Beiträge von Gerchla

    Hallo Hugo,

    herzlich Willkommen bei uns im Forum. Und Glückwunsch zu Deinem Entschluss keinen Alkohol mehr zu trinken.

    Ich bin ähnlich alt wie Du, habe ca. 10 Jahre intensiv getrunken (vorher moderat "normal") und bin jetzt seit einigen Jahren trocken.

    Deine Liste der Vorteile des Nüchternseins kann ich nur bestätigen. Dazu möchte ich noch anfügen, dass die Sucht ja auch nicht stehen bleiben würde. Wenn Du weiter trinkst, wird noch einiges an negativ Punkten hinzu kommen. Ich beispielsweise musste zum Ende hin dann schon morgens mit dem Trinken beginnen, die Trinkmenge entwickelte sich langsam in Richtung "monströs", körperliche Symptome stellten sich ein, psychisch war ich ohnehin schon ein Wrack. Bei mir wäre es eine Frage der Zeit gewesen, bis ich richtig mit harten Sachen begonnen hätte was dann wiederum dazu geführt hätte, dass sich die Menge (reinen Alkohols) nochmal kontinuierlich gesteigert hätte. Heute würde ich vielleicht nicht mehr leben oder ich wäre ein einsamer Säufer. Ich war wirklich kurz vorm Komplettabsturz.... Dabei fing alles so harmlos an....

    Nun, ich denke so weit bist Du noch nicht und deshalb ist es umso besser, dass Du jetzt was unternimmst. Denn solltest Du schon Alkoholiker sein, dann ist Dein Weg vorgezeichnet, solltest Du weiter trinken.

    Zitat

    Also deshalb habe ich beschlossen, nichts mehr zu saufen.

    Was hast Du denn jetzt vor? Ich meine, super Beschluss nicht mehr zu saufen. Aber willst Du jetzt einfach mal nix mehr trinken oder planst Du weitergehende Maßnahmen? Siehst Du Dich als Alkoholiker? Planst Du zur Suchtberatung zu gehen? Reale Selbsthilfegruppe?

    Ich freue mich wieder von Dir zu lesen und wünsche Dir einen guten Austausch hier im Forum!

    LG
    gerchla

    Hallo Angemon,

    schön mal wieder von Dir zu hören.

    Du bist also noch am "arbeiten" was Deine Abstinenz betrifft. Hier mal ein paar Gedanken von mir:

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    Ich beziehe das dann immer auf meine Alkoholerkrankung wenn ich wirklich massiv getrunken habe ( Findet ihr das richtig? Die Erkrankung soll aber keine Ausrede sein um einen Freifahrtschein für den Alkohol zu bekommen.).

    "Der Rückfall gehört zum Krankheitsbild, der Rückfall ist normal, ist eher die Regel auf dem Weg in die Trockenheit" - so hört und liest man es immer wieder. Und die Statistiken tun ihr übriges dazu. Auch hier erkennt man klar, wie hoch die Rückfallquote eigentlich ist. Mir persönlich gefällt das alles überhaupt nicht. Ich finde es nicht gut zu sagen "der Rückfall gehört zum Krankheitsbild". Ich würde eher sagen "ein Rückfall muss nicht sein". Denn dieses "gehört zum Krankheitsbild" öffnet für mich ein Hintertürchen. Vielleicht nutzt Du gerade auch genau dieses Hintertürchen indem Du der Krankheit die "Schuld" gibst, dass Du halt manchmal massiv trinken musst.

    Nun, es ist ja die Krankheit die dafür verantwortlich ist. Aber wie wir wissen ist es eine Krankheit die sich in der Psyche, im Kopf, abspielt. Und da sollten wir sie auch bekämpfen.

    Ich denke das es enorm wichtig für Dich ist, jetzt heraus zu finden warum Du immer wieder trinken willst / musst. Was veranlasst Dich wieder zu trinken wo Du doch (vermute ich mal) rational schon bemerkt hast, dass es Dir ohne besser geht.

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    Ich bin auch seit mehreren Monaten in Therapie eben gegen meine Alkoholerkrankung. Die Therapie hat am Anfang wirklich gut angeschlagen bei mir. Ich habe mich auch besser und freier gefühlt.


    Und wie läuft das dort ab? Wie reagieren sie dort auf die Unterbrechungen Deiner Trinkpausen? Wie lange bist Du dort noch?

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    Aber seit ein paar Wochen entwickelte ich einen sehr großen Suchtdruck.

    Hast Du eine Erklärung dafür? Private oder berufliche Probleme? Oder "einfach so"?

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    (Habt ihr schon Erfahrungen mit Medikamenten gemacht?)

    Dazu kann ich Dir nichts sagen, glücklicherweise für mich. Das wäre für mich nur eine Option für die Anfangszeit (Entzug) gewesen, brauchte ich aber nicht. Ansonsten hatte ich selbst zu Beginn meiner Abstinenz kaum Suchtdruck. Wenn er mal kam habe ich bewusst begonnen zu denken und konnte mir schnell darüber klar werden, dass der Alkohol, wenn ich ihn jetzt trinke, mir absolut nichts bringen würde. Außer das es mir danach besch...en geht. Ich hatte da ja die Erfahrung zahlreicher Trinkpausen, die ich vorher mit viel Mühe eingelegt hatte. Ich wusste ja, wenn ich jetzt wieder zugreife, war das alles wieder nichts anderes als eine weitere,für mich sinnlose Trinkpause. Wieder alles von vorne. Das hatte ich beim meinem letzten Versuch für mich ausgeschlossen - kein Alkohol mehr, nie wieder. Und ergründen, warum ich trinken musste - und mir ganz klar machen, was der Alkohol mir gebracht hat. Dieses Ergebnis war im wahrsten Sinne des Wortes ernüchternd für mich.

    Zitat

    So das war es erst einmal von mir, ich denke das ich jetzt aktiver hier zu Werke gehen werde, denn ich habe auch gemerkt das es mir gut tut mich mit Gleichgesinnten zu Unterhalten

    Schön, dass Du das so siehst. Dafür sind wir ja hier! Ich freue mich wieder häufiger von Dir zu lesen. Vielleicht wäre auch eine reale SHG was für Dich?

    Alles Gute und ich wünsche Dir, dass Du Deinen Weg schnell findest.

    LG
    gerchla

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    Ich bin dann einfach ein anderer Mensch, der alles vernachläßigt. Und der Mensch will ich zu100% nicht mehr sein.

    Eine gute Einstellung. Von heute auf morgen geht das nicht, das wirst Du sicher wissen. Ich war am Ende meiner Trinkerzeit ein psychisches und auch körperliches Wrack. Körperlich gesehen hatte ich schon nach ein paar Tagen das Gefühl ich könnte einen ganzen Wald alleine mit der Axt abholzen. Ich hatte das Gefühl mir ginge es gut wie nie. Ich kam ja aus einer Zeit des jahrelangen kontinuierlichen trinkens. D.h. die letzten Jahre gab es keinen Tag ohne Alkohol, nicht mal wenn ich krank war und z. B. Fieber hatte. 10 - 12 Bier mussten es sein, oft noch Wein dazu. Das täglich und auf diesem Niveau auch ein paar Jahre. Ab und zu vielleicht mal "nur" 8 Bier. Aber ok - ich war einfach ein Wrack und hatte sehr sehr großes Glück, dass mir körperlich nix geblieben ist.

    Ich erinnere mich, dass ich schon nach drei oder vier wochen 6 Kilo abgenommen hatte. Einfach nur durch das Weglassen von Alkohol um statt dessen Wasser zu trinken. Ohne Ernährungsumstellung oder so. Ich fühlte mich so gut, es war fast ein euphorisierendes Gefühl. Wäre da nicht die Psyche gewesen..... Die erholte sich leider nicht von jetzt auf gleich. Da gings zum Arzt und zu Psychologen. Da gings zur Selbsthilfegruppe, da waren zahlreiche Gespräche über viele Monate notwendig.

    Ein meiner damaligen SHG sagte der damalige Gruppenleiter zu mir: Faustregel - Solange Du gesoffen hast, so lange brauchst Du auch bist Du wieder normal bist!

    Naja, vielleicht ist das ein klein wenig zu eng gefasst, aber grundsätzlich ist da schon was dran. Und bei mir sind's jetzt schon ein paar Jahre und ich ertappe mich manchmal immernoch, dass ich Denkweisen habe, die aus meiner nassen Zeit stammen. Selten, immer seltener und ich habe gelernt sie zu reflektieren und sofort wieder daraus zu lernen. Das hat jetzt nix mit Saufdruck oder so zu tun - den hatte ich eigentlich so gut wie nie, nicht mal am Anfang. Aber ich habe eben auch gelernt, dass ein Rückfall immer erst im Kopf statt findet, dass zuerst die Gedanken wieder nass werden bevor man dann tatsächlich zum Glas greift. Und da ich einen riesen Respekt vor meiner Sucht habe, bin ich da ziemlich sensibel was meine Denkweisen anbelangt.

    LG
    gerchla

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    Aber mein festes Umfeld, weiß von meinen Problem und werden mich mit meinen Vorhaben voll unterstützen.

    Das finde ich sehr gut. Das bedeutet ja, dass Du Dich dort bereits als Alkoholiker geoutet hast. Dieses zugeben, dass man ein massives Problem hat bzw. Alkoholiker ist/sein könnte ist oft eine große Hürde. Ich denke aber (aus eigener Erfahrung), dass es sehr wichtig ist sein näheres Umfeld darüber zu informieren.

    Der Termin bei der Suchtberatung ist ebenfalls sehr hilfreich. Da kannst Du Dir erst mal eine Einschätzung holen und auch das mögliche weitere Vorgehen besprechen. Und Du hast da normalerweise auch jemanden der ziemlich genau weiß wovon er spricht.

    Was den Arzt betrifft: Vielleicht probierst Du einfach mal irgend einen aus. Einen Hausarzt zu dem Du auch gehen würdest/müsstest wenn Du jetzt z. B. eine Krippe hättest. I.d.R. haben die Ärzte schon auch etwas Erfahrung mit Alkoholsucht - es gibt ja ziemlich viele von uns. Zumindest hättest Du jemanden der Dich beim Entzug auch ein wenig begleiten könnte. Und fallst Du körperliche Probleme bekommst weißt Du auch gleich wen Du fragen kannst bzw. es kann vorher abgesprochen werden was wie und wann.

    Aus meiner Sicht ist es auf jeden Fall wichtig, dass Du Dich mit Deiner Krankheit / Deiner Trinkerei auseinander setzt. Nur nichts mehr trinken reicht i. d. R. nicht aus um dauerhaft etwas zu verändern. Ich habe das oft versucht und bin immer gescheitert. Das große Problem an der Alkoholsucht ist eben die psychische Abhängigkeit die meist bereits lange vor der körperlichen entsteht und die nach Beendigung der körperlichen Abhängigkeit (durch Entgiftung und Entzug) einfach bestehen bleibt. Ein Leben lang, leider. Aber, die Krankheit kann zwar nicht geheilt werden, wohl aber gestoppt. Und das muss das Ziel sein - dafür muss an der Psyche gearbeitet werden. Ich denke Du wirst da bei der Suchtberatung auch einiges Erfahren.

    Alles Gute und bis bald

    LG
    gerchla

    Guten Morgen Krissi,

    herzlich Willkommen auch von mir!

    Ich bin Alkoholiker, Mitte 40, einige Jahre trocken.

    Danke für Deinen Text! Du bringst es auf den Punkt!

    Besonders hiermit:

    Es ist schon traurig, dass die Co-Abhängigkeit offenbar so wenig als Krankheit wahr genommen wird. Es wird komplett unterschätzt, was Alkoholiker durch ihre Sucht den Angehörigen antun. Ich habe hier bewusst nicht das Wort zumuten verwendet weil ich denke das es mehr ist. Ein Alkoholiker zieht sein ganzes näheres Umfeld mit in den Abrund, vorwiegend den Partner und die Kinder aber auch Eltern oder Geschwister, manchmal auch enge Freunde. Sofern diese es nicht schaffen sich abzugrenzen - das wird ja immer "empfohlen", ist aber sicher nicht so einfach. Ich weiß von mir selbst, wie manipulativ ein Alki sein kann, wie sehr er mit Emotionen und Gefühlen anderer spielt und diese für seine eigenen Zwecke manipuliert....

    In der Wahrnehmung ist der Alkoholiker aber ja krank und er kann ja nichts dafür..... Tja, das stimmt wohl auch bringt aber den Angehören überhaupt nichts.

    Deshalb finde ich diese Worte von Dir...

    Zitat

    bei geringstem verdacht auf alkoholmissbrauch müsste ein verantwortungsvoller partner bereit sein, freiwillig aufgrund deiner befürchtungen eine suchtberatugsstelle aufsuchen. im besten falle gemeinsam mit dir.
    wenn er/sie dich liebt und dir zuliebe diese befürchtungen aus der welt schaffen möchte oder weil er/sie selbst unsicher ist, ob ein missbrauch schon in gange ist oder die gefahr dazu besteht.

    für den fall, dass sich einer von euch beiden irrt, würde es doch euch beiden versichern, dass ihr euch als partner gegenseitig ernst nehmen und im ernstfall auf einander verlassen könnt. eure partnerschaft würde dadurch gestärkt werden.

    ... auf den Punkt gebracht! Nicht die Augen verschließen wenn man den Verdacht hat dass der Partner trinkt, nicht hoffen, dass man sich irrt, nicht festhalten an den angenehmen, schönen Momenten wenn er/sie mal gerade nüchtern sind und dann alles genauso ist wie man es sich immer vorgestellt hat, nicht glauben, dass es schon wieder besser wird wenn dieses oder jenes Problem gelöst ist, schon gar nicht hoffen, dass es vielleich ja von selbst wieder besser wird. So früh wie möglich reagieren - das hilft dem Angehörigen und kann ihn davor bewahren in ein jahrelanges Trauma zu fallen das einen nicht selten ein Leben lang begleitet und es gibt aber auch dem Süchtigen die Chance seine Sucht zu erkennen und entweder etwas zu unternehmen oder eben alleine weiter zu saufen.

    Danke für Deine Zeilen.

    LG
    gerchla

    Guten Morgen Jürgen,

    erst mal herzlich Willkommen bei uns im Forum.

    Ich bin Alkoholiker, Mitte 40 und ein paar Jahre trocken.

    Ich glaube es wäre sinnvoll, wenn Du für Dich einen eigenen Thread beginnen würdest, im Vorstellungsbereich. Das ist ja hier der Thread von "Zweiradler" und ich denke Du hättest sicher gern Deinen eigenen wo wir expliziert mit Dir zu Deinen Fragen schreiben können. Vielleicht kopierst Du einfach Deine Vorstellung "hinüber" in Deinen eigenen Thread.

    Ist jetzt ne blöde Einleitung weil Du bist ja hier, weil Du ein Alkoholproblem hast und Dich austauschen willst. Und Du bist hier bei uns ganz richtig, um mal auf das eigentliche, wichtige Thema zurück zu kommen.

    Hast Du denn schon konkrete Pläne wie Du vom Alkohol weg kommen willst? Ich meine außer das Du sagst: Jetzt ist schluss! Wirst Du eine Suchtberatung aufsuchen? Deinen Arzt einweihen? Beides sind meiner Meinung nach recht gute Vorgehensweisen die einem sehr viel Hilfe beim Ausstieg geben.

    Auf jeden Fall wünsche ich Dir einen guten Austausch hier im Forum und freue mich wieder von Dir zu lesen.

    LG
    gerchla

    Guten Morgen Pauli,

    ich kenne mich mit Betriebsvereinbarungen, Betriebsräten usw. nicht sonderlich gut aus, das muss ich mal offen zugegeben. Ich glaube Du hast jetzt von Dietmar schon ziemlich viele gute Informationen bekommen.

    Dazu

    Zitat

    Sie meinten nur, dass sie meinen Namen schon nennen müssen, weil es sonst reines Hören/Sagen sei.


    möchte ich aber noch mal was ganz pragmatisches anfügen:

    Mit Datenschutz kenne ich mich jetzt dann doch etwas besser aus. Wenn Du nicht möchtest das Dein Name genannt wird, dann darf er nicht genannt werden. Die Konsequenz daraus könnte allerdings sein, dass dadurch das grundsätzliche Problem, also die vermeintliche Sucht Deines Chefs, überhaupt nicht thematisiert wird.

    Insofern hoffe ich mal, das der Weg die Dietmar Dir aufgezeigt hat, zu einer vernünftigen Lösung führen. Denn für Deinen Chef könnte so ein "Schuss vor dem Bug" seitens des Arbeitgebers tatsächlich eine Wende einleiten und er könnte dadurch wach gerüttelt werden um etwas gegen Seine Sucht zu unternehmen. Es wäre ihm zu wünschen.

    LG
    gerchla

    Hallo Pauli,

    das ist ne heikle Angelegenheit. Wir hatten das bei uns auch mal. Damals war ich einer derjenigen der mit dem Suchtberater in unserer Firma über einen Kollegen sprechen musste. Es ging also nicht um mich obwohl ich selbst Alkoholiker bin/war :o sondern um einen Kollegen der durch einige Eskapaden aufgefallen war. Bei einigen davon war ich dabei und wurde deshalb befragt...

    Unser Chef sprach dann, gebrieft von der Suchtberatung, mit diesem Kollegen (ohne mein Beisein). Er machte ihm strikte Auflagen usw.

    Mein Name wurde damals nicht genannt. Da gibt es ja schon auch noch sowas wie Datenschutz. Ich denke nicht, dass man Deinen Namen gegen Deinen Willen nennen darf. Aber auf der anderen Seite kann sich Dein Chef wahrscheinlich auch ohne Nennung Deines Namens denken woher die Informationen kommen.... Vermute ich jetzt mal. Also bei mir war das jedenfalls so.

    Ich sag mal so: Wenn er aufgrund dieser Geschichte tatsächlich einsichtig wird und etwas gegen seine Sucht unternimmt wird er Dir sicher dankbar sein, später, wenn er trocken ist. Aber Deine Bedenken, dass es eben ganz anders läuft sind natürlich schon berechtigt.

    Ich kann Dir leider nicht mehr dazu sagen, außer das Du darauf bestehen solltest das Dein Name nicht genannt wird, wenn Du das nicht möchtest.

    Alles Gute und

    LG
    gerchla

    ok, also für mich hört sich das jetzt alles erst mal nach einem Plan an. Das finde ich sehr gut. Und ja, Du hast Recht, kontrolliertes Trinken wird kontrovers diskutiert.

    Die meisten, ich auch, sind der Meinung, dass ein bereits süchtiger Alkoholiker nicht mehr kontrolliert trinken kann. Für bereits Trockene ist es Freifahrtschein zurück in die Hölle, wenn sie es probieren.

    ABER: Solltest Du noch nicht süchtig sein halte ich es schon für möglich, dass Du darüber zurück zu normalem Kosum finden könnest. Auch deshalb, weil Du Dein Trinkverhalten ja selbst ziemlich gut reflektierst. Ich denke Du wirst selbst merken ob Du ein niedriges Level ohne Probleme auf Dauer halten kannst oder ob Du ständig den Druck hast mehr trinken zu wollen. Sollte letzteres der Fall sein würde wohl nur absolute Abstinenz helfen wenn Du nicht wieder in Dein altes Muster zurück fallen willst. Aber soweit bist Du ja noch nicht, erst mal checken was Sache ist.

    Und ich möchte mich Greenfox anschließen was das Trinkverhalten anderer betrifft: Völlig egal was andere machen. Hier geht es um Dich. Natürlich findet man immer einen der noch mehr trinkt, noch tiefer abstürzt usw. Aber darum geht es ja nicht. Für Dich wird die Herausforderung eher sein diesen Menschen klar zu machen, dass Du da nicht mehr in der gewohnten Form dabei sein wirst. Notfalls müsstest Du sogar ein Umfeld ändern - wenn es wirklich nicht anders ginge....

    LG
    gerchla

    Hallo Sonne,

    unbedingt das Jugendamt einschalten. Ich kenne aus meinem Umfeld übrigens auch einen Fall, wo der Vater eine Suchtproblematik hatte und wo er sein Kind dann zwar sehen durfte, aber nicht alleine. Es musste immer eine zuverlässige, vorher bestimmte Begleitperson dabei sein. Also nicht Du natürlich, sondern z. B. seine Mutter /Schwester oder was auch immer möglich ist.

    Ich glaube ehrlich gesagt auch, dass so etwas sinnvoll ist. Ich meine, jemand der ein derartiges aktives Suchtproblem hat und dann scheinbar auch noch ein recht hohes Aggressionsverhalten (wenn auch aktuell "nur" verbal), den würde ich sehr ungern mit meinem Kind alleine wissen.

    Aber so etwas kann geregelt werden. Darum unbedingt Jugendamt einschalten.

    Meine Ex-Frau hat mich übrigens anfangs auch nicht mit meiner kleinen Tochter alleine gelassen. Ich durfte auch nicht Auto mit ihr fahren. Es musste immer mein großer Sohn dabei sein. Als wir uns trennten war ich bereits trocken, allerdings sehr "frisch". Aber sie hat mir nicht vertraut. Und ehrlich gesagt, ich habe das voll verstanden. Klar habe ich ihr gesagt, dass ich nicht mehr trinke aber aus ihrer Sicht konnte ich voll verstehen, dass sie mir nicht über den Weg traut. Das hat sich über die Zeit, mittlerweile Jahre, dann natürlich irgendwann gegeben und ich konnte Vertrauen zurück gewinnen.

    In Deinem Fall sieht das ja ganz anders aus. Ich wünsche Dir viel Energie um das jetzt zu regeln und in ein ruhigeres Fahrwasser zu kommen.

    Ach und übrigens: Glückwunsch dafür, dass Du Dich getrennt hast! Das war ganz sicher der richtige Weg, egal was er Dir jetzt so an den Kopf wirft!

    LG
    gerchla

    Guten Morgen Magisch,

    ok, erst mal vielen Dank für die Beschreibung Deiner aktuellen Situation. Meine Gedanken dazu:

    Zitat

    Beim Hausarzt habe ich jetzt einen Termin.


    Das finde ich sehr gut. Spiel mit offenen Karten, beschönige nicht - es bringt Dir unterm Strich nämlich gar nichts

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    Eigentlich müsste ich es angeben, wenn eine sucht vorliegt, die Frage ist halt wie weit bin ich?

    Das lässt mich mal vermuten, dass Du einen Job hast wo eine Suchterkrankung ein besonderes Problem darstellen könnte. Mit dem letzten Teil Deines Satzes stellst Du Dir aber ja selbst die Schlüsselfrage. Also, bist Du schon süchtig oder betreibst Du aktuell "nur" Missbrauch? Ich kann Dir das natürlich nicht beantworten. Aus dem was Du schreibst geht für mich aber deutlich hervor, dass Du auf jeden Fall ein ziemliches Problem hast. Und das hast Du ja bereits selbst erkannt. Einfach formuliert: Sucht besteht dann, wenn Du nicht mehr aufhören kannst, wenn Du den Alk brauchst. Dazu braucht es aber überhaupt keine körperlichen Symptome, die psychische Abhängigkeit ist eigentlich erst mal das größere Problem. I.d.R. ist man erst mal psychisch abhängig, die körperliche Abhängigkeit entwickelt sich erst später. Die ist dann natürlich irgendwann sehr gefährlich, besonders beim Entzug. Kontrollverlust ist übrigens auch eines der Anzeichen für eine vorliegende Suchtproblematik.

    Es geht einfach darum, dass die Sucht, Dein Suchthirn einen für sich positiven Zustand erreichen möchte für den der Alkohol verantwortlich ist. Und lass Dich bitte nicht täuschen. Die Tatsache, dass man auch mal Trinkpausen einlegen kann (ich konnte das am Anfang meiner Sucht sogar wochenlang) bedeutet nicht, dass man kein Problem hat. Das ist ja das gefährliche an der ganzen Geschichte. Das eigene Hirn suggeriert einem dann "na siehste, jetzt hast Du 3 Wochen keinen Tropfen getrunken, Du kannst ja gar kein Alki sein". Das stimmt eben nicht.

    Zitat

    Selbst die von mir geäußerten Gedanken, bzw Bedenken werden mit dem Kommentar abgetan dich mal etwas lockerer zu werden.

    Tja, das kennt wahrscheinlich jeder von uns in irgend einer Form. Ich habe solche Aussagen immer genutzt um mein schlechtes Gewissen zu beruhigen. Wenn die anderen sagen ich soll mich entspannen und kann ruhig was trinken, dann kann das ja nicht verkehrt sein.... Ich habe auch manchmal geäußert, dass ich Angst habe zu viel zu trinken und deshalb mal nichts trinken möchte. Auch da kamen dann Aussagen wie: "Du übertreibst" oder "Jetzt mach Dich mal locker, man kann doch ab und zu mal was trinken" usw. Auch da bin ich dann natürlich immer eingeknickt. Dabei hatte ich noch nicht mal ein richtig trinkfreudiges Umfeld und solche Situationen gab es bei mir auch nur ganz am Anfang meiner Sucht. Später habe ich dann komplett heimlich getrunken, denn ich wurde irgendwann von meiner Frau mehrfach darauf angesprochen, ob ich nicht glaube, dass ich vielleicht ein wenig zu viel trinke. Dazu muss ich noch sagen, dass ich keine Blackouts oder Abstürze oder so hatte. Nein, es waren meine zwei oder drei Bier am Abend, die ich irgendwann mal anfing regelmäßig zu trinken. Auch nicht mehr, nur zwei, vielleicht mal drei. Ich war aber schon vorher süchtig, bei einem bis zwei Bier pro Tag, weil ich schon damals nicht aufhören konnte bzw. wollte. Ich pausierte zwar immer wieder, aber dabei dachte ich viel an Alkohol und fieberte sozusagen schon darauf hin wieder was zu trinken.

    Auf jeden Fall wollte ich diesen Konflikt mit meiner Frau nicht weiter ausfechten und so verkündetet ich offiziell, dass ich jetzt kein Feierabendbier mehr trinke. Und trank es trotzdem, heimlich. So verbrachte ich die weitaus längste Zeit meiner Alkoholikerkarriere mit heimlichen Trinken, am Ende auf sehr hohem Trinkniveau.

    Zitat

    Hinzu kommt, daß die Gruppe von Nachbarn darin überhaupt kein Problem sieht

    Mit dieser Gruppe wirst Du irgendwie umgehen müssen, wenn Du tatsächlich ernsthaft aufhören willst mit dem Trinken. Und zwar jetzt erst mal unabhängig davon, ob Du schon süchtig bist oder nur Missbräuchler. Denn in beiden Fällen ist erst mal Abstinenz angesagt. Wenn Du süchtig bist und es wirklich schaffen willst Dein Leben zurück zu bekommen, dann musst Du dauerhaft trocken bleiben. Wenn Du Missbräuchler bist kannst Du vielleicht lernen ein "normales" Trinkverhalten zu erreichen. Wobei Kontrollverlust und Abstürze dabei dann nicht mehr passieren sollten...

    Ggf. wäre hier dann ein Outing Deinerseits der richtige Weg. "Leute, ich bin Alkoholiker und ich trinke nicht mehr! Bitte unterstützt mich dabei". Dann wist Du sehen, was Deine Nachbarschaft wirklich wert ist!

    Zitat

    Körperlich habe ich kein Problem. Ich bin sportlich, schlank und auch mein jährlicher Check-up ergibt (noch) keine Probleme.

    Ja, das kenne ich. Ich war auch fit. Sehr lange Zeit. Und war schlank und die Werte stimmten auch. Krank wurde ich so gut wie nie, im Gegenteil, ich war bekannt für mein äußerst robustes Immunsystem.
    Ich kann Dir versprechen, dass sich das mit der Zeit gibt. Es wird schlechter werden, schön langsam aber stetig. Irgendwann begann es bei mir damit, dass ich zu nahm. Kilo für Kilo. Naja, 10 bis 12 Bier pro Tag hatten halt auch ein paar Kalorien. Dazu noch das veränderte Essverhalten. Morgens schon nen Burger weil einfach Heißhunger vorhanden war... Und dann kamen sie plötzlich, die körperlichen Symptome: Bauchschmerzen, teilweise sehr starke. Ich konnte nicht mehr auf dem Bauch liegen. Probleme mit dem Magen, Verdauung usw. Geschwollene Lymphknoten immer wieder, es war ziemlich übel alles. Aber auch das konnte ich noch ein paar Jahre ignorieren bzw. ab und an wurde es mal wieder etwas besser, dann wieder schlimmer und so ging es dahin. Irgendwann war dann aus einem 75 kg Mann ein 105 Kg Mann geworden und ich war körperlich und vor allem aber psychisch ein Wrack.

    Nur mal so ein Ausblick, wie sich diese Krankheit so entwickeln kann.

    Ich denke Du tust sehr gut daran, dass Du etwas gegen Dein Problem unternimmst. Ich kann Dir aus meiner Erfahrung sagen, dass es sich lohnt. Und je früher desto besser. Ich habe mein Leben zurück, Alkohol spielt keine Rolle mehr. D.h. doch, denn ich bin ja z. B. hier im Forum aktiv. Aber er spielt keine Rolle mehr in meinen alltäglichen Leben. Es mir eine Lebenseinstellung geworden, keinen Alkohol zu trinken. Und zwar nicht weil ich es nicht darf (wer will mir das bitte verbieten?), sondern weil ich es nicht will, ich für mich überhaupt keinen Sinn mehr darin sehe. Weil ich eben gelernt habe all das, was mir der Alkohol vermeintlich gebracht hat, auch ohne zu erreichen. Spaß haben, locker sein, Probleme verarbeiten oder was auch immer. Ich kann es ohne und das sogar noch viel besser.

    Also greif es an, es lohnt sich wirklich.

    LG
    gerchla

    Hallo Magisch,

    von mir auch erst mal ein herzliches Willkommen hier im Forum.

    Ich bin Alkoholiker, Mitte 40 und schon einige Jahre trocken.

    Ich schließe mich Greenfox an. Suchtberatung = richtiger Weg um Dir erst mal Klarheit zu verschaffen wie es weiter gehen könnte. Arzt ist auch wichtig, besonders um Dich beim Entzug zu begleiten. Und normalerweise haben Hausärtze da schon einigermaßen einen Plan. Schließlich gibt es mehr von uns Alkoholikern als wir vielleicht glauben.... Aber wenn Du Deinem Hausarzt nicht vertraust, dann probiere es doch mit einem anderen? Oder ist es bei Dir so, wie es bei mir war? Mir war es einfach unheimlich peinlich meinem Arzt zu sagen das ich Alkoholiker bin. Ich habe mich geschämt wie verrückt und es deshalb immer wieder hinausgezögert.

    Was den Arbeitgeber betrifft bin ebenfalls voll der Meinung von Greenfox. Da würde ich erst Bescheid geben wenn es notwendig ist. Grundsätzlich ist es meiner Meinung nach schon sehr wichtig, dass das nähere Umfeld darüber informiert wird was Sache ist. Ich meine damit Partner/in, enge Freunde, nahe Verwandte usw. Diese Outing halte ich für wichtig wenn man wirklich ernsthaft etwas gegen seine Sucht unternehmen will. Aber beim Arbeitgeber und Kollegen muss man schon genau abwägen ob und wann man das tut.

    Wie ist es denn bei Dir genau: Trinkst Du täglich bzw. regelmäßig? Oder hast Du ab und an Abstürze? Kannst Du längere Zeit verzichten ohne Probleme? Ich frage nicht aus Neugier sondern nur deshalb um Deine Situation etwas besser einschätzen zu können.

    Auf jeden Fall wüsche ich Dir einen guten Austausch hier im Forum und das Du Deinen Weg in die Abstinenz findest.

    LG
    gerchla

    Hallo Jenny,

    herzlich Willkommen auch von mir!

    Den Grundstock für ein trockenes Leben hast Du ja jettz schon mal gelegt. Du bist entgiftet und seit einigen Wochen ohne Alkohol. Von dauerhaft trocken kann man da aber leider noch nicht sprechen. Trotzdem finde ich, kannst Du erst mal stolz auf das sein, was Du bereits erreicht hast. Und das sollte Dich auch motivieren jetzt dran zu bleiben. Das Wissen, dass Du, solltest Du wieder mit dem Saufen beginnen, Deine Bauchspeicheldrüse komplett ruinieren wirst und dass Du möglicherweise auch daran sterben kannst, sollte weitere Motivation sein.

    Ich kann Dir jetzt nur mal schreiben, was ich damals so gemacht habe:

    Gerade mal 24 h nach meinem letzten Bier war ich bereits in einer SHG - die darauf folgenden Wochen / Monate verbrachte ich mehrere Tage in der Woche dort. Das hat mir sehr geholfen. Ich konnte mich persönlich mit Menschen austauschen, die es geschafft haben weg zu kommen. Ich traf auch auf Menschen, die ewig weg waren vom Alk und rückfällig wurden und dann wieder weg kamen. Das z. B. lehrte mich den Respekt vor meiner Krankheit. Den hatte ich zwar vorher schon, aber wenn Dir mal ein gepflegter netter Mensch, der neben Dir sitzt erklärt, dass er nach 8 Jahren rückfällig wurde, wieder jahrelang soff und seit 6 Wochen wieder dabei ist erneut trocken zu werden, dann ist das doch nochmal eine andere Hausnummer.

    Gleichzeitig habe ich mich um Termine beim Psycholgen bemüht. Es gab einiges aufzuarbeiten in meinem Leben - ich meine neben meiner Sauferei. Diese hatte ja Gründe, die bei mir nun nicht sofort offensichtlich waren. Ich wollte nicht einfach aufhören mit dem Trinken, ich wollte auch psychisch geheilt werden. Und wer säuft ist m. E. auf jeden Fall psychisch krank. Dieser Prozess dauerte etwas länger - erst mal musste ich einen Termin bekommen und dann gab's noch viele Folgetermine. Das war alles nicht einfach, der Psychologe schien mich auch nicht zu verstehen.... Heute sehe ich das etwas anders - gut, dass ich ihn hatte.

    Dann traf ich mich regelmäßig mit einem Mönch. Ein Seelsorger sozusagen. Ein Mensch, dann ich während meiner nassen Zeit mal kurz kennengelernt hatte. Nur so am Rande. Und der mir trotz meiner Promille in Erinnerung blieb. Als jemand, der so unglaublich ausgeglichen gewirkt hat. So zufrieden mit sich und seinem Leben. Und da ich auch so werden wollte nahm ich Kontakt auf und fragte nach, ob er bereit wäre mit mir zu reden. Mit Gott und Glauben hatte ich übrigens absolut nix am Hut.

    Er war bereit und wir trafen uns sehr viele male. Es ging nie um Gott oder Glauben, es ging immer um meine Krankheit, um mich, um mein Leben und meine Probleme. Nun, dieser Mensch hat mir vielleicht das Leben gerettet. Sicher ein eher unkonventioneller Weg den ich da völlig unbewusst gegangen bin, aber vielleicht gibt es auch für Dich unkonventionelle Wege raus aus der Sucht.

    Ebenso habe ich mich sofort geoutet bei meiner Familie und auch bei mir nahe stehenden Menschen. U. A. auch bei meinem besten alten Freund. Und auch mit ihm fanden zahlreiche Gespräche statt. Diese waren fern von psychologischen Feinheiten, sie waren eher pragmatisch, eben ganz anders. Mein Freund hat seines dazu beigetragen, dass ich stabil wurde.

    Hierher, in dieses Forum, fand ich erst nachdem ich schon längere Zeit trocken war. Ich kam hier nicht in einer Notsituation an sondern aus reinem Interesse und dem Wunsch mich weiter austauschen zu wollen. Und auch helfen zu wollen, wenn es möglich ist.

    Alles Gute wünsche ich Dir und einen guten Austausch hier im Forum. Bleib' dran, überlege ob Du nicht schnell eine Therapie anfangen kannst. Es wartet ein wunderbares Leben ohne Alkohol auf Dich!

    LG
    gerchla

    Hallo Burzl,

    gut das Du wieder schreibst hier.

    Ok, Du hattest einen Rückfall, Du dachtest "ein Glas geht schon" - am Anfang gings ja auch.... Jetzt bist Du um die Erfahrung reicher, über die wir hier im Forum schon häufiger diskutiert haben. Nämlich darüber, ob kontrolliertes Trinken für einen Alkoholiker möglich ist oder nicht. Du gehörst also zur großen Menge derer die nicht mehr kontrolliert trinken können und langsam wieder ins alte Muster zurück fallen.

    Ich würde da jetzt erst mal versuchen das Positive zu sehen. Nämlich dass Du Dir für die Zukunft keine Gedanken mehr darüber machen brauchst, ob Du nicht doch vielleicht ein Glas trinken könntest. Jetzt weißt Du definitiv: Du kannst es nicht ohne wieder komplett in die Sucht zu rutschen.

    Das ist jetzt erst mal ne Erfahrung die wahrscheinlich die überwiegende Mehrheit von uns machen musste. Das Dich das jetzt runter zieht und Dir die Stimmung verhagelt kann ich sehr gut verstehen.

    Aber Du bist wieder aufgestanden!!! Du bist bereits wieder dran etwas zu unternehmen! Du hast Dich nicht einfach der Sucht hingegeben und einfach wieder hemmunglos weiter gesoffen. Nein, Du hast die Bremse gezogen, sogar noch bevor Du Dein altes Level erreicht hast oder gar darüber warst. Deine Frau glaubt an Dich, dann glaube auch Du an Dich!

    Und vor allem Dingen: Überlege was Dir da genau passiert ist. Wieso hast Du wieder getrunken wenn es Dir doch ohne (scheinbar oder tatsächlich?) so gut ging? Warum wolltest Du dieses eine Glas trinken? Was würde es Dir überhaupt bringen, wenn Du dieses eine Glas tatsächlich trinken könntest? Welchen Vorteil hätte das im Vergleich zu gar nichts mehr trinken? Was wirst Du tun wenn Du wieder an diesen Punkt kommen solltest? Was machst Du dann anders?

    Das sind auch Gedanken, die ich mir am Anfang sehr häufig gemacht habe, wobei ich glücklicherweise nach meinen echten und richtigen Ausstieg (ich meine damit nicht meine zahlreichen Trinkpausen) keinen Rückfall hatte. Ich fragte mich also z. B. warum habe ich getrunken? Antwort: wegen der Wirkung! Was würde mir ein Glas bringen? Antwort: nix, für Wirkung zu wenig. Konsequenz: Um die Wirkung zu erhalten müsste und würde ich mehr trinken. Ergebnis: Ich komme da an wo ich vorher war. Warum soll ich also dieses eine Glas trinken?

    Über die Zeit (bei mir ist das letzte Bier jetzt schon einige Jahre her) habe ich dann auch gelernt, diese Wirkung die mir der Alkohol gebracht hat durch mein eigenes Denken und Verhalten zu ersetzen. Ich kann jetzt ohne Alk entspannen, locker sein, lustig sein oder positiv denken. Ich kann auch ohne Alkohol meine Probleme angehen, mit ihnen umgehen wenn ich sie nicht lösen kann. Das habe ich gelernt - was aber nur ging weil ich nicht mehr trank.

    Du wirst vieles davon bestimmt schon gehört haben. Während Deiner Therapie oder auch sonstwo. Ich habe mich immer und immer wieder reflektiert und habe immer versucht demütig zu sein. Ich war und bin mir immer sicher gewesen, dass die Sucht stärker ist als ich, wenn ich nicht auf mich aufpasse. Darum arbeite ich noch heute auf und beschäftige mich noch heute mit meiner Krankheit. Nicht mehr so intensiv wie anfangs - spezifischer und spezieller. Aber ich versuche nie zu vergessen was und wer ich bin. Ich bin Alkoholiker und ich will nie mehr Alkohol trinken und nie mehr dahin zurück wo ich mal war.

    Du wirst das auch schaffen! Selbstvorwürfe und Jammern hilft Dir jetzt nicht weiter. Gehe gegen Deine Krankheit vor, lass Dir helfen dabei, kämpfe aber sei Dir auch bewusst, dass Du nach einem Sieg nicht gleich die ganze Schlacht gewonnen hast.

    Alles alles Gute wünsche ich Dir!

    LG
    gerchla

    Hallo Hortensia,

    erst mal: Herzlich Willkommen bei uns im Forum.

    Wie Greenfox bin ich auch Alkoholiker, also kein Angehöriger. Ich bin männlich, Mitte der 40 und nun aber schon seit einigen Jahren trocken.

    Die Erlebnisse oder sagen wir mal besser Leiden der Angehörigen sind doch immer die selben. Es ist einfach schrecklich was ein alkoholkranker Mensch seinem Umfeld zumutet. Auch ich habe das getan!

    Du wirst es vermutlich schon x-Mal gelesen haben aber ich muss es trotzdem nochmal schreiben:

    Du kannst Deinen Vater nicht trocken legen. Du kannst Deinem Vater nicht helfen sofern er sich nicht selbst helfen lassen will. Nur er allein wäre in der Lage etwas gegen seine Sucht zu unternehmen. Und nur wenn er allein das möchte gäbe es auch eine Chance auf Erfolg. Das es nur sehr wenige der alkoholabhängigen Menschen überhaupt versuchen trocken zu werden weißt Du bestimmt. Von diesen wenigen die es versuchen schaffen es wiederum auch nicht zu viele dauerhauft trocken zu bleiben. Wie Du selbst schreibst, hat Dein Vater es ja wohl auch schon mal versucht und es auch eine Zeit lang durchgehalten. Aber eben nicht auf Dauer - die Gefahr eines Rückfalls ist also immer gegeben. Deshalb ist aus meiner Sicht das wichtigste, dass der Betroffene selbst aus tiefster innererer Überzeugung heraus weg vom Alkohol will - ich glaube nur dann hat er die Stärke dieser Sucht auf Dauer widerstehen zu können.

    Mir scheint Dein Vater ist davon weit entfernt. Und Du kannst absolut nichts machen. Dein Verhalten ist das einer Co-Abhängingen - klassisch z. B., dass Du Kontrollbesuche unternimmst. Verstehe das bitte nicht falsch - ich kann das ja sogar nachvollziehen. Nur hilft es weder Dir noch Deinem Vater auch nur ein Stückchen weiter. Im Gegenteil - Dein Vater fühlt sich bevormundet, gegängelt oder was auch immer und Du hast jedes mal ein negatives Erlebnis zu verdauen.

    Nun rede ich mich natürlich leicht, das ist mir schon bewusst. Trotzdem denke ich, ist der einzig mögliche Weg für Dich der Weg der Abgrenzung. Du bist nicht vertwortlich für das Leben Deines Vaters, auch nicht für das Deiner leider sehr kranken Mutter (solange sie noch für sich selbst verantwortlich sein kann). Du bist aber verantwortlich für Dein eigenes Leben und auch nur dafür. Solltes Du minderjährige Kinder haben dann würde ich sagen, dass Du auch diese natürlich verantwortlich bist. Natürlich wirst Du Deiner Mutter beistehen, das ist ja selbstveständlich. Trennen wollen muss sich sich aber natürlich selbst. Sie muss also entscheiden, ob sie weiterhin mit ihrem alkoholkranken Mann im eigens für sie umgebauten Haus weiter leben möchte oder ob sie ggf. in ein Heim um zieht. Ich kann es nicht beurteilen, aber möglichweise würde es ihr in einem Heim besser gehen....

    Dein Vater jedoch, der sich für den Alkohol entschieden hat, muss selbst klar kommen. Er hat jederzeit die Möglichkeit sich Hilfe zu suchen. Er kann jederzeit damit beginnen, den Kampf gegen seine Sucht aufzunehmen. Ärzte, Suchtberatung, Therapien - alles steht ihm offen. Tut er das, dann könnt Ihr ihn dabei unterstüzten, wenn Ihr das wollt. Tut er nichts, solltet Ihr Euch abgrenzen. Sonst wird seine Sucht auch Euer Leben weiter belasten oder gar zerstören....

    Noch eines aus eigener Erfahrung: Ich wäre, jetzt im Nachhinein als nicht mehr trinkender Mensch, froh gewesen, wenn meine Familie mich damals möglichst früh verlassen hätte. Es wäre ihnen viel erstpart geblieben. Sie haben es nicht, ich hatte meine Sucht gut verheimlicht und so mussten sie viele Jahre mit mir ertragen ohne genau zu wissen was eingentlich los ist. Nachdem ich aufgehört hatte, zerbrach meine Ehe trotzdem. Ich trennte mich, ich musste komplett neu anfangen um es schaffen zu können dauerhaft trocken zu bleiben. Heute, mehrere Jahre sind vergangen, bin ich ein glücklicher Mensch - meine Ex-Frau übrigens auch wieder und meinen Kindern geht es auch wieder sehr gut. Wir haben jetzt ein tolles Verhältnis.

    Ich will damit sagen, dass manchmal auch ganz gravierende Einschnitte nötig sind, auch wenn man sich das erst mal gar nicht vorstellen kann. Ich habe mir lange nicht vorstellen können meine Frau und damit meine Kinder zu verlassen und neu anzufangen. Heute sehen wir alle (inkl. Ex-Frau und meine schon größeren Kinder), dass es damals so sein musste.

    Vielleicht würde Dein Vater zur Besinnung kommen. Vielleicht würde er es als Anlass nehmen sich helfen lassen zu wollen. Vielleicht würde er auch weiter trinken oder schlimmstenfalls sogar seine Drohung wahr machen. Das wäre unfassbar schlimm - aber es wäre trotzdem nicht Eure / Deine Schuld. Denn Du hast ein Recht auf DEIN Leben.

    Meine Meinung.

    Alles Gute und viel Kraft wünsche ich Dir und einen guten Austausch hier im Forum.

    LG
    gerchla

    Hallo Nullpromille,

    herzlich Willkommen hier im Forum und herzlichen Glückwunsch zu Deiner Entscheidung für ein alkoholfreies Leben!

    Zitat

    Da ich erkannt habe, dass der Weg in eine dauerhafte Abstinenz schwer und lange ist, möchte ich hierüber Austausch finden.

    Da hast Du natürlich vollkommen Recht! Aber es ist möglich dauerhaft abstinent zu leben, auch für Alkoholiker und es ist auch möglich damit zufrieden und glücklich zu sein. Bei mir ist es nun schon einige Jahre her dass ich mein letztes Bier getrunken habe. Vorher hatte ich zahlreiche Versuche gestartet zu reduzieren, auch aufzuhören. Sind alle fehlgeschlagen weil ich dachte ich müsste halt einfach nur weniger oder nichts mehr trinken. Dann wird das schon wieder.

    Dem ist eben nicht so - nur nichts mehr trinken (oder koksen) reicht eben lange nicht aus und ich denke, dass Du durch die begleitende amblulante Therapie genau den richtigen Weg eingeschlagen hast. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass das Aufarbeiten meiner Sucht, das Hinterfragen wieso weshalb warum der Schlüssel zum Erfolg war. Lange habe ich dann über die Frage nachgedacht, was der Alkohol mir eigentlich Positives gegeben hat. Und ob mir das in meiner Zunkunft auch noch geben könnte. Ich kam zu dem Ergebnis, dass die positiven Eigenschaften immer nur sehr temporär waren, dass der Alkohol in Wirklichkeit immer nur die Wahrheit verdeckt bzw. ganz kurz ausgeblendet hat. Er war nie für irgendwas wirklich gut und die wenigen positiven Erinnerungen, die ich eigentlich nur in den Anfängen meiner Sucht noch hatte, bezogen sich immer auf lustige Feiern, locker sein, entspannt sein usw.

    Und da dachte ich mir, diese Eigenschaften, diese schönen positiven Zustände, die müsste ich doch eigentlich auch ohne Alkohol erreichen können. Nun, es braucht vielleicht bisl "Übung", aber heute feiere ich ohne Alkohol lustiger als früher mit. Ich kann mich wunderbar entspannen, bei mir ist es der Ausdauersport der mir hier den Alk ersetzt.

    Ich möchte nie mehr zurück in die alte Zeit. Mein Leben ist so wunderbar ohne dieses Suchmittel. Und ja, ich habe auch ohne Alkohol Probleme. Ich lasse sie zu, ich gehe damit um, ich versuche sie zu lösen und meist gelingt das wunderbar. Mit Alkohol habe ich sie verdrängt, nicht gelöst und nebenbei noch neue produziert.

    Ich wünsche Dir alles Gute auf Deinem Weg und einen guten Austausch hier im Forum.

    LG
    gerchla

    ah ja, Fräulein Smilla und ihr Gespür für Schnee..... Dachte ich mir fast, dass Dein Nick damit zu tun hat ;)

    Greenfox ist einer unserer größten Verfechter von SHG ;D - Und ich möchte mich ihm anschließen. Sollte die erste nix für Dich sein, schau' Dir auch noch andere an. Selbst innerhalb gleich ausgerichteter Gruppen (monolog / dialog usw.) sind es oft (wie eigentlich fast überall) die Menschen, die eine Gruppe ausmachen. Und da muss oder sollte man sich ja auch wohl fühlen. Ich war z. B. bei den AA, eine Monologgruppe. Ich habe auch schnell bemerkt, dass diese Monologisiererei auf Dauer jetzt nicht unbedingt das ist was ich mir so vorgestellt habe. Allerdings waren dort richtig nette Menschen, so dass viele Gespräche, also Dialoge, dann vor und vor allem auch nach der offiziellen Gruppenstunde gelaufen sind. Heute bin ich in keiner SHG mehr - ich bin andere Wege gegangen aber ich nach wie vor ein großer Befürworter. Und ich würde, sollte mir danach sein und ich das Gefühl haben wieder eine "zu brauchen", sofort wieder eine besuchen.

    Also, da kannst Du Dich wirklich entspannen. Schau' Dir das einfach mal an, lass es mal auf Dich zu kommen. Was Du dann daraus machst hast Du ja alleine in der Hand. Du bist die Chefin - Es ist Deine Sucht und es ist auch Dein Weg heraus. Und prima ist aus meiner Sicht, dass Du absolut bereit bist Dir Hilfe von Außen zu holen. Damit glaube ich, erhöhst Du Deine Chancen das es gelingen kann enorm.

    Danke für Deine Rückmeldung bezüglich des Online-Programms. Wenn ich da an meine Trinkerzeit zurück denke kann ich nur sagen: Das hätte bei mir ganz sicher auch nicht funktioniert. Ähnlich wie bei Dir wäre vielleicht eine Trinkpause oder evtl. ne Zeit lang ein reduziertes Trinken dadurch möglich gewesen. Vielleicht ist das ein Programm, dass gut bei Menschen funktioniert die noch nicht süchtig sind sondern "nur" ristkant konsumieren. Da ist das vielleicht gar nicht schlecht. Um als bereits Süchtiger dauerhaft vom Alkohol weg zu kommen braucht es, davon bin ich überzeugt, eine ordentliche Aufarbeitung der eigenen Sucht. Diese Aufarbeitung kann natürlich ganz unterschiedlich aussehen und sicher muss nicht jeder eine stationäre Therapie machen (ich hatte z. B. keine) aber es muss aufgearbeitet werden. Nur nix mehr trinken reicht nicht. Vielleicht mag es Ausnahmen geben aber ich glaube das A und O ist die Außeinandersetzung (die schonungslose) und die Aufarbeitung der Sucht. Ich bin jetzt schon ein paar Jahre trocken, ich arbeite immer noch auf. Nicht mehr ganz so intensiv wie am Anfang, jetzt eher sehr spezifisch. Immer wieder fallen mir auch heute noch Wesenszüge an mir auf, die ab und an auftreten, die noch aus meiner Trinkerzeit stammen. Und da will ich dann schon genau wissen, wieso und warum und was das jetzt eigentlich soll.... Ist sehr interessant und wenn man mal den akuten Druck überwunden hat und stabil trocken ist, dann hilft so etwas auch sehr dabei sich selbst richtig gut kennen zu lernen... Im Idealfall sogar dabei sich selbst wieder schätzen zu lernen...

    Ein paar Gedanken von mir. Bin leicht vom Thema abgekommen ::)

    LG
    gerchla

    Herzlich Willkommen bei uns im Forum, Smilla,

    schön, dass Du Dich dafür entschieden hast etwas gegen Dein Trinkverhalten zu unternehmen. Darf ich fragen wie das online Programm abgelaufen ist, das Du gemacht hast?

    Ansonsten finde ich es ein sehr gute Idee, dass Du auch eine reale SHG besuchen willst. Was die Suchtberatungsstelle betrifft: das wäre auch ein sehr sinnvoller und sicher auch hilfreicher Schritt für Dich. Geh' doch einfach mal hin, Du hast da absolut nichts zu verlieren und Du brauchst davor nun wirklich keine Angst haben.

    Ich wünsche Dir einen guten Austausch hier im Forum, wenn Du Fragen hast, dann stelle sie einfach. Wir werden Dir antworten, sofrern wir dazu etwas sagen können.

    Alles Gute und

    LG
    gerchla

    Hallo Nebelkrähe,

    ich möchte mich Bassmann anschließen. Hast Du schon eine konkrete Idee wie Du Dein Leben weiter gestalten möchtest? Gibt es bereits einen Plan oder eine Idee, wie Dein Ausstieg aus der Sucht aussehen soll? Oder anders gefragt: Willst Du überhaupt aufhören mit dem Trinken? Ich meine so richtig wirklich? Kannst Du Dir vorstellen künftig ohne Alkohol zu leben?

    Bitte nicht falsch verstehen: Diese Fragen sind nicht provizierend gemeint. Es sind fragen die ich, zu einem bestimmten Zeitpunkt meiner Sucht, allesamt mit NEIN beantwortet hätte. Zu diesem Zeitpunkt war ich aber noch nicht so weit wie Du jetzt - denn ich habe mich ja zu keiner Zeit geöffnet sondern immer nur mit mir alleine "diskutiert" und versucht alleine etwas zu ändern. Heimlich, so dass ich meine Scheinwelt aufrecht erhalten kann.

    Wie ist das denn bei Dir? Weiß Dein näheres Umfeld das Du trinkst? Weiß es Dein Mann?

    Meine Ex-Frau hat es nicht gewusst, niemand hat es gewusst außer meine kleine Tochter, von der ich es am wenigsten erwartet hätte. Wobei sie damals noch nicht ganz umrissen haben dürfte was tatsächlich genau los ist. Aber sie hat das Problem erkannt, das hat sie mir später mal erzählt. Hat mich mal heimlich trinken sehen (obwohl ich gerade bei ihr immer besonders aufgepasst habe) und dann waren ihre Antennen immer auf "hab Acht". Eine Schande, dass ich meinem Kind das zugemutet habe - aber nicht mal die Liebe zu ihr, und die war und ist natürlich verdammt groß, hat mich vom Alkohol weg gebracht. Stell Dir das mal vor, ich denke es gibt keine tiefere Zuneigung / Liebe als die, die ein Vater oder eine Mutter seinem /ihrem Kind entgegen bringt. Und ich wusste wohin meine Sauferei führen würde, ab einem bestimmten Zeitpunkt wusste ich das genau, so wie Du das jetzt auch weißt. Trotzdem konnte ich nicht aufhören.....

    Noch ein paar Anmerkungen zu dem was Du geschrieben hast:

    Zitat

    Ich verbringe, krank geschrieben, Tage mit nichts tun.


    Kenne ich gut. Hatte ich auch, nur dass ich als heimlicher Trinker meist nicht krank zuhause war. Da war ich offiziell in der Arbeit und in der Arbeit war ich offiziell krank. Getrunken habe ich dann z. B. im Wald, da hatte ich mir ein kleines Alkohollager angelegt. Es gab auch einen Kellerraum wo nur ich Zugang hatte. Dort war auch ein Alkohollager von mir und ich habe dort Tage verbracht. Abends kam ich dann ganz normal von der Arbeit heim.... Ich muss aber sagen - da war ich mit meiner Sucht schon sehr weit fortgeschritten...

    Zitat

    Klar- man merkt mir nichts an


    Bist halt schon ein Profi. Das sind fast alle Alkoholiker - ich war auch super. Wie gesagt, meiner Ex-Frau musste ich bei meinem Outing alle meine heimlichen Verstecke zeigen sonst hätte sie mir nicht geglaubt dass ich ein Alkoholproblem habe. Ich konnte z. B. ganz gut sprechen beim Einatmen. Sehr hilfreich z. B. speziell in einem Aufzug. Atemluft links und rechts aus den Mundwinkeln "entsorgen" usw. Trotzdem ist es mir ein Rätsel, dass es scheinbar wirklich von mir geheim gehalten werden konnte. Immerhin lag mein Level in der Endphase bei 10 - 12 Bier und ab und an auch noch ner Flasche Wein, täglich. Da muss man doch stinken. Aber gut, 5, 6 Bier den Tag über verteilt und abends dann dafür sorgen dass man möglichst irgendwie alleine ist, die anderen bereits zu Bett gegangen sind oder was auch immer. Und dann den Rest reinschütten und nur noch ins Bett fallen. Da ich stark geschnarcht habe (warum denn nur :o ) habe ich auch meist getrennt geschlafen. Und so ging es doch jahrelang - auch bei so einer Menge. Soziale Kontakte und co. wurden natürlich immer weniger, abends weg gehen oder so war natürlich nicht erwünscht und ich war vielmehr erfreut wenn meine Frau alleine weg gegangen ist. Die Sucht zerstört einfach alles, besonders Beziehungen oder überhaupt die Fähigkeit eine Beziehung führen zu können.

    Zitat

    Ich bin hip, dynamisch, unterhaltsam und sehe ganz gut aus. Ich bin wahnsinnig beliebt und kreativ

    Bis auf das "kreativ" hätte das auch ganz gut zu mir gepasst - aber nur eine gewisse Zeit lang. Zugegeben die längste Zeit meiner Suchterkrankung war ich scheinbar "ganz normal" mit allen meinen üblichen Eigenschaften. Beliebt und auch erfolgreich im Job (Du siehst: es braucht keinen Sch...ß-Job um zum Säufer zu werden), auch privat ein gutes und funktionierendes Umfeld. Viele Jahre meiner Sucht war ich ein sehr gut funktionierender Alkoholiker von dem man niemals geglaubt hätte, das er eine Suchterkrankung hätte haben können. Auch optisch war das nicht zu vermuten. Rank und schlank war ich, hatte einen super Stoffwechsel und konnte scheinbar mühelos die zusätzlichen Kalorien, die mir meine damals vielleicht 5, 6 Biere am Tag bescherten kompensieren. Bis dahin war eigentlich "alles gut" - nun, in Wirklichkeit war ich mit Vollgas auf dem Weg in den Abgrund unterwegs - ich ahnte es aber ich wollte es noch nicht wahrhaben. Außenstehende haben gar nix bemerkt.

    ABER: Unaufhaltsam steigerte sich die Trinkmenge und scheinbar ganz plötzlich nahm ich zu (am Ende war ich richtig fettleibig, nur meine Größe konnte das etwas kaschieren), körperliche Probleme traten auf, meine Haut veränderte sich langsam, ich quoll auf, sah krank und sehr fahl aus. Mein Bauch tat mir weh wenn ich darauf lag, Magen und Darmprobleme setzten ein. Meine Psyche veränderte sich zusehends, bei meinem Charakter konnte man nicht mehr von einem Charakter sprechen und ich versank in einer Scheinwelt aus Lügen und Betrügereien, die mir alle immer nur dabei halfen weiter heimlich trinken zu können.

    Das ist ein ziemlich normaler Verlauf dieser Sucht. Besonders heimliche Trinker lügen sehr viel eben um zu verheimlichen und sie haben einen sehr hohen Aufwand um z. B. leere Flaschen zu entsorgen und heimlich auch Nachschub zu organisieren. Irgendwann ging ein Großteil meiner frei verfügbaren Zeit nur dafür drauf. Kaum Vorstellbar aber wahr.

    Zitat

    Wenn ich trinke betäubt es diese Leere und mir wird alles egal bis hin zu Aktionen, welche ich natürlich nüchtern nicht machen würde.


    Auch ganz normal und kenne ich natürlich auch. Da könnte ich Dir Geschichten erzählen.... Aber ich lass das jetzt mal lieber, würde den Rahmen sprengen.

    Zitat

    Das hier ist mein erster Schritt raus.


    Schön das Du hier bist und etwas tun willst.

    Zitat

    Bittere Zeiten gerade und die selbst Erkenntnis ist echt mies. Aber vermutlich hilfreich.

    Hilfreich nur dann, wenn Du ganz offen und ehrlich zu Dir selbst bist. Und wenn Du bereit bist durch diese bitteren Zeiten hindurch zu gehen. Meine Erkenntnis ist, dass es beileibe nicht ausreicht einfach nichts mehr zu trinken. Solltes Du mit diesem Gedanken spielen kann ich sagen, dass Dir das auf Dauer wohl nicht helfen wird. Dauerhaft kann man m. E. nur vom Alkohol weg kommen, wenn man sich seiner Sucht richtig stellt, und damit dann auch richtig aufarbeitet. Es gibt Gründe weshalb Du trinkst. Diese liegen in der Regel sehr tief. Ich hatte in meiner Trinkerkarriere z. B. mehrere Situationen wo ich mir sagte: Wenn dieser Sche...ß vorbei ist, dann höre ich auf. Dann habe ich keinen Grund mehr zu trinken - nun, natürlich war das nicht so. Nie habe ich aufgehört nachdem irgendwas vorbei war von dem ich glaubte es wäre der Grund für meine Trinkerei. Es lag tiefer, sehr viel tiefer und ich dachte sogar Monate nach meinem Ausstieg noch, dass ich doch gar keinen Grund gehabt hatte überhaupt anzufangen mit dem Saufen. Denn ich hatte es immer sehr gut: Kindheit, Jugendzeit (da trank ich z. B. gar nix), junger Erwachsener (da trank ich z. B. so gut wie nichts), super Job, Karriere und Erfolg, tolle Familie, wohlgeratene Kinder, keine Schicksalsschläge, keine Krankheiten.... usw. usf. Trotzdem wurde ich süchtig. Warum? Wie gesagt, das lag tiefer und es war für mich eine der wichtigsten Aufgaben das aufzuarbeiten. Ich bin noch dabei....

    Ich freue mich wieder von Dir zu lesen. Beantworte meine Fragen nur wenn Du wirklich willst. Ich wünsche Dir, dass Du einen Weg findest.

    LG
    gerchla