Hallo Nebelkrähe,
ich möchte mich Bassmann anschließen. Hast Du schon eine konkrete Idee wie Du Dein Leben weiter gestalten möchtest? Gibt es bereits einen Plan oder eine Idee, wie Dein Ausstieg aus der Sucht aussehen soll? Oder anders gefragt: Willst Du überhaupt aufhören mit dem Trinken? Ich meine so richtig wirklich? Kannst Du Dir vorstellen künftig ohne Alkohol zu leben?
Bitte nicht falsch verstehen: Diese Fragen sind nicht provizierend gemeint. Es sind fragen die ich, zu einem bestimmten Zeitpunkt meiner Sucht, allesamt mit NEIN beantwortet hätte. Zu diesem Zeitpunkt war ich aber noch nicht so weit wie Du jetzt - denn ich habe mich ja zu keiner Zeit geöffnet sondern immer nur mit mir alleine "diskutiert" und versucht alleine etwas zu ändern. Heimlich, so dass ich meine Scheinwelt aufrecht erhalten kann.
Wie ist das denn bei Dir? Weiß Dein näheres Umfeld das Du trinkst? Weiß es Dein Mann?
Meine Ex-Frau hat es nicht gewusst, niemand hat es gewusst außer meine kleine Tochter, von der ich es am wenigsten erwartet hätte. Wobei sie damals noch nicht ganz umrissen haben dürfte was tatsächlich genau los ist. Aber sie hat das Problem erkannt, das hat sie mir später mal erzählt. Hat mich mal heimlich trinken sehen (obwohl ich gerade bei ihr immer besonders aufgepasst habe) und dann waren ihre Antennen immer auf "hab Acht". Eine Schande, dass ich meinem Kind das zugemutet habe - aber nicht mal die Liebe zu ihr, und die war und ist natürlich verdammt groß, hat mich vom Alkohol weg gebracht. Stell Dir das mal vor, ich denke es gibt keine tiefere Zuneigung / Liebe als die, die ein Vater oder eine Mutter seinem /ihrem Kind entgegen bringt. Und ich wusste wohin meine Sauferei führen würde, ab einem bestimmten Zeitpunkt wusste ich das genau, so wie Du das jetzt auch weißt. Trotzdem konnte ich nicht aufhören.....
Noch ein paar Anmerkungen zu dem was Du geschrieben hast:
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Ich verbringe, krank geschrieben, Tage mit nichts tun.
Kenne ich gut. Hatte ich auch, nur dass ich als heimlicher Trinker meist nicht krank zuhause war. Da war ich offiziell in der Arbeit und in der Arbeit war ich offiziell krank. Getrunken habe ich dann z. B. im Wald, da hatte ich mir ein kleines Alkohollager angelegt. Es gab auch einen Kellerraum wo nur ich Zugang hatte. Dort war auch ein Alkohollager von mir und ich habe dort Tage verbracht. Abends kam ich dann ganz normal von der Arbeit heim.... Ich muss aber sagen - da war ich mit meiner Sucht schon sehr weit fortgeschritten...
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Klar- man merkt mir nichts an
Bist halt schon ein Profi. Das sind fast alle Alkoholiker - ich war auch super. Wie gesagt, meiner Ex-Frau musste ich bei meinem Outing alle meine heimlichen Verstecke zeigen sonst hätte sie mir nicht geglaubt dass ich ein Alkoholproblem habe. Ich konnte z. B. ganz gut sprechen beim Einatmen. Sehr hilfreich z. B. speziell in einem Aufzug. Atemluft links und rechts aus den Mundwinkeln "entsorgen" usw. Trotzdem ist es mir ein Rätsel, dass es scheinbar wirklich von mir geheim gehalten werden konnte. Immerhin lag mein Level in der Endphase bei 10 - 12 Bier und ab und an auch noch ner Flasche Wein, täglich. Da muss man doch stinken. Aber gut, 5, 6 Bier den Tag über verteilt und abends dann dafür sorgen dass man möglichst irgendwie alleine ist, die anderen bereits zu Bett gegangen sind oder was auch immer. Und dann den Rest reinschütten und nur noch ins Bett fallen. Da ich stark geschnarcht habe (warum denn nur :o ) habe ich auch meist getrennt geschlafen. Und so ging es doch jahrelang - auch bei so einer Menge. Soziale Kontakte und co. wurden natürlich immer weniger, abends weg gehen oder so war natürlich nicht erwünscht und ich war vielmehr erfreut wenn meine Frau alleine weg gegangen ist. Die Sucht zerstört einfach alles, besonders Beziehungen oder überhaupt die Fähigkeit eine Beziehung führen zu können.
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Ich bin hip, dynamisch, unterhaltsam und sehe ganz gut aus. Ich bin wahnsinnig beliebt und kreativ
Bis auf das "kreativ" hätte das auch ganz gut zu mir gepasst - aber nur eine gewisse Zeit lang. Zugegeben die längste Zeit meiner Suchterkrankung war ich scheinbar "ganz normal" mit allen meinen üblichen Eigenschaften. Beliebt und auch erfolgreich im Job (Du siehst: es braucht keinen Sch...ß-Job um zum Säufer zu werden), auch privat ein gutes und funktionierendes Umfeld. Viele Jahre meiner Sucht war ich ein sehr gut funktionierender Alkoholiker von dem man niemals geglaubt hätte, das er eine Suchterkrankung hätte haben können. Auch optisch war das nicht zu vermuten. Rank und schlank war ich, hatte einen super Stoffwechsel und konnte scheinbar mühelos die zusätzlichen Kalorien, die mir meine damals vielleicht 5, 6 Biere am Tag bescherten kompensieren. Bis dahin war eigentlich "alles gut" - nun, in Wirklichkeit war ich mit Vollgas auf dem Weg in den Abgrund unterwegs - ich ahnte es aber ich wollte es noch nicht wahrhaben. Außenstehende haben gar nix bemerkt.
ABER: Unaufhaltsam steigerte sich die Trinkmenge und scheinbar ganz plötzlich nahm ich zu (am Ende war ich richtig fettleibig, nur meine Größe konnte das etwas kaschieren), körperliche Probleme traten auf, meine Haut veränderte sich langsam, ich quoll auf, sah krank und sehr fahl aus. Mein Bauch tat mir weh wenn ich darauf lag, Magen und Darmprobleme setzten ein. Meine Psyche veränderte sich zusehends, bei meinem Charakter konnte man nicht mehr von einem Charakter sprechen und ich versank in einer Scheinwelt aus Lügen und Betrügereien, die mir alle immer nur dabei halfen weiter heimlich trinken zu können.
Das ist ein ziemlich normaler Verlauf dieser Sucht. Besonders heimliche Trinker lügen sehr viel eben um zu verheimlichen und sie haben einen sehr hohen Aufwand um z. B. leere Flaschen zu entsorgen und heimlich auch Nachschub zu organisieren. Irgendwann ging ein Großteil meiner frei verfügbaren Zeit nur dafür drauf. Kaum Vorstellbar aber wahr.
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Wenn ich trinke betäubt es diese Leere und mir wird alles egal bis hin zu Aktionen, welche ich natürlich nüchtern nicht machen würde.
Auch ganz normal und kenne ich natürlich auch. Da könnte ich Dir Geschichten erzählen.... Aber ich lass das jetzt mal lieber, würde den Rahmen sprengen.
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Das hier ist mein erster Schritt raus.
Schön das Du hier bist und etwas tun willst.
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Bittere Zeiten gerade und die selbst Erkenntnis ist echt mies. Aber vermutlich hilfreich.
Hilfreich nur dann, wenn Du ganz offen und ehrlich zu Dir selbst bist. Und wenn Du bereit bist durch diese bitteren Zeiten hindurch zu gehen. Meine Erkenntnis ist, dass es beileibe nicht ausreicht einfach nichts mehr zu trinken. Solltes Du mit diesem Gedanken spielen kann ich sagen, dass Dir das auf Dauer wohl nicht helfen wird. Dauerhaft kann man m. E. nur vom Alkohol weg kommen, wenn man sich seiner Sucht richtig stellt, und damit dann auch richtig aufarbeitet. Es gibt Gründe weshalb Du trinkst. Diese liegen in der Regel sehr tief. Ich hatte in meiner Trinkerkarriere z. B. mehrere Situationen wo ich mir sagte: Wenn dieser Sche...ß vorbei ist, dann höre ich auf. Dann habe ich keinen Grund mehr zu trinken - nun, natürlich war das nicht so. Nie habe ich aufgehört nachdem irgendwas vorbei war von dem ich glaubte es wäre der Grund für meine Trinkerei. Es lag tiefer, sehr viel tiefer und ich dachte sogar Monate nach meinem Ausstieg noch, dass ich doch gar keinen Grund gehabt hatte überhaupt anzufangen mit dem Saufen. Denn ich hatte es immer sehr gut: Kindheit, Jugendzeit (da trank ich z. B. gar nix), junger Erwachsener (da trank ich z. B. so gut wie nichts), super Job, Karriere und Erfolg, tolle Familie, wohlgeratene Kinder, keine Schicksalsschläge, keine Krankheiten.... usw. usf. Trotzdem wurde ich süchtig. Warum? Wie gesagt, das lag tiefer und es war für mich eine der wichtigsten Aufgaben das aufzuarbeiten. Ich bin noch dabei....
Ich freue mich wieder von Dir zu lesen. Beantworte meine Fragen nur wenn Du wirklich willst. Ich wünsche Dir, dass Du einen Weg findest.
LG
gerchla