Beiträge von Gerchla

    Guten Morgen Siegfried,

    ich will mal Deine Situation mit meiner vergleichen, das finde ich recht spannend:

    Du:

    Zitat

    Ich wußte gar nicht über wieviel Dinge ich mich aufregen kann!


    Ich:
    Ich arbeite daran mich nicht mehr aufzuregen. Zumindest nicht über die vielen schwachsinnigen Dinge, die mir täglich über den Weg laufen und die mich provozieren. Die in mir eine Gegenreaktion provozieren. Besonders stark bemerke ich das, wenn ich mich in den sogenannten Sozialen Netzwerken bewege. Das geht so weit, dass ich schon daran gedacht habe, mich aus diesen Medien zu verabschieden. Denn das meiste, das ich dort von den Menschen lesen darf, ist gut geeignet mich aufzuregen. Aber, die Augen verschliessen und das alles verdammen ist für mich auch kein Weg, ich möchte wissen wie die Welt um mich herum so funktioniert. Ich möchte wissen, womit sich meine Kinder außeinander setzen müssen, ich möchte wissen, warum die Menschen so sind oder werden wie sie sind. Deshalb bleibe ich dabei, aber ich filtere sehr stark heraus, worüber ich mich aufregen "möchte" und wo es einfach wegwische.

    Mir persönlich tut es sehr gut, mich wenig aufzuregen und statt dessen positiv zu denken.

    Du:

    Zitat

    Ich wußte gar nicht wie vielen Menschen ich am liebsten den Hals umdrehen würde!


    Ich:
    Solche Gedanken kenne ich gar nicht. Klar gibt es Menschen in meinem Umfeld die ich nicht so mag, jedoch sind mir diese dann einfach egal. Ich beschäftige mich nicht mit diesen Menschen. Falls Du das jetzt aber globaler sehen solltest, also z. B. auf Weltpolitik oder Ähnlichem bezogen, da gäbe bzw. gibt es natürlich einige Personen/Staatenlenker, wo ich froh wäre, wenn sie weg wären. Andererseits: Schlimmer geht immer - Dinge die ich nicht selbst verändern kann versuche ich soweit es geht zu akzeptieren.

    Du:

    Zitat

    Ich hatte auch keine Ahnung mit welcher spitzen Zunge ich um mich schlagen kann!


    Ich:
    Das kann ich tatsächlich auch. Vor allem die Ironie ist etwas, das mir sehr liegt und ich mag sie sehr gerne. Im Vergleich zu meiner Trinkerzeit, wo ich mich dieses Instruments auch reichlich bediente, achte ich jetzt allerdings sehr genau wie und wann ich diese einsetzte. Denn wenn Menschen diese nicht verstehen, kann man sehr schnell sehr stark verletzend sein. Und das war ich z. B. während meiiner Trinkerzeit sehr häufig. Zur Ironie kamen dann auch noch Sarkasmus und sogar Zynismus. Letzteres finde ich heute ganz schrecklich.
    Je länger ich trocken war, desto mehr bemerkte ich, das ich es nicht nötig habe verbale Tiefschläge auszuteilen, wie ich das zu meiner Trinkerzeit regelmäßig tat. Desto mehr bemerkte ich, wieviel mehr man mit einer ehrlichen, deutlichen und selbstbewusten Sprache erreichen kann.

    Du:

    Zitat

    Es ist schön nicht mehr mit künstlich erzeugter Gutmüdigkeit ( AD ) alles hinzunehmen!


    Ich:
    Diese Gutmüdigkeit hatte ich nicht. Bei mir war es eher eine alkoholbedingte Gleichgültigkeit, was für mich ein großer Unterschied ist. Gleichgültigkeit ist vor allem anderen Menschen gegenüber ein sehr scharfes Schwert. Es ist schlimm für z. B. einen Partner, wenn das Gegenüber gleichgültig reagiert. Und das habe ich oft getan. Um dann wiederum andereseits durch verstärktes Engagement in z. B. häuslichen Dingen mein dann doch schlechtes Gewissen irgendwie zu beruhigen. Heute sage ich was ich denke und was ich möchte. Das funktioniert wunderbar.

    Du:

    Zitat

    Es macht mir Spass mich erfolgreich zu wehren ohne dabei gleich alles
    in Schutt und Asche zu legen!


    Ich:
    Da bin ich ganz bei Dir. Wobei ich nicht das Gefühl habe, mich häufig wehren zu müssen. Dadurch, dass ich heute mit meinem Umfeld richtig kommuniziere (also nicht gleichgültig), mögliche Wünsche aber auch Probleme sofort anspreche und bei "Vestimmungen" sofort versuche heraus zu finden, was denn eigentlich los ist um Situationen besser einschätzen zu können und ggf. auch mein Verhalten ändern zu können, gibt es kaum noch was, wogegen ich mich wehren müsste. Als ich noch trank, war das ganz anders. Da "stauten" sich die kritischen Situationen nur so an. Und irgendwann musste ich mich dann entweder heraus lügen oder um mich schlagen. Sowas gibt es heute nicht mehr.

    Lieber Siegfried, ganz herzlichen Dank für Deine Gedanken hier. Es ist für mich sehr anregend und interessant Dich zu lesen und mich dabei selbst zu reflektieren.

    Alles Gute weiterhin!

    LG
    gerchla

    Eins nach dem anderen, würde ich da mal sagen. Ja, rauchen ist nicht gesund, das stimmt natürlich. Im Gegensatz zum Alkohol verändert sich aber durch das Rauchen Dein Wesen, Deine Psyche nicht negativ. Wenn Du erst mal die eine "Baustelle" zu Deiner Zufriedenheit abgeschlossen hast, dann wirst Du die andere bestimmt auch erfolgreich meistern. Und mal ganz nebenbei: wenn Du wieder trinken würdest, würdest Du sicher im Gegenzug nicht mit dem Rauchen aufhören, eher das Gegenteil wäre der Fall. Deswegen: Schritt für Schritt!

    LG
    gerchla

    Hallo sunshineLisa,

    ich wollte mich eigentlich nicht an Deinem Thread beteiligen, weil ich dachte, dass Dir vielleicht ein trockener Quartalstrinker seine Sichtweise schildern wird. Und das wäre dann um einiges kompetenter als das was ich Dir schreiben kann. Denn ähnlich wie Greenfox war ich auch eher ein Spiegeltrinker. D. h. ich hatte zum Ende hin täglich 10 - 12 Bier intus. Anders hat es dann bei mir nicht mehr funktioniert.

    Aber jetzt will ich Dir einfach trotzdem mal ein paar Gedanken hier lassen. Ich hoffe mal Du liest hier noch.

    Obwohl ich ja selbst Alkoholiker bin und ganz viele Jahre getrunken habe, konnte ich die Quartalstrinker nie richtig "verstehen". Für mich wäre es undenkbar gewesen, immer wieder längere Trinkpausen einzulegen. Natürlich legte auch ich, wie wahrscheinlch fast jeder Alkoholiker, im Laufe meiner Karriere immer wieder mal Trinkpausen ein. Diese waren aber dann eigentlich meist als "ich höre jetzt endgültig mit dem Trinken auf" gedacht. Wurden dann aber zu Pausen, weil es so einfach halt nicht ist.

    Als Quartelstrinker ist es ja ganz normal, dass man nach einem Alkoholabsturz einfach wieder wochenlang gar nix trinkt. Um dann wieder abzustürzen und das ganze wieder von vorne zu beginnen.

    So unterschiedlich die Trinkmuster von Quartalstrinker und Spiegeltrinkern sind, so ähnlich ist allerdings ihre Krankheit und ihr Verhalten. Soviel habe ich in den Jahren die jetzt trocken bin und in denen ich mich mit dieser Krankheit außeinander gesetzt habe, lernen dürfen.

    Damit meine ich das typische Verhalten von Alkoholikern. Du beschreibst es ja von Deinem Vater sehr genau. Die ganzen Vorwürfe, das nicht einsehen, dass man ein Problem hat, das abwiegeln und wenn es drauf ankommt wohl auch der Spruch: Wenn ich möchte, könnte ich jederzeit aufhören.

    Hier unterscheiden sich die Trinkertypen meiner Meinung nach nicht wirklich. Noch ein Wort zu den Leberwerten. Ich persönlich finde, dass diese ein wenig überbewertet werden. Also zumindest immer dann, wenn sie gut sind. Es ist einfach so, dass es Alkoholiker gibt, die jahrelang saufen wie ein Loch und die trotzdem immernoch gute Blutwerte haben. Andere wiederum, die ebenfalls trinken, vielleicht sogar viel weniger, haben miserable Werte. Der eine kann 20 Jahre saufen bevor die Leber hops geht, beim anderen ist sie schon nach 2 Jahren im Eimer. Da gibt es noch viele andere Gründe für, ein Arzt sagte mir mal, dass das auch viel mit den "Genen" zu tun hat, wie lange jemand das "durchhält" oder auch wie gut und schnell der Körper entgiftet bzw. sich auch wieder regeneriert. Gerade die Quartalstrinker haben ja auch längere Regenerationsphasen.

    Man darf sich also davon nicht täuschen lassen. Ich kenne das. Da weiß man eingentlich, dass man ein gewaltiges Alkoholproblem hat, war beim Arzt wegen irgendwas und bekommt die Blutwerte, zittert vorher schon weil man Angst vor den Leberwerten hat, und erfährt dann, das alles wunderbar ist. Und was denkt sich der geneigte Alki dann? Genau, er denkt: Na wunderbar, so schlimm kann es dann ja nicht sein - und hat schon ein besseres Gewissen für seine weitere Sauferei.

    Dir bleibt bei dieser ganzen Geschichte eigentlich nur eines übrig. Du kannst nur auf Dein eigenens Leben schauen. Du deutest ja an, dass Dich die Kraft langsam verlässt, das Du nicht mehr kannst. Spätestens jetzt wäre dann der Zeitpunkt, wo Du Deine Regeln aufstellst und wo Du darauf achtest, dass diese eingehalten werden. Und wenn nicht, musst Du konsequent handeln. Du musst verstehen lernen, falls Du das noch nicht tust, dass Du Deinem Vater nicht helfen kannst. Genau wie bei mir, einem Spiegeltrinker, ist es auch bei Deinem Vater. Niemand kann ihm helfen, kein Arzt, kein Freund, kein Priester oder was auch immer.

    Nur er alleine könnte etwas verändern. NUR ER! Dazu müsste er aber erst mal erkennen (wollen), dass er Alkoholiker ist und ein Riesenproblem hat. Er müsste dann auch noch den festen Willen haben, etwas dagegen zu unternehmen und idealerweise auch bereit sein, sich Hilfe zu suchen. Wenn er das wäre, dann könnten Ärzte, Psychologen etc. ihn unterstützen. Und dann könntest auch Du oder Deine Mama ihn unterstüzten. Aber halt nur dann. Alles andere, alles was ihr jetzt aktuell macht und die ganzen Jahre gemacht habt, war verschwendete Lebensenergie Eurerseits.

    D. h. also, der Alki drückt Dir (Euch) seine Krankheit auf Auge und beeinflusst Dein (Euer) Leben damit negativ. Und da ist einfach die Frage, wieviel Du da zulassen kannst und möchtest. Deine Mama ist Deine Mama, sie muss dieses Problem für sich lösen. Genau wie Du es für Dich lösen musst. Deine Mama ist für ihr Leben verantwortlich, Du bist für Deines verantwortlich und Dein Vater für seines.

    Als Alkoholiker darf ich folgendes sagen: Ein nasser trinkender Alkoholiker, der keinerlei Anstalten macht etwas zu ändern, der keinerlei Einsicht zeigt, dass er ein Problem hat, der statt dessen sogar noch verletzt und beleidigt, der hat keine Unterstützung verdient. Dieser Alkoholiker sollte für sein Leben und sein Handeln komplett alleine verantwortlich sein. Wenn er trinken möchte, dann soll er trinken, aber ohne das andere ihm dabei Rücken frei halten. Denn letztlich unterstützt man ihn damit bei der Fortführung seiner Sucht.

    Ach und eines noch: Du schreibst, Du möchtest es nicht soweit kommen lassen, dass Du wegen ihm in Therapie gehen musst. Natürlich wünsche ich Dir, dass Du ganz schnell für Dich einen Weg findest um mit dieser Situation umzugehen. Aber halte Dir doch diesen Weg auch mal offen. Der richtige Therapeut könnte Dir dabei auch eine große Hilfe sein. Manchmal ist es gar nicht so schlecht, wenn man nicht alles alleine tragen muss. Wir trockenen Alkis haben uns ja auch (jedenfalls viele von uns) Hilfe von Psychologen oder Therapeuten gesucht. Und ich bin sehr froh, dass es diese gibt.

    Alles Gute wünsche ich Dir. Und das Du es schaffst einen Weg zu finden, Dein eigenes Leben ohne die negativen Einschläge Deines trinkenden Vaters zu leben.
    LG
    gerchla

    Liebe Britt,

    Du machst mich ganz verlegen! Ich weiß gar nicht was ich da sagen soll.

    Ich freue mich sehr, wenn ich Dir den ein oder anderen Denkanstoss geben kann. Und wenn Du daraus Kraft für Dich ziehen kannst. Das ist sehr schön und es motiviert mich sehr, mich weiter in diesem Forum zu engagieren.

    Alles alles Gute weiterhin. Bleib dran!

    LG
    gerchla

    Hallo s,

    schade, dass wir von Dir keine positiven Nachrichten bekommen. Das liest sich alles ziemlich typisch, was Du da schreibst.

    Aha, jetzt ist also die böse Schwiegermutter schuld. Auch ganz typisch. Also nicht die Schwiegermutter als Grund sondern das halt irgendwas als Grund herhalten muss. Mag ja sein, dass Deine Mutter ein schwieriger Mensch ist aber schwierige Menschen gibt es viele und wenn jeder saufen würde, der mit schwierigen Menschen zu tun hat. Ja wo kämen wir denn da hin.

    Du merkst, sie sucht Gründe um sich zu rechtfertigen. Das ist ganz typisch. Wenn's nicht die Schwiegermutter wäre, dann wäre es irgendwas anderes. Der Job, die Finanzen, das Wetter, oder am allerbesten: DU

    Da musst Du Dich abgrenzen. Überhaupt glaube ich, wenn ich Dir das jetzt ganz ehrlich schreiben darf, dass Du gerade in eine Phase kommst, wo Du sehr auf Dich aufpassen solltest. Das ist nur so ein Gefühl von mir, aber ich glaube herauszulesen, dass Du Dich langsam in dieses "Spielchen" reinziehen lässt. Ja, ich schrieb es ist kein Spiel, es ist leider bittere Realität. Es geht jetzt nur darum, dass Du ganz klar und konsequent bleibst. Darauf musst Du achten. Klammere Dich nicht an irgendwelche Aussagen von ihr, hoffe nicht, nur weil jetzt kein Alkohol mehr im Haus ist, dass sie deswegen nicht mehr trinkt. Ich weiß nicht wie ich mich ausdrücken soll, es geht ja hier erst mal um Dich, also hier im Forum meine ich, nicht um Deine Frau. Du suchst ja Hilfe für Dich.

    Deshalb würde ich Dir raten Dir einen Plan zu machen, wie lange Du da noch zuschaust, wann Du wie reagierst. Es hilft Dir auch nicht, wenn Du anfängst sie zu kontrollieren. Eigentlich müsste jetzt, nachdem Du so wunderbar deutlich alles gesagt hast, was es zu sagen gibt, eine Reaktion von ihr kommen. So oder so!

    Also entweder, es kommt was in Richtung: Ok, ich habe verstanden und ich möchte was ändern. Oder es kommt nix oder gar sowas wie: Ich trinke halt gerade ein wenig zu viel aber das bekomme ich schon alleine wieder in den Griff.

    Letzteres bringt Dir gar nix. Die Frage ist halt wirklich, wie lange Du Dir das ansehen willst bzw. wie lange Du das tun kannst ohne das Du in "ihre Welt" mit hinein schlitterst. Also in eine Welt, wo es darum geht: Hat sie heute getrunken oder nicht? Riecht sie nach Alkohol oder irre ich mich? Ist nicht vielleicht doch ein wenig besser geworden in letzter Zeit? Vielleicht braucht sie einfach noch ein wenig, ich warte halt einfach mal noch, vielleicht übertreibe ich, usw. usf.

    Das mit dem Tagebuch ist eine ganz nette Idee. Du kannst ihr dann sozusagen schwarz auf weiß zeigen, sogar beweisen, wie sie sich aufgeführt hat. ABER: wieder etwas, das Dich ein Stück weiter rein zieht in die ganze Suchtgeschichte. Und ob das dann hilft, dass sie etwas unternimmt ist mehr als fraglich.

    Schau auf Dich. Grenze Dich ab, stelle Deine Regeln auf. Und wenn diese von ihr gebrochen werden, dann ziehe Deine Konsequenzen. Am Ende ist sie alleine für sich und ihr Leben verantwortlich, so wie Du es für Deines bist. Wie gesagt, ich finde es gut einen alkoholkranken Partner nicht sofort fallen zu lassen, aber es müsste von Seiten dieses Partners wenigstens so etwas wie ein Hoffnungsschimmer ,das es sich zum Besseren wendet, erkennbar sein.

    Alles Gute

    LG
    gerchla

    Hallo Bibi,

    habe ich Dich jetzt richtig verstanden? Du planst nicht komplett mit dem Trinken aufzuhören sondern möchtest nach der Entgiftung kontrolliert trinken? Das ist mir vorher irgendwie durchgegangen.

    Für kontrolliertes Trinken gibt es eigene Programme, soweit ich weiß. Und ich bin mir auch nicht sicher, ob Du dafür vorher komplett entgiften müsstest oder ob man sich da nicht langsam an sein geplantes Niveau heran trinkt. Aber ok, Du wirst Dich ja intensiv damit beschäftigt haben und schon wissen was Du tust oder nicht tust.

    Jetzt verstehe ich auch, dass Du als zukünftige kontrollierte Trinkerin nix mit Selbsthilfegruppen usw. zu tun haben möchtest. Dort sind ja normalerweise die Menschen, die dauerhauft abstinent leben wollen. Und oft auch die, bei denen kontrolliertes Trinken nach wiederholten versuchen nicht funktioniert hat.

    Also, ich wünsche Dir bei Deinem Unterfangen ganz viel Glück und natürlich auch Erfolg. Mir blieb der Erfolg da versagt, ich hab das mehrmals probiert, allerdings ohne in ein offizielles Programm einzusteigen. Nimmst Du an einem Programm für kontrolliertes Trinken teil, also so mit Anleitung, Trinktagebuch und allem was so dazu gehört oder machst Du das alles mit Dir alleine aus?

    Letzteres habe ich, wie gesagt, mehrmals versucht. Naja, ein paar Tage und mal ein paar Wochen habe ich es immerhin geschafft. Und leider kenne ich tatsächlich niemanden, der es geschafft hat dauerhaft kontrolliert zu trinken. Ich glaube das können nur diejenigen schaffen, die noch nicht süchtig waren. Also die, die zwar Missbrauch betrieben haben und viel zu viel tranken, jedoch noch nicht in die Sucht gerutscht sind. Und ob man süchtig ist oder nicht, das weiß man ja immer erst, wenns halt nicht mehr klappt mit den kontrollieren.

    Ach, und was das Rauchen betrifft. Die beiden Süchte sind nicht gut miteinander vergleichbar. Das Rauchen verändert nämlich nicht den Charakter und die Denkweise des Süchtigen. Die psychische Abhängigkeit ist beim Alkohol eine ganz andere. Deshalb gibt es bei Rauchern auch eine viel höhere Rate der Selbstremission. Viele Raucher hören nach jahrelangem süchtigen rauchen irgendwann einfach spontan, "von selbst sozusagen, wieder auf. Mit ein bisl Aufwand zwar, aber trotzdem vergleichsweise einfacher als beim Alkohol.

    Wie dem auch sei. Ich wünsche Dir viel Erfolg bei Deinem Vorhaben. Ich persönlich zweifle sehr, ob Du da den richtigen Weg gehst, aber es ist Dein Weg und Du allein entscheidest.

    Alles Gute.

    LG
    gerchla

    Liebe Britt,

    es ist schön zu lesen, dass es Dir gut geht. 44. Nebenher hoffe ich und wünsche ich Dir, dass Du jeden Tag ein kleines Stückchen weiter voran kommst auf Deinem Weg! So dass irgendwann der Punkt kommt an dem Du sagen kannst: Ich freue mich jeden Tag über mein neues Leben und ich bin dankbar dafür, dass der Alkohol nicht mehr wichtig für mich ist!

    Das wünsche ich Dir sehr!

    LG
    gerchla

    Hallo Bibi,

    erst mal freut es mich, dass Du nun "so weit" bist und Nägel mit Köpfen machst. Ich wünsche Dir für Deine Entgiftung alles Gute!

    Was Deinen Plan betrifft, anschließend nichts mehr "damit" zu haben zu wollen: Ich habe ja schon viel erlebt und viel gelesen was diese Sucht betrifft. Ich habe auch manchmal Fälle erlebt, wo die überlicherweise als sinnvoll erachteten Wege verlassen wurden und wo der Süchtige es trotzdem geschafft hat.

    In Deinem Fall wünsche ich Dir selbstverständlich, dass alles so aufgeht, wie Du das planst. Aber Du willst ja jetzt dann praktisch Dein ganzes bisheriges Leben als nicht mehr existent betrachten. Wenn ich das richtig sehe, ist Dein bisheriges Leben vom Alkohol und der Sucht dominiert. Klar, sonst bräuchtest Du ja nicht entgiften. Wenn Du dann aber entgiftet hast, möchtest damit nix mehr zu tun haben, d. h. Dein altes Leben, all die Erfahrungen die Du sammeln durftest, vor allem auch die Negativen, sind dann weg. Das alles interessiert Dich dann nicht mehr, weil Du willst ja nix mehr damit zu tun haben.

    Vielleicht ist das vergleichbar mit der Neuformartierung einer Festplatte. Alle alten Daten werden gelöscht und man kann alles noch mal neu bespielen. Komplett neu anfangen sozusagen.

    Also ehrlich, leider lässt sich das Suchtgedächtnis nicht löschen. Es bleibt unser Leben lang. Das ist erwiesen, deshalb ist das eine Sucht, anderfalls wäre es keine.

    Ich habe hier im Forum zwei Dinge schon diskutiert:

    Einmal meine Meinung, dass man seine Sucht nur dann dauerhaft zum Stillstand bringen kann, wenn man sie aufarbeitet. Wenn man sich damit beschäftigt (das muss jetzt nicht zwangläufig über seine SHG passieren, kann aber für viele das Richtige sein) und wenn man seine Vergangenheit als Teil seines Lebens ansieht und aus den negativen Erfahrungen lernt. Gerade die negativen Erlebnisse sind es, die mich heute sehr dankbar und bescheiden haben werden lassen. Beides Eigenschaften, die sehr hilfreich sind das eigene Leben ohne Alkohol positiv zu gestalten.

    Und dann die andere Meinung einiger, die sagen, sie wollen nicht aufarbeiten. Sie sehen keinen Sinn darin zu grübeln, warum und wieso sie getrunken haben usw. Sie legen ihren Fokus vielmehr auf das heute und jetzt und heben immer die positiven Eigenschaften eines Lebens ohne Alkohol in den Vordergrund. D.h. sie gehen durch ihr abstinentes Leben und machen sich immer wieder bewusst, wie viel schöner dieses Leben jetzt doch ist, wo sie nicht mehr trinken müssen. Wieso, weshalb und warum ist ihnen egal, sie sagen, das bringt im Nachhinein ohnehin nichts mehr zu wissen warum man Alkoholiker wurde.

    Ok, diese beiden Sichtweisen kenne und obwohl ich Variante 1 bevorzuge, kann ich Variante 2 durchaus verstehen und auch akzeptieren. Beide Varianten setzten sich aber mit der Vergangenheit außeinander. Variante 1 vielleicht ein wenig tiefer, besonders mit dem eigenen Leben, aber auch Variante 2, denn nur wenn ich die Vergangenheit nicht vergesse kann ich Vorzüge der Gegenwart erkennen.

    Jetzt kommst Du und willst mit allem nix mehr zu tun haben. Variante 3 sozusagen. Diie klingt für mich ungefähr so: Ich trinke nichts mehr und damit basta!

    Und dann kommt wieder die alte Alkoholikerweisheit um die Ecke: Nur nix trinken reicht nicht aus - zum dauerhaften trocken bleiben gehört etwas mehr!

    Aber gut, vielleicht bist genau Du diejenige, die hier mal das Gegenteil beweist. Würde mich freuen für Dich. Aber ums mit Greenfox's Goethe zu sagen: Ich hör die Botschaft auch, und mir fehlt er auch, der Glaube.

    Wünschen tue ich Dir aber, dass Du uns eines Besseren belehrst.

    Alles alles Gute!

    LG
    gerchla

    Hallo Tante Dany,

    auch von mir ein herzliches Willkommen hier im Forum.

    Ich stelle mich mal kurz vor: Ich bin Ende 40, Alkoholiker und lebe jetzt schon länger ohne Alkohol.

    Erst mal möchte ich Dich dazu beglückwünschen, dass Du Deinen Alkoholkonsum wieder normalisiert hast! Und offensichtlich auch nicht süchtig geworden bist. Leider ist es nicht selten, dass Kinder von Alkoholikern eben nicht "klug" aus dem Erlebten werden, sondern selbst in ein ähnliches Fahrwasser geraten. Das hängt vielleicht ein wenig damit zusammen, dass sie in ihrer Kindheit nicht gelernt haben, wie man mit Drucksituationen oder Problemen richtig umgeht. Ein wenig habe ich das bei mir selbst so erlebt, wobei mein Vater sich immer an der Grenze zwischen Missbrauch und Sucht entlang gehangelt hat, bis heute ist das so. Da hast Du leider viel Schlimmeres erleben müssen.

    Ich kann Dir gar nicht so viel schreiben. Die Frage ist eigentlich , was Du genau möchtest. Ich denke es geht Dir nicht darum, dass wir Dir erklären, wie Du Deiner Mama helfen könntest mit dem Trinken aufzuhören, oder? Ich glaube Du wirst wissen, dass Du oder auch Dein Papa da nichts machen kann. Ihr werdet sie sicher nicht dazu bringen können abstinet zu leben. Diese Entscheidung könnte nur sie selbst treffen. Täte sie das, dann könntet Ihr sicher behilflich sein, auf dem Weg in ihr neues Leben. Aber was Du so schreibst, ich denke mal, da wird kein Wille ihrerseits vorhanden sein.

    Also kann es Dir nur darum gehen, wie Du besser mit der Situation umgehen kannst. Stellt sich mir die Frage, wie stark die Trinkerei Deiner Mama Dein eigenes Leben und Wohlbefinden eigentlich negativ beeinträchtigt. Und wie sehr vielleicht auch Deine Familie dann darunter leidet. Ich nehme mal an, dass Deine Belastung erheblich ist, sonst würdest Du hier nicht schreiben. Du musst für Dich wissen, wieviel Du zulassen möchtest oder kannst und wann Schluss ist. Schluss könnte z. B. auch bedeuteten, dass Du Deine Mama überhaupt nicht mehr siehst oder sprichst, wenn sie getrunken hat. Wenn sie nüchtern ist, jederzeit, wenn sie trinkt, dann soll sie das alleine tun.

    Ich weiß, dass da noch Dein Papa ist. Aber auch er ist eigentlich für sein Leben selbst verantwortlich. Genau wie Du für Deines selbst verantwortlich bist und für das Deines Kindes solange sie noch Deiner Führsorge bedarf. Deine Mama ist übrigens auch für ihr Leben selbst verantwortlich, sprich: wenn sie trinken will, dann soll sie halt trinken. Ihre Entscheidung, das ist nicht Deine Sache.

    Ja, ich weiß, da redet sich gerade einer sehr leicht. Jedoch erlebe ich das ja auch selbst mit meinem Vater. Ich z. B. toleriere bei ihm einen gewissen Konsum. Das ist dann eine Menge, wo ich bei ihm keine Wesensveränderung spüre. Wenn er 2 oder 3 Bier intus hat, habe ich damit kein Problem. Werden es mehr, fängt er an "dumm" daher zu reden. Dann verabschiede ich mich zügig und lass ihm sein Leben so wie er es gerne möchte leben. Seine Sache, nicht meine.

    Auf seinen Konsum ansprechen spare ich mir. Erstens weiß ich, dass es eine ganz unschöne Diskussion werden würde, vor allem weil ich ja selbst Alkoholiker bin und zweitens, ist es sein Leben und ich habe gar nicht das Recht ihm irgendwas vorzuschreiben. Natürlich würde ich mich freuen (wahscheinlich würde ich ausflippen) wenn er mir sagen würde: "Hey, ich habe erkannt dass ich Alkoholiker bin und ich habe beschlossen etwas dageben zu unternehmen. Ich werde nicht mehr trinken" - das wäre wunderbar. Jedoch wird das nicht passieren weil er mit seinem Leben so glücklich ist.

    Es geht also meiner Meinung nach bei Dir darum, dass Du mit möglichst wenig Belastung mit dieser Situation umgehen kannst. Dazu kann es auch sinnvoll sein, das Du Dir vielleicht Hilfe suchst. Z. B. eine Anghörigengruppe, wenn es das in Deiner Nähe gibt oder auch psychologische Hilfe. Je nachdem wie stark Dich die Situation belastet. Dein Papa müsste das für sich auch tun. Auch das ist nicht "Deine Sache", es ist seine und es ist sein Leben. Er könnte Deine Mama z. B. auch verlassen.... Weißt Du, Deine Mama hat es sich scheinbar recht gut eingerichtet. Ein Co-Abhängiger Mann, der sich um alles kümmert und sie kann saufen wie sie will. Egal was sie tut, sie wird nicht verlassen. Dadurch wird Dein Papa, so hart das klingt und ich verbinde damit auch keinen Vorwurf, zum Suchtunterstützer Deiner Mama. Mir scheint aber, dass er selbst an Co-Abhängigkeit erkrankt ist und somit gar nicht anders kann. Und ohne Hilfe von außen, professionelle Hilfe, kommt er da auch nicht mehr raus. Und Du musst auf Dich achten, dass Du da raus kommst.

    Das waren meine Gedanken zu Deiner Geschichte. Du kannst hier im Forum auch ganz viel von anderen Angehörigen lesen. Bestimmt ist da auch was dabei, dass Dich etwas weiter bringt.

    Alles alles Gute und einen guten Austausch wünsche ich Dir.

    LG
    gerchla

    Guten Morgen lilo,

    jetzt verwirrst Du mich ehrlich gesagt etwas. Eigentlich bin ich fast schon etwas erschüttert.

    Ich meine, da lese ich Deine Geschichte, die ja fast nicht tragischer sein kann (beide Elterteile Alkoholiker, zwei Brüder um Suff verunglückt, Dein erster Mann im Suff verunglückt) und Du bist erleichtert weil Ihr vielleicht "nur" Missbräuchler seid? Das kann ich besonders aufgrund Deiner Geschichte jetzt überhaupt nicht nachvollziehen.

    Grundsätzlich ist erst mal egal, ob Du im Suff als Alkoholiker oder Missbräuchler verunglückst. Es ist auch egal ob Du im Suff als Alkoholiker oder als Missbräuchler einen anderen Menschen schaden zufügst. Das nur mal als Denkanstoss - möglicherweise gehörst Du und Dein Partner zu den Menschen, die nicht Auto fahren wenn sie getrunken haben. Ich hoffe das es so ist und das es auch so bleibt.

    Im Normalfall ist der Übergang von Missbrauch zu Sucht erst mal nicht zu bemerken. D. h. wenn man es merkt, dann ist es zu spät, dann ist man bereits süchtig. Deine Erleichterung macht also nur dann Sinn, wenn Du (und Dein Partner) 1. wirklich noch nicht süchtig bist (was ich wie gesagt, nicht beurteilen kann) und 2. falls es so wäre, Du (Ihr) Eurer Trinkverhalten trotzdem komplett umstellt.

    Punkt 2 ist erfahrungsgemäß nicht ganz einfach.

    Wenn ihr beide risikolos trinken möchtet, dann würde das folgendes bedeuten:

    Du als Frau, darfst pro Tag maximal 12 gr. reinen Alkohol zu Dir nehmen. Da Du ja im schönen Burgenland lebst und wahrscheinlich eher Wein als Bier trinkst, wäre das am Tag etwa ein 1/8 Wein. Wobei Du in der Woche an 2 - 3 Tagen pro Woche gar nichts alkoholisches konsumieren "darfst". Für Deinen Partner wäre die doppelte Menge noch ok, d. h. er "dürfte" 1/4 Wein trinken pro Tag, hat aber natürlich auch die alkohlfreien Tage einzuhalten.

    Das in etwa gilt aktuell als risikoarmer Konsum. Wobei es mittlerweile schon Studien gibt, die auch diese Mengen als zu hoch einschätzen. Aber ok, Alkohol ist halt einfach ein Zellgift, egal in welcher Menge und wie bei allen anderen Giften gibt es offizielle Grenzwerte bis wohin diese Gifte für den Menschen unbedenklich sind. Die o. g. Werte sind in etwas der aktuelle Stand. Und ich denke mal, wenn man so trinkt, dann wird auch nicht viel passieren.

    Leider ist Alkohol eines der Gifte, wo die Menschen fröhlich und aus freien Stücken heraus regelmäßig deutlich mehr als "erlaubt" konsumieren. Das würden sie bei anderen Giften, wo es ja z. B. auch welche gibt die in sehr geringen Mengen zu Therapiezwecken eingesetzt werden, die jedoch in zu hohen Dosen sofort zum Tod führen, nie machen. Aber beim Alkohol passiert ja nix, außer dass man mal einen Kater hat....

    Ich bin etwas ironisch, wie Du vielleicht bemerkst, aber ich fühle mich einfach an meine eigenen Trinkerzeit erinnert und ich lebe nicht im schönen Burgenland sondern in einer Gegend, wo die "Biertradition" einen sehr hohen Stellenwert hat, wo es sehr viele kleine Brauereinen gibt und wo ein Biersommelier und ein Bierseminar nach dem anderen aus dem Boden sprießen. Immer mit dem Ziel, das Bier als traditionelles Kulturgut, als Spezialität usw. zu präsentieren. Und ich habe damit früher vorwiegend vor mir selbst immer meinen Konsum gerechtfertigt. Ein Feierabendbier gehört doch zum Kulturgut, zur Tradition. Dann wurden es irgendwann mal zwei aber was sind schon zwei Bier am Tag. Ganz normal in unserer Gegend. Dann wurden es drei, ach Gott, das ist doch nix. Dann wurden es vier.... dann fünf, dann sechs irgendwann waren es 10 oder 12, pro Tag. Uuups, plötzlich war's nicht mehr lustig. Aus die Maus, schluss mit Kultur und Tradition.

    Es ist Deine Sache wie Du damit umgehst. Es ist auch durchaus möglich, dass Eure Probleme nicht auf den Alkoholkonsum zurück zu führen sind sondern evtl. wo anders liegen. Vielleicht führen diese Probleme auch dazu, dass Ihr zu viel Alkohol konsumiert, weil Ihr nicht gelernt habt, wie man Probleme ohne Alkohol löst bzw. sich der Alkohol ja erst mal wunderbar als Problemlöser anbietet. Und genau da liegt die Gefahr für Missbräuchler: Ein Missbräuchler hat die Wirkung des Alkohol zur Genüge erfahren dürfen. Er weiß, wann und wie ihm der Alkohol "hilft". Zwar ist er noch nicht süchtig, kann also jederzeit Pausen einlegen oder auch mal nur geringe Mengen trinken, jedoch kennt der die vermeintlich positiven Eigenschaften des Alkohols sehr genau! Kommen schlechte Zeiten, ist die Gefahr sehr hoch, dass er sich der Wirkung des Alkohols bedient. Und dann kann das ganze recht einfach und schnell kippen.

    Nun, ich schreibe das nicht nur so, ich habe das selbst so erfahren. Ich trank mein Feierabendbierchen, jahrelang. Nur dieses, sonst nix. Vielleicht an manchen Wochenenden bei Feiern ein wenig mehr, halt "ganz normal", würde man bei uns sagen. Dann wurden es auch mal zwei Feierabendbierchen, aber ich konnte auch mal ein paar Tage nichts trinken. Und dann gab es Probleme. Wir verkauften eine Wohnung, der Käufer ließ uns hängen, zahlte nicht. Wir hatten aber schon was neues gefunden und haben mit dem Geld natürlich gerechnet und geplant. Plötzlich kamen wir in erhebliche finanzielle Schieflage. Tja, wie meinst Du wohl habe ich diese Problem gelöst? Genau, ich habe mir den ganzen Druck weggetrunken. Einfach mal am Abend statt 2 Bier 4 Bier und schon waren die Ängste ganz weit weg, die Zuversicht stieg. Am nächsten Tag waren alle Probleme wieder da! Aber hey, dagegen konnte ich ja was unternehmen.

    Das ganze löste sich positiv auf. Nach ca. 6 Monaten zahlte der Typ dann doch inkl. Zinsen und Zinseszinsen. Ich allerdings hatte in dieser Zeit meinen Konsum von etwa 2 Bier pro Tag auf etwa 4 Bier pro Tag hochgefahren. Und auch noch regelmäßiger getrunken als vorher. Dieses Niveau habe nicht mehr zurück gefahren. Sollte ich vorher vielleicht noch Missbrauch betrieben haben, so war ich jetzt ganz sicher süchtig geworden.

    Diese Geschichte auch nur als Denkanstoss.

    Wie Du jetzt mit meinen Zeilen umgehst bleibt natürlich Dir überlassen. Ich hoffe, Du nimmst mir meine Ehrlichkeit nicht übel. Es hat mich einfach sehr überrascht, wie Du dem Alkohol scheinbar doch noch so viel Positives abgewinnen kannst, bei dem was Du alles erleben hast müssen. Das will einfach nicht in mein Hirn.

    Ich wünsche Dir und Deinem Partner alles alles Gute. Findet Euren Weg und ich hoffe für Euch, dass es der Richtige sein wird!

    LG
    gerchla

    Liebe Claudia,

    liest sich prima was Du schreibst. Auch das Du Dich weiter outest im Familienkreis. Und wie mir scheint, hast Du ja echt eine richtig gute Familie, die auch zu Dir steht. Das macht es einfacher und diese Chance, die lässt Du Dir jetzt bitte nicht mehr nehmen!

    Ähnlich wie von Greenfox berichtet hat es bei mir auch etwas länger gedauert mit dem gut schlafen. Naja, ich denke mal, Greenfox und ich waren mit unserer Sucht auch schon ein gutes Stück weiter als Du. Sei froh, dass Du die Reißleine gezogen hast.

    Und das mit den Träumen hatte ich auch! Zum Glück nicht oft. Aber ich war jedesmal verdammt froh als ich realisiert habe, dass es nur ein Traum war. Aber diese Träume sind auch schon sehr lange Geschichte.

    Alles Gute weiterhin und ein schönes Wochenende!

    LG
    gerchla

    Guten Morgen lilo,

    vielen Dank für Deine offene Beantwortung meiner Fragen. Jetzt kann ich mir Eure Situation schon viel besser vorstellen.

    Ok, er sieht sich selbst als Alkoholiker aber eigentlich ja nicht so richtig, denn sonst würde er wissen, dass ein Alkoholiker es eben nicht mehr im Griff hat. Was Du von seinem Trinkverhalten beschreibst, erinnert mich an meine ersten Alkoholikerjahre. Da konnte ich das auch ganz gut, also das mit den längeren Trinkpausen. Und tatsächlich kenne ich auch Menschen, die das gefühlt ihr Leben lang so praktizieren können. Ich kenne Menschen, die aus meiner Sicht schon immer (also so lange ich sie kenne) kritisch getrunken haben. Immer so, dass es eindeutig zu viel war, machmal auch über einen längeren Zeitraum um dann jedoch wieder die Kurve zu bekommen und wieder eine Zeit moderat oder auch mal gar nichts mehr zu trinken.

    Ich kenne zwei solche Menschen, die jetzt auch schon ein höheres Alter erreicht haben (allerdings gesundheitlich nicht im besten Zustand) und nie richtig abgestürzt sind, also nie diese klassische Alkoholikerkarriere hingelegt haben. Sowas gibt es also auch, hat vielleicht was mit der individuellen Suchtveranlagung jedes Einzenlen zu tun. Wobei, wie schon gesagt, die beiden sind deutlich gezeichnet von den gesundheitlichen Nebenwirkungen des langjährigen Alkoholkonsums. Egal ob süchtig oder nicht!

    Da stellt sich dann die Frage, ob diese Menschen wirklich Alkoholiker sind oder ob sie "nur" ihr Leben lang Missbrauch betrieben haben. Diese Menschen haben z. B. ein kein Problem, wenn sie z. B. Auto fahren müssen (auch spät abends), den ganzen Tag nichts zu trinken. Müssen sie aber nicht fahren, trinken sie. Sie können aber verzichten, ohne dass auf den ersten Blick irgendwelche Nebenwirkungen zu erkennen wären. Ich meine da nicht mal die körperlichen Symptome sondern auch so Dinge wie miese Laune oder so. Alles kein Problem.

    Was ich sagen will: Es ist also ganz ganz schwer von außen zu bestimmen, ob jemand Alkoholiker ist oder nicht. Bei Deinem Partner kann ich das auch nicht sagen. Was man aber wohl sagen kann ist, dass er nicht den dringenden Wunsch verspürt dauerhaft abstinent leben zu wollen, auch wenn er ein Problem sieht. Denn er hat es ja seiner Meinung nach im Griff und es scheint (ich intrepretiere das mal), dass es für ihn soweit ok ist. Vielleicht wäre es nicht schlecht, wenn es etwas weniger oder anders wäre aber es klingt für mich so, dass sein Leidensdruck jetzt nicht so enorm ist.

    Und jetzt kommst Du: Du siehst Dich als Alkoholikerin. Auch bei Dir könnte man das von außen jetzt nicht so einfach sagen. Aber Du siehst Dich selbst so und Du kannst das selbst auch als einzige richtig einschätzen. D. h. Du kannst in bestimmten Situationen nicht auf Alkohol verzichten, musst dann trinken. Du scheinst jetzt aber keine Spiegeltrinkerin zu sein, die jeden Tag trinken muss um einen gewissen Alkoholpegel im Blut zu haben.

    Aber auch das ist jetzt mal alles egal. Entscheidend ist jetzt aus meiner Sicht, dass DU mit Deiner aktuellen Situation, mit Deinem Leben nicht mehr zufrieden bist. Du willst etwas ändern, Du willst so nicht mehr weiter machen.

    Was Du bisher noch nicht geschrieben hast ist, wie weit dieser Änderungswunsch eigentlich geht. Strebst Du ein dauerhaft alkoholfreies Leben an? Willst Du, dass Dein Partner auch dauerhaft alkoholfrei lebt? Oder ist es "nur" Dein Wunsch, dass ihr wieder besser zusammen findet und das sich das mit dem Alkohol vielleicht etwas minimiert jedoch eigentlich würde es Dich nicht stören wenn das andere wieder stimmen würde?

    Ich sag jetzt mal so: Letzteres wird nicht auf Dauer funktionieren, wenn Ihr beide Alkoholiker sein solltet. Es wird auch nicht funktionieren, wenn einer von Euch beiden Alkoholiker ist.

    Wenn Du den Wunsch hast dauerhaft alkoholfrei zu leben, dann kannst Du das auch schaffen. Allerdings hat das dann erst mal nichts mit Deinem Partner zu tun. Was der macht, ist seine Sache. D. h. Du müsstest Dir dann auch überlegen, wie Du damit umgehen möchtest, wenn er weiter trinkt, Du jedoch nicht mehr.

    Das ist jetzt alles ein wenig viel von mir geschrieben hier, aber ich hoffe Du kannst meine Gedanken nachvollziehen. Das sind alles Dinge, über die Du selbst auch nachdenken solltest. Wahrscheinlich hast Du das schon längst gemacht aber ich weiß es ja nicht. Denn je nachdem wo Du hin möchtest, wird sich entscheiden, welchen Weg Du gehen könntest und ob wir Dir hier dabei überhaupt mit Rat zur Seite stehen können. Denn das können wir hier nur, wenn Du den Plan hast vom Alkohol weg zu kommen. Dann können wir Dir berichten, wie wir das gemacht haben, was uns geholfen hat, was nicht usw.

    Ich bin sehr gespannt, wie Du Deinen weiteren Lebensweg idealerweise siehst. Ich freue mich sehr wieder von Dir zu lesen.

    Schönes Wochenende und bis bald.

    LG
    gerchla

    Hallo lilo,

    herzlich Willkommen bei uns im Forum. Schön, dass Du Dich entschlossen hast hier aktiv zu schreiben.

    Ich stelle mich mal ganz kurz vor: Ich bin Ende 40, Alkoholiker und lebe jetzt schon länger ohne Alkohol.

    Du hast ja leider in Deinem Leben schon reichlich sehr schlimme Erfahrungen mit der Alkoholsucht sammeln müssen. Das liest sich alles sehr schlimm und tragisch und diese alkoholbedingten Schicksalsschläge waren oder sind für Dich bestimmt nicht so einfach zu verkraften. Hast Du da jemals irgendwas gemacht, ich meine Dir z. B. psychologische Hilfe gesucht um mit diesen Dingen umgehen zu können oder machst Du das alles mit Dir selbst aus?

    Vorab auch noch die Frage: Siehst Du Dich selbst als Alkoholikerin? Du schreibst, dass Du seit 15 Jahren Deinen "eigenen Alkoholiker" hast aber ebenauch, dass Du seit Jahren mit ihm trinkst. Deshalb meine Frage. Das macht dann schon nochmal einen Unterschied, ob man "nur" einen trinkenden Partner hat oder ob man selbst auch abhängig trinkt. Wie schätzt Du denn da Deine Situation selbst ein?

    Ich stelle jetzt mal noch ein paar Fragen, damit ich Deine Situation besser verstehen kann. Ob Du mir / uns hier im Forum diese Fragen beantworten möchtest liegt natürlich allein bei Dir:

    Wie steht Dein Partner zu dieser ganzen Geschichte? Sieht er sich selbst als Alkoholiker? Erkennt er, dass er ein Problem hat? Will er was dagegen tun oder hat er vielleicht schon mal versucht etwas dagegen zu tun? Ist es so, dass ihr beide aktuell nicht mehr arbeitet und den kompletten Tag miteinander zuhause verbringt? Es liest sich so.

    Vielleicht hast Du Lust, diese Fragen zu beantworten. Dann könnten wir hier Deine Situation noch ein wenig besser einschätzen und unsere Meinung etwas klarer formulieren. Ich würde mich freuen wieder von Dir zu lesen.

    Ansonsten wünsche ich Dir natürlich einen guten und hilfreichen Austausch hier im Forum.

    LG
    gerchla

    Liebe Claudia,

    das liest sich prima! Ich freue mich sehr für Dich. Ich finde, Du machst das ganz hervorragend. Jetzt hast Du die Initiative ergriffen, Du sagst wo es lang geht, nicht mehr der Alkohol.

    Super auch, dass Du Dich in Deiner Gruppe wohl fühlst, auch das Du schon wieder Beschäftigungen gefunden hast, mit denen Du die Zeit "vertreiben" kannst. Ich erinnere mich sehr gut, dass ich nüchtern plötzlich gaaaaaanz viel Zeit hatte die vorher irgendwie nicht da war :o

    Ich begann damals mit ausführlichen und langen Spaziergängen. Einfach um raus zu kommen und abgelenkt zu sein. Du spielst PC, jeder das was ihm Spaß macht!

    Jetzt bleib dran, Du hast schon sooo viel geschafft. Jetzt solltest Du die ganze Sache noch mit einem "Nachhaltigkeitsstempel" versehen. Das ist Dein neues Leben und das wird es auch bleiben. Vielleicht brauchst Du an der ein oder anderen Stellen noch etwas Aufarbeitung, musst noch ein wenig genauer hinschauen etc. Um z. B. auch Situationen wo Du aktuell noch Druck verspürst zu entschärfen. Aber dazu braucht es auch ein wenig Zeit und eine längere Auseinandersetzung mit der eigenen Sucht, dem eigenen (antrainierten) Verhalten in bestimmten Situationen. Und die Zeit hast Du und die nimmst Du Dir während Du gleichzeitig auf Dich achtest.

    Sehr schön das von Dir zu lesen. Alles alles Gute weiterhin!

    LG
    gerchla

    Guten Morgen Ailin,

    ich möchte Dir sagen, dass Du das alles aus meiner Sicht nicht besser hättest machen können. Vieles von dem was Du schreibst erinnert mich an meine eigene Situation damals bzw. an die Situation meiner Frau. Sie hat fast genauso reagiert und gehandelt wie Du das gemacht hast. Inklusive der Geschichte mit dem Schlüssel, den sie von mir auch nach ein paar Wochen eingefordert hat. Einzig die Geschichte mit dem Jugendamt hat es bei uns nicht gegeben. Aber sicher nur deshalb, weil ich im Gegensatz zu Deinem Ex-Mann nicht mehr trank und dadurch einsichtig war.

    Alles andere was Du erzählst weckt in mir tatsächlich Erinnerungen. Und ich möchte Dir hier nochmal sagen, dass meine Geschichte gut ausgegangen ist. Sie ist für meine Kinder gut ausgegangen, weil meine Frau so gehandelt hat. Sie war konsequent, klar und fair. Genau das gleiche lese ich von Dir. Diese Geschichte ging also für meine Kinder und damit auch für meine erste Frau gut aus. Sie ging auch für mich gut aus, weil ich den Ausstieg aus der Sucht geschafft habe. Das jedoch ist und war meine Sache und nicht die Angelegenheit meiner damaligen Frau oder gar meiner Kinder. Ob das alles jetzt für Deinen Ex-Mann auch gut ausgeht, liegt also in seiner Hand. Du tust aus meiner Sicht jedenfalls alles dazu, damit dies für ihn möglich ist. Indem Du eben konsequent, klar und fair ihm gegenüber bist.

    Ich kann Dich da eigentlich nur beglückwünschen zu Deinem Handeln. Auch wenn Du gerade bestimmt tief drin hängst. Du wirst da wieder heraus kommen!

    Was den Alkotester betrifft: Es ist halt so, er bläst rein wenn er die Kinder abholt und alles ist gut. Anschließend weißt Du gar nix mehr. Er fährt die nächste Tanke an, oder von mir aus fährt er auch ans Urlaubsziel vollkommen nüchtern. Aber was macht er dort? Wenn sie dort mal fahren? Du hast das nicht in der Hand.

    Ich muss Dir sagen, leider, dass ich sehr oft mit den Kindern und mit Alkohol im Blut unterwegs war. Dafür schäme ich mich heute in Grund und Boden. Ich war zwar noch so "vernüftig", dass ich ab eines bestimmten Levels nicht mehr gefahren bin, jedoch war ich sicher oft über der gesetzlichen Grenze. Was ich natürlich gar nicht bemerkt habe, denn ich fühlte mich ja vollkommen klar und im Vollbesitz aller meiner geistigen und motorischen Fähigkeiten. Die gefühlte Wahrheit eben.....

    Eines wollte ich Dir noch sagen, auch wenn das für Dich und Deine Kinder aktuell keine Rolle spielt und auch keine Rolle spielen darf. Vielleicht, ja vielleicht bewirkst Du sogar etwas bei Deinem Mann. Eben genau durch Dein faires und konsequentes Verhalten. Vielleicht denkt er trotz allem nach, braucht noch etwas Zeit um etwas zu unternehmen. Ich kann meine Situation zwar nicht auf Deine übertragen aber das, was meine Frau mir damals sagte, immer wenn wir ins Reden kamen, wenn ich unsere Tochter abholte usw. Also besonders das, was sie mir am Anfang sagte, als alles noch ganz frisch war, als die Trennung und mein Outing erst wenige Woche alt waren, das hat in mir eine enorme Wirkung verursacht. Jedoch deutlich zeitverzögert. Ich war noch zu sehr mit mir, der neuen Situation, natürlich auch dem Trocken werden usw. beschäftig. Aber ihre Worte haben gesessen! Und sie halfen mir viel später, Dinge richtig zu sehen und richtig zu entscheiden.

    Das ist nicht wichtig für Dich im Moment, jetzt achtest Du nur auf Dich und Deine Kinder. Die Zeit wird zeigen, in welche Richtung Dein Ex-Mann sich entwickeln wird. Sollte er weiter trinken und noch tiefer absumpfen, so wird (vermute ich mal), das Interesse an seinen Kindern mit anhaltender Dauer Eurer Trennung wahrscheinlich sogar nachlassen. Das wäre typisch und würde Dir, so tragisch es auch eigentlich ist, vielleicht die ein oder andere unangenehme Auseinandersetzung mit ihm ersparen.

    Egal wie, bleib stark, bleib klar und fair. Du machst das super. Alles alles Gute!

    LG
    gerchla

    Hallo Puschie,

    oje, wieder so eine traurige Geschichte von einer Partnerin eines Alkoholikers. Falls Du es noch nicht gemacht hast, bitte lies Dich hier mal im Angehörigen Bereich in dem Du ja auch schreibst, in Ruhe ein. Lies Dir die anderen Lebensgeschichten durch, gerne auch die älteren und Du wirst bestimmt merken, wie viele Parallen es zu Deiner Geschichte gibt.

    Ich bin auch etwas irritiert über die lange Wartezeit bis zum Entgiftungstermin. Ok, er ist beim Bund, d. h. er muss das wahrscheinlich in einem Bundeswehrkrankenhaus machen. Soweit mir bekannt, wenn das heute noch so stimmt, werden Angehörige der Bundeswehr vorwiegend in deren eigenen Kliniken behandelt. Bei mir war das damals zumindest so. Aber sag mal, wie muss ich mir das denn vorstellen, "er hat sich beim Bund als Alkoholiker geoutet"? Klingt irgendwie, naja.....

    Hat er sich geoutet weil er unbedingt Hilfe möchte und nicht wie jeder andere einfach zum Arzt gehen kann? Oder wie lief das ab. Bist Du sicher, dass das auch stimmt? Oder musste er Dir gegenüber aus irgend einem Grund Zeit gewinnen und hat jetzt mal einen fiktiven Entgiftungstermin in weiter Ferne gelegt den es dann gar nicht gibt? Also ich frag' das so, weil ich hätte das zu meiner nassen Zeit jederzeit so gemacht. Wenn es sein hätte müssen, gar kein Problem.

    Aber ok, das ist eigentlich auch alles völlig egal. Was Du von Deinem Leben so schreibst, da würde ich mal sagen: Da braucht es eine klare Entscheidung! Oder Du gehst zugrunde und Du hast ja auch noch die Verantwortung für Dein Kind. Greenfox hat es Dir ja schon geschrieben und bei den anderen Angehörigen wirst Du es auch lesen können: Du bist für Dein Leben (und das Deines Kindes) verantwortlich, er ist für seines verantwortlich. Ich bin selbst Alkoholiker und deshalb kann ich Dir auch sagen, dass nur er ganz allein etwas an seiner Situation ändern kann. Nur er allein. Du bist nur eine Statistin, wirst geduldet, wenn alles passt oder es in den Kram passt und wenn nicht, dann nervst Du nur. Und mir scheint ja, dass er sowieso macht was er will.

    Also stelle Dir mal die Frage, was Du möchtest. Nicht die Frage, wie Du bei ihm etwas verändern könntest, denn das kannst Du nicht. Du bist wichtig und Dein Kind. Sonst nichts. Du musst dir überlegen ob Du so weiterleben willst und kannst oder ob Du ein neues Leben ohne ihn beginnen möchtest. Viel mehr Optionen gibt es da leider nicht. Wenn Du mit Deinem Kind ein eigenens Leben aufbauen willst, dann wäre es hilfreich, wenn Du Dir im Vorfeld Hilfe suchst, Dich entsprechend informierst, z. B. darüber was Dir zusteht etc. und dann einen Plan machst wie Du vorgehen möchtest.

    Selbst wenn er irgendwann Ende November entgiftet, was dann? Ist ja nett, dass er körperlich entgiftet aber was kommt denn dann? Die Entgiftung ist nach einer Woche gegessen. Macht er danach eine Therapie? Stationär, mehrere Monate? Oder wird er Selbsthilfegruppen besuchen, wird er sich psychologisch Betreuen lassen, wechselt er seinen Bekanntenkreis (saufende Fußballkumpels sind nicht Hilfreich für ein trockenes Leben)? Verstehst Du was ich Dir damit sagen will? Da sind so verdammt viele Fragenzeichen die mich dann auch am Entgiftungstermin zweifeln lassen. Und wenn der echt steht und er es durchziehen sollte, dann geht die Arbeit ja erst los.

    So wie Du schreibst, muss er ja sein komplettes Verhalten, sein ganzes Freizeitverhalten usw. umstellen um überhaupt eine Chance zu haben länger trocken zu bleiben. Meinst Du dass er dazu bereit ist?

    Ich wünsche Dir einen guten Austausch hier im Forum und alles alles Gute für Deine und die Zukunft Deines Kindes.

    LG
    gerchla

    Liebe zzz,

    ich nehm jetzt mal diesen Namen.

    Du hast mir Fragen nach dem "wie" gestellt, also "wie soll ich das denn alles machen, wenn ich nicht mal....."

    Du bist mir hoffentlich nicht böse, wenn ich Dir schreibe, dass ich denke, dass Du alles was Du tust auf jeden Fall mit Hilfe tun solltest. Also mache es so, wie Du es geplant hast und gehe zu einem Arzt. Und wenn Du da ganz nüchtern nicht hin gehen kannst, dann trink eben ein wenig aber versuche Dich nicht komplett abzuschießen. Es kann niemand von Dir erwarten, dass Du als nasser Alkoholiker komplett nüchtern bist, denn dann wäre die große Gefahr des kalten Entzugs ja permanent vorhanden.

    Aber dann bitte offen und ehrlich sein. Und zusammen mit dem Arzt einen Plan machen. Ich glaube, das ist meine persönliche Meinung gebildet aus dem was ich von Dir gelesen habe, dass da bei Dir mehrere Baustellen vorhanden sind. Eine große davon ist sicherlich Deine Abhängigkeit vom Alkohol, aber da liegt ja noch einiges anderes unter der Oberfläche das aufgearbeitet werden sollte und das vielleicht auch der Auslöser dafür war, weshalb Du so tief in die Sucht gerutscht bist.

    So, aber jetzt eben den Kopf nicht in den Sand stecken und eben nicht alles hinwerfen, sondern kämpfen!

    Ein kluger Mensch sagte (sinngemäß) zu mir:

    Stell Dir mal vor Du bewohnst ein Haus. Es ist in einem erbärmlichen Zustand! Das Dach ist undicht, es regnet herein. Die Fenster sind kaputt, es zieht wie Hechtsuppe. Im Keller steht das Wasser, welches über Jahre durch das undichte Dach floss. Die Wände sind feucht, die Tapeten lösen sich ab und auch der ganze Rest ist in entsprechend schlechtem Zustand. Jetzt hast Du Dich dazu entschlossen dieses Haus zu renovieren. Wie gehst Du vor?
    Erst mal kümmerst Du Dich um das Dach, damit es nicht weiter herein regnet und es sich nicht noch mehr Wasser im Keller sammelt. Dann legst Du den Keller trocken, pumpst das Wasser raus, sorgst dafür, dass er langsam ausdrocknen kann. Dann kümmerst Du Dich mal um die Fenster, damit es nicht mehr so zieht. Dichtest sie ab oder erstetzt sie durch neue. Jetzt kannst Du Dich um die Wände kümmern, die Tapeten ablösen, neue dran kleben. Und nach und nach, kannst Du auch noch den ganzen Rest, der da noch ist, in Ordnung bringen.

    Jetzt hast Du ein renoviertes Haus! Ab sofort achtest Du darauf, dass dieses Haus immer in einem Top-Zustand ist. D. h. im Gegensatz zu früher, wo Du alles hast verfallen lassen, kümmerst Du Dich sofort um neue Probleme. Fällt ein Ziegel vom Dach, wirst Du ihn sofort ersetzen. Wird ein Fenster undicht, wirst Du es sofort wieder abdichten. Dadurch verhinderst Du, dass Du irgendwann wieder in einem Haus leben musst, in dem Du Dich nicht wohl fühlst.

    Übertrage diese Geschichte auf Dich. Du bist das Haus. Gehe Schritt für Schritt vor, erst das wichtigste, das könnte bei Dir Deine Alkoholsucht sein, ich weiß es aber nicht, weil ich weder Arzt noch Psychologe bin. Deshalb mein dringender Rat, dass Du die Hilfe von Ärzten suchst, annimmst und mit ihnen zusammen Dein Haus renovierst.

    Ich wünsche Dir, dass Du das schaffst. Und beginne nicht, den Keller auszupumpen, solange das Dach noch nicht abgedichtet ist, denn es wird wieder hinein regenen.....

    LG
    gerchla

    Hallo Mikasa,

    herzlich Willkommen bei uns im Forum.

    Eine sehr traurige Lebensgeschichte, die Du uns hier schreibst. Ich frage mich häufiger, warum manche Menschen in ihrem Leben vermeintlich mehr mitmachen müssen als andere. Und ob man selbst eine Chance hat, das irgendwie zu beeinflussen.

    Sicher hattest Du keine Chance, Deine Kindheit und Jugend zu beeinflussen. Wie ich auch, hat man doch Eltern die man sich weder aussuchen kann noch kann man sie als Kind irgendwie "erziehen". Du hast das ja sogar versucht, mit Deiner Nagelscherenaktion. Traurig, dass ein kleines Mädchen keinen anderen Weg sieht um auf ihre Bedürfnisse hinzuweisen. Also, wenn ich dann an die Bemerkung Deiner Mutter denke, als Du Teenie warst. Wow, da ist jeder Hauch von Niveau aber gaaaanz weit weg. Aber das alles hast nicht Du zu verantworten und Du hast Dir das auch nicht aussuchen können.

    Jetzt allerdings bist Du erwachsen. Diese Kindheit und diese Jugend ist nicht spurlos an Dir vorüber gegangen. Du hast durch diese Kindheit bestimmte Verhaltensmuster aufgebaut, z. B. das Du stark sein musst, dass Du Hoffnung geben musst usw. Das ist etwas ganz normales für Kinder, die zu früh erwachsen werden mussten. Ohne hier auf diesem Gebiet tiefer gebildet zu sein möchte ich Dir raten, dass Du Deine Kindheit und Jugend aufarbeitest. Vielleicht hast ja auch schon mal etwas unternommen, warst mal bei einem Psychologen, hast versucht aufzuarbeiten. Falls das so ist, würde ich mich freuen, wenn Du von Deinen Erfahrungen berichtest. Falls nicht, ich glaube das würde Dir helfen. Auf jeden Fall bist Du ein Mensch, der stark auf andere fokussiert ist und stellt sich natürlich die Frage: Und wo bleibst Du? Was ist mit Deinem Leben?

    Was Dir nicht hilft, ist eine "Aufarbeitung" mit Hilfe des Alkohols. Er beamt Dich temporär weg, anschließend sind aber alle Probleme noch da. Und je häufiger Du Dich temporär weg beamst, desto höher ist die Suchtgefahr. Und wenn Du erst mal süchtig bist (Du zeigst bereits deutliche Anzeichen), dann ist der Spaß sowieso vorbei. Denn dann bleiben nicht nur die Probleme vor denen Du eigentlich entfliehen wolltest, sondern es kommen noch neue, alkoholbedingte Probleme dazu. Letztere werden Dich auf die Länge hin gesehen kaputt machen.

    Aber ich denke, dass Du das alles schon weißt, sonst wärst Du wahrscheinlich nicht hier.

    Ich bin jetzt mal ehrlich, ganz ehrlich:

    Es ist wirklich eine sche**ß Idee schwanger werden zu wollen um mit dem Trinken aufhören zu können. Ich bin tatsächlich erschüttert, wie man auf so eine Idee überhaupt kommen kann. Ich sage Dir das als Alkoholiker und Vater von drei Kindern. Zum einen, kannst Du es natürlich schaffen, während der Schwangerschaft keinen Alkohol zu trinken, vielleicht stillst Du dann und kannst auch während dieser Zeit keinen Alkohol trinken. Mag sein, liest man oft. Wenn Du aber süchtig bist, dann ist die Gefahr, dass Du danach wieder säufst, enorm hoch. DAS liest man übrigens sehr oft. Das liest sich dann ungefähr so: "während meiner Schwangerschaft habe ich es doch auch geschafft keinen Tropfen anzurühren, danach habe ich aber dummerweise wieder mit dem Trinken begonnen" - diese Geschichten habe ich schon oft gelesen.

    Dazu kommt, dass so ein Kind, welches eines der wunderbarsten Geschenke ist, die man bekommen kann, seeeeehr anstrengend sein kann und ich sage jetzt mal auch sehr anstrengend ist. Egal wie lieb Dein Kind sein wird. Da kommen auch harte Zeiten auf Dich zu. Ich kann das mit 3 Kindern ganz gut beurteilen und eines meiner 3 ist noch "ganz frisch", also erst knapp 2 Jahre alt. Sie ist ein wunderbares und völlig unkompliziertes Mädchen, trotzdem hat man so seine Herausforderungen. Wenn alles passt, bekommt man das gut hin. Am Anfang meiner Abstinenz hätte nie Entschluss für ein Kind gefällt. Zu sehr war ich mir selbst beschäftig, zu instabil war meine Trockenheit, zu groß war schon mein Verantwortungsgefühl um einen kleinen Menschen in die Welt zu setzen und nicht zu wissen, ob man überhaupt in der Lage ist, sich (nüchtern) um ihn zu kümmern.

    Weißt Du, mein erstes Kind bekam meine Ex-Frau, als wir frisch verheiratet und glücklich waren, da war ich noch nicht süchtig. Das zweite bekamen wir, da war ich schon süchtig, stand aber noch recht am Anfang, ungefähr so wie Du jetzt, vielleicht sogar noch ein bisschen weniger. Damals, als meine Tochter zur Welt kam, ahnte ich schon das ich süchtig sein könnte. Und ich legte mit der Geburt meiner Tochter eine mehrmonatige Trinkpause ein. Gar kein Problem, hat fast ein Jahr angedauert. Ich machte das deshalb, weil ich Angst hatte, ich könnte mich im Suff auf sie drehen, wenn sie bei uns im Bett mit schläft. Da unser Großer öfter bei uns in der Mitte geschlafen hat und er sich prächtigst entwickelt hat, war das auch für unsere Tochter so gesetzt. Aus dieser Angst heraus und nur deswegen, habe ich diese Trinkpause gemacht. Natürlich habe das nicht als Trinkpause gesehen, ich wollte damals nichts mehr trinken, wegen meiner Tochter.

    Was ich aber "vergessen" hatte war, dass ich süchtig war. Und das ein Süchtiger normal nicht einfach nix mehr trinkt. Ich meine das geht schon, besonders am Anfang, aber die Sucht bleibt. Es fehlt die Aufarbeitung, es fehlt das Bewusstsein, es fehlt eigentlich das komplette Rüstzeug für ein trockenes Leben. Und trank ich also fast ein Jahr lang keinen Tropfen um dann wieder anzufangen. Und meine Tochter durfte ihre Kindheit mit einem alkoholkranken Papa verbringen. Herzlichen Glückwunsch, da habe ich ordentlich versagt.

    Ganz erschüttert hat mich auch, dass Du ein Kind wegen Deines Papas bekommen möchtest. Oh, das hört sich nicht gut an. Also einen Enkel bevor er stirbt. Da möchte ich wieder auf die Aufarbeitung Deiner Kindheit zu sprechen kommen. Warum willst Du das? Damit er stolz auf Dich ist? Oder damit Du ihm nochmal was gutes, positives tust? Und wo bleibst Du bei der ganzen Geschichte und wo bleibt Dein Kind? Ich meine, wenn Du ihm einen Porsche kaufen möchtest, weil das immer sein Traumauto war und Du ihm so einen letzten Wunsch erfüllen wollen würdest, ok, hätte ich kein Problem, das nötige Kleingeld verausgesetzt. Aber hey, Du sprichst hier von einen KIND, einem kleinen Menschen für den Du allein die Verantwortung trägst. Diese Verantwortung solltest Du erst dann übernehmen, wenn Du Dir sicher bist, dass Du die Verantwortung für Dein eigenes Leben übernehmen kannst.

    Ich hoffe Du bist mir nicht böse, ich schreibe wirklich nur was ich denke. Aber eine Schwangerschaft als Ausweg aus der Sucht, oh mann, das ist echt eine ziemlich abegefahrene und auch dem Kind gegenüber verantwortungslose Idee.

    Wie wäre es denn, wenn Du erst mal Deine Sucht in den Griff bekommst? Also Du gehst zum Arzt, sprichst offen über Dein Problem. Du gehst zur Suchtberatung, sprichst offen über Dein Problem. Beim Arzt darfst Du auch gerne über Deine Kindheit sprechen. Gemeinsam überlegt ihr was zu tun ist. Du entgiftest erst mal unter ärztlicher Begleitung, dann gehst vielleicht zu einen Psychologen, vielleicht ist auch eine Therapie das richtige für Dich, vielleicht sogar eine stationäre. Geht ja alles noch ganz gut, ist ja noch kein kleines Kind da. Egal wie, Du ergreifst Maßnamen um Dein Leben wieder in die eigenen Hände zu bekommen, um Dein Leben wieder selbst zu leben, so dass künftig Du die Chefin im Ring bist und nicht der Alkohol.

    Und wenn Du das dann über einen längeren Zeitraum, gerne mal 2 Jahre (innerhalb dieser Zeit ist die Rückfallquote nämlich besonders hoch) gut gemeistert hast, zufrieden und glücklich abstinent lebst, dann steht dem Kinderwunsch doch überhaut nichts mehr im Wege. Und die Chance, dass Dein Kind oder gar Deine Kinder ;) dann eine alkoholfreie Kindheit und Jugend erleben dürfen, ist enorm gestiegen.

    Gut, dass Du hier schreibst! Ich hoffe Du bekommst ganz viele Anregungen um Deinen Weg zu finden. Viele hier haben die Sucht besiegt, ich glaube aber niemand davon mit Hilfe einer Schwangerschaft. Falls doch, würde mich diese Geschichte sehr interessieren.

    Alles alles Gute wünsche ich Dir.

    LG
    gerchla