebst, dann gibt es keinen Grund mehr das Zeug zu konsumieren.

    Du wirst, wenn Du Dich länger mit dem Thema Alkoholsucht beschäftigst, sicher immer wieder auf den Begriff der zufriedenen Abstinenz stossen. Was bedeutet, dass man damit zufrieden ist, keinen Alkohol zu trinken und ihn nicht vermisst. Hat man das erreicht, ist man sozusagen maximal vor Rückfällen geschützt. Wie das funktioniert muss jeder selbst heraus finden und es gibt wie überall sicher unterschiedliche Wege. Meine Sichtweise habe ich Dir weiter oben versucht darzulegen.

    Vielleicht noch ein Gedanke: Für mich ist mein Leben ohne Alkohol auch soetwas wie eine Lebenseinstellung. Ich lebe bewusst und ich lebe bewusst ohne Alkohol. Und wenn mir heute jemand sagen würde, es gibt ne Pille, die mein Suchtgedächtnis löschen könnte und ich könnte dann wieder ganz normal Alkoholkonsumieren, wie jeder andere Mensch ohne Suchtproblematik auch, dann hätte das für mich keine Bedeutung. Ich sage das jetzt wirklich ganz selbstbewusst weil ich es genau so empfinde. Ich möchte gar keinen Alkohol mehr trinken, selbst dann nicht, wenn ich es tatsächlich gefahrlos wieder könnte. Denn mein Leben ist so wie es ist genau richtig. Ich vermisse nichts, schon gar nicht die Wirkung des Alkohols.

    Diese Lebenseinstellung ist vielleicht auch ein wenig vergleichbar mit z. B. einem Vegetarier. Der isst kein Fleisch und vermisst idealerweise auch nichts. Er /oder sie, lebt aus Überzeugung so, weil er/sie das möchte. So sehe ich das heute in Bezug auf Alkohol bei mir auch. Es war aber ein langer Prozess, bei dem ich mich sehr viel mit mir und meinem Leben, meinen Zielen, etc. auseinander gesetzt habe. Das hat mir sehr geholfen heraus zu finden, worauf es (für mich) eigentlich ankommt im Leben.

    So, jetzt wurde es doch wieder sehr pathetisch und ich habe keine Ahnung ob Du damit überhaupt irgendwas anfangen kannst.

    Mach Dir einen Plan, hol Dir alle Hilfe die Du bekommen kannst und schaue, dass Du unbedingt von dem Zeug weg kommst. Dauerhaft. Ansonsten verschenkst Du Dein Leben.

    Alles Gute für Dich und einen guten Austausch hier im Forum wünsche ich Dir.

    LG
    gerchla

    @ichso

    STS ist eine österreichische Band. Bekanntester Hit war "Fürstenfeld", soweit mir bekannt. Wenn es Dich interessiert, dann googel einfach mal danach. Und die hatten eben auch ein Lied das "Großvater" hieß. Dieses Lied finde ich sehr ergreifend, wenn ich ehrlich bin. Und die singen mir aus der Seele. Bei Interesse: ist bestimmt frei auf YouTube verfügbar, wenn Du nach STS und Großvater suchst.

    LG
    gerhard

    Guten Morgen Britt,

    ich versuche das für mich so zu regeln, dass ich mich auf viele Dinge erst gar nicht einlasse. Nicht weil ich keine Meinung dazu hätte, sondern weil ich keinen Sinn darin sehe. Und nicht darauf einlassen bedeutet dann für mich, dass diese Dinge zwar wahr nehme (z. B. irgendwelche Diskussionen hier im Forum um mal beim Forum zu bleiben), ich auch kurz darüber nachdenke (das passiert wahrscheinlich automatisch) was ich davon halte, es dann aber für nicht relevant einstufe.

    Nicht relevant bedeutet dann, dass ich mich damit nicht beschäftigen möchte, nichts dazu schreiben möchte, etc. Warum das so ist, kann unterschiedliche Gründe haben. Der häufigste ist wahrscheinlich der, dass ich mir denke, dass es andere Betroffene nicht weiter bringen würde, wenn ich da jetzt auch noch meine Meinung zu schreibe. Oft "gleiten" diese Diskussionen dann so ab, dass ich gar nicht mehr weiß, worum es ursprünglich eigentlich gegangen ist, vielleicht auch, weil es mich im Grunde dann auch gar nicht mehr interessiert.

    Ich versuche mich dann immer daran zu erinnern, warum ich eigentlich hier aktiv bin. Und ich bin hier aktiv, um anderen Betroffenen, Hilfesuchendenen, von mir, meiner Geschichte und meinen Erfahrungen zu erzählen. Damit diese dann etwas damit anfangen können (im Idealfall).

    Die Meinungen anderer lasse ich sehr gerne auch einfach als deren Meinung stehen. Ich spüre nicht den Drang, unbedingt etwas richtig stellen zu wollen oder zu müssen. Es sein denn, ich wurde direkt angesprochen, was aber selten vorkommt, weil ich die Dinge ja meist stehen lasse.

    Das war bei mir nicht immer so. Früher hätte ich mich mit Freude in Diskussionen und auch Außeinandersetzungen gestürzt. Das hat sich bei mir verändert, ich will nur noch das tun, was mir selbst gut tut. Zumindest in den Bereichen, wo ich es selbst in der Hand habe. Es gibt ja genügend Bereiche im täglichen Leben (Berufsleben z. B.) wo das nicht der Fall ist, wo man es nicht in der Hand hat.

    Es gibt ein Lied von STS ("Großvater"), da geht es an einer Stelle um einen Mann, der wohl eine Frau hatte, die ihm ständig die "Ohren vollgejammert" hat und ihm immer gesagt hat, was er zu tun hat und zu lassen hat. Darauf angesprochen antwortet dieser Mann (sinngemäß): "Ich hab sie lieb, ich muss nicht immer alles hören was sie sagt". Und so halte ich es auch, ich muss auch nicht immer alles hören, schon gar nicht immer alles auf mich beziehen, ich kann es auch einfach vorbei ziehen lassen.

    LG
    gerchla

    Hallo Miho,

    herzlich Willkommen hier im Forum.

    Ich stelle mich mal kurz vor: ich bin Anfang 50, Alkoholiker und trinke jetzt schon lange keinen Alkohol mehr. Davor trank ich über 10 Jahre abhängig, die meiste Zeit davon heimlich. Ich hatte Familie (2 Kinder) und funktionierte bis zum Schluss.

    Ich habe mir bei Deiner Geschichte, oder ich sage mal besser, bei Deiner Frage an uns, spontan gedacht, warum das für Dich jetzt noch so wichtig ist.

    Du stellst ja nun sozusagen die Frage, ob das was Du damals getan hast, also das Vortäuschen einer Suizidabsicht, moralisch gerechtfertigt war/ist. Ich schreibe das nur nochmal so, weil ich sicher sein möchte, dass ich das auch richtig verstanden habe. Darum geht es Dir doch, oder?

    Ich finde es sehr spannend, dass Du Dir diese Frage stellst und dass Du sie offenbar an dem einen Tag für Dich selbst so, und am anderen Tag wieder anders bewertest. Warum tust Du das? Was bringt es Dir, wenn ich Dir schreibe: Alles gut, absolut gerechtfertigt, Deine Vorgehensweise. Oder wenn ich Dir genau das Gegenteil schreibe? Ich würde es unheimlich spannend finden zu wissen, warum Dir die Meinung der Forumsteilnehmer hier so wichtig ist.

    So, jetzt aber zu meiner Meinung, was ja das Eigentliche ist, was Dich hier interessiert.

    Ich kann da nur auf meine eigenen Erfahrungen zurück greifen. Und da muss ich (leider) sagen, dass ich als trinkender Alkoholiker der größte Lügner und Betrüger war, der mir jemals untergekommen ist. Es gehörte zu meinen typischen Eigenschaften immer dann zu lügen, wenn ich glaubte damit das erreichen zu können, was ich wollte.

    Da ich nun auch schon ein paar Jahre mit anderen ehemaligen Alkoholikern kommuniziere durfte ich feststellen, dass ich zwar jemand war, der es in der Liga der Lügner zur Meisterschaft hätte bringen können, es sich bei mir jedoch keinesfalls um eine Ausnahme handelte. Die meisten Betroffenen berichteten mir, dass sie natürlich ständig logen und ständig versuchten zu manipulieren, um eben die jeweiligen Ziele zu erreichen.

    Und wenn Du jetzt mal (gnädig) auf Dich selbst zurück blickst, dann warst Du in Deiner aktiven Trinkerzeit sicher auch einer von denen gewesen sein, die eben (suchtbedingt) gelogen und manipuliert haben. Einiges davon lässt sich ja auch aus Deinem Post heraus lesen und es ist auch alles recht "typisch" für diese Krankheit. Nichts anderes hast Du also in dieser Situation damals auch getan. Du wolltest unbedingt in diese Klinik und deshalb hast Du diese Geschichte erzählt. Die Verhaltensweise eines aktiv trinkenden Alkoholikers.

    Aber vielleicht hilft es Dir ja auch, wenn Du mal anders auf die ganze Sache blickst. Ich meine, Du lebst jetzt zwei Jahre ohne Alkohol. Was ich übrigens als ganz toll empfinde und wo ich Dir hier auch mal meinen Glückwunssch aussprechen möchte. Man kann also sagen, Du hast die "kritischen" ersten beiden Jahre hinter Dir und lebst dauerhaft ohne Alkohol.

    Möglicherweise hat genau diese Erfahrung, also das Einfahren in die Geschlossene, einen entscheidenden Anteil daran, dass es so ist. Vielleicht wärst Du heute nicht da wo Du bist, wenn Du damals in dieser Klinik aufgenommen worden wärst oder gar warten hättest müssen. Ich weiß, das ist alles Spekulation. Aber am Ende zählt doch einfach nur, dass Du es geschafft hast dauerhaft vom Alkohol weg zu kommen. Das ist entscheidend, sonst erst mal nichts.

    Ich will das nicht bagatellisieren, weil ich vermute, dass da bei Dir einiges dahinter steckt. Nicht umsonst wirst Du diese Frage hier stellen und erhoffst Dir vielleicht auch Antworten in eine bestimmte Richtung gehen.Es wird einen Grund geben, weshalb Du Dir die Mühe machst Dich hier anzumelden um Antwort auf diese Frage zu erhalten. Diesbezüglich habe ich Dir ja weiter oben in meinem Post schon ein paar Fragen gestellt. Aber ich möchte Dir auch sagen, dass es auch bei mir so war, dass ich mir, nachdem ich aufgehört hatte mit dem Trinken, viele Fragen gestellt habe. Und dass bei mir (ich trennte mich nach meinen Ausstieg von meiner Frau und somit quasi auch von meinen Kindern) ganz viele Schuldfragen aufploppten.

    Ich merkte natürlich erst im längeren nüchternen Zustand, was ich da eigentlich angerichtet hatte. Ich merkte mit Fortschreiten meiner Abstinenz erst mal so richtig, was ich meinen Kindern und meiner Frau eigentlich angetan hatte. Und bekam diese Schuld bei jedem Treffen mit meinen Kindern oder auch meiner Frau wieder vor Augen geführt. Es war zentral wichtig für mich und für ein Gelingen meines weiteren Lebens, dass ich diese Schuldbelastung für mich löste. Dazu brauchte ich Hilfe von außen.

    Mit dieser Hilfe schaffte ich es, meine Schuld, meine schuldbehaftete (und lügenverseuchte) Trinkervergangenheit als Teil meines Lebens zu akzeptieren. Als wichtigen Teil meines Lebens. Als einen Teil, der es mir heute ermöglich von diesen negativen Erfahrungen zu profitieren, es heute besser zu machen, es anders zu machen um heute der Mensch sein oder werden zu können, der ich gerne sein möchte. Und so verurteile ich mich heute nicht mehr für das was ich getan habe, ohne es jedoch dadurch verharmlosen oder gar leugnen zu wollen. Ich sagen auch nicht: das war nicht ich, da war der Alkohol dran schuld. Nein, ich war es und ich war/bin verantwortlich. Aber ich bin heute nicht mehr der Mensch von damals und ich setze heute alles daran derjenige zu sein, der ich gerne sein möchte. Meine Vergangenheit hilft mir dabei.

    Nun, vielleicht habe ich aus einer Mücke einen Elefanten gemacht. Und Du hast hier einfach nur mal so eine Frage ins Forum geworfen und das alles hat gar nicht die Dimensionen, die ich da jetzt hinein interpretiert habe. Vielleicht kannst Du ja aber in diesem Fall trotzdem was für Dich mitnehmen.

    Alles Gute für Dich und einen guten Austausch hier im Forum wünsche ich Dir.

    LG
    gerchla

    Liebe Dagny,

    es ist sehr schön von Dir zu lesen. Es ist wunderbar zu lesen, dass Du auf Deinem Weg geblieben bist und ihn immer weiter gehst. Und, wenn ich Dich richtig lese, diesen Weg auch bewusst für Dich gestaltest.

    Super, dass Du das auch hier teilst und damit anderen, die noch am Anfang stehen zeigst, dass man diese Sucht überwinden kann und dass es ein Prozess ist, der sich wirklich lohnt.

    Alles Liebe und Gute weiterhin wünsche ich Dir. Wenn es Deine Zeit zu lässt, dann lass ab und an mal was von Dir hören.

    LG
    gerchla

    Hallo Heimweh,

    ich will mal versuchen, Dir meine Gedanken zu schildern. Erst mal möchte ich Dir sagen, dass ich die gleichen Gedanken habe, wie sie auch Risu Dir gegenüber schon geäußert hat. Ich stelle mir nämlich ernsthaft die Frage, ob er überhaupt eine Therapie macht. Wie ich mir auch schon die ganze Zeit (ich schrieb es ja schon früher) die Frage stelle, ob er überhaut mit dem Trinken aufgehört hat.

    Du stellt ja im Grunde die Frage, welche Therapieform (ambulant vs. stationär) die "bessere" ist. Oder ob beide gleichwertig sind. Nun könnte ich Dir antworten, dass ich dazu nichts sagen kann, weil ich beide Formen selbst nicht in Anspruch genommen habe. Jedoch habe ich mittlerweile mit ganz vielen Menschen gesprochen, die entweder die eine oder die andere Form durchlaufen haben. Nicht wenige sogar beide Formen.

    Und ich will Dir sagen, dass ich zu der Erkenntnis kam, dass es hier kein "besser" oder "schlechter" gibt sondern das die Art der Therapie zum Patienten passen sollte. Viel wichtiger ist aber noch, dass der Patient eine Therapie überhaupt machen möchte. Ob die Therapie nun ambulant oder stationär statt findet hat oft auch etwas mit den jeweiligen Lebensumständen und manchmal auch ganz praktischen Aspekten zu tun. Und einen Platz muss man auch noch bekommen.

    Viel wichtiger ist, dass derjenige, der eine Therapie macht, diese auch machen möchte, einen Sinn darin sieht und mitarbeitet. Ob eine Therapie Erfolg hat oder nicht, hängt nicht unbedingt von der Form ab sondern davon, ob der Patient verstanden hat, dass er dort "nur" Hilfe zur Selbsthilfe bekommt. Nicht der Therapeut ist für das Leben des Patienten verantwortlich sondern der Patient selbst ist es. Der Therapeut kann "nur" dabei helfen und unterstützen, dass der Patient lernt, diese Verantwortung auch wieder allumfänglich wahr zu nehmen. Das muss der Patient aber auch wollen. Im Klartext: Wenn ein Trinker nur deshalb eine Therapie macht, dass er halt eine macht oder weil man das von ihm verlangt hat, dann wird sie aller Voraussicht nicht erfolgreich sein (ab und an ändert sich während der Therapie die Einstellung des Trinkers, jedoch oft eben auch nicht).

    Ein Therapeut macht hier nichts anderes als seinen Job. Und sein Job ist es hier, den (idealerweise willigen) Patienent das Rüstzeug für ein Leben ohne Alkohol mit zugeben. Verantwortlich für die erfolgreiche Umsetzung ist dann aber jeder Betroffene selbst.

    Es ist müßig über all das zu diskutieren. Denn all das hilft DIR keinen Millimeter weiter. Und so möchte ich das aufgreifen, was ichso Dir ebenfalls schon geschrieben hat: Schau bei DIR bitte mal ganz genau hin und beschäftige Dich mal mit dem Thema Co-Abhängigkeit.

    Das ist eine ernstzunehmende Krankheit und ich stelle mir jetzt schon die Frage, inwieweit Du davon betroffen sein könntest. Denn was hier bei Dir gerade passiert ist ja nichts anderes, als dass Du mit Deinen Gedanken sehr stark bei ihm bist.

    Und da stellt sich mir natürlich die Frage, warum das (schon wieder/noch immer) so ist. Was hilft es Dir, wenn wir Dir all Deine Fragen beantworten? Was würde es Dir bringen, wenn Dir hier jemand schreibt, dass er der Meinung ist, dass eine ambulante Therapie nicht so viel bringt wie eine stationäre, oder umgekehrt. Was würdest Du mit so einer Aussage dann anfangen? Hoffnung schöpfen? Wenn ja, Hoffnung auf was?

    Weißt Du, dass erinnert mich jetzt auch an die Geschichte, dass Du NACH Eurer Trennung noch klären wolltest, wieso weshalb warum. Das ist ähnlich und auch hier stellte ich mir die Frage: was soll das denn dann bitte noch bringen, wozu soll das noch gut sein?

    Und jetzt ist es für mich ein ähnliches Muster. Du willst oder kannst nicht los lassen.

    Warum stellst Du ihn nicht einfach ein Ultimatum? Wenn die Sachen bis xx nicht abgeholt sind, dann wandern sie in den Müll. Punkt. Hat meine Ex-Frau übrigens genau so gemacht. Denn Schlüssel steckst Du in die Post, Einschreiber, und schickst ihm. Ende Gelände.

    Das kannst Du nicht, oder? Du hoffst darauf, dass er kommt, dass er ihn persönlich abholt, dass er sein Zeug persönlich abholt und Du ihn dabei sehen und sprechen kannst. Vielleicht, ja vielleicht hat sich bei ihm ja was verändert, vielleicht gibt es ja doch noch Hoffnung..... Sind das Deine Gedanken? Bitte verstehe mich nicht falsch, ich will Dich keinesfalls mit diesen Zeilen angreifen. Es sind nur meine Gedanken und ich möchte Dich dazu animieren, selbst genau darüber nachzudenken. Und wenn es so ist, zu überlegen, was das eigentlich für Dich bedeutet. Hier möchte ich wieder die von ichso bereits erwähnte Co-Abhängigkeit in Dein Gedächtnis bringen.

    Auch was die Frage nach den Launen eines trockenen Alkoholikers betrifft. Auch hier hat ichso eine für mich sehr zutreffende Antwort gegeben. Jeder ist anders, egal ob trockener Alkoholiker oder lebenslanger Abstinenzler der niemals auch nur einen Tropfen Alkohol getrunken hat. Ich selbst meine von mir sagen zu können, dass ich gar keine Launen hatte, eher einfach nur Phasen wo es mir besser oder schlechter ging. Wie übrigens bei jedem anderen Menschen auch. Ich kenne aber auch welche, die mir erzählt haben, dass sie teilweise unausstehlich waren und sich selbst nicht leiden konnte. Alle jedoch haben dann dagegen etwas unternommen. Z. B. mit durch Sport einen Ausgleich gesucht oder ein Hobby aufgenommen, etc.

    Dein (Ex)Partner, was macht der eigentlich? Du weißt es nicht, er hält Dich komplett aus seinem Leben heraus. Er macht das, was Du eigentlich tun solltest aber nicht willst (oder eher nicht kannst): Er grenzt sich ab! Und sagt: Mein Leben, meine Verantwortung, ich tue was ich will! Und was sagst Du? Du sagst: Sein Leben, ich will sein Leben / Handeln / etc. verstehen, ich will Antworten, ich fühle mich verantwortlich....

    Das lese ich aus Deinen Zeilen heraus. Ich empfinde das als nicht gut, als gar nicht gut. Nicht gut für DICH, nicht für ihn. Er macht ja sein Ding....

    Und so hängt Dein Leben, Deine Gefühle und Dein Wohlbefinden immernoch von ihm ab. Deine Gedanken drehen sich immernoch um ihn und Du bist noch lange nicht frei, Dich wieder um DICH selbst und um DEINE Belange zu kümmern. Und am Ende, so glaube ich, hoffst Du immernoch, dass er vielleicht doch noch die Kurve bekommt und es einen Neuanfang für Euch geben könnte.

    Nun, ich kann (und wollte Dir auch gar nicht) verbieten das zu denken oder zu hoffen. Von außen drauf geschaut sieht es aber einfach nur so aus, als ob Du hier ein riesengroßes Problem hättest, mit Dir und Deinem Selbstwert. Auch wenn Du vielleicht denkst, er hätte ein Problem und Du würdest ja eigentlich nur helfen wollen.

    Das Problem hast (jetzt) Du, weil Du nicht mehr in der Lage bist zu erkennen, was für Dich und Dein Leben gut und wichtig ist. Und weil Du Dein Leben von seinem Verhalten abhängig machst.

    Liebe Heimweh, ich will Dir das jetzt mal so schreiben. Nicht um Dich anzugreifen sondern ausschließlich um Dir Denkanstösse zu liefern. Wenn Du das alles ganz anders siehst, ich mich irren sollte, dann ist es so. Auch gut, es wäre sogar sehr gut).

    Ansonsten wünsche ich Dir einfach nur, dass Du zu DIR und DEINEM Leben zurück findest und Dich in Deinen Fokus rückst. Und ihn ziehen lässt, dorthin wo er hin möchte.

    LG
    gerchla

    Hallo Heimweh,

    ich möchte Dir, nachdem ich Deine emotionalen Zeilen jetzt mehrmals gelesen habe, meine Gedanken dazu mitteilen. Ich tue das als Außenstehender und weiß, dass ich mich deshalb recht leicht rede. Aber wenn ich wirklich neutral auf das blicke was Du berichtest, dann muss ich einfach immer wieder den Kopf schütteln. Nicht deshalb, um damit zu signalisieren wie naiv Du bist (denn das wäre vermessen) sondern weil mich sein Verhalten einfach immer wieder an meine Trinkerzeit erinnert. Sein ganzes Verhalten erinnert mich an das Verhalten eines aktiv trinkenden Alkoholikers. Und sollte er tatsächlich nicht trinken, dann ist er zumindest im Kopf noch vollkommen nass. Oder aber es sind sein grundsätzlichen Charakterzüge, die man hier wahrnehmen kann, was die ganze Sache im Grunde ja noch schlimmer machen würde. Damit wäre ja sozusagen jede Hoffnung auf Veränderung erst mal erledigt.

    Aber ich will mal versuchen auf einzelne Punkte einzugehen:

    Zitat

    Seine Aussage, ich weiß jetzt sagte er, dass ich nie wieder trinken möchte und die Therapie mache ich eben dann ...nach Corona.
    Ich dachte er vera...... mich und hält mich für blöd.


    Diese Gedanken von Dir empfinde ich als absolut berechtigt. Wenn ein Alkoholiker davon spricht nicht mehr trinken zu wollen, dann braucht man darauf nichts geben. Es zählen nur Taten, sonst nichts.

    Zitat

    Ich hatte aber in der Zwischenzeit der Trennung Kontakt zu einem anderen Kollegen, der aus berufl. Sicht mit ihm im engen Kontakt bleiben musste.
    Er schrieb mir, dass mein Partner Plätze sucht und auch wegkommt.
    Dann hieß es, nein die Therapie in einer Klinik sei falsch notiert.
    Da er mich in der Trennungsphase immer versucht hatte aufzusuchen, ich nenne es stalken, habe ich irgendwann beschlossen nachzufragen, was er will.


    Nun ja, hört sich für mich erst mal verwirrend an. Wie, die Therapie wurde falsch notiert? Und wieviel kann ein Arbeitskollege eigentlich wissen? Auch wenn er noch so eng mit ihm zusammen arbeitet. Meine engsten Arbeitskollgen wussten vor mir nur das was ich wollte das sie wissen. Ansonsten haben sie mir JEDE meiner Lügen abgenommen. Bis zum Schluss. Alkoholiker sind nun mal einfach die besten Lügner die Du auf dieser Welt finden kannst.

    An dieser Stelle wäre es besser gewesen, wenn Du nicht nachgefragt hättest. Davon bin ich überzeugt. Und ihm einfach sein Leben selbst hättest leben lassen. Jetzt ist es natürlich quatsch im Nachhinein darüber zu diskutieren, jedoch kann es eine wichtige Erfahrung für Deine zukünftigen Entscheidungen sein.

    Zitat

    Ich war so wütend über alles. So veras.... fühlte ich mich. :-[ Heute noch..
    Das ist auch der Grund gewesen, warum ich Kontakt aufgenommen hatte, das zu der Frage.....heute ist die Wut noch größer und ich habe starke Weinphasen, weil ich immer noch manipuliert werden von ihm. Hatte das in den letzten Wochen schon wieder nicht wirklich gemerkt. Ich dachte er braucht vielleicht mehr Zeit....
    Doch nach drei Monaten spazieren gehen, so die Aussage meiner Beratungsstelle, hat er mich hingehalten...ich habe mich hinhalten lassen... nixweiss0
    Ich mag es selber nicht unter Druck gesetzt zu werden und deshalb habe ich weiten Grenzen... :-[ Nicht gut ..ich weiß und lerne es.

    So fühlt es sich an....Wut, Verzweiflung....traurig sein.


    So ganz verstehe ich den Inhalt dieser Zeilen nicht. Aber ich lese die Emotionen heraus, die Du beim Schreiben hattest. Weißt Du, es ist gut, wenn solche Emotionen, wie z. B. Wut oder auch Trauer auch mal zugelassen werden, wenn man sie auch mal auslebt. Auf Dauer jedoch werden sie DICH kaputt machen. Ihn übrigens nicht, er scheint sich ja gut abgegrenzt zu haben.

    Du darfst aus meiner Sicht also Deinen Emotionen, vor allem eben auch diesen negativen Emotionen, durchaus einen Raum geben. Sie zulassen und sie spüren. Aber solltes auch dazu kommen, sie zu verarbeiten um wieder nach vorne schauen zu können. Aktuell passiert das aber bei Dir nicht, weil Dir selbst immer wieder neu diese Emotionen in Dein Inneres holst. Und das machst Du dadurch, dass Du Dich nicht vom ihm abrenzt und ihn nicht loslässt. Du hälst an ihm fest und das obwohl alles was Du hier schreibst gegen eine Beziehung zu diesem Menschen spricht. Ich gehe gleich noch auf ein paar Dinge diesbezüglich ein. Du selbst lieferst Dir Gründe, warum Du noch mit ihm Kontakt "brauchst". Willst noch was klären, willst noch irgendwas verstehen, willst halt einfach nicht loslassen. Oder kannst es nicht, was die Sache nicht einfacher macht.

    Das hier ist so ein Beispiel:

    Zitat

    Was ich wollte nach der Trennung?....eine Aussprache!!


    Wieso willst Du NACH der Trennung eine Aussprache? Die ist doch wenn, dann vor der Trennung wichtig. Ihr solltest doch vorher reden und nicht erst wenn eine Trennung vollzogen ist. Trennung bedeutet getrennte Wege gehen und nicht darüber nachdenken oder reden wieso, weshalb, warum... Das sollte man doch idealerweise vorher tun.

    Und dann passierte das:

    Zitat

    Er kam mir sehr "weich" entgegen und sagte mir, wenn du reden willst gerne....möchtest du das?


    Ja, er kennt eben die Knöpfe, die er bei Dir drücken muss. Und wieder muss ich sagen: ganz typisch für einen Alkoholiker. Ich kannte auch alle Knöpfe und Schalter bei meiner Frau und wusste sie bestens zu bedienen. Manipulation pur. Hoffnung keimte in Dir auf, Du wurdest weich, er hatte sein Ziel mal wieder erreicht.

    Und dann, das hier:

    Zitat

    Er lügt weiter ...er macht weiter sein Ding...er macht es ohne mich und er spricht nicht mit mir.


    Logisch und wieder typisch für einen Alkoholiker. Und welche Konsequenzen ziehst DU jetzt für DICH daraus? Immernoch auf eine Aussprache drängen, immer noch reden wollen? Wieder darauf warten, dass er Herzchen in Deine Augen zaubert um Dich dann doch wieder abzuservieren? Dieses Spielchen können Alkoholiker unendlich lange treiben. Ja ich weiß, Du glaubst er trinkt nicht mehr. Selbst wenn das stimmt ändert es nichts an seinem Verhalten. Wo bleibst eigentlich DU bei der ganzen Sachen?

    Zitat

    Ich denke aber nicht, was ihr denkt....denn ich kann zu allen Zeiten anrufen und er ist immer nüchtern. Sehe ich an den Nachrichten und an seiner Stimme...


    Nun, ich möchte nicht so vermessen sein Dir hier zu widersprechen. Sein Verhalten spricht aber eine andere Sprache. Kann es möglich sein das er auf etwas anderes umgestiegen ist? Da bin ich glücklicherweise kein Profi und habe hier keine Erfahrungen.

    Zitat

    Er sagt mir, dass er sich den Tag so doll voll packt, damit er kaum Zeit hat. Arbeiten bis er umfällt, bloß kein Homeoffice und anschließend im Haus renovieren. Dann geht er seinem Hobby nach ......er hat gefühlte 1000 Hobbies....
    Am Abend immer das selbe Ritual seit neusten....immer einen Film schauen bis spät in die Nacht ....


    Als ich das hier las, liebe Heimweh, musste ich sofort an mich selbst und an mein Doppelleben in den letzten Jahren meiner Sucht denken. Gott was hatte ich alles zu tun, was war ich unterwegs, wie viele Dienstreisen ich doch hatte. Aber nicht mal die Hälfte davon hat gestimmt. Ich hatte alles erfunden um MEINE RUHE zu haben. Um alleine sein zu können, um risikolos trinken zu können, um das tun zu können was ICH tun wollte.

    Und selbst wenn das alles stimmt was Du da schreibst oder er Dir erzählt: So ein Verhalten ist genau das Falsche für einen frisch trockenen Alkoholiker. Sich in Arbeit und Hobbies zu stürzen anstatt sich mit sich selbst und seiner Sucht zu beschäftigen um diese ein für alle mal richtig aufzuarbeiten, kann bei so einen Verhalten nicht stattfinden. Und somit ist die Gefahr, dass er irgendwann dann mal wieder derart überfordert ist, dass er wieder zum Alkohol greift, extrem hoch. Und Gedanken über seine Zukunft, über sein Leben oder gar über EURER Leben zu machen lässt so ein Verhalten auch nicht zu.

    Zitat

    Ich habe früher wie heute erkannt, dass er wenn ich ihn durchschaue, böse wird und er mich damit einschüchtert. Oder mir schnell etwas ganz liebes sagt, damit ich bleibe.

    = typisches nasses Verhalten eines Alkoholikers.

    Man könnte also zusammen fassen: Selbst wenn er tatsächlich nicht mehr trinken sollte, hast Du trotzdem einen Menschen an der Seite, der sich so verhält als würde er trinken. Damit hast Du NICHTS, ABSOLUT NICHTS dadurch gewonnen, dass er jetzt nicht mehr trinkt.

    Ich kann also nur nochmal auf das verweisen, was ich Dir bereits in meinen anderen Post geschrieben habe: Lass ihn los und kümmere Dich um Dein Leben. Je früher Du das tust, desto länger hast Du was davon. Dabei ist es ganz wichtig, dass Du mit ihm und der gemeinsamen Vergangenheit Frieden schließt um abschließen zu können (hierzu kannst Du Dir ggf. auch professionelle Hilfe holen). Lass Deinen Emotionen gerne nochmal freien Lauf aber versuche dann aber auch abzuschließen. Lass nicht zu, dass sie dich wieder und wieder ereilen und Dein Leben und Deine Zukunft belasten. Ganz wichtig ist hier, dass Du ihn nicht immer wieder "freiwillig" in Dein Leben zurück holst. Im Gegenteil: schließe ihn bewusst aus und lass ihm wissen, dass Du keinen Kontakt mehr zu ihm haben WIRST. Und wenn Du es dann noch schaffst ihm zu VERGEBEN (und vielleicht auch Dir selbst, das kann ich nicht beurteilen), dann bist Du wirklich frei.

    Ihr habt keine gemeinsamen Kinder, nichts, dass es nötig machen würde, dass ihr Euch nochmal sehen/austauschen müsstet. Das war/ist bei mir ganz anders und meine Ex-Frau stand da nochmal vor einer ganz anderen Herausforderung. Du kannst es beenden und neu beginnen.

    Das waren meine Gedanken. Alles Liebe und Gute für Dich.

    LG
    gerchla

    Guten Morgen Heimweh,

    ganz lieben Dank für diesen tiefen Einblick in Deine aktuelle Situation. Jetzt kann ich Dir meine Gedanken ziemlich klar schildern, wobei ich aber auch sagen möchte, dass ich jederzeit falsch liegen kann. Am Ende bist nur Du allein diejenige, die für sich selbst entscheiden kann und muss, wie es wirklich aussieht und ob oder welche Konsequenzen Du daraus ziehen willst /wirst.

    Hier meine Gedanken zu Deinen Zeilen:

    Mir drängt sich der Gedanke auf, dass er zwar seit geraumer Zeit keinen Alkohol mehr trinkt (bist Du diesbezüglich eigentlich absolut sicher, Du lebst ja nicht mit ihm zusammen?), sich ansonsten jedoch (noch) nicht soviel getan hat in Sachen "Bewusstseinsentwicklung".

    Wenn er mit Dir tatsächlich darüber diskutiert, wie hoch Dein Anteil am Scheitern Eurer Beziehung war, dann muss ich sagen: er ist noch sehr weit von "trocken sein" entfernt. Nur nicht mehr trinken bedeutet nämlich noch lange nicht, dass man auch wirklich "trocken" ist, das ist zumindest meine Meinung und ich habe an mir selbst erfahren, dass es einige Zeit gedauert hat, bis sich mein Hirn, sprich meine Denk- und Verhaltensweise dann auch entsprechend geändert haben. Allerdings war ich nach einem Jahr schon deutlich weiter, ehrlich gesagt war ich nach einem Jahr schon so weit, dass ich sozusagen ans Feintuning gehen konnte.

    Aber, da ist jeder anders und jeder hat andere Voraussetzungen, ein anderes Umfeld und natürlich auch eine andere Geschichte. Du schreibst ja, dass er in ambulanter Therapie ist. Er tut also aktiv etwas, was grundsätzlich gut ist. Andererseits schilderst Du aber für mich sehr bedenkliche Dinge. Nämlich, dass er nicht offen und ehrlich gegenüber seiner Therapeuten ist. Auch nicht gegenüber seiner Familie. Dass er Dich stalkt, eifersüchtig ist und Dich auch immer wieder mit Vorwürfen überzieht. Und hier muss ich dann sagen, dass es mir scheint, als hätte er nichts gelernt. So ein Verhalten ist genau das Falsche und es führt über kurz oder lang zu Problemen.

    Ich selbst habe mir bei meinem Ausstieg geschworen, nie mehr lügen zu wollen (damit meine ich richtige bewusste Lügen, nicht kleine Notlügen die wir alle wahrscheinlich mehrmals am Tag haben), ich wollte immer ehrlich sein, auch und vor allem mir selbst gegenüber. Lügen und Betrügen waren die zentralen Elemente in meiner Sucht. Das war alles Fatal und hat mich in den Untergang geführt. Genau das wollte ich nie mehr.

    Und ja, ich musste das dann erst mal lernen. So blöd sich das anhören mag. Das meinte ich vorhin mit "noch lange nicht trocken sein". Auch nach ein paar Wochen ohne Alkohol wollte ich, wie ich es immer tat, meine Probleme mit Lügen lösen. Das kam einfach spontan, gelernt ist gelernt könnte man auch sagen. ABER - Ich hatte ja mein Hirn zurück und war dadurch in der Lage, diese spontanen Gedanken und Reaktionen zu korrigieren. Und glaube mir, ich war am Anfang gefühlt nur mit korrigieren beschäftigt. In den unterschiedlichsten Bereichen, nicht nur bezogen auf das Lügen. Auch was meine Einschätzung der eigenen Wahrnehmung betraf, meine Vorurteile die ich immer gepflegt hatte, meine negative Denkweise, meine pessimistische Grundeinstellung.

    All das war auch nach meinem Ausstieg noch vorhanden. Aber ich wusste zumindest, dass ich das nicht mehr wollte. Und es waren Wochen und Monate des aktiven "arbeitens" an und mit mir selbst, um das zu überwinden und so nach und nach in eine andere Denk- und Lebensweise zu gelangen. Hier war ich nach etwa einem Jahr mit dem Gröbsten durch aber noch lange nicht "fertig". Fertig bin ich auch heute nicht, und das ist auch gut so. Denn ich entwickle mich ja weiter und ich muss immer wieder korrigigieren und schauen, ob mir das noch so passt, wie ich gerade unterwegs bin. Aber das hat jetzt dann irgendwann nichts mehr unmittelbar mit der Sucht zu tun sondern einfach mit der Gestaltung des eigenen Lebenswegs.

    Ich hatte diesbezüglich übrigens auch über eine längere Zeit Hilfe von außen. Zwar nicht in Form einer ambulaten Therapie aber sozusagen in einer alternativen Variante. Weil ich merkte, dass ich alleine nicht weiter komme oder vielleicht sogar Gefahr laufe zu scheitern.
    Dein Partner hat diese Hilfe auch. Dennoch scheint es so zu sein, dass er daraus nicht die Rückschlüsse für sich zieht, die ihm persönlich helfen würden, um wirklich weiter zu kommen. Das ist zumindest mein Eindruck aus dem, was Du mir geschrieben hast.

    Und irgendwann wird diese Therapie dann auch zuende sein. Wo steht er dann? Was hat er erreicht? Wie stellt er sich dann sein weiteres Leben vor?

    So, dass war jetzt sehr viel zu Deinem Partner und auch zu meinen Erfahrungen. Die Frage, die mich schon die ganze Zeit umtreibt ist, welche "Rolle" Du bei der ganzen Geschichte eigentlich genau spielst. Will sagen, ich würde gerne verstehen, was Dich so tief in diese ganze Geschichte hinein zieht. Deine letzten Zeilen zeigen mir ganz deutlich, dass Du sehr verzweifelt bist und wohl auch Schuld bei Dir suchst. Sollte letzteres zutreffend sein, so möchte ich Dir sagen, dass NIEMAND Schuld daran hat, wenn der Partner trinkt. Es sei denn, er oder sie hätte den Partner mit vorgehaltener Waffe gezwungen zu trinken. Ansonsten ist der Trinker immer selbst dafür verantwortlich.

    In Deinem Fall, so sehe ich das jedenfalls, hast Du bereits einen Alkoholiker kennengelernt und bist eine Beziehung mit ihm eingegangen. Grober Fehler, weil man in einer solchen Beziehung nur verlieren kann. Aber das wusstest Du ja damals nicht und Alkoholiker sind wahre Meister im Tarnen und Täuschen und natürlich auch im Lügen und im Manipulieren ihres Umfelds. Ich weiß wovon ich spreche, ich denke, ich hätte da um die Weltmeisterschaft mitspielen können.

    Warum also hälst Du an dieser Beziehung fest? Das ist die Frage, die ich mir stelle. Du hast in keiner Zeile davon gesprochen, dass Du ihn liebst. Das "positivste", dass ich aus Deinen Zeilen heraus gelesen habe ist, dass ihr jetzt ab und an ganz gute Gespräche führt. Warum also denkst Du, dass Du weiterhin eine Beziehung mit diesem Menschen führen möchtest?

    Ich meine diese Fragen nicht provozierend, absolut nicht. Sondern ganz sachlich, an Dich von einem weit entfernt außen stehenden gestellt. Kannst oder willst Du diese beantworten? Oder einfacher: Liebst Du ihn?

    Oder sind es Schuldgefühle die Dich dazu bringen? Hast Du das Gefühl das es nicht richtig ist, ihn einfach fallen zu lassen? Dass Du ja auch dafür verantwortlich bist, dass er jetzt da ist wo er ist? Oder ist die Angst ganz allein da zu stehen? Lieber mit ihm irgendwie als ganz alleine (wobei Du ja nicht alleine bist, da sind ja auch noch Deine Kinder)? Ich stelle diese Fragen auch, weil ich gerne einschätzen möchte, ob da vielleicht sowas wie Co-Abhängigkeit eine Rolle spielen könnte, auch wenn ich das eigentlich eher nicht glaube.

    Wenn ich das alles richtig gelesen habe und richtig interpretiere, dann hast DU ein ganz großes Problem. Nämlich das Problem, dass Du ihn nicht loslassen kannst. Und ich denke, da solltest Du mal ganz genau hinschauen. Auf DICH, nicht auf ihn. Er lebt sein Leben, und zwar so wie er das möchte. Sollte er morgen wieder mit dem Trinken beginnen wäre das auch seine Entscheidung die Du zu akzeptieren hättest. Was Du aber nicht musst ist, dieses Leben mit ihm zu teilen.

    Und ich frage mich wieder, warum Du nach Monaten wieder Kontakt aufnimmst, wo Du vorher scheinbar mühevoll versucht hast (und es geschafft hast) auf Abstand zu kommen. Und ich frage mich auch, weshalb Du das mit Dir machen lässt, also z. B. das Du sein Haus nicht betreten darfst, weil Du ja "an allem Schuld bist" (was übrigens totaler Müll ist von ihm). Hier drängte sich bei mir übrigens der Gedanke auf, dass er evtl. doch noch an der Flasche hängen könnte und deshalb nicht will, dass Du zu ihm kommst. Aber da kann ich auch komplett daneben liegen. Nur sein Verhalten ist einfach sowas von "nass", ich kann mir nicht helfen.

    Aber das ist alles egal! Du hast ein Problem an der Backe und Du bist hier im Forum um DIR Hilfe zu Suchen. Für DICH! Also solltest Du unbedingt DICH und Dein Leben, Deine Wünsche in den Fokus rücken. Ich denke, genau da liegt das Problem. Du bist nicht für Dich selbst da, nur für andere oder in diesem Fall für ihn. Liebe Dich selbst und rücke Dich und Deine Wünsche in der Vordergrund. Tue nur das, was Du auch wirklich willst und was DIR gut tut und nicht das, von dem Du denkst, das Du tun müsstest oder das man es von Dir erwartet.

    Ich weiß nicht, was Dir die Menschen erzählen mit den Du Dich regelmäßig austauschst (ist übrigens super das Du das machst!), aber es kann dem was ich hier schreibe eigentlich nicht so unähnlich sein. Löse Dich von ihm und Deinen Verhaltenweisen und überlasse ihm sein Leben und kümmere Dich um Deines. Wenn er mit seinem Leben klar kommt und weiß was er will, kann er gerne bei Dir anklopfen. Ob Du dann öffnest kannst Du entscheiden wenn es so weit ist.

    Das waren mal spontan meine Gedanken. Ich hoffe ich wurde nicht zu persönlich und ich möchte Dir versichern, dass ich Dich zu keiner Zeit irgendwie angreifen wollte. Ich weiß auch, dass man von außen immer so einfach auf die Dinge blickt und es oft ganz anders aussieht, wenn man selbst darin steckt. Ich habe das ja bei mir selbst erleben dürfen. Aber ich hatte zum Glück dann Menschen um mich, die mir immer wieder von außen "den Kopf zurecht gerückt" haben. Bis ich irgendwann mal selbst in der Lage war, mit Abstand auf mein Verhalten zu blicken und es selbst besser einschätzen konnte. Und obwohl ich alles selbst erlebt und durchlebt habe, stelle ich mir heute manchmal die Frage, ob ich das damals wirklich selbst war, der all diese schlimmen Dinge getan hat und wieso ich das damals nicht erkennen habe können. Ich kenne ja gleichzeitig die Antworten auf diese Fragen, trotzdem stelle ich mir diese Frage immer wieder mal.

    Bitte achte auf DICH. DU bist der wichtigste Mensch in Deinem Leben. Erst wenn Du mit Dir selbst im Reinen bist, kannst Du richtig für andere da sein und auch nur dann, wenn diese das auch wollen und es Sinn macht. Ich denke es ist ganz wichtig für Dich heraus zu finden, welches Leben Du eigentlich führen möchtest und wie Deine Zukunft aussehen soll. Um genau das dann auch konsequent Schritt für Schritt umzusetzen. Und dabei geht es erst mal nur um Dich und nicht um Deinen Partner.

    LG
    gerchla

    Hallo Heimweh,

    herzlich Willkommen hier im Forum.

    Ich stehe auf der "anderen" Seite, bin also Alkoholiker. Anfang 50 und ich trinke jetzt schon lange nicht mehr.

    Ich würde gerne näher auf Deine Situation eingehen und Dir meine Gedanken dazu schildern. Aber gerade fehlt es mir noch ein wenig an "Input". Es ist bestimmt nicht einfach für Dich hier zu schreiben und Dich zu öffnen aber je mehr wir hier wissen, desto besser können wir die Situation einschätzen und auch Rückschlüsse auf unsere eigenen Situation ziehen.

    Was ich bis jetzt sagen kann ist, dass Du das bestätigst, was wir hier so oft schreiben und auch lesen. Nämlich das es oft nicht "reicht", wenn der trinkende Partner nicht mehr trinkt, oder, dass eben nicht alles gut wird, wenn der trinkende Partner mit dem Trinken aufhört.

    Nicht wenige Partnerschaften scheitern nachdem der trinkende Teil mit dem Trinken aufgehört hat. Denn man bekommt ja nicht dann nicht automatisch den Partner "zurück", den man vor der Sucht gekannt hat oder den man sich suchtfrei wünscht. Ich weiß jetzt nichts über Deine Partnerschaft, nichts darüber ob Du ihn überhaupt ohne Alkohol gekannt hast oder er schon immer in Eurer Beziehung getrunken hat. Auch weiß ich nichts darüber, wie "schlimm" das alles gelaufen ist, sprich: Ob vielleicht derart viel Porzelan (Vertrauen) kaputt gegangen ist, dass eine Reparatur gar nicht mehr möglich ist. Und ich weiß auch nicht, ob Dein Partner "freiwillig" aufgehört hat und ob er darin wirklich einen Sinn sieht. Oder ob er wegen "Dir", Eurer Beziehung aufgehört hat und eigentlich aber gerne trinken möchte.

    Wenn Du möchtest, dann beschreibe doch mal Deine Gedanken dazu. Wie war denn Eure Beziehung zu seiner Trinkerzeit? Und warum hat er aufgehört und vor allem: wie steht er denn jetzt dazu? Liebst du ihn noch? Warum möchtest Du denn überhaupt noch mit ihm zusammen sein, kannst Du Gründe dafür nennen? Wie müsste die Situation bei Dir heute im Idealfall aussehen? Was müsste sein, dass Du von Dir sagen könntest: Ja so ist es prima? Und glaubst Du daran, dass das erreicht werden kann?

    Ich habe jetzt einfach mal ein paar Fragen heraus gehauen. Die Du natürlich nur beantwortest, wenn Du das auch möchtest. Ich würde gerne über meine Erfahrungen berichten, weiß aber gerade nicht, in welche Richtung ich da gehen soll weil ich nicht weiß, ob da dann was dabei ist, was Dir für Deine Situation etwas hilft.

    Schön das Du da bist. Ich wünsche Dir einen guten und hilfreichen Austausch hier im Forum.

    LG
    gerchla

    Hallo drybabe,

    herzlich Willkommen bei uns im Forum. Schön das Du Dich angemeldet hast und Dich hier austauschen möchtest.

    Ich bin Anfang 50, Alkoholiker und lebe jetzt schon länger ohne Alkohol. Davor trank ich über 10 Jahre abhängig und die meiste Zeit auch heimlich. Ich funktionierte tatsächlich bis zum Schluss, irgendwie und hatte eigentlich keine Ambitionen mehr mit dem Trinken aufzuhören. Will sagen, ich schaffte keine Trinkpausen mehr, sah auch keinen Sinn mehr darin und dachte eher, irgendwann wird mal irgendwas passieren..... Was dann auch geschah aber glücklicherweise dazu führte, dass ich völlig ungeplant den Ausstieg geschafft habe.

    Ein paar Gedanken von mir zu Deinem Vorstellungspost:

    Über den kalten Entzug weißt Du anscheindend Bescheid und hast Dich trotzdem dafür entschieden. Da spare ich mir jetzt mahnende Worte und den Hinweis auf möglich Konsequenzen, weil das hast Du für Dich sicher schon durchdacht. So lese ich es jetzt jedenfalls mal heraus.

    Du hast ja jedes Jahr lange Trinkpausen eingelegt (oder waren diese Monate "aufgeteilt"). Darf ich fragen, was für Dich dieses Mal anders ist? Ist es die Erkenntnis, dass Du Alkoholikerin bist?

    Wichtig ist aus meiner Sicht, dass Du Dir einen Plan erarbeitest, wie der Weg in ein Leben ohne Alkohol bei Dir aussehen könnte oder aussehen soll. Und dabei kannst Du ja schon auf die Erfahrungen zurück greifen, die Du bei Deinen längeren Trinkpausen gemacht hast. Es wird ja Gründe geben, weshalb immer wieder mit dem Alkohol angefangen hast. Diese zu finden und zu beseitigen wäre ein guter Ansatz.

    Das ist mitunter nicht so ganz einfach. Diese Erfahrung musste ich selbst machen, denn ich hatte oberflächlich betrachtet keine Gründe mit dem Trinken zu beginnen. Später dann war das klar. Da war es dann die Sucht, die mich trinken ließ und ich schaffte mir meine Trinkgründe durch das Trinken täglich selbst. Aber es geht darum heraus zu finden, warum man "überhaupt" zum Alkohol greift. Was ist oder war es letztlich, was einem dazu bringt/brachte, diesen Stoff als Lösungsmittel (für was?) zu missbrauchen? Und wie kann ich es lernen, das in Zukunft nicht mehr zu tun? Nimm Dir alle Hilfe die Du bekommen kannst. Du musst das nicht alleine durchfechten. Es gibt Hilfsangebote, nutze sie und finde heraus, was Dich weiter bringt.

    Ich finde es eine prima Idee, dass Du eine Suchtberatung aufsuchen willst. Das habe ich damals auch getan und da bekommt Du viele Informationen. Und auch den Besuch einer SHG finde ich prima. Auch das habe ich damals getan, gleich am ersten Abend ohne Alkohol. Geht heute ja leider nicht so einfach aber vielleicht kannst Du das mit diesem Forum hier erst mal so lange kompensieren. In der SHG bekam ich sozusagen erste Hilfe. Was damals super und ganz wichtig für mich war. Ich merkte dann aber auch, dass ich für weitere Hilfe etwas anderes brauchte und wechselte dann irgendwann das Hilfsangebot, so dass ich nur die ersten Monate regelmäßig in einer SHG war. Ich kenne jedoch mittlerweile nicht wenige Alkoholiker, die Zeit ihres trockenen Lebens in eine SHG gehen und sich nie vorstellen könnten, diese zu verlassen. Sie finden dort genau das was ihnen hilft ihr Leben ohne Alkohol zu leben. Du wirst selbst herausfinden, ob das bei Dir genauso sein kann oder nicht. Hauptsache Du probierst es aus.

    So, dabei will ich es erst mal belassen. Alles Gute für Dich und einen guten und hilfreichen Austausch hier im Forum wünsche ich Dir.

    LG
    gerchla

    Hallo Larry,

    erst mal möchte ich Dir zu 15 Monaten ohne Alkohol gratulieren. Und ich wünsche Dir ein gutes und zufriedenes neues Jahr und dass noch viele Monate und Jahre ohne Alkohol folgen mögen.

    Ich glaube, ich habe noch nicht mit Dir kommuniziert, deshalb stelle ich mich ganz kurz vor:

    Ich bin Anfang 50, Alkoholiker, und trinke jetzt schon lange keinen Alkohol mehr. Davor trank ich weit über 10 Jahre abhängig, die meiste Zeit davon heimlich. Ich hatte Familie (2 Kinder) und führte die letzten Jahre meiner Sucht eine Art Doppelleben, welches es mir einerseits ermöglichte meine Sucht weiter heimlich auszuüben und andererseits die Sucht noch anheizte und steigerte.

    Ich schreibe Dir, weil mich diese Aussage von Dir

    Zitat

    Ich versuche ein guter Mensch zu sein.


    sozusagen getriggert hat. Ich kann Dir nicht sagen, ob Dir meine folgenden Zeilen jezt irgendwie "helfen" oder Dich weiter bringen, aber ich möchte Dir das einfach mal schreiben. Vielleicht auch einfach als möglichen Denkanstoss oder was auch immer.

    Als ich damals dann tatsächlich mit dem Trinken aufgehörte hatte, übrigens völlig ungeplant und quasi wie aus dem Nichts, folgten erst mal schwere Wochen und Monate. Schwer nicht deshalb, weil ich ständig von Suchtdruck geplagt gewesen wäre, sondern weil ich nach und nach immer klarer wurde und mir nach und nach auch immer deutlicher wurde, was ich eigentlich mit meiner Sucht und meinem Verhalten angerichtet hatte. Ich muss dazu sagen, dass ich mich kurz nach meinem Outing von meiner Frau (und damit auch von meinen Kindern) getrennt habe. Das führte dazu, dass ich meine Kinder nur noch zu vereinbarten Terminen sehen konnte und diese Treffen waren, obwohl ich mich immer darauf freute, sehr belastend für mich. Sah ich doch in ihren Augen was ich angerichtet hatte....

    Vorher war ich, trotz Sucht, immer sehr bemüht, wenigstens für meine Kinder noch da zu sein und ein guter Vater zu sein. Meine Ehe war, jetzt im Nachhinein betrachtet, schon längere Zeit ziemlich kaputt. Zu meinen Kindern habe ich immer tiefe Liebe empfunden und ich konnte mir eigentlich niemals vorstellen, mich zu trennen und sie damit zu verletzten. Ich tat es dennoch und ich weiß heute, dass es der richtige Weg war. Damals jedoch wusste ich das nicht und so litt ich unter dieser Trennung und vor allem an meinen Schuldgefühlen.

    Es waren also sehr schwere Monate, zwar so gut wie ohne Suchtdruck, jedoch geprägt von Schuld, von Scham und auch von Zukunftssorgen. Ich spürte, dass ich mir Hilfe holen musste um zum Einen zulernen mit meiner Schuld umzugehen (ich war nahe daran, an dieser für mich großen Last zu zerbrechen) und zum Anderen aber auch Impulse für meine Zukunft zu erhalten (hier ging es mir erst mal darum zu lernen, wie ich mit dieser Schuld, mit dieser Vergangenheit jetzt eigentlich "gut" weiterleben kann).

    Erst mal ging ich den klassischen Weg, ich suchte mir einen Psychologen. Hier kam ich aber nicht weiter, ich verstand damals nicht, was dieser Mensch mir eigentlich sagen wollte (heute verstehe ich seine Ansätze durchaus). Also suchte ich weiter und kam auf die Idee einen Mönch zu konsultieren, der mich ein paar Jahre vorher mal sehr beeindruckt hatte, den ich aber persönlich gar nicht kannte (das ist eine längere Geschichte die hier jetzt den Rahmen sprengen würde).

    Dieser Mönch jedefalls war dann tatsächlich genau das, "was" ich gebraucht habe. Wir trafen uns häufiger und ich konnte mich ihm anvertrauen und all meine offenen Fragen und Gedanken diskutieren. Übrigens, ich schreibe es nur weil er ein Mönch ist, hatte das alles keinerlei religiösen Hintergrund. Ich war damals überhaupt nicht religiös und in all unseren Gesprächen ging es zu keinem Zeitpunkt um Gott oder Glaube. Ich denke, er war so klug zu spüren, dass er mich damit eher verschreckt hätte, damals...

    Dennoch, also obwohl ich nicht über den Glauben zu ihm kam und auch nicht mit ihm darüber sprechen wollte, nahm er sich genau so viel Zeit für mich, wie ich brauchte und wollte. Und am Ende dieser Wochen und Monate stand ich da, ich möchte mal sagen, "runderneuert" erst mal. Und zuversichtlich und in der Lage, meine Schuld als Teil meines Lebens zu aktzeptieren. Und ein Reslultat dieser Gespräche war dann auch der Wunsch zu wissen, was denn eigentlich der Sinn meines Lebens ist. Denn ich hatte jetzt erst mal alles so weit im Griff. Die Beziehung zu meinen Kindern war soweit "stabilisiert", mit meiner Ex-Frau konnte ich friedlich kommunizieren und ich lebte natürlich auch alkoholfrei, ohne große Sorgen zu haben, dass mich plötzlich Suchtdruck überfallen könnte. Ich war am Ende recht gut durch dieses, sagen wir mal, erste Jahr ohne Alkohol gekommen und ich hätte das wohl auch einfach so weiter laufen lassen können.

    Dennoch hatte ich das Gefühl, da fehlt noch irgend was. Ich merkte mehr und mehr, welch großes Glück ich hatte und welches Geschenk es eigentlich war, mein Leben tatsächlich ohne Alkohol leben zu dürfen und zu können. Und in mir kam so ein Gefühl auf, dass ich daraus doch "was machen" müsste oder könnte oder möchte. Du merkst, so ganz klar waren meine Gedanken damals nicht, aber ich spürte schon, irgendwas passt da noch nicht, eine gewisse Leere war da noch zu spüren. Zunächst dachte ich , das läge bestimmt daran, dass ich all die Jahre vorher (gefühlt) immer im Vollgasbetrieb gelaufen bin, also Arbeit, Familie, viel Zeit mit den Kindern wann immer es ging und dann natürlich noch der ganze Druck bezüglich Be- und Entsorgung meines heimlich getrunkenen Alkohols. Aber je länger ich ohne Alkohol lebte und je normaler dieses "normale" Leben für mich wurde, desto weniger dachte ich, dass es daran liegen könnte.

    Und ich hatte ähnliche Gedanken wie Du. Ich dachte mir auch, ich habe doch eigentlich alles was ich brauche. Mir geht es gut und je länger die Zeit ohne Alkohol andaurte, desto besser ging es mir, eigentlich. Ich hatte eine neue Beziehung, ich war glücklich, ich hatte einen tollen Job und es sogar "geschafft", wieder eine einigermaßen gute Beziehung zu meiner ersten Frau zu haben. Natürlich war es anders aber es war viiiiiiieeeeel besser, als ich mir das hätte auch nur erträumen lassen können. Und immer wenn ich mich mit jemanden unterhalten hatte, der ebenfalls eine Trennung hinter sich hatte (das waren zu dieser Zeit komischerweise einige), wurde mir nochmal klar, wie außergewöhnlich gut das doch bei mir verlaufen ist.

    Dennoch fehlte etwas. Mir kam aber nie in den Sinn, dass das der Alkohol sein könnte, zu keiner Sekunde. Denn er war es auch nicht, sondern es war die Perspektive für mein weiteres Leben. Es war der Sinn meines Lebens. Es waren die Antworten auf Fragen wie "wer will ich sein?", "wo will ich mit meinem Leben hin?", "was möchte ich, das man mal über mich sagt wenn ich nicht mehr da bin?", "was ist eigentlich mein Auftrag hier in diesem Leben?", "was für ein Mensch möchte ich eigentlich sein?".... und einige mehr.

    Und so verbrachte ich eine nicht unerhebliche Zeit damit, mich mit diesen (solchen) Fragen zu beschäftigen. Und die haben ja so gar nichts mit "mir geht es doch eigentlich gut" oder "ich habe so ein tolles Umfeld" oder "ich habge so einen tollen Job" zu tun. Und auch nicht mit der anschließend an sich selbst gerichteten Frage "ich weiß gar nicht, warum ich so unzufrieden bin, ich habe doch alles" zu tun.

    Das geht tiefer. Hier geht es um eine Zufriedenheit mit sich selbst, um eine Zufriedenheit mit dem eigenen Ich. Es geht nicht um das Umfeld, welches noch so toll sein kann. Bitte nicht falsch verstehen: Es ist toll ein tolles Umfeld zu haben, Freunde zu haben, eine tolle Partnerschaft, oder was auch immer. Aber die Fragen um die es mir ging, die beschäftigten sich mir MIR. Und natürlich habe ich bei diesem Prozess auch all das Gedacht, was Du auch geschrieben hast. Also das ich ja eigentlich zufrieden sein kann, nein sogar zufrieden sein MUSS.

    Aber ich merkte auch, dass ich ähnlich gedacht hatte, als ich meine Sucht aufarbeitete, als ich wissen wollte, wie ich überhaupt in diese Sucht schlittern konnte. Und auch da kam ich erst mal zu dem Ergebnis, dass ich überhaupt keinen Grund hatte. Alles war toll. Keine schlimme Kindheit, Gesundheit topp, tolle Familie, Kohle ausreichend vorhanden, toller Job, warum bin ich also zum Alkoholiker geworden?

    Und auch da merkte ich, dass ich in mir selbst nicht "gesucht" hatte. Es waren immer erst mal die äußerlichen Umstände, die ich im Blick hatte.

    Ich kann heute sagen, dass ich ein zufriedener und meist auch glücklicher Mensch bin. Alkohol spielt nur insofern eine Rolle bei mir, als dass ich mich hier und in ein paar anderen Bereichen engagiere und anderen Betroffenen von meinen Erfahrungen berichten möchte. Um diesen so vielleicht den ein oder anderen Denkanstoss geben zu können. Und am Ende kam auch in mir der Wunsch auf, ein "guter Mensch" werden zu wollen. Nicht mehr aber auch nicht weniger. Und ich versuche das in meinem jetzigen Leben umzusetzen und zu leben. In allen Bereichen meines Lebens, als Papa, als Partner (oder Ehemann), als Vorgesetzter für mein Team und als Mensch generell. Und damit bin ich gut beschäftigt, denn das ist manchmal gar nicht so einfach und ich darf immer wieder mal an mir arbeiten und korrigeren. Was ich wiederum nicht als Versagen empfinde, sondern als einen normalen Prozess der zum "Mensch sein" dazu gehört.

    Ich genieße also mein tolles Umfeld, meine tollen äußerlichen Gegebenheiten (z. B. Familie, Partnerschaft, Job), die ich zweifelsohne reichlich habe und ich bin sehr dankbar dafür. Weiß aber gleichzeitig, es eigentlich auf meine Selbstliebe ankommt. Und ich meine auch bemerkt zu haben, dass das eine das andere oft bedingt. Ist man ein positiver mit sich selbst zufriedener Mensch, zieht man sein Umfeld oft einfach mit, trifft selbst auf solche Menschen und bereichert so sein Leben weiter. Ist man negativ oder pessimistisch unterwegs, so hat das auch erheblichen Einfluss auf das Umfeld und dann in der Umkehr wieder auf einen selbst.

    Ich konnte das jetzt nicht anders schreiben, auch wenn ich damit Gefahr laufe ziemlich schwülstig herüber zu kommen. Aber für mich war diese Erkenntnis sehr zentral und mir hat sie sehr geholfen.

    Alles Gute weiterhin für Dich und noch ganz viele gute Jahre ohne Alkohol wünsche ich Dir.

    LG
    gerchla

    Hallo Zusammen,

    ich möchte mal kurz meine Erfahrungen zu Euren Gedanken bezüglich eines möglichen Rückfalls oder des plötzlichen Wunsches doch wieder trinken zu wollen schreiben.

    Erst mal bin ich der Meinung, dass es gut und richtig ist, dass man (Ihr) sich (Euch) genau diese Gedanken macht. Hätte man diese überhaupt nicht, dann hat man wahrscheinlich den Ernst der Lage nicht richtig erkannt oder aber man ist ein grenzenloser Optimist und/oder vielleicht auch nur naiv und läuft umso mehr Gefahr, von plötzlich aufkommenden Druck unvorbereitet überrollt zu werden.

    Insofern glaube ich, dass es sehr gut ist, wenn man sich auf so eine Situation vorbereitet und sich immer klar macht, dass es auch schwierige Minuten, Stunden oder Tage geben kann.

    Ich schreibe aber auch ganz bewusst KANN, denn ein MUSS ist es nicht unbedingt. Und deshalb bin ich auch der Meinung, dass ein gehöriger Respekt vor so einer Situation mit einem entsprechenden Plan was man notfalls tun wird, eine sehr gute und wichtige Sache ist. Jedoch halte ich es für nicht zielführend, sich hier von purer Angst dominieren zu lassen. Vielmehr sollte man m. E. die guten Tage dazu nutzen, sich mit seiner Sucht und seiner Geschichte zu beschäftigen um diese Mechanismen die dahinter stecken, verstehen zu lernen. Was man kennt, kann man besser einschätzen und ggf. auch besser bekämpfen.

    Je länger ich ohne Alkohol lebte und je mehr ich mich mit meiner Sucht beschäftigen konnte, desto häufiger hatte ich "Aha"-Erlebnisse. Mir wurde nach und nach immer klarer, was da eigentlich passiert ist, auch wenn ich das anfangs trotzdem noch nicht richtig verstehen oder erfassen konnte. Manches verstehe ich wahrscheinlich heute noch nicht so richtig. Aber ich näherte mich sozusagen an und immer häufiger wurde mir bewusst, dass mir der Alkohol niemals hat helfen können.

    Nun kann man ja sagen, dass man, um diese Erkenntnis zu gewinnen, nicht unbedingt seine Suchtgeschichte aufarbeiten muss. Letztlich reicht es doch, sich einfach an das alkoholbedingte Elend zu erinnern um zu wissen, dass er einem nicht geholfen hat. Das mag stimmen und für einige auch zutreffen. Mir war das zu wenig, ich wollte es genauer wissen und vor allem auch, wie ich überhaupt da hinein rutschen habe können. Denn ich sah bei mir einfach keinen Grund, da war kein offensichtlicher Grund der meine Trinkerei "erklären" hätte können. Natürlich wusste ich, warum ich trank als ich bereits süchtig war. Da habe ich mir ja meine Trinkgründe sozusagen selbst geliefert (Doppelleben etc.) und natürlich "zwang" mich schlichtweg die Sucht dazu. Aber überhaupt damit anzufangen, zu verstehen, warum ich jahrelang "meine" Feierabendbiere trinken wollte (musste), zu einer Zeit, wo vermeintlich wirklich alles prima war, kein Doppelleben, keine Lügen, keine größeren Probleme sondern im Grunde nur Probleme oder Herausvorderungen, die ich jederzeit zusammen mit meiner Frau / Familie hätte lösen können.

    Und so hatte ich einfach schon den Gedanken, dass mich das, was mich damals langsam in die Sucht brachte, ja auch nach Wochen / Monaten / oder auch Jahren der Abstinenz wieder ereilen könnte und ich wieder in diese Falle tappen könnte. Und genau das wollte ich ja nicht mehr.

    Und so vergingen Wochen und Monate wo ich immer wieder ein Stückchen klarer sah und immer ein Stück weiter kam.

    Und bei all dieser Beschäftigung (die übrigens NICHT rund um die Uhr statt fand, sondern immer wieder mal, dann aber ganz bewusst), hatte ich nie wirklichen Suchtdruck. Also genau das, worüber Ihr (Schotterblume und Orangina) hier diskutiert, habe ich nie erleben müssen. Ich hatte natürlich auch meine Notfallpläne, wusste z. B. genau, wen ich notfalls zu jeder Tages- und Nachtzeit anrufen könnte. Ich hatte mehrmals wirklich auch Angst davor, dass ich Scheitern könnte (jedoch ohne eine akute Drucksituation zu spüren). Das war immer in Verbindung mit meiner Schuld, die ich auf mich geladen hatte. Hier hatte ich das Gefühl, dass mein abstinentes Leben schief gehen könnte, wenn ich mich mit dieser Schuld und dem Umgang damit nicht richtig beschäftige bzw. es nicht schaffe, damit irgendwie klar zu kommen.

    Und dann war klar für mich, ich brauche Hilfe. Und schon in dem Moment wo ich den ersten Termin beim Psychologen (welcher mir ja dann nicht mal helfen konnte) vereinbart hatte, ging es mir schon besser. Wohl einfach nur deshalb weil ich wusste, ich tue etwas und lasse es nicht einfach laufen, warte nicht einfach ab.

    Und heute, im Nachhinein betrachtet, kann ich sagen, dass all dieses Beschäfigen und Machen und Hilfe in Anspruch nehmen natürlich verhindert hat, dass ich "auf dumme Gedanken" komme. Und die Zeit, sie lief für mich. Denn je länger ich weg war vom Alkohol, desto stabiler und klarer wurde ich und desto mehr veränderte sich meine Wahrnehmung und meine Gedanken.

    Das wurde hier ja auch diskutiert. Das nasse Denken trat in den Hintergrund und eine neue Denkweise kam langsam zum Vorschein.

    Dazu:

    Zitat

    Und ich habe stets nach Rotwein gegiert...

    Das bezeichnet man doch "nasses Denken?" Oder?


    Naja, das ist vielleicht auch einfach "nur" Suchtdruck, weil Du nicht die Menge an Alkohol bekommen hast, die Du eigentlich hättest haben wollen. Sicher ist das ein "Teil" des nassen Denkens. Für mich ist nasses Denken aber viel mehr, das Gesamtpaket sozusagen.

    Bei mir beinhaltete dieses Gesamtpaket ein verändertes Wesen, Charakterlosigkeit, keine Werte mehr, eine von mir zurechtgezimmerte Realität, die es in dieser Form überhaupt nicht gegeben hat. Es gehörte dazu, dass ich nicht mehr wusste, was für andere Menschen verletzend ist. Ich kannte keine Grenzen mehr bzw. meine Grenzen waren total verschoben. Und natürlich war es bei mir aus so, wie bei vielen anderen auch: Ich schwankte zwischen Größenwahn und Minderwertigkeitskomplexen. Selbstmitleid, komplett falsche Selbsteinschätzung, keinerlei Bewusstsein für irgendwas. Und was auch noch wichtig ist, ich wusste auch nicht mehr, was für mich gut oder schlecht ist. Ich wusste nicht, was mir gut tut, wann es für mich genug ist und wann es für mich an der Zeit gewesen wäre "Stopp" zu sagen.

    Das alles ist für mich nassen Denken oder vielleicht ist hier auch der Begriff nasses oder suchtbedingtes Handeln und Denken ein besserer Begriff.

    Und wenn man sich mal nur die paar Dinge ansieht, die ich jetzt hier geschrieben habe, dann wird denke ich klar, dass man das nicht dadurch überwinden kann, indem man einfach mal ein paar Tage oder Wochen keinen Alkohol mehr trinkt. Vor allem dann nicht, wenn man vorher über viele Jahre in diesen Denk- und Verhaltensmustern gefangen war. Ich habe es ja schon häufig geschrieben, bei mir dauerte es ungefähr ein Jahr, bis ich das Gefühl hatte, einigermaßen "durch" zu sein.

    Aber ich habe noch heute ab und an mal "Rückfälle", wo ich mir dann denke: Da hast du jetzt reagiert wie früher. Oder, weil ich es meist dann doch noch verhindern kann (durch bewusstes übersteuern meiner Gedanken): da wolltest du jetzt spontan so reagieren wie früher. Und manchmal "rutscht" es mir dann doch mal durch. Und nicht selten habe ich mich dann im Nachhinein dafür entschuldigt, i.d.R. sofort, weil ich es normalerweise auch sofort merke, dass ich falsch lag.

    LG
    gerchla

    Hallo zusammen,

    ich bin grundsätzlich auch der Meinung, dass es auf dem Weg in ein Leben ohne Alkohol keinen Königsweg gibt und man durchaus auch außergewöhnliche oder auf dem ersten Blick auch verrückte "Methoden" nicht für sich ausschließen sollte. Wie wir so oft schreiben, sollte hier jeden seinen individuellen und persönlichen Weg finden. Und das muss nicht immer eine klassische Form der Therapie sein.

    Beim "ersten Teil" des Suchtausstiegs, dem körperlichen Entzug" bin ich persönlich jedoch kompromisslos der Meinung, dass diesen Teil jeder unbedingt unter ärztlicher Begleitung / Betreuung durchführen sollte. Ob diese Mönche dann im Notfall helfen können oder nicht, das kann und wage ich nicht zu beurteilen. Und was diesen Bauernhof betrifft: Das finde ich z. B. als ein sehr spannendes Projekt und ich kann mir vorstellen, das es Menschen gibt, die über diese Art der Gemeinschaft und der Regeln zurück in ein geordnetes und drogenfreies Leben finden. Was hier jedoch passiert, wenn jemand in den ersten Tagen des körperlichen Entzugs in Lebensgefahr gerät bleibt offen. Mir scheint, dass jemand der sich für diesen Bauerhof entschieden hat sich darüber im Klaren sein muss, dass er hier keine ärztliche Hilfe bekommt oder dass diese zumindest nicht schnell und kurzfristig zur Verfügung steht. Das kann man für sich so entscheiden, ich würde es niemanden empfehlen.

    Ich persönlich bin der Meinung, dass es bei dieser ersten Phase, die ja i. d. R. nur wenige Tage dauert, u. U. ums nackte Überleben gehen kann (auch wenn das bei vielen relativ harmlos verläuft) und man sich hier die beste mediziniesche Betreuung holen sollte die man bekommen kann.

    Mittlerweile habe ich leider von zu vielen Menschen (Alkoholikern) gelesen, gehört und auch persönlich erfahren, dass sie nur mit Glück oder einem glücklichen Zufall dem Sensenmann entkommen sind. Bei ihrem Versuch, kalt zu entziehen. Und jene die es nicht überlebt haben können natürlich nicht mehr darüber berichten. Ich kenne zum Glück niemanden persönlich der dabei das Leben verloren hat, aber ich habe schon Menschen gesprochen, die jemanden auf diese Weise verloren haben.

    Ich bin mir vollkommen darüber im Klaren, dass wahrscheinlich der Großteil der Alkoholiker irgendwann mal kalt entzogen hat und viele auch über einen kalten Entzug und dem anschließenden individuellem "Programm" es auch aus der Sucht heraus geschafft haben. Ich gehöre letztlich auch zu dieser Gruppe. Aber ich halte es für grundfalsch und lebensgefährlich das zu tun, auch wenn es bei mir ganz harmlos verlaufen ist.

    Beide Filme zeigen aber natürlich, dass es höchst unterschiedliche Angebote gibt die weit von üblichen Therapieformen entfernt sind. Mein Credo ist hier: Beim körperlichen Entzug keine Experimente da u. U. akute Lebensgefahr, bei der anschließenden und für ein dauerhaftes alkoholfreies Leben entscheidenden psychologischen Aufarbeitung ist alles erlaubt was nicht illegal ist. Indivuduell, verrückt, abgefahren, egal, hauptsache es passt zum jeweils Abhängigen und hilft diesem zurück in ein suchtfreies Leben.

    LG
    gerchla

    Guten Morgen Orangina,

    ich glaube das kontrollierte Trinken haben wir alle irgendwann mal probiert. Ich denke es ist eine wichtige Erfahrung auf dem Weg zur Abstinenz. Ich habe das natürlich auch versucht. Aber bei mir war das dann am Ende nicht mehr, als der Versuch mir zu bestätigen, dass ich es ja kann und ich deshalb ja kein Problem haben kann. Also man könnte sagen, mein kontrolliertes Trinken diente eigentlich der Suchtverlängerung. Es war für mich (für mein Suchthirn) ein Alibi, eine Beruhigungspille, um dann doch erst mal wieder ein Zeit lang ohne ein ganz so schlechtes Gewissen trinken zu können.

    Erfahrungen wie Risu sie schildert, also eine über viele Monate oder gar Jahre andauernde Kontrolle meiner Trinkmenge, habe ich nie gemacht. Dafür war ich wahrscheinlich einfach zu "schwach" und ich stelle mir das auch sehr kräftezehrend vor. Bei mir reichte es meist nur für ein paar Wochen.

    Grundsätzlich ist es ja besser wenigstens eine Zeit lang kontrolliert, also deutlich weniger, zu trinken als sich jeden Tag die Kante zu geben. Und so argumentieren ja auch viele Befürworter des KT. Wenn man dabei "nur" die aufgenommene Menge des Zellgifts Alkohol im Blick hat, dann stimmt das natürlich. Was dabei aber vergessen wird ist m. E., dass man damit seine Sucht auf niedriger Flamme weiter garen lässt. Man kommt nicht raus und die Denkweise, die nasse Denkweise, die verändert sich auch nicht wesentlich.

    Mag sein, dass ich mit meinen paar Wochen kontrolliertes Trinken da gar nicht mitreden kann. Mich würde interessieren, wie das jene erlebt haben und sehen, die, wie z. B. Risu, über Jahre kontrolliert getrunken haben. Wie war die Denkweise? Nass oder trocken? Bei mir jedenfalls drehte sich in meinem Hirn auch bei 2 oder 3 Bier pro Tag alles nur um Alkohol. Kein Tag an dem ich nicht damit beschäftigt war mir klar zu machen, dass es heute "nur" 3 Bier sein dürfen. Kein Tag, wo nicht mein Suchthirn doch der Meinung war, ich könnte doch mal eine Ausnahme machen (bis ich dann irgendwann mal nach gab). Klar waren mal Tage dabei, z. B. mit viel Ablenkung, wo es etwas einfacher und besser ging. I. d. R. war es aber ein permanenter Kampf.

    Und genau dieser Kampf verhinderte, dass ich überhaupt mal richtig ins Nachdenken kommen konnte, wie es mir dann möglich wurde, als ich komplett aufehört hatte. Ich war viel zu viel mit dem Kontrollieren beschäftigt, als dass ich mir mal klar hätte machen können, was hier eigentlich gerade mit meinem Leben passiert und was ich da jetzt eigentlich dagegen tun könnte.

    Und irgendwann kam es dann natürlich, wie es kommen hat müssen. Die Sucht schritt voran und kontrollieren wurde, ebenso wie generelle Trinkpausen, immer schwieriger und irgendwann unmöglich. In meinen letzten Trinkerjahren habe ich keinen Gedanken mehr daran verschwendet es überhaupt mal versuchen zu wollen. Ich wollte gar nicht mehr, sah keinen Sinn mehr darin und hatte mich der Sucht einfach ergeben.

    Das Ziel für einen Alkoholiker kann also m. E. nur sein, ein ZUFRIEDENES abstinentes Leben zu führen. Die Betonung liegt auf zufrieden was für mich bedeutet, dass er/sie ein Leben führt, in dem nicht mehr der Wunsch vorhanden ist, es mit Hilfe des Alkohols verändern zu wollen.

    Ich habe mittlerweile zu vielen trockenen Alkoholikern Kontakt gehabt und habe noch zu vielen Kontakt. Ich habe dabei gelernt, dass es keinen Königsweg gibt und dass nicht jeder zu dieser Zufriedenheit gefunden hat. Ich kenne auch welche, die seit vielen Jahren kämpfen, mal mehr, mal weniger, aber trotzdem ohne Alkohol leben. Ihn aber immer wieder vermissen und immer wieder mal, bei einem vertaulichen Gespräch, "zugeben", dass sie ja schon gerne mal wieder trinken möchten, sie die Angst vor den Folgen aber zuverlässig daran hindert.

    Auch ok und auf jeden Fall besser als wieder zu trinken oder dem Glauben zu verfallen, man könnte es ja vielleicht doch wieder mit KT versuchen. Jeder darf hier seinen Weg finden. Für mich ist die beste Prävention Zufriedenheit und Klarheit in meinem Leben.

    Und noch eines zum KT: Ich verteufle diese KT-Programme nicht. Ich denke mir, sie können für jene sinnvoll sein, die die Schwelle zur Sucht noch nicht überschritten haben. Für solche Menschen kann ein solchen Programm m. E. hilfreich sein und dabei helfen, dass sie zu einem "normalen" Trinkverhalten zurück finden. Ich glaube aber auch, dass jemand der bereits alkoholsüchtig ist, nicht mehr kontrolliert trinken kann. Also auf Dauer gesehen meine ich. Hier kann dieses Programm bestenfalls dabei helfen, dass man erkennt, dass man tatsächlich Alkoholiker ist und dass man keine Alternative mehr zur absoluten Abstinenz hat.

    Ja und für Alkoholiker die bereits trocken sind ist es natürlich oberstes Gebot die Finger davon zu lassen. Hier sehe ich persönlich die größte Gefahr dieser Programme. Alkoholiker die eben nicht zufrieden trocken sind könnten irrtümlich der Meinung sein, dass sie über so ein Programm das kontrollierte Trinken erlernen könnten. Aber da spielt die Sucht nicht mit. Jedenfalls habe ich noch niemanden getroffen /gelesen / gesprochen, der mir diesbezüglich positive Rückmeldung gegeben hätte.

    Oh, viele Gedanken zu diesem Thema....

    LG
    gerchla

    Hallo Heinmück,

    vielleicht wäre jetzt ein guter Zeitpunkt um mal in Dich hinein zu hören und Dich zu fragen, was Du eigentlich genau willst. Und was Du noch so vor hast im Leben. Nach diesem verrückten Jahr und dem kurz bevor stehenden neuen Jahr wäre es doch ein guter Zeitpunkt erst mal zurück zu blicken um dann auch mal zu überlegen, wie es in Zunkunft weiter gehen könnte / sollte.

    Egal welche Ziele Du vielleicht noch hast, mit einer aktiven Alkoholsucht im Gepäck wirst Du nichts richtig umsetzen können, zumindest nicht jene Dinge, die wirklich wichtig sind im Leben. Also wäre es doch erst mal das wichtigste diese Sucht zum Stillstand zu bringen, damit Du wieder frei wirst im Hirn und wieder die Perspektive bekommst, Dein Leben selbst zu steuern und nicht durch den Alkohol steuern zu lassen.

    Ich meine, Du hast jetzt versucht kontrolliert zu trinken. 3 kleine Bier hast Du jetzt längere Zeit jeden Abend getrunken. Warum überhaupt? Warum hast Du Dich an diese 3 kleinen Bier so festgekrallt? Was haben sie Dir gegeben? Offenbar nicht genug, oder warum hast Du dann diese 10 Bier getrunken? Also warum hast Du diese 3 dann überhaupt getrunken und nicht einfach komplett verzichtet? Ist die Wirkung dieser 3 kleinen Biere so groß und so wichtig, dass Du unbedingt trinken musst?

    Vielleicht kannst Du Dir diese Fragen mal beantworten. Ich kann Rina nur voll zustimmen: Du hast nichts anderes gemacht als Deine Sucht am Leben gehalten. Bis sie jetzt dann irgendwann mal wieder gesagt hat: Jetzt will ich aber mal wieder richtig zuschlagen.

    Du könntest längst frei sein. Du könntest längst zu jenen gehören, die ihre Tage ohne Alkohol zählen. Um dann irgendwann zu jenen zu gehören, die die Wochen, die Monate und irgendwann die Jahre zählen. Und sich rückblickend fragen, warum sie es jemals zugelassen haben, dass der Alkohol ihr Leben dominiert hat.

    Von dieser Sucht wegzukommen ist nicht einfach. Ich denke, diese Erfahrung hast Du ja selbst bereits gemacht. Darum kann ich Dir nur sagen: Wenn Du es möchtest (willst Du das überhaupt wirklich?), dann mache es richtig und mit allen Konsequenzen. Geh zum Arzt, lass Dich beraten und hole Dir alles an Hilfe was Du bekommen kannst. Und dann mache es richtig!

    Aber das funktioniert nur, wenn Du das auch wirklich möchtest. Alternativ kannst Du natürlich versuchen weiterhin 3 Bier zu trinken, wenn diese Dir die Befriedigung bringen, die Du Dir von ihnen erhoffst. Oder auch einfach richtig saufen, so dass Deine Sucht auch richtig befriedigt wird. Du entscheidest über Dein Leben, Du ganz allein.

    Wenn Du von der Sucht weg willst, wovon Du im Nachhinein ganz sicher sagen würdest, dass es die einzig richtige Entscheidung war, dann mache es richtig. Ein bisschen aufhören funktionert nicht und Du wirst immer wieder und immer weiter zurück geworfen.

    Alles Gute für Dich. Ich wünsche Dir, dass Du die richtigen Entscheidungen für Dich treffen kannst und natürlich auch eine schönes Weihnachtsfest.

    LG
    gerchla

    Hallo liebe Forumsmitglieder und Mitleser,

    aus aktuellem Anlass hole ich diesen Thread mal wieder nach oben ;)

    Ich wünsche Euch allen ein schönes und friedvolles Weihnachtsfest. Es wird dieses Jahr für viele ein wenig anders laufen, als wir das sonst so gewohnt waren. Was ich (wir) dieses Jahr erleben durften und mussten, hat mir gezeigt, dass nichts selbstverständlich ist im Leben. Ich empfinde deshalb große Dankbarkeit für alles was ich habe und auch dafür, dass ich gut durch dieses Jahr gekommen bin.

    Allen, denen es nicht so gut ging wie mir wünsche ich, dass sie 2021 ein besseres, ein gutes Jahr, erleben dürfen.

    Ich möchte mich auch noch ganz herzlich bei allen hier im Forum bedanken. Für den konstruktiven und anregenden Austausch, für die vielen Denkanstösse die ich hier immer wieder bekomme und auch für das Gefühl, dass wir hier alle zusammen etwas wirklich sinnvolles tun. Und vielen Dank auch an die Admins, die viel Zeit dafür aufwenden um dieses Forum hier am Laufen zu halten! Danke!

    In diesem Sinne, nochmals ein schönes Weihnachtsfest für Alle und rutscht gut rüber ins Neue Jahr!

    Liebe Grüße
    Gerchla

    Ich habe schon ein paar mal darüber nachgedacht, wie mein Trinkalltag wohl ausgesehen hätte in der aktuellen Situation. Eigentlich immer dann, wenn ich Artikel gelesen habe, wie den der hier verlinkt ist.

    Ich hätte wahrscheinlich Probleme mit meiner ausgefeilten Be- und Entsorgungslogistik bekommen, die bei mir ja komplett heimlich von statten ging. Wahrscheinlich, das kann ich mir gut vorstellen, wäre das wohl ein guter Grund für mich gewesen, auf harte Sachen umzusteigen. Weil's dann bei gleicher Wirkung einfach weniger Flaschen braucht und ich mit der gleichen Anzahl an Flaschen "weiter" gekommen wäre.

    Diese Gedanken hatte ich bereits in der Endphase meiner Trinkzeit, aber irgendwie hatte ich davor dann doch einen großen Respekt, weil mir klar war, dass da dann noch schneller steigern werde und somit noch mehr reinen Alkohol zu mir nehmen werde. So blieb es, bis auf ganz wenige "Notsituationen", bis zum Schluss immer bei Bier und Wein bei mir.

    Und immer wenn ich darüber nachdenke, erfüllt mich ein unglaubliches Gefühl der Erleichterung und der Dankbarkeit, dass ich diese Sucht überwinden durfte und das alles nur rückblickende Gedanken sind.

    LG
    Gerchla

    Sehr gut geschriebener Artikel. Man liest all das, womit wir uns hier ständig beschäftigen.

    Aber wenn ich das so lese, auch noch offiziell vom Bundesministerium für Gesundheit, dann muss ich mir schon die Frage stellen, warum mit dieser überaus schädlichen Substanz, dieser Droge, seitens der Politik nicht grundsätzlich anders umgegangen wird. Offenbar weiß man ja selbst dort jetzt (Ironie), wie gefährlich Alkohol für die Bevölkerung sein kann und für viele auch ist.

    Da mutet es mir schon fast scheinheilig an, dass man jetzt dieses Virus benutzt um auf diese Gefährlichkeit hinzuweisen. Aber natürlich besser als nichts.

    LG
    gerchla

    Guten Morgen Schotterblume,

    Zitat

    Oder denkst du, dass das Laufen so etwas wie eine Ersatzsucht geworden wäre? (Gibts ja anscheinend auch, Sport-Sucht).


    Diese Angst hatte ich tatsächlich überhaupt nicht. Das ist übrigens auch eine ganz furchtbare Sucht die nicht selten tödlich enden kann. Nein, es war eher so, dass ich mir Gedanken darüber gemacht habe, was passieren könnte, wenn ich diese Leidenschaft dann mal nicht mehr ausüben könnte. Also z.B. weil ich irgend einen körperlichen Schaden erleide, der das Laufen dann einfach verhindert.

    Darüber dachte ich nach und ich hatte Angst davor, dass dann das wieder hochkommen könnte, was ich noch nicht aufgearbeitet habe. Weil ich es ja durch den Sport und die damit verbundenen positiven Effekte weggedrückt statt aufgearbeitet habe. Ich wollte also so klar mit mir selbst sein, dass ich auch dann, wenn ich nicht das tun kann was ich möchte oder was mir unheimlich viel gibt, keinen Gedanken mehr an Alkohol verschwende. Oder einfach gesagt: Ich wollte verhindern, dass ich in ein "Loch" falle, wenn meine "Ablenkung" mal wegfallen sollte.

    Darum, erst mal mit mir und meiner Vergangenheit klar kommen, dann ins neue Leben starten. So habe ich es versucht und jetzt, im Nachhinein, kann ich sagen, dass es für mich recht gut funktioniert hat. Damals war das natürlich nicht so klar, da hatte ich natürlich auch Zweifel ob das alles so richtig ist was ich da mache. Mir gings ja teilweise auch einfach richtig schlecht so dass diese Zweifel ja auch angebracht waren. Wenn es sich heute vielleicht so anhört als hätte ich immer genau gewusst was zu tun, dann will ich hier mal ganz deutlich sagen: Nein, so war es nicht! Aber ich musste irgendwann mal eine Entscheidung treffen. Ehrlich gesagt musste ich in dieser Zeit ständig, teils sehr wichtige, Entscheidungen treffen. Und das war wirklich wichtig, dass ich das getan habe und nicht darum herum geschifft bin oder verschoben, verschoben, verschoben als Stratgie angewendet habe.

    Sich zu entscheiden ist enorm wichtig, auch wenn vielleicht mal eine falsche dabei sein sollte. Dann hat man immernoch die Möglichkeit zu korrigieren und daraus zu lernen.

    Zitat

    Ich verstehe irgendwie dass du keine Ablenkung wolltest, sondern mittendurch.


    Auch dazu möchte ich noch was sagen. Es hört sich bei mir vielleicht manchmal so an, als hätte ich ständig nur aufgearbeitet und mich mit mir und meinen Leben beschäftigt. Das stimmt natürlich so nicht. Ich habe mir "nur" bewusst, regelmäßig (täglich) Zeit dafür genommen. Natürlich habe ich mich auch (temporär) mal abgelenkt. Wenn ich nicht einschlagen (oder durchschlafen) konnte, was in den ersten Wochen oft der Fall war, habe ich z. B. Hörspiele gehört. Das hat mir sehr geholfen mich abzulenken und auf andere Gedanken zu kommen. Denn schlafen wollte ich natürlich dann schon auch irgendwann mal. Ich habe versucht meine "Denkzeiten" in lange Spaziergänge, die ich wirklich fast täglich gemacht habe, egal bei welchem Wetter, zu packen. Das waren meine Denkspaziergänge, entweder abends nach der Arbeit oder auch untertags am Wochenende oder wenn ich frei hatte.

    Also es war nicht so, dass ich keine Ablenkung gesucht hätte. Aber eben keine, die mir das Aufarbeiten erschweren hätte können. Aber Auszeiten brauchen wir ja alle und die sind sogar wichtig. Sonst ist man ja irgendwann total leer und das ist gerade in der Anfangsphase eines Suchtausstiegs eine große Gefahr.

    LG
    gerchla