Beiträge von Gerchla

    Hallo Tina,

    es freut mich, dass Du so positiv über Deinen Besuch bei der Beratung schreibst. Und der Besuch eine SHG wird Dich sicher auch noch ein Stück voran bringen. Ich glaube es ist in Deiner Situation ganz wichtig, dass Du nicht alleine bist mit all den Problemen. Und auch mal Menschen hast, mit denen Du direkt und persönlich sprechen kannst.

    Ich wünsche Dir, dass Du viele gute Erkenntnisse haben wirst und dass Dir das hilft die für Dich und Deine Jungs richtigen Entscheidungen zu treffen.

    LG
    gerchla

    Hallo Andreas,

    herzlich Willkommen bei uns im Forum. Schön, das Du hierher gefunden hast.

    Ich stelle mich mal kurz vor: Ich bin Ende 40, Alkoholiker und lebe jetzt schon lange ohne Alkohol.

    Ich hatte Familie, Frau und Kinder und im Zuge meiner Sucht habe ich das alles ordentlich an die Wand gefahren. Am Ende stand dann die Trennung und Scheidung. Ich kann also nachfühlen, wie es Dir bezüglich Deiner Freundin geht und wie Dich wahrscheindlich Deine Schuldgefühle gerade erdrücken.

    Ich möchte Dir nur sagen: Wenn Du es wirklich ernst meinst mit Deinem Ausstieg aus der Sucht, dann solltest Du keine Kompromisse machen. Such und nehm Dir jede Hilfe, die Du finden kannst. Diese Sucht, Du wirst es vielleicht bereits selbst erfahren haben, ist mächtiger als man sich vorstellen kann. Geh zum Arzt und sprich mit ihm (ihr) über Deine Sucht und wie der Ausstieg aussehen kann. Die Suchberatung hast Du ja schon auf dem Schirm, das ist auch eine gute und wichtige Anlaufstelle. Denk doch auch mal über eine SHG nach. Mir hat diese besonders in den Anfangsmonaten sehr geholfen. Ich war dort fast täglich (wir hatten glücklicherweise so ein breites Angebot) und damit war ein Teil meiner Abende schon mal mit diesem Besuch sinnvoll ausgefüllt.

    Und wenn Du dann mal die erste Zeit gut überstanden hast, dann wirst Du zusammen mit Arzt und Suchberatung sicher festlegen, wie es für Dich weiter gehen könnte. Evtl. eine Therapie machen oder was auch immer. Und sicher wird es dann auch darum gehen, Deine Schuldgefühle zu akzeptieren und zu lernen mit ihnen zu leben. Das dauert dann aber schon ein wenig.

    Deshalb: Schritt für Schritt - in ein neues und mit Sicherheit viel besseres Leben. Es ist nicht einfach, aber es lohnt sich, das darfst Du mir gerne glauben.

    Alles Guten und einen guten Austausch hier im Forum.

    LG
    gerchla

    Hallo Sylvia,

    herzlich Willkommen bei uns im Forum

    Ich bin selbst Alkoholiker, Ende 40 und lebe jetzt schon länger ohne Alkohol.

    Ich finde es gut, dass Du erst mal kämfen willst bevor Du an eine Beendigung Deiner Beziehung denkst. Ich finde das bei Dir auch deshalb gut, weil bei Dir noch keine "richtig" schlimmen Dinge passiert sind. Zumindest lese ich das so. Er hat noch nicht randaliert, er hat Dich noch nicht verbal erniedrigt, er wurde nicht körperlich gewalttätig usw. Du musstet Dir auch noch nicht monate- oder jahrelang irgendwelche Geschichten anhören, Dir Versprechungen machen lassen die dann nicht eingehalten wurde usw.

    Alleine aus diesen Gründen finde ich es genau richtig, dass Du erst mal kämpfst und schaust was möglich ist. Euer Vertrauen scheint noch nicht gebrochen und ich finde, Vertrauen ist eine der wichtigsten Bausteine für eine funktionierende Beziehung. Das Craft Programm, welches Dietmar Dir vorgeschlagen hat, könnte ein guter Weg für Euch sein.

    Vielleicht kommt er aber auch "so" zu Besinnung. Offenbar kannst Du ja sogar noch vernünftig mit ihm reden, welch ein Segen! Vielleicht ist er ja bereit oder er will sogar von sich aus Hilfsangebote annehmen. Das wäre prima. Vielleicht fällt er aber auch in eine starke Selbstmitleidsrolle, was schon auch recht typisch ist, jedoch nicht weiter hilft. Nur ihm das klar zu machen ist auch nicht so einfach.

    Was jetzt nicht so ganz zielführend ist, wäre der Versuch, dass er einfach nichts mehr trinkt. Ich meine, das kann er schon mal probieren und wenn er viel Glück hat und tatsächlich noch nicht süchtig ist, dann könnte das gelingen. Da müsste er schon echt aufpassen, alleine wegen dem kalten Entzug. Und genau beobachten was mit ihm (vor allem auch psychisch) passiert. Ob es ihm leicht fällt zu verzichten oder ob er kämpfem muss. Letzteres würde auf eine Sucht hindeuten und dann wäre es wirklich ratsam, wenn er sich die richtige Hilfe suchen würde. Das könnte z. B. auch der Besuch einer SHG sein. Wenn er ein Typ dafür ist.

    Ich wünsche Euch, dass Ihr ZUSAMMEN einen guten Weg finden könnt. Alles alles Gute.

    LG
    gerchla

    Hallo Alexandra,

    jetzt habe ich ein wenig gebraucht, bis ich erfasst habe, dass Du Deine ersten Posts ja schon Anfang November geschrieben hast.

    Ich weiß nicht, ob ich mich schon mal bei Dir vorgestellt habe, deshalb jetzt ganz kurz: Ich bin Ende 40, Alkoholiker und lebe jetzt schon lange ohne Alkohol.

    Das was ich bei Dir hier jetzt gelesen habe finde ich recht typisch. Also ich weiß ja jetzt keine Details über Deinen Mann, wie oft er wie viel trinkt usw. aber grundsätzlich ist das ganz typisches Verhalten. Du wirst das hier bestimmt auch selbst schon mehrfach nachlesen haben können.

    Also er hat ein Problem, was ganz offensichtlich ist, er selbst allerdings erkennt es nicht (oder will es nicht erkennen) Du sprichst ihn an, er reagiert zu tiefst getroffen und ist sehr enttäuscht. Alternativ hätte auch auch agressiv oder depresiv reagieren können. Die Bandbreite ist groß. Vielleicht hast Du es über die Wochen jetzt auch erlebt, dass er ganz unterschiedlich regiert. Mal agressiv, dann wieder traurig, dann mal zur Abwechslung einsichtig, da gibt es wie gesagt eine breite Palette an Möglichkeiten die wir Trinker meist recht geschickt nutzen.

    Es kann natürlich auch mal die Variante "Du hast Recht, ab morgen trinke ich nichts mehr" dabei sein, und manchmal kann das dann sogar eintreffen und eine Zeit lang funktionieren. Allerdings kommt es über kurz oder lang dann doch zum Rückfall bzw. davon kann man hier gar nicht sprechen, es kommt dazu, dass die Trinkpause beendet wird und alles weiter geht wie zuvor. Oder leider auch oft sogar noch schlimmer als zuvor, diese Erfahrung habe ich bei mir gemacht.

    Wie müsste er also reagieren, damit Du wirklich Hoffnung haben könntest? Also, ich meine er müsste ungefähr folgendermaßen reagieren: Erst mal sieht er ein das er ein Problem hat. Dann spricht er darüber, was er tun will und tun könnte. Dann leitet er sofort (nicht nächste Woche oder nach der Geburtstagsfeier von xy) entsprechende Schritte ein. Er vereinbart z. B. einen Termin bei Arzt, oder geht in eine SHG oder besucht eine Suchtberatung. Und er geht dort dann auch tatsächlich hin und tut nicht nur so als ob das tun möchte. Würde er so reagieren und das auch umsetzten, würde wohl anschließend das eine das andere ergeben. Möglicherweise würde er eine Therapie antreten oder vielleicht käme er auch über die SHG klar und weiter in seinem festen Ziel nie mehr trinken zu wollen.

    Dann liebe Alexandra, hättest Du wirklich einen richtigen Grund zu hoffen, dass sich etwas ändern könnte, zum Guten hin. Auch in diesem Fall wäre es noch ein langer Weg, aber einer der mit jedem Meter, der zurück gelegt wird, immer besser funktioniert und der sich mehr als nur lohnt.

    Ansonsten wird es schwierig. Du hast es ja jetzt selbst erlebt. Es ging ganz gut, wie Du geschrieben hast, und dann kommt der Hammer. Ich vermute mal, dass er in der guten Zeit nicht weiter über seine Sucht nachgedacht hat, nichts weiter unternommen hat usw. Vielleicht hat er in dieser guten Zeit mal nichts getrunken (das können wir nämlich manchmal sogar eine Zeit lang hinbekommen) oder weniger, aber das er das auf Dauer nicht schaffen kann, das hat er wahrscheinlich nicht im Kopf gehabt. Um trocken zu werden gehört leider viel viel mehr dazu als nur nicht mehr zu trinken.

    Jetzt für Dich sicher guter Rat teuer. Aber ich denke wenn Du hier bei den Angehörigen liest, weißt Du was Du für Optionen hast. Du kannst versuchen Deine Beziehung irgendwie noch zu retten, ihn irgendwie noch zu motivieren nicht mehr zu trinken, Dietmar hat hierzu häufiger mal auf das Craft-Programm hingewiesen. Vielleicht ist das was für Euch, ich weiß es nicht. Oder Du trennst Dich oder aber Du hälst das alles aus und lebst damit. Letzteres halte ich persönlich für verschwendete Lebenszeit, ganz hart formuliert. Egal was Du tust, setzte klare Grenzen für Dich. Wie weit Du gehen wirst und ab wann Du Konsequenzen für Dich ziehen willst und dann hoffentlich aus ziehst.

    Alles alles Gute wünsche ich Dir.

    LG
    gerchla

    Liebe Nicole,

    ich muss leider sagen, dass ich nichts anderes erwartet habe. Im Gegensatz zu Dir war ich mir sehr sicher, dass er natürlich nicht anrufen wird. Er legt ein ganz typisches Verhalten an den Tag, ganz typisch. Er spielt mit Dir und Deinen Gefühlen. Eine Mischung aus Hoffnung machen durch Versprechungen, dann wieder Schuldzuweisungen um Dir das Gefühl zu geben es könnte ja doch an Dir liegen usw. Dieses "Spiel" kann noch sehr lange so weiter gehen. Wenn Du es zu lässt.

    Du bist ja jemand, der um seine Beziehung kämpfen will, jemand der seinen Partner nicht einfach aufgeben möchte "nur" weil dieser alkoholkrank ist. Ich kann das verstehen und respektiere es sehr, jedoch solltest Du darauf achten, dass Du selbst dabei nicht unter die Räder kommst. Ich denke Du brauchst eine klare Grenze (die nur Du allein festlegen kannst), wie viel Du wie lange ertragen und aushalten möchtest. Wie weit Dein Kampf geht und wann Du kapitulierst um Dich selbst zu schützen. Das muss ja nicht gleich eine Trennung (für immer) bedeuten, aber es sollten Maßnahmen sein, die Dir ein einigermaßen erträgliches Leben ermöglichen.


    Wenn Dir Dein Mann nochmal wegen was-auch-immer die Schuld für sein Saufen zuschieben will, dann antworte ganz schlicht und einfach: „Nein, nicht deswegen säufst Du. Du säufst, weil Du saufen musst und ohne Alkohol nicht mehr kannst. Ohne mich wirst Du bald können müssen … egal was.“

    Dietmar bringt es auf den Punkt.

    Alles Gute und viel Kraft.

    LG
    gerchla

    Zitat

    ja genau das mache ich. Morgens vor der Arbeit mit Stirnlampe derzeit. Ich finde gerade bei jedem Wetter merkt man, wie man lebt. Wenn der Eisregen ins Gesicht peitscht, der Wind, der Schnee.....


    genau meine Wellenlänge! 44.

    Hatte gerade paar Probleme mit dem Posten und irgendwie nur einen Teil hochladen können. Jetzt müsste alles da sein.

    Lass Dir gut gehen und bis bald.

    LG
    gerchla

    Hallo Outdoorfan,

    schön das Du da bist. Herzlich Willkommen.

    Ich kann viele Parallen zu mir in Deiner Geschichte finden. Ich bin Ende 40, Alkoholiker und lebe jetzt schon länger ohne Alkohol. Davor war ich auch ein funktionierender Alkoholiker und habe fast meine gesamte Alkoholikerzeit heimlich getrunken. Kaum zu glauben, dass mir das mit den Mengen die ich in den letzten Jahren in mich hinein geschüttet habe, gelungen ist. Bei meinem Outing musste ich meiner Frau sogar meine Geheimverstecke zeigen, weil sie mir glauben wollte, als ich ihr sagte ich bin Alkoholiker.

    Ähnlich wie bei Dir hatte ich am Ende auch große Probleme mit der Logistik (Beschaffung und Entsorgung des Zeugs). Ich trank schon morgens vor der Arbeit und war auch kurz davor auf harte Sachen umzusteigen, weil ich einfach nicht mehr mit dem heimlichen Flaschenwegschaffen klar kam. Zum Glück kam dann Tag X.

    Und sonst, ja sonst kann ich sagen, dass ich dann auch irgendwann wieder mit Sport begonnen habe. Meine Leidenschaft sind Langstreckenläufe. Ab 10 km aufwärts bis Marathon. Und wie bei Dir, purzelten erst mal die Kilos nur so weg. Heute habe ich eher das Luxusproblem mir zu überlegen, was ich noch alles essen könnte, damit ich mein Idealgewicht halte und nicht abnehme. Eine sehr angenehme Situation.

    Als ich trank war ich am Ende stark übergewichtig. Wobei das dann doch nur das geringste Übel war. Ich war psychisch ja komplett im Eimer. Aber das kannst Du hier in diversen Beiträgen von mir mal in Ruhe nachlesen, wenn Dir danach ist.

    Zitat

    Ich erhoffe mir hier weitere Tips und Ideen an schlechten Tagen, so wie heute, alleine im Büro und draussen graues Wetter.


    Dazu will ich Dir als alten Outdoorfan nur sagen: Bind Dir die Laufschuhe und ab in die Natur. Kannst natürlich nicht einfach das Büro verlassen, das ist klar. Ich hab das bei mir so geregelt (da ist ja noch meine Familie inkl. meiner kleinen Tochter in meinem Leben), dass ich immer morgens vor der Arbeit laufe. Ok, ist sicher nicht Jedermanns Sache früh um 5 Uhr das Haus zu verlassen und dann 10,12 oder 15 km laufen zu gehen. Aber ich will abends die Zeit mit meiner Familie verbrigen, bin ohnehin ein Morgenmensch, genieße es akutell durch die Dunkelheit zu laufen (bald wieder in den Sonnenaufgang hinein) und bin danach sowas von gut drauf und fit. Und ich komme vom Laufen wieder nach Hause wenn der Rest meiner Familie noch nicht mal aufgestanden ist. So können wir sogar noch zusammen frühstücken. Tolle Sache für mich, mach ich i. d. R. 4x die Woche und ich kenne eigentlich keine schlechten Tage, weil es draußen grau ist oder trübes Wetter ist oder so.

    Schlechte Tage gibt's natürlich trotzdem immer mal. Nur weil ich nichts mehr trinke bleibe ich ja nicht vor diversen Einschlägen, Problemen, etc. verschont. Gedanken an Alkohol hatte ich allerdings deswegen noch nie. Und darüber bin ich sehr dankbar. Und auch sehr wachsam.

    Schön das Du hier bist. Ich freue mich weiter von Dir zu lesen und wünsche Dir einen guten Austausch hier im Forum.

    LG
    gerchla

    Hallo Silbermöwe,

    herzlich Willkommen bei uns im Forum. Schön das Du hier gelandet bist.

    Wenn Du magst, dann erzähl doch mal ein wenig von Dir. Deine Geschichte sozusagen, mit und dann natürlich auch die ohne Alkohol. Bestimmt hast Du Dinge zu erzählen, von denen wir hier alle auch profitieren können.

    Schön das Du da bist. Ich wünsche Dir einen guten Austausch hier im Forum!

    LG
    gerchla

    Guten Morgen changemaker,

    das liest sich aber sehr schön, was Du da von Dir so schreibst! Herzlich Willkommen bei uns im Forum.

    Du warst ja scheinbar ein klassischer funktionierender Alkoholiker. Alles noch im Griff, soziales Umfeld noch ok, auch noch in der Lage wenn's drauf ankommt mal auf den Alkohol zu verzichten usw. Sowas funktioniert oft sehr viele Jahre lang. Es gibt auch Menschen, wo das quasi fast das ganze Leben lang so funktioniert. Mein Vater ist so ein Exemplar.

    Meistens jedoch wird es schleichend immer schlimmer und dann kippt es irgendwann richtig und es geht steil bergab. Ich habe das bei mir selbst erlebt. Das was Du von Dir so beschreibst, war bei mir, mal ganz grob gesagt, die längste Phase meiner Trinkerzeit. Die letzten 2 Jahre wurde es dann immer krasser und es passierte das, was halt klassischerweise oft passiert: Konsum steigerte sich immer mehr, ich begann vormittags mit dem Trinken, bald begann ich morgens mit dem Trinken und dann stellten sich neben den ohnehin schon lange vorhandenen psychischen Problemen (die Du bei Dir ja auch beschreibst) auch pysische Probleme ein. Und hätte ich noch ein wenig weiter gemacht, wäre ich sicher auf ganz harte Sachen umgestiegen, weil mich die ganze Be- und Entsorgungslogistik bereits mega belastet hat. Nach dem Motto: lieber ein oder zwei Flaschen Schnaps als 15 Bier. Lässt sich leichter organisieren. Aber gut, ich konnte bei einem täglichen Leven von 10 - 12 Bier + oft mal noch Wein dann die Reißleine ziehen. Ich bin unendlich dankbar dafür.

    Ich bin übrigens Ende 40 und trinke jetzt schon längere Zeit keinen Alkohol mehr.

    Schön das Du da bist. Schön, dass Du Dir Dein Leben zurück geholt hast und jetzt auch so positiv von Deiner Zeit ohne Alkohol sprichst. Ich sehe das alles ganz genauso positiv wie Du. Wenn man mal wirklich erkannt hat, wie überflüssig Alkohol ist, versteht man gar nicht mehr, warum man ihm sein ganzes Leben vorher geopfert hat. Und warum er so einen extrem hohen Stellenwert in unserer Gesellschaft hat.

    Ich wünsche Dir weiterhin ein zufriedenes, trockenes Leben und freue mich auf einen Austausch mit Dir hier im Forum.

    LG
    gerchla

    Liebe Tina,

    ich will Dir einfach mal meine Gedanken zu fogenden Aussagen von Dir schreiben:

    Zitat

    Aber auch ich habe dazu gelernt.
    Ich habe ihm das gesagt, dass mir das mittlerweile egal ist, ob ihn andere sehen oder hören.
    Sollen sie doch!


    Das man ganz am Anfang, wenn einem die ganze Tragweite bezüglch der Sucht des Partners plötzlich bewusst wird, erst mal vielleicht falsch, also quasi co-abhängig reagiert kann ich nachvollziehen. Ich denke man weiß dann auch gerade erst mal nicht was da jetzt gerade ab geht. Wichtig ist es aber, genau das zu reflektieren und sich zu informieren. Und somit dann auch, genau wie Du schreibst, dazu zu lernen. So lange keine Gefahr für das Leben des alkoholkranken besteht ist es durchaus sinnvoll, ihn mit "seinem Elend" allein zu lassen. Er hat sich dafür entschieden zu trinken, also soll er auch die Konsequenzen tragen.

    Anders sieht das natürlich aus, wenn er in kritischen Zustand wäre. Dann muss man selbstverständlch reagieren, z. B. in der Form das man den Notarzt ruft und ihn einweisen lässt.

    Ihn zu decken, für ihn zu lügen oder ihn am Ende sogar noch zu bemittleiden und zu betätscheln ist auf jeden Fall komplett falsch. Sowohl was den eigenen Weg in eine mögliche Co-Abhängigkeit betrifft als auch was die Wirkung auf den Alkoholiker selbst betrifft. So lange dieser nämlich noch Zuspruch oder sagen wir mal Hilfe erhält, so lange er sich darauf verlassen kann, dass sein Umfeld das schon irgendwie regelt, wenn er mal wieder komplett abstürzt, so lange ist die Not etwas zu ändern nicht recht groß.

    Zitat

    Die Gesellschaft ist leider wirklich so, dass sich niemand traut, einem offensichtlichen Alkoholkranken zu helfen.
    Allein schon, dem Partner zu sagen, was man sieht,hört und wahrnimmt.
    Alle wissen es, jeder redet hinter dem Rücken.
    Keiner traut sich nach vorne.


    Da hast Du natürlich vollkommen Recht mit Deiner Einschätzung der Situation in unserem Lande. Nur das mit dem "nicht helfen trauen" würde ich so nicht sehen, denn wir wissen ja, dass niemand außer der ALkoholiker selbst sich helfen kann. Und, ehrlich gesagt, kann ich auch nicht von anderen Verlangen, dass sie versuchen müssten einen (fremden) Alkoholiker irgendwie trocken zu bekommen. Klar, wenn jemand offensichtlich unter starkem alkoholeinfluss orientierungslos umherirrt oder randaliert, dann sollte jeder der das mit bekommt z. B. die Polizei rufen. Aber viel mehr geht da auch nicht.
    Und vergiss bitte auch nicht die Hilflosigkeit derer, die mit dieser Krankheit ansonsten keine Erfahrung haben. Die trauen sich vielleicht gar nicht jemanden anszusprechen, sie wissen nicht was das auslösen könnte, sie wissen nicht ob sie sich vielleicht nicht doch irren und dann was sagen, was sie wieder bereuen usw.

    Vielleicht kann man das auch vergleichen mit dem oft sehr verlegenen Verhalten von Menschen, wenn sie z. B. von jemanden erfahren das er schwer erkrankt ist. Das sind Situationen, die viele Menschen noch nie oder kaum erlebt haben und deshalb extrem unsicher sind, wie sie sich verhalten sollen. Nur mal so meine Gedanken dazu.

    Das hinter dem Rücken geredet und gelästert wird, naja, das ist was recht typisches. So sind halt leider viele....

    Zitat

    Vielleicht hat ja mal Jemand den Mut, ihm die Meinung zu sagen....!


    Ja vielleicht. Aber wer sollte das sein? Irgend ein entfernter Bekannter, ein Nachbar gar, oder ein Arbeitskollege? Normalerweise macht das wenn, dann jemand der ihm etwas näher steht und dem sein Leben wichtig ist. Und meinst Du das würde etwas bewirken? Aber Du hast natürlich Recht, umso häufiger er damit konfrontiert wird um so eher könnte er vielleicht mal darüber nachdenken, dass er da doch ein Problem hat. Oft ist es aber halt so, dass über solche Gespräche sogar alte Freundschaften ruck zuck zerbrechen.

    Zitat

    Da noch den Vater zu verlieren und sich auf eine neue Situation inkl neuer Wohnung und und und zu konzentrieren ist auch schwierig.


    Was haben sie denn aktuell von ihrem Vater? Das meine ich nicht provozierend sondern genau so wie ich es geschrieben habe. Beschäftigt er sich viel mit ihnen, macht er was mit ihnen, gibt es gute Gespräche zwischen ihm und seinen Jungs? Ich schließe das nicht aus, sowas gibt es durchaus auch. Es gibt auch alkoholkranke Elternteile, die sich trotzdem zumindest emotional rein hängen. Ich möchte mich auch als solchen bezeichnen. Trotz meiner Sucht habe ich alles getan um meinen Kindern ein guter Vater zu sein. So gut das "in meiner Welt" damals halt ging. Niemals war ich aggressiv, niemals war ich gewaltätig, nie habe ich sie beschimpft oder beleidigt. Im Gegenteil, ich habe mein schlechtes Gewissen versucht an ihnen wieder aufzurichten in dem ich z.B. versucht habe wirklich Zeit mit ihnen zu verbringen, wenn ich dazu in der Lage war. Wie ist das denn bei Euch?

    Und ganz verlieren müssen sie ihren Vater ja auch nicht. Ihr könntet da ja auch versuchen eine gute Regelung zu finden was den Umgang mit den Kindern betrifft. Wenn er dazu bereit ist.

    Zitat

    Ich möchte damit nur zum Ausdruck bringen, dass ich eben nicht nur nach meinem Wohlergehen schauen darf, sondern auch die Kinder im Blick haben muss.


    Da gebe ich Dir komplett Recht. Die Frage wird nur sein, was für das Wohlergehen Deiner Kinder das beste ist. Aktuell denkst Du, so interpretiere ich das, dass es das beste ist, Du hälst das alles aus und bleibst bei Deinem Mann, damit die Kinder ihren Papa haben. Ich denke man bräuchte hier auch mal die Sicht der Jungs. Den Psychologen-Tipp habe ich ja schon mal gegeben.

    Zitat


    Nächste Woche ist der Termin bei der Beratungsstelle für Angehörige.
    Darauf bin ich sehr gespannt.

    Da wünsche ich Dir, dass Du all Deine Fragen und Gedanken anbringen kannst und dass Du darauf dann auch entsprechende Antworten erhälst.

    LG
    gerchla

    Hallo Mond,

    herzlich Willkommen bei uns im Forum.

    Ich stelle mich mal ganz kurz vor: Ich bin Ende 40, Alkoholiker, 3 Kinder und lebe nun schon länger ohne Alkohol.

    Magst Du uns ein wenig mehr von Deiner aktuellen Situation schildern? Lebt Dein Sohn noch bei Dir? Hat er einen Job oder geht er noch zur Schule / Studium? Was ist er für ein Typ? Wie ist Eurer täglicher Umgang miteinander? Kommt ihr gut aus, seid ihr freundlich im Umgang? Was siehst Du für Gründe für sein Trinkverhalten?

    Ne' Menge Fragen auf die Du natürlich nur antworten solltest, wenn Du das auch möchtest. Ich glaube es würde uns ein wenig helfen, die ganze Situation besser zu verstehen oder einzuordnen.

    Ich wünsche Dir einen guten Austausch hier im Forum und hoffe, dass Du viele gute Anregungen bekommen wirst.

    LG
    gerchla

    Ich weiß das schon, ich meine das mit der Trennung. Das ist alles andere als einfach. Erst mal muss man sich darüber klar werden ob man sich überhaupt trennen will oder ob es nicht doch noch einen Weg geben könnte. Dann hat man die ganzen anderen Dinge, wie z. B. finanzielle Absicherung, eigene Wohnung, wie geht es überhaupt weiter usw. Und natürlich: was ist mit den Kindern?

    Ihr kennt ja vielleicht meine Geschichte. Ich trennte mich ja nachdem ich trocken wurde oder quasi mit dem Trocken werden. Ich hatte diese Gedanken auch schon in der Endphase meiner Trinkerzeit, jedoch kann man als daueralkoholisierter Mensch weder klar und strukturiert denken, noch ist man in der Lage richtige Entscheidungen zu treffen.

    Als das Trinken dann vorbei war, konnte ich wieder Entscheidungen treffen und musste das auch tun. Es ist die umgekehrte Variante wie bei Euch, also ganz grob gesehen. Ich wurde mir darüber klar, dass ich nicht trocken bleiben kann oder trocken bleiben werde, wenn ich mich nicht trenne. Verrückt oder? Und ich wusste auch, dass mein Leben über kurz oder lang vorbei sein würde, wenn ich wieder oder weiter trinken würde. Also war dann klar: Meine Abstinenz ist das wichtigste, das absolut allerwichtigste in meinem zukünftigen Leben.

    Tja, da war dann aber ja noch meine Frau, die keine böse oder schlechte Frau war und deren Welt ich damit zerstörte. Und da waren dann noch meine von mir über alles geliebten Kinder. Mein großer fast erwachsen und, das war dann nochmal eine ganz andere Hausnummer, meine kleine Tochter. Ein echtes Papakind, trotz meiner Trinkerei hatten wir eine sehr innige Beziehung. Sie traf das was dann folgte auch am meisten.

    Tja, da stand ich nun. Die Tage vergingen, die Entscheidung musste fallen, mein Hirn wurde mangels Alkohol immer klarer, war jedoch noch Monate von dem eines wirklich trockenen Alkoholikers entfernt. Ich zog aus, die Hoffnung das ich wieder zurück kommen könnte war bei meiner Familie groß. Meine Frau wäre bereit gewesen trotz allergrößter und allerschlimmster Vorkommnisse, trotz von mir gebeichteter Betrügereien und Lügerein, den gemeinsamen Weg weiter zu gehen. Meine Tochter hat gefleht. Ich kam nicht zurück, denn ich war sicher, ich würde wieder trinken über kurz oder lang.

    Und mein gerade mal paar Wochen alkoholfreies Hirn sagte mir: Nur eines wäre noch schlimmer für meine Kinder als die jetzige Situationen, nämlich wenn ihr Papa wieder zu trinken beginnen würde. Dann könnten sie ihn beim langsamen Sterben begleiten.

    Ja, diese Trennung und die vielen Monate nach dieser Trennung war nicht einfach. Teilweise waren sie die emotionale Hölle für mich. Hätte ich je einen Grund zum Saufen gehabt (den es aber definitiv nie gibt), dann wäre es zu dieser Zeit gewesen. Mir ging's übelst. Und ich wusste auch, dass es meinen Kindern und auch meiner damaligen Frau mindestens ebenso dreckig ging, mindestens. Durch meine Schuld!

    Ich schreibe Euch das, damit Ihr nicht etwas denkt ich würde mich leicht reden. Übrigens war es besonders am Anfang auch finanziell nicht ganz so einfach. Da war plötzlich der Unterhalt, da waren Schulden die ich in der Saufzeit gemacht hatte die ich zurück zahlen musste und wollte. Da war ein zweites, eigenes neues Leben zu finanzieren. Also alles Dinge, die "halt auch noch so" zu bewältigen sind, neben der emotionalen Ebene.

    Trotzdem ging es mir nach einer gewissen Zeit von Tag zu Tag besser. Sicher lag das auch daran, dass ich nicht mehr trank. Jedoch eben auch daran, dass ich mein Leben geordnet hatte. Meine Emotionen geordnet hatte und wieder damit begann zu LEBEN. Schwer war es, der Umgang mit meiner Kleinen, meiner Frau ins Gesicht zu sehen. Ihr Leiden zu sehen. Aber ich merkte, auch dort wurde es besser.

    Ich will Euch jetzt nicht mit ewigen Details langweilen. Jedenfalls, um zu zeigen das auch alles gut werden kann, habe ich heute eine recht gute Beziehung zu meiner Ex-Frau. Bin wieder verheiratet, habe nochmal eine wunderbare Tochter bekommen und meine beiden anderen Kinder (jetzt Erwachsen und so gut wie) haben eine sehr gute Beziehung zu mir, zu meiner jetzigen Frau und zur kleinen Schwester. Finanziell geht es mir mittlerweile gut und ich bin, ich kann es nicht anders sagen, sehr glücklich.

    Dafür musste ich durch eine nicht einfache Zeit. Und Entscheidungen treffen, die sehr sehr schwer waren.

    Das wollte ich noch sagen.

    LG
    gerchla

    Hallo Ihr 2,

    wenn ich Euch so lese, wird mir wieder so knall hart klar, wie sehr wir Alkoholiker unser Umfeld doch mit unserer Sucht belasten. Ich weiß es ja eigentlich schon lange, also seit ich trocken bin und dann langsam zu Bewuststein gekommen bin. Aber ich muss doch immer wieder mit Entsetzen fest stellen wie schlimm es eigentlich ist.

    Aber es beschäftigt mich auch immer sehr, wie viel sich die Partner von Alkoholikern gefallen lassen und wie hoch doch die Schmerzgrenze liegt. Ich möchte Euch zurufen: Lasst Euch das doch nicht gefallen! Kämpfen ist ok, ist gut aber lasst Euch bitte nicht so erniedrigen, so mies behandeln- Lasst nicht zu, dass man so abwertend mit Euch um geht. Setzt um Himmels Willen klare Grenzen.

    Bei mir war es ja ein "Sonderfall". Meine Frau hat es wirklich bis zum Outing von mir nicht gewusst. Und da musste ich ihr erst noch all meine heimlichen Verstecke zeigen bis sie mir glaubte. Sie litt aber unter meiner Sucht nicht weniger als Ihr. Sie sah unsere Ehe zerbrechen, versuchte alles Mögliche und musste doch scheitern. Sie wusste aber nicht warum. Ihr wisst es! Macht Euch doch dieses Wissen zu nutze!

    Ich bin gerade wenig sachlich und sehr emtional. Es tut mir einfach so leid, dass Angehörige so leiden müssen und das leider auch oft ohne Aussicht auf Besserung. Niemand hat das Recht das Leben eines anderen derart zu belasten. Es gibt nicht egoistischeres als einen nassen Alkoholiker.

    Ich drück die Daumen, dass Ihr da ganz schnell raus findet.

    LG
    gerchla

    Guten Morgen Tina,

    weißt Du, das Schlimme ist: Kinder leiden stumm.... Ich sag's aus eigener Erfahrung.

    Es ist gut, dass Du ihnen erklärt hast, dass ihr Papa krank ist, es ist gut, dass Du es nicht einfach überspielst oder ignorierst. Es ist auch gut, dass Du Regeln aufgestell hast, ab wann Du weg bist. Trotzdem, Kinder wollten doch immer nur das alles gut wird. Sie denken und fühlen anders als wir Erwachsene und in ihrem Hirn werden ganz andere Rückschlüsse gezogen als in unseren. Und meist verlieren sie kein Wort darüber...

    Vielleicht wäre ein Kinderpsychologe auch bei Dir schon jetzt der richtige Weg? Es ist wichtiger als Du vielleicht denkst.

    Und gib Deine Angst auf. Kleinstadt, ok. Aber alle die Du dort triffst sind aus dem gleichen Grund da wie Du. Und vergiss nicht: Meist wissen doch alle längst Bescheid, sagen nichts, reden aber hinter Deinem Rücken über Dich und Deinen Mann. Das ist doch ganz normal. Bei allem was bei Euch vorgefallen ist, wird der halbe Ort wissen was los ist. Und Du schämst Dich? Er sollte sich schämen, aber sowas von. Du und Deine Jungs, ihr seid die Opfer - Er ist der Täter, so einfach ist das.

    Er hätte es in der Hand etwas zu verändern. Du hast es in der Hand etwas für Dich und Deine Jungs zu verändern.

    Alles alles Gute und viel Kraft wünsche ich Dir.

    Lg
    gerchla

    Guten Morgen Nicole,

    Du fühlst Dich schlecht weil er Dir Blumen gebracht hat und Du Dich nicht darüber gefreut hast? Oje, Ihr beide habt doch ganz andere Probleme als das Du über diese Blumen nachdenken müsstest. D. h. vielleicht sind sie auch symptomatisch für das was bei Dir gerade passiert.

    Er tut etwas, Du reagierst wie Du eben reagierst um dann anschließend zu hinterfragen und zu zweifeln ob das was Du gerade getan hast bzw. wie Du reagiert hast richtig "für ihn" war.

    Du hättest ihm auch die Blumen hinterher werfen können und ihm erklären wo er sie sich hin.... Na lassen wir das, das ist vom Niveau dann doch zu viel zu tief. Jedoch hätte ich so eine Reaktion durchaus auch nachvollziehen und verstehen können. Gebracht hätte sie aber sicher nichts, allerdings hätte es auch nichts gebracht, wenn Du ihm vor Freude über den Strauß um den Hals gefallen wärst. Verstehst Du was ich sagen möchte? Egal wie DU reagierst, an seinem Trinkverhalten änderst Du damit nichts. Ich glaube aber, dass darin Euer zentrales Problem liegt.

    Insofern war Deine eher neutrale Reaktion vielleicht sogar die beste, in jedem Fall aber eine ehrliche. Wenn Du anfängst so zu reagieren und Dich so verhalten zu wollen, wie Du glaubst das er es möchte oder es für ihn das beste wäre, dann bist Du mit großen Schritten auf dem Weg in die Co-Abhängigkeit.

    Hast Du Dich mit dem Craft-Programm, das Dietmar erwähnt hat, schon mal beschäftigen können? Siehst Du darin einen Weg für Euch bzw. willst Du das überhaupt?

    Egal wie Du Dich entscheidest. Pass auf Dich und Deine Bedürfnisse auf. Und vor allem achte auch auf Euer Kind. Das ist der größte Verlierer bei der ganzen Sache. Es ist gut, wenn Du um Deine Beziehung kämpfst, wenn Du sie nicht einfach weg wirfst. Jedoch darf es kein Kampf gegen Windmühlen werden. Du musst Dir klare Regeln geben, klare Grenzen setzen wie weit es gehen darf. Und Du musst dann auch Konsequenzen treffen, wenn die Regeln nicht eingehalten werden oder die Grenzen überschritten sind.

    Anderfalls läufst Du ganz große Gefahr von der Alkoholsucht Deines Mannes mit in den Abgrund gerissen zu werden. Und Dein Kind dadurch natürlich auch. Du kannst das hier im Forum ja zahlreich nachlesen. Es ist leider so wie es ist.

    Ich wünsche Dir wirklich, dass er wie auch immer zur Besinnung kommt und etwas unternimmt. Auch wenn sich das aktuell für mich bei dem was Du schreibst nicht abzeichnet. Und glaube mir, so ein Blumenstrauß ist jetzt kein Zeichen dafür, dass er bereit ist etwas zu ändern. Da hätte er Dir dann schon eher die Überweisung vom Arzt in eine Entzugsklinik vorlegen müssen.... Ich weiß, das ist jetzt bisl sarkastisch aber manchmal kann ich nicht anders.

    Alles Gute wünsche ich Dir und viel Kraft für Dich und Dein Kind.

    LG
    gerchla

    Hallo LiebtdasMeer,

    herzlich Willkommen auch von mir.

    Ich möchte auch ein paar Gedanken von mir hier lassen, die mir beim Lesen Deines Textes gekommen sind.

    Vielleicht stelle ich mich mal kurz vor: Ich bin Ende 40, Alkoholiker, lebe jetzt schon länger ohne Alkohol, habe 2 Kinder aus erster Ehe und ein weiteres aus meiner aktuellen Ehe. Ich trank über 10 Jahre abhängig, wahrscheinlich eher gegen 15 Jahre. Die meiste Zeit davon trank ich komplett heimlich. Darüber ging dann meine erste Ehe kaputt.

    So, das mal als kleine Superkurzfassung, damit Du ein wenig einschätzen kannst wer hier seine Gedanken mit Dir teilt.

    Erst mal möchte ich sagen, dass ich es grundsätzlich gut finde, wenn man um eine Beziehung kämpft und sie nicht einfach auf gibt.. In Deinem Fall lese ich wirklich schreckliche Dinge, die Dir wiederfahren sind. Verantwortlich dafür ist Dein trinkender Mann. Du lässt es zu, dass er wiederholt so mit Dir umgehen konnte. Ich denke der Grund für Dein "Zulassen" begründet sich in der Hoffnung, dass es irgendwann besser werden könnte und in der Liebe die Du ihm gegenüber empfindest. Das aber nur meine Vermutung. Wegen dieser Hoffnung und dieser Liebe bist Du auch bereit um diese Beziehung zu kämpfen. Vielleicht bist Du aber auch einfach nur Co-Abhängig, wenn ich das mal so ganz hart schreiben darf. Das war auch einer der Gedanken, der mir gleich durch den Kopf schoss. Co-Abhängigkeit ist übrigens auch eine sehr ernste Krankheit und ich wünsche Dir, dass Du nicht betroffen bist und das Du nicht in sie hinein rutscht.

    Wie Du selbst schreibst, trinkt Dein Mann seit vielen Jahren, vielleicht "schon immer", richtig bewusst wurde Dir das aber erst vor 1,5 Jahre. Meiner Frau wurde es damals erst bewusst, als ich mich geoutet habe. Vorher trank ich mindestens 10 Jahre heimlich an ihrer Seite. Zum Ende hin erheblichste Mengen an Alkohol. 10 Bier am Tag war ganz normal, oft noch viel mehr. Ich kann also ganz gut nachvollziehen, dass Dir seine Sucht erst durch das schreckliche Ereignis bewusst wurde. Das wäre bei meiner Frau damals sicher genauso gewesen.

    Einsicht, dass er ein Problem haben könnte, hat Dein Mann aber nicht und das obwohl er wegen seines Trinkverhaltens schon mehrmals Kontakt mit der Polizei hatte, obwohl er in der Klinik gelandet ist usw. Das Du aus Angst vor ihm die Polizei gerufen hast, juckt ihn auch weiter nicht. Du liebst ihn, denke ich. Liebe ist keine Einbahnstraße, wenn ich das mal so sagen darf und ich denke, dass ein nasser Alkoholiker gar nicht in der Lage ist richtig zu lieben, selbst wenn er das glaubt. Ich spreche da auch von mir selbst und meinen Erfahrungen. Mir wurde da im Nachhinein einiges bewusst. Aber das ist ein anderes Thema.

    Die Frage ist also, wie geht es denn mit Dir weiter? Wie geht es mit Euch weiter? Idealerweise wird er erleutet und hört mit dem Trinken auf! Nun, das alles was Du schreibst liest sich nicht so und ich kann auch kein Hoffnungsfunkchen finden. Oder: Du schaust mal, wieviel noch passieren muss, bis Du bereit bist Dich zu trennen - auch ein sehr schmerzlicher Weg und u. U. ein sehr langer Weg. Wenn Du Co-Abhängig bist wird es sehr schwer für Dich werden Dich überhaupt zu trennen.

    Was mir in Deinem Fall ganz besonders leid tut, sind Eure Kinder. Ich muss es mal so sagen. Sie leiden gewaltig und sie werden wahrscheinlich ihr Leben lang damit zu tun haben. Je nachdem wie sie später mal damit umgehen (z. B. psychologische Hilfe nutzen oder nicht), können alkoholkranke Elternteile ein schwerer Rucksack für das weitere Leben werden. Ich weiß nicht ob Du Dir dessen richtig bewusst bist. In diesem Fall hast Du nicht nur die Verantwortung für Dich sondern auch für Deine Jungs.

    Meine Ex-Frau und ich habe übrigens nachdem ich trocken wurde mit unserer Tochter eine Kinderpsychologin aufgesucht. Und das war gut so. Denn einerseits war da ja dann unsere Trennung, die meine Tochter belastete aber andererseits hatte sie viel mehr gespürt und mitbekommen von meiner heimlichen Trinkerei als ich dachte. Kinder halt, bekommen alles mit sagen aber nix. Sie war die einzige, die wusste das ich ein Alkoholproblem hatte, mein fast erwachsener Sohn hat es nicht mitgebkommen und meine Frau auch nicht.

    Also, ich wünsche Dir, dass Du bei Deinem Beratungsgespräch die richtigen Impulse bekommst. Vielleicht denkst Du auch grundsätzlich über weitere Hilfe nach. Vielleicht eine Angehörigen Gruppe bei einer SHG. Ich wünsche Dir auf jeden Fall ganz viel Kraft und natürlich auch einen guten Austausch hier bei uns im Forum!

    LG
    gerchla

    Guten Morgen poepinna,

    ich habe darüber nachgedacht, was ich Dir zu Deiner Frage schreiben könnte. Ich selbst bin Alkoholiker, ähnlich alt wie Du und habe das Glück, dass ich so etwas wie Du nicht habe erleben müssen. Zwar trank und trinkt mein Vater auch solange ich denken kann, jedoch scheint er einer von den Fällen zu sein, die auch nach jahrzehntelangem Alkoholmissbrauch immer irgendwie an der Kante zur Sucht entlang schrammen. Ohne jemals richtig in die selbige abzurutschen.

    Es gab Zeiten, als ich im Jugendalter war, die schlimmer waren. Dann gab es wieder Zeiten, wo ich das Gefühl hatte, er würde jetzt deutlich weniger bzw. mit mehr Pausen trinken. Das was Du von Deiner Mutter beschreibst, also das komplette abschießen mit Alkohol, das Saufen bis nix mehr geht, das kenne ich von ihm nur ganz selten. Wie gesagt, als ich Jugendlicher war gab es mal so eine Phase, wo er fast täglich richtig betrunken war, wo es dann auch viel Streit mit meiner Mutter gab, Teller flogen usw. Aber durch diese Krise sind sie irgendwie durchgegangen.

    Mein Verhältnis zu ihm ist trotzdem nicht einfach. Und es wurde noch etwas komplizierter nachdem ich mich als Alkoholiker geoutet hatte und seither selbst nichts mehr trinke. Das ist nun schon eine längere Zeit her und wir (er und ich) haben noch niemals richtig über meine Sucht gesprochen. Alle Ansätze meinerseits diesbezüglich wurden und werden von ihm weggebügelt. Er ignoriert meine Sucht quasi komplett was sich z. B. auch darin äußert, dass er, wenn wir zum Essen bei ihm eingeladen sind, nicht darauf achtet, z. B. die Soßen ohne Alkohol zuzubereiten. Oder Kuchen ohne Alkohol oder so. Jetzt wünsche ich mir ja gar keine Sonderbehandlung, aber würde ich nicht aktiv nachfragen, würde er mir gar nicht sagen das er Alkohol verkocht hat. Das ist nur so ein Beispiel.

    Dass er seine Biere vor mir trinkt ist das eine (damit kann ich gut leben), dass er mir aber auch bei entsprechenden Level immer erzählt, dass er ja nie krank ist, weil ihn die Nährstoffe im Bier so gesund halten, ist dann das andere. Und da habe ich dann schon große Probleme mit. Zumal er zwar kaum erkältet ist (geht auch kaum unter Menschen), jedoch ansonsten unter so ziemlich allen Nebenwirkungskrankheiten eines vertärkten Alkoholkonsums leidet (Gicht, Bluthochdruck, Darmprobleme etc.).

    Ich musste und wollte also eine Strategie finden, wie ich mit dieser Situation umgehe. Mir ist bewusst, hier wo ich Dir das jetzt schreibe, dass meine Situation in der Tragweite nicht mit Deiner vergleichbar ist. Trotzdem hatte und habe auch ich Angst, dass plötzlich einfach stirbt (er ist jetzt auch Anfang 70) und ehrlich gesagt wundere ich mich manchmal, dass noch nichts in Richtung Herzinfarkt oder Schlaganfall passiert ist. Und ich hatte und habe auch Angst davor, dass so etwas passiert und ich habe ihm noch nicht das sagen können, was ich ihm sagen wollte. Oder das ihm was passiert und unser letztes Auseinandergehen war in unfrieden.

    Sowas kann durchaus passieren, denn wenn sein Level zu hoch wird, verlasse ich mit meiner Familie i. d. R. die Veranstaltung sprich ich verabschiede mich und fahre wieder nach Hause. Weil ich eben sonst Angst habe, ich könnte etwas sagen was ich gar nicht sagen möchte.

    Mein Vater ist eigentlich ein guter Mensch. Er hat einen sehr weichen Kern und ist eben einer Zeit und unter Umständen aufgewachsen, die ich nicht mehr kannte. Er hat viel positive Eigenschaften und er liebt mich sicherlich auf seine Art und Weise. Das weiß ich und das spüre ich auch. Es liegt also an mir damit umzugehen, wenn er nach einigen Bieren komisch wird und dummes Zeug daher labert. Wenn er provizierend wird und dumme Thesen aufstellt, die er nüchtern nie aufstellen würde.

    Es ist also tatäschlich so, dass ich mir das alles vor jedem Treffen bewusst mache. Er gestern waren meine Eltern bei uns. Das war sehr schön und da er da noch Auto fahren muss (und dann durchaus auch konsequent auf Alkohol verzichten kann und es bei uns ohnehin keinen Alkohol gibt) wusste ich schon vorher, dass es eines der Treffen wird, die sehr schön werden könnten. So war es dann auch. Würde er jetzt plötzlich sterben hätte ich sicherlich ein anderes Gefühl als wenn wir uns vorher im Halbstreit getrennt hätte.

    Es ist wirklich alles nicht einfach. Ich denke aber das es wichtig ist, dass man alles sagen konnte was man sagen wollte. Ich glaube das habe ich erreicht. Dabei geht es jetzt nicht darum, dass ich mit ihm über meine Sucht sprechen möchte oder so. Das muss nicht sein, es ist meine Sucht und meine Verantwortung. Es ist halt schade, dass er so blockiert. Aber ich hoffe und denke, dass er merkt, dass ich ihn liebe und so akzeptiere wie er ist. Das ist mir wichtig, denn dann wird er mit einem guten Gefühl gehen können, wenn es mal so weit ist. Und ich werde mit einem guten Gefühl bleiben können.

    So wie Du Deine Situation beschreibst, wirst Du mit Deiner Mutter diesen Punkt wohl nicht erreichen können. Denn wenn gar keine Kommunikation, auch keine stumme (die ich auch für ganz wichtig halte), stattfinden kann, weil sie Dich permanent beschimpft, dann wirst Du wohl einen anderen Weg gehen müssen. Es ist schwer hier etwas zu raten. Ich denke aber, dass es sehr wichtig ist, dass man seinen Eltern gegenüber mit seinen Gefühlen für diese im Reinen sein sollte. Und wirklich auch noch alles gesagt hat, was einem wichtig war. Rechtzeitig gesagt hat, denn am Grab ist doch nur ein Monolog. Vielleicht muss man Dinge auch sagen, wenn sie der andere auch nicht versteht oder verstehen mag. Damit man sie gesagt hat.

    Schwer. Das waren meine Gedanken dazu.

    LG
    gerchla

    Hallo Micha,

    herzlich Willkommen bei uns im Forum. Hier meldet sich jetzt mal derjenige, der das gleiche Profilbild hat wie Du.

    Erst mal wünsche ich Dir für Dein Vorhaben vom Alkohol weg zu kommen alles Gute und viel Kraft. Ich wäre auch eher ein Fan davon sich Hilfe von außen zu holen. Und zwar soviel man bekommen kann. Hab ich damals auch gemacht, ich weiß nicht wie es ausgegangen wäre, wenn ich diese nicht gehabt hätte. Naja und ein Stück weit hast Du das ja auch schon getan indem Du hier schreibst.

    Aber ganz ehrlich: Warum alleine kämpfen wenn es doch bewährte Hilfe gibt, die so viele andere Alkoholiker erfolgreich unterstützt hat? Aber das musst Du natürlich selbst wissen.

    Zum Profilbild:
    Ich finde, wir brauchen hier keine Profilbilddiskussion eröffnen. Hat mich zwar im ersten Moment irritiert, weil ich dachte: was hast du denn da geschrieben? - bis ich gemerkt habe das ich das gar nicht war ;D
    Aber es ist ja ein freies Bild und jeder kann es verwenden. Und mir liegt nun, im Gegensatz zu Dir, nichts an diesem Menschen. Ich habe es damals gewählt weil die Auswahl recht klein war, ich nicht geschnallt habe wie ich ein eigenes hochladen kann und weil es ein Mann ist, was meinem Geschlecht entspricht. Recht pragmatische Gründe also. Und naja, ich finde er hat eine sehr gute Stimme und recht gute Musik gemacht.

    Also, ich werde mich mal ganz entspannt umschauen, ob ich nicht ein Profilbild für mich finde, dass richtig gut zu mir passt. Und werde das dann hochladen. Habe ich eh schon länger mal drüber nachgedacht. Jedoch war mir das nicht wirklich dringlich, denn hier geht's ja eigentlich um viel viel wichtigere Dinge.

    Alles Gute Dir und viel Kraft für Deinen Weg aus der Sucht!

    LG
    gerchla