Beiträge von Gerchla

    Guten Morgen Camina,

    über dieses Thema oder diese Themen würde ich mich sehr gerne mit Dir austauschen. Bezüglich der Schuld oder der Schuldgefühle musste ich sehr hart an mir arbeiten. Wenn ich da nicht die richtige Hilfe von außen gesucht und erhalten hätte, ich weiß nicht ob ich nicht sogar darüber verzweifelt wäre. Dazu hätte ich ganz viele Gedanken, die ich gerne mit Dir diskutieren und teilen würde.

    Selbiges zum Thema "habe ich überhaupt jemals richtig geliebt".

    Aber ich lass das hier jetzt bleiben. Vielleicht möchtest Du im Bereich "WhoisWho" einen Thread eröffnen? Da können nur angemeldete Mitglieder die dafür freigeschalten wurden mitlesen. Hat Dich Greenfox für diesen Bereich schon freigeschaltet? Ich könnte den Thread dort auch eröffnen. Aber ich warte jetzt erst mal ab.

    Ich wünsche Dir eine schönes Wochenende und freue mich auf einen weiteren Austausch mit Dir.

    LG
    gerchla

    Hallo Siegfried,

    Zitat

    Arbeitet an eurer Seele!
    Je früher umso besser!
    Oder: Spät ist besser als nie!
    Es lohnt sich!

    ich finde das hast Du sehr gut ausgedrückt! Es sagt eigentlich alles aus!

    Zu schade, dass es die meisten nicht erreicht. Und naja, zu nassen Zeiten hätte es mich auch nicht erreicht aber die, die hier im Forum ankommen sind meist schon ein Stückchen weiter. Besonders gefällt mir Deine Aussage "arbeitet an eurer Seele" - ja, ist die Seele gesund, braucht es keinen Alkohol mehr!

    LG
    gerchla

    Hallo Tanja,

    herzlich Willkommen hier im Forum, auch wenn der Grund dafür natürlich alles andere als erfreulich ist.

    Du hast ja geschrieben, dass Du seit längerem eine Mitleserin bist. Dann hast Du bestimmt auch schon ganz viel im Anghörigen-Bereich gelesen. Und letztlich hast Du es ja auch bereits recht gut erkannt:

    Zitat

    Wenn sie keine Hilfe will, dann kann man ihr auch nicht helfen oder?

    So ist es leider. Das hast Du bestimmt in zahlreichen anderen Berichten hier schon so gelesen. Nur Deine Schwester selbst kann etwas an ihrer Situation verändern. Was aber voraussetzen würde, dass sie das auch möchte. Also erst mal müsste sich eingestehen, dass sie ein Problem hat, dass sie alkoholkrank ist. Aber wie Du schreibst sieht sie ja kein Problem bei sich. Oder sie ist noch nicht bereit das für sich zu akzeptieren obwohl sie möglicherweise schon ahnt, dass sie ein Alkoholproblem hat.

    Wie dem auch sei, das bringt Dir und allen anderen Beteiligten leider nichts. Insofern kann ich Dir nur einfach nochmal recht geben: Wer keine Hilfe möchte, dem kann man erst mal auch nicht helfen.

    Diese Frage ist jetzt vielleicht ein wenig schwieriger zu beantworten:

    Zitat

    Ist es richtig, wenn wir uns alle von ihr abwenden?

    Ich denke, entscheidend ist wie es Euch damit geht. Also was das Verhalten Deiner Schwester für eine Auswirkung auf Dein Leben und Dein Wohlbefinden hat. Da Du bei ihr nichts verändern kannst, bleibt Dir nur auf Dich selbst zu achten. Und wenn Dich das Verhalten Deiner Schwester belastet, so sehr das sogar Dein eigenes Wohlbefinden darunter leidet, dann ist eine Distanzierung sicher nicht das schlechteste. Du bist für Dein Leben verantwortlich und solltes nicht zulassen, dass es von außen Schaden erleidet.

    Du sprichst ja von "alle", die sich abwenden sollen. Da kann ich nichts zu sagen, denn ich weiß nicht wer alle ist und in welcher Beziehung sie zu Deiner Schwester stehen. Und auch nicht, wie sehr sie unter ihrer Sucht leiden. Bei wem ich aber ein ganz großes Problem sehe ist natürlich die Tochter. Was Du schreibst hört sich gar nicht gut an. Aber auch sie hat es natürlich nicht in der Hand ob ihre Mutter trinkt oder nicht. Und auch sie muss, auch wenn sie noch sehr jung ist und das wirklich sehr schade ist, ihr Leben selbst in die Hand nehmen und sich wahrscheinlich von ihrer Mutter distanzieren.

    Das ist wieder für sie noch für Dich einfach, verumute ich mal. Deshalb wäre mein Rat, dass Ihr Euch hier auch Hilfe holt. Es gibt Beratungsangebote auch für Anghörige und es gibt auch Selbsthilfegruppen mit diesem Schwerpunkt. Vielleicht kannst Du Deine Nichte, die glaube ich noch viel tiefer drin hängt und viel näher dran ist (es ist ja ihre Mutter) auch ein wenig stützen oder sogar unterstützen. Wenn Du das möchtest. Bei könnte es auch sinnvoll sein, eine psychologische Begleitung ins Auge zu fassen. Immerhin geht es um eine Kind-Mutter-Beziehung. Aber es steht mir nicht zu das zu beurteilen.

    Diese Distanz, die Ihr da möglicherweise jetzt aufbaut muss nicht für immer sein. Für den Fall, dass Deine Schwester tatsächlich mal "zur Vernunft" kommt, könntet ihr natürlich wieder für sie da sein. Wenn ihr das wollt. Solange sie trinkt und sich so verhält wie von Dir beschrieben, sehe ich aber keine andere Möglichkeit als sie ihr Leben leben zu lassen. Aber ohne Dich bzw. ihre Tochter.

    Noch kurz dazu:

    Zitat

    Wir haben sie schon öfters in eine Suchtklinik gesteckt aber die kommt da nach einer Woche wieder raus, weil sie sich bei den Ärzten zu gut präsentieren kann und die sind ja so dämlich (sorry aber wahr) und glauben der alles.


    Ich weiß jetzt nicht genau was Du damit meinst. Vor allem mit "in die Suchtklinik gesteckt". Also möglicherweise war sie in einer Klinik zur Entgiftung, das würde zeitlich auch ganz gut passen. Da ist sie dann natürlich nach erfolgreicher Entgiftung wieder raus. Und danach käme eigentlich eine Therapie, z. B. eine Langzeittherapie. Die müsste sie aber von sich aus machen wollen, also beantragen usw. Die Ärzte können sie nicht einfach ans Bett fesseln und sagen "Du kommst hier nicht mehr raus". Und ich weiß ja nicht wer Dir das alles erzählt hat. Haben die Ärzte Dir gesagt das sie kein Problem hat und deshalb nach einer Woche raus darf? Oder hat sie Dir erzählt das die Ärzte ihr das erzählt haben?

    Naja, egal. Wie dem auch sei, ich denke das die Ärzte auf Entgiftungsstationen oder in Therapiezentren recht genau wissen woher der Wind weht. Das ist ja deren täglich Brot.

    Aber nützen tut Dir und Deiner Nichte das alles jetzt ja sowieso nichts. Darauf zu hoffen, dass Ärzte Deine Schwester zwangstrocken legen könnten braucht ihr nicht. Wenn sie nicht will, dann will sie nicht. Die Ärtze können helfen und das können sie sogar sehr gut, wenn der Patient sich helfen lassen will. Wenn nicht, dann ist das auch nicht deren Problem.

    Also achtet auf Euch. Macht Euch einen Plan wie ihr es angeht, wie es weiter gehen soll. Und holt ich Hilfe von außen dazu, ihr müsst nicht alles ganz alleine durchkämpfen.

    Alles Gute wünsche ich Dir / Euch und viel Kraft.

    LG
    gerchla

    Liebe Camina,

    ich wollte Dir nur sagen, dass ich mich in ganz vielem von dem was Du über Deine (unsere) Krankheit geschrieben hast wieder finde. Ich habe es sehr ähnlich erlebt und erlebe es sehr ähnlich wie Du. Sogar inklusive der Trennung von (in meinem Fall) meiner Frau. Die ebenfalls quasi überhaupt keinen Alkohol trank. Das ist tatsächlich das erste mal, dass ich auf jemanden treffe, der scheinbar vor genau der gleichen Entscheidung stand wie ich damals.

    Es war so, dass ich mir lange eine Trennung nicht vorstellen konnte. Weil da waren ja meine von mir über alles geliebten Kinder. Und ja, meine Frau war jetzt auch keine böse oder schlechte Frau. Ich war ja derjenige, der heimlich trank, den sie deshalb auch schon lange nicht mehr erreichen konnte. Ich war also jahrelang wirklich der Täter und nicht das Opfer. Aber so richtig bewusst war ich mir dieser ganzen Situation nicht. Vielleicht war das bei meinem täglichen Konsum auch gar nicht mehr möglich. Ich meine zu verstehen, was da eigentlich genau ab geht. Wenngleich ich immer mal lichte Momente hatte, die ich aber nicht ertragen konnte und sofort mit Alkohol abdunkelte.

    Erst als ich aufgehört habe fing ich an tiefer nachzudenken. Und erst dann wurde mir klar, ich werde nicht trocken bleiben (oder zu dieser Zeit besser: trocken werden), wenn ich mich nicht trenne. Diese Entscheidung war unglaublich hart. Für mich, aber natürlich noch mehr für meine Kinder und auch für meine damalige Frau, denn sie sagte mir auch, dass sie mich immernoch liebte. Und sie wäre wohl den Weg mit mir gegangen. Aber ich konnte nicht.

    Du merkst, das ist ein Thema das mich auch nach diesen vielen Jahren noch sehr beschäftigt. Ich verbinde damit eine große Schuld meinerseits. Ich gab ihr auch keine Chance unsere Beziehung zu retten. Es beschäftigt mich immernoch, obwohl ich heute wieder verheiratet bin, mit einer wunderbaren Frau die ich wirklich sehr sehr liebe. Aber mir ist auch bewusst, dass ich jetzt erst weiß, was Liebe eigentlich bedeutet. Insofern beschäftigt mich auch manchmal die Frage, ob ich meine erste Frau überhaupt jemals geliebt habe bzw. was ich damals darunter verstanden habe.

    Ich finde das sehr interessant, weil eigentlich könnte ich da einen Haken dran machen. Ich bin heute sehr glücklich, habe nochmal eine wunderbare Tochter bekommen, meine beiden anderen Kinder sind ebenfalls wunderbar und wir haben ein prima Verhältnis und sogar das Verhältnis zu meiner ersten Frau ist wirklich gut. Aber trotzdem beschäftigt mich das immer wieder, ohne das ich jetzt irgendwas finde, das ich unbedingt aufarbeiten möchte.

    Naja, wollte ich Dir einfach mal schreiben. Vielleicht gibt es noch andere Menschen hier, die vor solchen Entscheidungen stehen. Manchmal muss man Dinge tun, die von außen nicht verstanden werden (so war das bei mir), wenn man davon überzeugt ist, dass es die richtigen Dinge sind!

    LG
    gerchla

    Liebe Nicole,

    das Programm das Dietmar Dir vorgeschlagen hat könnte ein Weg für Dich bzw Euch sein! Vor allem auch deshalb, weil Du offenbar auch bereit bist diesen Weg mit ihm gehen zu wollen. Oft ist leider auch schon zu viel passiert um weiter einen gemeinsamen Weg gehen zu können. Schön, wenn das bei Dir nicht der Fall ist.

    Und ja, Du hast natürlich Recht wenn Du um Deine Beziehung kämpfst. Du musst nur aufpassen, dass Du Dich dabei nicht selbst aufreibst.

    @Dietmar: Danke, dass Du diese Alternative aufgezeigt hast. Ich hatte sie nicht auf dem Schirm. Gut das Du da bist!

    LG
    Gerchla

    Hallo Nicole,

    herzlich Willkommen bei uns im Forum.

    Ich stelle mich mal ganz kurz vor: Ich bin Ende 40, Alkoholiker und lebe jetzt schon länger ohne Alkohol. Ähnlich wie Dein Mann war ich während meiner Trinkerzeit auch verheiratet, Papa von 2 Kindern, das diese wunderbar für mich waren bzw. noch sind bräuchte ich wahrscheinlich nicht erwähnen. Ich liebte sie über alles, das reichte aber nicht aus um mit dem Trinken aufzuhören.

    Was Du von Deinem Mann schreibst bzw. wie Du ihn beschreibst, das alles kenne ich nur zu gut. Du beschreibst hier sehr schön einen ganz klassischen funktionierenden Alkoholiker, mit Familie, wahrscheinlich einem ganz brauchbaren Job, der noch alles irgendwie hinbekommt (nach außen). Dir und seiner Familie gegenüber liegt allerdings schon einiges im Argen, Du kannst ihn nicht mehr erreichen. Gegenüber meiner Ex-Frau hast Du den Vorteil, dass Du weißt woran das liegt. Meine Frau wusste nämlich nicht das ich trank. Und verzweifelte an unserer Beziehung.

    Du weißt was los ist und Du machst mir auch einen sehr klaren Eindruck, was ich als sehr gut empfinde. Du hast auch schon erkannt, dass all sein Gesülze bezüglich dessen, was er ab jetzt nicht mehr tut oder wie er es künftig machen wird usw. nichts Wert ist. Ganz klassisch übrigens auch, dass Du an seiner Trinkerei Schuld hast. Wenn die üblichen Ausreden nicht mehr fruchten, dann wird zu dieser Keule gegriffen. Und natürlich bist Du überhaupt nicht daran Schuld. Es spricht für Dich, dass Du sogar noch versuchen würdest über eine Partnertherapie die Geschichte ins Lot zu bringen.

    Davon kannst Du Dich aber verabschieden, denn ein nasser Alkoholiker ist nicht zu therapieren. Bzw. die einzige Therapie die er brauchen könnte, wäre eine gegen seine Sucht.

    Nun leider, Du wirst es schon gelesen haben, sind Dir da die Hände ziemlich gebunden. Er allein entscheidet ob er trinkt oder nicht. Er allein entscheidet ober er etwas gegen seine Sucht unternehmen möchte oder nicht. Du bist eine Statistin. Er hat sein Leben längst an den Alkoholabgegeben. Seine Geliebte ist der Alkohol, so ist das leider.

    Das bedeutet aber nicht, dass Du gar nichts tun kannst. Denn Du kannst auf Dich und Dein Kind schauen. Du kannst dafür sorgen, dass seine Sucht nicht auch noch Dein und das Leben Deines Kindes zersört. Du hast es nämlich richtig erkannt: Dein Kind bekommt schon jetzt mehr mit als Dir lieb sein kann und es wird mit jeder Woche mehr werden.

    Was Dir jetzt noch fehlt, mal ganz salopp formuliert, ist, dass Du Deinen Ankündigungen auch Taten folgen lässt. Rede nicht davon ihn zu verlassen sondern tue es! Ja alles nicht so einfach, ich weiß. Aber damit setzt Du mal einen Wirkungstreffer. Dann wirst Du sehen, ob er wach wird oder weiter säuft. Wird er wach und tut was, kannst Du Dir überlegen ob Du es nochmal probieren möchtest. Sei Dir aber im Klaren, dass das ein ganz schwerer Weg werden wird. Wobei tuen in diesem Fall nicht bedeutet, dass er Dir irgendwas verspricht oder mal ein paar Tage nichts trinkt. Es würde bedeuten, dass er zum Arzt geht, eine Suchtberatung aufsucht, sich informiert wie eine Therapie aussehen könnte und auch einen Termin zur Entgiftung in einer Klinik macht (ggf. beim Termin mit dem Arzt). Auf das übliche Blabla brauchst Du nichts zu geben.

    Säuft er weiter, hast Du so oder so die richtige Entscheidung getroffen. Nichts schlimmeres als mit einem Trinker zusammen leben zu müssen. Dieser nimmt Dir Deine ganze Lebensqualiät.

    Das jetzt nur mal in aller Kürze weil ich weg muss.

    Ich wünsche Dir ganz viel Kraft. Lies Dich hier in Ruhe ein. Du bist nicht die einzige, die so etwas erleben musste. Leider leiden die Partner und Angehörigen von Alkoholiker immer am meisten an der Sucht. Ich wünsche Dir einen guten Austausch und ich werde Dich weiter lesen. Alles Gute erst mal.

    LG
    gerchla

    Hallo Fraudrschneider,

    herzlich Willkommen bei uns im Forum.

    Ich stelle mich mal kurz vor: Ich bin Ende 40, Alkoholiker und lebe schon längere Zeit ohne Alkohol.

    Mir sind ein paar Sachen bei Dir aufgefallen, die mich an meine Situation erinnern:

    Zitat

    stehe fest im Leben und habe 2 wunderbare kleine Mädchen und bin verheiratet.


    War bei mir auch so, wobei ich Papa von meinem schon etwas größeren Sohn und meiner kleinen Tochter war (äh und noch bin, wobei mein Sohn jetzt längst erwachsen ist und meine Tochter fast). Ich liebte sie beide über alles (das trifft auch heute natürlich noch zu). Trotzdem konnte diese Liebe zu meinen Kindern nicht verhindern, dass ich immer tiefer in die Sucht rutschte!

    Zitat

    Naja, und ich sehen bei mir immer mehr die Tendenz in die falsche Richtung. Ich trinke oft nicht nehr für den Genuss, sondern wegen dem Gefühl.


    Diese Phase hatte ich auch. Ich merkte: "hoppla, da gerät doch was aus dem Ruder", jedoch konnte ich nicht richtig gegensteuern. Was folgte waren Trinkpausen. Ich wollte es nicht zulassen, dass ich einfach so weiter trank. Also zwang ich mich zu Pausen (hast Du ja auch schon gemacht, gell?). Diese klappten auch. Am Anfang meiner Sucht konnte ich sogar mal monatelang ohne Alkohol leben, später dann immerhin noch ein paar Wochen, dann ein paar Tage und irgendwann war es ein großer Erfolg, wenn ich mal nur 4 oder 5 Bier am Tag trank statt 10 oder 12.

    Und wie bei Dir, steigerte ich mein Trinknieveau nach jeder Pause. Als ob ich nachholen wollte, was ich verpasst hatte. Leider steigerte sich das Niveau immer auf Dauer. Waren vor der Pause 3 oder 4 Bier am Tag, waren es danach (schleichend) 4 oder 5 Bier. So war es eigentlich immer wenn es eine längere Pause war. Am Ende ist das dann alles egal, weil da kann man dann eh keine Pausen mehr machen. Bzw. ich wollte gar keine mehr machen, war eh alles egal.

    Zitat

    Aber scheinbar kann ich das nicjt mehr. Gesellschaftlich gehört es ja irgendwie auch immer dazu.


    Siehe die Anmerkung von Greenfox. Du hast schon Recht, Alkohol ist gesellschaftlich anerkannt, wird überall gereicht usw. Aber trinken tust Du ihn. Du wirst nicht dazu gezwungen. Du meinst nur Du müsstest es tun um dazu zu gehören. Und ja, je nachdem in welchen Umfeld Du unterwegs bist, kann es sein, dass die Menschen Dich ansprechen, wenn Du nicht trinkst. Aber ehrlich, das ist deren Problem, nicht Deines. Und ich will Dir auch sagen, dass ich mir darüber auch viele Gedanken gemacht habe, am Anfang meiner Trockenheit.

    Aber die Erfahrung hat dann gezeigt, dass es meist genügt zu sagen: Ich trinke keinen Alkohol. Und dann greift man zu was anderem.

    Zitat

    Zudem gefalle ich mir mit der trinkerei auch überhaupt nicht, da ich mich irgendwie verändere.


    Körperlich habe ich mich erst in den letzten Jahren meiner Trinkerei verändert. Ich wurde stark übergewichtig und sah auch sonst eher aus wie ein Darsteller aus einem Zombiefilm. Die psychische Verändern begann jedoch viel früher. Diese Veränderung ist ganz schlimm. Das ganze bei mir in Kombination mit ganz viel lügen und betrügen (ich trank heimlich). Über die Jahre baute ich eine eigene Parallelwelt auf. In dieser lebte ich dann. Mein ganzes Denken war von Alkohol geprägt. Die Herausforderung war, diese über Jahre antrainierten Denkweisen dann wieder zu überwinden. Zu lernen, wieder die Wahrheit zu sagen und nicht einfach ganz automatisch zu lügen um aus einer unangenehmen Situation heraus zu kommen.

    Das waren mal so meine Gedanken. So wie Du schreibst, bist Du gerade auf dem Weg so richtig in die Sucht hinein. Das was Du von Dir beschreibst waren bei mir nicht mehr die Anfänge. Es ist vergleichbar mit meiner mittleren Phase. Da trank ich täglich, noch nicht ganz so viel jedoch deutlich zu viel und war natürlich längst süchtig. Die Gedanken drehten sich schon viel um Alkohol, ich wollte meiner Kinder zu liebe aufhören, ich legte immer mal Pausen ein, um dann doch wieder zu trinken. Das war zugleich auch die längste Phase meiner Sucht. Sie dauerte viele Jahre. Man merkte es mir nicht an (wie gesagt ich trank heimlich) und konnte meine Fassade noch ganz gut und ohne den ganz großen Aufwand aufrecht erhalten.

    Deine Frage war ja: Wie soll ich am besten vorgehen, was soll ich tun?

    Meine Antwort ist, mit der Erfahrung die ich selbst gemacht habe:
    Gehe es offensiv an. Versuche nicht heimlich mit dem Trinken aufzuhören (da kann ich Dir ein Lied von singen). Geh zum Arzt, sprich mit ihm/ihr darüber. Macht gemeinsam einen Plan. Besuche auch eine Suchtberatung. Vielleicht denkst Du auch über eine reale SHG nach. Und ja, natürlich muss dann Dein nächstes Umfeld davon erfahren. Dein Mann, Deine Familie evtl. auch Deine engen Freunde.

    Geh es offensiv an, such Dir Hilfe und lass Dir helfen. Du bist 29 Jahre alt, mein Gott, Du hast quasi alles noch vor Dir. Du hast wunderbare Kinder, sie brauchen eine Mama ohne Alkoholsucht. Du solltest Dein Leben nicht an den Alkohol verschwenden sondern es selbst in die Hand nehmen. Je früher desto besser und wahrscheinlich auch desto einfacher. Einen ersten und ganz wichtigen Schritt hast Du ja gemacht: Du hast Dich hier geoutet. Jetzt geh weiter auf Deinem Weg. Wir werden Dich begleiten wenn Du das möchtest!

    LG
    gerchla

    Liebe Juscha,

    erst mal 44. für Deinen Arztbesuch! Das war sicher kein einfacher Schritt, ich weiß wovon ich spreche.

    Ich will einfach mal auf ein paar Dinge von Dir eingehen:

    Zitat

    Ich hoffe, dann wieder in der Lage zu sen, Sport zu treiben, was mir mental immer wieder hilft und mir hoffentlich die nötige Energie gibt, die nächsten Schritte durchzuziehen


    Ich wünsche Dir natürlich auch, dass Du möglichst schnell wieder Energie bekommst. Sport, wenn man ihn gerne macht, ist eine tolle Sache und kann einem im Leben sehr viel Ruhe und Zufriedenheit geben. Ich bin selbst Langstreckenläufer (Halbmarathon und Marathon), das war meine Leidenschaft bevor ich mit dem Trinken begann, es ist jetzt wieder meine Leidenschaft, jedoch in anderern Form. Jetzt dient es mir dazu, mich mit mir selbst zu beschäftigen in einer ganz entspannten Art und Weise. Ich laufe und denke nebenher irgendwas, ich laufe und freue mich das ich das tun kann, ich laufe und danke Gott dafür, dass ich diese Leben führen darf, ich laufe und freue mich über die tolle Landschaft in der ich leben darf, die Tiere die ich sehe, die Sonnenauf- oder auch untergänge in die ich hinein laufe usw.
    Aber ich begann mit diesem Sport erst wieder, als ich das Gefühl hatte, ich hätte meine Sucht einigermaßen aufgearbeitet. Schon nach ein paar Tagen ohne Alkohol kam der Gedanke in mir auf wieder laufen zu gehen. Ich habe mich bewusst dagegen entschieden weil ich meine Zeit bewusst mit der Aufarbeitung meiner Sucht verbringen wollte. Ich wusste wie positiv sich laufen auf mich auswirkt und ich hatte Angst, ich könnte dadurch das Aufarbeiten vernachlässigen. Weil ja alles so toll ist und ich ja gar kein Problem mehr habe. Also arbeitete ich auf, ging viel Spazieren, war viel draußen, begann aber bewusst nicht mit Sport.
    Irgendwann kam der Tag, wo ich wusste: Jetzt kann ich wieder damit anfangen. Und so kam es dann und ich glaube, ich habe das für mich ganz richtig gemacht.

    Das sind nur Denkanstösse für Dich, das heißt nicht, dass Du nicht mit Sport beginnen sollst. Bei Dir ist das vielleicht ganz anders. Aber darüber nachdenken darfst Du gerne.

    Zitat

    Ich glaube inzwischen - und so ähnlich höre ich es aus deinen Schilderungen - dass es nicht damit getan ist, einfach keinen Alk mehr zu trinken.


    Damit liegst Du genau richtig. Und das ist auch ein bischen das was ich mit meiner Abhandlung über das Laufen sagen wollte. Aufarbeiten ist enorm wichtig und sollte nicht verdrängt oder vernachlässigt werden. Die Gefahr besteht vor allem dann, wenn es einem recht leicht fällt nicht mehr zu trinken. Alles toll, alles prima - warum also noch groß über diese unangenehme Thema nachdenken? Das birgt eine sehr große Gefahr. Du hast es also ganz richtig erkannt.

    Zitat

    Oder sich mit alkoholfreiem Bier zu retten, um bloss die Gewohnheit nicht ganz aufzugeben


    Das alkoholfreie Bier..... Ja manche Alkoholiker können es trinken, andere werden davon rückfällig. So ne Sache. Ich kenne beide Fälle in meinem Bekanntenkreis. Ich glaube auf jeden Fall, dass es in der Anfangszeit überhaupt keine Option ist, die alkoholfreie Variante eines normal alkoholischen Getränks zu komsumieren. Nach dem Motto: Na dann trink ich halt alkoholfreies Bier.... Wie gesagt, erst mal aufarbeiten. Und wenn man das erfolgreich gemacht hat, kann man evtl. sogar mal eines trinken, aber es kann auch gut sein, dass man das dann gar nicht mehr möchte. Wozu auch? Ich z.B. trank wegen der Wirkung, und zwar nur wegen der Wirkung. Hauptsächlich Bier. Wozu sollte ich jetzt alkoholfreies trinken?

    Zitat

    Vielleicht ist es gar nicht mal das eine Glas Sekt zum Geburtstag (von dem ich hier im Forum schon viel gelesen habe)


    Wenn Du mit Deiner Sucht durch bist, sie also aufgearbeitet hast und die Sinnlosigkeit des Trinkens erkannt hast, dann wirst Du kein Glas Sekt mehr trinken wollen. Egal zu welchem Anlass. Dann wirst Du einfach was anderes trinken. Ohne das Dir irgendwas fehlt. Du wirst nicht mal mehr darüber nachdenken, dass Du ja mal ein Glas Sekt trinken könntest oder es gerne würdest. Weil Du erkannt hast, dass dieses Glas Sekt überhaupt keine Bedeutung hat.

    Zitat

    Viel schwieriger finde ich es, alte Gewohnheiten zu zurbrechen. Ganz unabhängig von den bereits beschriebenen Frustanlässen, mich zum Glas greifen lassen.


    Sehr gut erkannt. Deshalb vor allem am Anfang: Dafür sorgen, dass diese Triggerpunkte weg kommen. So gut es geht. Dazu gehört Dein Partner leider auch. Gewohnheiten meiden, bei denen Du immer getrunken hast, sofern das möglich ist.

    Zitat

    Ich habe schon ein wenig Angst, was alles auf mich zukommen wird.


    Ersetze doch mal das Wort "Angst" durch das Wort "Respekt". Angst hat was lähmendes, Angst lässt einen auch zweifeln, man läuft auch gerne vor ihr weg. Du darfst Respekt haben vor dem was vor Dir liegt. Diesen Respekt solltest Du Dir auch dann erhalten, wenn Du es mal geschafft hast und Deine Sucht überwunden hast. Er lässt Dich achtsam sein. Gleichzeitig solltest Du aber auch Mut haben. Den geben wir Dir hier, weil Du siehst das es funktionieren kann. Und wir sind keine Übermenschen oder so. Wir haben es einfach so gehalten wie Dein Vater zu Dir sagte: just do it!

    Ich freue mich wieder von Dir zu lesen. Ich wünsche Dir ganz viel Kraft für Deinen weiteren Weg und das Du ihn weiter konsequent gehst!

    LG
    gerchla

    Hallo Zera,

    schön das Du hier bist! Herzlich Willkommen.

    Als ich hier ankam war ich auch schon einige Zeit trocken und verspürte das Bedürfnis mich mit meiner Sucht weiter auseinander zu setzen. Ich hatte das in den ersten Monaten und auch Jahren meiner Trockenheit zwar ausführlich getan, also auch mit externer Hilfe, mit regelmäßigen Hilfsangeboten und Gesprächen mit unterschiedlichsten Menschen, jedoch waren diese "offiziellen Termine" dann ja mal vorbei. Ich war trocken, es ging mir prima und ich hatte keinen akuten Bedarf mehr.

    Eine Selbsthilfegruppe, die ich mehrere Monate lang besuchte, hatte ich verlassen. Weil ich mich dort nicht mehr so wohl fühlte bzw. es nicht das war, was ich mir auf Dauer vorstellen konnte. Diese Gruppe war für mich Gold wert, weil sie mich von Tag 1 an ohne Alkohol begleitet hatte, jedoch für meine weitere Entwicklung nachdem ich einigermaßen stabil war, war sie nicht das richtige.

    Irgendwann kam ich dann hier an, eben mit dem Wunsch ab und zu mal was über meine Sucht zu lesen, auch noch weiter darüber zu lernen. Besonders interessant fand ich (und finde ich immernoch) Geschichten von Menschen, die nach ewig langer Zeit ohne Alkohol rückfällig wurden. Solche Menschen sind hier glücklicherweise nicht oft, jedoch immer wieder mal. Und wenn ich dann lese, dass jemand nach 20 Jahren ohne Alkohol wieder mit dem Trinken begann, dann versuche ich daraus zu lernen. Reflektiere mein eigenes Leben, gleiche es ab mit dem was der Betroffene geschrieben hat, denke nach, ziehe Rückschlüsse usw.
    Über die Zeit die ich hier verbrachte hatte ich immer häufiger den Wunsch, auch mal zu schreiben, wie es bei mir gelaufen ist, wie ich es geschafft habe usw. Ich merkte, dass sich viele Alkoholikergeschichten gleichten, dass viele Ähnliches wie ich erlebt hatten oder gerade erleben und dass es trotzdem doch eine ganz individuelle Angelegenheit ist und kein Weg dem anderen gleicht. Und da merkte ich plötzlich, dass meine Erlebnisse und Erfahrungen für andere interessant sein könnten. Ich verspürte das Bedürfnis ihnen zu sagen: "Hey, ja ich weiß was Du meinst, hatte ich auch. Ich hab das damals so und so gemacht, vielleicht klappt das bei Dir auch".

    Ja und so ergab es sich dann das ich hier immer mehr schrieb. Und jeder der hier schreibt hat seine Erfahrungen ist bestimmten Bereichen gemacht. Und jeder hat Erfahrungen, die anderen nützlich sein könnten.

    Also, schön das Du da bist! Ich freue mich von Dir zu lesen!

    LG
    gerchla

    Guten Morgen Risu,

    meinen Glückwunsch zu 4 Wochen ohne Alkohol! Bleib dran!

    Darf ich Dir mal ein paar Fragen stellen? Ich mach einfach mal:

    4 Wochen hast Du jetzt hinter Dir. Es fällt Dir leichter als Du gedacht hast. Prima. Wie siehst Du denn Deine Zukunft bzw. machst Du Dir da Gedanken darüber? Hast Du Dir schon Gedanken darüber gemacht was Du in Deinem Leben dauerhaft ändern willst oder wirst? Ich glaube Du solltest Dir das zu Nutze machen, dass es Dir aktuell so leicht fällt nicht trinken zu müssen und genau jetzt die Pfeiler setzen für (D)ein neues Leben, dauerhaft ohne Alkohol. Natürlich vorausgesetzt, dass Du das überhaupt willst und nicht mit dem Gedanken spielst, irgendwann mal wieder trinken zu wollen oder zu können.

    Wenn Du dauerhaft ohne Alkohol leben möchtest, dann ist dazu mehr nötig als nicht mehr mehr zu trinken. So meine Erfahrung und die Erfahrung vieler anderer die hier schreiben. Es ist sicher nicht zwingend notwendig, dass Du eine SHG besuchst, schon gar nicht dann, wenn es tatsächlich mit Stress für Dich verbunden sein sollte überhaupt eine solche zu finden bzw. sie zu erreichen. Aber Du solltest Dir meiner Meinung nach Möglichkeiten schaffen, Dich mit Deiner Krankheit auseinander zu setzen, sie sozusagen auch aufzuarbeiten. Zu verstehen, was da eigentlich genau passiert ist bei Dir und warum das so war bzw. ist. Und was das für Dich für ein Leben ohne Alkohol überhaupt bedeutet.

    Meine Erfahrung ist, dass man das, also diesen Prozess, nach den ersten Wochen ohne Alkohol sehr gut angehen kann. Vor allem dann, wenn man ein positives Gefühl hat oder gar eine Euphorie spürt. Man ist dann stark, hat Kraft, denkt positiv und kann dadurch auch kritisch auf sich selbst blicken ohne in Gefahr zu kommen in eine depressive Stimmung zu rutschen.

    Ich weiß nicht, ob Du Dir über "sowas" Gedanken gemacht hast oder machst. Ich bin gespannt, wie Du Deinen Weg weiter gehst. Jedenfalls bist Du genau auf dem richtigen Weg. Bleib dran, ich wünsche Dir alles Gute.

    LG
    gerchla

    Hallo Schreckgespenst,

    Zitat

    Ich Zeit brauchen das zu schaffen, aber ich begebe mich Montag zu meiner Ärztin für Psychiatrie.


    Also, bei mir (und bei den meisten anderen hier auch) hat das auch seine Zeit gebraucht, bis wir es geschafft haben. Viele von uns haben mehrere Versuche gebraucht. Einige habe es soger schon längere Zeit geschafft und wurden dann rückfällig um erneut Zeit zu brauchen um es wieder zu schaffen. Ich denke Du solltest dafür kämpfen, denn es lohnt sich wirklich und ist letztlich auch die einzige Chance für Dich zu einem zufriedenen oder sogar irgendwann mal glücklichen Leben zu finden. Mit Alkohol, als Alkoholiker, ist das nämlich unmöglich. Auch wenn einem der Alkohol suggeriert es wäre so.

    Deine Enthscheidung Deine Ärztin aufzusuchen halte ich für goldrichtig. Genauso kann es funktionieren. Und dann Schritt für Schritt, eines nach dem anderen.

    Zitat

    Das schlimme ist es schmeckt (was bei mir vorliegt).


    Ok, es schmeckt Dir. Naja, aber es gibt doch so viel was einem schmeckt, oder? Und bestimmt auch bei Dir Dinge, die Dich nicht süchtig machen. Ich finde dieses Argument "es schmeckt mir halt" schon auch ein Vorwand bzw. eine Rechtfertigung ist, warum man halt einfach trinkt. Weil's ja so gut schmeckt. Wenn ich alles in mich reinstopfen würde was mir wirklich gut schmeckt, wäre ich wohl innerhalb kürzester Zeit ein kranker Mensch. Ich würde mich von Süßigkeiten und Chips ernähren (beides schmeckt mir nämlich sehr) und würde wahrscheinlich sogar irgendwann mal platzen. Also nein, es schmeckt mir zählt nicht. Es gibt gesunde Alternativen die auch schmecken und nicht nicht süchtig machen.

    Zitat

    Respekt an jeden der versucht davon wegzukommen bzw. die Kraft hat das zu schaffen!


    Mein Respekt gilt Dir, weil Du nicht wie so viele einfach aufgibst und weiter trinkst sondern den Kampf gegen Deine Sucht aufgenommen hast. Jetzt liegt es an Dir, ob Du irgendwann mal zu denen gehörst, die es geschafft haben ihre Sucht zu überwinden.

    LG
    gerchla

    Hallo Ailin,

    ich habe schon ein paar mal an Dich denken müssen in der letzten Zeit. Ich fragte mich, wie es bei Euch jetzt wohl so läuft und ob sich das alles einspielt. Jetzt weiß ich es. Ich finde es schade, dass er es nicht hinbekommt etwas gegen sein Sucht zu unternehmen. Stattdessen schilderst Du das ganz klassische Verhalten eines Alkoholikers.

    Als Du das geschrieben hast mit "man kommt gar nicht drauf warum er so komisch tickt", da musste ich wieder mal an meine eigenen Geschichte denken. Was habe ich meiner Frau damals für wirre und irre Geschichten erzählt, die sie mir dann auch noch geglaubt hat (bei Dir ist das natürlich anders weil Du Bescheid weißt). Da war ich manchmal selbst verblüfft wie ich mit meiner Lügerei so "gut" durchkommen kann.

    Nach wie vor finde ich, dass Du es mit Deinen Kindern sehr sehr gut machst. Offen und ehrlich, für mich der einzig richtige Weg. Viel mehr kannst Du aktuell wohl auch nicht tun. Ich finde es gut, dass die Kinder den Kontakt zu ihrem Papa haben. Ich denke, hier wird die Zeit auch einiges regeln. Dinge werden sich vielleicht verändern. Die fortschreitende Trennung zwischen Dir und ihm wird zu weiteren Veränderungen führen. Und letztlich wird es auch entscheidend sein, wie es mit seiner Sucht weiter geht. Es kann sein, dass die Kinder irgendwann nicht mehr so häufig zu ihm wollen, es kann auch sein das er sie nicht mehr so oft sehen möchte bzw. es ihm nicht mehr so viel aus macht, wenn er sie mal länger nicht sieht. Auch er wächst (ob Alki oder nicht) in eine neue Rolle hinein und braucht dafür etwas Zeit (ich spreche aus eigener Erfahrung). Ich denke, da wird sich noch einiges tun in den nächsten Monaten bei Euch.

    Aber das hast Du nicht in der Hand und Du musst eben auf das reagieren was kommt. Verdammt schade, dass er nix schnallt, so schade. Du legst ihm keine Steine in den Weg, Du greifst ihn nicht an, mit Dir als Ex-Frau und Mutter seiner Kinder hätte er alle Chancen der Welt wieder zurück zu einem glücklichen Leben zu finden. Wenn er seine Sucht hinter sich lassen würde. Aber gut, es ist wie es ist.

    Viel Kraft wünsche ich Dir weiterhin. Ich finde Du machst das wirklich toll!

    LG
    gerchla

    Guten Morgen Juscha,

    es freut mich, wenn wir Dir hier ein paar Denkanstösse geben können die Dich weiter bringen.

    Zitat

    Eigentlich - so irre das klingt - ist eine "ehrliche" Ohrfeige besser zu ertragen als ewige Lügen.


    Tatsächlich hat meine Ex-Frau das fast genauso zu mir gesagt, damals. Also nachdem ich mich geoutet hatte gab es natürlich viel Redebedarf. Was natürlich, wie Du Dir sicher vorstellen kannst, zu nicht ganz einfachen Gesprächen führte. Um es mal milde auszudrücken. Und einmal sagte ich, dass ich ja wenigstens nie aggressiv geworden bin, was man von anderen Alkoholikern ja "immer" so hört, bzw. was ich damals halt so dachte.
    Und dann sagte sie ziemlich genau das (inhaltlich), was Du geschrieben hast. Hat mich damals schwer getroffen und auch heute muss ich noch ab und zu darüber nachdenken.

    Ich denke heute allerdings, dass beide "Varianten", also sowohl pysische als auch psychische Gewalt einfach nicht gehen. Niemand hat des Recht einen anderen zu verletzen, egal auf welche Art und Weise, so einfach ist das meiner nach eigentlich. Und man sollte gar nicht darüber nachdenken, welche Art der Verletzung für einen einfach zu ertragen ist oder wäre, sondern mal sollte sich konsequent gegen jede Art der Verletzung zu Wehr setzen. Und sofort Konsequenzen ziehen.

    Zitat

    Das Gefühl der Scham muss ich wahrscheinlich nicht beschreiben.


    Ich glaube das kennen wir alle. Ich habe meine Scham während meiner Trinkerzeit durch ein enormes, nach außen getragenes Selbstbewusstsein übertüncht. Ich habe mich als Helden dargestellt, der alles im Griff hat, der megaerfolgreich ist, ein ganz toller halt. Umso härter war mein Fall, als ich all meinen Lieben, meinen Eltern, meinen Geschwistern und den verbliebenen Freunden die Wahrheit gesagt habe. Das war ein tiefer, ein sehr tiefer Fall und ein sehr schwieriger Schritt, jedoch auch ein elementar wichtiger für mich.

    Zitat

    Ich werde auch am Montag nicht ins Büro gehen, als wäre nichts gewesen, sondern zum Arzt. Vielleicht kann er meinen Weg ja beschleunigen.


    Eine super Entscheidung. Wenn Du magst, dann erzähl' doch mal, was der Arzt gesagt hat und was Ihr für Deinen weiteren Weg besprochen habt.

    Zitat

    Ich hoffe sehr, dass ich hier in diesem Forum auch zu denjenigen gehlren kann, die es "geschafft" haben und anderen Betroffenen Mut machen kann

    Warum nicht? Es liegt allein an Dir. Du musst diesen Weg auch nicht allein gehen, denn glücklicherweise gibt es ja viele Hilfsangebote. Nutze sie, schau was für Dich passt und dann wirst Du es schaffen. Warum denn nicht? Du wirst sicher einiges verändern müssen in Deinem Leben, möglichweise auch die Beziehung zu Deinem Partner beenden oder zumindest sehr verändern. Aber Du darft wirklich darauf vertrauen, dass sich alle Mühen lohnen. Denn wenn Du Deine Sucht besiegt hast, bekommst Du Dein Leben zurück. Und dann hast Du es in der Hand, nicht mehr der Alkohol und auch nicht mehr Dein alkoholkranker Partner.

    Ich freue mich wieder von Dir zu lesen.

    LG
    gerchla

    Guten Morgen Juscha,

    vielleicht hilft Dir ein wenig, wenn ich Dir sage, dass ich auch kurz vor Weihnachten aus der Sucht ausgestiegen bin. Und auch noch vor Weihnachten meine Frau und meine Kinder verlassen habe und ausgezogen bin. Das war sehr schlimm, denn bis zu meinem Outing wusste niemand, dass ich trank, geschweige denn das ich Alkoholiker war. Ich war heimlicher Trinker und offenbar auch einer, dem das richtig gut gelang. Die meisten denken ja nur, sie würden heimlich trinken aber alle Welt weiß längst Bescheid. Bei mir war das nicht so.

    Als ich mich outete musste ich meiner Frau erst mal beweisen, dass ich Alkoholiker bin. Sie glaube mir nämlich kein Wort. Ich führte sie dann zu meinen geheimen Alkohollagerstätten. Also z. B. ins Auto, wo ich das Reserverad entfernt hatte um in der Kuhle Bier in Plastikflaschen zu lagern. Oder in den Schuppen wo unser Feuerholz war, wo ich jedoch umfangreiche Aushöhlungen geschaffen hatte die voll mit Wein- und Bierflaschen waren. Zu guter letzt noch zu einem Waldparkplatz ein paar hundert Meter von unserem Haus entfernt, wo ich im Dickicht zwei Bierkästen vertsteckt hatte die immer als Notreserve dienten und ab und an mal ausgetauscht wurden wenn sie leer waren.

    Tja und dann erinnere ich auch noch, dass ich ihr ein paar Weinflaschen (Weißwein) gezeigt hatte, wo ich Wasser eingefüllt hatte nachdem ich sie geleert hatte damit nicht auffällt das sie leer sind. Normal habe ich solche Flaschen immer heimlich entsorgt und neue dafür besorgt. Denn diese Flaschen waren ja welche, die meine Frau auch "kannte", weil wir sie z. B. geschenkt bekommen hatten. Offiziell habe ich ja nie selbst Alkohol gekauft. Wir tranken offiziell ja gar nix, also meine Frau auch so gut wie nichts. Diese mit Wasser gefüllten Flaschen "warteten" also darauf, dass ich sie durch neue, richtige Weinflaschen der gleichen Marke usw. ersetzte. Logistisch war das aber natürlich nicht immer so einfach.

    Oh mein Gott, wenn ich das hier schreibe wird mir richtig schlecht. Was war das für ein Leben, das ich da geführt habe? Was bin ich dankbar, dass ich heute frei bin!

    Aber zurück zum Thema. Es war ein paar Wochen vor Weihnachten bei mir. Und mein Outing hat mein Leben komplett verändert und das Leben meiner Familie sozusagen erst mal zerstört, aus den Angeln gehoben usw. Dieses Weihnachtsfest werde ich auch nie vergessen. Und mein erstes Sylvester ohne Alkohol auch nicht. Das verbrachte ich nämlich ab ca. 22 Uhr bis ca. 1 Uhr im Wald.

    Hätte ich mir damals gedacht: "vor Weihnachten kannst Du das jetzt nicht bringen", ich weiß nicht ob ich es dann später überhaupt noch geschafft hätte. Oder ob es nicht dann auch wieder irgendwelche Gründe gegeben hätte warum ich mich jetzt nicht outen kann. Wobei ich ehrlicherweise auch sagen möchte, dass mein Outing damals ein ungeplantes und spontanes war. Meine Frau konfrontierte mich mit einer schlimmen Sache die ich getan hatte und anstatt mich aus dieser Situation heraus zu lügen, wie ich das unzählige Male vorher getan habe, machte ich reinen Tisch. Ich war mir bewusst was das bedeutet, jedoch dachte ich in diesem Moment nicht an Weihnachten oder sonst was. Ich spürte einfach nur den festen Wunsch und Willen jetzt, genau jetzt endlich mein sche....ß Leben zu beenden und ein neues zu beginnen.

    Und klar, nach dieser Entscheidung ging es eigentlich erst los. Und es war schlimm, es folgte erst mal eine sehr sehr schlimme Zeit für mich mit vielen sehr einschneidenden Entscheidungen, die getroffen werden mussten. Ich habe es teilweise als Hölle empfunden, jedoch war mir immer klar, dass das alles besser ist als weiter zu trinken. Darüber war ich mir immer im Klaren und dieses Bewusstsein, nie mehr trinken zu wollen, hat meine ganze Handlungsweise bestimmt. Da waren viele Entscheidungen dabei, die ein Außenstehender wahrscheinlich nicht verstanden hätte. Ich traf sie alle mit dem Wunsch und Willen ein neues Leben ohne Alkohol führen zu wollen.

    Also, bevor ich Dich hier jetzt noch mehr zutexte: Geh diesen Weg, geh Deinen Weg. Je früher, desto besser. Lies unsere Geschichten, sie sollen Dir Mut machen das es funktioniert und das es auch wieder gut wird. Was mich betrifft, richtig gut!

    @camina: Bei Deinem Text musste ich tatsächlich ein paar Tränen verdrücken. Tolle Ärztin, die Du da hattest. Deine Geschichte sollte richtig Mut machen!

    wolfsfrau : Danke für diese Gedanken! Sie regen mich zum Nachdenken an und Du hast es wunderbar auf den Punkt gebracht!

    LG
    gerchla

    Liebe Juscha,

    erst mal vielen Dank für den etwas tieferen Einblick in Deine aktuelle Situation.

    Du hast natürlich Recht wenn Du Deinem Partner keine Schuld zuschieben möchtest weil er es ja nicht ist, der Dir das Zeug intravenös verabreicht sondern Du bist es, die den Alkohol selbst trinkt und sich dafür entscheidet. Mit dieser Haltung bist Du schon sehr weit, denn gemeinhin geben wir Alkoholiker gerne immer allen anderen die Schuld, nur uns selbst natürlich nicht.

    Jetzt kommt aber ein großes ABER von mir. Ich habe die Efahrung gemacht, dass man ganz besonders am Anfang dafür sorgen sollte, möglichst alle Triggerpunkte zu beseitigen um eben seine Abstinenz nicht zu gefährden. Idealerweise findet man auch die vermeintlichen Gründe für sein Trinken heraus und beseitigt diese auch, so gut wie es möglich ist. Das mit den Trinkgründen, also warum man zum Alkohol greift bzw. zum Alkoholiker wurde ist allerdings dann im Detail noch etwas komplizierter. Aber ganz grob gesehen ist es bei Dir so, dass Dich Dein Partner aktuell dazu bringt selbst zur Flasche zu greifen.

    Jetzt mal völlig unabhängig davon, ob er daran Schuld hat oder nicht. Er schafft Triggerpunkte für Dich in dem er z. B. das Bier ins Haus schleppt obwohl Du ihn gebeten hast nicht zu trinken bzw. es nicht zu tun. Also hast Du jetzt zwei Möglichkeiten: Du lernst ganz schnell, sozusagen über Nacht, damit umzugehen, dass er neben Dir weiter trinkt und all das tut was Dich aktuell so aufregt und zum trinken bringt ODER Du beseitigst diesen Triggerpunkt für Dich. Das könntest Du z. B. durch eine (räumliche) Trennung tun.

    Ich denke mal das Du, solltest Du süchtig sein (so wie Du das selbst einschätzt), Punkt 1 nicht umsetzen kannst. Denn das könntest Du sonst ja bereits jetzt, wenn Du kein Alkoholproblem hättest. Bzw. Du würdest zur Kompensation Deiner Wut, Deines Frusts dann nicht zum Alkohol greifen. Also musst Du Punkt 2 angehen, irgendwie. Könnte ja auch erst mal temporär sein, bist Du mit Deiner Sucht klar kommst und Deine Baustellen abgearbeitet hast. Wobei, ob Du dann danach....?

    Ok, alles Spekulation aber ich denke Du weißt was ich meine.

    Auf jeden Fall solltest Du künftig nur auf Dich achten. Du wirst ja auch bemerkt haben, dass Deine Versuche etwas an seinem Trinken zu ändern, fehlgeschlagen sind. Das liegt nicht an Dir sondern das ist quasi immer so. Das ist die Sucht und (ich wiederhole mich) nur er allein könnte etwas dagegen tun, wenn er wollte. Vielleicht würde ihn ja ein sehr konsequenter Schritt Deinerseits sogar dazu bewegen. Manchmal passiert sowas, jedoch beileibe nicht immer.

    Zitat

    Wie kann ich den akuten Schritt schaffen???? Wie hast du den akuten Schritt geschafft??? Mit all seinen Nebenwirkungen?


    Hm, also ich habe quasi spontan aufgehört, nach vorher dirversen gescheiterten Versuchen. Auch völlig ungeplant zu diesem Zeitpunkt. Ich habe dann quasi kalt entzogen, was lebensgefährlich hätte werden können (ich ging erst nach ein paar Tagen zum Arzt, da war der körperliche Entzug schon durch). Bereits am ersten Tag ohne Alkohol bin ich abends in eine SHG gegangen und diese habe ich dann die nächsten Monate fast täglich besucht. Ich ging dann zur Beratung und habe anschließend einen Termin bei Psychologen vereinbart. Hatte aber 7 Wochen Wartezeit. Aber ich hatte ja meine SHG und ich nahm mir sehr viel Zeit zum Nachdenken. Das führte sehr bald zur Trennung von meiner Familie, d. h. ich zog erst mal aus und hatte damit Gelegenheit noch mehr und für mich allein richtig zu denken.

    Also ich dachte über mein Leben nach, meine Sucht, wieso weshalb warum. Wer bin ich, wie konnte es so weit kommen, wer wäre ich gerne, wo will ich hin, was erwarte ich noch vom Leben etc. Teile davon habe ich dann mit dem Psychologen besprochen. Bald bemerkte ich aber auch, dass mich meine Schuld, die ich durch das Trinken auf mich geladen hatte, beinahe erdrückte. Ich habe ja auch das Leben meiner Frau und meiner Kinder zerstört, ich bin gegangen. Sie konnten nichts dafür, ich war ja der Täter.

    Da half mir der Psychologe wenig und so ging zu einem Mönch (hatte aber nichts mit Religion zu tun), den ich Jahre vorher mal kennen gelernt hatte und der mir sehr imponiert hatte. Das ist eine eigene längere Geschichte. Jedenfalls war es dieser, der mich dann wieder richtig in die Spur gebracht hat. Ich verdanke diesem Menschen sehr viel.

    Wenn ich Dir mit meinem Wissen von HEUTE einen Rat geben dürfte, dann würde ich Dir sagen: Warte doch nicht bis Dezember! Diesen Termin kannst Du gerne wahrnehmen aber warte doch nicht einfach darauf sondern beginne schon jetzt Deine Sucht aktiv zu bekämpfen. Schäme Dich nicht, hab keine Angst, geh zum Arzt. Spreche mit ihm/ihr was Du tun kannst. Mach ggf. eine Entgiftung unter seiner Aufsicht, schau mal bei einer Suchtberatung vorbei und check die Lage ab. Such Dir eine SHG und schau mal ob die Leute dort zu Dir passen. Für mich war das damals der Anker überhaupt, auch wenn ich später dann gemerkt habe dass das auf Dauer nichts für mich ist. Aber am Anfang war das GENAU richtig.

    Mach was, warte nicht. Und kläre Deine private Situation. Sie ist ein gefährlicher Triggerpunkt, so lese ich das jedenfalls. Und streiche die Idee einfach so weiter zu machen wie bisher. Du gäbst damit ja Dein ganzes Leben auf! Mein Gott, DEIN Leben und es kann so wunderbar sein. Ich bin heute sehr glücklich, habe wieder eine Familie und meine "alte" Familie inkl. meiner ersten Frau (bin wieder verheiratet) hat eine sehr gute Beziehung zu mir/uns. Das ging alles nur, weil ich mir mein Leben zurück geholt habe. Es dauert seine Zeit und diese solltest und musst Du Dir auch geben, aber glaube mir, es lohnt sich!

    LG
    gerchla

    Hallo Schreckgespenst,

    herzlich Willkommen bei uns im Forum.

    Ich stelle mich mal kurz vor: Ende 40, Alkoholiker. Ich lebe jetzt schon länger ohne Alkohol.

    Mal vorab hierzu:

    Zitat

    Ich bin weder Mann noch Frau (Bitte Fragen wenn welche da sind)


    Fragen hätte ich dazu nur, wenn diese Tatsache für Dich der ursächliche Grund wäre, weshalb Du trinkst. Ansonsten geht es uns hier darum alkoholabhängigen Menschen mit unseren Erfahrungen zu helfen bzw. diesen die Möglichkeit zu geben, von diesen Erfahrungen zu profitieren. Du bist hier also genau richtig.

    Zitat

    Ich weiß nicht ob es viel ist, aber Ich habe das Gefühl eine Sucht zu bekommen.


    Dieses Gefühl solltest Du unbedingt ernst nehmen. Und das tust Du ja auch, sonst würdest Du hier nicht schreiben. Viel oder wenig ist nicht die Frage. Klar trank ich am Ende mehr als das dreifache täglich von "Deiner" Menge, aber süchtig war ich bereits als ich mein tägliches Feierabendbier trank. Kapiert habe ich das aber erst hinterher.

    Es ist eigentich recht einfach (und doch oft komplizierter als man denkt): In dem Moment wo Du nicht mehr ohne Alkohol sein kannst, wo Du trinken musst (mengenunabhängig) bist Du auf jeden Fall süchtig. Es kann auch sein, dass Du es schaffst nicht zu trinken, über einen längeren Zeitraum, trotzdem aber ständig an Alkohol denkst, auch dann hast Du zumindest ein großes Problem. Bist möglicherweise auch schon süchtig oder aber kurz davor.

    Du schreibst, Du schaffst es eine Woche ohne, mehr aber auch nicht. Klingt nicht gut, wenn ich das mal sagen darf. Vielleicht startest Du nochmal einen Versuch, wirklich längere Zeit ohne zu leben. Nimm Dir mal einen Monat vor z. B., schau mal was passiert, wie es Dir geht. Wenn Du tatsächlich schon nach einer Woche wieder trinken musst, dann solltest Du Dir einen Plan machen wie Du Deine Sucht bekämpfen willst.

    Sinnvoll wäre zum Arzt zu gehen und Dich dort zu outen. Mit diesem die weiteren Schritte zu besprechen. Eine Suchtberatung aufzusuchen ist auch immer eine gute Idee. Mal eine Selbsthilfgruppe auzuprobieren ist ebenfalls eine prima Idee, kann sehr hilfreich sein. Es gibt unterschiedlich Wege aus der Sucht. Du musst schauen, welcher zu Dir passt. Vielleicht braucht es auch eine Therapie. Du musst es heraus finden.

    Wenn Du nichts machst darfst Du davon ausgehen, dass sich Deine Sucht manifestiert und dass die Trinkmengen sich kontinuierlich erhöhen. Auch die Trinkhäufigkeit. Dann wirst Du bald auch Mengen erreichen, die körperlich höchst schädlich sind (das ist Deine aktuelle Menge auch bereits, jedoch gilt die Formel: je mehr reinen Alkohol Du Dir reinpfeist, desto schädlicher ist der ganze Spaß, denn Alkohol ist nix anderes als Zellgift, ganz unabhängig von der Sucht).

    Das waren dann mal meine Gedanken zu Deiner Vorstellung. Schön das Du hier bist und ich wünsche Dir einen guten Austausch hier im Forum.

    LG
    gerchla

    Hallo Juscha,

    erst mal herzlich Willkommen bei uns im Forum. Prima, dass Du trotz Deiner Unsicherheit und Angst hier geschrieben hast. Damit hast Du schon mal einen ersten und ganz wichtigen Schritt getan.

    Und eines brauchst Du vor diesem Forum hier wirklich nicht haben, nämlich Angst! Wir haben hier alle unsere liebe Erfahrung mit Alkohol gemacht, entweder als selbst Süchtige/r oder als Angehöriger eines Süchtigen oder so wie Du, beides.

    Ich bin Ende 40, Alkoholiker und lebe jetzt schon länger ohne Alkohol

    Ich will offen sein. Deine Situation ist keine einfache! Ohne Details von Dir und Deinem Leben zu kennen will ich Dir einfach mal meine Gedanken zu Deinem Post mitteilen:

    Die Sucht Deines Partners ist die Sucht Deines Partners. Sie ist sozusagen sein Problem und allein er kann etwas gegen seine Sucht unternehmen. Das kann er jederzeit tun wenn er das selbst möchte. Hilfsangebote gibt es glücklicherweise genügend, er muss sie nur annehmen und sich darauf einlassen. Du bist nicht für seine Sucht verantwortlich und kannst nichts tun.

    Wärst Du jetzt nicht auch selbst süchtig, würde ich sagen, Du könntest ihn beim Trockenwerden unterstützen, wenn er es ernsthaft versuchen würde. Würde er also z. B. eine Therapie antreten, könntest Du für ihn da sein, wenn er zurück kommt und ihr könntet versuchen ein neues, gemeinsames Leben ohne Alkohol zu führen. Das ist aber nicht einfach, denn er würde sich sicher verändern und Du müsstest Dich auch verändern.

    Das ist aber nur Fiktion, denn Du bist ja selbst abhängig! Und das ist jetzt wirklich eine ganz beschi...ene Situation. Meine Meinung dazu ist, dass Du jetzt nur eine Option hast, nämlich die, Dich um Dein eigenes Leben zu kümmern. Du musst Dein Leben wieder in Deine Hand nehmen, das wird nur funktionieren wenn Du Deine Sucht besiegen kannst. Das geht (wie Du hier im Forum siehst), ist aber alles andere als einfach und verlangt sehr viel von Dir ab. Ganz sicher kannst Du nicht nebenbei noch Deinen Partner trocken legen. Das könntest Du auch nicht, wenn Du gesund wärst. Als alkoholkranker und aktiv trinkender Mensch kannst Du das erst recht nicht und alle Versuche es zu tun wären für Dich und Deine eigene Sucht kontraproduktiv.

    Das ist meine Meinung, vielleicht hat jemand eine andere. D. h. erst mal geht es nur um Dich. Was Dein Partner macht ist egal bzw. seine Sache. Du musst die Voraussetzungen für Dich schaffen um trocken werden zu können. Dauerhaft. Hol Dir alle Hilfe die Du bekommen kannst. Geh zum Arzt und oute Dich, besuche eine Suchtberatung um weitere Schritte zu besprechen, schau mal bei einer oder mehreren Selbsthilfegruppen rein, die können Dir auch weiter helfen. Mach Dir einen Plan, was Du tun willst und arbeite ihn ab. Vielleicht kommst Du zur Erkenntnis, das eine Therapie für Dich das richtige ist, Du wirst sehen was der Arzt und die Suchtberatung sagt.

    Um trocken werden oder bleiben zu können könnte es auch sein, dass Du Dich von Deinem Partner trennen musst. Wenn Du wirklich ernsthaft trocken werden und bleiben willst, wirst Du irgendwann wissen, was Du tun willst und musst. Ich z. B. trennte mich kurz nachdem ich trocken wurde von meiner Frau (obwohl diese nicht trank) weil ich sicher war und bin, dass ich es andernfalls nicht geschafft hätte von dem Zeug weg zu kommen.

    Das sind alles gewaltige Einschnitte ins gewohnte Leben. Jedoch ist es fast immer so, dass man diese vornehmen muss (in unterschiedlichsten Bereichen) um von dieser so mächtigen Sucht weg zu kommen.

    Über eines solltest Du Dir bei all den Zweifeln und Gedanken die Du Dir jetzt sicherlich machen wirst immer im Klaren sein: Wenn Du weiter trinkst, fährst Du Dein Leben komplett an die Wand. Nichts wird besser werden, nichts wird sich von selbst lösen. Es wird immer schlimmer werden und Du hast dann überhaupt keine Perspektive mehr. So läuft das leider bei allen, die den Absprung nicht schaffen.

    Und auch wenn Du Dir das jetzt (noch ) nicht vorstellen kannst. Wenn Du diese Sucht besiegst, wirst Du Dein Leben zurück erhalten. DEIN Leben ist es um das es hier geht. Nur DEINES, nicht das Deines Partners. Der hat es selbst in seiner Hand.

    Alles Gute wünsche ich Dir, einen guten Austausch hier und wenn Du Fragen hast, einfach raus damit.

    LG
    gerchla

    Guten Morgen Matthias,

    Zitat

    danke für Deine Zeilen, Du weisst zu motivieren.


    Danke für die netten Worte! Ich schreibe hier nur was ich denke und was ich selbst erlebt habe. Wenn das bei Dir motivierend wirkt, wunderbar!

    Was die Beschreibung Deines Arbeitsumfeldes betrifft: Ich habe eine ungefähre Vorstellung wie das bei Euch so läuft. Ich habe Menschen in meinem Bekanntenkreis, die Ähnliches berichten. Ich vermute mal, Du wirst nicht der einzige sein, der in Deinem Arbeitsumfeld ein Problem mit Alkohol hat. Aber gut, das ist für Dich jetzt weiter nicht relevant, kann aber durchaus zur Gefahr für Dich werden.

    Das ist jetzt schwer hier etwas zu raten. Also ich meine ich würde jetzt nicht sagen wollen, dass Du kompromisslos und unbedingt sofort Deinen Job hinschmeißen musst um trocken werden oder bleiben zu können. Da kommt es jetzt wirklich auf Dich an, auf Dein Empfinden und wie schwer oder einfach es ist in Deiner Firma "nein" zu sagen. Oder ob Du Dir vorstellen kannst, Dich dort sogar zu outen. Letzteres will ich Dir auch nicht einfach pauschal empfehlen. Das ist eine sehr heikle Sache sich am Arbeitsplatz als Alkoholiker zu outen. Es kann ein sehr guter Weg sein, es kann aber auch genau das Falsche sein. Das hängt auch stark vom Chef/Chefin und Kollegenkreis ab.

    Vielleicht ist das alles, also Dein Job und wie Du damit jetzt umgehst, ein Thema das Du mal tiefer während Deiner Therapie diskutieren solltest. Ich kann Dir von mir nur sagen, dass für mich meine Abstinez an erster Stelle stand und natürlich noch steht. Das ist etwas, was ich mir von Anfang an ganz bewusst gemacht habe. Den absoluten Willen niemals meine Abstinenz in Gefahr zu bringen. Für mich würde das in Deinem Fall bedeuten: wenn Du das Gefühl hast, Dein Job könnte Deine Abstinez gefährden, dann wirf ihn hin und mach was anderes. Klar ist das leicht daher geredet, da geht es ja auch um Deine Existenz usw. Allerdings muss Dir eines immer klar sein: wenn Du weiter trinkst, dann ist sowieso alles hinfällig, über kurz oder lang auch Deine Existenz und Deine Gesundheit und ganz am Ende auch Dein Leben. Also vielleicht wirklich ein Thema über das Du mal mit Profis reden solltest. Du bist ja auch sicher nicht der Einzige, der als alkoholkranker Mensch in dieser Situation steckt. Und es gibt ja auch sicher noch Berufe, die noch viel näher am Alkohol sind, die Gastronomie hast Du ja selbst schon erwähnt.

    Noch kurz zum Laufen. Ja, wie Du das beschreibst, so kenne ich das auch. Ich laufe Langdistanzen, da bleibt viel Zeit zum Denken, was meist ganz nebenher abläuft. Oft ist es auch einfach nur ein Genießen der wunderbaren Landschaft, in der ich leben darf. Ich bin als Jugendlicher und dann noch als junger Erwachsener bereits gelaufen. Ich wusste also um die Wirkung die dieser Sport auf micht hat. Als ich dann trocken wurde war einer meiner ersten Gedanken: damit will ich wieder anfangen.

    Jedoch habe ich es bewusst erst mal nicht getan. Da ich die "Wirkung" dieses Sport kannte, hatte ich Angst, sie könnte die Aufarbeitung meiner Sucht behindern. Und ich hatte Angst, dass wenn ich mal diesen Sport z. B. aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausüben könnte, ich in ein Loch falle und wieder an Alkohol denke. Vielleicht habe ich mir da zu viele Gedanken gemacht, aber ich denke für mich war es der Schlüssel zum Erfolg, dass ich mich nicht sofort in den Sport gestürzt habe sondern erst mal, zumindest eine grobe Aufarbeitung meiner Sucht, vorgenommen habe. Letztlich dauert diese Aufarbeitung auch nach Jahren bis heute an, jedoch jetzt in ganz anderer Form.

    Also begann ich statt mit dem Laufen einfach damit längere Spaziergänge zu machen. Auch da hat man Zeit zum Denken, und diese nutzte ich ganz speziell dafür über meine Sucht nachzudenken. War super im Nachhinein und außerdem hatte ich damals alkoholbedingt auch einiges über 100 Kilo auf den Rippen. Ein schlechtes Einstiegsgewicht für Läufer :o So nahm ich erst mal ganz nebenbei in Ruhe ab und als ich dann soweit war, hatte ich "nur" noch rund 90 Kilo drauf.

    Vielleicht ist der Laufsport ja auch was für Dich, wenn Du diese positiven Erfahrungen auch gemacht hast. Achte nur darauf, dass Du Dich nicht davon dominieren lässt. Das Du nicht sozusagen die eine Sucht durch die andere ersetzt, auch wenn das jetzt vielleicht etwas übertrieben klingt. Entscheidend um unsere Krankheit zu besiegen ist meiner Meinung nach, dass man mit sich selbst im Reinen ist. Das man seine innere Ruhe und Zufriedenheit wieder findet, letztlich (auch wenn das vielleicht kitschig klingt), dass man sich selbst liebt so wie man ist. Und das darf nicht von irgendwas äußerlichem abhängig sein.

    Bestimmt bekommst Du hierzu viel interessanten Input während Deiner Therapie. Alles Gute weiterhin und bis bald mal

    LG
    gerchla

    Hallo Trotzpeter,

    also erst mal will ich Dir sagen, dass ich denke, dass Du auf einem sehr guten Weg bist. Du analysierst Deine Situation sehr klar und weißt welchen Weg Du gehen möchtest und gehen wirst.

    Das ich das ganze jetzt ohne klassische Therapie geschafft habe war einfach mein Weg und er hat funktioniert. Aber das ist desweg nicht besser oder auch nicht schlechter als das was Du jetzt vor hast. Es hat sich bei mir so ergeben und ich habe mich auch nicht komplett allein aus dem Sumpf gezogen, sondern da gab es schon einiges an Hilfe. SHG zum Beispiel, oder Psychologe, oder auch ein Mönch der mir sehr viel half. Das war für mich dann ok und ich wäre auch jederzeit bereit gewesen eine Therapie zu machen, wenn das notwendig gewesen wäre.

    Also, deshalb sage ich nur: Bleib auf Deinen Weg und gehe Deinen Weg! Hol Dir Dein Leben zurück.

    Zitat

    Wie ist es denn bei Dir - oder auch bei anderen - mit dem Job gelaufen? Ist es realistisch, dass man hinterher wieder in den gleichen Job geht mit dem gleichen sozialen Umfeld wie zuvor?


    Also, da musste ich jetzt tatsächlich schmunzeln. Bei mir war mein Job das EINZIGE, was mir in der "alten Form" geblieben ist, nachdem ich trocken wurde. Ich muss aber dazu sagen, dass ich meinen Job liebe und sehr sehr gerne ausübe. Und das ich dort keinerlei Berührung mich Alkohol habe, also überhaupt keine Triggerpunkte. Ich trank zwar am Ende auch in der Arbeit, das jedoch für mich alleine und komplett heimlich. Ansonsten ist dort alles alkoholfrei. Wäre dem nicht so, hätte mein Ausstieg aus der Sucht auch einen Wechsel des Arbeitsplatzes bedeuten können.

    Job blieb also, dafür aber sonst quasi nix. Ich trennte mich kurz nach dem ich aufhörte von meiner Frau und vorlor dadurch auch meine Kinder. Dann brach der größte Teil meines Freundeskreises weg, dann wechselte ich den Wohnort natürlich auch und begann langsam einen neuen Bekannten- und Freundeskreis aufzubauen. Meine altes Hobby, die Singerei im Chor dem ich trotz Suffs noch einigermaßen regelmäßig nach ging brach auch weg, da ich dort immer getrunken hatte und vor allem die Fahrten dort hin zum Trinken nutzte. Das wollte ich nicht mehr und diese Zeit war mir zu stark mit dem Trinken verbunden.

    Statt dessen begann ich irgendwann mit dem Laufsport. Eine Sportart die vom Alkohol sehr weit entfernt ist und darüber habe ich mittlerweile einen wunderbaren Freundeskreis aufgebaut. Alles ganz anders als es vorher, zu nassen Zeiten, war.

    Nur der Job, der blieb mir. Und der läuft jetzt noch besser als vorher. Logisch, jetzt bin ich ja klar in der Birne.

    Deine Idee zu den AA zu gehen halte ich übrigens nicht für die Schlechteste. Dort war ich auch, ganz am Anfang. Dort wurde mir sehr geholfen. Zum Überbrücken sicher eine gute Alternative.

    Bleib dran, ich les Dich weiter.

    LG
    gerchla

    Hallo Deichkind,

    herzlich Willkommen bei uns im Forum.

    Ich stelle mich mal kurz vor: Ich bin Ende 40, Alkoholiker und lebe jetzt schon länger ohne Alkohol. Davor habe ich über 10 Jahre abhängig getrunken.

    Erst mal möchte ich Dich dazu beglückwünschen, dass Du den Entschluss gefasst hast an Deinem Alkoholkonsum etwas zu verändern. Du hast für Dich in Deinem Konsum ein Problem erkannt, Du hast für Dich erkannt, dass Du ein Problem hast mit Alkohol, und damit hast schon mal einen wichigen Schritt getan.

    Du liest Dich allerdings doch auch noch recht zweifelnd oder sagen wir mal verzweifelt. Die Aussage in Deinem ersten Satz, nämlich das Du aus Langeweile trinkst, die nehme ich jetzt mal nicht so ganz für bare Münze. Wäre es so, würde ich Dir einfach nur raten dafür zu sorgen, dass Dir nicht langweilig wird. Und schon wäre das Problem gelöst. So wie Du dann weiter schreibst scheinen die Gründe für Dein Trinken schon etwas tiefer zu liegen. Du bist oft einsam, vielleicht fehlt Dir dann der Sinn am Leben, vielleicht willst Du dieser Einsamkeit, diesem Gefühl einfach mal eine Zeit lang entfliehen. Da hilft der Alkohol natürlich wunderbar - leider nur sehr temporär.

    Und ganz nebenher dominiert er Dein Leben dann immer mehr und im Laufe der Zeit nimmt er Dir die Kraft diesen Kreislauf zu durchbrechen und Dein Leben nachhaltig zu verändern. Ich glaube, das alles hast Du auch erkannt und deshalb willst Du ja auch was dagegen unternehmen.

    Zitat

    Glaube auch kaum das mir hier wirklich geholfen werden kann.


    Ich finde es umso schöner, dass Du trotzdem hier geschrieben hast. Vielleicht nach dem Motto: Die Hoffnung stirbt zu letzt. Aber jetzt mal im Ernst: Ob wir Dir hier helfen können liegt zum größten Teil an Dir selbst. Überhaupt liegt es an Dir und eigentlich auch NUR an Dir, ob Du vom Alkohol weg kommst oder mit ihm unter gehst. Wie Du ja wahrscheinlich weißt, gibt es natürlich zahlreiche Hilfsangebote für nasse Alkoholiker die weg wollen von dem Zeug. Aber nur Du allein kannst sie annehmen und umsetzten. Dieses Forum hier ist dabei nur ein kleiner Teil, eine Art der unterschwelligsten Hilfe überhaupt. Hier bist Du in einer virtuellen Selbsthilfegruppe, in der Du im Gegensatz zu einer realen Gruppen komplett anonym bleiben kannst. Trotzdem kannst Du Dich hier austauschen und von den Erfahrungen anderer, bereits trockener Alkoholiker profitieren. Du kannst Teile ihres Weges für Dich anwenden, wenn Du das möchtest und es zu Dir passt. Du kannst es aber auch einfach bleiben lassen oder Dich einfach wieder abmelden, wenn es Dich langweilt oder Du das Gefühl hast es bringt alles nichts. Also wirklich ein Angebot mit sehr niedriger Hemmschwelle.

    Aber unabhängig davon ist es allein von Dir abhängig, was Du daraus machst. Wie bei allen anderen Hilfsangeboten auch.

    Jetzt mal etwas konkreter: Wie sieht denn Dein Plan aus bzw. hast Du bereits einen gemacht? Wirst Du zum Arzt gehen? Die Suchtberatung aufsuchen? Vielleicht auch eine reale SHG besuchen? Psychologe? Therapie?

    Hast Du darüber schon mal nachgedacht. Hier im Forum kannst Du alles fragen, was Dich dazu bewegt. Oder auch die Geschichten von uns nachlesen, was wir gemacht haben und was bei uns funktioniert hat und was nicht. Egal was Du machst, hauptsache Du machst erst mal was. Lass Dir Dein Leben nicht vom Alkohol nehmen. Hol es Dir zurück!

    Ich wünsche Dir einen guten Austausch hier im Forum. Vielleicht magst Du Deine aktuelle Situation etwas genauer beschreiben, vielleicht willst Du uns ja sagen, was Du planst und wo Du vielleicht auch Bedenken hast, dann könnten wir in einen Dialog mit Dir treten. Im Moment ist das etwas schwierig, weil wir ja nicht viel wissen.

    Ich freue mich wieder von Dir zu lesen.

    LG
    gerchla