Beiträge von Gerchla

    Hallo JaneDoe,

    auch von mir herzlich Willkommen.

    Ich bin Alkoholiker, Ende 40 und leben jetzt schon länger ohne Alkohol.

    Auch meine Reise begann irgendwann mal. Bei mir begann sie spontan, fast wie aus dem Nichts. Nach jahrelangem Trinken, die letzten Jahre davon mit erheblichen Mengen an Alkohol, war irgendwann und völlig ungeplant der Punkt erreicht, wo ich sagte: jetzt ist es vorbei.

    Wie Du Dir vorstellen kannst, war es so einfach natürlich nicht. Aber es war, wie bei Dir, der Beginn meiner Reise ohne Alkohol.

    Vielleicht magst Du noch ein bisl von Dir erzählen? Wie lange hast Du getrunken? Was ist Deine Motivation? Wie geht es Dir aktuell damit?

    Alles alles Gute wünsche ich Dir und freue mich von Dir zu lesen

    LG
    gerchla

    Hallo Lelilu,

    herzlich Willkommen bei uns im Forum.

    Ich stelle mich kurz vor: männlich, Ende 40, Alkoholiker und lebe nun schon meherere Jahre ohne Alkohol. Zu meiner Trinkerzeit trank ich heimlich, hatte ich Familie, Frau und 2 Kinder. Nach meinem Ausstieg erfolgte die Trennung von meiner Frau. Heute bin ich wieder verheiratet (mit einer anderen Frau :) ) und wurde auch nochmal Papa einer wunderbaren Tochter. Ich habe jetzt ein wunderbares, glückliches Leben, weil ich es seit vielen Jahren ohne Alkohol führen darf und es in dieser Zeit auch "geschafft" habe, wieder Vertrauen zu meiner Ex-Frau und meinen anderen beiden Kindern aufzubauen.

    Soweit kurz meine aktuelle Situation. Ich bin also kein Angehöriger wie Du, sondern ein Trinker, wie Dein Mann.

    Vorab möchte ich Dir ans Herz legen, dass Du Dir die Geschichte von Libelle durchliest. Ich glaube daraus kannst Du sehr viel für Dich entnehmen.

    Ein paar Anmerkungen zu dem was Du geschrieben hast möchte ich noch gerne machen:

    Zitat

    Dieses "bald" trifft aber nie ein.

    Da gibt es einen alten Country-Song, der heißt "Tomorrow never comes" - der trifft es wie die Faust auf's Auge. Wie oft habe ich mir damals gedacht, heute noch aber morgen ist dann Schluss. Oder: den Geburtstag von xy noch, aber danach hör ich auf. Also, das hast Du ja schon selbst erkannt, da kommst Du nicht weiter. Selbst wenn er in dem Moment wo er sagt "bald höre ich auf" es sogar ernst meint. So einfach funktioniert das mit dieser Sucht leider nicht.

    Zitat

    Er hat einen guten Job und treibt auch sehr viel Sport, nimmt an vielen Laufwettkämpfen teil und trainiert momentan für einen Marathon. Ich ermögliche das alles, obwohl ich auch mit den Kindern genug zu tun habe.

    Das finde ich jetzt allerdings interessant. Denn übermäßiger Alkoholkonsum (und bei dem was Du schreibst darf man davon auf jeden Fall sprechen) schädigt ja nicht nur die Leber sondern ganz erheblich auch das Herz-Kreislauf-System. Ich bin selbst Marathon-Läufer, ich weiß also was das Training einem abverlangt. Ganz zu schweigen vom Lauf selbst. Das kann u. U. sogar gefährlich sein, was er da macht.

    Andererseits, das will ich hier auch mal sagen, habe ich in meiner aktiven Trinkerzeit auch eine Phase gehabt, wo ich offiziell begonnen hatte "zu Laufen". Ich tat das vor meiner Trinkerzeit und hatte sehr viel Spaß daran. Und das ließ ich dann während meiner Trinkerzeit wieder "aufleben" - äääähhmmmmm, also das erzählte ich meiner Frau so... In Wahrheit zog ich mir meine Laufklamotten an und ging in den nahegelegenen Wald, wo ich immer ein paar Bierkästen gebunkert hatte. Da ich immer lange Strecken "lief" (10 - 20 km) hatte ich richtig Zeit zum trinken. Das habe ich mehrere Monate so durchgezogen. Gelaufen bin ich in dieser Zeit aber gar nix, nur bevor ich heim ging dann mal ein paar hundert Meter, dass etwas Schweiß zu sehen war. Irgendwann wurde mir das etwas zu stressig und ich "verletzte" mich leider, so dass ich leider nicht mehr weiter trainieren konnte. Damit war ich dann raus aus der Nummer. Alles nur erlogen gewesen. :o

    Es kann natürlich sein, dass Dein Mann tatsächlich trotz dieser erheblichen Mengen Alkohol, die Du beschreibst, für einen Marathon trainiert. Aber das wäre dann schon echt krass, wenn ich das mal so sagen darf. Und auch gefährlich. Ich hoffe, er lässt sich vor dem Wettkampf dann mal ärztlich abchecken. Den Tipp kannst Du ihm ja mal geben.

    Zitat

    Ich weiß ja nicht, wie stark der Alkohol schon sein Denken tagsüber beeinflußt?!

    Mit zunehmender Dauer der Sucht wird der Charakter eines Menschen erheblich beeinfluss. Bei mir war am Ende von meinem ursprünglichen Charakter nicht mehr viel übrig. Ich log und betrog, wo und wann es nur ging. Ich führte ein Doppelleben vom allerfeinsten. Ähnlich wie bei Deinem Mann hatte auch ich einen sehr guten Job, der auch immer mal Reisen beinhaltete. Meine Reisetätigkeit z. B. verdoppelte sich im Laufe meiner Sucht - allerdings nicht in echt, sondern von mir erlogen. Diese "Reisen" nutzte ich zum Trinken, da hatte ich sogar eigene Räume zum Übernachten. Meine Familie dachte natürlich ich wäre irgendwo in Europo oder sonstwo unterwegs. Ich habe ja auch immer brav zuhause angerufen und erzählt was ich gerade mache. Alles Lug und Trug. Wenn Du einem nassen Alkoholiker die Hälfte glaubst, glaubst Du immernoch die Hälfte zu viel. Zumindest bei mir war das so.

    Und glaube, das entsprach nun so gar nicht meinem Chrakter vor meiner Trinkerzeit. Die Sucht reißt einen da hinein, immer tiefer und man will einfach nur trinken. Dafür ist man auch bereit zu lügen was das Zeug hält. Hauptsache man kann die Fassade irgendwie aufrecht erhalten und sich irgendwie durchwurschteln. Ich war dann noch jemand, der keinen Konflikt wollte und habe zu allem ja und Amen gesagt und dann alles so hingelogen, dass es irgendwie gepasst hat. Das funktionierte sehr viele Jahre ganz gut. Erst zum Ende hin wurde es immer schwieriger, auch weil ich dann teilweise selbst nicht mehr wusste was erlogen war und was stimmte. Meine beiden Parallelwelten verschwommen ineinander. Das kann man sich als nicht Süchtiger wohl kaum vorstellen.

    Jedenfalls möchte ich Dir auch sagen, dass man nicht einfach aufhören kann mit dem Trinken und dann sagen: so, jetzt ist alles wieder wie vorher.

    Erst mal ist es schon nicht so einfach aufzuhören. Aber wenn man das geschafft hat, geht die Herausforderung erst richtig los. Denn dann will man ja "wieder normal" werden. Das ist nach jahrelangem süchtigen Trinken aber nicht so einfach. Denn das Hirn bleibt erst mal "nass", muss neu lernen wie es im abstinenten Zustand richtig funktioniert. Deshalb ist für viele Menschen eine längere Therapie auch genau das richtige. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man nach dem Ausstieg aus der Sucht nicht mehr der selbe ist wie vorher. Ich meine damit, wie vor dem Beginn der Sucht. Denn diese Erfahrung des "Süchtig-Seins" prägt und man kann das nicht einfach wegwischen.

    Man ist danach also ein ganz anderer Mensch. Nicht zuletzt deshalb zerbrechen viele Beziehungen erst dann, wenn der trinkende Partner aufgehört hat mit dem Trinken. Meine übrigens ja auch.

    Aber natürlich gibt es glücklicherweise auch andere Beispiele und Paare finden in ein glückliches Miteinader zurück. Da reicht es aber in der Regel eben nicht aus, dass "nur" der Trinker nicht mehr trinkt. Der andere Teil muss auch an sich arbeiten.

    Das waren jetzt nur mal meine Gedanken dazu. Bitte überlege Dir gut, ob und wie Du diese Beziehung weiter führen möchtest. Besonders wegen Deiner Kinder. Die bekommen nämlich alles mit oder zumindest mehr als Du Dir denken kannst. Und das wird sie prägen, wird deren eigenes Leben prägen. Darüber musst Du Dir im Klaren sein.

    Ich wünsche Dir einen guten Austausch hier im Forum und alles alles Gute!

    LG
    gerchla

    Hallo Libelle,

    herzlich Willkommen bei uns im Forum.

    Also, ich bin gerade noch tief beeindruckt von Deiner Geschichte. Erst mal die Geschichte mit Deinem Partner und dann auch noch das was Du von Deinem Sohn erzählst. Ich möchte Dir meinen tiefsten Respekt ausdrücken.

    Ich selbst bin Alkoholiker, hatte Familie, 2 Kinder, guten Job usw. Alles prima von außen betrachtet. Ich trank sehr viele Jahre heimlich und hab' dann logischerweise (so muss man das ja eigentlich sagen) alles an die Wand gefahren. Irgendwann war dann halt mal der Punkt erreicht, wo alles vorbei war, wo nix mehr ging und wo ich selbst plötzlich wusste: jetzt will ich nicht mehr, nie mehr.

    Da war es dann für meine Beziehung längst zu spät, obwohl in meinem Fall sogar meine Ex-Frau bereit gewesen wäre es mit mir weiter "zu versuchen". Ich konnte allerdings nicht mehr und war mir auch sicher, dass ich mich trennen muss um dauerhaft vom Alkohol weg zu kommen. Wenn Du jetzt denkst, meine Frau wäre schuld an meiner Trinkerei gewesen, dann ist das natürlich komplett falsch. Niemand hatte schuld daran. Verantwortlich dafür war und bin nur ich alleine.

    Jedenfalls war das die schlimmste Zeit meines bisherigen Lebens. Ok, die letzten Jahre meines Trinkerdaseins waren auch nicht ohne, aber diese Trennung, vor allem das Getrennt-sein von meinen über alles geliebten Kindern war die Hölle für mich. Aber ich musste diesen Weg gehen, ich sah keinen anderen und ich bin heute absolut davon überzeugt, das ich damals richtig gehandelt habe.

    Wie Du Dir aus meinem Geschreibsel denken kannst, lebe ich nun schon mehrere Jahre ohne Alkohol. Und bin ein sehr glücklicher Mensch, wieder verheiratet sogar, nochmal eine wunderbare Tochter bekommen. Und, kaum vorstellbar, sogar mit einer guten Beziehung zu meiner Ex-Frau und meine beiden anderen Kinder gehne bei uns ein und aus, wenn es ihre Zeit zu lässt.

    Möglich wurde das alles nur, weil ich nicht mehr trinke. Klar spielt meine neue Frau eine wichtige Rolle was die Beziehung zu meinen Kindern und meiner Ex-Frau betrifft, weil sie immer zu mir steht und auch meine beiden Kinder wirklich sehr gerne mag. Und kein Problem damit hat, wenn ich mich oft und lange mit meiner Ex-Frau austausche oder ihr auch mal z. B. finanziell unter die Arme greife. Aber Basis allen Glücks, aller Zufriedenheit, ist mein neues abstinentes Leben.

    Ich schreibe Dir das einfach nur, damit Du meine Situation einschätzen kannst. Ich denke nicht, dass da jetzt für Dich und Deine Situation was "brauchbares" dabei ist. Es berührt mich immer sehr, wenn solche Geschichten wie die Deine lese. Denn ich war auch mal dieser Täter, dieser Alkoholiker, der sein Umfeld mit in den Abgrund gezogen hat. Für meine Familie brach damals eine Welt, ihre Welt, zusammen, als ich ging. Umso mehr zolle ich Dir meinen großen Respekt, dass Du so klar bist in Deinen Entscheidungen und so klar auf Deine eigenen Bedürfnisse und Wünsche achtest.

    Und ich weiß, dass das alles nicht einfach für Dich ist, das es sehr schwer ist. Alleine die Geschichte mit Deinem Sohn.... Als Vater kann ich alles sehr gut nachvollziehen.

    Danke dafür, dass Du hier alles so offen geschrieben hast. Deine Geschichte emfpinde ich vor allem auch für andere Angehörige, auch für Co-Abhängige, als sehr wertvoll. Wir schreiben hier oft, was wir denken und was unserer Meinung nach gut wäre, wenn Anghörige hier verzweiflet darüber berichten, dass z. B. der Partner trinkt. Oft können diese Anghörigen aber nicht glauben, was wir ihnen schreiben. Und das kann ich auch sehr gut verstehen, denn sie lieben diesen Menschen und wollen ihn nicht hängen lassen. Und ehrlich gesagt ist es ja auch kaum zu glauben, welche macht diese sche...ß Sucht hat und das da keiner dagegen ankommen kann außer der Betroffene selbst. Aber wenn der halt nicht will oder kann.......

    Deine Geschiche zeigt anderen Angehörigen, die noch nicht so weit sind wie Du, wohin die Reise gehen kann oder gehen wird, wenn sie nicht nicht auf sich selbst achten. Und sie zeigt aber auch gleichzeitig, wie ein Weg heraus führen kann.

    Nochmals vielen Dank dafür, dass Du hier schreibst. Ich wünsche Dir viel Kraft für die Zukunft und alles alles Gute!

    LG
    gerchla

    Hallo Leene,

    herzlich Willkommen hier im Forum.

    Ich schließe mich Greenfox an. Probiers doch mal mit einer Auszeit vom Alk. Und schau mal wie es Dir damit geht. Letzteres ist ganz wichtig. Wie Du selbst schreibst denkst Du ja, dass Du ein psychisches Problem hast. In der Regel ist man immer erst psychisch abhängig, die körperliche Abhängigkeit folgt dann und erst dann hat man auch richtig körperliche Entzugserscheinungen wenn man nicht trinkt. Aber man kann vorher schon abhängig sein, lange vorher. Eben psychisch abhängig. Und das ist ja auch das eigentliche Problem das einem z.B. auch rückfällig werden lässt.

    Es ist aber sehr schwer einzuschätzen ob jemand bereits süchtig ist oder nicht. Wenn Du süchtig sein solltest, wird Dir wohl nichts anderes übrig bleiben für den Rest Deines Lebens abstinent zu leben. Ein normales Trinkverhalten wird dann nicht mehr funktionieren. Wenn Du aber noch nicht süchtig bist, sondern "nur" missbrauch betreibst, könnte Dir das noch gelingen. Dafür gibt es aber keine Formel.

    In jedem Fall hast Du eine starke Neigung zur Sucht, sonst wärst Du nicht da wo Du jetzt bist. Vielleicht probierst du einfach mal aus nichts mehr zu trinken. Du hast ideale Voraussetzungen, wenn Dein Partner gar keinen Alkohol trinkt. Das ist super, da wird er Dich nicht dazu animieren mit ihm ein Glas zu trinken.

    Und wenn Du diesen kleinen Versuch machst, dann höre mal in Dich hinein wie es Dir damit geht. Gelingt es problemlos und Du fühlst Dich gut oder ganz normal damit, dann super. Aber dann musst Du überlegen wie Du künftig mit Alkohol umgehen willst. Weil eine Gefahr meiner Meinung nach für Dich immer bestehen wird. Solltest Du es gar nicht schaffen zu verzichten oder ständig an Alkohol denken, dann solltest Du weitere Maßnahmen ergreifen.

    Suchtberatung wäre das prima, eine SHG auch (wenn sie zu Dir passt) oder ggf. auch weitergehende Maßnahmen. Lass mal von Dir hören wie Du weiter vorgehen willst.

    Alles alles Gute wünsche ich Dir.

    LG
    gerchla

    Hallo Wiebke,

    erst mal noch Herzlich Willkommen hier im Forum auch von mir.

    Oh, ich glaube das was wir Dir hier schreiben gefällt Dir gar nicht.

    Du würdest hier viel lieber lesen, was Du tun kannst um Deinen Freund trocken zu legen. Oder sagen wir mal ihn dazu zu bringen, nicht mehr soviel zu trinken. Oder halt einfach ganz "normal" zu trinken, wie das die meisten Menschen tun.

    Wenn wir das könnten, Dir sagen wie das funktioniert und was Du dafür tun musst, dann wären wir Helden! Das wäre sensationenell, einmalig, bahnbrechend und würde quasi alle Probleme lösen, die Angehörige mit ihren saufenden Partner ect. haben.

    Aber was hörst Du hier von uns? Du hörst: Nimm die Beine in die Hand, Du musst ihn verlassen, Du kannst ihm nicht helfen, Du musst Dich abgrenzen, Du bist co-abhängig was eine schlimme Krankheit ist, usw. usf.

    Und warum denkst Du schreiben wir Dir das? Weil wir Dir mal zeigen wollen wo der Hammer hängt? Oder weil wir Dich "platt" machen wollen? Oder weil wir einfach lust haben, jemanden der hier nach Hilfe sucht mal so richtig auflaufen zu lassen?

    Nein, ich versichere Dir, so ist es nicht. Wir schreiben Dir das hier, weil wir das alle selbst genauso erlebt haben. Oder weil wir wissen, wie wir selbst unsere Sucht erlebt haben. Wir sind hier alle entweder Alkoholiker oder Angehörige von Alkoholikern. Wir haben das alles durch, alles selbst erlebt, alle selbst gehofft, alles selbst nicht geglaubt das es so schimm ist.

    Ich selbst bin Alkoholiker, lebe jetzt schon mehrere Jahre ohne Alkohol. Ich hatte Familie, Kinder usw. Nichts und niemand hat mich vom saufen abhalten können. Nicht mal meine Kinder, meine von mir über alles geliebten Kinder. Diese Sucht ist ein Killer - ein Beziehungskiller. Und zwar in Reinform. Und nur der Alki selbst kann sie beenden. Und er kann sie nur für sich selbst beenden.

    Du hast da leider nichts zu melden. Egal wie sehr Du ihn liebst, egal wie sehr Du Dir das wünscht. Und auch egal was er Dir verspricht oder ob er "einsieht" das er zu viel trinkt. Da bringt Dir alles gar nichts.

    Bitte lies hier vor allem die Geschichten anderer Angehöriger. Das kann Dir viel bringen und Dir die Augen öffnen. Das ist alles echt, nichts ist erfunden. Und wenn Du dann glaubst, dass es ausgerechnet bei Dir ganz anders sein wird, dann wirst Du Dich auf eine schlimme Zeit mit einem alkoholkranken Menschen einstellen müssen, mit der sehr großen Gefahr, dass Du darüber selbst krank wirst.

    Alles alles Gute wünsche ich Dir und einen guten Austausch hier im Forum.

    LG
    gerchla

    Hallo zusammen,

    ich bin immer wieder erstaunt, wie emotional dieses Thema diskutiert wird. Ich versuche da eigentlich immer ruhig und entspannt zu bleiben. Aber ich habe natürlich eine Meinung dazu.

    Also erst mal denke ich, dass jemand der die Schwelle zur Sucht bereits überschritten hat, nicht mehr kontorliert trinken kann. Das ist ja auch eigentlich das Merkmal der Sucht. Ich bin süchtig, damit ist der Zug "Kontrolle" abgefahren. Sonst wär's ja keine Sucht.

    Ich bin auch der Meinung, dass KT, bzw. das "Gerede" darüber für bereits trockene aber noch nicht gefestigte Alkoholiker sehr gefährlich sein kann. Weil sie sich dann doch der Illusion hingeben eventuell eben doch moderat trinken zu können. Und ihre mühevoll gewonnene Abstinenz dann dafür auf's Spiel setzen. Wobei ich denke, dass das vor allem für diejenigen eine Gefahr ist, die mit ihrer Abstinenz nicht zufrieden sind. Da kommt dann wieder das Ziel der "zufriedenen Abstinenz" ins Spiel, darüber haben wir ja auch schon viel diskutiert. Ich denke aber, dass jemand der die Vorteile eines abstinenten Lebens bewusst für sich wahr nimmt (damit meine ich nicht eine Liste mit Pro und Contra Alkohol, sondern wirklich die bewusste Wahrnehmung), nicht in Gefahr läuft, das Experiment des KT zu versuchen. Ich gehe jetzt mal von mir selbst aus. Ich wüsste nicht, warum ich das ausprobieren sollte. Denn ich will ja überhaupt keinen Alkohol mehr trinken und selbst wenn ich könnte, kann ich aktuell nicht erkennen, was mir das bringen sollte.

    Ich habe besagten Professor natürlich schon in mehreren Interviews gesehen und gehört. Sein Ansatz ist ja (so sagt er zumindest bzw. er sagte das in den Interviews die ich gehört habe), dass er KT keinesfalls Menschen empfiehlt, die bereits abstinent Leben. Er hat gesagt, dass dies immer der Königsweg sei, also die völlige Abstinenz. Er sagt aber auch, dass es sehr viele Alkoholiker gibt, die sich diesen Weg nicht vorstellen können und es genau deshalb erst mal gar nicht versuchen.

    Für mich klingt das bis hierhin eigentlich wirklich ganz nachvollziehbar. Wie oft haben wir Leute hier, die sich nicht Vorstellen können völlig auf Alkohol zu verzichten. Alle verspüren aber doch den Wunsch, ihren Konsum wieder in den Griff zu bekommen. Ich meine, dass quasi jeder Alkoholiker oder sagen wir mal jeder, der erkannt hat dass er da ein Problem hat, den Wunsch verspürt, das wieder in den Griff zu bekommen. Und genau die hören jetzt zwei Varianten: Variante 1 - Du musst abstinent Leben, eine andere Möglichkeit gibt es nicht, und Variante 2 - Du kannst versuchen durch kontrolliertes Trinken zu einem moderaten Konsum zurück zu finden. Mal ganz grob die zwei Optionen.

    Um nochmal klar zu stellen: Ich bin der Meinung, dass ein bereits süchter Mensch nicht mehr kontrolliert trinken kann und an diesem System (KT) über kurz oder lang scheitern wird.

    ABER - ich weiß nicht wer bereits süchtig ist und wer nicht. Jeder noch nicht süchtige Mensch, der es darüber schafft seinen Konsum in den Griff zu bekommen, wird möglicherweise von einer Alkoholierkarriere bewahrt. Und ich denke auch, dass es für einen Süchtigen, der sich absolut nicht vorstellen kann komplett ohne Alkohol zu leben zumindest mal wenn auch nur temporär, eine Möglichkeit ist, irgendwas zu verändern. Und wenn er auch nur eine Zeit lang weniger trinkt und vielleicht darüber zur Erkenntnis kommt, dass er tatsächlich nur über eine komplette Abstinenz zum Ziel kommen kann.

    Wenn also ein Süchtiger einfach weiter säuft, weil er absolut nicht bereit ist und es sich absolut nicht vorstellen kann über die zahlreich vorhandenen Hilfsangebote zu einem komplett abstinenten Leben zu kommen, dann könnte KT zu probieren, eine gute Idee sein. Besser jedenfalls als so weiter zu machen wie bisher. Und damit meine ich jetzt nicht die "Selbstversuche" die wir wahrscheinlich alle mehr oder weniger ernsthaft während unserer Trinkerzeit versucht haben. Sondern ich meine wirklich die Teilnahme an einem solchen Programm. Immerhin bedeutet das für den Süchtigen ein tieferes Auseinandersetzen mit seiner Krankheit. Ich kann mir schon vorstellen (und davon spricht der Professor ja auch), dass Menschen über dieses Programm zur kompletten Abstinenz kommen. Weil sie eben merken, dass es eine Qual ist reduziert zu trinken, gleichzeitig aber auch bemerkten, welche Vorteile es hat, plötzlich weniger Alkohol zu konsumieren. Ich kann mir das schon vorstellen, dass das bei einigen ganz gut funktioniert.

    Und obwohl ich jetzt hier nicht eine "KT ist nur böse und gefährlich" - Meinung vertrete, werde ich trotzdem jedem Süchtigen sagen, der er nicht kontrolliert trinken kann. Und ich werde auch niemanden aktiv KT empfehlen, weil ich der festen Meinung bin, dass Abstinez der beste und sicherste Weg ist und wir wirklich viele Hilfsangebote haben um dieses Ziel auch erreichen zu können. Sollte aber jemand schreiben, dass er KT versuchen will, dann werde ich ihm meine Meinung dazu schreiben und je nach dem was ich von ihm "weiß", werde ich ihm meine Einschätzung dazu mitteilen.

    Und wenn hier Menschen schreiben, dass sie sich selbst als bereits süchtig sehen, würde ich auch nie auf die Idee kommen zu sagen: Probier doch mal KT - da geht es für mich dann immer um Abstinenz.

    Dennoch will ich über niemanden urteilen oder ihn gar verurteilen, weil der KT versucht. Und ich gebe auch zu, dass ich auch schon anders über KT gedacht habe. Das ich auch schon eine etwas striktere Meinung dazu hatte. Aber ich habe eben auch immer wieder gelesen und auch Dokus gesehen und versuche bei diesem Thema klarer zu werden. Komischerweise scheint es bei mir so zu sein, dass je länger ich trocken bin, desto "toleranter" werde ich diesem Thema gegeüber. Wobei das nicht bedeutet, dass ich auch nur ansatzweise darüber nachdenken würde das selbst auszuprobieren. Das käme mir nie in den Sinn und wäre für mich auch komplett sinnbefreit. Aber ich lese viel und stelle immer wieder fest, dass unsere Sucht bzw. auch der Missbrauch von Alkohol eine so individuelle Angelegenheit ist, dass ich da meinen erhobenen Zeigefinger fast nie heben möchte.

    Meine Meinung zu diesem immer sehr emotional geführten Thema.

    LG
    gerchla

    Guten Morgen Frank,

    ich freue mich wirklich sehr für Dich! Erinnere Dich mal zurück, wie verzweifelt Du warst wegen der Situation mit Deinem Kleinen und Deiner Frau! Und schau mal was sich jetzt für Perspektiven für Dich auftuen! Ich hab's Dir gesagt, ohne diesen schei.... Alkohol sieht das Leben ganz anders aus. Und ich freue mich wirklich für Dich, dass Du das so durchgezogen hast. Und jetzt bleibst Du dran und entwickelst Dich weiter. Irgendwann wirst Du merken, dass Dir das Leben ohne Alkohol aus selbstverständlich vorkommen wird. Als eine innere Überzeugung sozusagen, als eine Lebensentscheidung die Du getroffen hast und hinter der Du zu 100 % stehst.

    Und wenn Du es "richtig" machst, dann wirst Du trotzdem nie vergessen wo Du mal warst, wo Du herkommst. Bei mir sind jetzt wirklich schon mehrere Jahre ins Land gezogen, seit ich die beste Entscheidung meines Lebens getroffen habe und den Absprung geschafft habe. Trotzdem gab es noch nie eine Phase, wo ich Gefahr gelaufen wäre, zu vergessen das ich Alkoholiker bin. Und mir geht es nur wirklich schon mehrere Jahre sehr sehr gut.

    Bleibt bei mir im Hinterkopf die Angst, ob ich auch stark genug bin, wenn es mal nicht mehr so gut laufen sollte. Und da hoffe ich eben, dass ich mich genau jetzt, in den Zeiten wo es mir sehr gut geht und ich auch wirklich Zeit habe mir über mich und mein Leben und meine Persönlichkeit Gedanken zu machen, so weit und gut untwickeln kann, dass ich für schlechtere Phasen gerüstet bin. Denn mein Repekt für dieser Sucht ist nach wie vor sehr groß. Naja, anderes Thema.

    Jedenfalls, schön das Du hier wieder aktiv bist und das es so prima für Dich läuft!

    LG
    gerchla

    Hallo Frank,

    schön, dass Du wieder da bist! Liest sich alles prima, was Du so berichtest.

    Wie läuft es denn mit Deinem Kleinen? Ich hatte Dir ja vor langem mal geschrieben, wie das bei mir damals so war. Und ich wünsche Dir, dass es sich bei Dir in eine ähnliche Richtung entwickelt.

    Bei mir ist alles noch wunderbar. Die Beziehung zu meinen Kindern ist super, zu meiner Ex-Frau ist sie tatäschlich auch richtig gut. Alles nur deshalb möglich, weil ich nicht mehr trinke und darüber Vertrauen zurück gewinnen konnte.

    Alles alles Gute weiterhin!

    LG
    gerchla

    Hallo kays,

    herzlich Willkommen bei uns im Forum.

    Du hast ein Problem bei Dir erkannt! Gut, das bedeutet, dass Du selbstkritisch bist und gegensteuern möchtest.

    Wenn ich Dich richtig verstanden habe, dann trinkst Du unter der Woche gar keinen Alkohol, dafür dann aber samstags richtig viel (inkl. Kontrollverlust) und sonntags dann nochmal, wobei Du da dann nicht mehr ganz so heftig zulangst. Ist das so richtig? Wie lange geht das denn schon so?

    Es ist unheimlich schwer zu sagen, ob jemand bereits süchtig ist oder "nur" Missbrauch betreibt. Als nicht-Arzt und aus der Ferne schon gleich noch mehr. Wenn Du aber tatsächlich nur an Samstagen derart abstürzt und ansonsten nicht trinkst und in dieser Zeit auch kein Verlangen nach Alkohol hast, dann könntest Du ja mal ein kleines Experiment wagen.

    Da Du ja schon selbst festgestellt hast, dass Du nicht kontrolliert trinken kannst könntest Du doch mal den Versuch starten, gar nichts mehr zu trinken. Ich meine natürlich jetzt komplett freiwillig, ohne Zwang. Vielleicht einfach mal mit der Vorgabe, dass Du die nächsten 2 Monate gar keinen Alkohol mehr trinkst. Auch nicht Samstag, auch nicht Sonntag. Einfach keinen mehr.

    Für einen nicht süchtigen Menschen ist das überhaupt kein Problem. Und dann müsstest Du Dich mal selbst beobachten, wie es Dir damit geht. D. h. wie Du Dich dann samstags so fühlst, was Dein Kopf macht, wo Deine Gedanken sind. Denn selbst wenn Du es schaffst nicht zu trinken heißt das noch lange nicht, dass Du kein Problem hast. Wichtig ist, was Deine Psyche dazu sagt. Wie es Dir geht, ob Du das Zeug vermisst oder gar Entzugserscheinungen bekommst. Sollte letzteres auftreten bitte entweder wieder trinken oder sofort einen Arzt konsultieren. Kalter Entzug kann lebengefährlich sein.

    Wenn Du das mal ausprobierst, bekommst Du vielleicht ein klareres Bild, wo Du eigentlich gerade stehst. Wenn Du es nicht schaffst zu verzichten, dann ist die Wahrscheinlichkeit, dass Du bereits süchtig bist sehr hoch. Wenn du zwar Verzichten kannst, jedoch permanent an Alkohol denken musst und Dich eigentlich danach sehnst endlich wieder trinken zu können, dann ist die Wahrscheinlichkeit ebenfalls sehr hoch. Dann erkämpfst Du Dir einfach nur eine Trinkpause. Das schaffen Alkoholiker in der Regel immer wieder mal um sich dann selbst in die Tasche lügen zu können, dass sie ja gar kein Problem haben können.

    Wenn Du aber problemlos verzichten kannst und Dich dabei vielleicht sogar noch ganz gut fühlst, weil Du eben nicht am nächsten Tag ein schlechtes Gewissen haben musst usw. dann könntest Du gerade noch die Kurve bekommen. Dann ist allerdings enorm wichtig, wie Du Dein weiteres Trinkverhalten gestaltest. Möglicherweise würde dann ein weiterer längerer Alkoholverzicht erst mal ganz hilfreich sein um weiter Abstand zu gewinnen.

    Es ist alles sehr schwer zu sagen. Fakt ist: Wenn Du süchtig bist, wirst Du (meiner eigenen Erfahrung nach) nie mehr die Kontrolle zurück gewinnen können. Dann ist hop oder top. Trocken oder nass. Wenn Du noch nicht süchtig bist, dann kannst Du evtl. noch zurück finden zu risikoarmen Trinken. Eine Neigung zur Sucht scheint aber vorhanden zu sein, sonst wärst Du nicht da wo Du bist. D.h. Du musst immer verdammt aufpassen.

    Es gibt Menschen, die von sich erzählen, dass sie nach sehr starkem, regelmäßigem Alkoholkonsum zurück zu gelegentlichen, sehr geringen Konsum gekommen sind und damit problemlos leben können. Das sind wenige und sie waren meiner Meinung nach noch nicht süchtig. Leider gibt es hier keine Formel, keine Schablone, die man anlegen könnte. Die ganze Alkoholsuchtgeschichte ist höchst individuell. Der eine wird schnell und schon von geringen Mengen süchtig, andere können jahrelang sehr viel trinken uns sind (noch) nicht süchtig.

    Ähnlich ist es übrigens mit der Leber, weil Du ja geschrieben hast dass Deine Werte ok sind. Freue Dich, das ist schön, sagt aber nicht unbedingt was aus. Denn auch hier gibt es diejenigen, die nach einem oder zwei Jahren Alkoholmissbrauch bereits Leberschäden davon getragen haben und andere, die nach jahrzehntelangen saufen immernoch gute Werte haben. Das ist ungefähr so wie mit dem schweren Kettenraucher, der 90 Jahre alt wurde und an Alterschwäche gestorben ist. Da kennt ja auch fast jeder einen, zumindest jeder Raucher....

    Natürlich ist das, was Franstef Dir geschrieben hat der beste und vielleicht auch sicherste Weg. Hilfe suchen, Dich beraten lassen, ggf. auch eine Selbsthilfegruppe aufsuchen. Und wenn, dann auch bereit sein eine Therapie zu machen. Ich weiß nur nicht, ob Du Dich dazu in der Lage siehst. Im Moment habe ich aufgrund Deiner kurzen Beschreibung eher das Gefühl, dass Du nicht so ganz weißt was eigentlich ab geht. Vielleicht könnte da ein kleiner Selbstversuch Licht ins Dunkel bringen. Im Idealfall tatsächlich abgestimmt mit einem Arzt Deines Vertrauens um das Risiko eines kalten Entzugs zu minimieren.

    Alles alles Gute wünsche ich Dir und einen guten Austausch hier im Forum!

    LG
    gerchla

    Guten Morgen Kämpferin,

    jetzt verstehe ich besser. Ich habe irgendwie gedacht, Du wärst evtl. jemand, der lieber erst mal zuhört und nicht gleich selbst in eine Diskussion einsteigt. Aber wie Du jetzt geschrieben hast, ist das eher das was Du Dir erwartest. Also, Tipps und Rückmeldung usw.

    Dann denke ich, ist das Format der AA wirklich eher nicht für Dich geeignet. Denn Rückmeldung bekommst Du dort dann auch eher weniger. Diskussionen oder Tipps, zumindest während der offiziellen Sitzungen, gibt es normal auch nicht. Zumindest habe ich das so erlebt.

    Aber Du hast ja Alternativen!

    Alles Gute!

    LG
    gerchla

    Guten Morgen Markus,

    also erst mal ist es sehr gut, dass die Kinder bei Dir bleiben! Sollte sie tatsächlich beim Jugendamt anrufen, werden die dort nur noch bestärkt werden, dass die Kinder bei Dir bleiben müssen.

    Kommen wir mal zu den Aussagen Deiner Frau bezüglich des Aufhörens mit den Trinken. Also, sie sagte, sie hört auf, wenn sie von Dir weg ist, wenn sie ausgezogen ist.

    Wäre das nicht toll? Geradezu traumhaft wäre das. Denn dann hättest Du wieder einen nüchternen Gesprächspartner und ihr könntet Eure Trennung und den Umgang mit den Kindern wie erwachsene Menschen regeln. Jeder hätte einen großen Vorteil, Du, sie und vor allem auch Eure Kinder.

    ABER, da brauchst Du gar nicht drüber nachdenken. Nicht einen Gedanken brauchst Du daran verschwenden. Sie wird einfach weiter trinken und andere Gründe finden, warum das so sein muss. Wahrscheinlich, weil Du ihr die Kinder "weggenommen" hast. Oder was auch immer.

    Du musst jetzt lernen, Dich zumindest emotional von ihr zu distanzieren. Räumlich werdet ihr immer wieder Kontakt haben, alleine wegen der Kinder. Das wird nicht anders gehen. Aber emotional musst Du Dich abgrenzen. Ich befürchte nämlich, dass es mit Deiner Frau noch viel weiter Berg ab gehen wird. Was Du schreibst klingt nicht gut. Da kann auch bald mal der Job weg sein, die Menge kann sich noch ordentlich steigern, gesundheitliche Probleme werden auch irgendwann auftauchen.

    Da solltest Du dann schon gaaaanz weit weg sein, emotional, damit Du da nicht mit reingezogen wirst. Deine Rolle ist schwer genung. Du hast die Kinder, um die musst Du Dich kümmern. Die haben natürlich auch Fragen, Fragen bezüglich ihrer Mama. Und Du bist der Starke in dieser ganzen Geschichte, solltest es zumindest sein. Und deshalb brauchst Du natürlich auch Hilfe, es ja enorm was Du da abfedern musst. Also nimm Dir jede Hilfe die Du bekommen kannst! Vielleicht wäre es auch gut, wenn Deine Kinder psychologische Betreuung hätten. Hatte meine Tochter auch, als ich mich von meiner Frau getrennt habe. Wir hatten allerdings so ein gerdnetes Verhältnis, dass wir diese Termine sogar gemeinsam mit unserer Tochter wahrnehmen konnten. Das kannst Du bei Dir vergessen.

    Bitte versuche nicht die Aussagen und das Verhalten Deiner Frau in irgendeiner Form verstehen zu wollen. Es ist das Gerede einer nassen Alkoholikern. Das kann ein gesunder Mensch nicht verstehen. Du musst Dein Ding machen, auch im Sinne Deiner Kinder. Deine Frau muss sich um sich selbst kümmern. Wenn sie wirklich aufhören will mit dem Trinken, dann wird sie genügend Hilfsangebote finden. Aber das mus sie schon selbst in die Hand nehmen.

    Alles Gute!

    LG
    gerchla

    Guten Morgen Kämpferin,

    Dir wurde von den AA abgeraten? Warum denn?

    Ich würde fast meinen, dass Dir das evtl. sogar etwas entgegen kommen könnte. Zumindest wenn Du jemand bist, der lieber erst mal nur zuhört und selbst eher zurückhaltend ist. Denn große Diskussionen werden bei den AA (ich war selbst Mitglied einer AA Gruppe) in der Regeln nicht geführt. Das kann für viele auch ein Nachteil sein. Ich bin letztlich auch jemand, der lieber über seine Krankheit mit anderen diskutiert, als das er nur darüber erzählt und kein weiteres Feedback erhält.

    Also, was ich sagen will: Die AA sind eine Monologgruppe. Es gibt einen Gruppenleiter, der die jeweilige Sitzung leitet. Der Teilnehmer, der etwas sagen möchte meldet sich und erzählt dann, was er erzählen möchte. Die anderen hören zu. Dann kommt der / die Nächste dran. Über das Erzählte wird nicht weiter diskutiert, es wir nicht unmittelbar darauf eingegangen.

    Für mich waren da dann die Diskussionen vor oder nach den Sitzungen, wenn wir noch auf nen Kaffee zusammen saßen, eigentlich am spannendsten. Aber da waren dann auch nur noch die dabei, die das wollten.

    Also, ich würde es an Deiner Stelle vielleicht mal ausprobieren. Ach, und dann ist ja da immer noch die Geschichte mit: Die AA wären religiös motiviert oder eine christliche Gruppe. Diese Erfahrung habe ich überhaupt nicht gemacht. Da hat in meiner Grupper keinerlei Rolle gespielt. Sie haben halt ihr Ritual, dass sie ihren "Spruch" aufsagen. Das war's dann aber auch schon.

    Probiers doch einfach mal. Du kannst ja jederzeit einfach wieder gehen. Niemand wird Dich daran hintern.

    LG
    gerchla

    Hallo Kämpferin,

    herzlich Willkommen bei uns im Forum!

    Wow, da liegt ja einiges bei Dir an. Deinen Nickname finde ich super, denn er zeigt, dass Du nicht aufgibst sondern kämpfen wirst. Sehr gut.

    Ich bin wie Greenfox auch "nur" Alkoholiker, Ende 40 und leben jetzt schon länger ohne Alkohol. Mit Essstörungen oder auch Bulimie habe ich selbst keine Erfahrung, ich kannte jedoch jemanden in meinem Bekanntenkreis, die darunter litt. Sie hatte aber keine Probleme mit Alkohol, dafür aber mit Sport. Ich möchte mal sagen, sie war sportsüchtig.

    Und was die multiple Persönlichkeit betrifft: da gab es tatsächlich einen Jugendfreund, der nach eigenen Angaben auch darunter litt. Ich habe mich sehr gut mit ihm verstanden, wir waren zeitweise sehr gute Freunde. Irgendwann haben wir uns dann aber doch aus den Augen verloren. Ich weiß gar nicht, wie es ihm heute geht oder was er genau macht.

    Wo ich mich sehr gut auskenne ist der Alkohol. Also diesbezüglich triffst Du hier ja auf Profis oder auf Menschen, die als Angehörige sehr stark darunter zu leiden hatten. Bei Alkohol ist es leider so, dass er die eigene Persönlichkeit stark beeinflusst und mit der Zeit auch verändert. Bevor man andere Erkrankungen überhaupt behandeln kann, sollte erst die Alkoholsucht besiegt sein. Ein klassisches Beispiel hierfür ist z. B. die häufig vorkommende Kombination zwischen Alkoholsucht und Depressionen. Man wird seine Depressionen nicht bekämpfen können, wenn man weiterhin nasser Alkoholiker ist.

    Ich denke, dass Du genau deshalb erst die Sucht in den Griff bekommen müsstest. Um dann anschließend Deine anderen Erkrankungen angehen zu können. Und ich glaube, dass es dann auch funktionieren kann. Auch wenn es, wie Greenfox ja schon angemerkt hat, bestimmt kein leichter Weg sein wird. Und da passt Dein Nickname dann wie die Faust auf' s Auge !

    Gut, dass Du Dir professionelle Hilfe gesucht hast. Und was den Austausch mit anderen Alkoholikern betrifft: Total wichtig, finde ich. Das sind auch oft die einzigen Menschen, die wirklich ganz genau wissen, wovon man spricht. Weil sie selbst betroffen sind / waren. In einer SHG wirst Du viele davon persönlich sprechen können, bei uns hier sprichst Du aber auch mit echten Menschen, wenn auch "nur" im virtuellen Raum.

    Ich wünsche Dir einen guten Austausch hier im Forum und wenn Du Fragen hast, dann immer raus damit. Alles Gute erst mal und bis bald

    LG
    gerchla

    Grundsätzlich müsste man, wenn man die Alkoholsucht nicht als Krankheit ansieht, auch alle anderen Suchtkrankheiten davon aus nehmen. Also z. B. auch die Spielsucht, die diversen Drogensüchte, oder (ganz neu) auch die Internetsucht.

    Ich denke, ein Alkoholiker ist definitiv krank. Wie auch alle anderen Suchtkranken für mich definitiv krank sind. Für mich ist es eine psychische Krankheit, eine Erkrankung meiner Psyche. Wieso, woher, warum meine Psyche oder die Psyche anderer Alkohliker erkrankt ist, das ist sicher sehr vielfältig. Ich glaube, dass ich für mich selbst die Gründe dafür gefunden habe. Es sind aber sicher andere Gründe als bei den meisten anderen Betroffenen.

    Vielleicht kann man ja noch sagen, dass man auf dem Weg hin zum Alkoholiker, also quasi in der voralkoholischen Phase noch nicht krank ist. Wenn man dann aber aber mal süchtig ist, dann ist man definitv krank. So wie das bei jeder anderen Krankheit, die sich über einen bestimmten Verlauf anbahnt eben auch der Fall ist. Es gibt eben Menschen, die durch ihr Verhalten bestimmte Krankheiten auch begünstigen. Z. B. durch ihr Ernährungsverhalten oder ihr Bewegungsverhalten. Nehmen wir Diabetes mal als Beispiel. Immer gut und reichlich gegessen, nie bewegt, ärztliche Ratschläge ignoriert und plötzlich kommt die Diagnose: Diabetes / Ist das dann auch keine Krankheit sondern ein Fehlverhalten oder gar eine Charakterschwäche des Betroffenen? Der ist ja dann auch "selber schuld". Genau wie ich als Alkohliker, hat mich ja keine gezwungen einer zu werden. Und hätte ich mich anders verhalten, wäre ich auch keiner geworden - genau wie der von mir zitierte Diabetiker, dessen Krankheit möglicherweise nie augebrochen wäre.

    Nun ist bei mir Alkoholiker die Alkoholkrankheit halt leider mal ausgebrochen. Und weil ich dafür selbst verantwortlich bin, soll ich jetzt nicht krank sein? Das wäre ja für sozusagen die Schlussfolgerung.

    Ich glaube da kommt dann schon eingiges durcheinander. Und die Frage "ist Alkoholismus wirklich eine Krankheit" spiegelt für mich schon stark das wieder, womit wir leider auch heute immernoch zu kämpfen haben: Nämlich das wir alle miteinander selbst schuld sind, einfach nur charakter- und willensschwach sind und das wir, wenn wir es nur wöllten, da jederzeit wieder heraus ziehen könnten. Können wir halt nur deshalb nicht, weil charakter- und willensschwach sind.

    Und das ist für mich totaler Schwachsinn und viel zu kurz gedacht. Weil bei dieser Denke nämlich vergessen wird, dass Alkoholismus eben doch eine Krankheit ist.

    LG
    gerchla

    @Kelticwiking

    Und das geht noch weiter. Bestimmte Reisen oder Ausflüge wollte ich gar nicht mehr machen bzw. habe ich verhindert, weil ich dort schwer an Alkohol gekommen wäre (z. B. längere Wanderungen mit Übernachten). Das lag natürlich bei mir besonders auch daran, dass ich heimlich trank. Bei längeren Wanderungen z. B. mit Übernachtung auf bewirteten Hütten hätte ich mir dort ja nicht plötzlich ganz öffentlich die Kante geben können. Und ein oder zwei "offiziell" getrunkene Biere wären natürlich viel zu wenig gewesen, das hätte ich gar nicht aushalten können. Selbst bei ganz normalen Ausflügen an den See, müsste ich immer "mal nachschauen", ob ich tatsächlich das Auto abgesperrt hatte :o - um mich dort dann auf die Schnelle aus dem im Reseverradkasten gebunkterten Vorrat zu bedienen. Oder ich holte mir mal schnell ein Eis an irgendeinem etwas weiter entfernten Kiosk, wo es natürlich auch ne Dose Bier gab, die ich dann auf die Schnelle in mich hinein stürzte (oder auch gleich zwei).

    Das ist alles Geschichte! Es ist einfach wunderbar ohne die Abhängigkeit zu diesem Zeug legen zu dürfen.

    LG
    gerchla

    Hallo Ira Jean,

    ich bin froh, dass Du standhaft geblieben bist. Hättest Du nachgegeben und ihn wieder mit zu Dir gelassen, wäre die Situation für Dich jetzt noch viel schlimmer. Du darfst Dir hier jetzt also ruhig mal auf die Schulter klopfen: das hast Du sehr gut gemacht! Mir ist bewusst, dass Du emotional sehr leidest. Dennoch, alles richtig gemacht!

    Was ist passiert? Genau das, was wir Dir hier schon die ganze Zeit schreiben. Das was Du gerade erleben musst ist genau das, was wir Alkoholiker von unserer eigenen nassen Zeit berichten und es ist genau das, was andere Partner von Alkoholikern auch berichten.

    Ich kann mir vorstellen, wie schwer es für Dich gewesen sein muss, Deinen vor Dir knienden und weinenden Partner abzuweisen. Aber als ich das las, hatte ich sofort mehrere "Szenen" aus meinem Trinkerleben im Kopf. Die kann man zwar nicht 1:1 übernehmen, aber es gab bei mir mehrere Situationen wo mich meine Frau mal wieder bei bösen Lügen ertappt hatte und ich höchst emotionale Szenen abgeliefert habe. Bis sie mich dann irgendwann doch in den Arm nahm und auch noch tröstete, weil ich so eine schauspielerische Glanzleistung hingelegt hatte und die Tatsachen derart verderht hatte, dass ich plötzlich nicht mehr Täter sondern bemitleidenswertes Opfer war.

    Und es ist nicht immer so, dass man das bewusst steuert. Bei mir war das so, dass ich derart in meiner Parallelwelt gefangen war, dass ich das was ich da aufführte in diesem Moment auch tatsächlich geglaubt habe. Das kannst Du Dir als gesunder Mensch wahrscheinlich nicht vorstellen. Tränen waren echt, Gefühle waren echt obwohl ich wusste, dass ich hier eine ganz miese Nummer abziehe. Das ist sehr schwer zu erklären aber es ist die Erklärung dafür, warum so viele Menschen immer wieder auf Alkoholiker und ihre Lügengeschichten herein fallen. Weil sie einfach derart überzeugend sein können, es ist eigentlich unglaublich. Und bei diesen emotionalen Momenten neigt der Alkoholiker ja immer besonders gerne dazu, von LIEBE zu sprechen. Von der größten Liebe seines Lebens, dem einzigen Menschen den er jemals wirklich geliebt hat usw. usf. Aber glaube mir, LIEBE ist was ganz was anderes. Denn wenn man einen Menschen wirklich liebt, dann verletzt man ihn nicht und man manipuliert ihn nicht und man belügt ihn nicht und und und. Deshalb bin ich der Meinung, dass ein nasser Alkoholer gar nicht in der Lage ist zu lieben auch wenn er es glaubt.

    Umsomehr kannst Du froh und stolz sein, dass Du hart geblieben bist.

    Ansonsten möchte ich mich unbedingt Dietmar anschließen! Mach' das alles nicht mit Dir alleine aus! Such' Dir noch Hilfe, außer diesem Forum hier. Damit wirst Du es leichter verkraften und leicher auch verarbeiten können.

    Bleib auf Deinem Weg, es die einzige Chance für Dich Dein Leben wieder zurück zu bekommen. Aber die Chancen stehen meiner Meinung nach sehr gut, weil Du sehr genau weißt welches Spielchen bei ihm abläuft. Alles alles Gute wünsche ich Dir.

    LG
    gerchla

    Hallo Ben,

    Zitat

    Ich denke aktuell nicht wirklich daran mich zu outen, vielmehr überlege ich mir meinem Freundeskreis bestimmt und bewusst zu sagen, dass ich in letzter Zeit zu viel getrunken habe, und negative körperliche Auswirkungen dadurch erfahren habe. Ich möchte jetzt auf meinen Körper hören und bis auf weiteres nicht mehr trinken. Punkt.


    Es ist und bleibt Deine Entscheidung, wie Du mit dem Thema Outing umgehst. Das was Du oben schreibst, wäre für mich vielleicht mal ein Argument, dass ich gegenüber nicht so engen Freunden oder Bekannten anwenden würde. Wobei ich eigentlich da von Anfang an gesagt habe, ich trinke keinen Alkohol (mehr). Ohne weitere Erklärungen.

    Für mich gab es keine Alternative dazu, meinem engsten Umfeld die absolute Wahrheit zu sagen. Alleine schon deshalb nicht, weil ich vorher so viele gescheiterte Versuche hatte "heimlich" mit dem Trinken aufzuhören. Letztlich hält man sich doch immer ein Hinterürchen offen, irgendwann wieder trinken zu "können". Ohne dass einem das Umfeld dann anspricht und sagt: Hey ich dachte Du bist Alkoholiker? Wieso trinkst Du jetzt wieder?

    Mal eine konkrete Frage, die mich wirklich sehr interessiert: Wovor hast Du Angst? Oder vielleicht besser: Warum willst Du nicht mal Deiner Frau sagen, dass Du Alkoholiker bist (oder denkst Du könntest einer sein)?

    Zitat

    Er ist neben dem Buddhistendasein allerdings auch ein Partygänger und letztes Wochenende waren wir auch unterwegs, haben natürlich wieder mal übertrieben mit dem Alkohol..


    Also, ich gebe offen zu, dass ich mich mit Buddhismus im tieferen Sinne nicht auskenne. War aber immer der Meinung, dass diese Menschen eher asketisch unterwegs sind und sich eben mehr mit dem Sinn des Lebens befassen. Zumindest suggerieren mir das die buddhistischen Weisheiten, die ich auch sehr gerne lese.

    Zitat

    Wisst ihr noch um die ersten Situationen, wann ihr das erste Mal in der Öffentlichkeit bewusst auf Alkohol verzichtet habt? Was habt ihr gefühlt? Angst? Stolz? Das würde mich sehr interessieren.


    Also, wie schon gesagt - am Anfang stand mein Outing, damit war für mein engeres Umfeld schon mal klar, wo ich stehe, dass ich ein Alkoholiker bin und das die Situation mehr als ernst ist. Damit waren schon mal einige, möglicherweise kritische, Situationen vom Tisch. Zwar trank ich überwiegend heimlich, trotzdem natürlich gab es Situationen z. B. bei Familienfeiern / Geburtstagen / Silvester etc. wo ich selbstveständlich "ein Gläschen" mitgetrunken habe. Sekt zum Anstoßen, auch mal ein Bier, aber halt offiziell sehr sehr moderat. Meinen Spiegel hab ich mir dann heimlich angetrunken.

    Das war mit dem Outing dann vorbei. Niemand wäre mehr auf die Idee gekommen mir was anzubieten, somit hatte ich hier erst mal eine wichtige Baustelle weg, einen Triggerpoint weniger sozusagen.

    Dann gab es ja aber noch andere Anlässe, z. B. Betriebsausflüge, Firmenfeiern oder Feiern wo ich von entfernteren Bekannten eingeladen wurde. Da war es für mich eine super Strategie, in der ersten Zeit meiner Trockenheit einfach mal auf diese Veranstaltungen zu verzichten. Mich erst mal um mich und mein doch recht großes Problem der Alkoholsucht zu kümmern. Erst mal klar zu werden, wo ich überhaupt stehe und wo ich hin will und überhaupt. Der Trümmerhaufen vor dem ich stand war groß genug, da musste erst mal einiges aufgearbeitet werden. Es war für mich jetzt nicht weiter tragisch, im ersten Jahr (grob geschätzt) erst mal sogar ganz bewusst auf Feierlichkeiten zu verzichten.

    Tatsächlich funktionierte das sehr gut ohne dass ich sofort als Spaßbremse abgestempelt wurde oder dass die Leute gesagt hätten, der lässt sich ja nirgends mehr sehen. Irgendwann war ich dann klarer im Kopf, klarer was meine Situation und meinen Einstellung zum Alkohol für meine Zukunft betrifft. Und dann bin ich auch wieder auf Veranstaltungen gegangen, und zwar fast genauso wie ich das vorher auch tat.

    Ich erinnere mich, dass am Anfang sehr viel Angst dabei war. Also "wie reagierst Du, wenn Dir jemand permanent Alkohol aufschwatzen will oder Dir einfach ein Glas in die Hand drückt" usw. Ich hatte mir da dann eine ganz klare Strategie zurecht gelebt. Zentrale Aussage diese Strategie war: Meine Trockenheit ist mir Heilig, danach kommt lange nichts!

    In der Praxis kam es aber so gut wie nie zu solchen Situationen. Denn fast immer reichte es zu sagen: Ich trinke keinen Alkohol. Ich erinnere mich, dass mich mal jemand etwas länger bedrängt hat. Aber auch diese Situation lies sich problemlos lösen.

    Mein letzter verbaler Trumpf wäre immer gewesen zu sagen: Ich trinke nichts weil ich trockener Alkoholiker bin - damit ziehst Du Deinem Gegenüber allerdings ganz schön die Keule über den Kopf.
    Meine allerletzte Option wäre gewesen: Ich drehe mich um und verlasse die Veranstaltung. Musste ich bis heute noch nie machen.

    Trotzdem habe ich schon Veranstaltungen verlassen, wegen des Alkoholkonsums der anwesenden Menschen. Aber nicht weil ich getriggert wurde dadruch, sondern weil es im nüchternen Zustand kaum zu ertragen ist, richtige besoffene Menschen um sich zu haben. Und am Ende noch mit ihnen reden zu müssen, wo eigentlich nur Schwachsinn bei raus kommt. Das empfindet man dann recht schnell als aktive Zeitverschwendung.

    Stolz ist ein Gefühl, dass ich in Bezug auf meine Sucht bzw. auf den Stillstand meiner Sucht noch nie empfunden habe. Und das möchte ich auch nicht. Ich persönlich kann nicht darauf stolz sein, etwas erreicht zu haben, was für die große Masse der Menschen ganz normal ist. Letztlich habe ich doch "nur" eine Sitution bereiningt, in die ich mich selbst gebracht habe. Eine Lage, die fürchterlich schlimm war und wo ich dazu noch viele Menschen um mich herum sehr verletzt habe. Das ich das jetzt beenden konnte, macht mich dankbar, sehr dankbar, jedoch überhaupt nicht stolz. Stolz bin ich z. B. auf meine Kinder, weil sie in meinen Augen wunderbare Menschen sind.

    Das war' dann mal wieder von mir. Bis bald

    LG
    gerchla

    Guten Morgen Ben,

    so, jetzt hab' ich etwas mehr Zeit.

    Erst mal will ich Dir sagen, dass ich es sehr gut finde, dass Du heute beim Arzt warst. Ehrlich gesagt halte ich das für einen sehr wichtigen Schritt der auch zeigt, dass Du es jetzt wirklich ernst meinst. Und jetzt hast Du auch jemanden, zu dem Du immer gehen kannst (ohne Deine ganze Geschichte neu erzählen zu müssen), wenn Du mal eine Frage oder ein Problem hast.

    Ganz wichtig ist aber, dass Du Dich dem Arzt offenbaren kannst. Wenn Euer Vertrauensverhältnis stimmt, dann kann das für Dich der Kickstart in eine trockene Zukunft sein. Ich bin damals leider erst nach ein paar Tagen zum Arzt, da war das Gröbste schon vorbei, allerdings war ich mir nicht bewusst, welches Risiko ich eingegangen bin. Und ehrlich gesagt, vielleicht wollte ich das auch nicht so wirklich wissen, denn angesprochen darauf wurde ich schon.... Zum Glück ging es gut!

    Ganz kurz zu mir:

    Ich bin Ende 40, Alkoholiker und lebe jetzt schon mehrere Jahre ohne Alkohol. Davor habe ich sehr viele Jahre getrunken. Anfangs eher moderat, jedoch bereits abhängig, später wurden es dann erhebliche Mengen und mein Trinkverhalten entwickelte sich so, wie man sich das gemeinhin bei einem "richtigen" Alkoholiker vorstellt. Also, ich begann z.B. dann schon morgens, vor der Arbeit mit dem Trinken, trank heimlich während der Arbeit usw. Das waren dann in etwa die letzten 2 - 3 Jahre meiner Alkoholikerkarriere. Vorher gab es unterschiedliche Stufen in meiner Sucht. Es ging los mit dem klassischen Feierabendbier, das lange Zeit auch wirklich nur das eine Bier war, jedoch schon regelmäßig, also täglich, getrunken wurde. Aus eins wurde zwei, aus zwei wurde drei usw. Irgendwann in dieser Zeit begann ich mein ganzes Trinkverhalten zu verheimlichen. D. h. ich trank offiziell so gut wie gar keinen Alkohol mehr und nahm die erforderliche Menge immer komplett heimlich zu mir.

    Das wurde "notwendig", weil meine damalige Frau mich mehrmals darauf ansprach, ob ich nicht evtl. ein wenig zu viel und zu regelmäßig trinken würde. Damals trank ich noch sehr wenig, also ein bis zwei Bier vielleicht. Bevor ich heimlich trank, versuchte ich natürlich erst mal aufzuhören. Ich legte längere Trinkpausen ein. Das gefiel mir aber nicht wirklich und ich musste schon damals während dieser Pausen immer an Alkohol denken. Heute weiß ich, dass ich damals schon süchtig war. Und da ich keinen Bock mehr darauf hatte, wieder auf meinem Konsum angesprochen zu werden, fing ich mit heimlichen Trinken an. Der schreckliche Weg in meine Sucht war damit zementiert, bewusst war mir das damals allerdings überhaupt nicht.

    Dein Trinkniveau hatte ich eine sehr lange Zeit. Das war für mich so die Zeit, wo ich der typische funktionierende Alkoholiker war. So 3 - 4 Bier am Tag, alles abends getrunken. Ab und an mal noch Wein dazu, aber noch nicht so große Mengen. Ich weiß nicht wie viele Jahre ich da so unterwegs war. Jedenfalls sah man mir damals meine Sucht noch nicht an, ich war noch schlank, mir tat noch nichts weh und meine Psyche hatte ich noch einigermaßen im Griff, wobei diese schon deutlich angegriffen war.

    Langsam steigerte sich dann aber die Menge. Es wurden 6 - 7 Bier, 8 oder 9 usw. Es begann die Zeit, wo ich stark zu nahm, nicht mehr auf dem Bauch liegen konnte ohne dass es schmerzte. Mein Magen machte immer wieder Probleme, vom Darm will ich mal gar nicht reden. Trotzdem steigerte sich meine Trinkmenge weiter, es wurden 10 - 12 Bier am Tag, dazu noch Wein und ich fing schon morgens damit an. Da war ich dann ein Wrack, körperlich aber vor allem auch Psychisch. Diese letzten Jahre waren psychisch die Hölle. Meine Familie (Frau und 2 Kinder) litten natürlich auch darunter, auch wenn ich nach wie vor heimlich trank. Aber ich war ja quasi gar nicht mehr anwesend. Körperlich vielleicht, geistig allerdings drehte sich mein gesamten Leben nur um Alkohol.

    Mit Beginn meiner Endphase begann ich ein ausgeprägtes Doppelleben zu führen. Als Führungskraft musste ich viel reisen, da war es mir ein Leichtes diese Reiseintensität noch deutlich zu erhöhen, diese Zeit jedoch in Wahrheit mit Trinken zu verbringen. Dazu gab es sogar einen eigenen Raum zu dem nur ich Zugang hatte und wo ich mir einen ordentlichen Vorrat an Alkohol angelegt hatte.

    Warum schreibe ich Dir das alles? Einfach um Dir zu zeigen, wohin Dich eine fortschreitende Sucht führen kann oder ich möchte vielleicht besser sagen, führen wird. Und ich bin mir sehr sicher, dass ich mit meinem Abstieg noch lange nicht am Ende gewesen wäre. Hätte ich es nicht geschafft meine Sucht zu stoppen, wäre es ganz sicher noch tiefer gegangen. Schlimmstenfalls dann bis zu meinem bitteren Ende, und das meine ich jetzt nicht dramatisierend!

    Deshalb ist es gut, dass Du JETZT die Reißleine ziehst. Mit 33 Jahren hast Du noch eine Menge Zeit vor Dir, Du solltest sie nicht mit der Befriedigung Deiner Alkoholsucht verbringen.

    Jetzt mal wieder etwas praktischer für Dich:

    Was habe ich gemacht. Also, wie gesagt, mit etwas Verspätung ging ich zum Arzt. Das war mal wichtig um alles Checken zu lassen aber auch um das weitere Vorgehen zu besprechen. Bereits am ersten Tag meiner Trockenheit habe ich eine SHG aufgesucht. Diese hat mich in der Anfangszeit dann fast täglich begleitet. Das war eine äußerst wichtige Erfahrung für mich, auch wenn ich dann irgendwann gemerkt habe, dass ich kein dauerhafter SHG-Besucher sein werde. Dann suchte ich professionelle Hilfe beim Psychologen, das hat leider etwas gedauert mit den Terminen, war jedoch dann auch ein wichtiger Baustein für mich.

    Nebenher habe ich mich natürlich geoutet. Das geht aus meiner Sicht gar nicht anders. Vorher hatte ich oft Versuche gestartet mit dem Trinken aufzuhören. Und ich dachte: Wenn Du heimlich getrunken hast, dann kannst Du ja auch heimlich aufhören. Somit ist alles beim Alten und keiner merkt irgendwas. Eine WIN - WIN - Situation, sozusagen . Natürlich wurden bestenfall Trinkpausen aus diesen Versuchen. Das konnte gar nicht funktionieren, wie ich heute weiß.

    Also outen, bei meiner Frau und meinen Kindern, bei meinen Eltern, bei meinen Geschwistern und bei den wenigen Freunden, die mir noch geblieben sind trozt meiner Sucht (für Freunde hatte ich jahrelang keine Zeit mehr, hab lieber heimlich gesoffen).

    Das wären alles sehr schwere Gespräche. Ich meine, ich war ja offiziell ein liebevoller Familienvater, der beruflich zwar viel unterwegs war, jedoch auch äußerst erfolgreich. Nun erfuhren sie die Wahrheit.

    Dann nahm ich noch Kontakt zu einem Mönch auf. Nicht aus religiösen Gründen, sondern weil ich diesen Menschen Jahre vorher mal erlebt hatte und er bei mir einen bleibenden Eindruck hinterlassen hatte. Und ich dachte: mit dem würde ich gerne mal über mich und meine Sucht sprechen, falls er dazu bereit sein sollte.

    Ist eigentlich eine längere Geschichte aber ich kürze jetzt mal ab: Er war bereit und er wahr wohl derjenige, der am meisten dazu beigetragen hat, dass ich nun schon seit Jahren sehr glücklich ohne Alkohol lebe.

    Nicht vergessen möchte ich meinen besten Freund, mit dem ich unzählige Gespräche geführt habe und er mir mit seiner ganz anderen, sehr pragmatischen Art ebenfalls immer wieder mal Stubser in eine andere Richtung gegeben hat.

    In dieser ganzen Zeit des Trockenwerdens fiel die Trennung von meiner Frau und damit auch der "Verlust" meiner beiden von mir über alles geliebten Kinder (ich konnte sie dann nur noch am Wochende relativ kurz sehen). Die Trennung ging von mir aus, was meine emotionale Situation auch nicht gerade verbessert hat.

    Mein zentrales "Problem" war die Aufarbeitung meiner Schuld, meiner vielen Lügereien, meiner Betrügereien, alles, was sich durch das heimliche Trinken und mein Doppelleben so angesammelt hatte. Damit musste ich erst mal lernen umzugehen. Und dann wollte ich meine Sucht unbedingt richtig aufarbeiten. Wichtig war für mich dann auch die Beantwortung zentraler Fragen nach dem Sinn meines Lebens. Ich wollte wissen wer ich war, wer ich eigentlich sein möchte, was ich sein möchte, was für mich eigentlich Glück bedeutet oder auch "nur" Zufriedenheit usw. usf. Da hatte ich ganz schön zu tun, wie Du Dir vielleicht vorstellen kannst.

    Aber, all diese Fragen, all das Hinterfragen und das Finden der entsprechenden Antworten für mich verdeutlichte mir, wie sinnlos der Alkohol in meinem Leben war und ist. Ich begann zu verinnerlichen, dass mir dieses Zeug nie irgendwas gebracht hat. Und nein, ich habe nicht nur negative Erinnerung an Alkohol. Da gibt es schon auch einige positive, lustige, gesellige Geschichten. Jedoch, wenn ich tiefer nachdenke, alles aus den Zeiten wo ich noch nicht süchtig war....

    Und heute kann ich all diese positiven, lustigen, geselligen Situationen wieder erleben - und zwar ohne Alkohol, man glaubt es kaum. Weil ich weiß, dass es das Zeug dazu gar nicht braucht, wenn man mit sich selbst im Reinen ist, keine Ängste mehr hat, keine Komplexe mehr hat oder auch gelernt hat damit umzugehen ohne es durch Alkohol zu vertuschen.

    Ich kann Dich nur dazu motivieren Deine Sucht zum Stillstand zu bringen. Je nach dem , wie Deine persönliche Situation, Dein Umfeld aussieht, kann das für Dich ein mehr oder weniger starker Einschnitt werden. Du musst aber bereit sein, diesen Einschnitt zuzulassen bzw. vorzunehmen. Einfach nur den Alkohol weglassen funktioniert (leider) auf längere Sicht nicht.

    Vielleicht hilft Dir der kurze Einblick in meine Geschichte etwas. Ich wünsche Dir auf jeden Fall nur das allerbeste und einen guten Austausch hier im Forum.

    LG
    gerchla

    Hallo Ben,

    erst mal Herzlich Willkommen im Forum.

    Bin etwas in Eile, deshalb erst mal in aller Kürze:

    Was Du gerade machst ist ein kalter Entzug. Bist Du Dir dessen bewusst? Ich war es mir damals nicht. Bei mir ging alles gut, es hätte aber auch gewaltig daneben gehen können. Im schlimmsten Falle hätte ich mein Leben verlieren können. Das Beste wäre, wenn Du Dich einem Arzt offenbaren würdest, am besten sofort, und mit ihm/ihr zusammen das weitere Vorgehen besrpichst. Er wird wissen was zu tun ist.

    Das wollte ich schnell los werden und Dich auf das Risiko eines kalten Entzugs hinweisen. Ansonsten werde ich versuchen Dir morgen nochmal in Ruhe zu schreiben.

    Bis dahin wünsche ich Dir alles Gute und möglichst wenige Entzugserscheinungen.

    LG
    gerhard

    Hallo Keltic,

    ich lebe ja jetzt schon mehrere Jahre ohne Alkohol. Einen "richtigen" Rückfall, so wie Du ihn von Dir beschreibst, hatte ich noch nicht. Bevor ich trocken wurde, habe ich immer "nur" Trinkpausen beendet. Da war auch eine dabei, die mehrere Monate angedauert hatte und die eigentlich ein "open End" hätte haben sollen. Vielleicht war das Beenden dieser einen, wirklich sehr langen Trinkpause sowas Ähnliches wie ein Rückfall. Nur leider habe ich es damals versäumt, mir tiefere Gedanken darüber zu machen. Ich erinnere mich noch sehr genau.

    Wir waren in eine neue Wohnung mit Garten gezogen. Ich trank schon monatelang gar nichts mehr, weil ich Nachwuchs bekommen hatte und schon ein Bewusstsein entwickelt hatte, dass mein Konsum zu hoch ist (auch wenn er im Vergleich zu später fast minimalistisch war). Dann war da dieser Nachbar im Garten, lauer Sommerabend, der mich ansprach und auf ein Biermischgetränk einlud. Wo mein Hirn war weiß ich nicht, aber ich trank dieses eine Getränk. Das war's....

    Was dann aber bei mir nicht passierte, war das Hinterfragen was da jetzt eigentlich abgegangen ist. Wie das passieren konnte und warum. Dieses Hinterfragen konnte bei mir nicht stattfinden, weil ich ja nicht wirklich zum Trinken aufgehört hatte bzw. aufhören wollte. Ich wollte ja ursprünglich bewusst "nur" eine Pause machen, eine lange Pause, das war klar, aber halt nur eine Pause. Und tatsächlich auch mit open End. Hätte auch gerne ein paar Jahre andauern können. Ich hatte aber nicht den Anspruch oder besser die Erkenntnis, dass ich "richtiger" Alkoholiker bin und nie mehr trinken möchte.

    Und das ist jetzt hoffentlich der Unterschied zu Dir! Du weißt genau wo Du stehst, Du weißt das Du Alkoholiker bist und dass Du nie mehr trinken willst. Ok, das fällt Dir nicht leicht, es ist sogar sehr schwer im Moment. Du hattest einen Rückfall, das ist übel aber genau der sollte Dir jetzt helfen Dich weiter zu entwicklen. Wieso, weshalb, warum hast Du wieder getrunken - das sind doch die Fragen die Du Dir ehrlich beantworten musst. Und dann die Frage: was kann ich tun, damit mir das nicht nochmal passiert.

    Ziehe Deine Motivation auch daraus, dass Dir hier gerade jemand schreibt, der selbst ewgig lange auf sehr hohem Niveau konsumiert hat und es trotzdem geschafft hat, sein Leben ohne Alkohol so zu "entwickeln", dass der Alkohol oder das Verlangen danach überhaupt keine Rolle mehr spielt. Das was Dich jetzt noch so quält ist für mich nicht mehr vorhanden. Warum sollst Du Dich nicht auch so entwickeln? Du findest hier ja auch noch andere aktive Nutzer, die das ebenfalls geschafft haben, die Teilweise genau wie Du, erstmal einen Rückfall oder gar mehrere Rückfälle erleben mussten bevor sie dort angekommen sind.

    Dann kannst Du es genauso schaffen. Ich drück' Dir ganz fest die Daumen!

    LG
    gerchla