Beiträge von Gerchla

    Hallo lilly,

    wie schön wieder was von Dir zu hören! :)

    Und das Du jetzt raus bist und Dein eigenes zuhause hast - wunderbar!

    Ich verstehe, dass Du nach 25 Jahren nicht einfach sagen kannst: mir ist das alles jetzt völlig egal und es berührt mich nicht mehr. Ich denke auch, dass es normal ist, dass Du Dir ab und an Gedanken darüber machst, wie es ihm geht, ob er es schafft oder nicht usw.

    Ich glaube aber das es wichtig ist, dass Du auf keinen Fall mehr die Verantwortung für ihn übernimmst, auch nicht aus der Ferne. Ich denke, dass ist wirklich das wichtigste. Und dass Du Dich davon lösen kannst, zu denken Du müsstest Verantwortung übernehmen, Dich um ihn kümmern etc.
    Das schließt jetzt nicht aus, dass Du Dich mal nach ihm erkundigst, wie es ihm geht oder so. Falls Ihr noch normal miteinander reden könnt. Aber viel mehr ist da nicht drin. Und falls Dich seine Antworten belasten oder gar beschuldigen, dann solltest Du auch das unterlassen.

    Alles Gute weiterhin und wer weiß, vielleicht bekommt er ja irgendwann auch die Kurve. Das wäre schön für ihn, und Du hättest ein besseres Gefühl. Wichtig ist aber jetzt nur Dein eigenes Leben.

    LG
    gerchla

    Hallo Denim,

    ich bin Alkoholiker, Ende 40 und lebe nun schon seit mehreren Jahren ohne Alkohol.

    Ähnlich wie Greenfox stelle ich mir auch die Frage, wie das Jobcenter das überhaupt merken soll? Also wenn ich mich da mal an mich zurück erinnere, ich habe vielleicht 15 Jahre lang komplett heimlich gesoffen. Und wenn ich z. B. 8 Bier intus hatte, dann hat da keiner gemerkt, dass ich eigentlich total besoffen sein müsste. Natürlich war ich auch irgendwann mal platt bzw. total blau. Das war dann aber in der Regel erst nachts, wenn ich mir kurz vor dem Einschlafen noch "den Rest" gab. Und da bekommt es dann ja keiner mehr mit.

    Du wirst ja zu einer normalen Tageszeit ins JobCenter gehen. Somit stellt sich das Problem nicht.

    Aber jetzt mal ehrlich: Dein Problem ist doch ein ganz anderes. Du bist nasser Alkoholiker, merkst selbst, dass es immer noch mehr wird und dass Du jetzt auch schon immer früher mit dem Saufen anfängst. Ich kann mich sehr gut an mich selbst erinnern. Ist ein Tabu (z.B. kein Bier vor vier oder später bei mir dann, kein Bier vor 12 Uhr mittags) gebrochen, dann gehts dahin. Dann bricht man es immer wieder. Am Ende hab' ich mir dann erst mal 2 Bier in der Früh auf den Weg in die Arbeit reingezogen um überhaupt mal loslegen zu können. Eigentlich ist es auch Wurscht wann Du Dir das Zeug reinhaust. Nur wenn man früh schon anfängt hat man mehr Zeit und die Menge nimmt halt nochmal zu.

    Das steht Dir dann auch noch bevor. Es sei denn Du unternimmst was dagegen. Das ist Deine einzige Chance Dein Leben zu retten.

    Zitat

    Ich müsste meine Tiere abgeben und gerade die halten mich gerade halbwegs aufrecht.


    Bist Du echt der Meinung, dass Du mit Deinen 11 Bier im Schnitt noch halbwegs aufrecht unterwegs bist? Du steckst doch bis zum Hals im Sumpf, da ist doch nichts was Dich aufrecht hält. Klar, Du könntest ja auch 20 am Tag saufen, aber das macht dann auch keinen Unterschied mehr.

    Mehr will ich jetzt nicht schreiben, weil ich auch nicht weiß, wie das bei Dir ankommt. Meine Erfahrungen, was Diskussionen mit nassen Alkoholikern betrifft, sind leider fast nur schlechte.

    Auf jeden Fall wünsche ich Dir für Deine Zukunft alles Gute und den "Klick", der Dich dazu bringt Deine Sucht zu überwinden.

    LG
    gerchla

    Hallo Mjchelle,

    ich kann Deine Verzweiflung gut nachvollziehen. Meiner Meinung nach gibt es für Dich nur einen Weg - und zwar die Trennung von Deinem Partner. Em0tional scheint das ja bereits "erledigt" zu sein (was oft ein großes Hindernis darstellt), nun muss es noch räumlich vollzogen werden.

    Es wird Dir nichts bringen, Dir immer wieder vor Augen zu führen wie schlimm alles ist, weil Du auf dem Land lebst, kein Auto hast und aktuell keine Arbeit hast. Es wird Dir nichts bringen, Dir die Dinge vor Augen zu führen, die es für Dich eigentlich "unmöglich" machen, Dich von ihm zu trennen.

    Denn wenn Du gehen willst, dann kannst Du das auch schaffen. Und stell' Dir mal vor, es tritt das ein, was Du vorraus siehst, nämlich dass er seinen Job verliert (halte ich ehrlich gesagt auch für sehr wahrscheinlich). Dann habt ihr beide keine Arbeit und er versäuft Euer kleines Einkommen. Und Du sitzt daneben und erträgst das alles? Und hörst Dir weiterhin an, dass Du ja an allem Schuld bist?

    Ich glaube, so schlimm das alles ist, da musst Du selbst aktiv werden. Zu hoffen, dass er sich ändert oder wieder trocken wird, scheint aufgrund Deiner Schilderungen recht sinnlos zu sein. Bleibt Dir nur noch, Deine Situation selbst zu verändern. Vielleicht lässt Du Dich erst mal beraten, vielleicht wäre der Weg in ein Frauenhaus auch erst mal ein schneller Schritt raus aus dieser Situation? Ich könnte mir vorstellen, dass Du einfach auch mal Abstand brauchst, damit Du in Ruhe und ohne Druck auf Deine Situation schauen kannst. Und damit Du auch in Ruhe Pläne für Deine Zukunft machen kannst.

    Ich wünsche Dir nur das allerbeste!

    LG
    gerchla

    Hallo Markus,

    Zitat

    Ich will ihr die Kinder ja nicht wegnehmen, sie sollen aber ihren Lebensmittelpunkt bei mir behalten. Ich hoffe, dass mir das gelingt!

    Dafür drücke ich Dir ganz fest die Daumen. Ich habe da leider einiges in meinem eigenen Umfeld erleben müssen, was das Sorgerecht von Kindern betrifft. Glücklicherweise gab es bei meinen eigenen solche Streitigkeiten nicht, das habe ich ja bereits geschrieben.

    Aber dem, was ich in meinem Umfled mitbekommen habe, kann ich Dir nur raten, Dir den besten Anwalt zu nehmen, den Du bekommen kannst. Ich hoffe, dass Dein Freund da genau der Richtige ist. Es gab bei mir tatsächlich ein paar Fälle, wo ich die Welt nicht mehr verstanden habe. Weil Gerichte das Sorgerecht für Kinder Menschen zugesprochen haben, die es m. M. niemals hätten erhalten dürfen. Aber eben sehr fiese, gewiefte Anwälte hatten, die andere Seite aber ohne Anwalt da stand.

    Ich würde Dir wünschen, dass Deine Ex-Frau selbst zur Erkenntnis kommt, dass die Kinder bei Dir besser aufgehoben sind. Vielleicht kann das ja klappen, wenn ihr eine gute Vereinbarung bezüglich des Umgangsrechts macht.

    Wie gesagt, ich drücke die Daumen!

    LG
    gerchla

    Hallo Ira Jean,

    erst mal möchte ich Dir meinen Respekt dafür ausdrücken, dass Du es jetzt tatsächlich auch durchgezogen hast. Du kannst sicher sein, dass das der einzig richtige Weg war.

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    Natürlich traf das auf Widerspruch und er hat mir wieder die allerschönsten Beteuerungen gemacht und gesagt ich sei die beste Frau die es gebe und dass er es nur mit mir schaffen könnte.


    Eine typische Reaktion - finde den Fehler! Der liegt in der Aussage, das er es "nur mit Dir" schaffen könnte. Damit setzt er Dich unter Druck, gibt Dir ein mieses Gefühl, ein Gefühl des schuldig seins für seine Sauferei und auch Schuld daran zu haben, dass er weiter saufen wird. Und dieser Mensch tut dann auch noch so, als würde er Dich lieben. Naja, ich denke Du hast dieses Kapitel ja jetzt erst mal abgehakt.

    Zitat

    dass ICH etwas an seiner Situation ändern kann. Dass dem nicht so ist, habe ich mittlerweile eingesehen.


    Seine Manipulationen zielen ja genau darauf hin ab. Dir das Gefühl zu geben, Du bist die einzige, die ihm da raus helfen könnte. Und genau das ist falsch. Tausendfach bewiesen durch uns "Praktiker" hier im Forum, die wir fast alle mal in dieser Situation gesteckt haben - entweder selbst als Alkoholiker oder auch als Angehöriger. Beide Gruppen findest Du ja hier und von beiden Gruppen hast Du sicher viel gelesen. Du kannst darauf vertrauen, dass wir hier keinen Quatsch erzählen. Warum auch, hätte ja keiner was von.

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    Nun muss ich nur noch irgendwie mit meinem Mitgefühl, dass ich für ihn habe wenn ich ihn leiden sehe, lernen umzugehen.


    Das musst Du natürlich, ich hoffe jedoch für Dich, dass Du jetzt richtig von ihm getrennt bist. Idealerweise auch räumlich, sonst kann des etwas schwierig werden. Du solltest auch über einen kompletten Kontaktabbruch nachdenken. Es wird nicht einfacher, wenn er Dich z. B. permanent mit WhatsApps befeuert.

    Und was Dein Mitgefühl oder Mitleid betrifft: Sehe es doch mal so - Wenn er möchte, kann er jederzeit etwas an seiner bemitleidenswerten Situation ändern. Im Gegensatz zu z. B. einem krebskranken Menschen, hat er sein weiteres gesundheitliches Schicksal selbst in der Hand. Er ist (z. B. wieder im Vergleich zu einem Krebskranken) in der komfortablen Situation seine Krankheit selbst, mit eigener Kraft und mit vielen Hilfsangeboten zum Stillstand bringen zu können. Und anschließend ein ganz normales Leben führen zu können. Luxuriöse Situation eigentlich, wenn man mal wieder einen z. B. an Krebs erkrankten Menschen auf der anderen Seite sieht. Es muss auch nicht unbedingt gleich Krebs sein, dass man hier als anderes Beispiel hernehmen kann, es gibt viele schlimme Krankheiten, wo der Betroffene gar nichts mehr selbst in der Hand hat und im schlimmsten Fall nur noch hoffen kann oder gar auf den Tod warten muss.

    Insofern darf sich Dein Mitgefühl hier schon in Grenzen halten. Er kann jederzeit Aussteigen - wenn ihm ernst ist, dann z. B. gleich jetzt, unmittelbar nach seiner Entgiftung.

    Zitat

    Keine Kontrolle mehr, keine Angst was passieren könnte, keine neuen Schreckgeschichten...


    Das ist der Punkt! Und jetzt brauchst Du natürlich auch etwas Zeit. Aber Du schreibst gerade Geschichte, Deine eigene Geschichte - Du holst Dir jetzt Dein Leben zurück!

    Viel Erfolg dabei und alles alles Gute!

    LG
    gerchla

    Hallo Saskia,

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    Ich kann mir nur nicht vorstellen, dass Deine Frau wirklich nichts gemerkt hat.

    Ja, ehrlich gesagt habe ich mich auch gefragt, wie man 10 oder 12 Bier + oft noch Wein /tägl. trinken kann, ohne das der Partner es mitbekommt. Allein was die Ausdünstungen betrifft. Ich denke schon auch, dass sie vielleicht einiges einfach nicht wahr haben wollte. Jedoch hat sie mir wirklich im Nachhinein versichert, dass sie sich meiner Trinkerei nicht bewusst war. Und als ich mich outete, hat sie erst mal gesagt, "das ist doch wieder nur eine Deiner Lügen".

    Ich bin dann mit ihr los und habe ihr meine Alkoholverstecke im Haus und der näheren Umgebung gezeigt. Ich hatte ja diverse Depots angelegt. Zum Beispiel war der Reserveradkasten des Autos voll mit dem Zeug, der Jetbag im Keller ebenfalls. Das Feuerholz im Schuppen unseres Gartens war ausgehölt und gut mit Bier und Weinflaschen gefüllt. Das hat sie dann schon überzeugt.

    Ich denke mal, wenn Du bei Deinem Mann noch etwas "hinter die Kulissen" schauen könntest oder würdest, wäre wohl noch die ein oder andere "Überraschung" dabei.

    Mal ganz zu schweigen von meinem Doppelleben, das ebenfalls ausgerichtet war auf Alkohol konsumieren. Da gab es dann auch noch diverse Orte mit Alkoholvorräten, etc.

    Grauenvoll, wenn ich daran zurück denke schäme ich mich in Grund und Boden. Manchmal kann ich gar nicht glauben, dass das wirklich ich war, dass ich dieser Mensch war von dem ich hier immer wieder schreibe und berichte. Was für riesen A...och war dieser Mensch? Aber dieser Mensch war tatsächlich ich und ich kann und will diesen Teil meines Lebens auch nicht einfach wegradieren oder sagen: "das war ja alles nur der Alkohol, eigentlich kann ich da ja nichts dafür" - denn das stimmt nicht. Ich trank aus meiner Entscheidung heraus, ich wurde nicht gezwungen und deshalb übernehme ich auch die Verantwortung für alles was ich damals war und getan habe. Naja, anderes Thema.

    Ich finde es prima, dass Du einen Termin beim Anwalt hast. Mache Nägel mit Köpfen, hol Dir Dein Leben zurück! Schau auch auf Deinen Sohn, er ist in einem Alter wo er schon erwachsen sein will, es aber noch lange nicht ist. Vielleicht braucht er Hilfe um mit dieser Situation umgehen zu können. Um noch einigermaßen unbeschadet da heraus kommen zu können. Prägen wird es ihn so oder so, ich denke da brauchst Du Dir nichts vormachen. Das ist bei meinen Kindern auch so.

    Alles alles gute und lass' doch mal hören, ob Du ein Stück weiter gekommen bist.

    LG
    gerchla

    Hallo Markus,

    sehr traurig, Deine Geschichte. Leider eine typische für Partner von Alkoholikern.

    Ich selbst bin Ende 40, Alkoholiker und lebe seit mehreren Jahren ohne Alkohol. Vorher hatte ich auch Familie, 2 Kinder und war fast bis zum Schluss das, was man einen funktionierenden Alkoholiker nennt. Das ganze in Kombination mit einem ausgeprägten Doppelleben. Das ist jetzt für Dich aber nicht relevant, denke ich.

    Ich bin leider etwas unter Zeitdruck, will aber schon auf ein paar Dinge von Dir eingehen:

    Zitat

    Außerdem quält mich die Frage, ob ich nicht doch Schuld bin. Hätte ich mehr tun können, hätte ich mehr tun müssen?


    Erst mal kann ich Dir als Alkoholiker, als trockender Alkoholiker, sagen, dass Du an nichts Schuld bist. Du bist nicht Schuld an dieser Situation denn Deine Frau trinkt, nicht Du. Egal was Du tust, wenn sie nicht mit dem Trinken aufhören möchte, wird sie nichts und niemand (auch Du nicht) davon abbringen können.

    Die Frage die Du Dir stellen kannst bzw. vielleicht sogar musst, ist, ob Du das ganze Spiel nicht viel zu lange mitgemacht hast. Ohne Deine Situation im Detail zu kennen wäre möglicherweise besser für Dich und Deine Kinder gewesen, wenn Du Dich schon früher von Deiner Frau getrennt hättest. Selbstverständlich weiß ich, dass das in der realen Lebenswirklichkeit alles nicht so einfach ist und ich mich hier leicht schreibe. Ich weiß nicht wie alt Deine Kinder sind, ich denke jedoch sie werden einiges mitgemacht haben, möglicherweise mehr als Du glaubst.

    Zitat

    Was, wenn sie die Kinder einfach mit einpackt?


    Wie schätzt Du denn die Situation ein? So wie Du schreibst hatte ich erst mal das Gefühl, sie ist froh wenn sie endlich ihre Ruhe hat und in Ruhe trinken kann. Dann natürlich wieder die Frage nach dem Alter Deiner Kinder. Meines Wissen dürfen die Kinder ab einem bestimmten Alter auch darüber entscheiden bei wem sie leben möchten. Vielleicht würde Dir hier auch eine rechtliche Beratung helfen. Also ich meine mal ganz grundsätzlich. Denn so wie Du schreibst, hälst Du Deine Frau ja auch aufgrund ihres Konsums gar nicht für fähig, dass sie das Sorgerecht für Deine Kinder ausüben kann. Da müsstest Du Dir schon mal rechtliche Klarheit schaffen, das würde Dich evtl. auch etwas ruhiger werden lassen.

    Bei mir war damals klar, dass meine Kinder bei meiner Frau bleiben. Das war deshalb klar, weil ich der Alkoholiker war. Ich trennte mich von meiner Frau und ich zog aus. Da trank ich zwar bereits nichts mehr, jedoch war klar, dass das eben nicht klar war bzw. dass ich ja jederzeit wieder hätte rückfällig werden können.

    Zitat

    Die Kinder wissen, dass ihre Mutter ausziehen wird. Sie sind deswegen traurig, aber ich glaube, dass sie mir vertrauen. Ich möchte ihr Vertrauen nicht enttäuschen. Ich habe Angst, dass ich es nicht schaffe…


    Da kann ich Dir aus eigener Erfahrung nur sagen, dass Du hier einen großen Fokus darauf richten solltest. Meine Tochter war damals, als ich mich trennte und die ganze Dimension meiner Trinkerrei aufflog, ich glaube 9 Jahre alt. Sie liebte ihren Papa. Jetzt war er weg, und Alkoholiker noch dazu.

    Glücklicherweise konnten meine Ex-Frau und ich, wann immer es die Kinder oder hier jetzt speziell unsere Tochter betraf, uns soweit zusammen reißen, dass wir an einem Strang gezogen haben. Hier braucht es u. U. auch psychologische Hilfe, in jedem Fall aber viele Gespräche bzw. Aufarbeitung mit den Kindern. Ob Du das alleine oder nur mit Hilfe hinbekommst kann ich nicht beurteilen. Wenn Du hier aber zweifelst, und das tust Du ja, dann lass' Dir doch auch hier bitte helfen. Entsprechende Angebote gibt es. Diese Zeit und Energie investierst Du in die Gesundheit, vor allem die psychische Gesundheit Deiner Kinder.

    Ich muss leider weg. Eines noch:

    Sei Dir darüber im Klaren, dass Du Deine Frau nicht "retten" kannst. Das kann sie nur selbst. Du kannst und musst auf Dich und vor allem auch auf Deine Kinder achten. Nur darauf sollte Dein Fokus sein. Wenn Deine Frau vom Alkohol weg kommen will, gibt es zahlreiche Hilfsangebote für sie. Sie ist da nicht alleine. Nur muss sie es wollen und es muss von ihr ausgehen.

    Alles Gute und einen guten Austausch hier im Forum wünsche ich Dir.

    LG
    gerchla

    Liebe Ira Jean,

    Zitat

    Ich bin sehr traurig, dass ich so gescheitert bin


    Warum schreibst Du denn so einen Schmarrn? Wenn überhaupt, dann darfst Du traurig sein weil ER so gescheitert ist. Aber doch nicht Du? Hallo, warum schreibe ich mir denn hier die Finger wund? Du bist doch nicht gescheitert. Er säuft doch, nicht Du oder ist mir da was entgangen!

    Ich freue mich sehr, dass Du jetzt offenbar wirklich was unternehmen willst. Ich wünsche Dir sehr, dass Du das jetzt auch durchziehst und nicht wieder schwach wirst oder Dich von ihm einlullen lässt. Sehr gut, dass Du eine SHG besuchst. Ich hoffe Du triffst dort Menschen die auf Deiner Wellenlänge liegen. Dann kann das eine wunderbare Anlaufstation für Dich werden wo Du viele wertvolle Tipps und Unterstützung bekommen kannst. Ich wünsche Dir, dass Du Dich dort wohl fühlst.

    Warte nicht zu lange mit der Trennung! Und ziehe es unbedingt durch. Alles was Du schreibst erhärtet das, was ohnehin schon ziemlich klar war. Es gibt keinen anderen und keinen besseren Weg für Dich als die Trennung und das Du Dein Leben selbst in die Hand nimmst. Und in diesem Zusammenhang solltest Du NIEMALS an Dir zweifeln.

    Alles alles Gute wünsche ich Dir.

    LG
    gerchla

    Hallo Strelizie,

    oje, nimm die Beine in die Hand und weg. Das möchte ich Dir als mittlerweile gottseidank schon lange trockener Alkoholiker nur zurufen.

    Das schreibst Du liebst ihn, ich will Dir das auch gerne glauben. Aber weißt auch wen Du liebst? Ich meine, Du kennst doch den eigentlichen Menschen gar nicht. Du kennst doch nur die alkoholisierte Version. Das hast Du so ähnlich ja schon selbst angedeutet und das stimmt auch. Alkohol verändert das Wesen eines Menschen enorm. Ich meine jetzt nicht diejenigen, die mal zuviel getrunken haben und dann aggressiv oder albern oder sonst was werden.

    Ich meine Alkoholiker die jahrelang saufen. Die haben nix mehr mit dem Menschen zu tun der sie mal waren oder der sie wären, wenn sie wieder trocken werden würden. Du liebst also die Alkoholvariante Deines Freundes. Damit liebst Du einen Menschen, der eigentlich schon eine Geliebte hat. Nämlich den Alkohol. Und Du liebst einen Menschen für den nichts wichtiger ist als der Alkohol. Du bist in dem Spiel ok, solange Du nicht nervst oder zickig wirst und so lange Du ihn "machen" lässt.

    Und er fährt jetzt die "ich weiß dass ich was ändern muss"-Schiene. Vielleicht mit noch ein wenig Selbstmittleid garniert, vielleicht erhascht er auch von Dir etwas Mitleid, weil der Arme ja weiß das er ein Problem hat aber halt nicht was er dagegen tun kann. Das kann in ein paar Wochen oder Monate ganz anders aussehen, dann gibt er Dir vielleicht die Schuld das er wegen Dir je trinken muss, dass ihn sowieso keiner versteht, dass er sich jetzt totsaufen wird oder was auch immer. Ach glaube mir, die Variationen sind vielfältigst.

    Fakt ist (Dietmar hats schon geschrieben): Glaube niemals einem nassen Alkoholiker auch nur ein Wort. Ich weiß wovon ich spreche. Ich war einer der größten Lügner und Betrüger unter der Sonne. Wenn Alkis was können, dann ist es überzeugend lügen. Ich könnte Dir da Geschichten von mir erzählen, da würdest an der Menschheit zweifeln wie jemand solche Lügengeschichten erfinden kann.

    Heulen auf Kommando, romantisch sein bis zum Umfallen, Liebesschwüre wie sie kein anderer hinbekommt und vieles mehr - Alles im Portfolio eines nassen Alkoholikers bestens vorhanden.

    Ich kann Dir nur raten, jetzt, am Anfang Eurer Beziehung wo es vielleicht für Dich (und Deine Kinder) noch einfacher ist, die Reißleine zu ziehen. Mit einem nassen Alkoholier kann man keine funktionierende Beziehung führen. Er machst seine Sucht zu der Euren.

    Alles Gute.

    LG
    gerchla

    Hallo Saskia,

    uff, schlimm was Du da schreibst. Ganz schlimm aber leider kann ich das auch alles ganz gut nachvollziehen.

    Vielleicht hast Du meine Geschichte hier das ein oder andere mal auch schon gelesen. Ich trank ja heimlich, habe dadurch aber meiner Familie nicht weniger zugemutet. Im Gegensatz zu meiner Ex-Frau hast Du jetzt aber schon mal eine großen Vorteil, wenn ich das mal so nennen darf.

    1. Du weißt was Sache ist, nämlich dass Dein Mann ein Alkoholiker ist und ein offenbar uneinsichtiger noch dazu

    2. Du hast Dich emotional schon soweit von ihm entfernt, dass Du eigentlich lieber von ihm getrennt wärst als mit ihm weiter zusammen zu leben (zumindest interprediere ich das mal so)

    Beide Erkenntnisse hatte meine Ex-Frau nicht und bei Punkt 2 hat sie eigentlich bis zum Schluss gehofft, wir würden es zusammen noch irgendwie hinbekommen, auch als ich dann trocken war und ich ihr erst mal alle meine schlimmen Lügen aufgeklärt habe.

    Deswegen ist Deine Situationen jetzt natürlich nicht einfach, nicht dass Du mich falsch verstehst. Aber zumindest scheint es so, dass Du zumindest emotional schon mal recht klar bist. Liebe ist ein großes Wort - ich gehe jetzt mal davon aus, dass Du ihn nicht mehr liebst und dass es eben die genannten Gründe sind, weshalb Du Dich nicht trennen willst. Kombiniert mit einer Portion Angst vor dem Unbekannten, dass da dann auf Dich zukommen könnte bzw. sicher auf Dich zukommen würde.

    Frage: Denkst Du dieses Unbekannte wird schlimmer sein als das was Dir noch bevorsteht, wenn Du Dein Leben noch länger mit ihm verbringst?

    Du beschreibst ja selbst sehr schön, wie er gerade mal wieder dabei ist immer noch tiefer in seine Sucht hinein zu rutschen. Also eines darf ich Dir sagen: Besser wird das nicht werden, im Gegenteil, es wird noch viel schlimmer werden. Es sei denn natürlich, er hört mit dem Trinken auf. Was sich jetzt allerdings gerade nicht so anhört.

    Was die rechtliche Situation anbetrifft, also mit rausschmeißen ect. kann ich Dir leider nicht weiter helfen. Aber ich denke dass sich da Greenfox berufsbedingt schon einigermaßen auskennen müsste. Vielleicht wäre es ein Weg, wenn Du da die Möglichkeiten nochmal in aller Ruhe abcheckst und Dir Deine Rechte hier genau aufzeigen lässt.

    Möglicherweise wäre es auch eine Option, dass zunächst Du mit Deinem Sohn mal ausziehst (ich weiß es ist DEIN Haus und eigentlich sollte man über sowas gar nicht nachdenken) und er auf sich allein gestellt ist. Sollte das mit dem Trennungsjahr zutreffen, dann kannst Du ihn auf jeden Fall nach einem Jahr raus werfen lassen. Ich kenne Deine Situation, Dein Umfeld nicht, aber vielleicht wäre das bei Euch eine Option.

    Ich glaube halt, manchmal ist alles besser als weiterhin seine Zeit mit einem nassen und dazu noch uneinsichtigen Alkoholiker zu verbringen. Der Dich ja offenbar auch emotional kaputt macht. Und was da bei Deinem Sohn alles hängen bleibt, das weißt Du auch nicht. Es wird wohl mehr sein als Dir lieb sein kann...., leider.

    Die üblichen Ratschläge wie "rede mit ihm wenn er mal nüchtern ist" oder "kündige Konsequenzen an und halte Dich dann auch daran" lasse ich jetzt mal weg. Ich gehe mal davon aus, dass Du das alles schon mehrfach erfolglos durch hast. So wie Du schreibst bleibt Dir wohl nix anderes als für Dich selbst Nägel mit Köpfen zu machen. Damit Du wieder leben kannst und Dein Sohn übrigens auch.

    Ich sag's mal aus eigener Erfahrung: Mach lieber früher als später die Biege - Du verschwendest wertvolle Lebenszeit die Dir niemand mehr zurück geben wird. Ich wünschte heute, meine Ex-Frau hätte gerafft was mit mir los war und hätte mich verlassen. Es wäre ihr sehr viel erspart geblieben. Leider war ich so lange Zeit nicht in der Lage etwas gegen meine Sucht zu unternehmen....

    Alles alles Gute wünsche ich Dir. Ich hoffe Du findest bald eine gute Lösung!

    LG
    gerchla

    Hallo Sandy,

    herzlich Willkommen im Forum.

    Ich ich bin Ende 40, Alkoholiker und lebe und schon seit mehreren Jahren ohne Alkohol. Während meiner Trinkerzeit hatte ich Familie, 2 wunderbare Kinder, einen tollen Job, keine offensichtlichen Gründe saufen zu müssen. Meine Kinderheit verlief wunderbar, meine Schulzeit ebenfalls und auch der Einstieg ins Berufsleben war problemlos. Beruflich machte ich schnell Karriere und hatte bald den für mich besten Job der Welt (den habe ich glücklicherweise immernoch).

    Das was Du von Deinem Mann schreibst erinnert mich ein bisschen an die "mittlere Phase" meiner Alkoholsucht. Eigestiegen bin ich mit dem Feierabendbierchen. Wirklich nur das eine, dann mal keines, dann vielleicht auch mal zwei. Das ging über Jahre so. Dann kam eben die Phase wo ich fast täglich trank und auch mehr. 2 -6 Bier, oft 3-4 Bier als die Regel und mal bis weniger, mal bis mehr. Natürlich wusste ich da schon, dass das irgendwie zu viel ist. Und ich trank da auch schon lange heimlich, also nicht mehr "offiziell". Obwohl es keiner mitbekam, auch meine Frau nicht, legte ich Trinkpausen ein. Also ganz bewusst wollte ich mit dem Trinken aufhören oder in dieser Phase zumindest mal eine längere Pause machen. Das gelang mir da auch noch, so konnte ich wochenlange Pausen einlegen, als meine Tocher zur Welt kam konnte ich sogar monatelang pausieren. Dennoch war ich bereits süchtig und es war auch klar, dass ich wieder "rückfällig" werden würde, denn ich hatte ja keinen Plan was meine Sucht betraf.

    Sehr viele Jahre gingen so dahin, auch auf diesem Trinkniveau und meine Familie merkte nix, ich war ein klassischer funktionierender Alkoholiker. Meine Ehe war noch ok, meine Kinder liebte ich über alles und ich hing mich rein um ein guter Papa zu sein. Hätte ich da noch aussteigen können, alles wäre gut geworden. Konnte ich aber natürlich nicht, ich war ja süchtig.

    Wie das halt so ist mit dem klassischen Suchtverlauf, wurde es irgendwann dann doch mehr. Auch begann ich früher zu trinken. Das klassische Verheimlichen, dass mit der Steigerung der Sucht bei vielen Trinkern einsetzt, fiel bei mir aus, weil ich ja ohnehin schon immer heimlich getrunken hatte. Meist es leider so, dass die Trinkmenge die der Partner eines Alkoholikers sieht oder wahr nimmt nicht der tatsächlichen Menge entspricht weil der Trinker aus Scham / Angst eben auch heimlich konsumiert.

    Nun bei mir kamen dann langsam, für meine Familie nicht erklärbare, Ausfälle / Sonderbares Verhalten / ect. dazu und alles begann weiter zu kippen. Durch die immer größeren Mengen an Alkohol begann ich mich auch körperlich zu verändern. Erste körperliche Alkoholsymptome stellten sich ein. Psychisch war ich schon länger ein Wrack. Nun begann ich die Zeit des Lügens und Betrügens besonders meiner Frau gegenüber. Ich musste ja Erklärungen für mein Verhalten finden. Dieses Kapitel war / ist eines der schlimmsten in meinem Leben.

    Jetzt war eine Phase erreicht wo ich gar nicht mehr pausieren konnte. Ich wollte und musste trinken und meine Ehe war bereits im Eimer, auch wenn meine Frau nicht genau wusste warum.

    In all dieser Zeit war ich nie aggressiv oder gar handgreiflich. Nein, ich war immer sehr bemüht zu allem ja und Amen zu sagen und alles so zu erledigen, dass es keinen Grund zur Kritik an mir gab. Wobei meine Wahrnehmung mit täglich 10 - 12 Bier + oft noch Wein natürlich eher leicht getrübt war. So vergingen wieder viele Jahre in denen meine Frau nach eigenen Aussagen immer die Hoffnung hatte, es würde alles wieder gut werden.

    Es wurde nichts gut, es endete in einer Katastrophe für meine Familie. So wie das leider bei Familien mit einem inkludierten Alkoholiker sehr häufig der Fall ist.

    Zitat

    Um es auf den Punkt zu bringen: In einer Beziehung mit einem derartigen offenen und ehrlichen Umgang muss es doch möglich sein ihn zu überzeugen sein Konsum einzuschränken oder eine Therapie zu machen?


    Ich will Dir da nicht gegenreden. Es gibt zwar ewig viele Beispiele, wo genau das nicht funktioniert hat, aber warum soll es bei Dir /Euch nicht anders sein? Vielleicht seid Ihr ja gerade diejenigen, wo das dann doch mal funktioniert.

    Ich schlage vor, Du probierst es aus. Sprich mit ihm, schlage ihm vor, er möge eine Therapie machen. Aber hast Du nicht geschrieben er lehnt das ab? Und AA kommt schon gar nicht in Frage?

    Dann wäre da ja die Fronten bereits geklärt. Nun kannst Du natürlich weiterhin versuchen ihn regelmäßig darauf hin anszusprechen. Vielleicht sagt er ja irgendwann: Ok ok, mach ich halt ne Therapie... oder er macht's wie ich. Ich trank auf viel niedrigerem Niveau als Dein Mann als meine Frau mich ansprach und meinte ich würde doch zu viel und zu regelmäßig trinken. Nun, dann habe ich mich eine Zeit lang zusammen gerissen aber mein geliebtes Feierabendbierchen wollte ich halt schon trinken. Wieder sprach sie mich an. Tja, dann stieg ich eben auf's heimliche Trinken um. Fortan sah sie mich kaum noch mit Alkohol in der Hand und ich hatte meine Ruhe....

    Zitat

    Heißt es denn nicht, dass Alkoholismus eine Krankheit ist? Ist der Alkoholiker denn nicht der Kranke? Wie könnte ich da meinen kranken Mann fallen lassen?


    Ja so ist es. Der Alkoholiker ist der Kranke. Es ist aber eine Krankheit, die nur vom Kranken selbst "geheilt" werden kann (also damit meine ich zum Stillstand gebracht werden kann). Niemand von außen kann das tun. Das ist erst mal gar nicht so schlecht, denn der Alki hat es dann ja selbst in der Hand. Wenn man z. B. Krebs hat sieht die Sache ja schon mal ganz anders aus.

    ABER - Es ist eine Suchterkrankung und es sind leider nur sehr wenige Menschen die es schaffen diese zu überwinden. Das ist ja das fatale daran. Wenn das so einfach funktionieren würde, dann müsstest Du im Netz sicher nicht die ganzen Ratschläge wie "Trenn Dich von ihm" lesen. Aber scheinbar gibt es wohl sehr sehr viele Menschen für die das der einzige Weg war bzw. die jahrelang an der Seite eines Alkoholiker gehofft haben bis sie dann letztlich doch diesen Weg beschritten haben.

    Aber ich wünsche Dir, dass das bei Dir anders kommt. Wie Du das machen kannst, kann ich Dir nicht sagen. Ich kann Dir nur sagen, aus meiner Erfahrung als Alkoholiker heraus, dass Dein Mann von sich aus mit dem Trinken aufhören wollen muss. Von sich aus und für sich selbst. Ob er das dann mit Therapie, AA oder sonstwas bewerkstelligt ist eher zweitrangig. Er muss es wollen und er muss etwas unternehmen. Du spielst da nur eine Statistenrolle, auch wenn Du das jetzt vielleicht nicht glauben magst.

    Alles alles Gute wünsche ich Dir und Deiner Familie.

    LG
    gerchla

    Liebe Belinda,

    ich habe schon vermutet, dass bei Dir mehr dahinter steckt als man vielleicht im ersten Moment denkt. Depressionen, ich meine echte Depressionen kommen ja nicht von ungefähr und ist ja auch nix was man mit ein bischen guter Launer wieder in den Griff bekommen könnte. Soviel weiß ich auch von dieser Krankheit. In meiner Familie ist jemand mit Depressionen. Diese Person hat so lange ich denken kann damit zu kämpfen. Hat viele Jahre wo es sehr gut geht, und dann wieder Monate wo sie klinisch betreut wird bzw. auch medikamentös neu eingestellt werden muss. Das war immer schon so, so lange ich diese Person kenne. Jetzt geht es ihr seit vielen Jahren aber sehr gut und ich wünsche ihr, dass es dauerhaft so bleibt.

    Und, das will ich auch mal sagen, diese Person ist ein "ganz normaler" Mensch. Kinder, Familie, Job und hat den Alltag auch sehr gut im Griff. Sofern nicht ein Schub ansteht. Das muss man auch mal sehen. Mir hat das gezeigt, wie hart diese Krankheit sein kann.

    Ich will Dir damit nur sagen, dass ich versuche mich in Deine Situation zu versetzen. Das was Du erleben musstest bisher, das war sehr sehr schlimm. Deshalb ist es sicher ganz wichtig, dass Du das mit Hilfe von professionellen Angeboten angehst.

    Vielleicht findest Du auch alternative Wege. Wie meiner mit dem Mönch. Ich erzähls Dir ganz kurz.

    Es war so, dass ich diesen Mönch noch zu meiner Trinkerzeit während einer Veranstaltung in einem Kloster getroffen hatte. Getroffen ist eigentlich übertrieben, er machte dort eine Führung an der ich teilnahm. War also nix religiöses oder so. Obwohl ich bei dieser Führung sicher nicht nüchtern war, hat mich dieser Mensch sehr beeindruckt. Er wirkte so augeglichen, so in sich ruhend und so zufrieden mit sich und allem anderen. Mehr war da nicht, das war alles was ich mir damals dachte.

    Erst einige Jahre später startete ich meinen Ausstiegsversuch. Nach einigen trockenen Wochen und bereits Terminen bei Psychologen und natürlich SHG erinnerte ich mich an diesen Mönch, den ich eigentlich all die Jahre nie ganz vergessen hatte. Und da ich auf der Suche war (der Psychologe war so lala für mich und irgendwie kam ich nicht weiter), dachte ich: Mit diesem Mönch würde ich gerne mal sprechen, über mich , meine Sucht und meine Schuld.

    Das Kloster wusste ich ja, sonst allerdings nix. Also googelte ich und fand Fotos von den Klosterbewohnern. Nach einigem hin und her und ein paar Fehlversuchen konnte ich ihn tastächlich ausfindig machen (ich kannte ja nichtmal seinen Namen) und nachfragen ob er bereit wäre mich zu treffen. Er war bereit dazu, obwohl er jetzt im Kloster keinen seelsorgerischen Auftrag hatte.

    Aus diesem einen Gespräch wurden viele, viele Gespräche bei denen es nicht um Gott oder Religion ging. Es ging um mich, mein Leben, meine Schuld, wie ich damit umgehen kann usw. Dieser Mönch hat mehr für mich getan als irgendjemand sonst. Und das obwohl ich ihm eingangs auch mal gesagt hatte, dass ich jetzt nicht so typisch gläubig wäre. Das hat er nur weggelächelt und mit mir alles besprochen was wichtig war. Er hat seine Lebensphilosophie, seinen Weg glücklich zu sein mit mir geteilt. War dabei aber auch oft sehr konsequent, hat mir nicht nach dem Mund geredet. Hat mich ein ums andere mal auch vor den Kopf gestossen, aber immer nur dann, wenn auch notwendig war. Ich bin diesem Menschen unglaublich dankbar - er würde sagen: Danke nicht mir, danke Gott, er hat Dich geführt. Nun, dass kann man dann natürlich sehen wie man will. Bei mir hat es noch Jahre gedauert bis sich meine eher kritische Einstellung zu Religion etwas verändert hat. Aber das ist ja ein ganz anderes Thema.

    Was ich Dir damit sagen will. Wirf die Flinte niemals ins Korn. Nimm Dir alle professionelle Hilfe (egal ob wegen Depressionen oder Alkohol) die Du bekommen kannst. Überlege aber auch, ob es da nicht noch was anderes, für Dich passendes geben könnte. Zumindest in Bezug auf Alkohol hat das mir sehr gut funktioniert und war für mich enorm wichtig. Und sei Dir auch immer bewusst, dass der Alkohol niemals irgendeines Deiner Probleme lösen wird, schon gar nicht Depressionen.

    Zitat

    Ich bin wirklich eine gute Mutti glaubt mir das... Und meine Tochter ist perfekt!!!


    Das glaube ich Dir gerne! Und ich finde auch wunderbar, dass Du Deine Tochter als perfekt empfindest. Für mich sind meine (mittlerweile 3) Kinder auch perfekt. Jedes meiner Kinder würde ich genauso wieder haben wollen wie sie sind. Sie sind einfach wunderbar und ich liebe sie aus tiefstem Herzen.

    Zitat

    Möchte hinzufügen meinem Kind fehlt es an nichts und sie schläft wenn ich mal trinke...


    Ich will Dich nicht runter ziehen, aber ich kann aus eigener Erfahrung sagen: Kinder haben unglaublich sensible Antennen. Keiner in meiner Familie hat meine Sauferei mitbekommen, auch wenn sich alle Sorgen machten weil ich seit Jahren so "komisch" war und immer komischer wurde. Nur meine kleine Tochter, damals so 5 oder 6 Jahre alt, die hat's gewusst. Obwohl ich gerade bei ihr besonders darauf geachtet hatte, dass sie mich niemals mit einer Bierflasche sieht. Hat sie wohl doch mal mitbekommen, vielleicht auch mehrmals und sie hat alles für sich behalten...

    Das habe ich von ihr erst viel viel später erfahren... Mein Sohn, der war schon etwas älter als es akut wurde hat nichts mitbekommen, war geschockt bei meinem Outing. Aber meine Tochter, von der ich es am wenigsten erwartet hätte, hat es wohl ziemlich genau gewusst.

    Ich will Dir damit keine Angst machen oder so. Ich meine nur: Greif das jetzt an und nimm Dir Hilfe damit Du die Sucht besiegen kannst. Das ist auch deshalb wichtig, weil diese ja nicht besser wird sondern mit der Zeit immer schlimmer. So ist leider der normale Suchtverlauf. Und Deine Depressionen werden durch den Alkohol ja auch noch unterstützt, auch wenn Du ihn eigentlich dafür einsetzt dass es besser wird. Aber das ist halt nicht so. Alkohol und Depressionen sind oft fatales Pärchen und nicht selten zusammen anzutreffen.

    LG und alles alles Gute!

    Gerchla

    Guten Morgen Keltic,

    ich verstehe was Du meinst. Und das mit dem "ständig wachsam sein" ist ja nun etwas, was man immer wieder zu hören bekommt. Sicherlich ist da auch sehr viel dran. Die Frage ist halt nur, wie man das macht. Da gibt es ja diejenigen, die das durch den äußerst diziplinierten Besuch in einer SHG bewerkstelligen. Also komme was wolle - der Besuch in meiner SHG ist mir heilig und der fällt auch nicht aus.

    Ein ehemaliger Kollege von mir wurde mit Anfag 40 trocken. Er war vorher wirklich schwerst abhängig. Das hat er "nur" durch seine SHG geschafft. Nun hatte er aber bei uns einen Job, wo er ca. 50 % seiner Zeit als Reisender wirklich in der ganzen Welt unterwegs war. Was soll ich sagen, er hat es tatsächlich geschaft auch während seiner Reisen die dortigen SHG (er war bzw. ist ein AA'ler) zu besuchen. Da er die "wichtigsten" Fremdsprachen tatsächlich auch noch fließend spricht, war das für ihn überhaupt kein Problem. Das hat er durchgezogen, manche Ziele bereiste er regelmäßig und die haben sich dort dann schon auf ihn gefreut. Er ist mittlerweile in Rente und nach wie vor trocken. 30 trockene Jahre dürfte er jetzt schon auf dem Buckel haben.

    Sehr interessant kommt natürlich auch die Aussage von Bassmann daher, der ja sagt, dass er für sich erkannt hat, dass die Droge Alkohol für ihn keinerlei positiven Einfluss auf sein Leben haben kann. Wenn diese Erkenntnis ausreicht um dauerhaft trocken zu bleiben stellt sich nur noch die Frage wie man diese Erkenntnis erreichen kann. Ich möchte von mir behaupten, dass ich das genauso sehe, dass ich diese Überzeugung, die Bassmann hier vertritt ebenfalls vertrete.

    Allerdings kann ich für mich nicht ausschließen, dass ich irgendwann mal wieder zum Trinken anfange. Selbst wenn ich jetzt aktuell felsenfest davon überzeugt bin das Zeug nie mehr zu brauchen. Denn ich glaube, dass auch andere dieser Meinung waren und beim ein oder anderen ist es dann ja schief gegangen. Es gibt ja auch Menschen die nach 20 oder 25 Jahren wieder angefangen haben. Ich könnte mir vorstellen, dass diese Menschen viele Jahre ihrer Trockenheit fest davon überzeugt waren, dass sie das Zeug nie mehr anrühren werden.

    Insofoern weiß man wahrscheinlich erst dann, wenn man in die Kiste steigt, ob es funktioniert hat oder nicht.

    Und ich versuche einfach, mein Leben so zu gestalten, dass ich mir nichts wünsche, das meine Realtität verändert. Natürlich kann man nicht verhindern, dass es negative Einschläge gibt im Leben, die habe und hatte ich seit ich trocken bin ja auch. Wenn aber die Grundlage passt, führt das nicht dazu, dass man (ich) auf die Idee kommt quasi reflexartig zum Alkohol zu greifen.

    Sehr interessantes Thema bei dem es, glaube ich, auch wieder mehrere Wahrheiten gibt.

    LG
    gerchla

    Hallo Belinda,

    ich will mal einen Versuch wagen Dir meine Sicht der Dinge zu schreiben. Damit meine ich im großen und ganzen meinen Weg weg vom Alkohol hin zu einem abstinenten Leben.

    Damit das hier kein Roman wird versuche ich mich mal auf das aus meinre Sicht wichtigste zu konzentrieren. Bevor ich damit anfange, eine kurze Vorstellung meinerseits:

    Ich bin Ende 40, Alkoholiker und lebe nun schon seit mehreren Jahren ohne Alkohol. Davor war ich sehr viele Jahre lang ein heimlicher Trinker, hatte eine Familie (2 Kinder), einen guten Job und keinerlei Probleme oder Gründe weshalb ich hätte saufen müssen. Die heimliche Trinkerei begann ich irgendwann, als meine Frau mal feststellte, dass sie der Meinung sei, ich würde vielleicht etwas zu regelmäßig trinken. Zu dieser Zeit trank ich eigentlich "nur" mein Feierabendbierchen, keine Saufgelage oder so. Und so ging dann das Verheimlichen los und ich habe das bis zum bitteren Ende durchgezogen obwohl ich die letzten Jahre erhebliche Mengen Alkohol (10-12 Bier + oft noch Wein / tägl.) zu mir nahm.

    Das mal, damit Du meine Situation etwas einschätzen kannst.

    Glücklicherweise habe ich keine eigenen Erfahrungen mit Depressionen oder Adhs. Das vorab, ich kann Dir dazu also nicht viel bis gar nichts sagen.

    Jetzt zum Eigentlichen, nämlich dazu:

    Zitat

    Würde gerne eure Ansätze wissen wie ihr es geschafft habt und damit umgegangen seit...

    Meiner Meinung nach dient der Alkohol nur dazu etwas zu kompensieren, etwas zu kaschieren oder etwas zu verdrängen. Es gibt immer Gründe warum jemand zum Alkoholier wird oder wurde, auch wenn er selbst diese Gründe nicht sieht oder es von außen gesehen gar keine Gründe gibt.

    Wer Alkohol wegen seiner Wirkung trinkt hat meiner Meinung nach auf jeden Fall auch noch ein anderes Problem das er damit beseitigen oder lindern möchte. Er tut es deshalb mit Alkohol, weil er keine anderen Wege sieht oder weil er glaubt Alkohol sei ein guter oder der einfachste Weg. Und weil es gesellschaftlich bei uns "so gelernt" ist. Ich glaube so ähnlich ist es ja bei Dir auch, Du hast das Problem der Depressionen und versuchst Dir mit Alkohol Linderung zu verschaffen.

    Ich hatte keine Depressionen und auch sonst keinen offen ersichtlichen Grund und trank trotzdem Alkohol um irgendwas damit zu erreichen. Nach langer Aufarbeitung weiß ich heute, dass die Gründe für meine Sucht wohl in meiner Kindheit zu finden sind. Wenngleich ich das ohne tiefes Nachdenken und Aufarbeiten niemals so gesehen hätte.

    Natürlich hatte ich, wie fast alle Alkis, zahlreiche Versuche gestartet um von dem Zeug los zu kommen. Natürlich sind diese Versuche immer früher oder später in die Hose gegagen. Ich wollte wirklich weg von dem Zeug aber meist war es dann nach ein paar Wochen wieder soweit, dass ich erneut trank.

    Ich konnte es erst schaffen, als ich bereit war alles dafür zu tun. Ich wusste, dass dies für mich bedeutete, mein ganzes bisheriges Leben hinter mir zu lassen. Ich wusste, dass dies für mich bedeutete, dass nichts mehr so sein wird wie es war. Und, was am schlimmsten für mich war, ich wusste das es meiner Familie den Boden unter den Füßen wegreißen würde.

    Und genau das traf dann tatsächlich auch ein. Ich outete mich als Alkoholiker, begann sofort mit zahlreichen Maßnahmen (SHG, Psychologe ect.) und begann zu überlegen, was ich mit meinem Leben eigentlich anfangen möchte. Dieses "über mich selbst nachdenken" und "über den Sinn meines Lebens" nachdenken war der Schlüssel zum Ausstieg für mich. "Nebenher" musste ich ja aber auch noch mein normales Leben weiter leben, zur Arbeit gehen, irgendwie mit meiner Familie umgehen, deren Welt komplett zusammen gebrochen war.

    Mein Nachdenken führte erst mal dazu, dass ich mich von meiner Frau trennte, umzog und noch mehr Zeit zum Nachdenken hatte. Das Nachdenken tat ich alleine und zusammen mit anderen Menschen. Mein bester alter Freund war mir ein guter Begleiter, es gab einen Mönch, der mir sehr viel geholfen hat aber es gab auch die klassischen Hilfen, wie z. B. Psychologe oder SHG. Ein schöner Mix, der meine Gedanken immer wieder in andere Richtungen brachte und meine Sichtweisen immer wieder neu veränderte.

    Das alles dauerte viele Monate, vielleicht sogar Jahre und dieser Prozess ist auch heute noch nicht abgeschlossen und wird es hoffentlich auch nie sein.

    Die Schlüsselfragen für mich waren: Wer bin ich eigentlich? Wer möchte ich gerne sein? Wieso habe ich getrunken? Wie konnte es soweit kommen? Was ist der Sinn meines Lebens bzw. welchen Sinn möchte ich meinem Leben geben? Was möchte ich noch erreichen? Was bedeutet für mich eigentlich "glücklich sein"?

    Wenn man sich diese Fragen für sich selbst beantwortet sieht man etwas klarer. Ich sah jedenfalls klarer und ich sah auch, dass ich zum Erreichen meiner Ziele alles Mögliche brauche, nur keinen Alkohol. Der hilft nämlich bei gar nix.

    Und so startete ich in mein neues, wirklich fast komplett neues Leben. Das nun viel demütiger und dankbarer ist als es vorher je gewesen ist. Ich spüre jeden Tag wie gut es mir eigentlich geht und bin so dankbar dafür. Ein kurzes zurück denken an mein früheres Leben genügt und ich werde demütig und bin einfach nur glücklich, dass ich heute so leben darf.

    Und damit das so bleibt, hinterfrage ich auch heute immer wieder mein Handeln, auch meine Gedanken, meine Denkweisen. Schleicht sich da möglicherweise eine alte Denkweise ein..... War das jetzt ein Verhalten wie ich es früher auch hatte.... ja? warum war das jetzt so? welche Schlüsse ziehe ich daraus.... usw. usf.

    Natürlich gehört auch der Austausch mit anderen Menschen dazu. Jetzt schon lange nicht mehr nur über das Thema Alkohol und Sucht (das war Anfangs sehr wichtig), nein jetzt auch über ganz andere Themen, die mich beschäftigen, die mir bei der Entwicklung meiner Persönlichkeit wichtig erscheinen.

    Ich will mal versuchen es zusammen zu fassen: Wenn Du weißt was Du vom Leben erwartest, wenn Du weißt was Glück für Dich bedeutet (und das kann sehr individuell sein), dann brauchst Du kein Suchtmittel um das zu erreichen sondern Dir wirst erkenne, dass Du Deine Ziele nur aus Dir selbst heraus erreichen kannst.

    Vielleicht kann Dir so eine Denke auch bei depressiven Gedanken helfen - das ist aber nur Spekulation von mir, denn ich sagte ja, dass ich da nicht mitreden kann. Sicher ist aber, dass Dir Alkohol niemals helfen wird.

    Ich wünsche Dir jedenfalls von Herzen alles alles Gute und ich hoffe sehr, dass Dich der Dialog hier weiter bringt.

    LG
    gerchla

    Hallo niceone,

    da wirst Du wohl von allen Seiten immer wieder das gleiche hören. Und auch von mir:

    Überlasse das Leben Deiner Mutter Deiner Mutter - sie ist erwachsen und für Ihr Leben selbst verantwortlich. Wenn sie trinken will, dann soll sie trinken. Das ist ihre Entscheidung. Aber sie hat nicht das Recht Dich in den Sumpf mit hinein zu ziehen. Und Deinen Vater natürlich auch nicht.

    Da sie das aber als nasse Alkoholikerin nicht einsehen wird bzw. gaaaanz anders sieht, bleibt Euch nur Euch abzugrenzen. Ggf kann natürlich eine räumliche Trennung sehr hilfreich sein. Entweder sie sucht sich was neues oder Du und Dein Vater, ihr sucht Euch was und lasst sie ihr Leben leben. Selbstveständlich kannst Du das auch alleine machen, falls Dein Vater andere Pläne hat.

    Ich weiß, dass das alles leicht daher geredet ist. Ich bin ja nicht in Deiner Situation. Aber ich bin Alkoholiker, glücklicherweise ein lange Jahre trockener, und ich weiß wie diese Krankheit funktioniert.

    Ihr werdet also nichts tun können für sie. Solange sie trinken will wird sie trinken. Gründe dafür wird sie immer finden - auch wenn ihr weg währet und als bisheriger Hauptgrund ausfallt, wird sie andere Gründe finden. Irgendwas mit Selbstgmitleid, das man sie ja so alleine lässt, sie keiner liebt oder sons twas wird ihr einfallen. Egal was Ihr ihr darauf sagt, egal was ihr versucht, es wird nix bringen solange sie nicht aufhören will.

    Und selbst wenn sie sagt, sie will aufhören, wird das nichts bringen, wenn sie nicht auch sofort Taten folgen lässt. Also z. B. zur Entgiftung geht und anschließend eine Therapie antritt. Ansonsten sind das alles nur leere Worthülsen eines nassen Alkis.

    Es tut mir sehr leid, aber so ist das leider. Ich habe das selbst erlebt und die anderen die hier schreiben ebenso. Du kannst erst mal nur auf Dich schauen, helfen kannst Du nicht. Nur dann, wenn sie wirklich aktiv etwas tun würde, dann könntest Du sie dabei begleiten und sie unterstützen. Aber wirklich nur dann. Ansonsten wirst Du mit gut gemeinter Hilfe ihre Sucht nur noch unterstützen. Leider.

    Alles erdenklich Gute wünsche ich Dir.

    LG
    gerchla

    Hallo Kelticwiking,

    Zitat

    nun ja meine Strategie war , statt zu trinken Süßigkeiten zu essen

    Jetzt bin ich erst mal völlig platt, dass das 10 Jahre lang funktioniert hat. Wieder mal ein Beispiel dafür, dass es bei dieser Sucht recht viele unterschiedliche Ansätze gibt um trocken zu bleiben. Ok, bei Dir ging es jetzt nach 10 Jahren schief, aber immerhin hat es so lange funktioniert. Ich hätte aber nicht geglaubt, dass man von dem Zeug weg kommt in dem man als Ersatz Süßigkeiten ist. Und dass das dann auch noch so lange funktioniert.

    Aber gut, auf den eigentlichen Punkt kommt man meiner Meinung eher, wenn man sich das zu eigen macht, was (glaube ich jedenfalls) Laurids mit seiner Aussage andeutet:


    da gibt’s eine Strategie zum Trockenbleiben? Wenn ich das nur eher gewusst hätte, dann hätte ich es mir die letzten 37 Jahre mit dem Nichttrinken viel leichter machen können!

    Ich glaube nämlich, dass es eine dauerhafte "Strategie" so gar nicht gibt. Ich glaube, dass eine Strategie eine zeitlich begrenzte Angelegenheit ist. Man kann eine Strategie haben um es schaffen trocken zu werden. Die kann z. B. so aussehen, dass man eine Therapie macht, anschließend SHG besucht, vielleicht wieder mit Sport beginnt, Yoga macht oder was auch immer.

    Und wenn das Hilft erst mal von dem Zeug weg zu kommen, dann ist das wunderbar. Strategie hat funktioniert. Auf Dauer allerdings braucht es dann aber aus meiner Sicht eher sowas wie einen Lebensplan, also mehr einen ganzheitlichen Ansatz. Das entwickeln eines Bewuststeins dafür, wie man Leben möchte und wo man hin möchte mit seinem Leben. Was man von sich und seinem Leben erwartet und sich auch die Frage beantwortet, was für einen selbst "glücklich sein" bedeutet. Hört sich vielleicht etwas hochtrabend an, aber ich will einfach nur sagen, dass ich es mir sehr schwer vorstellen kann, jahre- oder jahrzehntelang eine bestimmte Strategie zu verfolgen die nur das Ziel hat keinen Alkohol mehr zu trinken.

    Das Ziel muss doch eher sein zu erkennen, dass Alkohol gar keinen Platz mehr im eigenen Leben hat. Das man in ihm gar keinen Sinn mehr sieht und ihn dann auch nicht mehr vermisst. Dieses Ziel erreicht man doch eher "nebenher" in dem man sich mit den wirklich wichtigen Dingen im eigenen Leben beschäftigt und auseinander setzt. Da merkt man dann auch schnell, dass Alkohol wirklich sehr unwichtig ist und man ihm (suchtbedingt) jahrelang eine Bedeutung zugeschrieben hat, die es gar nicht gibt. Die es nie gab und die es für normale, gesunde Menschen auch nicht gibt.

    Das alles ist für mich dann auch etwas anderes als eine Strategie. Wenn ich Strategien denke (z. B. jetzt mal beruflich), dann haben diese auch i. d. R. immer nur eine begrenzte Lebensdauer, müssen ständig angepasst werden oder gar komplett erneuert.

    Das waren jetzt mal meine Gedanken zu diesem Thema.

    LG
    gerchla

    Guten Morgen Oz,

    herzlich Willkommen bei uns im Forum.

    Ich will mich auch ganz kurz vorstellen: ich bin Ende 40, Alkoholiker und lebe nun schon seit mehreren Jahren ohne Alkohol.

    Ich bin genauso ausgestiegen wie Du. Also erst mal aufgehört und dann erst ein paar Tage später zum Arzt. Ich hatte damals auch keine Ahnung von kaltem Entzug bzw. hatte nur vage Informationen. Über die große Gefahr in die ich mich begeben hatte war ich mir wirklich nicht bewusst.

    Wichtig finde ich, dass Du jetzt tatsächlich zum Arzt gehst. Du müsstest dann ja heute Deinen Termin haben. Auch wenn Du jetzt vielleicht mit dem Entzug schon durch bist kannst Du mit dem Arzt das weitere Vorgehen besprechen. Und wenn Euer Vertrauensverhältnis passt hast Du auch immer einen Ansprechpartner wenn Du mal Fragen hast. Das kann sehr hilfreich sein.

    Was Deine Gedanken an Alkohol betrifft erzähle ich mal kurz von mir:

    Diese Gedanken hatte ich bei allen meinen gescheiterten Ausstiegsversuchen. Bei allen! Und je später diese Versuche in meiner Trinkerkarriere stattfanden (wobei ich die letzten 2 -3 Jahre nicht mehr versucht habe aufzuhören, da wollte ich nur noch saufen), also je später die waren, desto intensiver waren die Gedanken an Alkohol während der Trinkpausen. Das führte dann auch dazu, dass die Pausen immer kürzer wurden und ich immer früher dem Drang nach gab.

    Als ich dann zum letzten Mal ausstieg, also der Ausstieg der mich letztlich in die Trockenheit geführt hat, da war dieser Drang tatsächlich mein kleinstes Problem! Mein Ausstieg war ein riesengroßer Knall, der mein Leben und das meiner Familie mit einem Schlag komplett aus den Fugen gerissen hat. Dazu muss ich sagen, dass ich heimlicher Trinker war und mich da dann geoutet hab. Danach war nichts mehr so wie es vorher war.

    Meine ganze Konzentration lag nun darauf, nie mehr zu trinken und alles dafür zu tun, dass das so kommt. Also SHG, Psychologen, Arzt usw. Und ganz viel Arbeit an mir selbst. Aufarbeiten der großen Schuld, die ich während meiner Säuferzeit auf mich geladen hatte usw. Da war ich wirklich gut beschäftigt, vielleicht ein Grund weshalb ich keinen Druck spürte. Mir ging es auch so schlecht in den letzten Jahren meiner Sucht, dass ich wirklich niemals wieder dahin zurück wollte. Und ich wusste ja genau: wenn ich wieder trinke, dann werde ich mich tot saufen.

    Also, so war das bei mir.

    Alles Gute wünsche ich Dir und einen guten Austausch hier im Forum!

    LG
    gerchla

    Guten Morgen Echo,

    super, dass Deine Werte passen! Wie Du das einordnen solltest hat Dir ja Greefox schon geschrieben aber freuen darüber, dass es so ist, ist durchaus angebracht! Mach einfach weiter so!

    Ich wollte noch kurz was zu den AA sagen. Weil das nämlich meine Gruppe war, als ich ausgestiegen bin. Gedanken darüber, ob die christlich sind habe ich mir damals gar nicht erst gemacht. Ich wollte einfach so schnell wie möglich in eine SHG und idealerweise hatten die täglich Sitzungen und waren auch noch in fußnähe zu meiner Wohnung.

    Tatsächlich traf ich dort viele nette Leute, und tatsächlich auch "jüngere", so um die 40 wobei aber auch zwei Leute um die 30 dabei waren. Der "Rest" tatsächlich 60+, wobei mich das jetzt gar nicht gestört hat, denn es waren überwiegend nette Leute mit welchen man gut reden konnte.

    Christlich war die ganze Geschichte übrigens überhaupt nicht. Klar, die haben ihr Sprüchlein, dass sie nach jeder Gruppensitzung aufsagen. Ist wie so ein Ritual an das man sich vielleicht ein wenig gewöhnen muss. Aber das war's dann auch schon. Mehr war da nicht bei mir. Bezug zu Gott oder Glauben wurde nie hergestellt, darüber wurde auch nie gesprochen.

    Mag sein, dass das auch davon abhängig ist wer die Gruppenleitung inne hat, wobei das bei uns immer gewechselt hat und ich hatte nie einen christlichen "Belehrer" dabei.

    Bezüglich der AA ist es wichtiger für Dich Dir darüber Gedanken zu machen, ob Dir eine Monologgruppe überhaupt zusagen würde. Die AA sind nämlich eine Monologgruppe. Also nix mit Diskussion usw. Da gibt es einen Gruppenleiter, der eröffnet die Sitzug und dann melden sich die Mitglieder, die etwas sagen möchten. Die sagen dann das, was sie möchten, die anderen hören zu. Anschließend spricht der / die nächste. Das Gesagte wird von den anderen Gruppenteilnehmer aber nicht kommentiert!

    Das war, wenn ich ehrlich bin, dann auch mit einer der Gründe, warum ich irgendwann wieder ausgestiegen bin. Bei mir waren halt auch einige, die in jeder Sitzung immer wieder das Gleiche erzählt haben. Irgendwann kam in mir dann das Gefühl auf, dass mich die Sitzungen eher belasten als das sie mir was bringen. Aber da war ich dann auch schon ein ganzes Stück weiter was die Aufarbeitung meiner Sucht betraf.

    Natürlich haben wir Teilnehmer auch diskutiert. Allerdings meistens nach oder vor den offiziellen Sitzungen. Da waren wir dann halt einfach noch ein bisl zusammen gesessen und haben gequatscht. Da habe ich eigentlich auch viele wertvolle Informationen bekommen.

    Wie auch immer, schmeiß die Flinte nicht gleich ins Korn und schau Dich um was Du sonst noch so an Gruppen hast. Falls Du in einer Gegend wohnen solltest, wo Du eine Auswahl hast. Falls Du auf Helgoland wohnst (schönes Beispiel von Greenfox ;D ) ist das natürlich etwas schwieriger.

    LG
    gerchla

    Hallo Echo,

    Zitat

    Genau DAS ist mein Plan


    Und das ist ein GUTER Plan! Finde ich echt prima - nicht reden sondern machen!

    Zitat

    Heute Abend schaue ich mir mal ne SHG in meiner Stadt an.


    Noch eine sehr gute Idee von Dir. Ich selbst war gerade mal 24 h ohne Alkohol, da hatte ich mein erstes Meeting bei einer SHG. Das war das beste was ich damals tun konnte und hat mir gleich mal die Augen geöffnet und ich bekam auch viele echt wertvolle Anregungen. Ich bin schon lange in keiner SHG mehr (außer hier natürlich), das liegt daran das ich einfach andere Wege gegangen bin, Dinge gemacht habe und mache, die mir mehr liegen. Aber ich würde niemals schlecht über eine SHG sprechen und finde, jeder sollte es einfach mal ausprobieren. Für nicht wenige ist das genau das Richtige!

    Zitat

    Da ich aber nie zu den Alkoholikern gehörte, die täglich 2-3 Flaschen Wodka in sich hineinschütteten und damit jegliche Kontrolle über sich selbst und ihren Körper verloren haben, traten bei mir während der Entgiftung ohnehin kaum merkbare Symptome auf.


    Also, da ist es halt so, dass Du 10 x problemlos entgiften kannst, mit wenig Begleiterscheinungen, und bei 11. x fällst in einen Delir und gehst hopps. Und das hat nicht immer zwangsläufig mit der Menge an Alkohol zu tun die man so getrunken hat. Klar ist bei jemanden der 3 Flaschen Vodka am Tag trinkt die Gefahr vielleicht höher, aber sicher kannst nie sein. Und man darf auch nicht vergessen, dass z. B. 10 oder 12 Bier am Tag (war so mein Level) dann umgerechnet auch ne ordentliche Menge Vodka ergeben würden.

    Und dann ist da noch diese Geschichte, die mir jemand mal erzählt hat (ich weiß nicht mehr genau wo ich das her habe, es hat mich aber sehr beeindruckt):

    Da war die Oma, die ins Krankenhaus musste. Irgend eine Geschichte, die aber nichts mit Alkohol zu tun hatte. Nach zwei Tagen wurde die Tochter angesprochen ob ihre Mutter ein Alkoholproblem hätte. Die Tochter war entsetzt, denn die Mutter trank überhaupt nicht. Tatsächlich aber stellten die Ärzte Symptome wie bei einem Alkoholentzug bei der alten Dame fest. Das Ende vom Lied war, dass sich heraus stellte, dass die alte Dame abends immer einen medizinischen Kräutergeist (ich will hier keine Namen nennen) trank. Also eine kleine Kappe von dem Zeug, zur Stärkung von Herz- und Kreislauf usw. Daher kamen wohl die Entzugserscheinungen.

    Wie gesagt, ich weiß nicht mehr genau wer's mir erzählt hat, könnte in der SHG gewesen sein. Aber es war eine reale Geschichte. Das hat mich dann schon auch zum Nachdenken gebracht.

    Und wenn ich mir letztlich meine eigene Trinkerkarriere ansehe, so habe ich doch jahrelang auf niedrigstem Niveau (ein Bierchen am Abend) aber bereits abhängig getrunken. Das wurde mir aber erst klar, nachdem ich aufgehört hatte und meine ganze Suchtgeschichte aufgearbeitet habe. Naja, anderes Thema.

    Super, dass Du was machst!

    LG
    gerchla

    Hallo Kelticwiking,

    Zitat

    ....ist das erste mal das ich mich bei einer Selbsthilfegruppe im Internet anmelde


    Dann erst mal herzlich Willkommen bei uns im Forum!

    Zitat

    ... ich denke mal Leichtfertigkeit gepaart mit einer gewissen Überheblichkeit ...


    Das höre ich häufiger als Grund.

    Wenn man dann aber ein bisl tiefer einsteigt und etwas mehr hinterfragt ist es oft so, dass ein "das kann jetzt doch noch nicht alles gewesen sein"-Gedanke eine gewisse Rolle gespielt hat. Wie das bei Dir war kann ich natürlich nicht beurteilen. Aber das ist was ich immer wieder lese bzw. auch höre.

    Und dann ist da wohl doch eine gewisse Unzufriedenheit mit dem eigenen Leben bzw. der aktuellen Situation (auch wenn man vielleicht objektiv gesehen dafür gar keinen Grund hat) und die Gedanken an das vermeintlich leichte, schöne Leben mit Alkohol. Komischweise verblassen ja die schlimmen Geschichte immer als erstes bzw. unser immer waches Suchtgedächtnis drängt sie nach hinten.

    Darf ich fragen was Deine bisherige Strategie war? Also was jetzt nicht mehr funktioniert?

    Ich bin nun auch schon einige Jahre trocken, verspüre keinerlei Bedürfnis jemals wieder Alkohol zu trinken, habe aber große Respekt davor, in eine ähnliche Situation geraten zu können wie Du. Ich habe auch schon von Menschen gelesen, die länger als 20 Jahre trocken waren und dann wieder angefangen haben - aus dem "nichts" heraus. Das stimmt mich immer sehr nachdenklich und ich will mich mit diesem Thema auseinander setzen.

    Alles Gute und einen guten Austausch hier im Forum!

    LG