Beiträge von Gerchla

    Hallo Dirk,

    ein verspätetes herzlich Willkommen von mir.

    Ich habe jetzt ein wenig Deinen Thread nachgelesen. Gut, dass Du Nägel mit Köpfen machen willst.

    Ich bin Ende 40, Alkoholiker und lebe jetzt aber schön länger ohne Alkohol.

    Das Thema Outing ist glaube ich, für jeden trockenen Alkoholiker ein recht zentrales Thema. Wem sage ich es, wem nicht. Sage ich es überhaupt jemanden oder ziehe ich das alles lieber alleine durch usw.

    Ich habe in meiner Trinkerkarriere, die zum größten Teil heimlich verlief und damit meine ich richtig heimlich, also auch vor meiner Familie, mehrere Versuche gestartet mit dem Trinken aufzuhören. Diese Versuche habe ich alle auch wiederum heimlich gestartet, denn da ja keiner wusste das ich trinke erschien es mir recht praktisch, einfach heimlich damit aufzuhören. Für mich eine WIN/WIN Situation. Ich muss mich nicht outen und meine Familie muss sich keine Sorgen darüber machen, dass sie einen Alki in ihrer Mitte hat.

    Tatsächlich schaffte ich dann auch recht lange Trinkpausen. Eine davon war viele Monate lang. Nun gab es bei mir, im Gegensatz zu Dir, kaum Menschen, die mich fragten warum ich keinen Alkohol mehr trinke. Zwar wurde ich ab und an von Arbeitskollegen/innen mal angesprochen, Freunde fragten auch mal nach, aber ich war ja nicht als einer bekannt, der regelmäßig trank. Diese Fragen kamen dann eher bei typischen Anlässen wie Betriebsfeiern oder beim gemeinsamen Besuch eines Weihnachtsmarktes oder so. Da reichte es dann, wenn ich sagte, dass ich gerade keinen Alkohol trinke.

    Ich hatte also eigentlich gar keinen Druck von außen mich erklären zu müssen. Ich hätte also eigentlich wirklich recht bequem heimlich mit dem Trinken aufhören können. Wie Du Dir denken kannst ging das immer in die Hose. Irgendwann griff ich wieder zur Flasche. Meine monatelange Pause beendete ich z. B. dadurch, dass mein neuer Nachbar, den ich gar nicht kannte, mir spontan von Gartenzaun zu Gartenzaun ein Biermischgetränk angeboten hat. Welches ich völlig entspannt und ohne nennen von Gründen ablehen hätte können. Da wäre nichts passiert, wir kannten uns noch nicht mal und er hätte mich auch sehr gut als jemanden kennen lernen können, der keinen Alkohol trinkt.

    Aber ich nahm das Getränk und trank es. Denn ich hatte ja auch nicht zu befürchten, dass irgendjemand zu mir sagt: ich dachte Du bist Alkohliker? Bist Du rückfällig geworden? Denn es war ja alles heimlich.

    Als ich dann irgendwann tatsächlich Ausstieg aus der Sucht, wollte ich das anders machen. Und da stand dann für mich erst mal mein Outing ganz am Anfang. Nach wie vor hatte ich meine Trinkerei gut verheimlicht. Zwar hatte ich schon starke körperliche Einschläge zu verzeichnen, die allesamt alkoholbedingt waren, jedoch war ich bis zum Ende trotz erheblicher Trinkmengen in der Lage gewesen, dass zu vertuschen bzw. anderweitig zu begründen.

    Das bedeutete aber, dass ich jetzt erst mal meine Familie vor den Kopf stossen musste. Sie erfuhren als erste was los war. Also meine Frau und meine Kinder. Meiner Frau musste ich erst mal meine ganzen Verstecke zeigen bevor sie mir glaubte, was ich ihr erzählte. Der Reserveradkasten vom Auto, der kein Reserverad mehr enthielt sondern dutzende von Plastikbierflaschen hat sie dann erst mal überzeugt. Aber ich konnte auch noch ein paar andere ganz nette Verstecke anbieten.

    Soweit so schlecht. Dann waren meine Eltern dran. Zwar bin und war ich kein Geschäftsführer einer eigenen GmbH, jedoch ein beruflich recht erfolgreicher Mensch im gehobenen Management, auch mit viel Personalverantwortung und einem wirklich spannenden und sehr interessanten Aufgabengebiet. Und so war ich bekannt in meiner Familie. Als erfolgreicher Mensch, der die Karriereleiter erklommen hat und bei dem immer alles rund läuft. Ein Mensch, der Europa- und Weltweit unterwegs ist, Vorträge hält und einfach ganz toll ist. Das war ich in den Augen der meisten Menschen. Dazu noch ein guter Familienvater mit einer guten Ehe.

    Nun erfuhren sie, dass ich Alkoholiker war der ständig gelogen und betrogen hat. Auch meine Geschwister erfuhren das und auch meine (wenigen noch verbliebenen) engsten Freunde.

    Das war's dann aber erst mal. Einem größeren Kreis habe ich das erst mal nicht offenbart und ich sah zunächst auch keinen Grund, das z. B. bei mir in der Arbeit zu kommunizieren. Und zwar deshalb nicht, weil es dort aus meiner Sicht keine Trigger für mich gab. Es gab keine oder kaum Situationen, wo ich in der Arbeit mit meinen Kollegen oder wie auch immer mit Alkohol konfrontiert gewesen wäre. Weihnachtsfeiern und co. mal ausgenommen, die ich anfangs ja aber auch mal ausfallen lassen konnte.

    Mit der Zeit jedoch (damit meine ich über Jahre gesehen) bemerkten meine Kolleginnen und Kollegen, vor allem aber mein eigenes Team, dass ich zu keiner Gelegenheit mehr etwas Mittrank. Und irgendwann wurde ich dann auch mal von den Leuten angesprochen. Ungefähr so: "sag mal, mir ist aufgefallen Du trinkst ja überhaupt nie mehr was mit. Warum eigentlich?"

    Darauf antworte ich sinngemäß etwa so: "Erinnerst Du Dich noch, wie ich vor letztes Jahr / vor x Jahren ausgesehen habe?" (ich war dick, aufgedunsen, sah blass und krank aus, hatte über 25 kg mehr auf den Rippen etc.) - darauf erfolge immer ein "ja klar, Du hast echt schlecht ausgesehen und bist jetzt ein ganz anderer Mensch".

    Und sagte ich: "siehst Du, damals war ich an einem Punkt wo ich eine Entscheidung treffen musste. So weiter leben oder mein Leben komplett ändern. Ich entschied mich für komplett ändern und dazu gehört auch, dass ich seither keinen Alkohol mehr trinke, und zwar gar keinen mehr. Ich habe damals recht viel und auch regelmäßig getrunken und für mich gab es nur zwei Optionen: Einfach so weitermachen oder mein Leben ändern. Du siehst ja wie es mir heute geht."

    Sinngemäß habe ich das so im Laufe der Zeit fast allen engern Mitarbeitern und Kollegen erzählt wenn die Sprache darauf kam. Ich habe ihnen nie gesagt "ich bin Alkoholiker und trinke deshalb nichts mehr" oder noch schlimmer "darf deswegen nichts mehr trinken". Ich habe das immer ganz bewusst nicht getan, wobei ich sicher bin, dass sich die meisten genau das denken.

    Einige wenige haben das dann auch mal angesprochen, also so: "glaubst Du dass Du Alkoholiker bist?" - Ich darauf (wieder sinngemäß): "es könnte sein, aber ich weiß es nicht 100%ig. Ich wüsste es nur, wenn ich wieder Alkohol trinken würde. Aber mittlerweile ist ein Leben ohne Alkohol für mich so normal, dass ich gar keinen Sinn mehr für mich darin erkennen kann Alkohol trinken zu können, somit stellt sich diese Frage für mich überhaupt nicht".

    Nun, ich erntete immer Zustimmung. Ich hatte und habe nie Probleme damit. Heute ist es einfach ganz normal, völlig normal, dass ich keinen Alkohol trinke. Niemad fragt da noch nach oder reagiert irritiert.

    Übrigens habe ich mich damals ganz bewusst gegen Lügen entschieden. Das lag daran, dass Lügen meine gesamte Alkoholikerkarriere begleitet hatte, in der Endphase sogar dominiert hatte. Jedes noch so kleine Problem versuchte ich "weg zu lügen". Ich war ein Meisterlügner und ich hatte es so "drin", dass ich automatisch immer erst mal daran dachte, welche Geschichte ich jetzt erzählen könnte um aus irgend einer Nummer heraus zu kommen. Zu sagen wie es eigentlich tatäschlich ist, also die Wahrheit, kam mir gar nicht in den Sinn. Bei meinem Outing hatte ich dann auch einen Berg, wirklich einen riesen Berg an Lügen zu beichten und diese belgeiteten mich dann auch lange in die erste Zeit meiner Trockenheit. Und da schwor ich mir: Ich lüge nicht mehr, jedenfalls nicht mehr bei elementaren Dingen. Aber selbst auf kleine und harmlose Notlügen versuche ich so gut es geht zu verzichten. Das ist für mich ein wichtiger Teil meines neuen Lebens.

    So war das bei mir.

    Alles Gute für Deinen Weg und einen guten Austausch wünsche ich Dir.

    LG
    gerchla

    Liebe Britt,

    Ich glaube es kommt wirklich darauf an was Du für ein Leben führen möchtest. Was Du Dir selbst wert bist. Es stellt sich doch auch einfach die Frage: warum und wozu lebst Du mit einem Menschen zusammen, dem Du doch recht egal zu sein scheinst.

    Außer natürlich Du schadest seinem Ruf oder wirst anderweitig unangenehm. Dann reagiert er und erklärt Dir, das Du das gefälligst zu unterlassen hast. Was gibt er Dir eigentlich?

    Mach Dir doch mal ne Liste dessen was er Dir Positives gibt. Ne Liste was Du an ihm liebst wäre auch interessant. Vielleicht kommst Du da ein Stückchen weiter und wirst klarer.

    Es geht um Dich, um sonst nichts. Das darfst Du nie vergessen! Wir Alkoholiker neigen oft dazu es allen Recht machen zu wollen. Bei mir war dafür mein schlechtes Gewissen verantwortlich, also während meiner nassen Zeit. Und es nicht so einfach das raus zu bekommen, auch wenn man länger trocken ist.

    Du musst Dir wichtig sein. Du hast das Recht ein glückliches Leben zu führen und Du solltest das dafür tun, was Du für richtig empfindest. Und wenn es so sein soll, dann eben einen Neustart. Du wärst nicht die erste die sich nach jahrzehntelanger Ehe trennt. Du musst herausfinden was Du willst, was Dir wichtig ist, wo Du hin willst mit Deinem Leben. Es nicht wichtig was Du „müsstest“, es zählt nur was DU willst.

    LG
    Gerchla

    Hallo Gegenwärtiger,

    herzlich Willkommen im Forum.

    Zitat

    Ich vermisse mich selbst aus der Zeit ohne alk und hätte mich so gerne zurück.....

    Das heißt für mich, dass Du den Wunsch nach einem trockenen, alkoholfreien Leben durchaus verspürst. Du hast aber, obwohl dieses Leben eine gute Zeit lang geniesen durftest, wieder mit dem Trinken begonnen. Jetzt trinkst Du seit 5 Tagen wieder nichts mehr.

    Hast Du schon darüber nachgedacht, warum die wieder getrunken hast? Was war der Auslöser? Was hast Du vermisst, dass Du wieder zur Flasche gegriffen hast? Oder auch, was hast Du Dir davon versprochen? Dachtest Du, Du könntest es jetzt plötzlich kontrollieren?

    Ich denke es ist wichtig bei einem Rückfall, diese Dinge zu hinterfragen um so bei nächster Gelegenheit gewappnet zu sein. Welche weiteren Schritte planst Du denn jetzt oder bzw. was willst Du jetzt anders machen als vorher? Kannst Du wieder zu diesem Therapeuten gehen und mit ihm das weitere Vorgehen besprechen?

    Vielleicht wäre eine SHG auch das richtige für Dich. Vielleicht könnte der regelmäßige, persönliche Austausch mit anderen Betroffenen Dir helfen, künftig nicht mehr rückfällig zu werden. Ich kenne recht viele Alkoholiker, für das genau der richtige Weg ist und die das teils sogar schon jahrzehnte so machen. Das musst Du selbst heraus finden.

    Und was Deinen Satz über "Bullen" betrifft. Das ist einfach eine Wortwahl, die prima in ein nasses Verhalten passt. Es ist unreflektiert und respektlos der Polizei gegenüber, wo wir doch sehr froh und dankbar sein können, dass es Menschen gibt, die diesen harten Job für viel zu wenig Gehalt überhaupt machen. Wenn Du auch vom Kopf her trocken bist, wirst Du verstehen was ich meine.

    Ich wünsche Dir alles Gute und einen guten Austausch hier im Forum.

    LG
    gerchla

    Guten Morgen Britt,

    Zitat

    Das darf ich auf keinen Fall zulassen!!!

    Das ist der wichtigste Satz, den Du geschrieben hast. Ich sage das, weil das auch bei mir so war und natürlich immernoch ist. Meine Abstinenz ist das wichtigste was ich habe. Ich stelle alles andere hinten an. Das ist jetzt, wo mein Leben sehr glücklich verläuft und ich ein wunderbares führe, relativ einfach. Das war, als ich ausstieg und um mich nur (emotionales) Chaos vorfand, alles andere als einfach. Aber es war gesetzt, deshalb trennte ich mich u. a. auch von meiner Frau.

    Hätte ich wieder getrunken, ich wäre zugrunde gegangen (wie Du wahrscheinlich auch). Und alle die mir etwas bedeuten, z. B. natürlich auch meine Kinder für die diese Trennung sehr schlimm war, hätte ich durch mein erneutes Trinken mehr Leid zugefügt, als mit irgend einer anderen Entscheidung. Das schlimmste was mir und damit auch allen die mich lieben passieren kann, ist wenn ich wieder zu trinken beginne. So sehe ich das, und das macht mich stark. Stark wenn es darum geht, Entscheidungen für meine Abstinenz zu treffen.

    Aber wie gesagt, das muss ich heute nicht mehr tun, ich hatte jedoch viele Situationen in den ersten Monaten und Jahren und bin froh, dass ich so klar war.

    Du schreibst, Dein Mann sei ein guter Ehemann. Ich bin ehrlich, ich musste den Kopf schütteln weil ich ja den Rest von Dir auch noch gelesen habe. Ich meine, vielleicht hast Du eine andere Definition für einen, ich sage jetzt mal guten Partner, als ich. Vielleicht hast Du eine auch eine andere Vorstellung davon, was Liebe eigentlich bedeutet. Vielleicht hast Du aber auch durch Deine Kinderheit gelernt, mit recht wenig zufrieden zu sein.

    Bitte verstehe mich nicht falsch. Es steht mir ja überhaupt nicht zu, Dir da irgendwie rein zu reden. Aber ich dachte mir: emotional lässt er sie völlig verhungern. und schon in ihrer Kindheit ließ man sie emotional völlig verhungern (wobei ich jetzt nicht weiß, welche Rolle Deine Mutter hatte und ob sie das vielleicht "aufgefangen" hat).

    Allein die Tatsache, dass sich Dein Mann für Dich SCHÄMT, weil Du unter dieser Krankheit leidest, anstatt STOLZ auf Dich zu sein, dass Du sie als eine der wenigen die das überhaupt schaffen überwunden hast, spricht für mich Bände. Tut mir leid wenn ich da so deutlich werde. Anstatt sich zu fragen, wieso es bei Dir so weit gekommen ist, kanzelt er Dich ab.

    Zitat

    Aber wie kann das einer verstehen, der nicht unter dieser Krankheit leidet?


    Wenn meine Frau, die ich wirklich liebe, mir gestehen würde sie wäre Alkoholkrank und ich hätte keine Ahnung von dieser Krankheit, ja da würde ich doch erst mal alles tun um mich darüber zu informieren. Das wäre doch die normalste Sache der Welt. So, wenn mir dann etwas an diesem Menschen liegt und ich mich eingelesen habe und dadruch dann mitbekommen habe, dass das, was dieser Mensch jetzt macht, nämlich eine Therapie anzutreten, genau das richtige ist. Das es das ist, was mit die größten Erfolgsaussichten hat, dann würde ich erst mal froh und dankbar sein und diesen Menschen natürlich zur Seite stehen.

    Also immer vorausgesetzt, es handelt sich um eine intakte Beziehung die von der Sucht noch nicht zerstört wurde (oder auch vom nicht trinkenden Partner). Wenn da also noch der Wunsch da ist, weiterhin zusammen leben zu wollen, ohne Alkohol ein gemeinsames glückliches Leben führen zu wollen, dann müsste man ja Gott dafür danken, dass der trinkende Partner jetzt genau diese Schritte einleitet um weg von dem Zeug zu kommen.

    Und wenn man dann hinterher fest stellt, dass dieser Partner jetzt tatsächlich trocken ist und bleibt, ja Halleluja! Endlich kann man wieder ein Leben ZUSAMMEN führen. Sicherlich braucht es einige Zeit um in dieses neue Leben zu finden, auch der nicht trinkende Teil muss lernen mit der neuen Situation umzugehen. Aber hallo - eine riesen Chance auf ein tolles neues Leben wartet.

    Was Du beschreibst klingt für mich so: Dein Mann hat immer sein eigenes Leben gelebt, auch als Du noch getrunken hast. Als Du dann in Therapie gingst, war das Deine Sache und er wollte damit nichts zu tun haben. Vielleicht wäre es im auch Recht gewesen, wenn Du weiter getrunken hättest, denn dann wärst Du nicht in so eine Einrichtung gegangen wofür er sich schämen muss. Zumindest aber hätte er erwartet, dass Du den Alkohol alleine besiegst, ohne den ganzen Therapiefirlefanz, denn wenn man einen starken Willen oder Charakter hat, dann ist das ja kein Problem.

    Stimmt diese Einschätzung von mir? Kommt das hin? So lese ich das.

    Für mich ist Deine Sucht, die Du glücklicherweise überwunden hast, nicht mehr das Problem (und ich hoffe Du sorgst dafür, das sie nie mehr zum Problem wird). Dein Problem ist Deine Beziehung.

    Ich denke Du solltest Dir Gedanken darüber machen, was Du von Deinem Leben noch erwartest. Welche Ziele Du noch hast, was Deine Wünsche und Bedürfnisse sind. Was für Dich "glücklich sein" bedeutet. Und dann darüber nachdenken, ob Du diese Ziele in Deiner aktuellen Situation erreichen kannst. Sicher kannst Du sein, dass Du mit Alkohol gar nichts erreichst, außer Deinen Untergang. Dein Mann, so wie Du ihn beschreibst, wird diesen aber sicher überstehen. Du allerdings nicht.

    Es ist für mich schwer hier die richtigen Worte zu finden. Allein das Wort "Narzist", das Du ja verwendest, bedeutet für mich "nimm die Füße in die Hand und laufe so schnell du kannst", denn Narzisten saugen anderen Menschen die Energie ab. Ich kannte auch welche....

    Ich wünsche Dir nur das allerbeste und klare Gedanken, damit Du die richtigen Entscheidungen treffen kannst.

    LG
    gerchla

    Hallo Patrick,

    herzlich Willkommen auch von mir.

    Da hast Du ja eine sehr bewegte Suchtgeschichte hinter Dir. Und das mit jungen 25 Jahren. Als ich so alt war, hatte ich noch ein einigermaßen normales Trinkverhalten. Erste Anzeichen waren zwar schon vorhanden, jedoch noch weit von dem entfernt was dann die nächsten Jahre folgte.

    Ich bin Ende 40, Alkoholiker und lebe jetzt aber schon mehrere Jahre ohne Alkohol.

    Gut, dass Du den Absprung so früh geschafft hast. Viele Alkoholiker hänge Jahrzehnte in der Sucht, viele kommen auch gar nicht mehr heraus. Meist ist es so ab 40 - 45 Jahren, das sich "was tut", das mal ernsthaft versucht wird, das Zeug los zu werden.

    Insofern hast Du noch fast Dein ganzes Leben vor Dir und kannst es ohne Suchtmittel genießen! Durch Deine Mehrfachabhängigkeit und vor allem durch die Tatsache, dass Du diese überwunden hast, kannst Du hier für andere Mehrfachabhängige sicher ein prima Motivator sein und wertvolle Tipps geben. Mehrfachabhängige haben wir nicht so oft im Forum, aber schon immer wieder mal. Ich kann da dann nicht so viel zu sagen, weil ich bin "nur" Alkoholiker. In diesem Fall sage ich jetzt auch mal: glücklicherweise

    Alles Gute wünsche ich Dir und auf einen guten Austauch hier im Forum.

    LG
    gerchla

    Guten Morgen Lelilu,

    nein, mein Arbeitsplatz war und ist tatsächlich das einzige, was sich in meinem Leben nach meinem Ausstieg aus der Sucht nicht geändert hat. Meine Arbeit hat mir immer sehr viel Spaß gemacht und ich habe es auch (wie auch immer) bis zum Schluss geschafft, meine Arbeit einigermaßen brauchbar zu erledigen. Man könnte bei mir fast sagen, dass meine Arbeit und mein Team für mich in der ganzen Trinkerzeit, vor allem dann aber in den ganz schlimmen letzten Jahren, die einzige brauchbare Konstante waren.

    Das ist wahrscheinlich eher untypisch aber zeigt auch wieder, wie individuell unsere Krankheit und die Auswirkungen sind. Allerdings bin ich sehr sicher, dass es nicht mehr lage gut gegangen wäre bei mir. Denn ich habe da dann schon täglich auch in der Arbeit und vor allem vor der Arbeit getrunken. Und hatte auch schon recht viele "Krankheitstage". Irgendwann wäre das dann auch mal gekippt. Glücklicherweise konnte ich vorher aussteigen....

    Was Deine Gedanken, Überlegungen betrifft: Ich verstehe das alles was Du schreibst. Eigenes Haus, passt dort alles, die Kinder haben alles, eigene Zimmer, Garten usw. / Kita oder Kindergartenplätze bekommt man auch nicht so einfach, die eigene finanzielle Situation hat man natürlich auch noch im Nacken usw.

    Du musst selbst wissen, in wie weit Du das wegen dieser Gründe, die sicherlich auch welche sind, aushalten willst und kannst. Ich finde das wichtigste was jemand hat, ist sein eigenes Leben. Und finde jeder hat ein Recht darauf, es so zu leben wie er möchte und wie er glücklich ist. Besitz und Geld usw. spielen dabei eine gar nicht so große Rolle. Zumindest habe ich das bei mir so erfahren. Als ich weg war von daheim, war erst mal ein Umzug in eine kleine Wohnung in die große Stadt angestanden. Und das für mich als Landei, der vorher im Haus mit großem Garten inkl. Gartenteich und Baumbestand und ein paar Meter zum nächsten Wald gewohnt hat. Sowas habe ich vorher immer kategorisch ausgeschlossen. Niemals konnte ich mir vorstellen in der Stadt zu leben, in einem Vielfamilienhaus, einem alten Wohnhaus mit 14 Parteien.

    Die Wohngegend in die ich gezogen bin, war nun auch nicht gerade das Sahnestück dieser Stadt, eher das Gegenteil. Vorher eine ruhige Wohngegend auf dem Land mit bester Anbindung in die Stadt. Umgeben von wohlhabenden Familien mit dicken SUV's und anderen diversen Statussymbolen. Dann eine Wohnung im 2. Stock, nähe Hauptverkehrsstraße was ein geöffnetes Fenster fast nicht möglich machte. Einziger Vorteil: fußnähe zu meiner SHG.

    So, dann musste ich natürlich Unterhalt zahlen, was für mich natürlich selbstverständlich war und da blieb mir dann nicht mehr viel. Diverse Schulden, die sich durch meine Trinkerei angehäuft hatten, hatte ich auch noch im Nacken, mussten auch abbezahlt werden. Ich hatte wirklich einen Berg von Problemen, die ich mir als nasser Alki einfangen hatte und den ich nun, trocken, immernoch vor mir hatte. Und jetzt natürlich beseitigen wollte. Ich hätte quasi "gute Gründe" gehabt, weiter zu saufen. Denn meine Situation war jetzt nicht so, dass es so ausgesehen hätte, dass sich all die Probleme so einfach irgendwie von selbst lösen lassen würden.... Nö, eher das Gegenteil. Und hätte ich lange in die Zukunft gedacht und durchgedacht, was alles noch kommen könnte oder kommen wird, dann wäre ich sicher der Verzweiflung sehr nahe gekommen.

    Habe ich aber nicht. Denn ich lebte am Anfang erst mal von Tag zu Tag. Und war jeden Tag froh und dankbar, dass ich ihn ohne Alkohol verbringen konnte. Das ging eine ganz schön lange Zeit so. Und darüber habe ich mich dann natürlich auch daran gemacht, ein ums andere Problem anzugehen und zu lösen. Und tatsächlich, ich hätte das vorher nicht geglaubt, mit Ruhe und auch mit Hilfe von außen, konnte ich nach und nach alle meine Probleme lösen. Und es kam dann der Zeitpunkt, wo es mir (problemtechnisch / auch finanziell) besser und besser ging. Das dauerte, Jahre, aber so lief es letztlich.

    Ich will Dir damit Mut machen, quer zu denken. Was die Kinder betrifft: sie sind mit weniger zufrieden als man denkt. Eigentlich brauchen sie hauptsächlich Liebe , Geborgenheit, Nähe und klare Strukturen. Sie müssen wissen woran sie sind und sich verlassen können. Die ganzen anderen Sachen, der Konsum, das Zimmer, Spielsachen etc. die stehen hinten an. Meine Erfahrung mit meinen Kindern.

    Natürlich ist es nicht sinnvoll, wenn Du einfach alles packst und ausziehst ohne das Du irgendwas organisiert hast. Das wäre nur dann sinnvoll, wenn Deine Situation absolut akut wäre, Du oder Kinder auch körperlich bedroht sind oder die Situation einfach völlig unerträglich ist. Wenn Du "Spielraum" hast, dann solltest Du den nutzen um Dir einen Plan zu machen. Z. B. auch mit einem Anwalt sprechen, was eine Trennung finanziell eigentlich bedeutet. Wie es mit dem gemeinsamen Haus weiter gehen kann, was Dir zu steht oder auch was ihm zu steht. Dann siehst Du klarer, kannst Deine Möglichkeiten besser einschätzen und dadurch die richtigen Entscheidungen treffen.

    Du spielst ja aber jetzt mit dem Gedanken, erst mal abzuwarten. Ich meine, auch ok, aber dann kann es so schlimm ja nicht sein, sonst wäre das keine Option für Dich. Die Hoffnung allerdings, dass er einfach so mit dem Trinken aufhören wird, die solltest Du nicht haben. Diese Wahrscheinlichkeit ist nämlich verschwindend gering.

    Alles Gute wünsche ich Dir und gute Gedanken um für Dich und Deine Kinder richtigen Entscheidung zu finden.

    LG
    gerchla

    Hallo britt,

    erst mal herzlich Willkommen hier bei uns im Forum, jetzt als aktives Mitglied 44.

    Und vielen Dank für die netten Worte, die Du für mich gefunden hast. Darüber freue ich mich sehr! :)

    Wenn Du davon schreibst, dass Du ganz tief innen drin weißt, dass Du Dich von Deinem Mann trennen müsstest, dann muss ich sofort an meine Geschichte denken. An meine Gedankenwelt nachdem ich trocken wurde. Ich war 18 Jahre verheiratet, hatte 2 Kinder. Einen schon fast erwachsenen Sohn und eine noch kleinere Tochter im Grundschulalter damals.

    Und da werde ich, also der Täter, der Alkoholiker, trocken und denke plötzlich darüber nach mich von meiner Frau zu trennen! Wie verrückt ist das denn? Wenn Du meine Geschichten gelesen hast, dann weißt Du, dass ich mich letztlich tatsächlich getrennt habe. Meine Ex-Frau hätte mir durchaus eine Chance gegeben, sie wäre gerne mit mir zusammen geblieben, sie hat mir sogar noch gesagt, das sie mich immernoch liebt.

    Das war harter Tobak für mich. Weil, was ich ihr alles angetan habe, das war schon vom Allerfeinsten. Da waren wirklich üble Sachen dabei. Und jetzt würde diese Frau doch tatsächlich versuchen weiter mit mir zu leben. Und ich, statt zu jubilieren, denke darüber nach mich zu trennen! Klingt bescheuert oder?

    Nein, war es aber nicht. Ich habe sehr viel und lange nachgedacht, Gespräche geführt usw. Und ich habe bemerkt, dass ich, wenn ich dauerhaf abstinent bleiben will, die Trennung brauche. Und das obwohl ich damit meine über alles geliebten Kinder verlieren würde und sie auch ganz massiv damit verletzten würde und letztlich auch verletzt habe. Trotzdem musste ich diesen Schritt gehen. Detail will ich hier im ganz offenen Bereich jetzt nicht schreiben, wenn Du da mehr wissen möchtest, schreibe mir einfach eine Nachricht oder eröffne einen Thread im "Who is who" - Bereich.

    Aber möglicherweise liegt Dein Problem ja ganz anders als meines damals. Jedenfalls verknüpfst Du Dein Trockensein und Dein Trockenbleiben mit Deiner Beziehung. In Deinem Fall gefährdet es Deine Abstinenz, das ist gar nicht gut, gar nicht. Umgekehrt, wenn Dein Partner der Garant dafür wäre, dass Du trocken bleibst, wäre es auch nicht gut, jedoch nicht ganz so gefährlich wie anders herum. Meine persönliche Meinung.

    Ich würde Dir gerne meine Gedanken etwas tiefer schildern, wenn Du etwas mehr erzählst. Im Moment kann ich nur erahnen oder raten, was da bei Dir genau los sein könnte. Trinkt Dein Mann? Das war z. B. bei meiner Ex-Frau gar kein Thema. Da ging es wirklich um meine Gefühlswelt.

    Vielleicht eines noch: Meine Trennung, und das war wirklich hart, teilweise die Hölle vor allem wegen der Kinder, habe ich deshalb durchgezogen, weil für mich meine Abstinenz als unantastbare oberste Priorität gesetzt war (und noch ist). Nie wieder trinken und ALLES dafür tun, dass das so kommt. Das habe ich mir ins Hirn gebrannt und das wollte ich so leben. Diese Trennung war dann eine Konsequenz daraus. Und es war die richtige Entscheidung. Heute weiß ich, dass es auch für meine Ex-Frau die richtige Entscheidung war.

    Das ist jetzt alles nicht einfach auf Deine Situation zu übertragen. Aber vielleicht ist was zum Nachdenken für Dich dabei!

    Alles alles Gute und bis bald

    LG
    gerchla

    Hallo Frank,

    herzlich Willkommen bei uns im Forum.

    Gut, dass Du etwas gegen Deine Sucht unternimmst. Wie ist denn Deine aktuelle Situation? Trinkst Du noch oder hast Du schon aufgehört? Ich war damals auch beim Psychologen, hab da aber beim ersten Termin schon einige Wochen nichts mehr getrunken gehabt. Ich musste, glaube ich, 7 Wochen auf einen Termin warten.

    Aber es hat sich gelohnt. Ich habe die Zeit mit regelmäßigen Besuchen in einer SHG überbrückt. Das war richtig gut und wichtig für mich.

    Was hast Du denn für Pläne? Schreib mal ein wenig von Dir, wenn Du magst.

    LG
    gerchla


    Um es Knall hart auszudrücken,es sollte dich nicht interessieren wie es mit deinem Mann und einer Wohnung weiter geht,denn er sucht es sich ja selber aus wie es mit ihm weiter geht. Es hat ja alle Möglichkeiten etwas zu ändern und Wege zu gehen. Es ist nicht deine Aufgabe dir darüber einen Kopf zu machen wo und wie er dann irgendwo unterkommt. Du solltest jetzt nur an dich und deine Kinder denken und all deine Kraft dafür einsetzen. Das ist eine Grenze die du im jetzt setzt.

    Genau so ist es. Das ist nicht einfach, das ist mir klar. Aber Du hast Verantwortung für Dich und für Dein Leben. Und ganz wichtig, Deine Kinder! Er hat alle Möglichkeiten, von sich Hilfe suchen und Verantwortung für sein Leben übernehmen bis hin zu einem Leben in der Gosse. Das muss er wissen.

    Zitat

    Mit anderen Worten, er ist einfach nicht so weit, oder?


    Naja, er reagiert halt ganz typisch. Er ist ein nasser Alkoholiker, der sich offensichtlich noch nicht seiner Situation bewusst ist. Aber das wäre jetzt das Gleiche, wenn er gesagt hätte "ich weiß das ich ein Problem habe und will ja was dagegen machen. Aber das schaffe ich nur mit Dir". Auch so ein Klassiker. Einsicht zeigen, vielleicht sogar haben, jedoch trotzdem die Verantwortung abschieben.

    Ich denke er ist einfach in einer Phase, wo nur noch Taten zählen. Alles andere hast Du x-fach durch. Darum, lass ihn sein Leben leben und kümmere Dich nur noch um Dich und Deine Kinder. Mach Dir einen Plan wie Du da raus kommst und ziehe diesen dann konsequent durch. Erst wenn Du da raus bist, bist Du wieder frei. Du wirst sicher schnell bemerken, was das für Deine Lebensqualität bedeutet. Und für die Deiner Kinder.

    LG
    gerchla

    Zitat

    Was ist der Unterschied zu den üblichen Versprechungen? Die Anmeldung zu einer LZT? eine komplette Änderung der Lebensumstände, ggf. mit Umzug aus gewohnter Umgebung etc.? Oder einfach die Zeit, mit der sich heraus kristallisiert dass tatsächlich kein Alkohol mehr getrunken wird?

    Also ich beziehe mich jetzt mal auf Deine Frage, wann man erkennen kann, das es jemand ernst meint. Das ist sehr schwer, denn in der Regel gab's ja vorher x Versprechen die nie eingehalten wurden.

    Es kann eine Mischung aus dem sein, was Du geschrieben hast. Eine Anmeldung zur LZT kann ein Zeichen sein, muss aber nicht. Es kann auch Taktik sein. Oder der Alkoholiker macht sogar eine LZT, wird aber danach sofort rückfällig weil er sie nicht ernst genommen hat.

    Grundsätzlich glaube ich, musst Du Dich von Taten überzeugen lassen. Versprechen, Ankündigungen usw. kannst Du natürlich alle vergessen. Wenn der Alkoholiker dann wirklich handelt, dann wird es spannend. Also wenn er z. B. beginnt regelmäßig in eine SHG zu gehen, einen Psychologen zu besuchen, Arzttermine wahr nimmt usw, dann wird es interessant. Dann musst Du noch nicht voller Vertrauen vor ihm auf die Knie gehen, aber Du kannst Dir das ganze zumindest mal aus Ferne genauer anschauen. Ihn mal machen lassen, mal checken, ob sich da langsam was verändert.

    Aber das braucht Zeit, oft sehr viel Zeit. Für den Alkoholiker der es wirklich ernst meint und dann auch durchzieht ist es wichtig Vertrauen zurück zu gewinnen. Das war bei mir auch ganz wichtig. Dadurch, dass ich trocken war und blieb, wusste ich aber, dass mein Umfeld dafür Zeit brauchte. Denn wie sollten die denn wissen, ob das nicht alles wieder gespielt ist?

    So durfte ich z. B. in den ersten Montaten meiner Trockenheit nach der Trennung von meiner Frau nicht mit meiner Tochter alleine Auto fahren. Ich durfte mit ihr gar nicht Auto fahren. Meine Ex-Frau hat es einfach verboten. Wir musste also Zug fahren oder mein großer Sohn hat sie mir gebracht und wieder abgeholt. Und ja, das war verdammt richtig, was meine Ex-Frau da entschieden hatte. Aber sowas von richtig! Denn wie hätte sie mir denn vertrauen können, wo ich sie doch jahrelang belogen und betrogen habe.

    Aber mit der Zeit hat sie dann gemerkt, dass da nicht mehr der gleiche Mensch vor ihr stand. Mit der Zeit konnte ich dieses Vertrauen zurück gewinnen, denn ich veränderte mich ja ganz massiv. Und das hat sie natürlich auch wahr genommen.

    So wie Du das sicher auch wahr nehmen würdest bei jemanden, den Du gut kennst.

    LG
    gerchla

    Hallo JaneDoe,

    sehr spannend, was Du da so schreibst. Da würde ich auf einige Dinge gerne mal eingehen.

    Zitat

    Ich denke aber soviel darüber nach und überall finde ich Gründe warum ich trinke. Getrunken habe! Gestern dachte ich alle anderen sind schuld! Heute denke ich ich bin es doch! Niemand hat mir das Glas zum Mund geführt!

    Also ich bin ja ein großer Fan des Aufarbeitens der eigenen Sucht. Für mich war es wichtig, mir diese Fragen, also die, die Du Dir auch stellst, zu beantworten. Damit habe ich mich aber erst beschäftigen können und wollen, als ich bereits einige Zeit weg war von der Flasche. Denn vorher wären die Ergebnisse nicht brauchbar gewesen. Solange man noch aktiv trinkt kommt man meiner Meinung nach nicht weiter bei solchen Überlegungen. Und das führt dann auch eher zu nichts. Ich habe mir dann auch noch andere, für mich zentrale Fragen gestellt. Z. B. was ist eingentlich der Sinn meines Lebens? Wer möchte ich sein? Wie möchte ich Leben? Was will ich mal über mein Leben sagen können, wenn ich alt bin und vor meinem Ende stehe? Welche Ziele habe ich eigentlich noch? Was ist mir wichtig? Und noch einiges mehr....

    Das ging natürlich alles nicht von heute auf morgen. Es war ein Prozess, ein monatelanger Prozess, ich möchte fast sagen, ein Prozess der bis heute nicht beendet ist. Und ein Prozess, der eigentlich nie zu eine sein darf. Auch wenn meine zentralen Fragen beantwortet sind, kommen immer wieder neue hinzu. Denn ich will mich ja persönlich weiter entwickeln. Ich habe noch Schwächen, noch Eigenschaften die mir nicht gefallen. Ich weiß, dass ich manche Dinge an mir nicht verändern kann, weil ich einfach so geprägt bin. Manche will ich auch nicht verändern, weil ich sie gut finde oder gut damit umgehen kann. Aber es bleibt mir noch genug, woran ich sehr gerne noch arbeite. Ich denke, das bleibt immer so, denn ich verändere mich ja ständig.

    Es gibt übrigens auch Menschen (Alkoholiker) die von der ganzen Aufarbeitung und dem "Warum habe ich getrunken" nicht so viel halten. Sie haben den Standpunkt, dass es egal ist, warum man getrunken hat. Sie sagen, dass es viel wichtiger ist, die Vorteile eines Lebens ohne Alkohol zu erkennen und das man deshalb ein zufrieden abstinentes Leben führen möchte. Ich finde das ist auch ein Weg. Es war nicht meine, ich denke das hätte bei mir nicht funktioniert, aber ich glaube, das kann für manch einen auch ein Weg sein.

    Zitat

    Alkohol gab es doch immer.... mein Opa hat getrunken, meine Mama trinkt, bei meinem ersten langjährigen Freund waren auch Familienmitglieder abhängig und trotzdem gab es immer ein Glas Wein zum Abendessen!

    Was Du hier beschreibst ist die Realität in nicht wenigen Familien. Alkohol ist etwas ganz normales. Es ist eher nicht normal keinen Alkohol zu trinken. Alkohol ist ein Kulturgut, er ist in aller Munde und wird werblich ständig in den Himmel gelobt. Die Wahrheit, dass Alkohol eigentlich ein Zellgift ist, wird nicht kommuniziert. Und ganz ehrlich: Für Menschen, die kein Problem mit Alkohol haben ist das alles auch kein Problem. Wir Alkoholiker allerdings, wir haben da einen anderen Blick. Ich persönlich versuche immer aufzupassen, hier nicht zu radikal zu werden. Und versuche mich bei dem Thema zu entspannen. Neulich gab's aber mal wieder die Situation, dass ein Kind beim Griechen statt eines Ouzos einen "Kinderschnaps" hingestellt bekommen hat - da verliere ich dann schon kurzfristig meine Fassung...

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    UND ALLE HATTEN EIN NORMALES LEBEN! Arbeiten, Kinder, Haushalt einfach NORMAL! Und es hat niemand was gemerkt!

    Kennst Du den Spruch "unter jedem Dach ein Ach"? Nur heile Welt Familien um einen herum. Alles immer ganz toll, nur bei einem selbst scheints irgendwie nicht so zu sein. Wenn man dann aber doch mal etwas tiefer schauen kann, dann heißt es plötzlich "wusstest Du das nicht?" oder "ich könnte Dir Geschichten erzählen" usw.
    Gerade was den Alkohol betrifft ist das Vertuschen und Verheimlichen extrem ausgebreitet. Einerseits der Alkoholiker selbst, der alles dafür tut, dass er nicht als solcher erkannt wird und normalerweise wirklich erst wenn's ganz schlimm ist als solcher erkannt wird. Und dann natürlich die Angehörigen, die das alles zwar wissen, aber auch verharmlosen, vertuschen und bagatellisieren. So ist das doch! Meine Oma starb an Leberzirrhose. Was meinst Du wie lange es gedauert hat, bis ich irgendwann mal im fortgeschrittenen Erwachsenenalter endlich erfahren habe, was da eigentlich los war. Also woran sie starb und das sie gesoffen hat wie ein Loch. Und ich habe häufiger nachgefragt. Und irgendwann mal hat meine Mutter es dann heraus gelassen. Da war vorher immer von "der Arzt war schuld", "Fehldiagnose", "wurde nicht rechtzeitig ins Krankenhaus überwiesen" und solchen Dingen die Rede. Auf die Frage was denn jetzt eigentlich genau war, bekam ich immer nebulöse Antworten.

    Nun, sie war Alkoholikerin und hat sich zu Tode gesoffen. Punkt.

    Also gibt mal nicht so viel auf die Menschen mit dem normalen Leben. Nimm lieber Dein eigenes in die Hand. Und übrigens: Der Großteil der alkoholkranken Menschen führt ein "normales" Leben. Der Großteil besteht aus funktionierenden Alkoholikern. Stehen morgens auf, gehen in die Arbeit, gehen abends ins Bett und können auch so noch einigermaßen am Leben teilhaben. Auf jeden Fall so viel, dass keiner merkt was los ist. Das ist die Masse an Alkoholikern, wo das so läuft. Immer erst zum Ende hin wird klar, was eigentlich los war.

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    Bei meinen Gesprächen bei der Suchtberatung Haben wir herausgefiltert, dass ich zu wenig an mich denke und nicht sage was ich will!

    Das kenne ich. Das war bei mir auch so. Allerdings war das auch eine Folge meiner Sucht. Nicht undbedingt die Ursache. Es hat aber meine Sucht möglicherweise noch verstärkt. Vor allem NEIN sagen können ist ganz wichtig, auch mal egoistisch sein ist ganz wichtig.

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    Ich muss es noch rausfinden!

    Ok, finde es heraus! Und was ist dann? Wie geht es dann weiter? Welche Ziele hast Du, wo willst Du hin, wer willst Du sein bzw. werden? Darauf kommt es doch an. Und wie willst Du künftig diese Ziele erreichen? Und welche Rolle spielt dann dabei noch der Alkohol? Und kann Dir der Alkohol überhaupt helfen irgendeines Deiner Ziele zu erreichen? Hat Dir der Alkohol jemals nachhaltig bei irgendwas geholfen?

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    Ich habe drei Wunderbare Kinder hier bei mir! Ein Sternchen im Himmel und für die muss ich es schaffen! Und für mich natürlich auch!

    Der letzte Satz ist wichtig! Deine Kinder können Deine Motivation sein, das ist legitim. Wollen musst Du es für DICH. Nur wenn Du mit Dir im Reinen bist (und das kannst Du nur ohne Alkohol sein), kannst Du für andere da sein. Ich meine richtig da sein, nicht nur so ein bisschen. Ich denke das hast Du verdient und Deine Kinder werden unendlich davon profitieren!

    Also, jetzt braucht es einen Plan. Welche Hilfe willst Du Dir noch holen, außer der Suchtberatung und uns hier. Hast Du mal über eine reale SHG nachgedacht? Die hat mir z. B. besonders am Anfang sehr geholfen. Sie war für mich extrem wertvoll. Ich bin schon lange in keiner realen SHG mehr, aber es war einer meiner besten Entscheidungen sofort nach meinem Ausstieg in so eine Gruppe zu gehen.

    Wie sieht es evtl. sogar mit einer Therapie aus? Ambulant oder Langzeit, je nach dem was bei Dir passt. Oder kannst Du vielleicht einen anderen Weg gehen und mit Hilfe eines Psychologen weiter kommen? Unsere Psyche ist krank, sonst hätten wir den Alkohol nicht derart missbraucht. Irgendwas stimmt / passt bei einem Alkoholiker nicht. Er / sie kompensiert irgendwas mit Alkohol, sucht die Wirkung des Alkohol um die Realität verlassen zu können. Ich war bei einem Psychologen in Behandlung, es war gut so.

    Ich war bei einem Mönch, der mir in sehr vielen sehr tief gehenden Gesprächen mehr geholfen hat als alles andere. Das war jemand, den ich zufällig mal getroffen hatte und der mich damals sehr beeindruckte, obwohl ich damals natürlich nicht nüchtern war.

    Ich hatte keine religiösen Motive, ich war überhaupt nicht religiös. Ich hatte nur die Idee, dass dieser Mensch evtl. der richtige für ein Gespräch wäre. Und dieser Mensch hat mir extrem viel geholfen. Durch ihn bin ich wieder in die Spur gekommen. Ich habe das alles gemacht als ich bereits nichts mehr trank. Wochen nach meinem letzten Bier.

    Außer der SHG, die ich schon am ersten trockenen Tag besucht habe, musste ich ja auf Termine warten. Ich glaube 7 Wochen für den Psychologen, und auch der Mönch, den ich erst mal ausfindig machen musste, weil ich seinen Namen nicht kannte, hatte nicht darauf gewartet, dass ich jetzt Gespräche mit ihm suche. Auch da dauerte es Wochen, bis ich zum ersten Mal zu ihm konnte.

    Und dann war da ja noch mein alter bester Freund. Was habe ich mich mit ihm unterhalten. Wieder und immer wieder. Er hatte oft eine ganz andere Sicht auf die Dinge. Und alles zusammen war für mich Gold wert.

    Und in all dieser Zeit habe ich natürlich keinen Tropfen getrunken, denn dann wäre alles sinnlos gewesen. Und je länger das alles andauerte, desto klarer wurde ich und desto mehr spürte ich, wie wenig ich Alkohol brauche. Und irgendwann war dann ganz klar, das mir Alkohol noch niemals irgendwie in irngend einer Form geholfen hat. Und ich sage das, obwohl ich durchaus auch positive Erinnerungen an Alkohol habe. Ich will die auch nicht verdrängen. Lustig war's manchmal, gelacht haben wir viel, tiefegreifende Gedanken haben wir ausgetauscht, Sonnenuntergänge mit einem Glas Rotwein haben wir genossen - ach da gibt's viele positive Erinnerungen. Aber alle noch zu der Zeit, wo die Sucht noch nicht zugeschlagen hatte....

    Und das wichtigste: Ich kann das heute auch alles noch tun! Und ich brauche dazu keinen Alkohol und kann es ganz genauso genießen. Es gab eine Zeit in meinem Leben, da hätte ich mir das nicht vorstellen können.

    Also, vielleicht war ja was für Dich dabei, bei dem was ich Dir geschrieben habe. Ich hoffe und wünsche Dir, dass Du Deinen Weg findest.

    LG
    gerchla

    Hallo Wolke,

    erst mal, gut das Du zu uns gefunden hast.

    Also bitte nicht einfach mit dem Trinken aufhören. Du schilderst ja bereits Deine Entzugssymptome und Du weißt hoffentlich, wie ein kalter Entzug im schlimmsten Fall enden kann.

    Ich bin selbst Alkoholiker, ich habe das alles durch und ich trinke jetzt seit mehreren Jahren nicht mehr.

    Du klingst sehr verzweifelt, wie jemand, der sich gerade aber mal überhaupt nicht heraus sieht. Wie jemand, der gerade mal gar keine Perspektive sieht. Da war ich auch mal, an dieser Stelle. Aber ich kann Dir versichern, dass es Wege heraus gibt. Es gibt immer einen Weg, auch wenn Du Dir das vielleicht gerade nicht vorstellen kannst und viele Gründe findest, warum Du dieses oder jenes nicht tun kannst.

    Aber Du willst ja weg von dem Zeug. Sehr gut. Also zum Arzt gehen, offen alles erzählen und ansprechen, mit ihm die weitere Vorgehensweise besprechen. Vielleicht wird es erst mal eine klinische Entgiftung, vielleicht eine ambulante, aber danach muss es ja weiter gehen. Sonst wirst Du schnell wieder hinein rutschen.

    Ich habe mein ganzes Leben verändert, ich hatte zwar keine 5 Kinder, aber 2 hatte ich auch. Alles habe ich verändert, es war danach nichts mehr wie vorher. Das habe ich mir als ich noch trank alles nicht vorstellen können. Ja es war nicht einfach, aber mit Hilfe war es zu schaffen.

    Meine Hilfe war sicher eine andere wie Du sie brauchst. Jeder Alkoholiker braucht die Hilfe, die zu ihm passt. Aber im Himmels willen suche Dir die Hilfe und nimm sie dann auch an. Egal was Dein Umfeld sagt, egal was Deine Familie, Dein Mann dazu sagt. Und ja, da sind natürlich noch die Kinder. Aber Du musst jetzt nur an Dich denken. Und Deine Kinder werden Dir das danken, wenn Du den Ausstieg aus der Sucht schaffst.

    Ich würde Dir dringend empfehlen zum Arzt zu gehen, am besten sofort. Und mit ihm oder ihr zusammen alles weitere zu besprechen. Dann wird Dir bestimmt ein Weg aufgezeigt und Dir kann geholfen werden. Und ganz wichtig: Nur mit Willenskraft funktioniert es nicht. Wir wollte alle nicht trinken und haben es trotzdem getan. Aber es gibt Hilfe, es gibt sehr gute Hilfe und damit wirst Du es schaffen.

    Alles alles Gute wünsche ich Dir!

    LG
    gerchla

    Hallo Lali,

    herzlich Willkommen bei uns im Forum. Nicht mehr als stille Leserin, sondern als aktive Teilnehmerin. Das finde ich super.

    Du bist jetzt 34 Jahre und hast Deine Sucht in den Griff bekommen. Ich sage jetzt mal, damit gehörst Du zu den Ausnahmen. In diesem Alter tobt sich die Sucht normalerweise erst mal so richtig aus. Ich habe über die Jahre festgestellt, dass die meisten Menschen so ab 40 Jahren mit dem Ausstieg aus der Sucht beginnen. Also das ist jetzt nur mal so ein Gefühl von mir, ohne wissenschaftlichen Hintergrund.

    Nicht zu vergessen, dass die große Masse der Menschen mit Alkoholproblem erst gar nicht versuchen oder in der Lage sind, einen Ausstieg zu schaffen. Viele müssen auch erst den berüchtigten "persönlichen Tiefpunkt" erreicht haben, um dann ernsthaft etwas gegen die Sucht zu unternehmen. Viele trinken sich einfach zu Tode, sehr viele.

    Du hattest "das Glück", dass es bei Dir einfach Klick gemacht hat. Ja, auch davon hört und liest man immer wieder mal. Plötzlich war dem Alkoholiker klar: jetzt ist es vorbei.

    Dass das, was dann folgt nicht einfach ist, ist auch klar. Aber bei vielen, die dieses Klick-Erlebnis hatten, funktionierte es dann auch mit der Abstinenz.

    Also, was ich sagen will: Du bist 34 Jahre, hast zwei (ich vermute mal wunderbare) Kinder, Du hast noch einen großen Teil Deines Lebens vor Dir und Du kannst diesen Teil Deines Lebens Dank Deines Ausstiegs aus der Sucht nach Deinem Gusto leben und genießen.

    Hast Du Dir schon mal klar gemacht, in welch wunderbaren Situation Du Dich eigentlich befindest?

    Und dann bekommst Du es sogar noch schwarz auf weiß, dass Deine Sauferei keine körperlichen Schäden hinterlassen hat! Und statt sich zu freuen, zweifelst Du das an?

    Ich bin kein Arzt, aber ich kenne Menschen, persönlich, die haben ihr Leben lang gesoffen und ich meine jetzt wirklich GESOFFEN. Und sie wurden sehr alt. Glücklich waren sie nicht, soweit ich das einschätzen kann, denn sie waren schwer süchtige Alkoholiker, aber sie wurden richtig alt. Wie kann das sein? Wie kann das sein, dass mein Opa erst mit Mitte 80 an Darmkrebs verstarb, wo der doch bis zum Schluss getrunken hat? Und in seiner Sturm- und Drangzeit wirklich keinen Abend nüchtern war. Wie kann das sein?

    Und wie kann es sein, dass andere Menschen, die nur kurz und im Vergleich relativ wenig trinken, sofort alkoholbedingte Schäden davon tragen?

    Wie kann es sein, dass es Menschen gibt, die viele Jahre lang erhebliche Mengen Alkohol regelmäßig in sich hinein schütten und trotzdem nicht süchtig werden. Wie kann das sein, dass solche Menschen trotzdem irgendwann einfach aufhören können bzw. ganz "normal" trinken als wäre nie etwas gewesen. Und andere, die regelmäßig ein Feierabendbier trinken bereits süchtig sind und nicht mehr von dem Zeug weg kommen, wie kann das sein?

    Was will ich Dir damit sagen? Es gibt keine Formel, Menschen sind individuell, Gene sind individuell, eventuelle andere Vorerkrankungen spielen eine große Rolle, wie der jeweilige Körper genetisch gestrickt ist spielt eine Rolle, ganz viel spielt eine Rolle. Es gibt eben keine Formel "wenn Du diese oder jene Menge über diese oder jene Zeit trinkst, dann wirst Du diese oder jene Krankheiten bekommen". Es gibt nur Wahrscheinlichkeiten, erhöhte Risiken, die durch praktische Erhebungen belegt sind. Jedoch nicht auf den jeweils einzelnen Trinker übertragen werden können.

    Du solltest also einfach mal Deinem Arzt vertrauen oder Dir von einem zweiten Arzt nochmal eine Meinung einholen.

    Und wenn Du solche Ängste länger und tiefer hast, solltest Du vielleicht auch darüber nachdenken, ob Du darüber nicht mal mit einem Experten sprichst, z. B. einem Psychologen. Vielleicht steckt da ja auch etwas mehr dahinter?

    Schön, dass Du da bist. Ich wünsche Dir einen guten Austausch hier im Forum.

    LG
    gerchla

    Guten Morgen Lelilu,

    Zitat

    Ist es dann auch eine normale Reaktion, wenn er später einsichtig ist und sich entschuldigt?

    Wie Libelle Dir schon geschrieben hat: Ja, das ist leider sogar eine sehr typische Reaktion. Libelle hat das viele Jahre mitgemacht. Ich als Alkoholiker habe das viele Jahre so gemacht. Obwohl ich überwiegend heimlich trank, gab es natürlich immer wieder mal Situationen, wo mich meine Ex-Frau "stellte", weil ich in irgendeinem Bereich großen Mist gebaut hatte (immer alkoholbedingt, was sie aber nicht wusste). Reaktionsmuster: beschwichtigen, Einsicht zeigen, Besserung geloben, warten bis etwas Gras über die Sache gewachsen ist, weiter machen.

    Also, Du würdest einen großen Fehler machen, wenn Du auf seine Worte etwas geben würdest. Er ist so weit mit seiner Sucht das nur noch Taten zählen. Nur noch Taten, sonst nichts. Kein blabla ich brauch noch Zeit, kein blabla ich will erst mal x oder y machen, kein blabla ich schaffe das alleine usw. usf.

    Er müsste zum Arzt, zur Suchtberatung und ggf. auch mal eine Selbsthilfegruppe aufsuchen. Und zwar weil ER das will von SICH aus. Mit dem Arzt müsste er über die Möglichkeiten zur Behandlung seiner Sucht sprechen. Bei ihm wahrscheinlich eine Entgiftung in der Klinik, vielleicht eine Langzeittherapie im Anschluss und danach die entsprechende Nachsorge, z. B. auch durch den regelmäßigen Besuch einer SHG.

    Wenn er das macht, wenn er diesen Weg geht, dann könntest Du Dir überlegen, ob Du ihn dabei begleiten möchtest. Nur dann! Und, wie Du am Beispiel von Libelle siehst, heißt das dann aber noch lange nicht, dass das dann auch funktioniert. Libelle musste ja leider erleben, dass ihr Partner nach der Therapie da weiter gemacht hat wo er vorher aufgehört hatte. Aber da gibt es glücklicherweise auch andere, positive Beispiele.

    Auf sein nasses, typisches Alkoholikergerede, seine "Einsicht" usw. brauchst Du jedenfalls nichts geben. Das ist die ganz normale Alki-Masche. Ich weiß, dass das auch schwer zu glauben ist, weil wir Alkoholiker sind wirklich außergewöhnlich gut im manipulieren und schauspielern. Das liegt auch daran, dass wir uns so in "unsere" Welt hineinsteigern (bedingt durch die langjährige Wirkung des Alkohols), dass wir das was wir sagen auch selbst glauben. Und wenn man etwas selbst glaubt, dann ist man absolut überzeugend. Also, zumindest bei mir war das so. Ich weiß nicht ob andere Alkoholiker das genauso erlebt haben. Ich jedenfalls konnte perfekt lügen und ich wusste irgendwann wirklich selbst nicht mehr, was erlogen und was richtig war. Was mich dann auch manchmal in schwierige Situationen brachte aus denen ich mich dann wieder herauslügen musste.

    Du merkst, das Wort LÜGEN kommt recht häufig vor. Mein ganzes Alkoholikerleben bestand daraus. Es war fürchterlich. Also meine Überzeugung ist: Glaube einem nassen Alkoholiker erst mal gar nix.

    LG
    gerchla

    Hallo JaneDoe,

    Zitat

    Was soll ich schreiben!


    Wenn ich einen Vorschlag machen darf: Schreib' Dir von der Seele was Du gerade denkst, was Dich belastet, wo Du gerade stehst usw.

    Glaube mir, wir alle hier waren auch mal an Punkten, wo es scheinbar nicht mehr weiter ging. Wenn Du uns von Dir erzählst können wir parallen zu unserer eigenen Suchtgeschichte herstellen und Dir evtl. schreiben, wie wir mit dem ein oder anderem Problem umgegangen sind. Was wir gedacht haben, was wir gemacht haben. Wo wir gescheitert sind, was funktioniert hat usw.

    D. h. nicht, dass dann bei Dir alles anwendbar ist. Dafür ist diese Sucht viel zu individuell. Aber bestimmt kannst Du was für Dich mitnehmen, das Dich weiter bringen kann.

    Aktuell weiß ich halt gerade nicht allzuviel von Deiner Situation. Also Du trinkst gerade nicht mehr? Nehme ich an. Und es fällt gerade ziemlich schwer? Vermute ich jetzt mal.

    Und das Du eine schlimme Zeit hinter Dir hast, das ist mir auch klar, denn Du schreibst ja auch vom Tod Deiner Tochter. Ich bin selbst Papa und mag mir das gar nicht vorstellen, was Du da durchgemacht hast bzw. auch noch durchmachst. Ich fühle mit Dir.

    Im Bezug auf Deine Sucht würde ich Dir gerne meine Sicht der Dinge schreiben oder Dir erzählen wie was bei mir gelaufen ist. Ich müsste nur eine Ahnung davon bekommen, ob meine Geschichte überhaupt zu Dir "passt", ob ich Dir was geben kann was Dich weiter bringt. Da müsste ich ein bisl mehr darüber wissen, wo Du gerade stehst, welchen Plan Du verfolgst und wo Du die größten Schwierigkeiten für Dich siehst.

    Bitte lass den Kopf nicht hängen. Man kann diese Sucht überwinden, hier findest Du viele Beispiele dafür.

    LG
    gerchla

    Hallo Lelilu,

    ich möchte erst mal noch ganz kurz auf Deine Frage bezüglich des Denkens an Alkohol eingehen. Greenfox hat das eigentlich schon beantwortet. Ich möchte Dir aus meiner eigenen Erfahrung heraus dazu noch sagen, dass der Alkohol IMMER omnipräsent ist. Zumindest wenn man ein bestimmtes Level der Abhängigkeit erreicht hat. Und Dein Mann scheint schon ein höheres Level erklommen zu haben.

    Bei mir drehten sich die Gedanken ab einer bestimmten Phase meiner Sucht dann stark darum, dass ich jetzt vor xy Uhr ja noch nix trinken "darf". Du kennst vielleicht den Spruch "kein Bier vor vier", der dann im fortgeschrittenen Suchtniveau ergänzt wird mit "und wann vier uhr ist, das bestimme ich". Eigentlich gar nicht witzig, weil leider drehte sich lange Zeit genau darum mein halber Tag.

    Ich wollte eigentlich schon z. B. vor 12 Uhr trinken, hatte aber NOCH die Kraft es zu verhindern. Ich fieberte sozusagen hin, dass es endlich 12 Uhr wurde und ich endlich mein erstes Bier trinken konnte. Vorher waren meine Gedanken aber bereits nur damit beschäftigt, stundenlang. Die Laune war dann entsprechend.

    Ich brach dieses Tabu übrigens während einer Zeitumstellungsphase. Also als mal wieder die Uhr zurück gestellt wurde. Da war's dann plötzlich erst 11 Uhr und ich wollte doch so dringend was trinken..... Ich glaube ich habe das 2 Jahre lang "abgewehrt", aber dann war die Sucht schon so weit fortgeschritten, dass ich mir sagte: eigentlich ist ja schon 12 Uhr. Und ich trank. Kaum war dieses Tabu dann mal gebrochen, wurde es immer früher. Irgendwann erübrigt es sich dann, ständig an Alkohol zu denken, weil man ihn dann einfach ständig trinkt. Man denkt dann verstärkt an die Beschaffungs- und Entsorgungslogistik, für mich als heimlichen Trinker war das natürlich noch eine ganz besondere Herausforderung. Wenn man 10 Flaschen Bier am Tag trinkt muss man die auch wieder los werden. Und natürlich auch besorgen.

    Also im Grunde drehen sich dann nicht "nur" die Gedanken um Alkohol, sondern das komplette Leben, wirklich das ganze komplette Leben.

    Was Deine Kinder betrifft, ich sage das aus eigener Erfahrung: Diese bekommen mehr mit als Du glaubst. Auch ganz kleine Kinder. Die haben so feine Antennen. Da kann man so viel kaputt machen, den Kindern ein Bündel mit auf den Weg geben für ihr künftiges Leben. Das ist wirklich schlimm.

    Wir waren mit unserer Tochter dann beim Psychologen. Zusammen, meine Ex-Frau und ich. Um ihr zu helfen das aufzuarbeiten. Soweit ich das einschätzen kann, ist heute alles ok. Zu 100 % kann ich das aber nicht sagen, es wird sich zeigen wie sie später mal sein wird. Sie ist jetzt ein Mädel, besser eine junge Frau. Ob sie irgendwann und irgendwie mal von der Vergangenheit eingeholt wird weiß man nicht. Ich hoffe wir haben da dann doch noch alles richtig gemacht.

    Also, Kinder brauchen klare Verhältnisse. Sie müssen wissen woran sie sind. Diese klaren Verhältnisse kannst nur Du schaffen. Dein Mann ist dazu nicht in der Lage so lange er trinkt.

    LG
    gerchla

    Hallo PüRi,

    erst mal vielen Dank, dass Du Deine Situation etwas genauer beschrieben hast. Tja, was soll ich Dir da jetzt schreiben?

    Dein Mann reagiert eigentlich ganz klassisch. Er verhält sich auch ganz klassisch, also wie jemand, der ein großes Alkoholproblem hat. Ob er nun bereits süchtig ist (ist eher wahrscheinlich, wenn er von Kindesbeinen an mit dem Alkohol befreundet ist) oder "nur" Missbrauch betreibt, macht für Dich keinen Unterschied. Du leidest darunter, und zwar ganz erheblich.

    Und es wird schlimmer werden.... Die Mengen die Du beschreibst, bei diesen Mengen hat bei mir noch lange niemand bemerkt, dass ich ein Alkoholproblem habe. Mit 4 - 6 Bier pro Tag war ich viele viele Jahre unterwegs und es ging mir da "noch gut". Da funktionierte noch alles, selbst meine Beziehung war noch einigermaßen in Takt.

    Aber natürlich ging die Sucht weiter, wurde schlimmer und schlimmer und damit auch mein Leben und vor allem auch das Leben meines engsten Umfelds. Hätten sie nur die Beine in die Hand genommen und hätten mich sitzen lassen. Es wäre besser für sie gewesen und vielleicht wäre ich sogar aufgewacht.....

    Du wirst es hier immer wieder lesen: Du kannst ihm nicht helfen. Du wirst ihn nicht trocken legen können. Da kannst nur für Dich sorgen und Deine Konsequenzen ziehen.

    Nun, eine mögliche Konsequenz hat er Dir ja angeboten:Dich scheiden zu lassen, wenn Du seinen Konsum nicht akzeptierst bzw. tolerierst. Gar keine so schlechte Idee, wenn Du mich fragst.

    Ich weiß, ich rede mich leicht. Aber glaube mir, ich habe viel erlebt. Letztlich auch eine Scheidung und ich weiß wie schwer das alles ist. Jedoch wirst Du nicht weiter kommen, wenn Du neben ihm her lebst und versuchst ihn irgendwie von der Flasche weg zu bekommen. Darüber wirst Du selbst krank werden.

    Nur er alleine kann mit dem Trinken aufhören. Nur dann, wenn er das selbst möchte aus eigener Überzeugung heraus, hat er eine Chance es auch zu schaffen. Du spielst leider nur eine unbedeutende Nebenrolle. Erst kommt der Alkohol, dann lange nichts, dann vielleicht Du, solange Du nicht zu anstrengend wirst und ihm vom trinken abhalten willst.

    Überlege Dir mal, ob Du nicht eine reale SHG in Deiner Nähe finden kannst, eine für Anghörige. Sie Suchtberatung hilft auch Angehörigen, dort kannst Du Dich auch mal erkundigen.

    Wie ist denn Deine emotionale Situation? Denkst Du darüber nach ihn zu verlassen oder kannst Du Dir das gar nicht vorstellen? Hast Du selbst schon einen "Plan" gemacht, wie Du mit ihm zukünftig umgehen willst?

    Es ist alles sehr schwer. Leider hilft oft am Schluss nur eine klare Entscheidung weiter. Und meist ist es die Entscheidung, den Alkoholiker zu verlassen und sich selbst zu überlassen. Denn er ist für sein Leben auch alleine und selbst verantwortlich. Und er hat verdammt nochmal nicht das Recht, Dein Leben oder das Leben von irgend jemand anderen kaputt zu machen.

    Ich würde mich freuen wieder von Dir zu hören, auch wenn das was ich hier schreibe bestimmt nicht schön für Dich ist.

    LG
    gerchla

    Hallo PuRi,

    erst mal Herzlich Willkommen bei uns im Forum.

    Ich schlage mal vor, Du liest Dich erst mal ein wenig hier ein. Du findest hier sowohl die Berichte von Alkoholikern (dazu gehöre ich) als auch von anderen Angehörigen. Wahrscheinlich wirst Du viele Parallelen zu Deiner eigenen Situation finden.

    In jedem Fall kannst Du Dich darauf verlassen, das wir hier alle aus eigener Erfahrung schreiben. Es ist also alles "echt" und deshalb, so finde ich jedenfalls, auch sehr wertvoll für andere Betroffene.

    Wenn Du magst, dann kannst Du ja ein wenig mehr über Dich und Deine Situation schreiben. Dann können wir das etwas besser einschätzen und evtl. auch gezielt auf Fragen von Dir eingehen.

    Ich wünsche Dir auf jeden Fall einen guten Austausch hier im Forum und das Du das hier findest, was Du erwartet hast.

    LG
    gerchla


    Ich würde wirklich gerne einmal wissen, welche Gedanken Jemandem durch den Kopf gehen, der nach Jahren der Abstinenz auf die Idee kommt Alkohol zu trinken.

    Das ist genau der Punkt. Der mich wirklich auch interessieren würde. Ich kann mir das nur so erklären, dass derjenige nicht zufrieden mit dem ist, was er gerade hat. D. h., er/ sie vermisst den Alkohol nach wie vor. Deshalb glaube ich, dass es unheimlich wichtig ist auf sein abstinentes Leben zu achten. Aber nicht im Sinne von "böser Alkohol, ich darf dieses oder jenes nicht mehr" sondern mehr in "mein Leben hat ohne Alkohol nur Vorteile". Nicht ganz so einfach zu erklären.

    Übrigens: Brillant einfach auf den Punkt gebracht, Dein Beitrag! 44. 44.


    Danke lieber Dietmar. Das Thema treibt mich immer wieder mal um. Und es wird immer so schwarz / weiß oder gut / böse diskutiert. Dazwischen ist meist nichts. Dafür oder dagegen. So will ich das einfach nicht sehen.

    LG
    gerchla

    Liebe Libelle,

    es ist sehr schön, dass Du hier bist. Du kannst hier wirklich sehr vielen Menschen mit Deinen Erfahrungen helfen selbst einen Weg zu finden. Du bist so klar in dem was Du schreibst, Du bist eine starke Frau. Und das warst Du nicht immer, diesen Weg musstest Du erst finden. Du musstest Dir erst Dein Leben zurück holen. Ich schreibe immer wieder bei anderen Angehörigen: Holt Euch Euer Leben zurück, ihr habt nur dieses eine Leben. Du hast das getan und wie Du es getan hast, kann für andere ein guter Weg sein.

    Ich würde mich freuen, wenn Du hier aktiv dabei bleiben würdest.

    Die Geschichte mit Deinem Sohn trift mich tief. Ich fühle mit Dir und ich wünsche Dir von Herzen, dass er selbst seinen Weg zurück findet. Aber so schwer es auch sein mag, würdest Du ihm ein ums andere mal helfen, Du würdest damit für ihn nichts erreichen. Vielleicht kommt der Punkt, wo er das erkennt und wo er dann auf die zu kommt und sagt: Mama, Du hattest Recht! Ich musste mir selbst helfen. - Ich wünsche es Dir von ganzem Herzen.

    LG
    gerchla