Beiträge von Gerchla

    Guten Morgen Uwe,

    herzlich Willkommen bei uns im Forum.

    Zitat

    Was soll ich machen??

    Du schreibst ja, dass Du schon einiges versucht hast, sicher hast Du mit ihr gesprochen, sie auf ihr Problem angesprochen usw. Drohungen Deinerseits gab es auch bereits. Hat alles nichts gebracht, wie Du selbst schreibst.

    Dann solltest Du es machen wie ihr Bruder. Was anderes wird Dir gar nicht übrig bleiben. Offensichtlich möchte sie nichts an ihrem Zustand ändern. Denn wenn sie das möchte, dann gäbe Hilfsangebote, die sie in Anspruch nehmen könnte. Sie muss es nur wollen. Und dann auch tatsächlich durchziehen und nicht nur davon reden. Aber offensichtlich spricht sie ja nicht mal davon.

    Somit bist Du raus. Du hast keine Chance ihr zu helfen. Im Gegenteil, Du musst jetzt eher Dir selbst helfen. Ich finde es nicht sehr fair, dass sie Dich als Vaterersatz bezeichnet und Dich damit emotional unter Druck setzt. Denn welcher Vater lässt schon seine Tochter fallen? Aber auch (echte) Väter haben keine Chance wenn die Tochter Alkoholikerin ist und nicht bereit ist mit dem Trinken aufzuhören. Auch diese müssen dann lernen sich abzugrenzen. So hart es auch klingen mag. Diese Sucht kann nur der Süchtige selbst besiegen. Wenn er das will und dann auch entsprechende Maßnahmen beginnt (ärztlich betreuter Entzug, anschließend Therapie usw.), dann kann ein Anghöriger unterstützen. Aber nur dann.

    Ansonsten kann Du Dich nur abgrenzen und auf Dein eigenes Leben konzentrieren.

    Alles Gute wünsche ich.

    LG
    gerchla

    Hallo Anja,

    Ich hab leider gerade wenig Zeit. Wollte Dir aber Mut zusprechen jetzt erst mal dran zu bleiben, sprich weiter nichts zu trinken. Ich schreibe Dir am Montag in Ruhe. Gut, dass Dein Arzt bzw Psychologin Bescheid weiß. Wenn Du körperliche Entzugserscheinungen bemerken solltest, gehe bitte zum Arzt oder in eine Klinik. Du weißt schon, wegen kalten Entzug

    Ansonsten brauchst Du jetzt wohl einen Plan, langfristig, denn es steht zu vermuten, dass der Alkohol schon eine recht große Bedeutung in deinem Leben eingenommen hat. Aber das lässt sich ändern, wie Du hier im Forum ja immerwieder lesen kannst.

    Ich melde mich wieder, wenn ich Zeit habe. Ein schönes Wochenende und wenig Druck bezüglich des trinken Wollens wünsche ich Dir.

    LG
    Gerchla

    Hallo Ailin,

    leider scheint es so, als ob meine Gedanken, meine Vermutungen richtig waren. Er hängt weiter am Alkohol, da bin ich mir jetzt ziemlich sicher. Seine Reaktionen sprechen stark dafür.

    Alles was Du schreibst ist richtig. Ich finde Dich sehr klar und bereits zu diesem frühen Zeitpunkt empfinde ich Dich schon als sehr strukturiert. Du weißt was wichtig und worauf es ankommt.

    Das was Du ihm geschrieben finde ich absolut hervorragend. Seine Reaktion dagegen ist vielsagend. Er hat keine Argumente. Und tatsächlich ist es so, dass Du mit Logik und Menschenverstand nicht weiter kommst. Er blockt einfach alles ab.

    Ich hatte damals die Angewohnheit, wenn mich meine Frau mal bei etwas ertappt hatte und mich zu Rede stellte, einfach gar nichts zu sagen. Da wurde sie fast wahnsinnig aber ich sagte einfach nichts. Denn was hätte ich aus sagen sollen außer: Du hast recht - was ich aber nicht konnte und das kann er auch nicht. Ansonsten hätte ich nur noch bestreiten können was widerum dazu geführt hätte, dass sie mir klar Fakten entgegen gehalten hätte die nicht zu wiederlegen waren. Also sagte einfach immer nichts.

    Und so kommt man nicht weiter. Guter Rat ist jetzt echt teuer. Ich habe keinen, also es fällt mir schwer Dir etwas zu raten. Wie Du mit ihm generell umgehst, ich glaube das wirst Du schnell hinbekommen. Mir scheint Du bist eine starke Frau die ganz klar weiß was Sache ist. Aber die Geschichte mit den Kindern.... Ich denke da immernoch an das Jugendamt, irgendwie. Also zumindest mal an ein Gespräch dort, damit Du mal einen Überblick bekommst, was eigentlich möglich ist. Du musst ja nicht gleich die Keule auspacken. Aber das wird ja so weiter gehen. Womöglich wird er versuchen die Kinder zu manipulieren, etc.

    Ich sag' das nicht so, ich erlebe das im Bekanntenkreis. Und zwar genau so. Da sind zwar andere Drogen mit im Spiel aber das macht jetzt hier unterm Strich keinen Unterschied. Das schlimme ist halt, dass das alles auf dem Rücken der Kinder ausgetragen wird. Da steig ich dann halt echt auch, das finde ich so schlimm. Da musst Du unbedingt drauf achten. Aber wie willst Du das alleine ohne Handhabe machen?

    Haben die Menschen in der realen SHG nicht einen Tipp für Dich?

    Alles alles Gute für Euch.

    LG
    gerchla

    Hallo s,

    auch von mir ein herzliches Willkommen hier bei uns im Forum.

    Ich bin Alkoholiker, Ende 40, und ich lebe jetzt schon länger ohne Alkohol.

    Also, wie von Greenfox schon geschrieben, scheint es so zu sein, dass Deine Frau Alkoholikerin ist. 100%ig kann man das nie sagen, schon gar nicht aus der Ferne, jedoch deutet das was Du schreibst sehr stark darauf hin. Es erinnert mich ein wenig an meine eigene Geschichte, ich war wie Deine Frau ein heimlicher Trinker, habe das meiner Frau und meinen Kindern gegenüber verheimlicht. Und ich trank ca. 15 Jahre lang, 10 davon auf jeden Fall heimlich vielleicht auch ein paar Jahre mehr, so genau kann ich das nicht mehr sagen.

    Was Du da also erlebt hast, ist nicht ganz außergewöhnlich. Deine Frau hat also wesentlich mehr konsumiert als Du offiziell gesehen hast. Das ist bei funktionierenden Alkoholikern, die sich ja in der Regel für ihre Sucht schämen und die auch ihre heile Welt irgendwie aufrecht erhalten wollen, ganz normal. Wie gesagt, ich trank offiziell auch meiner Frau gegenüber jahrelang so gut wir gar keinen Alkohol. Hatte aber trotzdem in den letzten Jahren meiner Sucht täglich 8, 10 oder sogar 12 Bier intus. Und ganz am Ende reichte das auch nicht mehr und ich musste noch Wein dazu schütten. Heimlich, alles heimlich. Und ich funktionierte noch, ich war zwar ein Wrack aber nach außen hin funktionierte ich noch.

    Das ist meine Geschichte in ganz kurz und Du erkennst wahrscheinlich die Parallelen zu Deiner Frau. Und auf die Mengen kommt es übrigens nicht an. Ob Deine Frau süchtig ist oder nicht (es spricht leider vieles dafür), dass weißt Du letztlich erst dann, wenn sie versuchen würde mit dem Trinken aufzuhören. Gelingt es ihr problemlos über einen sehr langen Zeitraum einfach gar keinen Alkohol mehr zu trinken und hat sie während dieser Zeit keinerlei Bedürfnis Alkohol trinken zu wollen, dann wäre sie wahrscheinlich noch nicht süchtig. Sie wäre zwar gefährdet, weil sie Alkohol ja offensichtlich bereits missbraucht hat, sich also die Wirkung dieses Zeugs zu Nutze gemacht hat (und sowas vergisst unser Hirn leider nicht), jedoch könnte es dann sein, dass sie die Kurve noch bekommt.

    Allerdings sprechen viele Aussagen Deinerseits dagegen. Denn verheimlichen, verstecken, Alkoholvorräte anlegen usw. sind recht eindeutige Zeichen für eine Sucht.

    Insofern machst Du genau das Richtige wenn Du sie ansprichst. Wenn ich das richtig sehe, müsstest Du das gestern bereits getan haben. Möchtest Du uns schreiben wie sie reagiert hat? Ich glaube von diesem Gespräch wird abhängig sein, wie Dein Leben mit (oder ohne) Deine Frau weiter verläuft. Zeigt sie wenigstens etwas einsicht, will sie etwas tun und tut das dann auch, dann kannst Du ihr zur Seite stehen. Dann kannst Du ihr dabei helfen, den Karren aus dem Dreck zu ziehen. Das wird nicht einfach, nicht nur für sie sondern auch für Dich. Aber es gibt diese Lebens-Geschichten, es gibt diese Paare, die das geschafft haben und anschließend ein zufriedenes oder glückliches Leben führen konnten.

    Wenn sie jedoch abstreitet, agressiv wird, Dir die Schuld an Allem gibt usw., was leider recht häufig vor kommt, dann wirst Du wohl umdenken müssen. Denn dann ist sie nicht bereit ihre Sucht zu bekämpfen. Und dazu wirst Du sie auch nicht zwingen können. Dann kannst Du nur auf Dich schauen und alle Entscheidungen nur für Dich treffen.

    Ich wünsche Dir / Euch, dass ihre eine Basis findet um da raus zu kommen. Und ich wünsche Dir einen guten Austausch hier im Forum.

    LG
    gerchla

    Hallo Ailin,

    Zitat

    Ich finde es erstaunlich, Gerchla, dass Du akzeptiert hast, als Deine Frau Dir verboten hat mit den Kindern zu fahren. Aber zu dem Zeitpunkt warst Du ja auch schon einsichtig, nicht war?

    Du hast Recht, ich war schon einsichtig oder besser gesagt: ich war trocken. Da ich mich schon nach kurzer Zeit meiner Abstinenz von zuhause ausgezogen bin, also die räumliche Trennung von meiner Familie vollzogen hatte (ich zog vom Land in die Stadt), war diese Problematik fast von Anfang an vorhanden.

    Jetzt ist es so, wenn man erst wenige Woche trocken ist, dann hat man wahnsinnig viel mit sich selbst zu tun. Vor mir lag ein Berg von (größtenteils alkoholbdingt angehäuften) Problemen, die mich quasi erdrückten. Schulden die ich heimlich gemacht hatte aber vor allem ganz viele Lügen, die ich alle aufklären wollte. Ich war also besonders am Anfang in einem sehr desolaten Zustand, wenn ich meiner Frau und meinen Kindern gegenüber trat. Auch deshalb, weil ich ja die Entscheidung zur Trennung getroffen hatte und diese Entscheidung war eine verdammt schwere. Es waren zumindest meiner Frau gegenüber sehr tränenreiche Treffen (tränenreich was meine Person betrifft, sie konnte sich glücklicherweise etwas besser abgrenzen, wenn auch nur oberflächlich wie ich heute von ihr weis). In dem Zustand in dem ich war, hätte mir wahrscheinlich sowieso niemand ein Kind mit ins Auto gesetzt, mal unabhängig vom Alkohol.

    Aber trotzdem wusste sie natürlich nicht, ob ich nicht doch wieder nur eine Schauspieleinlage hinlege. Aber dadurch, dass ich zwar erst kurz aber von mir mit absolutem Willen trocken war (und wirklich nie mehr in meinem Leben trinken wollte), hatte ich selbstverständlich Verständnis für das Verhalten meiner Frau. Es ist ja so, dass man, wenn man trocken wird, nicht sofort auch trocken denkt. Das Hirn, die Denkweise ist in bestimmten Bereichen immernoch "nass" unterwegs. Das ist ja eine der großen Herausforderungen das zu erkennen und gegenzusteuern.

    Das konnte ich hier, weil ich eben den festen Willen hatte nie mehr im Leben zu trinken und ein neues Leben anzufangen. Außerdem erdrückten mich meine Schuldgefühle dermaßen, dass ich sowieso ganz klein mit Hut war. Ich meine, ich war Täter, nicht Opfer. Und jetzt musste ich eben mit den konsequenzen meines Handelns leben was im Vergleich zu dem was ich meiner Frau und meinen Kindern angetan hatte, nahezu lächerlich war.

    Aber gut, warum schreibe ich Dir das? Weil ich bei dem was Du von Deinem Ex-Mann schreibst keinerlei solcher Ansätze erkennen kann. Du schreibst, er trinkt am Wochenende, hat es unter Woche im Griff usw. Entscheidend wäre hier jetzt zu wissen, ob er tatsächlich Alkoholiker ist. Wenn er einer ist, dann hat er gar nix mehr im Griff, egal was er erzählt. Dann kannst Du das alles vergessen.
    Wenn er keiner ist, dann kann er natürlich seinen Konsum kontrollieren. Aber so jemand muss auch nicht betonen, dass er nur am Wochenende trinkt. So jemand könnte auch sagen, er trinkt jetzt einfach mal gar nix, weil das ist ihm der Umgang mit seinen Kindern wert.

    Also es klingt für mich alles ein wenig suspekt und nicht sehr glaubwürdig. Und wenn ich tippen müsste, dann würde ich tippen, dass er ein Alki ist und die üblichen Floskeln raus haut, die ich alle sehr gut kenne. Das hilft Dir jetzt nicht weiter. Sei sehr wachsam und achte auf Deine Kinder. Ich glaube es ist trotz allem sehr wichtig, dass sie ihren Papa sehen. Aber er darf sie natürlich nicht in Gefahr bringen.

    Alles alles Gute wünsche ich Dir und Deinen Kindern.

    LG
    gerchla

    Liebe Britt,

    erst mal vielen Dank für Deine Worte. Es ist sehr schön für mich zu lesen, dass ich Dir was geben kann mit dem was ich schreibe bzw. denke.

    Zitat

    NEIN, ich MÖCHTE mich nicht trennen. Es verbindet uns einfach zu viel. Für mich stellt sich das erste Mal die Frage: MUSS ich mich trennen?

    Ich versuche zu verstehen was Du damit sagen willst. Und ich glaube es auch zu verstehen. Du möchtest gerne an Deiner Beziehung festhalten, weil sie Dir durchaus was gibt. Weil Du auch viele Gemeinsamkeiten siehst, es Dinge gibt die Du auch magst, die Dir vielleicht auch wichtig sind Ihr viel zusammen schon erlebt und durchgemacht habt. Du stellst Dir aber die Frage, ob Du Dich nicht trotzdem trennen MUSST um, ich sage jetzt mal, Deinen Frieden zu finden oder zu einem für Dich zufriedenen, einem schönen Leben zu finden. So würde ich das mal grob interpretieren.

    Vielleicht denkst Du auch, dass seitens Deines Partners gar nicht so viel dazu gehören würde, dass er gar nicht so viel dazu tun müsste um eine für Dich gute Beziehung zu erreichen. Aber es scheint so, dass er eben genau das nicht kann oder will. Aber die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt und so hofft man (Du) halt immer wieder und überlegt was denn jetzt das Richtige wäre.

    Liebe Britt, ich kann Dir gerade nichts neues schreiben. Ich finde die Worte von Drachentöter sehr gut, sie regen zum Nachdenken an. Vor allem seinen letzten Satz, den finde ich sehr sehr weise.

    Jetzt mache ich mal einen womöglich für Dich total schwachsinnigen Vorschlag. Es ist etwas, was ich aus meinem Bekanntenkreis kenne bzw. erlebt habe. Da ging es jetzt nicht primär um Alkohol sondern um die Beziehung. Es scheint mir so, dass das bei Dir auch das primäre Problem ist (jedenfalls solange Du trocken bleibst), und dass der Alkohol bzw. die Probleme die Du damit hast dadurch stark mit ausgelöst wurden. Also, was hat dieses Pärchen (eigentlich ein schon sehr lange verheiratetes Paar) gemacht:

    Sie haben sich getrennt, und zwar zunächst einmal auf Zeit. Das war klar abgesprochen. Sie ist ausgezogen, er blieb in der gemeinsamen Wohnung. Es war vereinbart, dass sie innerhalb von xy Wochen (ich weiß nicht mehr genau wie viele es waren) jederzeit und ohne großes Trara zurück kommen kann. Wenn sie das möchte. Ohne Vorwürfe, ohne "das hätte ich Dir vorher sagen können" usw.

    Das ist jetzt für Dich zwar nicht relevant aber es ging damals tatsächlich so aus, dass sie zurück gekommen ist. Nach mehreren Wochen und es ist so, dass dieses Paar heute noch verheiratet ist und, soweit ich das beurteilen kann, auch ein einigermaßen geklärtes Verhältnis hat. Ich schreibe jetzt bewusst nicht, dass die beiden seither ein Herz und eine Seele sind, denn das stimmt nicht. Aber das was vorher war, diese Zweifel ob Trennen oder nicht usw, die sind wohl weg. Also jetzt mal wirklich von außen gesehen. Sie haben sich sozusagen zusammen gerauft.

    Ich fand das als ein ganz spannendes Vorgehen. Klar, da müssen beide einverstanden sein so etwas zu probieren. Aber es ist doch für beide mal die Möglchkeit zu "testen", wie er ohne den anderen klar kommen könnte. Ohne das man gleich alles hinwirft und ins kalte Wasser springt.

    Vielleicht eine Idee die für Dich gar nicht in Frage kommt und sicher bestimmt eine Idee, die jetzt nicht so oft praktiziert wird, aber ich wollte es Dir trotzdem mal schreiben.

    LG
    gerchla

    Leider ist Alkohol in unserer Gesellschaft ganz normal. Er ist der Schmierstoff unserer Gesellschaft. Sogar unsere lieben Politiker lassen die Finger davon, den Alkoholverkauf oder die Alkoholwerbung irgendwie zu regulieren. Statt dessen belassen sie es bei Ermahnungen vernüftig damit umzugehen etc. Es ist also ganz normal Alkohol zu trinken und es ist nicht normal keinen zu trinken.

    Aber, um hier nicht nur negativ zu schreiben, es funktioniert trotzdem sehr gut ohne zu leben. Wenn Du es wirklich willst und es durchziehst, dann wird das für Dich normal werden. Und, was noch viel spannender ist, es wird auch für Dein Umfeld normal werden. Ich habe diese Erfahrung gemacht. Natürlich wissen meine Familie und meine engen Freunde das ich Alkoholiker bin. Aber es gibt auch ganz viele Menschen, die das nicht wissen, denen das auch nichts angeht. Das sind Menschen, die ich nicht ständig, aber immer wieder mal um mich habe.

    Also z. B. bei Geburtstagen, irgendwelchen sonstigen Einladungen, die Nachbarschaft wo man auch mal zusammen sitzt usw. Diese Menschen haben Anfangs ähnlich reagiert wie Du es beschreibst. "Wasn los? Warum trinkst Du keinen Alkohol mehr? Willst nicht wenigsten ein Glas mittrinken, etc.". Das hat sich sehr schnell gelegt. Es hat gar nicht so lange gedauert, bis die Leute geschnallt haben, dass der Typ halt tatsächlich keinen Alkohol mehr trinkt und heute bieten mir diese Menschen ganz automatisch immer sofort ein nichtalkoholisches Getränk an. Oder betonen sogar, dass in diesem oder jenem kein Alkohol enthalten ist. Niemanden von denen habe ich explizit gesagt, dass ich Alkoholiker bin. Spannend gell?

    Meine Nachbarin z. B. ist eine leidenschafltiche Bäckerin. Sie bringt uns mehrmals die Woche was rüber. Und sagt immer, wenn sie Alkohol mit verbacken hat, dass das nix für mich ist sondern nur für meine Frau. Ich habe meiner Nachbarin nie gesagt, dass ich Alkoholiker bin. Sie weiß nur von unseren Zusammenkünften, dass ich keinen Alkohol trinke.

    Solltest Du allerdings ein richtiges Säuferumfeld haben, wo der Sinn Eurer Zusammenkünfte, Feiern, etc. eigentlich nur darin besteht zu saufen bzw. das Trinken das wichtigste am gemeinsamen Abend ist, dann hast Du ein Problem. Denn mit so einem Umfeld wirst Du es dauerhaft sehr schwer haben ohne Alkohol zu leben. Das sind dann die Menschen, die trocken gewordene Alkoholiker (wenn sie es ernst meinen) nach und nach aus ihrem Leben entfernen. Das passiert meist ganz automatisch, weil man dann auch keinen Sinn mehr darin sieht sich an Saufgelagen (nüchtern) zu beteiligen. Und sich dieses schwachsinnige Gebrabbel, das man früher selbst von sich gegeben hat, anzuhören.

    Alles Gute weiterhin. Würde mich freuen, wenn Du ab und an mal berichtest welche Erfahrungen Du gemacht hast. Auch oder gerade dann, wenn es gut bei Dir ausgeht.

    LG
    gerchla

    @ Caroline

    Tatsächlich frage ich mich das auch und wundere mich. Aber ich habe meine Frau wirklich gefragt, lange nach meinem Outing, ob sie wirklich nichts gemerkt hat. Sie sagte, dass sie natürlich bemerkt hat, dass irgendwas nicht stimmt und auch das es schlimm ist. Auf Alkohol wäre sie jedoch nie gekommen.
    Nun ist es so, dass wir uns wirklich auch "außeinander gelebt" hatten, d. h. in der Praxis hatte ich uns außeinander gelebt. Wir gingen getrennt in Bett, ich viel später als sie (da gab ich mir dann immer den Rest). Durch mein Doppelleben war ich viel unterwegs und konnte dort ungestört trinken usw.

    Manchmal, wenn es ganz schlimm war mit dem Riechen, habe ich ganz kreativ für sie z. B. ein Biermischgetränk mitgebracht und mal einen Schluck davon "probiert" und schon war der Geruch erklärt. Oder manchmal gab ich vor, heute mittags mit wichtigen Leuten beim Essen gewesen zu sein und dort ein alkoholfreies Bier getrunken zu haben usw. Also ich war das sehr kreativ. Entscheidend war aber wohl, dass wir eigentlich parallel nebenher gelebt haben. Dann war meine Frau auch nicht gesund, sie litt an einer Autoimmunerkrankung und war dadruch auch sehr stark mit sich selbst beschäftigt. Über Jahre hinweg.

    Ich sag es ja immer, da spielten viele Faktoren eine Rolle. Normal ist das so nicht möglich mit dem Verheimlichen. Ich würde es aber hier nicht schreiben, wenn sie mir das nicht genau so bestätigt hätte. Und glaube mir, meine Frau war jetzt kein naiver weltfremder Mensch der nix mitbekommt. Oft hat sie auch den Nagel mal auf den Kopf getroffen und ich konnte mich aber heraus lügen.

    Gott, es war einfach nur ganz schlimm. Ich bin so froh, dass ich heute wieder mit ihr reden kann und wir ein gutes Verhältnis haben. Es ist einfach fürchterlich was ein Alkoholiker seinem Umfeld antut, und das meist sogar ohne es richtig zu kapieren.

    LG
    gerchla

    Hallo Ailin,

    herzlich Willkommen bei uns im Forum.

    Ich stelle mich mal kurz vor: Ich bin Ende 40, Alkoholiker, Vater von 3 Kindern (zu meiner nassen Zeiten waren es 2) und lebe jetzt schon mehrere Jahre ohne Alkohol.

    Ich will mal versuchen auf einige Deiner Fragen einzugehen bzw. Dir meine Erfahrungen mitteilen.

    Zitat

    Ich habe ihn gefragt, ob er neben seiner Aggression seinen Kindern jetzt auch noch einen Alkoholiker als Vater antun will.


    Dazu möchte ich erst mal sagen, dass ich nicht denke, dass er seinen Kindern absichtlich irgendwas antun oder zumuten möchte. Würde mich wundern. Ich vermute auch mal, dass er Dir das nicht antun wollte. Ich denke, das zeigt seine Reaktion des in sich zusammen sackens, dass er sich einfach nur schämt für seine Sucht und auch für das was er Euch damit antut. Dass er sich als Versager fühlt, als ein Gescheiterter, als jemand, der es an die Wand gefahren hat. Diese Sucht hat nichts mit wollen zu tun, denn dann wäre sie keine Sucht wenn sie mit dem Willen kontrolierbar wäre. Es hat damit zu tun, dass er nicht mehr anders kann. Er ist süchtig = er ist krank = da kommt er so einfach nicht mehr raus.

    Aber um eines auch gleich mal klar zu stellen: Das heißt für mich nicht, dass er nicht schuld wäre oder das er nichts dafür kann. Schließlich wird ihn niemand dazu gezwungen haben Alkohol zu trinken und darüber zum Alkoholiker zu werden. Das heißt für mich nicht, dass Du ihn bemittleiden musst und größtes Verständnis aufbringen sollst. Nein, beileibe nicht. Es soll Dir einfach nur erklären, dass er im Moment nicht so kann wie er vielleicht möchte oder wie es für andere gut wäre. Es ist gut für Dich, wenn Du verstehst was im Hirn eines nassen Alkoholikers passiert. Dann kannst Du Dich besser schützen, die Dinge für Dich besser einordnen.

    Zitat

    Kann man das so gut verstecken, dass ich es davor nicht gemerkt habe?


    Ja, kann man. Ich habe ca. 15 Jahre lang abhängig getrunken. Meine Frau hat nichts davon bemerkt. Meine Ehe wurde in den letzten Jahren meiner Trinkerei immer schlechter, meine Frau hat auch alles mögliche versucht um irgendwie an mich ran zu kommen, um irgendwie diese langjährige Ehe (die durchaus eine Liebesheirat war) zu retten. Sie hat ja gemerkt, dass alles den Bach runter geht. Sie wusste nur nicht warum.

    Und jetzt sage ich Dir, dass ich die letzten Jahre pro Tag zwischen 10 und 12 Bier plus oft noch ner Flasche Wein getrunken habe. Heimlich, wohl gemerkt. Hätte meine Frau zur richtigen Zeit am richtigen Ort nach Plastikbierflaschen gesucht, wie wäre wahrscheinlich vor Entsetzen umgekippt. Aber wer sucht schon im Reserveradkasten des Autos nach Bierflaschen?

    Bei mir fing das ganz harmlos an. Und auch noch ganz öffentlich, ohne Geheimhaltung. Ich begann irgendwann "mein" Feierabendbierchen zu trinken. Erst nur ab und zu, dann irgendwann fast täglich. Nur eins, mehr trank ich bestenfalls mal, wenn wir abends irgendwo auf einer Feier waren. Irgendwann wurde das dann ein Thema für meine Frau, die mich ansprach weil ich ja wirklich täglich ein Bier trank. Ich versprach ihr das zu lassen bzw. nur noch ab und an mal ein zu trinken und tat das dann auch. Doch irgendwann war ich dann doch wieder bei einem Bier täglich. Wieder sprach sie mich an, wieder änderte ich mein Trinkverhalten. Schon damals fiel mir das nicht leicht, schon damals war ich im Grunde abhängig, auf jeden Fall aber stark gefährdet. Ich wusste es nur nicht.

    Nun dieses "Spielchen" machten wir ein paar mal. Bis ich irgendwann hochoffiziell verkündetete, dass ich erst mal gar nix mehr trinke. Und da begann ich dann heimlich zu trinken. Wie Du es von Euch beschreibst, war bei uns im Haus bis zum Schluss offiziell fast kein Alkohol zu finden. Da stand nie ein Bierkasten rum (weil ich trank ja nix), da standen nur ein paar geschenkte Schnapsflaschen im Regal (auf Schnaps bin ich nie umgestiegen, wäre aber sicher irgendwann auch noch gekommen). Ich trank auch auf Veranstaltungen usw. nur sehr moderat, also offiziell. Um mir mein Level zu holen ging halt mal auf die Toiliette, wo ich aber in Wahrheit schnell zum Auto lief um 2 oder 3 Bier auf ex aus meinem Reserveradkasten in mich hinein zu schütten. Zurück auf der Veranstaltung nippte ich dann an meinem offiziellen Bier weiter.

    Also Du siehst, da geht schon einiges. Wobei ich sagen muss, dass es äußerst selten ist, dass jemand seine Sucht derart verheimlich kann und auch über so eine lange Zeit, wie das bei mir der Fall war. Unterschiedliche Umstände haben das ganze begünstigt (leider), so dass ich dieses Spielchen spielen konnte. Auf jeden Fall musste ich meiner Frau bei meinem Outing (das ich selbstentschieden habe) meine Vorräte zeigen, sie hat mir nämlich nicht geglaubt.

    Wie Du Dir denken kannst, funktioniert das alles nur mit lügen und betrügen. Das beantwortet vielleicht Deine Frage, was Du eigentlich noch glauben kannst. Ich würde da mal sagen: Gar nix. Niemand lügt besser als ein nasser Alkoholiker. Schauspielerisch sind nasse Alkoholiker ebenfalls höchst begabt. Ich habe mir im Laufe meiner Trinkerzeit ein sehr umfangreiches Doppelleben aufgebaut. Details will ich jetzt hier gar nicht erzählen aber es war sehr umfangreich. Ein normaler Mensch würde nicht glauben, dass so etwas überhaupt möglich ist. Das alles funktioniert nur mit ganz vielen Lügen, mit viel Betrügen, mit Tarnen und Täuschen.

    D.h. also, ein nasser Alkoholiker kann Dir erzählen was er will. Er kann Dir versprechen was er will, er kann schwören und vor Dir auf die Knie fallen: Du kannst es nicht glauben. Er kann auch mal durchaus die Wahrheit sagen, aber zumindest bei mir war der Anteil der wahren Geschichten der deutlich geringere. Es ging so weit, dass ich irgendwann selbst nicht mehr wusste was stimmte und was nicht. Und wenn man Lügen auf vorangegangen Lügen aufbaut, dann entsteht da irgendwann ein gewaltiges Kartenhaus. Und wenn man sich in diesem Kartenhaus dann nicht mehr so genau auskennt, weil man selbst nicht mehr weiß was stimmt und was nicht, dann kann ganz schön in Stress geraten. So war das bei mir mehrmals, wo ich dann nur durch äußerst kreative erneute Lügen und schauspielerischen Glanzleistungen den Kopf aus der Schlinge bekam.

    Du kannst Dir vorstellen, wieviel Stress das für den Trinker bedeutet. Und wie kompensiert der Trinker diesen Stress? Genau, er trinkt ihn weg. Mehr Stress = mehr trinken = Sucht verfestigt sich bzw. wird immer schlimmer.

    Zitat

    Er hätte seinen Konsum runtergefahren, würde nur noch am Wochenende und auch nicht mehr alleine trinken. Und würde nie Trinken, wenn er Auto fahren müsste.


    Was Du davon halten kannst: siehe oben.

    Als ich trocken wurde, trennte ich mich von meiner Frau. Damit "verlor" ich auch meine beiden Kinder, zumindest was den täglichen Umgang betraf. Nun wollte ich sie aber ja sehen, etwas mit ihnen machen. Ich liebte (und liebe) meine Kinder über alles (trotzdem konnte ich übrigens ihnen zuliebe nicht mit dem Trinken aufhören = da siehst Du mal wie stark die Sucht ist).

    Meine Ex-Frau hat mir verboten mit den Kindern Auto zu fahren. Obwohl ich ja bereits trocken war. Aber woher sollte sie wissen dass das stimmt? Also durfte ich meine Kinder nur mit dem Zug abholen. Oder ich musste etwas im unmittelbaren Umfeld mit ihr machen oder später, als mein großer dann den Führerschein hatte, hat er mir seine Schwester gebracht und sie wieder geholt.

    Und ich sage Dir: Recht hat sie gehabt, meine Ex-Frau. Vollkommen Recht. Genau richtig hat sie das gemacht. Ich wurde nicht rückfällig, bin jetzt viele Jahre trocken aber er hätte das denn wissen bzw. voraussehen können?
    Es dauerte seine Zeit, bis wieder Vertrauen zwischen meiner Ex-Frau und mir wachsen konnte. Als sie sah wie ich mich körperlich und auch charakterlich veränderte, als sie mitbekam, dass ich mittlerweile an Marathonläufen teilnehme, das mein ganzes Verhalten sich grundlegend geändert hat und dass ich auch wieder in einer neuen Beziehung glücklich war, da hat sie vertraut, dass ich die Sucht wirklich überwunden habe. Und seither fahre ich natürlich auch wieder mit meiner Tochter Auto. Und mittlerweile natürlich auch mit der kleinen Schwester meiner Tochter :)

    Das hat gedauert, diese Zeit sollte man sich aber nehmen.

    Ich finde Dietmar hat die Situation in der Du gerade steckst, recht gut auf den Punkt gebracht. Da bist einerseits Du, der so hintergangen wurde, vor einer gescheiterten Beziehung steht und jetzt irgendwie damit klar kommen muss UND da sind andererseits die Kinder, die ihren Papa sicher lieben und wo es eben auch eine Regelung geben muss.

    Was Dich betrifft, so will ich Dir den Denkanstoss geben, mal darüber nachzudenken, Dir Hilfe von außen zu holen. Also jenseits diess Forum. Meine Ex-Frau hat einen Psycholgen aufgesucht, der/die hat ihr sehr geholfen das alles zu verarbeiten. Und eben auch viele Tipps gegeben, wie das mit mir und den Kindern ablaufen könnte. Mittlerweile haben meine Ex-Frau und ich ein recht gutes Verhältins. Wir können wieder sehr gut miteinander reden (besser als in den letzten Jahren unserer Ehe) und wir natürlich auch mal darüber gesprochen. Sie hat mir das erzählt. Ich glaube es könnte Dir helfen, wenn Du den richtigen Psychologen findest, sehr helfen. Das ist ja nichts banals, ich denke auch bei Dir sind Lebensträume einfach so geplatzt. Wir haben übrigens damals auch für unsere Tochter Hilfe gesucht und sind mit ihr gemeinsam zum Kinderpsychologen. Auch etwas, was evtl für Dich bzw. Deine Kinder hilfreich sein könnte. Was Kinder da durchmachen ist enorm und nicht zu unterschätzen. Meiner Tochter ging es damals sehr schlecht, wirklich sehr sehr schlecht.

    Das mit dem Umgang der Kinder ist sicher nicht so einfach. Die Frage ist, ob Dein Ex jetzt tatsächlich einfach weiter säuft. Wenn ja, dann musst Du das irgendwie regeln. Er ist da dann ja sowieso nicht mehr zurechnungsfähig. Ich kenne von Bekannten, dass es auch einen Umgang mit Begleitpersonen gibt. D.h. der Vater darf seine Kinder sehen, auch mehrere Stunden mit ihnen verbringen, jedoch ist immer eine Begleitperson dabei. Bei so etwas kann Dich das Jugendamt beraten. Das ist also jetzt gerade eine nicht ganz einfache Situation.

    Mich hätte es damals bestimmt sehr getroffen, wenn meine Frau das Jugendamt eingeschaltet hätte. Auch wenn ich das aus heutiger Sicht durchaus verstehen könnte. Wir konnten uns aber anderweitig einigen, weil ich auf das Auto fahren verzichtet habe und Anfangs meine Tochter auch nur ein paar Stunden gesehen habe, kein Übernachten oder so. Und dann wusste ich ja, dass ich trocken bin und ich tat auch alles dafür trocken zu bleiben. Und mir war auch klar, dass ich nachdem was ich verbrochen hatte, erst mal wieder Vertrauen aufbauen muss. Und dafür tat ich dann auch alles.

    Wie das jedoch bei Deinem Ex ist, das kann ich natürlich nicht sagen. Wein und Schnaps im Urlaub, ja mein Gott, das klingt jetzt leider nicht sehr vielversprechend. Du kannst ihn ja mal fragen, was er denn jetzt so macht bezüglich seiner Sucht, ich meine natürlich ganz sachlich ohne Vorwürfe ect.. Ob er einen Psychologen besucht, ob er eine Therapie macht, ob er in eine Selbsthilfegruppe geht usw. Schau mal wie der dann reagiert. Wobei Du ja jetzt weißt, dass ein nasser Alkoholiker ein brillanter Lügner ist. Du hast hier also eine nicht ganz einfache Situation.

    Ich wünsche Dir einen guten Austausch hier im Forum und alles Gute für Deine Zukunft und ich hoffe, dass Du gute und richtige Entscheidungen treffen kannst.

    LG
    gerchla

    Sehr gute Idee.

    Und jetzt achte mal genau darauf, wie es Dir damit geht. Das ist jetzt entscheidend. Wenn es gut bzw. problemlos funktioniert, dann solltest Du aber unbedingt darauf achten, wie Du nach Beendigung dieses kleinen Selbstversuchs weiter machst. Auf jeden Fall nicht so wie vorher.

    Wenn Du (was ich nicht hoffe) Probleme bekommst oder gar Deine Abstinenz unterbrechen "musst", dann weißt Du hoffentlich was die Stunde geschlagen hat. Wo Du uns findest weißt Du ja auch.

    Alles Gute.
    LG
    gerchla

    Hallo Anja,

    Herzlich Willkommen hier im Forum.
    Ich bin Ende 40, Alkoholiker und lebe nun schon mehrere Jahre ohne Alkohol.

    Ich finde es eine gute Idee, wenn Du mal 2 Monate ohne Alkohol ausprobierst. Schau mal wie es Dir ergeht. Ob Du dauernd an Alkohol denken musst oder es locker schaffst.

    Es ist eigentlich ganz einfach: wenn Du bereits süchtig bist, wird Dir das nicht leicht fallen. Ich hatte solche Trinkpausen monatelang am Anfang meiner Sucht. Das ging zwar, jedoch war der Wunsch nach Alkohol immer da. Mal stärker mal ganz wenig, aber er war da. Jemanden der nicht süchtig ist bzw. der nicht gefährdet ist, den juckt das überhaupt nicht. Weil der Alkohol für diese Menschen ja komplett nebensächlich ist.

    Damit war klar, dass ich wieder trinken werde, wenn ich dem Druck nachgebe. Und so war es dann auch immer, nach jeder Trinkpause wurde es etwas schlimmer. Ich hatte damals aber keine Ahnung was das alles bedeutet und dass ich auf den Weg in eine ganz schlimme Zeit war. Es war der Beginn meiner Alkoholikerkarriere. Sie schlimmste Zeit meines Lebens....

    Wenn Du also süchtig sein solltest, dann wird es nur mit totaler Abstinenz funktionieren. Wenn nicht, dann kannst du die Kurve noch bekommen. Allerdings scheinst Du einen „Hang“ zum Alkohol zu haben. Du musst also auch dann sehr aufpassen und solltest nur sehr selten trinken. Dein Trinkverhalten müsstest Du also auf jeden Fall verändern denn Du merkst ja wohin das führt.

    Aber es geht übrigens auch sehr gut ganz ohne Alkohol. Auch wenn Du noch nicht süchtig bist kann das eine Option sein, warum denn nicht?

    Alles Gute und einen guten Austausch hier im Forum wünsche ich Dir

    LG
    Gerchla

    Liebe Britt,

    das ist nicht schön, was Du da schreibst. Ich hatte die Hoffnung, dass Du bzw. Ihr mit Hilfe der Eheberatung oder Paartherapie ein Stückchen weiter voran kommt. Du hast darüber nichts mehr berichtet, was Du ja auch nicht musst wenn Du nicht möchtest. Ich dachte, dass Du da positive Erfahrungen machst und dass Ihr beide gemeinsam voran kommt.

    Hört sich nun aber gerade nicht so an.

    Ich kann Dir jetzt nicht viel schreiben. Nur so viel vielleicht: Müssen tust Du gar nichts. Die Frage ist nicht ob Du Dich trennen müsstest, die Frage ist, ob Du Dich trennen willst. Wenn Du es wirklich willst, dann solltest Du es auch tun. Leichtfertig hinwerfen sollte man meiner Meinung nach eine Beziehung nicht. Ich denke aber, ohne jetzt die genaueren Umstände zu kennen, dass Du das sicher nicht tust. Denn immerhin bist Du ja auch den Weg in eine Beratung gegangen, hast also wirklich versucht etwas zu verändern, hast nicht "einfach" alles hingeworfen.

    Nun scheint es an Dir zu sein eine Entscheidung für Dich zu treffen. Und Dir auch ehrlich die Frage zu stellen, ob Du glaubst, dass es Dir danach, wirklich besser geht. Ich meine damit nach einer Trennung und ich meine das auch langfristig gesehen. Das es etwas dauert bis man wieder in die Spur gefunden hat und mit der neuen Lebenssituation zurecht kommt, das ist klar. Aber die Frage ist schon, ob es das ist, was Du wirklich willst. Das meinte ich mit, dass Du nichts musst, sondern nur das tun solltest, was Du willst.

    Was die Angst vor dem Verletzen Deiner Familie betrifft: Ich weiß ja nicht wie das bei Dir genau ist aber bei mir wäre und ist die schlimmste Verletzung die ich meiner Familie antun könnte, wenn ich wieder zu trinken anfangen würde. Deshalb habe ich alles dafür getan und tue immernoch alles dafür, wirklich alles, dass das nie mehr passiert.

    Du schreibst ja immer wieder, auch in anderen Posts, dass Du es einfach nicht hinbekommst, zufrieden trocken zu sein. Da haben wir ja anderweitig schon darüber diskutiert. Kannst Du für Dich die Frage beantworten, was es aus Deiner Sicht bräuchte um zumindest zufrieden zu sein? Ich meine damit nicht glücklich sein, das ist ein ganz großes Ziel, auch eines, dass bestimmt nicht so einfach zu erreichen ist. Aber zufrieden, einfach zu sagen: Ja, es ist ganz ok so wie es ist, ich habe nicht das Bedürfnis aus dieser Welt entfliehen zu müssen. Es passt schon so, wie es gerade ist. Kannst Du für Dich beantworten was es dazu bräuchte? Die Beantwortung dieser Frage könnte Dich vielleicht weiter bringen. Sie könnte Dir vielleicht aufzeigen, was Du tun musst um dieses Ziel zu erreichen.

    Ich wünsche Dir, dass Du weiter kommst und dass Du irgendwann mal schreibst: Ich bin zufrieden mit meinem Leben

    LG
    gerchla

    Hallo DieBibi,

    erst mal herzlich Willkommen hier bei uns im Forum.

    Ich stelle mich mal kurz vor: Ich bin Ende 40, Alkoholiker und lebe jetzt schon mehrere Jahre ohne Alkohol.

    Erst mal möchte ich Dir sagen, dass es sehr gut ist, dass Du Deine Sucht erkannt hast und jetzt aktiv etwas dagegen unternehmen willst. Ebenfalls sehr gut finde ich es, dass Du Dich einem Arzt anvertraut hast. Das ist ein Schritt, der den meisten Alkoholikern sehr schwer fällt. Du bist diesen Schritt bereits gegagen, auch wenn Dir das, was der Arzt Dir dann gesagt hat nicht so ganz Deinen Vorstellungen entspricht.

    Ich möchte erst mal auf Deine Idee, in 3 Tagen heimlich in einer Klinik zu entziehen zu sprechen kommen. Da ist die Zeit dann doch etwas zu knapp. Ist zwar so, dass in der Regel der körperliche Entzug nach ein paar Tagen bis hin zu einer Woche einigermaßen abgeschlossen ist, jedoch ist das individuell unterschiedlich.

    Aber jetzt mal im Ernst. So funkioniert die ganze Geschichte auch nicht. Du darfst Dir das nicht so vorstellen, dass Du da jetzt mal hin gehst, schnell körperlich entziehst und dann ist das Gröbste geschafft. Das Gegenteil ist der Fall. Nach dem körperlichen Entzug, den Du eben wenn es irgendwie geht unbedingt in betreuter Form machen solltest (gibt da übrigens auch noch den ambulanten Entzug, vielleicht wäre das ja auch eine Alternative) geht die eigentliche Arbeit erst los. Ich kann Dir nicht empfehlen einfach selbst kalt zu entziehen. Da spielst Du dann tatsächlich im schlimmsten Fall mit Deinem Leben.

    Dein Problem ist einfach, dass Du es heimlich machen möchtest. Du willst heimlich mit dem Trinken aufhören damit niemand mitbekommt, dass Du jemals getrunken hast. Und da kann ich Dir jetzt mal kurz meine Geschichte erzählen.

    Ich trank sehr viele Jahre abhängig. Viel länger als Du das von Dir schreibst. Ich denke mal, ich werde da auf jeden Fall an die 15 Jahre kommen. Die letzten paar Jahre dieser 15 waren unterträglich. Ich trank mindestens 10 Bier am Tag, meist jedoch noch mehr und oft auch noch Wein dazu. Täglich und bereits am Morgen damit beginnend. Ich war fertig mit meinem Leben. Nebenher hatte ich aber noch meine Familie, Frau und zwei wunderbare Kinder, einen tollen Job und war der Held in unserer Familie.

    UND: Ich trank komplett heimlich. All die Mengen an Alkohol nahm ich heimlich zu mir, selbst meine Frau hat das nicht mitbekommen. Zwar merkte sie, dass unsere Ehe immer mehr den Bach runter ging, dass sie keinen "Zugriff" mehr auf mich hatte. Auf Alkohol kam sie jedoch nicht. Ich hatte mir auch ein wunderbares Doppelleben aufgebaut und so konnte ich es tatsächlisch schaffen, diese enormen Mengen zu trinken, ohne aufzufliegen. Sowas ist sehr sehr selten, denn meist weiß das Umfeld längst, dass jemand ein Alkoholproblem hat bevor derjenige es selbst bemerkt.

    Vielleicht denkst Du mal darüber nach, wie das bei Dir ist? Bist Du sicher das keiner weiß das Du trinkst?

    Nun gut, meine Familie wusste es nicht, was, wie gesagt, äußerst selten vorkommt und ich musste bei meinem Outing meiner Frau auch erst alle meine Alk-Verstecke zeigen, damit sie mir das dann geglaubt hat.

    Was ich Dir aber eigentlich sagen wollte: All die vielen Jahre wo ich trank, hatte ich natürlich immer wieder mal den festen Vorsatz (so wie Du jetzt), mit den Trinken aufzuhören. Und immer dachte ich mir: Da Du ja heimich trinkst, kannst Du auch heimlich aufhören. Und dann bekommt keiner was mit. Eine echte WIN-WIN-Situation sozusagen.

    Ich höre heimlich auf, habe mein Leben wieder im Griff, bleibe der Held in der Familie, verliere nicht mein Gesicht usw. Alles toll alles gut. So schwer kann das dann doch auch nicht sein. Selbstverständlcih machte ich mir dabei keine Gedanken über kalten Entzug oder ähnlichem, ich hörte halt einfach auf. Mehrmals habe ich das getan. Erst in den lezten paar Jahren meiner Trinkerkarriere war mir das nicht mehr möglich, da war ich dann nämlich schon so tief unten, dass die körperlichen Symptome klar zu erkennen waren und ich auch gar keinen Sinn mehr im Aufhören sehen konnte.

    Aber gut, vorher hörte ich mehrmal auf. D. h. ich legte Trinkpausen ein. Mehr wurde da nämlich nie daraus. Anfangs schaffte ich Trinkpausen von mehreren Monaten, später dann Wochen, irgendwann mal nur noch ein paar Tage. All diese Pausen begannen aber immer mit dem festen Vorsatz nicht mehr trinken zu wollen. Einige davon sogar mit dem Vorsatz NIE mehr trinken zu wollen.

    Es misslang immer. Warum? Weil ich keine Ahnung hatte, wie mächtig diese Sucht ist. Weil ich mir mit meiner Heimlichtuerei auch immer ein Hintertürchen offen gehalten habe. Denn als ich dann wieder trank, war für mein Umfeld kein Unterschied zu vorher zu bemerkten. Da war keiner der sagte: Hey, ich dachte Du bist Alki und trinkst nicht mehr? Da war keiner, der wusste das ich Alkoholiker bin und der mir deshalb nichts alkoholisches zu trinken anbot. Da war keiner, der wusste, warum ich beim Geburtstag nicht mit Sekt anstoße und mir ganz automatisch einen O-Saft rüber reichte.

    Und da war dann noch die Sucht, die mir immer sagte: Mensch, jetzt hast Du sooooo lange nichts getrunken, ich habs Dir doch gesagt, Du bist gar nicht süchtig. Kannst ruhig mal wieder was trinken. Kannst ja auch wieder aufhören, siehste ja, hast ja jetzt auch geschafft. Und hey, merkt ja auch keiner, weiß ja auch keiner. Also sei mal nicht so streng zu dir, ein Bierchen geht schon....

    Tja und genau so, fing es immer wieder von vorne an uns wurde immer schlimmer.

    Erst als ich ganz unten war, da habe ich es anders gemacht. Da bin ich zu meiner Familie und habe mich geoutet. Sie fielen aus allen Wolken und mein bisheriges Leben war damit beendet! Das war mir klar, das wusste ich und ich denke dessen bist Du Dir auch bewusst. Ich erzählte es auch meinen Geschwistern und meinen besten Freunden. Und dann gings erst richtig los. Ich ging sofort in eine Selbsthilfegruppe, ich ging zum Psychologen, natürlich auch zum Arzt, ich holte mir noch anderweitig psychologische Hilfe. Um diese gefährlich Sucht irgendwie überwinden zu können. Da war körperlich längst alles prima.

    Schon nach ein paar Tagen hätte ich Bäume ausreißen können, körperlich gesehen. Psychisch jedoch, dauerte es Monate bis ich wenigsten einigermaßen stabil war. Das ist übrigens auch der Grund, warum viele den Weg einer stationären Therapie wählen. Wenn Du nicht mal die Entgiftung in der Klinik machen willst, dann wirst du eine monatelange stationäre Therapie sicher auch komplett auschließen. Ich hatte keine, jedoch sehr viele Einzelmaßnahmen, die ich mir selbst zusamengeschneidert hatte.

    Aber mit verheimlichen wäre das alles natürlich nicht gegangen. Weißt Du, man muss nicht jeden auf die Nase binden das man Alkoholiker ist. Z. B. sollte man sich gut überlegen, ob es Sinn macht das in der Arbeit zu erzählen. Das unmittelbare Umfeld sollte es aber meiner Meinung nach schon wissen. Das ist reiner Selbstschutz. Diese Sucht (ich wiederhole mich) ist verdammt mächtig. Sonst würden nicht Millionen in unserem Land davon betroffen sein und einfach auch nicht mehr davon weg kommen.

    Es ist absolute Minderheit, die es schafft die Alkoholsucht zu besiegen. Da kannst Du Dir vielleicht vorstellen, dass das nicht mit "ich möchte aber dieses nicht und ich möchte auch jenes nicht" funktioniert.

    Bei mir funktionierte es erst, als ich bereit war absolut alles dafür zu tun von dem Zeug weg zu kommen. Ich war auch bereit eine stationäre Therapie zu machen. Und wenn es sein hätte müssen, hätte ich auch landesweit im TV verkündet, dass ich Alkoholiker bin. Mir war das alles egal. Ich wollte einfach nur weg von dem Zeug.

    Bist Du schon so weit? Oder willst Du zwar weg aber zu Deinen Bedingungen? Letzteres wird schwer. Denn die Sucht nutzt jede noch so kleine Schwäche und Lücke aus um Dich bei der Stange zu halten.

    Deshalb würde ich, auch wenn Du Dir das jetzt vielleicht gar nicht vorstellen kannst, offener mit Deiner Sucht umgehen. Und dadurch den Wunsch nach einem abstinten Leben die absolute Priorität in Deinem Leben einräumen. Erst kommst Du und Deine Abstinenz, dann kommt lange nix, und dann Deine Kinder, Deine Familie, Freunde usw.

    Denn Du musst bedenken: Wenn Du weiter trinkst, egal warum, egal aus welchen Gründen Du nicht aufhören konntest, dann wirst Du und damit auch Dein Umfeld, Deine Kinder usw. zu Grunde gehen. So ist das leider.

    Ich wünsche Dir einen guten Austausch hier im Forum und alles alles Gute für Deine Zukunft.

    LG
    gerchla

    Hallo zusammen,

    @ greenfox, @ woko Ich wünsche Euch beiden, dass es Euch bald wieder richtig gut geht! Super, dass Ihr das auch aktiv angeht und wie woko schreibt Euch selbstbestimmt um Eure psychische Gesundheit kümmert. Ich kenne einige Menschen, jetzt auch mal völlig unabhängig vom Alkohol, die genau das nicht tun. Weil sie psychische Probleme einfach ignorieren oder sogar als Schwäche ansehen und deshalb einfach ignorieren bzw. sogar noch darüber witzeln. Da sind aus meiner Sicht ein paar tragische Geschichten dabei.

    Zum Thema zufriedene Abstinenz möchte ich noch sagen, dass natürlich die Definition von "Zufriedenheit" möglicherweise auch für jeden etwas anders aussieht. Ich denke man kann Zufriedenheit auch nicht mit Glücklich sein auf eine Stufe stellen. Wirklich richtig glücklich sein ist für mich nochmal ein ganzes Stück mehr als zurfrieden sein. Und ich glaube auch nicht, dass man erwarten kann, dass man "nur" weil man jetzt nicht mehr trinkt, plötzlich glücklich ist.

    Dazu gehört dann schon noch ein wenig mehr. Vielleicht gehört dazu auch tatsächlich etwas Glück, das eben auch nicht jeder hat. Aber ich denke, dass man ein zufriedenes Leben schon erreichen kann. Vielleicht ist das auch eine Frage der eigenen Einstellung, der eigenen Erwartungen. Ich meine das grundsätzlich, auf die Dauer hin gesehen. Das es selbstveständlich auch in einem abstinenten Leben mal (auch längere) Phasen gibt, wo es einfach nur sch...e läuft, wo schlimme Dinge passieren, das gehört zu einem normalen Leben dazu. Beim einen schlägt das Schicksal mehr zu beim anderen weniger. Der eine hat mehr Pech im Leben, der andere weniger. Nicht immer ist man daran aber selbst schuld. Was man aber halt nicht erwarten darf ist, dass man nur weil man jetzt nicht mehr trinkt, von allem verschont bleibt.

    Für mich ist eine unzufriedene Abstinenz, um das ganze jetzt mal umzudrehen, eine Abstinenz, wo ich eigentlich immer trinken möchte. Nicht wo vielleicht mal ab und an in bestimmten Situationen der Wunsch nach Alkohol aufkommt, sondern wo der Wunsch nach Alkohol eigentlich immer irgendwie präsent ist. Wie es eben oft am Anfang der Fall ist. Wenn man auf Dauer diesen Druck spürt, immer über den Kopf steuert und sich sagt, dass es trotzdem besser ist nicht zu trinken obwohl man eigentlich gerne möchte, dann denke ich an eine unzufriedenen Abstinenz.

    Und damit ich nicht falsch verstanden werde: Es es trotzdem besser diese unzufriedene Abstinenz auszuhalten, als wieder mit dem Trinken anzufangen. Schön wäre es natürlich, auch den Druck los zu werden.

    LG
    gerchla

    Guten Morgen lieber Frank,

    Zitat

    Sie setzt alles daran, das ich in Zukunft für S I E keinerlei Unterhalt zahlen muss und das finde ich klasse!!!

    Genauso war bzw. ist es bei mir auch. Trotzdem hat meine Ex-Frau von mir das Angebot, dass sie sich jederzeit an mich wenden kann, wenn sie mal außer der Reihe was braucht. Ab und an, wenn sie mir z. B. erzählt, dass sie beim Auto eine größere Reparatur hatte, dann frage ich auch aktiv nach, ob ich sie finanziell unterstützen kann. Auch wenn sie in den Urlaub fahren. Meist lehnt sie ab, manchmal nahm sie es an. Und das ist gut so. Ich sehe ja auch, dass sie es nicht dicke hat. Alleinerziehend, wieder im Berufsleben und nebenher hat sie auch noch ein paar andere Verpflichtungen, die sie ganz schön in Anspruch nehmen (z. B. kümmert sie sich um ihre bereits recht alten Eltern, was auch nicht gerade einfach ist).

    Und was ich halt auch nicht vergesse und nicht vergessen will: Ich war bzw. bin derjenige, der für ihre jetzige Situation verantwortlich ist. Zumindest im großen Maße. Ich würde das jetzt nicht mehr als Schuldgefühle bezeichnen, jedoch spüre ich hier eine Verantwortung, die ich mir auch nicht nehmen lassen möchte.

    Und, ich habe das ganz große Glück jetzt eine Frau zu haben, die diesen Weg mit mir geht. Was ich mittlerweile bei geschiedenen und wiederverheirateten Paaren alles so erlebt habe, oft vom neuen Partner ausgehend, da glaube ich, dass ich da echt in einer sehr angenehmen Situation stecke. Meine jetzige Frau hat gar kein Problem damit, wenn wir meine Ex-Frau mal unterstützen. Das nimmt mir ganz viel Druck.

    Also, was ich eigentlich sagen möchte: Hört sich echt toll an was Du schreibst. Besonders freut es mich, dass Du Dich damit wohl fühlst und dass Du so einen guten Kontakt zu Deinem Kleinen hast.

    Bis bald

    LG
    gerchla

    Liebe Ira Jean,

    wenn ich Dich so lese, dann wird mir sehr bewusst, dass ich als Alkoholiker wahrscheinlich die gleichen Schwierigkeiten habe einen Co-Abhängigen zu verstehen, wie die Co-Abhängigen Schwierigkeiten haben das Verhalten der nassen Alkoholiker zu verstehen.

    Du lässt Dich beleidigen, erniedrigen, wie ein Stück Dreck behandeln und hast aber trotzdem Angst, er könnte schlecht von Dir denken. Es ist klar, dass Du hier psychisch gesehen ein Riesenproblem hast, Du bist krank, wenn ich das mal so offen sagen darf. Ich will Dich damit nicht angreifen und ich sage das als jemand, der ebenfalls psychisch erkrankt war/ist. Meine Alkoholsucht war bzw. ist nichts anderes als eine psychische Erkrankung, so sehe ich das für mich zumindest. Und ich konnte diese Krankheit nur in den Griff bekommen, weil ich das erkannt habe und weil ich mir helfen habe lassen. Oder besser gesagt: mir aktiv Hilfe gesucht habe.

    Wenn ich Dir etwas raten darf, dann bitte mach das auch. Lass Dir helfen und nimm diese Hilfe bitte auch an. Ich möchte keinesfalls über Dich und Dein Verhalten urteilen, ich glaube, Du kannst Dich im Moment einfach nicht anders verhalten. Du musst so denken wie Du gerade denkst und das, obwohl Dein Kopf Dir das durchaus auch ganz anders sagt. Aber Du kommst einfach nicht aus Deinem Co-Kreislauf heraus. Und da denke ich jetzt einfach mal an meine Trinkerzeit zurück, denn da war es ja im Grunde genau das Gleiche, nur auf der anderen Seite dieser Geschichte. Mir hätte man auch sagen können was ich tun soll, mich hätte oder hat auch keiner verstanden und mein Kopf hat in lichten Momenten auch zu mir gesagt, was ich eigentlich tun müsste. Ich konnte aber nicht. So wie Du jetzt.

    Als ich Deinen Post vom 13. gelesen habe war mir sofort klar, wie das alles weitergehen wird. Einfach deshalb, weil ich selbst Alkoholiker bin und das Verhalten Deines Partner wie ein offenes Buch vor mir liegt. Ich hätte Dir das alles vorher sagen können und die Wahrscheinlichkeit, dass es nicht so gekommen wäre, die wäre sehr gering gewesen. Aber auch wenn ich Dir das so vorher gesagt hätte, es hätte nichts an Deinem Verhalten geändert. Du hättest Dich genauso verhalten wie Du es hast obwohl Dir ein Alkoholiker, der ja wissen muss wie diese Krankheit funktioniert, andere Ratschläge gegeben hätte.

    Und das ist ja das, was wir Dir hier alle andauernd schreiben. Du kannst es aber nicht umsetzen. Weil Du eben auch abhängig bist, genau wie wir Alkoholiker. Und es wird für Dich nicht weniger einfach werden, Deine Sucht zu besiegen. Deshalb finde ich es schon mal sehr gut, dass Du über eine Therepie nachdenkst.

    Wie ist da denn der Stand? Du hast mit der Krankenkasse telefoniert, ok. Ist es nicht so, dass Du darüber mit einem Arzt sprechen musst? Ist nicht er derjenige, der da eine Diagnose erstellt und mit dem Du dann das weitere Vorgehen besprechen solltest? Mit einem Arzt (gerne auch ein Psychologe /in) hättest Du auch einen permanent vorhandenen Ansprechpartner, wenn Du ihn brauchst. Wie funktioniert das "mit der Krankenkasse sprechen"? Ruft man da an uns sagt: "Hey ich brauch mal ne Therapie, lasst mal was rüber wachsen"? Ich will' s nur verstehen, weil ich war damals beim Arzt.

    Was Du jetzt akut tun kannst, mal unabhängig von Deiner völlig durcheinander gewirbelten Gefühlstwelt ist, eine absolute Kontaktsperre einzuhalten. Egal was ist, Du hälst Dich von ihm fern. Wenn er auftaucht, öffnest Du nicht. Du bist nicht mehr für ihn da und notfalls kümmert sich die Polizei darum. Auch kein Kontakt zu irgendwelchen Verwandten, Eltern, Geschwistern oder sonstwas, die Dir mit ihrem schlauen Geschwätz ein schlechtes Gewissen aufdrücken wollen anstatt sich selbst um den verlorenen Sohn zu kümmern.

    Vielleicht bemerkst Du auch, dass ich quasi nix zu Deinem saufenden Ex-Partner schreibe. Und zwar deshalb, weil der völlig uninteressant ist. Der kann machen was er will. Du bist hier weil Du Hilfe suchst. Es geht um Dich, nur um Dich. Es geht nicht um den Säufer - der muss sich selbst helfen.

    Ich könnte mich da jetzt aufregen und ganz viel dazu schreiben, jedoch weiß ich, dass Dir das nix bringen wird. Denn meine Worte kommen bei Dir nicht so an, wie ich mir das wünschen würde. Es ist genauso wie es bei mir war, als ich noch trank.

    Also bitte lass Dir helfen, suche Dir Hilfe. Rede nicht nur darüber, tue es!!! Sonst wirst Du da nicht heraus kommen. Und dann warten noch sehr schlimme Zeiten auf Dich.

    Ich wünsche Dir nur das allerbeste! Alles alles Gute

    LG
    gerchla

    Zitat

    Oder trinkt er, weil er schon immer sensibel und verletzlich war? Wie war es bei euch? Steigert sich das Gekränktsein und die Unzufriedenheit mit dem Alk?


    Ich glaube es bringt Dir nicht viel zu wissen warum er trinkt. Falls er mal aufhören sollte damit, kann es für ihn sehr wichtig sein aufzuarbeiten, weshalb er zu Alkohol gegriffen hat um dann auch zu lernen, wie er mit schwierigen Situationen ohne Alkohol umgehen kann.

    Gründe, weshalb man zu trinken beginnt, gibt es viele. Oft ist es auch so, dass man objektiv gesehen gar keinen hat. Ich hatte z. B. keinen. Alles bestens, Kindheit, Jugend, Beruf, Karriere, Familie, keine gesundheitlichen Probleme, keine Schicksalsschläge etc. Warum um alles in der Welt habe ich mit dem Saufen begonnen? Heute weiß ich es, ich glaube es zumindest. Es ist letztlich banal und hat mit mehreren Dingen zu tun. Dinge, die jemand anderen z. B. nicht auf die Idee hätte kommen lassen zu trinken. Es ist alles sehr individuell.

    Wenn er sensibel und verletzlich war und deshalb trank, warum trinken dann Millionenen andere Menschen, die ebenfalls sensibel und verletzlich sind, nicht? Es ist nicht so einfach. Es ist einfach sehr individuell. Was ich aus eigener Erfahrung sagen kann ist, dass sich bestimmte Charaktereigengschaften durch die Sucht verändern. Teilweise verstärken sich bereits vorhandene Eigenenschaften, jemand der z. B. schon immer zu Agressionen neigte, kann das durch die Sucht verstärkt ausleben. Aber es bilden sich auch neue Eigenschaften. Sehr oft kommt es auch zu Veränderungen der Stimmung, Depressive Stimmungen nehmen oft zu, wechseln sich auch mit agriven ab. Eine gewisse Verzweiflung kann sich breit machen, aber auch Meister Großkotz kommt zum Vorschein.

    Du merkst, es ist alles dabei. Aber ich kann Dir zustimmen, dass sich dieses Gekränktsein und die Unzufriedenheit mit zunehmender Dauer einer Sucht immer stärker bemerkbar machen. Ist aber auch irgendwie logisch, denn die Welt des Süchtigen wird immer aussichtsloser je länger die Sucht andauert. Man sieht sich nicht mehr raus. Man nimmt ist sich in klaren Momenten durchaus bewusst, dass man ein riesen Problem hat, trinkt es aber dann sofort wieder weg, weil man ja keine andere Möglichkeit der Problemlösung sieht. Und das alles über Jahre. Das frustet natürlich.

    Zitat

    Das muss ja ein schwerer Weg sein, da raus zu kommen.


    Also er ist sicher nicht einfach. Aber er ist machbar, wie Du hier sehen und lesen kannst. Hilfe gibt es genug. Entscheidend ist wirklich zu allererst mal der Wille des Trinkenden seine Situation verändern zu wollen. Und dann gibt es unterschiedliche Weg sein Ziel zu erreichen. Von Langzeittherapie bis hin zu "ich schaffe es ganz alleine" (sehr selten allerdings) ist alles möglich. Ich habe z. B. keine LZT gemacht, sondern mir meine Hilfen selbst "zusammengestöpselt". Aber ich habe mir helfen lassen und ich wollte unbedingt weg. Das war entscheidend!

    Lg
    gerchla

    Hallo AnnaPaula,

    ich bin selbst Alkoholiker. Ich trinke jetzt schon mehrere Jahre keinen Alkohol mehr.

    Du schreibst, dass Dein Mann schon seit 15 Jahren trinkt. Jetzt ist er bei 6 -7 Bier täglich angekommen. Sicher hat er auch Jahre gehabt, wo er mit 3 oder 4 Bieren gut hingekommen ist. Ich hatte diese Menge einige gewisse Zeit lang. Wobei das bei mir die Menge war, wo meine Sucht zu kippen begann. Ich erinnere mich, dass ich viele Jahre mit 4 -6 Bier pro Tag unterwegs war. Und bis dahin war auch noch alles einigermaßen "ok", wenn ich mal so sagen darf.

    Dann steigerte sich das weiter. Es wurden 7, 8, 10 am Ende sogar 12 Bier + noch oben was drauf. Da war's dann vorbei. Da war's nur noch Kampf.

    Ich will Dir damit nur sagen, dass Dich evtl. hier noch mehr erwartet. Dass die Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht ist. Ich weiß nicht, ob ich heute noch leben würde, wenn ich damals nicht den Absprung geschafft hätte oder sagen wir mal: wie ich heute leben würde, wenn ich noch leben würde.

    Die Frage für Dich ist wohl, ob Du Dir das alles weiterhin antun willst und ob Du bereit bist, diesen Weg noch weiter zu gehen. Auch wenn er noch weiter in den Abgrund führt. Und klar, man trennt sich nicht so einfach, schon gar nicht nach so langer Zeit. Aber überlege Dir, wie Du Dein Leben leben möchtest.

    Und, Du hast es wohl auch schon bemerkt, Du kannst ihn nicht dazu bringen mit den Trinken aufzuhören. Das müsste er schon selbst machen. Wenn er das tut, hättet ihr sicher eine andere Perspektive. Im Moment kannst Du wohl nur auf Dich achten. Und Dir überlegen wie weit Du gehen möchtest und wie lange Du so leben möchtest.

    Alles alles Gute wünsche ich Dir und viele gute Anregunngen hier aus dem Forum.

    LG
    gerchla

    Lieber Frank,

    Du kannst wirklich richtig stolz auf Dich sein! Es war schön Deine Zeilen zu lesen, auch wenn der Inhalt und der Grund gar nicht schön ist. Deine Reaktion aber, wie Du damit umgehst, sehr gut!

    Ich schreibe das so, weil ich das ja auch erlebt habe. Nachdem ich trocken wurde habe zwar ich mich getrennt, was noch einen kleinen Unterschied zu Deiner Situation macht aber im Grunde war es ähnlich. Da waren dann ja meine beiden Kinder, die jetzt bei der Mama lebten. Und ich war raus! Im Gegensatz zu Dir war das von mir so "gewollt", es tat aber nicht weniger weh.

    Und auch ich musste einen Weg finden mit meiner Ex-Frau umzugehen. Ich fand ihn, es war nicht immer einfach. Ich hatte auch Hilfe, ließ mich beraten in ganz schwierigen Situationen usw. Ich schluckte die ein oder andere Kröte, wo manch anderer sicher zum Anwalt gelaufen wäre. Aber diese Kröten waren es Wert. Langsam konnte ich Vertrauen zurück gewinnen und glücklicherweise hat auch meine Frau immer das Wohl unserer Kinder an die erste Stelle gestellt.

    So scheint es bei Dir ja auch zu sein und das ist eine wirklich sehr gute Ausgangslage. Deine Rolle wird sich jetzt nochmal ein wenig verändern. Du bist jetzt nicht mehr der Papa, der im Alltag da ist. Du siehst ihn "nur" noch am Wochenende. Das dauert ein wenig, bis Du in diese Rolle hinein gewachsen bist. Bei mir hat das gedauert, war teilweise auch schmerzlich. Wenn man dann merkt, dass man immer weiter von den alltäglichen Problemen entfernt ist. Achte darauf, dass Du Deinen kleinen mit Deiner Gefühlswelt nicht überforderst. Er hat die Mama als täglichen Problöser, Tröster usw. Und Du bist der Papa und wirst eine andere Rolle einnehmen. Deshalb keine unwichtige, aber eine andere.

    Und wenn ihr euch gut versteht, Deine Ex und Du, dann wird das gut, sehr gut funktionieren.

    Basis: Du bleibst trocken, ansonsten kannst alles in die Tonne klopfen. Aber da mache ich mir, ehrlich gesagt, bei Dir keine Sorgen mehr!

    Alles allles Gute wünsche ich Dir!

    LG
    gerchla

    Hallo Kampfratte,

    also, Greenfox hat es ja schon geschrieben: es ist ziemlich schwer, ich möchte sogar sagen kaum möglich, so aus der Ferne eine Einschätzung abzugeben ob Dein Freund Alkoholiker ist oder nicht. Das ist selbst für Ärzte nicht immer ganz leicht und man liegt auch schnell mal daneben. In die eine wie auch in die andere Richtung übrigens.

    Ich bin selbst Alkoholiker, trinke jetzt aber schon mehrere Jahre keinen Alkohol mehr. Aber natürlich kann ich mich an fast alles erinnern, teilweise sogar so, als ob es gestern gewesen wäre. Was Du schreibst oder beschreibst, lässt mich auf jeden Fall aufhorchen.

    Auch die Abstürze von denen Du berichtest, die stimmten nachdenklich. Spricht einiges für Kontrollverlust. Sowas hat man "normalerweise" vielleicht zwei mal im Leben und darüber wird dann noch Jahrzehnte danach im Freundeskreis gesprochen ("kannst du dich noch erinnern wie ich damals zuviel xy getrunken habe und...."). Ich übertreibe jetzt vielleicht ein wenig, aber ich denke Du weißt schon was ich meine. Dann die Tatsache, dass er über dieses Thema nicht sprechen möchte, Dir ausweicht oder sogar böse wird . Gar nicht gut. Wenn er damit kein Problem hätte, könnte er doch offen mit Dir reden. Dich fragen, wo Deine Ängste sind, mit Dir zusammen überlegen was ihr tun könntet, damit Du Vertrauen gewinnst usw. Dieses "davon rennen" bzw. böse werden ist eine typische Trinkerreaktion.

    Dann scheint er ja immer wieder von einer Vergangenheit zu sprechen, wo er aus diesen oder jenen Gründen getrunken hat. Böse Ex-Frau etc. Auch nicht gut, deutet auch darauf hin, dass der Alkohol wohl ein Problemlöser in seinem Leben war bzw. ist.

    Die Mengen an alkoholfreien Bier... Tja, was hängt er denn so am Bier? Da hat Dir Greenfox ja schon was dazu geschrieben. Ich kenne tatsächlich auch mehrere Menschen, die irgendwann "nur noch" alkoholfreies Bier getrunken haben. Alle, bis auf einen, trinken wieder. Und dieser eine trinkt das alkoholfreie Bier nicht einfach so zum Durstlöschen, sondern wenn's passt mal zum Essen. Alle anderen hatten das quasi als normales Getränk in sich hinein geschüttet. Weil Wasser kann man ja nicht trinken, das ist ja nur zum Waschen da :o

    Also alles in allem scheinen mir da schon einige Alarmzeichen vorhanden zu sein. Trotzdem kann man das nie 100% sagen. Aber das bringt Dir ja auch nix, oder. Es geht doch darum wie Du Dich fühlst und was Du willst. Nur das zählt doch. Also musst Du klar machen, was Du möchtest. Wenn er Dir gegenüber nicht die entsprechende Reaktion zeigt, dann solltest Du Deine Schlüsse daraus ziehen. Letztlich ist es auch egal, ob er schon Alkoholiker ist oder nur Missbrauch betreibt. Wenn Du kein Vertrauen in ihm haben kannst, welchen Sinn hat dann eine Beziehung? Diese Frage kannst natürlich nur Du selbst beantworten.

    Ich denke, dass Deine Ängste und Deine Bedenken die Du hier äußerst nicht gerade ideal sind um einen gemeinsamen Lebensweg zu beginnen. Vielleicht bräuchte es da noch ein wenig mehr Zeit um klarer zu sehen.

    LG
    gerchla