Beiträge von Gerchla

    Interessant, was Ihr hier über die Erfassung dieser Statistik schreibt. Darüber habe ich mir noch gar keine Gedanken gemacht.

    Ich bin etwas im Zwiespalt. Einerseits denke ich, es ist schon wichtig zu wissen wie hoch die Gefahr ist wieder rückfällig zu werden. Das trägt dazu bei, dass man die Krankheit nicht unterschätzt. Andererseits halte ich es für sehr deprimierend, wenn man vorher schon gesagt bekommt, dass man statistisch gesehen wahrscheinlich nicht trocken bleiben wird. Es könnte natürlich eine gewisse Trotzreaktion auslösen, nach dem Motto: Der Statistik werde ich jetzt mal zeigen - aber kann genauso dazu führen, dass man beim zwangsläufig auftretenden Suchtruck nachgibt, weil man ja "weiß", dass man wahrscheinlich ohnehin wieder trinken wird...

    Was mich immer schon gestört hat sind so Aussagen wie: "Der Rückfall gehört zum Krankheitsbild" oder "Ein Rückfall ist eher die Regel" - dazu dann noch entsprechenden Statistiken... Das kann fast als Einladung zum Rückfall interprediert werden.

    Im Grunde genommen sollte man die Betroffen von diesem ganzen Statistikzeugs fern halten und dafür sorgen, dass sie sich auf sich selbst und ihre Krankheit konzentrieren und diese aufarbeiten. Wie wir hier ja oft sagen: Jeder ist für sich selbst verantwortlich, jeder muss sich selbst um sein Leben kümmern - was interessieren mich dann die Statistiken?

    Aber so einfach ist es halt nicht.

    LG
    gerchla

    Guten Morgen Blueday,

    erst mal herzlich Willkommen im Forum.

    Ich bin ähnlich alt wie Du und mittlerweile schon einige Jahre trocken. Ich kann außer dem Alter kann ich noch einige Parallelen zu Deiner Geschichte feststellen. Ich will mal versuchen darauf einzugehen:

    Zitat

    So, nun zu mir: Ich bin 47, arbeite als Führungskraft im Vertrieb und bin allgemein sehr sportlich und achte auch auf eine weitgehend gesunde Ernährung sowie auf ein attraktives Äusseres.

    Neben dem Alter bin ich auch Führungskraft (aber nicht im Vertrieb), was ich auch zu meiner Trinkerzeit schon war. Ich war auch lange Zeit schlank und anfangs auch sehr sportlich. Entsprechend habe ich mich auch ernährt, nur ein attraktives Äusseres war mir jetzt ehrlich gesagt nicht so wichtig. Das heißt nicht, dass ich herumgelaufen bin wie der letzte Mensch, ich habe dem Äußeren bei mir allerdings nie eine so große Bedeutung gegeben. Ich will damit sagen, dass ich meinen Sport gemacht habe, weil er mir Spaß gemacht hat, nicht weil ich gut aussehen wollte.

    Das ging viele Jahre so, viele Jahre in denen ich bereits süchtig getrunken hatte (was ich aber erst im Nachhin verstanden habe). Mein Trinkniveau war damals mit Deinem sehr zu vergleichen. Vielleicht leicht niedriger. Ich trank jahrelang 1 - 2 Bier und diese fast täglich. Meine Feierabendbierchen. Konnten auch mal 3 werden, konnte auch mal ein Tag ohne dabei sein. Was Du von Deinen Wochenenden berichtest gab es bei mir auch. Allerdings wohl seltener. Ich war sicher nicht jedes Wochenende blau. Es waren eher die besonderen Anlässe, Einladungen bei Freunden ect. wo ich dann mal richtig betrunken war.

    Und so ging das viele Jahre lang. Ich merkte körperlich überhaupt nichts, ich war immer sehr schlank und ich konnte meinen Sport gut machen (Läufer). Psychisch veränderte ich mich bereits, wobei sich das noch in Grenzen hielt. Zumindest war es so, dass mir längere Trinkpausen damals noch gut gelangen, ich aber schon damals immer an Alkohol gedacht habe.

    Im Grunde hätte alles so bleiben können. Ein Trinkniveau, dass nur leicht über dem offiziell als unbedenklich geltenden Niveau lag und ansonsten eigentlich keinerlei Probleme. Wie Du Dir denken kannst, blieb es aber nicht dabei....

    Irgendwann sprach mich meine Frau mal darauf an, ob ich nicht auch der Meinung wäre, dass ich etwas zu viel trinke. Sie meinte eher, ob ich nicht zu regelmäßig trinke, denn ich trank ja quasi jeden Abend meine Bierchen. Ich stimmte ihr zu und versprach einfach nichts mehr zu trinken. Ist ja kein Problem. Nun, es gelang einige Zeit, dann "schlichen" sich die Bierchen wieder in mein Leben. Wieder sprach sie mich an. Wieder versprach ich das regelmäßige Trinken sein zu lassen. Wieder gelang mir eine längere Pause. Doch dann überkam es mich wieder und ich hielt mich für ganz schlau!

    Ich begann heimlich zu trinken. Das war toll! Denn ich trank nun offiziell überhaupt nichts mehr - und wurde dafür gelobt. Heimlich konnte ich mir mein Bier aber trotzdem gönnen. Super Trick!

    Nun, da mich ja keiner mehr beim Trinken beobachtete, konnte ich ja auch mal etwas mehr trinken. So steigerte sich die Menge langsam. Immer wieder mal überkam mich mein schlechtes Gewissen und ich legte eine Pause ein. Aber da war ich schon längst in den Fängen der Sucht. Denn natürlich schaffte ich es nicht, heimlich aufzuhören. Und am Ende jeder Trinkpause erhöhte ich i. R. mein vorheriges Niveau. Immer war da der Gedanke: Na siehst Du, jetzt hast Du wochenlang nichts getrunken, da kannst Du gar kein Problem haben. Und ich holte nach, was ich verpasst hatte.

    Zum Ende hin war ich bei 10 - 12 Bier (0,5 l) und gerne auch mal noch ne' Flasche Wein dazu. Härtere Sachen habe ich nie gemocht, allerdings ging es irgendwann auch hier dann langsam schon los. Nämlich immer dann, wenn mir die Vorräte zur Neige gingen und ich nicht mit einer Ausrede noch schnell zur Tanke fahren konnte. Du kannst Dir vielleicht vorstellen, wie hoch der logistische Aufwand ist, wenn man so eine hohe Trinkmenge heimlich konsumieren will. Besorgen des Stoffs, verstecken, trinken und vor allem auch heimlich das Leergut entsorgen. Das war Stress pur. Ich bin also davon überzeugt, dass ich sicher bald auf harten Stoff umgestieben wäre, alleine deshalb, weil ich dann leichter heimlich solche Mengen hätte trinken können.

    Da war es dann übrigens auch längst vorbei mit Sport, schlanker Figur und gesunder Ernährung. Ich nahm zu wie blöd, meine Haut wurde fahl und war aufgeschwemmt. Wenn ich heute eine Foto von damals sehe, bin ich immer total erschüttert. Für mein Umfeld war das normal, denn diese Veränderung fand ja langsam statt. Körperliche Symptome stellten sich ein, Schmerzen im Bauchraum, Probleme mit dem Darm usw. Das ging auch über Jahre so und hat nicht verhindert, dass ich weiter und in zunehmenden Maße getunken hätte.

    Am schlimmste jedoch war meine psychische Veränderung. Ich war ein psychisches Wrack! Wurde zum Lügner und Betrüger, nur um trinken zu können.

    Ach, nach außen hin war ich ein sehr erfolgreicher und guter Familienvater. Niemand hätte vermutet, das ich ein Alki kurz vorm Endstadium bin. Job lief gut, ich stieg weiter auf und war hoch angesehen. Und eigentlich war ein todunglücklicher Mensch...

    Jetzt vielleicht das Interessanteste für Dich, mein Ausstieg:

    Irgendwann brach mein Kartenhaus zusammen. Ich wollte und konnte nicht mehr. Also beschloss ich endgültig die Reißleine zu ziehen und aufzuhören. Ich wusste, dass es wahrscheinlich meine letzte Chance ist irgendwie wieder auf die Beine zu kommen. Und ich wusste auch, dass ich es ganz anders machen muss als bei den vielen Trinkpausen vorher.

    Also habe ich meiner Frau gegeüber geoutet. Details will ich jetzt mal stecken lassen, es war die Hölle. Dann habe ich mich bei meinem engen Umfeld goutet. Familie und Freunde. Ebenfalls sehr hart. Dieses Outing war aus meiner heutigen Sicht erst mal ein erster und enorm wichtiger Schritt. So, dann bin ich sofort, also bereits am ersten Abend ohne Bier, in eine SHG gegangen. Das war ebenfalls für mich ein komplett richtiger Schritt. Von den Erfahrungen dort profitierte ich enorm, hatte ich doch zu diesem Zeitpunkt selbst noch gar keine eigenen. Ich hatte eigentlich null Schimmer....

    Dann zum Arzt und einen Termin beim Psychologen gemacht. Irgendwie war mir klar, dass ich diesen Ausstieg aus der Sucht nicht mit mir alleine ausmachen kann. Irgendwo habe ich gespürt, dass ich es nicht schaffen werde, wenn ich nur einfach nichts mehr trinke. Denn das wäre ja das Gleiche gewesen wie die vielen Male vorher. Ok, ich hatte mich vorher nicht geoutet aber trotzdem. Ich dachte immer, dass es reicht nichts mehr zu trinken und dass das durch Willenstärke auch möglich sein muss. Pustekuchen....

    Ich merkte also, dass ich unbedingt aufarbeiten musste. Ich musste verstehen, warum ich getrunken habe. Nur dann erschien es mir möglich, länger abstinent bleiben zu können. Ich hatte aber gar keine Ahnung warum ich da so hinein gerutsch bin. Ich meine: schöne Kindheit, tolle Jugend, Schule wunderbar, Familie mit wunderbaren Kindern, keine finanziellen Probleme, keine Schicksalschläge, der Held im Job und einen guten engen Freundeskreis. Ach und "natürlich" keine Krankheiten, immer sehr gesund gewesen. Also wenn jemand KEINEN Grund zum Trinken gehabt hat, dann ich...

    Trotzdem wurde ich zum Säufer. Da musste ich erst mal dahinter steigen. Also folgten viele Gespräche. Mit besagtem Psychologen z. B. aber auch mit meinem besten Freund. Mit einem Mönch, der mir sehr half (ist eine andere Geschichte, es ging dabei aber nicht um Glauben). Und über die Monate, über viele Monate veränderte sich mein Denken langsam wieder. Es switchte von "nass" auf "trocken" - das erreicht man nicht durch nichts mehr trinken. Dazu muss man wirklich an sich arbeiten.

    Deshalb kann ich Dir aus meiner Sicht nur raten, alles an Hilfe anzunehmen was Du bekommen kannst. Das bedeutet nicht, dass Du alle Angebote auf Dauer nutzen musst. Man muss herausfinden, was für einen das Richtige ist. Mein Besuch bei der SHG z. B. , war in den ersten Monaten genau das Richtige für mich. Irgendwann merkte ich aber, dass es mich nicht mehr weiter bringt, dass ich etwas anderes brauche. Jetzt mache ich ganz andere Dinge.

    Noch eins zum Sport, der Dir ja sehr wichtig zu sein scheint. Ich habe bereits einige Monate nachdem ich trocken war daran gedacht, meinen Sport wieder zu beginnen. Zumal ich innerhalb weniger Wochen nur durch die Abstinenz ewig viele Kilo verloren hatte. Da lag es mir nahe, wieder mit dem Laufen anzufangen.

    Ich habe mich dann ganz bewusst dagegen entschieden. Ich wollte ERST meine Sucht aufarbeiten und dann wieder mit dem Sport beginnen. Ich hatte Angst, dass ich mit dem Sport von meiner Sucht ablenke. Denn ich wusste, dass ich dort recht schnell Erfolge haben würde. Das kannte ich aus der Vergangenheit. Ich sah für mich die Gefahr, dass mir diese Erfolge dann so wichtig werden würden, dass die anderen wichtigen Dinge an Bedeutung verlieren. Und ich mein "Glücklichsein" über den Sport definiere. Das wäre fatal für mich gewesen, hätte ich mich doch enorm davon abgelenkt meine Sucht aufzuarbeiten.

    Mittlerweile habe ich meine Sport wieder. Ich laufe regelmäßig, in der Woche zwischen 50 und 60 km und das morgens vor der Arbeit. Jetzt hilft mir mein Sport, meine Gedanken zu sortieren und Anspannung und Stress erst gar nicht entstehen zu lassen. Das ist der Grund warum ich Laufe. Einmal im Jahr laufe ich mit Freunden einen Marathon und meist auch einen Halbmarathon. Das sind die einzigen "Wettkämpfe" die ich bestreite und das auch nur, weil wir sehr viel Spaß dabei haben. Dass ich dadurch keinerlei Gewichtsproblme habe, essen kann soviel ich will und einen durchtrainierten Körper habe ist schön, aber absolute Nebensache. Ich bin einfach nur dankbar, dass ich nach so langer Sauferei überhaupt noch in der Lage bin diesen Sport zu machen. Oft laufe ich lächelnd über die Felder und durch den Wald und denke mir einfach nur: Was bist Du für ein glücklicher Mensch, dass Du das hier so machen kannst..... Und alles nur, weil ich nicht mehr trinke.

    Zitat

    Das wichtigste für mich ist, dass ich mein sportliches Ziel und meine Gesundheit nicht aus den Augen verliere.


    Ich denke, es ist nicht richtig, dass als wichtigstes Ziel zu defnieren, zumindst nicht die sportlichen Ziele. Ich denke Du solltest erst mal Dein Leben wieder in den Griff bekommen. Im Moment scheint ja der Alkohol Dein Leben zu dominieren. Wenn er das weiter tut, wirst Du Dich wahrscheinlich sowohl von Deiner Gesundheit als auch von Deinen sportlichen Zielen verabschieden können.

    Vielleicht war die ein oder andere Anregung für Dich dabei.

    Alles Gute und eine guten Austausch wünsche ich Dir.

    LG
    gerchla

    Hallo Anika100,

    ich kann Dir keine Erfahrungen von mir berichten. Ich selbst bin seit ein paar Jahren trocken, meine Frau trinkt so gut wie keinen Alkohol.

    Was Dietmar Dir geschrieben hat erscheint mir sehr schlüssig. Er fing ja selbst nach ähnlich langer Zeit wieder mit dem Trinken an, er weiß also wovon er spricht.

    Ich dagegen versuche nur zu verstehen, wie es nach so langer Zeit dazu kommen kann wieder rückfällig zu werden. Immer dann, wenn hier jemand hier jemand berichtet , dass er/sie oder der Partner nach sehr langer Zeit wieder trinkt frage ich micht, wie es dazu kommen konnte und was ich daraus für mein eigenes Leben lernen kann.

    Darf ich Dich fragen ob Du weißt warum Dein Mann wieder mit dem Trinken begann? Was der Auslöser war, wenn Ihr doch eine so lange Zeit zusammen offensichtlich zufrieden und glücklich gelebt habt, ohne Alkohol. Gab es da ein einschneidendes Erlebnis? Hatte sich irgendwas verändert in Eurem Leben?

    Ich hoffe Du findest es nicht unverschämt, dass ich Dir jetzt diese Fragen stelle, denn die helfen Dir ja jetzt nicht weiter. Mich könnten die Antworten aber weiter bringen....

    Ich wünsche Dir /Euch von Herzen, dass Ihr einen Weg findet, wieder heraus aus dieser Spirale. Ich persönlich denke, dass Du richtig liegst damit:

    Zitat

    Der einzige gute Weg wird sein, das ich aufhöre zu trinken und nüchtern dann eine Entscheidung treffe.

    Und umso früher, umso besser.

    LG
    gerchla

    Guten Morgen Franstef,

    meine Sprachlosigkeit oder Zurückhaltung bezieht sich nicht darauf, dass ich mir irgendwie denken würde, dass das ja eh keinen Sinn hat was ich Dir schreibe. Falls Du sowas denken solltest. Das ist absolut nicht der Fall. Nein, ich denke viel mehr, dass Du jetzt erst mal die richtigen Weichen gestellt hast. Ich denke, und ich wünsche es Dir von Herzen, dass das Dein letzter Rückfall war! Es ist nur so, dass ich diesbezüglich nicht über die allergrößte Erfahrung verfüge. Natürlich habe ich immer wieder versucht aufzuhören, aber ich glaube das war bei mir anders als in Deinem Fall. Bei mir waren es immer "nur" Trinkpausen, und immer "heimliche Trinkpausen". Also ich habe ja heimlich getrunken und so dachte ich, ich könnte dann auch heimlich aufhören und dann wird nie irgendwer irgendwas erfahren.

    Wie Du weißt hat das nicht funktioniert. Du bist da ja etwas anders an die Sache heran gegangen und ich dachte mir schon, dass Du da genau auf dem richtigen Weg bist. Und ich denke es immer noch. Deine Bereitschaft jetzt in eine LZT gehen halte ich enorm wichtig und sehr gut. Auch da habe ich keine eingenen Erfahrungen. Ich konnte es ohne schaffen.

    Ich werde Dich auf jeden Fall weiter lesen und wenn ich etwas zu sagen habe, dann werde ich Dir natürlich gerne schreiben.

    Bleib dran! Ich glaube an Dich!

    LG
    gerchla

    Hallo Degan,

    auch herzlich Willkommen von mir.

    Da hast Du Dich ja ganz schön in die Schei...e geritten. Ich denke aber, so wie Du schreibst, dass Du nachvollziehen kannst, warum Deine Freundin die Reißleine gezogen hat. Und wahrscheinlich hat sie damit auch das für sie einzig richtige gemacht. Wenn Du das auch so siehst, dann wäre schon viel gewonnen....

    Ansonsten möchte ich mich komplett Greenfox anschließen, in allem was er geschrieben hat. Besonders aber für den Teil, wo es darum geht, dass Du für Dich selbst trocken werden solltest. Nicht für jemand oder etwas anderes. Es geht jetzt darum, dass Du für Dein Leben wieder lernst die Verantwortung zu übernehmen. Die gibt man als Alki nämlich ab, auch wenn man das natürlich selbst so nicht sieht. Wenn Du für Deine Freundin oder sonst irgendjemanden anderen trocken wirst besteht immer die große Gefahr, dass dieser Mensch Dich mal enttäuscht. In welcher Form auch immer. Bis hin zur Trennung nach längerer Zeit, wie von Greenfox beschrieben. Und dann wäre ja der "Grund" für Deine Trockenheit weg.

    Dazu braucht es auch nicht immer gleich eine Trennung. Auch wenns mal einfach nur schlecht läuft ist man schnell dabei zu denken: Nur wegen ihr habe ich aufgehört und jetzt sowas.... Solche Gedanken liebt die Sucht. Sowas nutzt die Sucht sofort um wieder präsent zu sein. Deshalb muss die Sucht aufgearbeitet werden, idealerweise mit dem Ergebnis, dass der Süchtige von sich aus erkennt, wie sinnlos und sinnfrei trinken eigentlich ist. Hat er das wirklich erkannt und verinnerlicht, hat er auch kein Verlangen mehr. Auch dann nicht, wenns es mal eng wird im Leben bzw. sollte sich die Sucht doch mal "melden", hat er sofort Strategien dagegen parat. Es ist halt einfach so, dass man auch als abstinent lebender Mensch mit den üblichen Problemen im Leben konfrontiert wird. Ich meine das sterben mal Menschen, die man geliebt hat, da verliert man vielleicht auch mal den Job, da wird man vielleicht auch mal ernsthaft krank oder der Partner trennt sich von einem. Das passiert einem auch, wenn man nicht trinkt. Wichtig ist nur zu wissen, dass es sicher nicht besser wird, wenn man deshalb wieder zum Saufen anfängt.... Sondern es tritt das genaue Gegenteil ein!

    Aus meiner eigenen Erfahrung heraus kann ich Dir jetzt nur sagen, dass Du eigentlich nichts anderes tun kannst als Dich um Dich selbst zu kümmern. Die Therapie ist da jetzt erst mal genau das Richtige. Wenn Du es schaffst dauerhaft trocken zu werden, trocken zu bleiben, dann wird Dein Umfeld das auch wahr nehmen. Auch Deine Ex-Freundin wird das wahr nehmen, denn Kontakt werdet ihr ja weiterhin wahrscheinlich immer wieder mal haben, oder? Du wirst Dich verändern, wirst ohne Alkohol ein anderer Mensch sein. Das passiert nicht, wenn Du nur mal eine Zeit lang nichts trinkst, da ändert sich nämlich nicht viel. Aber wenn Du die Therapie machst und dann weiter an Dir arbeitest, wirst Du auch ein anderer Mensch werden. Auch das wird Dein Umfeld wahr nehmen.

    Ich habe darüber, über mehrere Jahre ging das, das Vertrauen meiner Ex-Frau zurück gewonnen. Bei uns ging es nicht darum, dass wir wieder zusammen kommen hätten können oder wollen aber es ging um unsere gemeinsamen Kinder. Es ging um den generellen Umgang miteiander. Anfangs war sie (sehr berechtigt) immer misstrauisch mir gegenüber, hat mir nichts geglaubt und mir nicht mehr vertrauen können. Und ja, ich konnte und kann das sehr gut nachvollziehen. Bei allem was ich im Suff so veranstaltet hatte.

    Nur durch das Leben meines neuen Lebens ohne weiteres zu tun, also nur dadurch, dass ich wieder ohne Alkohol mein eigenenes Leben in eigener Verantwortung gelebt habe, hat sich dieses Verhältnis normalisiert. Heute ist es sogar ein recht gutes.

    Vielleicht, auch wenn das nicht die Motivation für Deine künftige Abstinenz sein sollte, vielleicht bewirkt es ja bei Dir sogar, dass Du nochmal eine Chance bekommst.

    Alles Gute und einen guten Austausch wünsche ich Dir.

    LG
    gerchla

    Hallo Mathilde,

    ich war langjähriger Heimlichtrinker. Zum Ende hin waren es Mengen, die man mit gesundem Menschenverstand betrachtet eigentlich gar nicht mehr geheim halten kann. Bei mir funktionierte es scheinbar trotzdem.

    Ich kenne also Deine Situation jetzt sehr gut. Keiner glaubt, dass man Trinker ist, das man Alkoholiker ist.

    Deshalb habe ich in meiner langjährigen Karriere auch mehrmals versucht heimlich aufzuhören. Also folgende Logik: Heimlich getrunken = auch heimlich aufhören und keiner wird je etwas davon erfahren. Die Welt ist schön und alles ist wieder gut!

    Leider bin ich immer gescheitert. Es wurden immer Trinkpausen, nie eine dauerhafte Abstinenz. Die längste Trinkpause war deutlich länger als ein halbes Jahr. Es genügte ein Biermischgetränk und ich war dann ganz schnell wieder da wo ich vorher war und ganz schnell auch auf höherem Niveau.

    Als ich es dann letztlich doch geschafft habe, hatte ich auch, ähnlich wie Bassmann es von sich schreibt, die allerhöchste Motivation und den unumstößlichen Willen nie mehr zu trinken. Und weil dieser Willen so groß war und mir die Bedeutung meines zukünftigen Lebens ohne Alkohol so bewusst und so wichtig war, hätte ich jede Hilfe der Welt angenommen. Und mich auch sofort nach allen mir unmittelbar möglichen Hilfsangeboten umgesehen.

    Das Ergebnis war, dass ich zur SHG ging (mittlerweile mache ich das aber schon lange nicht mehr), dass ich zum Arzt ging und mir einen Psychologen gesucht habe. Und darüber hinaus habe ich mich geaoutet, überall dort wo ich es für sinnvoll hielt. Also bei meiner Familie und bei meinen engen Freunden (welche mir dann auch sehr geholfen haben).

    Dadurch, so glaube ich, bin ich einer Langzeit- oder auch amulanten Therapie "entronnen" und konnte quasi fast alleine trocken werden. Ich empfinde das so. Ganz alleine, also nur mit mir selbst, hätte ich es ganz sicher nicht geschafft. Da war die Sucht viel zu stark und ich hatte ja so viele Versuche unternommen.

    Aber vielleicht ist es bei Dir ja anders. Ich wünsche es Dir!

    LG
    gerchla

    Guten Morgen Libelle,

    erst mal will ich Dir sagen, dass es mich sehr freut, dass Du nach wie vor standhaft bist und weiterhin ohne Alkohol durchs Leben gehst.

    Das was Du so beschreibst, also diese Gedanken die Du hast bezüglich der Verharmlosung, das kennen wir hier wirklich alle. Also alle hier, die selbst Alkoholiker sind. Weißt Du, genau das ist die Sucht. Genau das ist Dein Suchtgedächtinis. Oder manche sprechen vom Suchtteufelchen, dass einem immer wieder einflüstert, dass man doch wieder mal ein Gläschen trinken könnte und dass es doch gar nicht so schlimm war. Wenn Du jetzt noch länger abstinent bleibst, wird es Dir auch sagen: "Siehst du, du hast doch gar kein Problem. Jetzt hast du soooooo lange ohne Alkohol gelebt, da kannst du doch gar kein Alki sein."

    Und das meine ich dann auch mit aufarbeiten. Irgendwann wird man schwach, irgendwann gibt man nach und sagt: Naja, ich könnte es ja mal probieren und ich kann ja notfalls auch wieder aufhören. Hat ja dieses mal auch geklappt....

    Wenn man seine Sucht aber aufgearbeitet hat, wenn man dadurch nicht nur weiß warum man (höchstwahrscheinlich) getrunken hat sondern wenn man auch gelernt hat wie diese Sucht funktioniert, dann kann man seine Sucht auch überwinden. Und zwar so überwinden, dass man eben nicht jeden Tag auf's Neue kämpfen muss. Denn klar, kämpfe kann man führen und man kann sie auch gewinnen. Aber auf Dauer wird man auch mal einen verlieren - und das ist bei unserer Krankheit leider fatal.

    Mit Aufarbeiten meine ich eben auch, dass man sich bewusst darüber wird, wie sinnfrei dieser Alkohol eigentlich ist. Das man sich mal überlegt, welche Vorteile einem das trinken eingentlich gebracht hat und auch welche Nachteile. Dass man sich mal bewusst macht, dass der Mensch diesen Stoff absolut überhaupt nicht braucht um glücklich zu sein. Aufarbeiten ist für mich ein ganz tiefes auseinandersetzen mit sich selbst, mit der Sucht, mit dem eigenen Leben. Wer bin ich, wer will ich sein, wo will ich hin, was ist der Sinn meines Lebens?

    Es besteht sicher die Gefahr, dass Du das was ich hier jetzt schreibe als Gefasel und Geblubbere verstehst, aber das ist so nicht gemeint. Ich stehe ganz sicher mit beiden Beinen fest im Leben und bin kein Esoteriker o.Ä. - Aber diese Sinnfragen, dieses Eintauchen in mein eigenes Inneres, das war und ist für mich sehr sehr wichtig. Darüber wurde mir klar, was Alkohol bei mir eigentlich angerichtet hat. Das ich ja ewige Zeiten lang einfach nur fremdbestimmt war. Dass der Alkohol über die Jahre mein eigentliches ich erst verdrängt und nebenher auch noch verändert hat... Das habe ich alles mit mir machen lassen, das war meine eigenen Entscheidung! Weil ich getrunken habe, habe ich mein Leben und die Verantwortung dafür einfach aus der Hand gegeben.

    Wenn Du es schaffst Dir wirklich, aus tiefster Überzeugung heraus, bewusst zu werden, wie sinnfrei Alkohol eigentlich ist, dann wirst Du nicht mehr kämpfen müssen! Dann bist Du das los, was Dich im Moment noch so beschäftigt und Dir so viel Angst machst. Und ich meine halt, dass man das leichter mit Hilfe schaffen kann. Bei mir ging das durch ganz viele unterschiedliche Ebenen. Also, vom professionenellen Psychologen über SHG hin zu meinem besten Freund, der mir viel geholfen hat. Und natürlich der schon erwähnte Mönch. Und letztlich waren es immer "nur" die Gespräche, die Gedanken, die da dann ausgetauscht wurden. Und genau darüber entstand dann einfach ein Bewusstsein, eine Änderung meines Denkverhaltens, meiner typischen (nassen) Muster...

    Schwer zu erklären und jeder geht da andere Wege. Schreib hier, wann immer Dir danach ist. Ich denke, dass hilft Dir im Moment auch sehr. Und dann schau mer halt einfach mal, wohin Dein Weg führen wird! Kämpfe! - es lohnt sich, dass kann ich Dir versprechen.

    LG
    gerchla

    Liebe Libelle,

    wie geht es Dir aktuell? Konntest Du standhaft bleiben die letzten Tage?

    Ich habe Deine Zeilen jetzt ein paar mal gelesen. Ich möchte Dir dazu einfach nur meine Gedanken schreiben.

    Zuerst mal die Geschichte mit Deinem Jugendfreund. Schau mal einer an, wie sich da plötzlich Deine ganzen Ängste in Luft aufgelöst haben. Ich weiß nicht, ob Du ihn gebeten hast ebenfalls nichts zu trinken. Aber Du siehst, sogar das hat er Dir angeboten! Wär hätte das gedacht, wo Du geschrieben hattest, wie sehr Dich das belastet...

    Das ist übrigens eine Erfahrung, die ich sehr häufig gemacht habe nachdem ich aufgehört hatte. Ich hatte Angst, genau wie Du, vor Weihnachten, vor Silvester usw. Wobei die Feiern mit der Familie nicht mein Problem waren, denn ich hatte mich ja geoutet. Das ist dann natürlich sehr hilfreich. Aber ich bin z. B. irgendwann dann mal umgezogen, hatte (bzw. habe) eine wahnsinnig nette Nachbarschaft. Mein Vermieter ist ebenfalls mein Nachbar und wir verstehen uns blendend. Anfangs hat er dann immer wieder gesagt, wir sollen doch mal rüber kommen auf ein Glas Wein ( er ist Weinkenner mit eigenem Weinkeller, aber sicher kein Alkoholiker). Wie man das halt so sagt. Vor diesem Tag hatte ich wirklich allergrößten Respekt. Obwohl ich da schon längere Zeit trocken war. Und ich wollte ja nun auch nicht gleich meinem Vermieter und Nachbarn erzählen das ich trockener Alkohliker bin. Also wurde dieses Treffen erst mal immer wieder verschoben und irgendwann war es dann doch so weit.

    Und was soll ich sagen. Ich sagte ihm ich trinke nie Alkohol. Er sagte: Ah, ok was darf ich Dir alternativ zum Wein anbieten? That's it. Es war ein wunderbarer Abend und es folgten noch zahlreiche und kommen hoffentlich noch viele. Er hat mich nie gefragt warum ich nicht trinke. Irgendwann, als er in redseeliger Weinlaune war, habe ich es ihm dann mal erzählt. Hat sich so ergeben. Er sagte, dass er sich sowas gedacht hat und deshalb auch nicht weiter nachgefragt oder gedrängt hat. Und dass er großen Respekt vor mir hat.

    Und so waren meine Bedenken oder Ängste die ich vor bestimmten Situationen hatte eigentlich immer unbegründet. Die schlimmen Szenarien, die ich mir ausdachte, blieben immer aus. Allerdings, das muss ich klar sagen, hatte und habe ich immer eine ganz klare Strategie, wie ich reagiere, wenn mich jemand bedrängen sollte Alkohol zu trinken. Das glaube ich, ist enorm wichtig. Ich kann Dir nur eines sagen, dass aber aus tiefster Überzeugung: Das wichtigste, dass allerwichtigste ist DEINE Abstinenz. Nichts und niemand darf Dich dazu überreden können wieder zu trinken.

    Wenn Du wieder trinken wolltest, dann wäre das Deine Entscheidung. Niemand könnte es Dir verbieten und es ist ja auch nicht verboten. Es wäre Deine eigene Entscheidung, wie es auch meine wäre.

    Zitat

    Naja, eigentlich fürchte ich mich noch vor jeden einzelnen kommenden Tag, aber das wird hoffentlich vergehen...

    Da spüre oder lese ich ganz viel Furcht. Vertraue nicht darauf, dass es einfach so vergeht. Mach' was dafür. Eine SHG könnte ein erster Schritt sein. Die Suchtberatung wäre auch ein guter Schritt. Hab keine Angst davor, dass Du dort jemanden kennen könntest. Wäre es was wäre denn dann? Er oder Sie hätte das gleiche Problem wie Du. Nix anderes. Und was in der SHG passiert bleibt auch in der SHG, so ist das.

    Eine große Gefahr besteht aus meiner Sicht darin, dass Du einfach nichts mehr trinkst. Ohne weiter etwas zu unternehmen. Ich habe das so oft gemacht. Mit festem Willen aufgehört... Ohne weiter etwas zu unternehmen. Es ging immer schief, mal früher mal später. Und Du hast doch diese Erfahrung auch schon gemacht....

    Ich rede jetzt mal wieder von mir, dass ich hier nicht als Klugschei...er rüber komme der schlaue Ratschläge gibt:

    Erst als ich meine Krankheit oder besser die Bekämpfung meiner Krankheit als das wichtigste in meinem zukünftigen Leben gesehen habe, konnte ich trocken werden. Ich war bereit und wollte alles diesem Ziel, also trocken zu werden, unterordnen. Ich war zu allem bereit, z. B. auch zu einer LZT, wenn es nur so gegangen wäre. Ich hätte meine Job gekündigt, wenn sich dieser als mein eigentliches Problem herausgestellt hätte. Ich wusste, dass ich am Alkohol sterben würde wenn ich weiter trinke! So einfach war das. Ich würde mich irgendwann tot saufen oder aber, falls meine Konstitution das hinaus gezögert hätte, ich hätte ein vom Alkohol gezeichnetes Leben geführt und wäre immer tiefer im Sumpf versunken.

    Und um Deine Frage zu beantworten bezüglich meiner Frau. Sie wäre wohl noch mit mir zusammen, sie wollte es weiter mit mir versuchen trotz allem was ich getan hatte. Aber ich habe mich nach einigzer Zeit als trockener Alkoholiker von ihr getrennt. Wir sind längst geschieden. Details würden jetzt hier den Rahmen sprengen aber ich darf Dir versichern, dass ich mich im nassen Zustand niemals von ihr getrennt hätte.

    Wenn man trocken wird, wenn man wirklich bewusst seine Sucht aufarbeitet und richtig trocken ist, was nun nicht schon nach ein paar Tagen oder Wochen der Fall sein kann, dann verändert man sich. Man ist nicht mehr der Mensch der man vorher war. Man ist auch nicht mehr der Mensch, der man war bevor man süchtig wurde. Man ist ein ganz anderer Mensch.

    Und das ist übrigens auch ein Grund, warum viele Beziehungen nicht unbedingt oder automatisch besser werden, wenn der trinkende Partner trocken wird. Denn dieser "neue" trockene Partner ist ein anderer Mensch. Er kann und will plötzlich sein Leben wieder selbst in die Hand nehmen. Er hat wieder gelernt Verantwortung für sich zu übernehmen. Er denkt erst mal an sich, bevor er an andere denkt.... Und damit meine ich jetzt nicht, dass man ein mießer egoistisch wird. Es geht hier um einen gesunden Egoismus, um Selbstschutz.

    Ich glaube, was die Beziehung zu Deinem Mann betrifft, an eine komplexe Herausforderung für Dich. Wenn Du wirklich dauerhaft weg willst vom Alkohol wirst Du Dich dieser stellen müssen. Aber auch hier gilt: Schritt für Schritt.... Wenn es Dir hilft, denke immer in kleinen Zeiträumen. Denke nicht gleich alles bis zum Ende durch, was könnte oder wird passieren wenn.... Du hast bei Deinem Jugendfreund gesehen, dass es oft anders kommt. Das gilt auch für andere Bereiche. Ich habe die ersten Monate von Tag zu Tag gelebt und mich jeden morgen einfach nur gefreut, dass ich nicht mehr trinken muss.... Und nebenher aufgearbeitet so gut es ging....

    Ich wünsche Dir, dass Du Klarheit gewinnst, wie Du Deinen Weg gehen kannst und gehen willst. Und dass sich Deine Ängste dann langsam auflösen und Du die großen Chancen erkennst, die Dir ein trockenes Leben bieten wird.

    LG
    gerchla

    Hallo Davin,

    irgendwie fällt es mir schwer Deinen Post richtig einzuordnen. Denn einerseits schreibst Du, dass Du ein Problem hast, dann schreibst Du, dass Du das Biertrinken aber für Dich kein Problem darstellt, weil es Dir ja schmeckt und Du es gerne trinkst. Dann beklagst Du aber wiederum, dass Du unter Kontrollverlust inkl. Filmriss leidest. Kontrollverlust ist eines der Anzeichen für eine Suchterkrankung, das kannst Du ja mal googeln. Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass Du Dich nicht als Alkoholiker bezeichnen würdest. Oder siehst Du Dich als Alkoholiker?

    Aber egal wie, erlaube mir eine Frage:

    Was erwartest Du Dir von uns? Ich würde gerne meine langjährige Erfahrung als Alkoholiker mit Dir teilen und ich könnte Dir auch berichten, wie das bei mir gelaufen ist und wie ich dann letztlich den Absprung geschafft habe. Aber ich weiß nicht, ob das Sinn macht. Denn eigentlich möchtest Du ja weiterhin Alkohol trinken, oder? Tipps, wie Du weiter trinken kannst ohne das es zu Kontrollverlust kommt kann ich Dir nicht geben. Ich denke halt, jemand der kein Problem mit Alkohol hat wird auch nicht unter Kontrollverlust leiden. Der weiß wann er den Kanal voll hat und hört auf oder steigt auf alkoholfrei um.

    Alles Gute wünsche ich Dir. Vielleicht findest Du ja noch die Zauberformel wie Du trinken kannst ohne Kontrollverlust. Falls nicht: Keinen Alkohol zu trinken verhindert auf jeden Fall Kontrollverlust und auch alle sonstigen Nebenwirkungen.

    LG
    gerchla

    Guten Morgen Libelle,

    erst mal möchte ich Dir kurz meine Erfahrung mit SHG mitteilen. Ich war nämlich gerade mal 24 Stunden ohne Alkohol als ich genau diese besuchte. Und es war eine Gruppe der AA.

    Und ganz ehrlich, es war damals für mich ein ganz wichtiger und richtiger Schritt. Ich wohne in einer größeren Stadt und hätte dort schon die Auswahl gehabt zwischen mehreren unterschiedlichen Gruppen. Aber ich hatte keinerlei Erfahrung oder Ahnung und so habe ich mir erst mal einfach die Gruppe ausgesucht, zu der ich sogar zu Fuß habe hinlaufen können.

    Die AA sind eine Monologgruppe. Ich denke, dass ist erst mal das wichtigste was man wissen sollte. D.h., dass Du dort während der Gruppensitzungen nicht diskutierst. Jeder der sprechen möchte darf das. Aber er oder sie erzählt dann einfach was ihm oder ihr gerade auf dem Herzen liegt. Die anderen hören zu, die kommentieren nicht. Ist einer fertig, darf der nächste sprechen usw.

    Das ist schon etwas was man mögen muss, sag ich jetzt mal so. Natürlich haben wir dann schon auch mal diskutiert. Vorher z. B. oder nachher beim Kaffee. Man muss dort nicht reden, wenn man nicht will. Das ist aber bei den meisten Gruppen so. Dazu können Dir hier aber andere Forumsteilnehmer mehr sagen, denn da haben einige viel mehr Erfahrung als ich.

    Was für mich damals eine Art Schlüsselerlebnis war, war die Tatsache, dass bei den AA (zumindest war das bei mir so) alle Gruppenteilnehmer erst mal ihre Geschichte erzählt haben. Also, da kam ein Neuer (ich) und die Gruppe hat nicht ihr übliches "Programm" abgespielt sondern die Menschen haben mir quasi erzählt wie das bei ihnen so war. Das hat mir sehr geholfen und ich habe plötzlich realisiert, dass ich 1. nicht allein bin und 2. das ich es schaffen kann! Denn es waren auch Leute dabei, die noch viel tiefer in der Sch...e gesessen haben und es geschafft haben. Ich habe dort auch ganz nette Menschen getroffen die mir gesagt haben, dass sie 7 oder 10 Jahre trocken waren und dann wieder angefangen haben. Ich meine, da sitzt ein ganz gepflegter netter Mann neben Dir, mit dem Du dich gut unterhalten kannst, und der sagt Dir, dass er vor 4 Wochen wieder aufgehört hat mit dem Trinken nachdem er vorher schon mal 10 Jahre trocken war und dann wieder 2 Jahre gesoffen hat. Verstehst Du, wenn Du das wirklich echt, also nicht im Internet, erlebst und mit jemanden sprichst, dann wird Dir noch viel mehr bewusst, welche Krankheit Du da eigentlich hast! Ich weiß nicht wie ich das ausdrücken soll, aber solche Erfahrungen waren es, die mich wirklich geprägt haben. Niemals werde ich meine Krankheit auf die leichte Schulder nehmen.

    Ich habe die Gruppe dann übrigens nach einiger Zeit verlassen. Sie brachte mir nichts mehr und ich ging andere Wege. Das hat sich so entwickelt und hat nicht mit einer schlechten Gruppe oder so zu tun. Ich möchte diese Erfahrung nie missen, denn ich profitiere noch heute davon und ich würde jederzeit wieder in eine Gruppe gehen, wenn mir danach wäre.

    Gedanken über "du könntest nicht krank genug sein" oder so, kannst Du getrost vergessen. Wenn ich ehrlich bin denke ich, dass Du "krank genug" bist um so eine Gruppe zu besuchen. Mach Dir selbst nichts vor und fange vor allem nicht an darüber nachzudenken, ob Du vielleicht nur "Missbrauch" betreibst und noch gar keine Alkoholikerin bist. Denn das bringt Dir nichts Gutes. Offensichtlich ist es doch so, dass Du nicht mit dem Trinken aufhören kannst. Was ist das dann? Ich würde mal sagen, auch wenn mir das nicht zu steht: Das ist Sucht.

    Diese Gedanken, es könnte ja nur Missbrauch sein, die hatte ich natürlich auch. Sogar heute kommen die manchmal noch kurz auf. Aber was soll einem das sagen? Das soll einem sagen, dass die Sucht versucht jemanden dazu zu bringen, auszuprobieren ob das stimmt. Denn wenn Du länger nicht mehr getrunken hast und warst aber nur Missbräuchler, also noch nicht süchtig, dann könntest Du ja doch ab und zu wieder mal ein Gläßchen trinken, gell?

    Das hast Du doch schon durch, oder? Und was ist passiert? Das Gleiche wie bei mir und vielen anderen hier.

    Und mal ganz unabhängig davon. Du kannst auch als Missbräuchler gerne zur SHG. Ich denke andere werden Dir dazu noch bessere Infos geben können.

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    Die nächste Zeit wird sicher nicht einfach. Zum Beispiel hat sich ein Freund aus der Jugendzeit für nächste Woche angekündigt, der mit mir mal so richtig um die Häuser ziehen will


    Das wird Dir erst mal immer wieder passieren. Vor allem wenn Du eine trinkfreudige Umgebung hast. Ich habe mich damals geoutet. Bei meiner Familie und bei meinen Freunden. Das war schlimm und nicht einfach. Durch mein heimliches Trinken haben die alle nix von meiner Sucht gewusst und sind aus allen Wolken gefallen. Sie haben mich aber alle unterstützt. Und es war auch niemand dabei, der gesagt hat ich würde übertreiben. Allerdings habe ich wirklich offen gesprochen. Ihnen auch erzählt, wieviel ich getrunken habe und wo und wie und was. Das war sehr sehr schwer. Wer erzählt schon gerne seinen Freunden, dass er im Auto kein Reserverad mehr hatte und die dafür vorgehsehene Kuhle immer mit Bierflaschen aufgefüllt hat?

    Das Outing hat ein weiteres Hintertürchen für mich geschlossen. Denn jetzt wussten sie alle Bescheid und hatten mich im Blick. Ich konnte nicht mehr so tun als wäre nichts. Und natürlich wurde mir auch kein Alkohol mehr angeboten. Das ist vor allem anfangs äußerst hilfreich.

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    Ich bin zwar gerade fest im Willen, aber ich traue mir selbst noch nicht über den Weg....

    Schön, dass Du fest im Willen bist. Meine Erfahrung ist, es ist keine reine Frage des Willens. Alkoholismus ist keine Willensschwäche. Es wäre doch relativ einfach, wenn der Wille allein ausreichen würde nicht mehr zu trinken. Der Wille hilft, eine bestimmte Zeit zu überstehen, zu überbrücken. Ein starker Wille kann da sehr hilfreich sein. Aber auf Dauer funktioniert das nicht.

    Die Frage ist ja dann: Was hilft statt dessen? Wie kann man es schaffen?

    Das ist sehr individuell, wie das Trinken selbst auch. Meine Erfahrung ist, dass man seine Sucht unbeding aufarbeiten sollte. Ich meine, das ist ja letztlich auch das, was bei einer Therapie passiert. Aufarbeiten bedeutete für mich zu verstehen, warum ich getrunken habe. Wie es überhaupt dazu kommen konnte. Es bedeutete aber auch wieder zu lernen, nüchtern zu denken. Das dauert. Nur weil man nichts mehr trinkt ist man noch lange nicht trocken. Auch noch Wochen oder Monaten nicht. Der Alkohol, die Sucht, hat unser Hirn verändert. Unser Denken und Fühlen und auch unseren Charakter. Es ist harte Arbeit wieder zurück zu finden. Dabei kann Dir z. B. eine SHG helfen. Aber auch ein Psyschologe, Gespräche mich sehr guten Freunden (oder Deiner Tochter) oder was auch immer. Ich hatte z. B. auch einen Mönch, der mir bei meiner Aufarbeitung unglaublich geholfen hat. Ein für mich eigentlich fremder Mensch, den ich nur per Zufall mal getroffen hatte und an den ich mich erinnerte. Und den ich dann fragte, ob er bereit wäre, Gespräche mit mir zu führen.

    Letztlich geht ja darum zufrieden abstinent zu sein. Glücklich abstinent zu sein. Über den Willen allein funktioniert das nicht. Erst wenn man erkannt hat, wirklich verinnerlicht hat wie sinnlos Alkohol ist und das man das Zeug wirklich überhaupt zu gar nichts braucht, dann vermisst man es auch nicht mehr. Wenn man (wieder) gelernt hat alle Dinge, die man vorher nur mit Alkohol genießen konnte, genausogut oder soger noch besser ohne zu genießen, dann vermisst man ihn nicht mehr. Und wenn man etwas nicht vermisst, hat man auch keinen Verlangen danach.

    Ich habe heute keinerlei Verlangen mehr. Es ist mir auch egal wenn andere etwas trinken. Besäufnisse vermeide oder verlasse ich. Nicht weil ich Angst hätte selbst zu trinken sondern weil es mich einfach peinlich berührt wie Menschen sich verändern wenn sie richtig besoffen sind.

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    Ich werde es nicht schaffen, wenn jeden Abend eine Flasche Wein auf dem Tisch steht. Das steht fest.

    Ich glaube, dass ist mit einer Deiner größten Herausforderungen. Was machst Du denn, wenn er sich weigert auf seinen Wein zu verzichten? Wie weit gehst Du für Deine Abstinenz? Hast Du einen Plan, wie es dann weiter gehen würde? Oder würdest Du dann sagen: "Na dann schaffe ich es eh nicht" und trinkst einfach weiter?

    Das sind alles Dinge und Fragen, wo Du Dir eben Hilfe suchen solltest. So wie Du jetzt hier mit uns schreibst, kann man solche Dinge eben auch mit der Suchtberatung besprechen, auch mit Psychologen besprechen usw. Man weiß oft selbst nicht, welche Möglichkeiten man hat, welche Wege man gehen könnte.

    Jetzt wünsche ich Dir erst mal ein gutes (alkoholfreies) Wochenende!

    LG
    gerchla

    Hallo Libelle,

    schön, dass Du etwas gegen Deine Sucht unternehmen willst.

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    Ich habe eine unfassbare Angst vor einer komplett nüchternen Zeit, obwohl es mir mit dem halben Jahr ohne Alkohol sehr gut ging... Ich denke, das kennt ihr sicher auch, dass einem eine Zeit ohne Alkohol nicht lebenswert erscheint.

    Alle die mit dem Trinken aufgehört haben waren mal an einem ähnlichen Punkt wie Du jetzt. Ich weiß das auch noch sehr gut von mir. Wie die meisten brauchte ich mehrere Versuche um den Ausstieg zu schaffen. Im Nachhinein stelle ich mir dann auch die Frage, ob ich alle meine Trinkpausen als Ausstiegsversuche bezeichnen kann. Ich denke sicher nicht. Ich hatte eine lange Pause von vielen Monaten, mehrere Pausen von einigen Wochen und noch mehr von einigen Tagen. Mit zunehmender Dauer meiner Sucht war es mir immer weniger möglich Pausen einzulegen, die letzten Jahre habe ich es dann schon gar nicht mehr versucht.

    Fast immer war es so, dass ich mir genau solche Gedanken gemacht habe wie Du jetzt auch. Also: Ganz ohne Alkohol leben? Das geht doch gar nicht... Schwer beschäftig haben mich auch immer irgendwelche Anlässe zu denen nach meiner Ansicht Alkohol ja auf jeden Fall dazu gehört. Also z. B. Silvester, Weihnachten mit der Familie, Urlaub in Frankreich, Geburtstage usw. Nicht selten habe dafür dann meine Trinkpausen abgebrochen oder sie erst gar nicht angetreten, wenn es nur noch ein paar Tage oder Wochen bis zu so einem Anlass waren. Nach dem Motto: Nach dem 50sten vom XY kannst Du dann mit dem Trinken aufhören. Jetzt vorher "rentiert" sich das ja nicht....

    Wenn ich mir das jetzt alles, nach mehreren Jahren Trockenheit, so durch den Kopf gehen lassen, dann könnte ich fast schon schmunzeln. Wenn das alles nicht so furchtbar schlimm gewesen wäre. Es ist die Sucht, die einem das alles vorgauckelt und einredet. Selbstverständlich braucht kein Mensch Alkohol. Nur der Süchtige meint es geht nicht ohne und er würde an Lebensqualität verlieren. Das Gegenteil ist der Fall....

    Zitat

    Leider hab ich dann aber irgendwann gedacht, ich hätte es im Griff und kann wieder trinken. Nur ein wenig.....Es ging auch wieder eine ganze Weile gut, aber jetzt stehe ich wieder genau dort, wo ich schon einmal war.

    und

    Zitat

    Ich habe versucht das Trinken zu kontrollieren, aber heute sitze ich hier mit einem mega mäßigen Kater. Es funktioniert bei mir einfach nicht.


    Mit diesen Erfahrungen stehst Du nicht alleine da. Wahrscheinlich haben wir die alle gemacht. Das Positive daran ist, dass es Dir zeigt, dass Du nicht mehr kontrolliert trinken kannst. Daraus folgt, dass Du gar nicht mehr drüber nachdenken musst, wie Du es schaffst weniger zu trinken sondern dass Du Dich gleich auf die Abstinenz konzentrienen kannst.

    Zitat

    Beim kontrollierten Trinken, hab ich an nichts anderes mehr gedacht, als an Alkohol und vor allem hab ich eine Ausnahme nach der anderen gemacht.

    Also hat Dir das KT keinerlei Lebensqualität geboten. Du konnste vielleicht Dein Gewissen etwas beruhigen, weil Du weniger getrunken hast, warst aber nur damit beschäftigt ständig an Alk zu denken und eigentlich ging es Dir ziemlich bescheiden. Die Ausnahmen waren dann die Konsequenz daraus. Das war bei mir ganz genau so. Ich konnte das Anfangs schon auch mal längere Zeit, mal nur eine bestimmte Menge zu trinken. Aber mir ging es dabei nicht wirklich gut. Und ich bin früher oder später immer wieder zusammen gebrochen und habe dann einfach soviel getrunken bis ich den Kanal voll hatte. Also war irgendwann mal klar: Wenn ich mal aufhören sollte, dann komplett! Das wusste ich irgendwann und als es dann so weit war, habe ich nicht mal ansatzweise daran gedacht, irgendwann mal wieder Alkohol trinken zu können oder zu wollen.

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    Damals, als ich das halbe Jahr nicht trank, wollte mir niemand glauben, dass ich ein Problem damit habe.

    Das kenne ich auch. Zu meinen Anfangszeiten gab es mal Situationen, wo ich gesagt habe ich trinke jetzt nicht mehr weil es mir zu viel ist. Damals war mein Niveau noch recht niedrig, trotzdem hatte ich so das Gefühl ich hätte da ein Problem (was ja auch gestimmt hat). Ich wurde belächelt und es wurde mir gesagt, dass ich übertreibe. Später dann hat irgendwann meine Frau mir gesagt, dass sie denkt ich würde zu viel und vor allem zu regelmäßig trinken. Ab diesem Zeitpunkt habe ich dann begonnen heimlich zu trinken. Ich merkte, dass ich nicht mehr einfach aufhören konnte und ich wollte den für mich einfachsten Weg gehen. Und vor allem den Konflikt mit der Familie meiden. Daraus wurden dann viele viele Jahre des heimlichen Trinkens bis irgendwann mein Kartenhaus zusammen gefallen ist.

    Ich hatte nach meinem Ausstieg niemanden um mich, der mich zum Trinken animiert hätte. Entweder war ich alleine oder hatte ein Umfeld welches kaum trinkt. Hilfreich wäre es sicher, wenn zumindest Deine eigene Familie, sprich also auch Dein Mann, Dich bei Deinem Ausstieg unterstützen würden. Und vor allem Deine Sucht ernst nimmt. Kannst Du da mit ihm reden? Wäre er in der Lage ebenfalls nichts mehr zu trinken oder wenigsten in Deiner Gegenwart keinen Alkohol zu konsumieren? Zumindest in der Anfangszeit könnte das sehr hilfreich sein.

    Hast Du schon Pläne, wie Du jetzt weiter vorgehen möchtest? Wirst Du zur Suchtberatung gehen, Deinen Arzt informieren, eine SHG aufsuchen? Das kann alles sehr hilfreich sein.

    Ich wünsche Dir einen guten Austausch hier um Forum und alles Gute auf Deinem Weg.

    LG
    gerchla

    Hallo Manou,

    ich wollte und möchte Dir keine Angst machen. Im Gegenteil. Du fragst nach meiner Frau. Hier der Rest der Geschichte:

    Als ich mich damals geoutet habe, als Trinker, als Alkoholiker, hat meine Frau es mir erst nicht geglaubt. Ich trank ja heimlich und ich war scheinbar sehr gut. Mir ist es bis heute aber ein Rätsel, dass sie es nicht gerochen hat. Ich muss gestunken haben wie ein Waldesel.

    Aber egal - ich zeigte ihr also meine Geheimvestecke, alle zu diesem Zeitpunkt voll mit Alkohol. Z. B. den Reserveradkasten unsere Autos - da befand sich schon lange kein Reseververad mehr drin - statt dessen aber mehrere Sixpacks an Bier. Im Brennholzlager im Garten hatte ich ebenfalls einen wunderbaren Hohlraum installiert - ebenfalls voll, in diesem Fall mit Weinflaschen. usw. usf.

    Als sie das alles sah, brach sie zusammen. Vielleicht hatte sie es ja geahnt aber weggedrückt, gehofft ... Das könnte schon sein - aber jetzt war es raus. Die folgenden Stunden waren einfach nur schlimm und ich verließ irgendwann das Haus und ging in eine Wohnung die mir zur Verfügung stand. Ich kam auch nachts nicht nach hause - obwohl sie darum bat. Tags drauf ging ich zu den AA und begann darüber nachzudenken, wie mein Leben jetzt eigentlich weiter verlaufen sollte. Ich wusste nur eines ganz sicher: Ich wollte nie mehr trinken! Nie wieder Alkohol - das wusste ich - sonst erst mal nichts.....

    Ich ging tagsüber "nach Hause", es war elend, es war schlimm. Da waren ja noch meine Kinder.... Ich liebte meine Kinder (tue ich natürlich immer noch ;) ) Meine Frau wollte Antworten, ich hatte keine. Ich war ein Häufchen Elend, dass sich selbstbemitleidete und nix wusste, außer dass es nie mehr trinken würde.... Zum Schlafen ging ich in die Wohnung - ich konnte nicht mehr mit meiner Frau zusammen sein. Ich vermisste aber meine Kinder wie verrückt, wusste aber, dass ich wieder trinken würde, wenn ich zurück gehen würde....

    Ich begann mir einen "Plan" zu machen - zumindest ein Plänchen. Ich machte Termine mit Suchtberatung, mit Psychologen aus. Ich kontaktierte einen Mönch, den ich Jahre vorher mal getroffen hatte und verabredete mich mit ihm. Das alles ging nicht von heute auf morgen. Wochenlanges warten auf Termine usw. Ich blieb in dieser Zeit getrennt von meiner Familie - nichts mehr zu trinken viel mir nicht schwer - ich hatte doch so viel mit mir selbst zu tun.

    Über die Wochen und Monate, die ich wie im Nebel verbrachte, wurde mir klar, dass ich mich trennen muss, von meiner Frau. Das passierte dann auch und es war die Hölle. Sie war keine schlechte Frau, kein böser Mensch oder so. Im Gegenteil - sie hätte es trotz meiner Lügen usw. gerne noch mit mir probiert..... Sie konnte ja auch gar nichts dafür, sie konnte nichts dafür, dass wir uns durch meine Sauferei über die Jahre hinweg verloren hatten... Diese Entscheidung zu treffen, das war für mich unbeschreiblich schwer. Zweifel, immer wieder Zweifel ob das richtig ist, was ich mache. Dieses Leiden dann zu erleben, meiner Kinder und auch meiner Ex-Frau....

    Die folgenden Wochen und Monate verbrachte ich mit aufarbeiten. Besagter Mönch half mir dabei enorm - dafür nahm ich gerne immer wieder die lange Anfahrt in das Kloster in Kauf. Auch den Urlaub, den ich dafür nehmen musste. Die Gespräche mit diesem Menschen waren im Nachhinein das beste was mir passieren konnte. Nicht das wir uns jetzt falsch verstehen: Ich war kein Gläubiger Mensch, und das spürte er wohl auch. Es ging bei diesen Gesprächen nicht etwa um Gott oder Glauben. Es ging um mein Leben und um das, was ich eigentlich will, mit dem Restleben, das mir jetzt noch zur Verfügung stand. Und es ging auch um ganz alltägliche Situationen, z. B. um ein anstehendes Gespräch mit meiner Ex-Frau, vor dem ich Angst hatte und nicht wusste wie ich es angehen sollte usw. Er hat mir gelernt, was eigentlich selbstverständlich sein sollte, was ich aber über die Jahre des Trinkens komplett verloren hatte. Nämlich um das ehrlich sein. Immer ehrlich sein und immer sagen was man selbst möchte. Ich konnte das nicht mehr - ich war nicht in der Lage einen Konflikt auszuhalten oder zu sagen: Das möchte ich nicht! Einerseits hatte ich in den langen Jahren des Trinkens immer lieber irgendwas vorgelogen, als mich auseinander zu setzen und andererseits hatte ich nach dem Aufhören so ein schlechtes Gewissen, dass ich auch wieder bereit war alles zu tun. Auch wenn ich es eigentlich nicht wollte.

    Ich musste also erst mal wieder lernen wie Leben eigentlich geht. Wie Verantwortung übernehmen eigentlich geht. Woche um Woche, Monat um Monat.... vergingen. Ich begann wieder glücklich zu werden - ich fand eine neue Partnerin (mittlerweile Frau inkl. einer wunderbaren kleinen Tochter). Bei all dem vergaß ich aber nicht meine Sucht und eigenes Ich. Ich wollte mich ja weiter entwickeln und ich wollte vor allem (und will) nie mehr zu dem Punkt kommen wo ich damals war.

    Die Beziehung zu meiner Ex-Frau begann sich zu normalisieren... langsam gewann ich Vertrauen zurück. Irgendwann glaubte sie mir, dass ich nichts mehr trank. Meine Tochter durfte wieder mit mir Auto fahren.... Kleine Schritte.... Ich habe meine Ex-Frau immer unterstützt so gut ich konnte (und tue es noch), erst mal finanziell was ich als selbstverständlich erachte, dann aber auch in anderen Dingen. Über die Zeit hat sie gemerkt: Ich kann mich auf ihn verlassen - das ist dieses Vertrauen zurück gewinnen, das ich vorhin gemeint habe. Ich glaube das war für sie enorm wichtig. Denn sie stand vor den Trümmern ihres Lebens! Und plötzlich auch vor dem finanziellen Chaos! Hätte ich z. B. nur das gezahlt was ihr offiziell zustünde, hätte sie als Alleinerziehnde echt ein finanziell mießes Leben führen müssen. Und letztlich auch meine Tochter, die ja noch zur Schule geht. Das wollte ich auf keinen Fall und ich denke, das bin ich ihr und meiner Tochter auch schuldig. Ich kann es nicht mehr gut machen aber ich kann jetzt so sein, wie es möchte. Weil ich jetzt wieder Herr über meine Sinne bin und nicht mehr vom Alk gelenkt werde.

    Nun ist es heute so, dass wir uns sehr gut verstehen. Wenn ich meine Ex-Frau besuche, z. B. um meine Tochter zu sehen, dann trinken wir Kaffee zusammen, wir tauschen uns aus. Wenn sie mal was außer der Reihe braucht, hat sie keine Angst mehr mit mir zu reden. Über unsere Kinder tauschen wir uns aus und manchmal rufe ich sie auch einfach nur an um ihr ein schönes Wochenende zu wünschen oder um sie zu fragen wie es ihr geht. Sie hat einen Job gefunden, arbeitet so gut es ihr möglich ist und darüber hinaus weiß sie, das ich auch noch da bin. Es geht ihr heute besser als in den letzten Jahren unserer Ehe, wo sie nicht wusste was eigentlich los ist. Das sagt sie selbst, nicht ich. Wir können übrigens auch wieder zusammen lachen.....

    Liebe Manou, ich weiß das das alles nicht einfach ist. Im Gegenteil - es ist wahrscheinlich die Herausforderung Deines Lebens. Aber denke an Deine Kinder und denke an Dein eigenes Leben. Und glaube mir, es geht immer weiter. Ich habe in der Zeit nach meinem Ausstieg die ersten Monate damit verbracht nur von Tag zu Tag zu leben. Der Blick in die weitere Zukunft - wie alles mal werden soll oder wie es weiter gehen soll, der hätte wahrscheinlich scheitern lassen. Ich wollte das nicht. Ich habe wichtige Termine gemacht, das ist klar. Die lagen in der Zukunkf. Ansonsten habe ich heute gelebt, immer heute. Und war am nächsten Tag glücklich, dass ich mein Leben geändert hatte. Diese ganzen Ängste die es ja gab, die Trennung z. B. von meinen Kindern, die Angst, wie das finanziell alles zu schaffen ist, der Unterhalt und eine eigene Wohnung dazu usw. das hat sich alles irgendwie ergeben. Nie hätte ich gedacht, das es mal so kommt wie es jetzt ist! Nie!

    Ich bin wirklich sehr sehr glücklich, mit meinem Leben, mit meiner jetztigen Frau. Hätte mir das jemand vor 5 Jahren gesagt - kein Wort hätte ich geglaubt. Hätte ich mir all diese Gedanken im Vorfeld so gemacht, ich hätte mein Leben nicht verändert - Weil ich gedacht hätte, dass das ja nicht funktionieren wird. Was wäre dann also passiert? Ich wäre geblieben, ich würde wahrscheinlich noch oder wieder trinken, da bin ich sehr sicher. Vielleicht hätte ich mich auch schon tot gesoffen, wer weiß. Was ich aber weiß ist, dass sich nichts groß geändert hätte. Meine Frau wäre unglücklich, ich wäre unglücklich und meine Tochter und mein Sohn warscheinlich auch.

    Liebe Manou, kämpfe um Deine Familie aber überlege Dir gut, welche Rolle Dein trinkender Mann dabei spielt. Ich würde sagen, aus eigener Erfahrung: Stehe zu ihm, wenn er bereit ist sich helfen zu lassen. Wenn nicht: Schütze Dich und Deine Kinder.

    LG
    gerchla

    Hallo Karoline,

    ich war ein paar Wochen weg und nicht im Forum aktiv. Eben habe ich Deinen Tread nachgelesen. Die letzten Wochen, das was Du hier berichtet hast, sozusagen im Schnelldurchgang. Noch bevor ich die unschöne Nachricht, dass Du wieder getrunken hast, gelesen habe, dachte ich mir: Hmmm ob das gut geht?

    Vielleicht denkst Du jetzt: Was will der eigentlich von mir?

    Ich habe selbst jahrelang, viele Jahre lang getrunken und oft versucht aufzuhören. Ich habe die meiste Zeit meiner Karriere heimlich getrunken und dann auch immer versucht "heimlich" aufzuhören. Ich habe auch versucht mir Gedanken darüber zu machen, warum ich trinke und ich war der Meinung, dass mir dieses Wissen dann dabei helfen wird, nicht mehr zu trinken.

    Ich bin immer gescheitert - immer und immer wieder. Dabei hatte ich noch viel längere Trinkpausen aus Du sie jetzt gehabt hast. Viele Monate habe ich zwischendrin mal nicht getrunken. Damals wurde meine Tochter geboren und ich wollte ungedingt weg, ihr zuliebe und weil wir ja eine großartige Zeit vor uns hatten bzw. haben wollten. Meine Frau und ich mit unserer Tochter. Ich wurde Rückfällig in einem Moment, wo es besonders schön war. Wir hatten eine neue Bleibe gesucht, ein kleines Häuschen gemietet. Meine Tochter war da vielleicht 8 oder 9 Monate alt, so lange hatte ich auch nichts mehr getrunken. Das Haus war super, die Gegend der Hammer und das Leben schön. Und dann kam der nette Nachbar an den Zaun! Es war Sommer, es war warm - und er fragte mich, ob nicht auf ein Bier rüber kommen möchte. Könnte wir ein bisschen quatschen und uns näher kennen lernen.

    Alarm schrie mein Hirn und ich "milderte" das Bier in ein Biermischgetränk ab (Radler) welches ich aber nach den vielen Monaten ohne Alkohol mit ihm trank! Nun, das war dann - hat nicht sehr lange gedauert und ich hatte wieder meine alte heimlich-trink-Logistik aufgebaut und machte nicht nur dort weiter, wo ich vorher war sondern legte noch ordendlich was drauf....

    Ich bin jetzt schon mehrere Jahre trocken - ich musste, bevor ich diesen Zustand erreichen konnte - allerdings noch lange und in hohem Maße trinken. Ich trank so viel, dass ich mich sowohl seelisch / psychisch als auch körperlich erhelblich veränderte und einfach ein kranker Mensch war. Psychisch sehr krank, physisch ebenfalls mit zahreich beginnenden Symptomen eines alkoholgeschädigten Körpers.

    Dann hörte ich auf - zu einem Zeitpunkt der im Vergleich zu dem von damals, als ich die paar Monate nichts trank, viel schwieriger war. Meine Sucht enorm weit fortgeschritten war, ich bestimmt das 5-Fache von dem trank, was ich damals konsumiert hatte, wenn nicht noch viel mehr. Trotzdem habe ich es da geschafft aufzuhören.

    Warum? Diese Frage habe ich mir dann irgendwann mal gestellt. Warum hat es jetzt scheinbar funktioniert und früher nicht?

    Ich meine für mich die Antwort gefunden zu haben. Und ich spreche nur von mir, bei anderen mag es anders sein. Ich habe es geschafft, weil ich nicht mehr konnte und weil ich es absolut ohne jeden Kompromiss unbedingt wollte. Ich war bereit alles dafür zu tun - Therapie, Suchtberatung, Psychologe, Selbsthilfegruppe ? Egal was ich mache alles was mir hilft. Das war meine Grundeinstellung damals.

    Gerade mal 24 h ohne Alk war mein erstes Treffen bei den AA. Es folgten noch viele. Beratungstermin, Termin bei Psychologen folgten umgehend - und noch wusste ich nicht richtig wie mir geschah. Ich trank nicht mehr, das war schön. Doch ich war wie im Nebel.... Wo willst du hin, wer willst du sein? Wie soll dein Leben aussehen? Willst du noch mit deiner Frau zusammen leben? Nein - aber was passiert mit den Kindern? Das waren Gedanken, die ich wieder und wieder wälzte.... Nicht mehr zu trinken, wurde dadurch schon fast zur Nebensache.... Du hast noch ein wenig Leben übrig das gelebt werden müsste - das sagte ich mir.

    Und kam die Frage der Fragen, immer wieder: Werde ich mein Leben leben können, ohne Alkohol, wenn ich nichts verändere, wenn alles mehr oder weniger so bleibt wie es ist? Wenn ich weiterhin Dinge tue, die ich halt schon immer gemacht habe aber in Zukunft natürlich ohne Alkohol? Bin ich eigentlich wirklich glücklich?

    Warum habe ich getrunken? Früher, bei meinen ersten Ausstiegsversuchen, habe ich mir diese Frage auch gestellt. Ich konnte sie immer recht einfach beantworten: Entweder war gerade eine stressige Zeit, viel zu tun. Berufliche Belastung oder private usw. Und ja, die gab es ja auch tatsächlich. Die waren ja nicht von mir erfunden. Aber waren sie wirklich der GRUND für mein Trinken?

    Und überhaupt, andere Menschen waren viel schlimmer dran als ich und tranken nicht....

    Lange Rede kurzer Sinn: Ich krempelte mein Leben um, ich trennte mich von meiner Frau (wohl die schwierigste Entscheidung meines bisherigen Lebens), ich fing neu an, ich arbeite mein Leben auf - mit professioneller Hilfe aber auch, was mir sehr geholfen hat, mit Hilfe von Freunden und anderen Menschen. Ich outete mich bei Familie und Freunden, ich verschloss alle Hintertürchen, die ich mir früher immer ( mal bewusst, mal unbewusst) offen gehalten hatte. Und ich hatte zeitweise meine persönliche Hölle, die ich druchleben musste. Nicht weil ich Entzug hatte oder so. Nöö, weil ich das Leben meiner Familie zerstört habe, weil ich diese Entscheidungen getroffen hatte. Meine Kinder mussten das alles mitmachen, meine Frau ( die beileibe kein bösartiges Monster war/ist) ebenfalls. Nur weil ich für mich beschlossen hatte, dass ich es nur so schaffen werde.... Zweifel kamen und nagten an mir.... Ich arbeitete weiter auf.... Immernoch Nebel, aber sich langsam lichtend.

    Und so ging es über die Monate und mittlerweile Jahre immer tiefer in meine eigene Persönlichkeit, in mein Leben hinein. Und ich lernte zu vestehen, warum ich getrunken habe und ich vestand plötzlich auch, warum mir Alkohol jetzt nichts mehr bedeutet. Das war ein sehr langer und intensiver Prozess. Aber auch ein sehr schöner.

    Ich finde absolut super, dass Du heute hier sofort geschrieben hast und dass Du jetzt nicht resignierst und dass Du weiter dran bleiben willst. Du hast nicht den Kopf in den Sand gesteckt und trinkst jetzt einfach wieder, so wie ich das immer gemacht habe. Vielleicht ist bei meinem Geschreibsel was für Dich dabei, dass Dir eine Anregung oder einen Anstoss für Dein weiteres Vorgehen gibt. Wenn nicht ist auch gut. Ich wünsche Dir auf jeden Fall alles erdenklich Gute und drücke die Daumen, dass Du Deinen Weg gehen wirst.

    LG
    gerchla

    Hallo Manou,

    erst mal: Herzlich willkommen bei uns im Forum!

    Ganz kurz zu mir: Männlich, Mitte 40, Alkoholiker und mittlerweile schon ein paar Jahre trocken.

    Deine Geschichte ist wieder eine von jenen, die mich besonders berühren. Denn genau wie bei mir damals sind Kinder mit im Spiel. Und Kinder bekommen viel mehr mit als man glaubt und sie verarbeiten das auch ganz anders als wir Erwachsene. Mein Sohn war schon im jugendlichen Alter, als meine Sucht so langsam in Fahrt kam, meine Tochter wuchs von klein an damit auf. Im Gegensatz zu Deinem Mann war ich allerdings ein kompletter heimlicher Trinker. D. h. ich hatte offiziell meist gar keinen Alkohol im Haus und ich habe immer sehr darauf geachtet, dass mich meine Kinder und auch meine Frau nicht mit der Flasche in der Hand sehen. Das gelang mir gut, trotz zum Schluss wirklich erheblicher Mengen an Alkohol (8 - 10 Bier pro Tag + oft noch ne' Flasche Wein waren es zum Schluss hin und das schon über einen längeren Zeitraum).

    Aber meine Kinder und auch meine Frau bemerkten natürlich meine Veränderung. Charakter und Wesen, Denkweisen und Verhalten - nicht mehr nachvollziehbar für meine Familie. Meine Tochter hat mich dann auch mal beim Trinken gesehen. Bei mir war's meinst im Schuppen im Garten, nicht die Garage. Ich habe das nicht bemerkt und sie hat es mir auch erst viel später erzählt, als ich bereits trocken war. Das hat sie jahrelang mit sich rumgeschleppt - und sie wusste von diesem Zeitpunkt an genau das ich ein Alkoholproblem habe. Meine kleine von mir über alles geliebte, damals 7 oder 8 jährige Tochter! Und hat mit niemanden, nicht mal ihrer eigenen Mama darüber gesprochen. Unfassbar schlimm ist das.

    Nun möchte ich Dir sagen, dass Du nichts an seinem Trinkverhalten ändern kannst. Vielleicht hast Du das ja auch schon selbst bemerkt, aber man will es ja nicht wahr haben. "Er muss doch einfach nur weniger trinken".... - so denken doch die meisten.... Du hast das nicht in der Hand. Ich wusste relativ lange, dass ich ein Alkoholproblem habe und ich wusste irgendwann auch genau, dass ich nicht nur mehr ein Problem habe sondern dass ich ein süchtiger Trinker bin. Das wurde mir dann schon mal bewusst, nämlich spätestens immer dann, wenn ich am morgen irgendwie die ganzen Flaschen vom Vorabend heimlich entsorgen musste. Das war dann auch immer der Moment wo ich mir gesagt habe: Heute trinkst Du aber nichts! Was aber natürlich zum Ende hin absolut nie mehr funktioniert hat denn ich war ja süchtig.

    Trotz dieser Erkenntnis, die ich am Anfang meiner "Karriere" lange nicht hatte, zum Schluss hin aber sehr wohl, war ich nicht in der Lage etwas dagegen zu tun. Trotz der großen Liebe meiner Kinder gegenüber, vor allem der Kinder gegenüber, konnte ich nicht aufhören. Insgeheim wusste ich aber, wohin meine Sauferei zwangsläufig führen muss. Meine Frau hatte zu einem ganz frühen Zeitpunkt meiner Sucht (da war ich mir dessen noch lange nicht bewusst) gesagt, ich würde ihrer Meinung nach etwas zu viel und zu regelmäßig trinken. Damals trank ich vielleicht mal ein - zwei Bier am Tag, meine sog. Feierabendbierchen waren das. Aber anstatt das zum Anlass zu nehmen einfach nichts mehr zu trinken, habe ich begonnen heimlich zu trinken. Konflikt mit der Frau beseitigt und trotzdem weiter trinken können. Schien mir damals eine ganz gute Lösung zu sein. Denn zwei Bier am Tag, also bitte, das ist doch ganz normal :o Das ging auch über sehr viele Jahre gut.

    Was ich eigentlich sagen will: Nichts und niemand hätte mich mit gut zureden oder was auch immer vom trinken abbringen können. Und das ist kein Sonderfall der bei mir nur zu trifft, sondern das ist in der Regel immer so bei Alkoholikern. Diese Sucht ist so mächtig und so heimtückisch, das glaubt man als gesunder Mensch gar nicht. Und sie verändert den Süchtigen erheblich, er wird zum Lügner und Betrüger, er tut alles um trinken zu können.

    Was kannst Du also tun? Du kannst ihn zur Rede stellen und ein Ultimatum setzen. Entweder er unternimmt etwas gegen seine Sucht, was aber nicht darin bestehen kann, dass er irgendwas verspricht was er dann eh nicht halten kann. Sondern was bedeutet, dass er zur Suchtberatung geht, einen Arzt aufsucht, und eine Therapie beginnt - oder Du packst Deine Kinder und gehst. Leicht gesprochen, ich weiß!

    Wenn er etwas gegen seine Sucht unternehmen will, also aktiv mit Hilfe von außen, dann kannst Du ihm beistehen und ihn unterstützen, wenn Du das möchtest. Das kann sehr hilflreich für den Betroffenen sein. Wenn nicht, wenn er Dich abtropfen lässt, wenn er aggressiv wird, oder weinerlich Dir seine Liebe beteuert aber nichts unternimmt, dann solltest konsequent sein.

    Ein Leben mit einem nassen Alkoholiker ist kein Leben. Schon gar nicht für Kinder. Das sag ich Dir als Alkoholier der sich so für sein früheres Verhalten schämt und der es unendlich bedauert, dass er das nicht rückgängig machen kann und auch nicht mehr gut machen kann.

    Zitat

    Aber ich kann mich und meine Kinder auch nicht kaputt machen lassen durch ihn!

    Dieser Satz ist entscheidend. Danach solltest Du handeln!

    Alles Gute und einen guten Austausch hier im Forum wünsche ich Dir!

    LG
    gerchla

    Hallo Reinhard,

    es wird Dir hier wahrscheinlich niemand sicher sagen können ob Deine Freundin bereits eine Alkoholikerin ist. Die Übergänge von Alkoholmissbrauch zur Alkoholsucht sind fließend, das macht diese Krankheit unter anderem auch so heimtückisch. Dietmar hat es bereits sehr schön formuliert: hohe Gewöhnungstoleranz sind ein Zeichen für tendenziell süchtiges Verhalten.

    Um heraus zu finden "wie weit " Deine Freundin bereits ist, müsste sie mal probieren einfach komplett eine längere Zeit auf Alkohol zu verzichten. Also einfach mal z. B. vier Wochen überhaupt keine Alkohol trinken und schauen, ob das funktioniert. Und wenn es funktioniert, wie es funktioniert. Also ob sie problemlos verzichten kann oder ob es ihr schwer fällt und sie ständig an Alkohol denken muss und schon darauf hin fiebert, wenn die Zeit endlich vorbei ist. Und wenn sie gar nicht verzichten kann, dann ist eh klar was los ist.

    Ich weiß nicht, ob Du darüber so offen mit ihr sprechen kannst. So wie Du schreibst wird das aber scheinbar eher schwierig werden. Wenn sie Dich jetzt schon als Spielverderber bezeichnet.... Wenn sie wirklich kein Problem hat, dann würde sie auch jederzeit mal auf so ein kleines Experiment eingehen können.

    In jedem Fall kann ich Dir aus eigener Erfahrung nur sagen, dass Du Dir genau überlegen musst, ob das Trinkverhalten Deiner Freundin tolerieren willst. Ich bin selbst Alkoholiker und mein Umfeld musste durch mich sehr viel leiden. Das sollte man sich eigentlich ersparen. Und den Partner vor die Wahl stellen. Entweder etwas gegen die Sucht unternehmen oder tschüss. Klingt hart ist aber in der Regel meist der einzige Weg um nicht in den Sumpf mit hinein zu geraten.

    Und noch eins: Als Partner kann man den Betroffenen nicht trocken legen. Egal was Du tust, wenn sie trinken will wird sie trinken. Du kannst nur helfen, wenn sie weg will von dem Zeug und ansonsten kanns Du nur auf Dich selbst und Dein eigenes Leben acht geben.

    Alles Gute und eine guten Austausch hier im Forum wünsche ich Dir!

    LG
    gerchla

    Hallo Angemon,

    danke Dir für Deine Rückmeldung. Ok, jetzt weiß schon ein bisl mehr, vor allem die Geschichte mit Deinem Vater finde ich sehr interessant. Also ich meine deshalb, weil ich auch einen Sohn habe. Der ist jetzt Anfang 20 aber ich hoffe mal, dass er mit Alkohol klar kommt. Ich denke doch, soweit ich das noch beurteilen kann.

    Und tja, mein Sohn war gerade in der Pupertät als ich mich geoutet habe, als Alkoholiker. Ich glaube ich war auch ein ziemliches Vorbild für ihn. Zumindest hat mir das meine Ex-Frau so erzählt. Tja, und dann war er plötzlich derjenige, der seinem Papa Infos mit Anlaufstellen für Alkoholiker gebracht hat. Das muss ihn ziemlich aus der Bahn geworfen haben. Du hast nun quasi die Rolle, die mein Sohn damals hatte nur mit dem feinen aber echt miesen Unterschied, dass Du auch ein Problem mit Alk hast.

    Aber hey, hat ja keiner gesagt dass es einfach wird. Ich denke, Du solltest zuerst an Dich selbst denken. Wäre mein Sohn in Deiner Situation und ich in der Deines Vaters würde ich sicher wollen, dass er sich gefälligst um sich kümmert und nicht um mich. Das ist jetzt etwas schwer zu sagen, denn ich hätte dann ja ein nasses Alkihirn und vielleicht würde ich mir auch denken, wir machen das zusammen.

    Nüchtern betrachtet ::) sage ich aber, dass man sich erst mal um sich selbst kümmern muss. Erst wenn man mit sich selbst im Reinen ist, hat man auch die Kraft sich um andere zu kümmern. Klingt logisch, oder? Was jetzt nicht bedeutet, dass Du nicht mal mit Deinem Vater reden kannst. Mach das ruhig mal und schau mal was passiert. Aber konzentriere Dich dann wieder auf Deine Sucht und Dein Problem. Letztlich ist er für sein Leben verantwortlich so wie Du für Deines verantwortlich bist. Du kannst ihn nicht trocken legen, er Dich nicht. Ihr könnt Euch nur jeweils selbst helfen.

    Zitat

    Weil die SHG die sie kenne wären nur überreife Personen (bitte nicht falsch verstehen ;) )


    44. Ich werf mich weg. "Überreife Personen" das habe ich auch noch nie gehört. Ok, könnte schon sein, dass in SHG in Mehrzahl etwas ältere Menschen sitzen. In der ich damals war, war alles dabei. Von der jungen Frau, vielleicht Mitte 20 bis zu älteren Damen und Herren, jenseits der 70. Und viele um die 40, 50 Jahre. So eine Gruppe muss halt passen, auch menschlich meine ich. Vielleicht probierst es ja trotzdem einfach mal aus. Ein, zwei Leute in der Nähe Deines Alters und schon hast Du eine Basis. Austausch kann dann auch jenseits der offiziellen Sitzungen statt finden. Oder vielleicht triffst Du ja auch auf ganz coole überreife ;D

    Du hast es in der Hand. Wenn es Dir nicht taugt gehst halt nimmer hin.

    Nochmal was die Beziehung zu Deinem Vater betrifft: Könnte sein, dass da mehr dahinter steckt als gedacht. Das wäre vielleicht auch mal ein Thema für einen Psychologen, falls Du dafür offen bist. Ich habe einen solchen ebenfalls besucht, damals. Das kann sehr helfen und bestimmt keine Schande oder Schwäche. Denn ich hatte natürlich "nicht nur" das Problem das ich gesoffen habe sondern es gab ja Gründe dafür. Und die musste ich erst mal finden und mir bewusst machen. Das war sehr wichtig für mich - denn dann konnte ich verstehen und ich konnte lernen ohne Alk damit umzugehen - lag bei mir übrigens wohl auch in meiner Kindheit und der Beziehung auch zu meinem Vater.... Ach und ich hatte eigentlich eine gute Kindheit, also nix in die Richtung Gewalt oder so. Trotzdem.....

    Also bleib dran! Hol Dir Dein Leben zurück.

    LG
    gerchla

    Hallo Yve,

    gut das Du hier bist!

    Wie Dietmar bin ich auch erst mal über den Titel Deines Threads gestolpert. Und auch ich habe mir gedacht: Wer bereits süchtig ist, kann keine Kontrolle mehr zurück bekommen. Das ist zumindest die Erfahrung die ich selbst gemacht habe. Und auch bezogen auf meine Erfahrungen mit anderen Alkoholikern kenne ich niemanden dem das gelungen wäre. Leider aber ein paar, die darüber rückfällig wurden...

    Aber ich glaube das steht jetzt noch gar nicht zur Debatte. Erst mal hast Du einen ersten Schritt getan und Dich hier angemeldet. Erst mal bedeutet das, dass Du etwas unternehmen möchtest. Das ist genau richtig. Vielleicht hilft es Dir ja auch, zunächst von Tag zu Tag zu denken. Also immer erst mal heute keinen Alkohol zu trinken und in aller Ruhe darüber nachzudenken, wie Du Deine Zunkunft überhaupt gestalten möchtest. Vielleicht musst Du auch erst mal heraus finden wo Du eigentlich stehst.

    Das Lesen hier im Forum kann Dir dabei helfen. Vielleicht findest Du andere Teilnehmer hier, die eine ähnliche Geschichte wie Du haben und kannst auch lesen, was sie gemacht haben. Vielleicht ist da was für Dich dabei.

    Was ich aus meiner eigenen Erfahrung inkl. vieler gescheiterter Aufhörversuche sagen kann ist, dass es wichtig ist sich damit auseinander zu setzen warum man trinkt. Aufarbeiten der Sucht ist für den Erfolg enorm wichtig. Lernen wieder anders zu denken, süchtiges Denken zu überwinden, Strategien z.B. für den Umgang mit bestimmten Situationen ohne Alkohol neu zu erlernen. Darauf kommt es meiner Meinung nach an. Für den Anfang ist es aber natürlich gut einfach nichts mehr zu trinken, auf Dauer reicht das aber nicht aus. Denn die Sucht ist stark - sie zeigt einem immer und immer wieder die vermeintlich positiven Effekte des Trinkens. Und irgendwann, der eine früher, der andere später, wird man wieder schwach und gibt nach. Und das ist eigentlich das was es zu verhindern gilt. Das geht nur mit Aufarbeitung - ob nun mit professioneller Hilfe (für viele der einzige Weg) oder selbstgestrickt (gibt es auch) ist egal, aufgearbeitet muss es werden.

    Ich wünsche Dir einen guten Austausch hier im Forum und hoffe, dass Du (D)einen Weg finden wirst.

    LG
    gerchla

    Hallo Holgax,

    auch von mir herzlich Willkommen bei uns im Forum.

    Ich bin Alkoholiker und nun einige Jahre trocken. Und ich habe genau das getan, was Deine Partnerin auch tut. Ich habe heimlich getrunken. Und zwar komplett heimlich. Mich hat fast nie jemand in der Öffentlichkeit Alkohol trinken sehen. Selbst bei offiziellen Anlässen z. B. in Restaurants habe höchstens mal ein Bier getrunken, oft aber auch nichts. Im Auto, das draußen auf dem Parkplatz stand, hatte ich aber einen wunderbaren Vorrat versteckt. Und so musste ich halt häufig zur Toilette oder mal schauen ob ich nicht "vergessen" habe das Auto abzusperren.... Von meinen sehr kreativen Geheimverstecken im und um unser Haus herum (bis hin zu Bierkästen die ich im Wald gebunkert hatte) will ich jetzt mal gar nicht sprechen.

    Und dann passierte genau das, was Dietmar sehr treffend beschrieben hat. Ich stürzte den Alkohol in mich hinein. Denn ich brauchte ja meinen Pegel und ich hatte keine Zeit. Sturztrinken at its best sozusagen.
    Noch ein Beispiel: Von der Arbeit nach Hause hatte ich etwa 15 Minuten mit der S-Bahn. In diesen 15 Minuten trank ich mindestens 2 Bier, meist jedoch 3 oder 4 Bier. In 15 Minuten! Dann lief ich nochmal etwa 10 - 15 Minuten nach Hause. Auch da liefen normalerweise nochmal 2 Bier in mich hinein. Ich bin also ca. 30 Minuten vorher nüchtern von meinem Arbeitsplatz los gegangen und kam dann nach eine guten halben Stunde zuhause mit 5 Bier intus an! Und keiner hat was gemerkt.

    Ich will Dir damit nur verdeutlichen wieviel Gefahr und "Potenzial" dahinter stecken kann. Als nicht trinkender oder süchtiger Mensch kann man das gar nicht glauben. Es kann also sein, dass Deine Partnerin noch viel mehr trinkt als Du jetzt schon vermutest. Wobei die gefundenen Schnapsflaschen ja schon eine sehr deutliche Sprache sprechen. Es ist letztlich auch ganz egal wie viel sie trinkt, süchtig ist süchtig.

    Deshalb kann und möchte ich mich komplett Dietmar anschließen. Du solltest sie unbedingt ansprechen. Das kann wach rütteln (muss aber nicht). Biete ihr Hilfe an, erkundige Dich vielleicht vorher noch wohin sie sich bei Euch in der Nähe wenden kann (z. B. Suchtberatung). Und dann musst Du sehen wie sie reagiert. Eine langfristige Chance habt Ihr nur, wenn sie bereit ist etwas zu unternehmen. Dann kannst Du auch eine gute und wichtige Rolle spielen. Sollte sie aber abstreiten oder Dir das Blaue vom Himmer herunter versprechen ohne sich gleichzeitig helfen zu lassen, wird es schwierig werden. Dann wird es immer wieder zu Enttäuschungen und Vertrauensbrüchen kommen.

    Ich wünsche Dir alles Gute und einen guten Austausch hier im Forum.

    LG
    gerchla