Guten Morgen Siegfried,
ich will mal Deine Situation mit meiner vergleichen, das finde ich recht spannend:
Du:
ZitatIch wußte gar nicht über wieviel Dinge ich mich aufregen kann!
Ich:
Ich arbeite daran mich nicht mehr aufzuregen. Zumindest nicht über die vielen schwachsinnigen Dinge, die mir täglich über den Weg laufen und die mich provozieren. Die in mir eine Gegenreaktion provozieren. Besonders stark bemerke ich das, wenn ich mich in den sogenannten Sozialen Netzwerken bewege. Das geht so weit, dass ich schon daran gedacht habe, mich aus diesen Medien zu verabschieden. Denn das meiste, das ich dort von den Menschen lesen darf, ist gut geeignet mich aufzuregen. Aber, die Augen verschliessen und das alles verdammen ist für mich auch kein Weg, ich möchte wissen wie die Welt um mich herum so funktioniert. Ich möchte wissen, womit sich meine Kinder außeinander setzen müssen, ich möchte wissen, warum die Menschen so sind oder werden wie sie sind. Deshalb bleibe ich dabei, aber ich filtere sehr stark heraus, worüber ich mich aufregen "möchte" und wo es einfach wegwische.
Mir persönlich tut es sehr gut, mich wenig aufzuregen und statt dessen positiv zu denken.
Du:
ZitatIch wußte gar nicht wie vielen Menschen ich am liebsten den Hals umdrehen würde!
Ich:
Solche Gedanken kenne ich gar nicht. Klar gibt es Menschen in meinem Umfeld die ich nicht so mag, jedoch sind mir diese dann einfach egal. Ich beschäftige mich nicht mit diesen Menschen. Falls Du das jetzt aber globaler sehen solltest, also z. B. auf Weltpolitik oder Ähnlichem bezogen, da gäbe bzw. gibt es natürlich einige Personen/Staatenlenker, wo ich froh wäre, wenn sie weg wären. Andererseits: Schlimmer geht immer - Dinge die ich nicht selbst verändern kann versuche ich soweit es geht zu akzeptieren.
Du:
ZitatIch hatte auch keine Ahnung mit welcher spitzen Zunge ich um mich schlagen kann!
Ich:
Das kann ich tatsächlich auch. Vor allem die Ironie ist etwas, das mir sehr liegt und ich mag sie sehr gerne. Im Vergleich zu meiner Trinkerzeit, wo ich mich dieses Instruments auch reichlich bediente, achte ich jetzt allerdings sehr genau wie und wann ich diese einsetzte. Denn wenn Menschen diese nicht verstehen, kann man sehr schnell sehr stark verletzend sein. Und das war ich z. B. während meiiner Trinkerzeit sehr häufig. Zur Ironie kamen dann auch noch Sarkasmus und sogar Zynismus. Letzteres finde ich heute ganz schrecklich.
Je länger ich trocken war, desto mehr bemerkte ich, das ich es nicht nötig habe verbale Tiefschläge auszuteilen, wie ich das zu meiner Trinkerzeit regelmäßig tat. Desto mehr bemerkte ich, wieviel mehr man mit einer ehrlichen, deutlichen und selbstbewusten Sprache erreichen kann.
Du:
ZitatEs ist schön nicht mehr mit künstlich erzeugter Gutmüdigkeit ( AD ) alles hinzunehmen!
Ich:
Diese Gutmüdigkeit hatte ich nicht. Bei mir war es eher eine alkoholbedingte Gleichgültigkeit, was für mich ein großer Unterschied ist. Gleichgültigkeit ist vor allem anderen Menschen gegenüber ein sehr scharfes Schwert. Es ist schlimm für z. B. einen Partner, wenn das Gegenüber gleichgültig reagiert. Und das habe ich oft getan. Um dann wiederum andereseits durch verstärktes Engagement in z. B. häuslichen Dingen mein dann doch schlechtes Gewissen irgendwie zu beruhigen. Heute sage ich was ich denke und was ich möchte. Das funktioniert wunderbar.
Du:
ZitatEs macht mir Spass mich erfolgreich zu wehren ohne dabei gleich alles
in Schutt und Asche zu legen!
Ich:
Da bin ich ganz bei Dir. Wobei ich nicht das Gefühl habe, mich häufig wehren zu müssen. Dadurch, dass ich heute mit meinem Umfeld richtig kommuniziere (also nicht gleichgültig), mögliche Wünsche aber auch Probleme sofort anspreche und bei "Vestimmungen" sofort versuche heraus zu finden, was denn eigentlich los ist um Situationen besser einschätzen zu können und ggf. auch mein Verhalten ändern zu können, gibt es kaum noch was, wogegen ich mich wehren müsste. Als ich noch trank, war das ganz anders. Da "stauten" sich die kritischen Situationen nur so an. Und irgendwann musste ich mich dann entweder heraus lügen oder um mich schlagen. Sowas gibt es heute nicht mehr.
Lieber Siegfried, ganz herzlichen Dank für Deine Gedanken hier. Es ist für mich sehr anregend und interessant Dich zu lesen und mich dabei selbst zu reflektieren.
Alles Gute weiterhin!
LG
gerchla