Beiträge von Gerchla

    Hallo Daniel,

    herzlich Willkommen im Forum.

    Gleich mal ein paar Anmerkungen meinerseits:

    Zitat

    Deshalb eine Frage zum Schluss: Bin ich überhaupt Alkoholiker? Natürlich, klar.


    Immer wieder die zentrale Frage, bin ich überhaupt schon süchtig? Was wäre, wenn Dir ein fachlich qualifizierter Mensch sagen würde "nein, Du bist noch kein Alkoholiker"? Würdest Du dann so weiter trinken wie bisher? Oder würdest Du dann versuchen reduziert weiter zu trinken? Sicher wärst Du erst mal erleichtert, weil Du noch nicht süchtig bist aber was hätte das für Konsequenzen für Dein weiteres Leben mit oder ohne Alkohol?
    Denk mal darüber nach, das ist spannend.

    Wie Dietmar schon schrieb, ist die Grenze zwischen Missbrauch und Sucht fließend und individuell unterschiedlich. Es gibt Menschen die mit 2 Bier regelmäßig getrunken innerhalb kurzer Zeit in die Sucht rutschen, andere können längere Zeit sehr viel mehr regelmäßig trinken und sind nicht süchtig. Sie schädigen natürlich trotzdem ganz enorm ihren Körper, jedoch können sie mit dem Trinken aufhören und müssten nicht trinken.

    Niemand wird Dir genau, also 100%ig sagen können, wo Du jetzt gerade stehst. Irgendwann wirst Du es aber dann mal wissen. Und zwar dann, wenn es längst zu spät ist.

    Was heißt das also jetzt? Egal ob Du süchtig bist oder missbrauch betreibst, Du solltest etwas an Deinem Alkoholkonsum verändern. Wenn Du süchtig bist, dann bleibt Dir wahrscheinlich nur die totale Abstinenz. Wenn Du Missbrauch betrieben hast, dann kannst Du vieleicht zu einem moderaten, unbedenklichen Konsumverhalten zurück finden. Was unbedenklich bedeutet, hat Dietmar Dir ja geschrieben.

    Was aus meiner Sicht aber klar ist: Du bzw. Dein Körper und Deine Psyche wissen, wie Alkohol funktioniert und wofür man ihn "gut" einsetzen kann. Deshalb wirst Du wohl immer, auch wenn Du noch nicht süchtig bist, sehr darauf achten müssen, wie Du mit ihm umgehst. Denn, wie man so schön sagt: "gelernt ist gelernt".

    Ich glaube also, dass es auch für einen Missbräuchler nicht so ganz einfach ist zu sagen: "naja, jetzt trinke ich halt nur noch maximal ein Bier am Tag und an zwei Tagen gar nichts". Da gehört trotzdem einiges an Disziplin dazu und wohl einiges an "Umdenken". Trinktagebücher könnten da auch hilfreich sein, also hier kommt dann aus meiner Sicht auch das kontrollierte Trinken wieder ins Spiel, dass m. E. bei noch nicht süchtigen Menschen funktionieren kann.

    Ich denke, ich würde an Deiner Stelle jetzt erst mal eine sehr lange Zeit komplett auf Alkohol verzichten. Mal ein paar Monate. Wenn Du nicht süchtig bist, sollte Dir das relativ einfach gelingen. Beobachte dabei dann vor allem auch Deine Gedanken. Wie sehr drehen sie sich um Alkohol? Wie gerne und oft würdest Du Dir eins aufmachen und zu welchen Anlässen? Vielleicht hast Du gar keine Gedanken in diese Richtung, das wäre natürlich wunderbar.

    Wenn Dir das problemlos gelingt, Du weiter keine Gedanken an trinken hast, dann könntest Du der Sucht nochmal von der Schippe gesprungen sein. Wenn nicht, dann musst Du mal überlegen wie es für Dich weiter gehen soll.

    Ach und übrigens: So ein Leben ganz ohne Alkohol ist kein Verzicht. Ich habe zu keiner Zeit Verzicht empfunden und lebe wirklich sehr gerne so. Der einzige Vorteil den ich heute für mich sehen würde, wenn ich nicht süchtig wäre und Alkohol gefahrlos trinken könnte, wäre, dass ich nicht mehr aufpassen müsste. Also z. B. bei Speisen oder bei Medikamenten. Ansonsten würde ich aus heutiger Sicht und den nur positiven Erfahrungen meines Lebens ohne Alkohol noch nicht mal an Silvester mit Alkohol anstossen wollen. Mir fehlt wirklich nichts ohne.

    Alles Gute wünsche ich Dir.

    LG
    gerchla

    Liebe schlalos,

    ja, der liebe Rückfall... Ist es gut zu sagen, der Rückfall gehört zum Krankheitsbild eines Alkoholikers (was statistisch gesehen nachvollziehbar ist)? Oder ist das falsch, weil der Suchtkranke dann denken kann: einen habe ich auf jeden Fall frei? Darüber wurde schon häufiger diskutiert.

    Ich glaube, was Deine Ärztin sagen wollte ist, dass wenn Dir ein Rückfall passieren sollte, Du nicht völlig verzweifelt alles hinwerfen solltest und dann vielleicht aus Scham nichts sagst und einfach weiter trinkst. Sondern dass es eben passieren kann (siehe wieder mal die liebe Statistik) und Du dann trotzdem weiter an Deiner Abstinenz arbeiten solltest. Es gibt ja auch noch diesen Spruch, man sollte einen Rückfall als Chance sehen. Nämlich als Chance die Mechanismen der Sucht durch den Rückfall besser erkennen zu können um somit weitere Rückfälle ausschließen zu können.

    Aber jetzt will ich auch mal sagen: Es gibt auch nicht wenige Alkoholiker, die rückfallfrei abstinent leben. Ich hatte auch keinen, wenn ich jetzt mal davon ausgehe, dass meine teils monatelangen Zeiten ohne Alkohol nur Trinkpausen waren. Und das waren sie auch, denn rückblickend betrachtet fehlte mir damals die absolute Einsicht und auch der absolute Wille ein DAUERHAFTES Leben ohne Alkohol führen zu wollen. Also ich bin akutell rückfallfrei. Und da gibt es natürlich noch viele andere. In meinem Bekanntenkreis habe ich beides: trockene Alkoholiker mit (teils mehreren) Rückfällen und welche komplett ohne.

    Also, ich würde mal sagen: Mach Dein Ding!

    Aber ich verstehe was Dich da so aufwühlt. Kleine Anekdote von mir: In den ersten Wochen meines Lebens ohne Alkohol ging ich fast täglich in meine SHG. Einmal jedoch, noch ziemlich am Anfang, wollte ich meinen Sohn treffen. Der konnte aber nur zu der Zeit wo eigentlich Gruppensitzung war. Ich war frisch getrennt von meiner Familie und es war mir eminent wichtig ihn zu treffen und mit ihm zu reden. Also vereinbarten wir diesen Termin und ich sagte am Abend vorher in meiner Gruppe: "Leute, morgen komme ich nicht zur Sitzung, da treffe ich meine Sohn". Worauf hin der Gruppenvorsiztende zu mir sagte: "Du darfst auch kommen wenn Du getrunken hast, so lange Du Dich benimmst". Ich: "Nein, nein, ich werde nicht trinken, ich will meinen Sohn treffen". Er: "Ja ja, schon recht, aber das Angebot steht".

    Ich wäre innerlich fast geplatzt, das weiß ich noch gut. Aber ich denke heute, er hat damals wohl aus seiner Erfahrung heraus gesprochen. Mir war es dann auch noch ein Ansporn es wirklich ohne Rückfall zu schaffen. So kannst Du das auch sehen.

    LG
    gerchla

    Sodale, das habe ich ja schon lange nicht mehr gehört (bzw. gelesen) ;D

    44. dafür, dass Du Deiner Mutter die Wahrheit gesagt hast.

    Das mit dem Schreiben, mit dem aufschreiben Deiner Geschichte, das kann Dich sehr weit bringen. Es könnte regelrecht befreiend für Dich sein. Sehr gut aber auch, dass Du die möglichen Gefahren im Blick hast und Dir entsprechend Strategien zurecht legst.

    Alles alles Gute!

    LG
    gerchla

    Hallo Tyrion,

    sehr interessant Deine Einstellung dazu zu lesen. Sie bringt bei mir gleich wieder einen Gedankenkreisel in Gang.

    Zitat

    Dann ist es mir, als ich mich dazu entschlossen hatte, eigentlich sehr leicht gefallen, die Sauferei bleiben zu lassen. Ich habe das nicht als Leistung empfunden. Saufdruck hatte ich mehr in meinen Trinkpausen und ich war es gewohnt, ihn auszuhalten, und als ich dann ganz aufgehört habe war es gar nicht so schlimm.

    Mir ging es da ganz ähnlich. Tatsächlich hatte ich weniger oder kaum Probleme mit Saufdruck, mich erdrückten in der Anfangszeit eher meine enormen Schuldgefühle. Zum Thema ob es "eine Leistung ist wenn man es schafft mit dem Trinken aufzuhören" fällt mir auch spontan ein ob man Stolz darauf sein kann/soll, weil man es geschafft hat. Das wurde hier im Forum schon häufiger mal andiskutiert und auch bei anderen Gelegenheiten gab es immer mal Situationen, wo Menschen mir sagten, ich könnte ja wirklich stolz sein auf das was ich geleistet oder erreicht habe.

    Ich antworte dann immer, dass ich nicht stolz auf etwas ein kann was eigentlich ganz normal sein sollte. Und ich kann auch nicht stolz darauf sein, dass ich erst mal meine Familie an die Wand gefahren habe, lieben Menschen ewig viel Leid zugefügt habe um dann irgendwann zur Besinnung zu kommen. Um dann tatsächlich die Sucht zu überwinden. Nein, da kann und da will ich gar nicht stolz sein und als Leistung sehe ich das, genau wie Du, auch nicht. Aber, ich empfinde eben dafür eine große Dankbarbeit, die eigentlich so richtig auch erst dann einsetzte, als ich begann mich überhaupt mal mit der Alkohollsucht außeinander zu setzen. Da verstand ich dann erst, das es ja überhaupt nicht selbstverständlich ist so eine Krankheit zu überwinden, auch dann nicht, wenn man wie ich alle mögliche Hilfe von außen in Anspruch nimmt. Je länger ich mich mit anderen trockenen Alkoholikern unterhalten habe, z. B. auch in der SHG, desto bewuster wurde mir das. Daraus resultiert meine Dankbarkeit, denn ich glaube nicht das es eine besondere Leistung meinerseits war, sondern es hat bei mir eben funktioniert wie es bei anderen, wenn sie genau das gleiche machen würden wie ich, eben einfach nicht funktionieren würde.

    Zitat

    Und ich denke sicher nicht jeden Tag an meine Nüchternheit, aber wenns irgendwo kritisch wird bin ich sofort wach.


    Darüber habe ich jetzt auch mal nachgedacht. Ich glaube schon, dass ich fast jeden Tag an meine Nüchternheit denke. Also natürlich auf jeden Fall an den Tagen an denen ich hier im Forum unterwegs bin. Aber auch so. Wobei, ich glaube es nicht immer ein bewusstes NACHdenken. Nicht zu trinken und gar nicht weiter darüber nachzudenken ist ja der Normalfall. Es sind einzelne, oft ganz kurze Momente, die ganz kurz aufblitzen und in mir ein sehr positives Gefühl auslösen. Da spielt sich jetzt dann bei mir natürlich nicht ein kompletter "ich bin ja so dankbar das ich nicht mehr trinken muss"-Film im Hirn ab. Das passiert eher nebenher und in den unterschiedlichsten Lebenssituationen. Aber ich nehme es trotzdem bewusst wahr.

    Danke für diesen Austausch.

    LG
    gerchla

    Liebe Schlaflos,

    wunderbar was ich da lese. Konsequent gehtst Du voran, redest nicht nur sondern machst auch. Genau so kann es funktionieren.

    Was Deinen Mann betrifft: Schau jetzt erst mal auf Dich und gehe Deinen Weg. Das ist ja auch das, was Du angekündigt hast und das ist auch richtig so. Es wäre natürlich ideal gewesen, wenn er auch diese wunderbare Gelegenheit genutzt hätte um sein Leben neu zu ordnen. Aber ist halt jetzt erst mal nicht so und Du wirst sehen, wie Du damit umgehen kannst. Am allerwichtigsten muss Dir immer Deine Abstinenz sein. Erscheint Dir diese in Gefahr, z. B. durch das Verhalten Deines Mannes, dann solltest Du reagieren und konsequenzen ziehen. So lange das nicht der Fall ist, kannst Du in Ruhe an Dir selbst arbeiten und vielleicht ist das ja dann auch ein Ansporn für ihn doch etwas für sich tun zu wollen.

    Schritt für Schritt.

    LG
    gerchla

    Guten Morgen Tyrion,

    schön, dass Du jetzt aktiv hier dabei bist. Ich habe Deine Geschichte mit großem Interesse, teilweise sogar mit Faszination, gelesen. Faszination deshalb, weil sie mir mal wieder gezeigt hat, dass jeder, egal wie tief er in der Sucht hängt, da wieder heraus kommen kann. Und mir wurde auch wieder bewusst, dass es für dieses "heraus kommen" keine allgemeingültige Formel gibt. Es gibt keine Antwort auf die Frage "was muss man tun um die Sucht überwinden zu können". Es gibt nur eine Antwort auf "was kann man tun um die Sucht überwinden zu können". Mit Deiner Geschichte wärst Du auch prätistiniert gewesen an Deiner Sauferei zu Grunde zu gehen. Das wäre wahrscheinlich eher der "normale" Werdegang gewesen. Sehr gut, dass Du da raus gekommen bist und auch sehr gut, dass Du hier Deine Geschichte erzählst, auch so detailliert.

    Ich glaube davon können sehr viele die hier lesen profitieren.

    Eines würde mich interessieren:

    Du schreibst, dass die Nüchternheit (auch mal ein schönes Alternativwort für Trockenheit oder Abstinenz) für Dich längst zur Normalität geworden ist. Und auch Deine Aussagen, dass Du irgendwann das Gefühl hattest, Du würdest Dich ständig wiederholen und Dein Leben ist mittlerweile ganz weit weg von der Sucht veranlassen mich zu der Frage, ob Du auch nach 20 Jahren immernoch eine Dankbarkeit dafür spürst, dass Du nicht mehr trinken musst. Bzw. natürlich auch die Frage, ob Du so eine Dankbarkeit überhaupt gespürt hast, was ich aber schon mal annehme, denn sonst hättest Du Dich wahrscheinlich nicht so egagiert.

    Ich empfinde diese Dankbarkeit, auch diese Erleichterung, quasi immernoch täglich. Meine Suchtvergangenheit ist für mich heute wohl die Basis für mein glückliches Leben. Ich weiß nicht, ob ich mein Leben jemals so positiv hätte gestalten können, wenn ich diese Suchterfahrung nicht gemacht hätte. Das klingt jetzt auch bei mir schon beim Schreiben sehr krotesk. Und es soll auch nicht bedeuten, dass ich auf diese Erfahrung nicht sehr sehr gerne verzichtet hätte. Aber am Ende ist es jetzt so wie es ist. Wo ich heute stehen würde, wenn mein Leben ganz "normal", also ohne Abhängigkeit von Alkohol verlaufen wäre weiß ich natürlich nicht. Ich weiß nur, dass diese Abhängigkeit bzw. die Überwindung dieser, dazu geführt hat, dass ich mich in meiner persönlichen Entwicklung und in der Gestaltung meines Llebens "danach", eben auf diese Erfahrungen gestützt habe und ich qausi von einer postiven Erfahrung zur nächsten gewandert bin und immernoch noch wandere.

    Bitte nicht falsch verstehen. Selbstverständlich gibt es auch in meine Leben die üblichen Nackenschläge, mal kleine, auch schon größere. Aber meine Grundzufriedenheit ist enorm. Ich trank ja so ca. 10 bis maximal 15 Jahre abhängig. Das da während dieser Zeit nix mit Zufriedenheit war ist klar, jedoch auch in der Zeit vorher, als bei mir alles noch prima war, ich eigentlich ja auch absolut gar keinen Grund hatte mich irgendwie in Alkohol zu flüchten (also oberflächlich gesehen, denn natürlich gab es Gründe warum es so kam wie es kam), war ich niemals so zufrieden oder sagen wir mal besser "im Reinen mit mir selbst" als ich das jetzt bin. Ich denke, dass habe ich dieser Suchterfahrung "zu verdanken" bzw. dem, was ich dann daraus gemacht habe.

    Jetzt bin ich ein wenig abgeschwiffen mit meinen Gedanken, aber Deine Geschichte ist einfach derart interessant, dass ich da jetzt gleich ins reflektieren gekommen bin.

    Schön das Du hier bist. Ich hoffe und wünsche Dir, dass Du hier das findest was Du gesucht hast!

    LG
    gerchla

    Hallo Schlaflos,

    das hört sich doch schon mal ganz gut an. Sehr gut, dass Du Dich gegenüber Deiner Freundin geöffnet hast. Da wirst Du sicher interessante Gespräch mit ihr führen können und mit ihrem Partner vielleicht sogar noch mehr. Und der Besuch dieser oder überhaupt einer SHG ist ja dann für Dich auch eine gute Option.

    Zitat

    auch weil ich nicht daheim sitze und darauf warte das alles gut wird sondern mich wirklich darum Kümmer das es wirklich gut wird und so bleibt.


    Was Du hier schreibst finde ich ganz wichtig. Nicht einfach "nur" nichts mehr trinken und warten was passiert sondern nichts mehr trinken und aktiv an der Abstinenz arbeiten. So kann es funktionieren. Ich bin gespannt was Du weiter berichten wirst.

    Was macht denn eigentlich Dein Partner? Welche Wege geht der?

    LG
    gerchla

    Liebe Sunrise,

    Du siehst das Leid in den Augen seiner Angehörigen, ich kann mir das gut vorstellen. Aber weißt Du, auch sie können sich Hilfe suchen. So wie Du das ja jetzt auch machst. Auch sie sind für ihr eigenes Leben verantwortlich. Nur Du kannst in Deiner aktuellen Situation keinesfalls die Rolle der Helferin übernehmen.

    Und bitte verabschiede Dich unbedingt von den Gedanken, Deinem Ex-Partner irgendwas von den Erkenntnissen mitteilen zu wollen, die Du hier jetzt erlangt hast. Das ist genau das was Du nicht machen solltest. Mal abgesehen davon, dass Du ihn damit sowieso überhaupt nicht erreichen würdest, bedeutet allein die Tatsache, dass Du darüber nachdenkst, Dich damit beschäftigst, dass Du da noch ganz tief drin steckst. Das soll keinesfalls ein Vorwurf sein, nur eine Feststellung. Und natürlich ist mir klar, dass Du da nicht von heute auf morgen heraus kommst. Ist klar, aber versuche nicht mehr zu denken, Du könntest oder müsstest bei ihm irgendwas erreichen.

    Es funktioniert nicht! Es funktioniert einfach nicht. Dieses „in Liebe loslassen“, das habe ich lange nicht verstanden. Ich kenne diesen Spruch schon sehr lange, hatte auch in meiner nassen Zeit ein paar mal damit „zu tun“. Ich dachte immer: wenn man jemanden liebt dann kann man ihn doch nicht loslassen. Heute weiß ich was damit gemeint ist.

    Lass ihn ziehen, gib ihm Deine besten Wünsche mit auf den Weg, hege keinen Groll, schon gar keinen Hass (denn dieser würde nur Dich selbst zerstören), akzeptiere das er diesen Weg geht auch wenn Du ihn für ganz falsch hälst, lass ihm sein Leben fokussiere Dich auf Deines. Denke nicht darüber nach, wie es ihm geht, was er wohl macht usw. Er macht das was er für Richtig hält und das ist seine Sache.

    So lange Du emotional an ihm hängst, egal in welcher Form, blockierst Du Deinen Neustart. Erst wenn Du wieder frei bist in Deinem Kopf, wenn Du ihn in liebe losgelassen hast, dann wirst Du wieder zurück finden in Dein eigenes Leben. Bist wieder frei für Neues, wirst schnell merken, wie toll dieses Leben eigentlich sein kann und wirst Dich (vielleicht) auch fragen, warum Du eigentlich so lange in diesem schrecklichen Leben gefangen warst.

    Ich weiß nicht genau ob ich die richtigen Worte gefunden habe aber ich hoffe einfach, dass Du verstehst was ich meine. Und klar, es dauert, es geht nicht so einfach, alles ganz normal. Aber Du hast Dich ja jetzt auf den Weg gemacht, Du bist schon auf dem Weg. Und jetzt gehe ihn, Du wirst das schaffen!

    LG
    Gerchla

    Guten Morgen Jutta,

    das ist schön zu lesen. Darf ich fragen wie Deine weiteren Pläne aus sehen? Wie willst Du denn weiter mit der Aufarbeitung Deiner Sucht umgehen? Welche Pläne hast Du um dauerhaft trocken zu bleiben. Bzw. gibt es überhaupt schon Pläne? Willst Du eine SHG besuchen, psychologische Hilfe in Anspruch nehmen oder andere Hilfe?

    Ich finde es wunderbar das Dein Mann Dich so unterstützt. Damit hast Du, habt Ihr, prima Voraussetzungen auf ein gemeinsames Leben ohne Sucht. Ich frage Dich nur so direkt, weil ich jemand bin, der davon überzeugt ist, dass nicht mehr trinken „nur“ ein erster Schritt in ein suchtfreies Leben ist. Will man es dauerhaft leben, muss man meiner Meinung nach etwas tiefer in die ganze Geschichte eintauchen. Dazu gibt es auch andere Meinungen, ich habe aber diese Erfahrung bei mir gemacht und ich kenne auch andere Menschen die es nur so geschafft haben. Einfach nichts mehr trinken ist oft nicht sehr nachhaltig.

    Damit will ich Dich aber keinesfalls entmutigen. Im Gegenteil, ich will Dir sagen das Du auf einem wunderbaren Weg bist. Du musst ihn nur weiter gehen und die richtigen Abzweigungen nehmen. Alle Gute dabei!

    LG
    Gerchla

    Guten Morgen Sunrise,

    ich möchte Dir gleich mal meine Gedanken zu Deinen Fragen an uns schreiben. Du willst wissen oder Tipps, wie Du mit Menschen umgehen sollst, die ihm oder Dir nahe stehen. Wenn ich das richtig verstanden habe.

    Da stellte sich mir sofort spontan die Frage wie gut es für DICH ist, wenn Du Dich weiterhin mit ihm und seinem Umfeld beschäftigst. Bestimmt gibt es enge Verbindungen denn eine so lange andauernde Beziehung bringt das natürlich normalerweise mit sich. Vielleicht verstehst Du Dich gut mit seinen Eltern, Geschwistern oder anderen Verwandten und Bekannten. Und über sie wirst Du wahrscheinlich auch an Informationen über ihn, sein aktuelles Wohlbefinden, seine Beziehung usw. erhalten. Ich weiß nicht, ob das gut für Dich ist. Vielleicht wäre es hier angebracht, wenn Du / Ihr klare Regeln aufstellt.

    Ich denke jetzt hier einfach mal an die Situation mit meiner Ex-Frau. Sie hat nach wie vor ein gutes Verhältnis zu meinen Eltern und zu meinen Geschwistern. Wird dort auch eingeladen usw. Aber über mich wird dort nicht weiter gesprochen. D. h. Jetzt, nach vielen Jahren, ist das alles etwas anders geworden und wir machen auch mal Dinge sogar gemeinsam, also z. B. an Geburtstagen. Aber das war in den Anfangsjahren noch ganz anders. Und ich glaube das war für meine Ex-Frau enorm wichtig um überhaupt mit der ganzen Sache abschließen und klar kommen zu können.

    Es sollte also nicht Deine oberste Priorität sein anderen dabei zu helfen wie sie mit Deinem Ex umgehen können. Es sollte sich jetzt erst mal eben nicht mehr Dein Leben um Deinen Ex und dessen Sucht drehen. Natürlich solltest Du alles tun um diese Zeit aufzuarbeiten, das ist wohl mit das wichtigste. Aber es geht um aufarbeiten, um eben nicht weiter in der ganzen Geschichte gefangen zu bleiben. Auch nicht als „Beraterin“ oder Beobachterin von außen. Jetzt geht es doch darum DEIN Leben aufzubauen. Nur um Dich geht es jetzt erst mal.

    Dafür musst Du nicht jeden Kontakt zu seiner Familie abbrechen, jedoch Dir gut überlegen was Du zulassen kannst / willst und was nicht.

    Eines noch zum Thema „keiner sagt was“. Ja, da hast Du vollkommen Recht. Aber es ist auch nicht ganz einfach. Ich denke es ist in der Regel einer enormen Unsicherheit geschuldet, das niemand etwas sagt. Vielleicht irrt man ja? Geht es einem überhaupt was an? Reagiert er vielleicht aggressiv? Usw. Und ja, es ist falsch nichts zu sagen. Wenn einem an demjenigen der trinkt etwas liegt, dann sollte man es ansprechen wenn man glaubt ein Problem zu erkennen. Aber das ist nicht so einfach und kann, wenn man es „falsch“ macht, auch dazu führen, dass der Betroffene sich komplett abwendet. Es ist also nicht so leicht aber, das muss ich sagen, absolut notwendig und richtig einen Betroffenen anzusprechen.

    Was dann i. d. R. aber auch wieder nichts bringt, ist den Betroffenen ständig damit zu konfrontieren. Das führt dann normal dazu das er genervt ist und sich zurück zieht. Oder wie ich z.B. damit beginnt komplett heimlich zu trinken. Meine Frau hatte mich ja immer wieder angesprochen. Daraufhin reduzierte bzw. pausierte ich um irgendwann dann wieder weiter zu machen. Wieder sprach sie mich an. Selbes Spiel. Und wieder sprach sie mich an .... und irgendwann hörte ich dann offiziell quasi komplett auf Alkohol zu konsumieren - dachte sie. Ich trank natürlich weiter, aber heimlich. Hatte meine Ruhe und fing an meine Parallelwelt aufzubauen. Das ist alles ein sehr schwieriges und kompliziertes Thema und für eine nicht Süchtige sicher nicht so einfach nachzuvollziehen. Die Sucht verändert einen Menschen im Laufe der Zeit so enorm dass die Denk- und Handlungsweisen immer abstrakter und schwer nachvollziehbar werden.

    Was Dein Ex jetzt macht, also die ganzen Lügengeschichten die er erzählt, die Du mittlerweile durchschaust, das alles passiert in seiner Suchtwelt. Die Frage ist nur ob es gut für Dich ist, wenn Du da weiterhin mit involviert bist. Ich glaube es wäre besser für Dich wenn Du erst mal auf Distanz gehen würdest. Aber vielleicht kannst Du das auch mal mit jemanden vom Fach besprechen, einem Psychologen z. B.

    Alles Gute und viel Kraft für Dich!

    LG
    Gerchla

    Liebe Phoenix,

    Dietmar hat es auf den Punkt gebracht. Als ich Deine Zeilen laß, dachte ich mir sofort: Warum lügen sie denn nur? Warum sagen sie nicht was der wahre Trennungsgrund ist? Was wollen sie damit erreichen? Wozu soll es gut sein?

    Ob Dein Vater mehr Verständnis oder überhaupt Verständnis hat, wenn er die Wahrheit kennt, das weiß ich nicht. Vielleicht ist der trotzdem der Meinung, ihr solltest Eure Beziehung nicht einfach wegwerfen. Solche Menschen und Einstellungen gibt es. ABER - das wäre dann wirklich sein Problem und Du hättest ein reines Gewissen weil Du die Wahrheit gesagt hast und Deine Sicht dargelegt hast. Vielleicht aber hätte er auch großes Verständnis, diese Reaktion wäre mir eine sehr logische. Egal wie, Dir wird es sicher besser gehen.

    Dieser Brief, den Du geschrieben hast, Du wirst sehen, wie er reagieren wird. Aber egal wie, Du hast jetzt die wirklichen Gegebenheiten dargelegt. Für Dich, egal wie er damit umgeht. Du musst jetzt Deinen Weg gehen, aber darauf achten nicht in alte Muster zu fallen. Immer ehrlich sein, immer sagen und vertreten was Du denkst, das ist sehr wichtig.

    Ich, als ein ständig lügender und betrügender Alkoholiker, musste das auch wieder lernen. Es war eine meiner zentralen Aufgaben, ganz bewusst immer das zu sagen, was ich wollte und was ich dachte. Und es war eine ganz wichtige Aufgabe für mich wieder zu lernen, keine praktischen Lügen mehr zu verwenden. Auch keine kleinen. Denn das war mein Muster während meiner Trinkerzeit.

    Damit wird man für manche vermeintlich zu einem Egoisten. Weil man dann auf sich und seine Wünsche achtet und diese auch durchsetzt. Aber dieser Egoismus ist ein sehr gesunder Egoismus. Ein Egoismus der einen wieder stark macht und davor schützt wieder zurück zu fallen. Und der einem auf lange Sicht gesehen auch so stark macht, dass man seine Energie auch wieder für andere Menschen einsetzen kann ohne das man dabei eigene Energie verliert.

    Gut, dass Du die Dinge in diesem Brief klar gestellt hast!

    LG
    Gerchla

    Liebe Schlaflos,

    Du hast von anderen Forumsteilnehmern sehr wertvolle Informationen und Anregungen bekommen. Deine Reaktionen auf das was Dietmar und Greenfox Dir geschrieben haben lassen in mir die Hoffnung aufkommen, dass Du dieses Mal wirklich weißt worum es bei Dir geht. Es geht letztlich um nichts anderes als um Dein Leben. Es geht um ein menschenwürdiges Leben und es geht nicht zuletzt auch um Deine Tochter, die wahrscheinlich bereits jetzt nicht ohne Hilfe all das verkraften wird, was sie in ihrem jungen Leben bereits erleben musste. Bei meiner Tochter war das nicht anders...

    Also, jetzt hast Du also einen scheinbar Riesenberg an Fragen und Problemen vor Dir. Kannst Dir nicht vorstellen, wie Du diese oder jene Situation bewältigen sollst, ohne Alkohol. Da sage ich: Mach mal langsam, gehe einen Schritt nach dem anderen aber gehe konsequent voran - ja ich weiß, ich wiederhole mich.

    Weißt Du, von der Sucht weg kommen heißt oft, heißt meist, sein komplettes Leben zu verändern. Sein komplettes. Ich habe alles verändert, vieles auch einfach verloren und ich habe neu begonnen, ganz gezielt, teilweise geplant. Mir blieb nur mein Arbeitsplatz aus meiner alten Welt, dort hatten ich keinen unmittelbaren Bezug zu Alkohol auch wenn ich dort die letzten Jahre auch getrunken hatte. Aber eben heimlich. Und ich wäre auch bereit gewesen, meinen Arbeitsplatz zu wechseln, wäre es für meine Abstinanz notwendig gewesen.

    Was ich sagen will: Es wird nicht funktionieren, wenn Du bzw. Ihr nicht Euer komplettes Leben unter die Lupe nehmt und es ggf. verändert. Das betrifft auch, und bei manchen vor allem, den Freundeskreis.

    Kommen wir zum Outing. Deine Nachbarschaft weiß ja schon mal Bescheid. Aber wie sieht es mit Deiner Familie aus, mit Freunden usw. - Auch das ist ein wichtiger Schritt. Für mich, einem erfolgreichen und einem vermeintlich immer ganz tollen Familienvater und Ehemann, war es eine Herkulesaufgabe meinen Geschwistern, Eltern, Freunden zu erzählen, dass ich ein gescheiterter Alkoholiker bin und bereits mehr als 10 Jahre heimlich getrunken habe. Um kurz darauf noch eines drauf zu legen und ihnen zu erzählen, dass ich mich auch noch von meiner Frau getrennt habe, weil ich das als wichtigen Schritt für meine künftige Abstinenz gesehen habe. Ich denke, das haben einige überhaupt nicht verstanden und meine ganze, künstlich aufrecht erhaltene Fassade brach einfach nur zusammen.

    Plötzlich war ich gar nichts mehr, weniger als nichts. Und ich hatte meine geliebten Kinder verloren, meine Frau, die nichts dafür konnte, in ein fürchterliches Elend gestoßen. Na wunderbar, das hatte ich ja super hinbekommen.

    ABER - ich ging voran. Mit viel Hilfe (SHG, Psychologe, gute Freunde uvm.). Tag für Tag, Schritt für Schritt. Immer weiter und langsam wurde meine Welt wieder klarer und langsam auch wieder bunter, lebenswerter. Nein, das ging nicht von heute auf morgen, auch nicht auf übermorgen. Viele Monate waren nötig, nach etwa einem Jahr war ich aus dem Gröbsten raus aber noch lange nicht am Ziel.

    Gerade am Anfang werden immer wieder scheinbar unüberwindbare Hürden auftauchen. Aber sie sind alle zu überwinden, wenn, ja wenn Du nur nicht mehr trinkst. Und bereit bist, wirklich alles diesem Ziel unterzuordnen. Deine Abstinenz muss zukünftig das wichtigste sein in Deinem Leben.

    Diese Abstinenz war mir z. B. Wichtiger als meine so von mir geliebte kleine Tochter. Denn ich wusste: Wenn ich wieder trinke, dann wird es mein Ende sein und das wäre das schlimmste, was ich meinem Kind antun könnte. Deshalb blieb ich nicht meinem Kind zuliebe bei meiner Frau sondern folgte meiner Überzeugung, dass ich meinen Weg alleine gehen muss um es schaffen zu können.

    Du wirst sicher viel ändern müssen in Deinem Leben, aber es lässt sich alles machen. Und dann wirst Du merken, dass Du ein ganz anderes, ein wirklich echtes und lebenswertes Leben bekommst. Keines wo Du darüber nachdenken musst, wie Du bei der nächsten Veranstaltung um den Alkohol herum kommst, keines wo Du irgendwelche Ausreden erfinden musst, weil Du nicht trinken willst. Keines, wo Du dauernd an Alkohol denken musst und irgendwelche Strategien brauchst um diesem zu widerstehen.

    Aber diese Voraussetzungen musst Du ganz allein schaffen. Das braucht Zeit. Die hast Du und die solltest Du Dir nehmen. Aber eines muss Dir auf diesem Weg immer klar sein: Erst kommt Deine Abstinenz, dann kommt lange nichts und erst dann kommen alle anderen Dinge.

    LG
    Gerchla

    Guten Morgen schlaflos,

    Hm, grundsätzlich kann jede Entgiftung anders verlaufen. Was Du vorher gemacht hast, also Trinkpausen, das kennen wir Alkoholiker wahrscheinlich alle. Wie oft habe ich versucht aufzuhören und wie oft gelang es mir sogar eine längere Zeit mal nichts zu trinken.

    Aber, als es dann wirklich funktioniert hat, da fühlte es sich von Anfang an ganz anders an. Vielleicht erlebst Du genau das jetzt. Dieses Bewustsein, dass es jetzt anders ist und das es jetzt vorbei ist. Komme was wolle. Ich wünsche es Dir.

    Bei mir war damals tatsächlich auch meine Psyche die größte Herausforderung, vor allem meine extremen Schuldgefühle. Die hatte ich bei den Pausen z. B. Überhaupt nicht. Ich schrieb ja schon, das mir da die SHG sehr geholfen hat. Natürlich war ich dann auch beim Psychologen und habe mir auch anderweitig noch Hilfe gesucht. Du stehst ja ganz am Anfang und das alles wird auch bei Dir nach und nach kommen. Ich denke genau das wirst Du mit der Ärztin besprechen.

    Ich schrieb, dass Du diese Gefühle und Gedanken zulassen solltest. Ich profitiere heute von diesen Gefühlen, von dem Erlebten. Ich lebe jetzt schon viele Jahre ohne Alkohol aber glaube mir, es vergeht kein Tag an dem ich unendlich dankbar bin, dass ich mein Leben jetzt ohne Alkohol leben darf. Und dafür sind auch diese schlimmen Gefühle von damals verantwortlich. Nie mehr möchte ich in so einem tiefen Tal landen. Mir hat der Arzt damals Medikamente verschrieben, sozusagen für den psychischen Notfall. Ich habe sie nie genommen weil ich nie an dem Punkt war, dass meine Abstinenz gefährdet sein könnte. Ich bin heute sehr froh, dass ich alles ganz bewusst durchlebt habe.

    Und glaube mir, die Zeit läuft hier für Dich. Je länger Du trocken bist, desto häufiger wirst Du auch positive Empfindungen haben. Habe etwas Geduld. Und sag Dir immer, dass Du Dich auf den Weg gemacht hast. Da mit unterscheidest Du Dich schon mal von den meisten der anderen Alkoholiker. Du bist auf dem Weg, Du kannst Deine Vergangenheit nicht mehr verändern, aber Du kannst Deine Zukunft positiv gestalten. Ab jetzt kannst Du der Mensch werden, der Du gerne sein möchtest. Das soll Dir Zuversicht und Kraft geben.

    Und eines noch: Achte nur auf Dich und natürlich Dein Kind. Dein Partner trinkt ja auch, eine schwierige Konstellation. Er muss auch seinen Weg gehen und auf sich achten. Er ist für sich verantwortlich wie Du für Dich. Ich wünsche Euch, dass ihr es beide schafft - verantwortlich allerdings bist Du ausschließlich für Dich.

    LG
    Gerchla

    Hallo schlaflos,

    herzlich Willkommen bei uns im Forum.

    Ok, Du stehst jetzt ganz am Anfang. Aber Du hast schon mal die richtigen Schritte unternommen. Du warst beim Arzt, das ist sehr wichtig und gut. Und jetzt, das ist ganz wichtig, eines nach dem anderen!

    Der Wegbaus der Sucht ist lang und Du musst ihn Schritt für Schritt aber absolut konsequent gehen. Dein jetzt ganz akutes Problem, also Deine Gefühle die jetzt ohne Alkohol richtig wahr nimmst, gehören dazu. Wenn Du kannst dann lass sie zu und durchlebe sie.

    Was hast Du denn mit der Ärztin besprochen? Trinkst Du noch bzw wie entgiftest Du? Du bist aktuell zuhause nicht in der Klinik, nehme ich mal an.

    Um mit Deinen Gefühlen besser klar zu kommen könnte Dir Reden helfen. Hier im Forum, klar, aber auch eine reale SHG wäre vielleicht gut für Dich. Für mich war die SHG besonders in den ersten Monaten Gold wert. Ich war dort quasi täglich, jeden Abend. Reden, zuhören, lernen, teilen.

    Auch wenn es nicht einfach ist und wird, es ist jede Mühe wert ein Leben ohne Alkohol zu erreichen. Das ist dann das echte, das wirkliche Leben. Und das ist wunderbar. Ich wünsche Dir viel Kraft und einen guten Austausch hier im Forum. Wenn Du magst, schreib doch mal was der Arzt Dir als nächste Schritte vorgeschlagen hat. Es würde mich interessieren.

    LG
    Gerchla

    Hallo Subrise,

    Herzlich Willkommen bei uns im Forum.

    Als ich Deinen Beitrag gelesen habe dachte ich spontan da hätte meine Ex-Frau geschrieben. Naja ein paar Details stimmen nicht überein aber im großen und ganzen hätte sie es durchaus sein können. Aus Gesprächen mit ihr weiß ich, dass sie Ähnliches empfunden und gefühlt hat wie Du. Und ohne psychologische Hilfe wäre sie da wohl nicht heraus gekommen.

    Ich habe bestimmt über 10 Jahre heimlich getrunken und damit meine Ehe und meine Familie kaputt gemacht. Vielleicht interessiert es Dich oder vielleicht hilft Dir ja die Sicht eines Alkoholikers. Darum will ich Dir kurz mal meine damalige Sichtweise bzw. Die Kombination aus damals und heute erzählen.

    Ganz viel und ganz wertvolles hast Du ja bereits von Dietmar erfahren.

    Zu mir:
    Ich heiratete jung. Es war eine Liebesheirat und bald kam auch unser erstes Kind zur Welt. Alles war toll, es lief super, wir waren glücklich. Keine Krankheiten, toller Job, guter Freundeskreis, alles wie man es sich wünschen kann. Langsam, ganz langsam begann ich in die Sucht zu rutschen. Es begann im Grunde mit meinen Feierabendbierchen. Ganz harmlos, lange Jahre in ganz geringer Menge aber eben regelmäßig.

    Hätte ich es damals kapiert und die Reißleine gezogen, wir hätten sicher eine Chance auf eine gute Zukunft gehabt. Meiner Frau fiel mein regelmäßiges Trinkverhalten auf uns sie sprach mich immer wieder an. Anstatt aber tatsächlich etwas zu ändern, begann ich irgendwann heimlich zu trinken. Das war der Beginn in den richtigen, tiefen Einstieg in die Sucht.

    Langsam, ganz langsam veränderte sich dabei auch mein Charakter. Das ist sehr schwer zu beschreiben. Es gab irgendwann die ersten Tabubrüche. Damit meine ich z. B. Das ich begann meine Frau zu belügen. Erst kleine Lügen, später immer größere. Am Ende baute eine Lüge auf der anderen auf und ich wusste selbst nicht mehr was richtig oder falsch war. Lug und Betrug waren an der Tagesordnung. Das ging so weit, dass ich ein richtiges Doppelleben aufgebaut habe.

    Ein zweites Leben in dem ich auf Dienstreisen war (wobei nur vielleicht die Hälfte davon wirklich welche waren) und ich die Zeit zum Trinken in aller Ruhe nutzen konnte. Dinge, die ich zum Ende meiner Sucht hin gemacht habe, hätte ich mir ein paar Jahre vorher, wo ich zwar auch schon süchtig war, noch nicht vorstellen können. Je tiefer man in der Sucht hängt, desto niederträchtiger kann man agieren.

    Ach ja und LIEBEN, ich meine wirklich das richtige echte lieben, das kann man auch nicht mehr. Man glaubt zwar man würde es können oder es wäre so, jedoch ist es nicht so. Längst hat der Alkohol die Welt in der man sich befindet komplett verändert bzw. Die eigene Wahrnehmung ist so verquert, dass ein Außenstehender nur mit dem Kopf schütteln könnte. Man lügt sich selbst seine Welt so zurecht, dass man sie einigermaßen ertragen kann. Und kommen dann mal die kurzen klaren Momente, wo einem Bewusst wird, dass man ganz tief und ganz unten angekommen ist, dann greift man sofort zur Flasche, denn dieses Erwachen ist kaum auszuhalten.

    Was man dabei komplett ausblendet ist das Leiden der Menschen um einen herum. Meine Frau, meine Kinder (wir hatten inzwischen 2) litten ohne Ende. Zwar trank ich heimlich, jedoch war das für sie nicht weniger schlimm, denn sie wussten ja noch nicht mal was los ist.

    Heute kann ich kaum glauben, dass ich das gewesen bin, der all das damals getan hat. Und ich kann das für mich auch nicht entschuldigen. Ich kann nicht sagen, ich war das nicht, das war der Alkohol. Denn ich trank den Alkohol, freiwillig auch wenn ich süchtig war. Ich kann nur um Verzeihung bitten, was ich auch getan habe. Einen Anspruch darauf das man mir verzeiht habe ich allerdings nicht. Ich weiß nicht ob ich mir in umgekehrter Situation verzeihen könnte.

    Liebe Sunshine, das alles macht diese Sucht. Du wirst es als nicht süchtiger Mensch nicht einfach verstehen können, wenn selbst ein Süchtiger wie ich beim Rückblick das nackte Entsetzen bekommt und sich fragt, ob er das wirklich war, der das alles getan hat.

    Das Du verletzt bist, unendlich verletzt, das kann ich verstehen. Mehr als verstehen. Auch meine Frau litt am Ende unter einer unheilbaren Erkrankung, eine Autoimmunerkrankung und ich gehe mal davon aus, dass sie ein Ergebnis ihres jahrelangen Aushaltens an der Seite eines Alkoholikers ist.

    Achte Du jetzt auf Dich. Dietmar hat Dir aus meiner Sicht alles geschrieben was Du wissen solltest. Es wird für Dich kein einfacher Weg aber lass es bitte nicht zu, dass ein Alkoholiker Dein weiteres Leben auf Dauer belastet. Mach Dich frei und gewinne Dein Leben zurück. Er ist mit seiner Sucht geschlagen und wenn er es nicht schafft davon los zu kommen, dann wird er daran zugrunde gehen. Was er tut (das z. B. Sich eine 14 Jahre jüngere suchen) oder was er sagt, das kannst Du alles vergessen bzw. Solltest Du nicht mit normalen Maßstäben messen. Er ist nicht mehr der, den Du mal gekannt und geliebt hast. Er ist jetzt ein Werkzeug, ein Sklave seiner Sucht. Deshalb kann ich Dir nur raten, bei aller berichtigter Verleztztheit, auf Dich zu schauen und einen Strich unter alles zu ziehen. Und weil das ganz ganz schwer ist, nimm Dir dazu Hilfe von außen.

    Meine Ex-Frau und ich, wir haben heute eine sehr gute Beziehung. Das war bzw. Ist aus zwei Gründen möglich:
    1. Sie hat sich helfen lassen, sie hat einen Haken hinter „mich“ gesetzt und alles aufgearbeitet was sie belastet hat. Sie hat mir nie gesagt, dass sie mir verziehen hat, und das würde ich auch nicht erwarten. Aber sie kann gut und fair mit mir umgehen und was noch wichtiger ist, sie kann ihr eigenes Leben wieder leben.

    2. Ich habe meine Sucht besiegt. Das ist und war die Basis, das überhaupt irgendwas ins Positive gekehrt werden konnte. Das ich nach meiner Trennung (die von mir aus ging) überhaupt wieder zurück zu meinen Kindern finden konnte, dass ich meine Rolle als Vater (wenn es auch eine andere war als vorher) wieder finden konnte. Und, dass ich wieder eine Beziehung eingehen konnte und jetzt nochmal und richtig erfahren durfte, was Liebe eigentlich wirklich bedeutet.

    Ich bin übrigens Ende 40, wieder verheiratet und habe auch nochmal eine wunderbare Tochter geschenkt bekommen. Jetzt sind wir eine Patchworkfamilie (ich mag den Begriff eigentlich nicht) und es funktioniert sehr gut. Basis dafür ist meine Abstinenz und meine „beiden“ Frauen. Meine Ex-Frau, weil sie so mit mir umgehen kann wie sie das tut und meine Frau, weil sie mich in allem so unterstützt und auch meine Vergangenheit und die daraus resultierende Beziehung zu meinen Kindern und meiner Ex-Frau immer positiv begleitet. Ich bin heute ein sehr glücklicher Mensch, obwohl ich soviel Schuld auf mich geladen habe.

    Liebe Sunrise, ich wünsche Dir alles erdenklich Gute, ganz viel Kraft, damit Du schnell mit diesem schlimmen Kapitel Deines Lebens abschließen kannst. Dein Partner war bzw. Ist krank, vielleicht hilft Dir das ein wenig. Du hättest ihm bei dieser Krankheit zu keiner Zeit helfen können, nur er selbst könnte das. Du hast Dir hier also nichts vorzuwerfen, du warst machtlos und Du bist hier machtlos. Aber Du hast ja noch Dich. Und genau darauf kommt es an. Hol Dir Dein Leben zurück!

    LG
    Gerchla

    Liebe Ailin,

    Dein Brief scheint da angekommen zu sein wo er hingehört. Er hat ihn gelesen und er hat nicht aggressiv o.ä. reagiert. D.h. Zumindest, dass er darüber nachzudenken scheint. Was oder ob er da jetzt was daraus macht ist seine Sache. Ich denke Du solltest das jetzt auch erst mal bei ihm lassen. Sollte er mit Dir darüber reden wollen, dann kannst Du entscheiden ob Du das möchtest. Ansonsten weiß er ja, wo er Hilfe finden kann wenn er welche sucht.

    Schau Du jetzt auf Dich und Deine Kinder. Die Zeit wird zeigen ob er den Kampf gegen seine Sucht aufnimmt oder tiefer rein rutscht. Alles Gute für Dich und Deine Kinder!

    LG
    Gerchla

    Vielen Dank für‘s Einstellen. Der Artikel zeigt, dass manchmal auch die vermeintlich hoffnungslosen Trinker noch die Kurve bekommen können. Besonders den Schluss, seinen Versuch zu erklären wie der berühmte „Klick“ oder das Aha-Erlebnis zustande kommen können fand ich sehr interessant. Letztlich ist es wohl nicht zu erklären...

    LG
    Gerchla

    Hallo Jutta,

    herzlich Willkommen, schön das Du zu uns gefunden hast.

    Ein erster Schritt ist doch schon mal getan: Du hast Dich hier "geoutet". Ist zwar alles anonym, aber trotzdem. Ich weiß das es nicht so einfach ist über die eigene Sucht zu sprechen, dieses Tabu erst mal zu brechen.

    Wie Du so Dein Trinkverhalten beschreibst, ich finde da Parallelen zu meinem damaligen Trinken. Also ich meine jetzt speziell das mit den Trinkpausen. Ja, da wird einem mal wieder klar, dass es so ja nicht weiter gehen kann, dann legt man mal eine Pause ein. Am Anfang der Sucht geht das noch recht geschmeidig, ohne Riesenprobleme und mit zunehmender Suchtdauer wird's dann schon etwas schwerer. Ich hatte Anfgangs monatelange Pause, dann immerhin noch Wochen, dann Tage und am Ende war es dann schon mal ein großer Erfolg, wenn ich mal nur 4 oder 5 Bier am Tag getrunken hatte statt das Doppelte oder gar fast Dreifache. Aber eines konnte ich dann letzten Jahre nicht mehr: nämlich auch nur einen Tag ganz ohne Alkohol sein. Ich musste sogar trinken wenn ich krank war, Fieber hatte etc.

    Warum schämst Du Dich denn. Nicht, dass ich das nicht nachvollziehen könnte, ich habe mich nämlich auch geschämt. Aber warum? Du bist krank. Du bist süchtig. Das hat Gründe die Du vielleicht mal herausfinden wirst, wenn Du dauerhaft abstinenz lebst und dann aufarbeitest. Willensschwäche oder ein verdorbener Charakter sind aber ganz sicher nicht die Gründe, auch nicht Disziplinlosigkeit etc. Es wird andere Gründe haben, vielleicht welche, für die Du selbst gar nicht verantwortlich bist. Wovür Du aber selbstverständlich trotzdem verantwortlich bist ist, dass Du trinkst und Dir nicht helfen lässt. Letzteres willst Du jetzt ja ändern und deshalb solltest Du Dich nicht schämen sondern Du darfst mit erhobenen Haupt in den Spiegel sehen.

    Ein Arzt wird das nicht anders sehen. Ein Psychologe auch nicht und die bei der Suchtberatung auch nicht. Und die in der SHG schon gleich gar nicht, die haben das alles ja selbst schon durch. Also, mein Vorschlag: Angst ablegen, Backen zusammen kneifen und losmarschieren. Eine SHG ist eine wunderbare Sache und kann quasi Soforthilfe leisten. Einfach mal hin gehen, einfach mal ausprobieren. Dann zum Arzt, offen reden und seine Einschätzung abhohlen. Mit ihm zusammen weitere Schritte planen. Und zur Suchtberatung kannst Du auch gehen, dort bekommst Du ebenfalls ganz wertvolle Informationen.

    Und das wir uns alle immer soooo viele Gedanken darüber machen, was wir wohl unseren Freunden sagen werden. Immer schon den übernächsten Schritt im Kopf haben und immer schon vorauseilende Panik schieben. Ich schlage vor, Du legst erst mal los. Ich schlage vor, Du sorgst mal dafür, dass Dein Wohnumfeld alkohlfrei wird. In Kombination mit den o.g. Hilfsangeboten wirst Du einen Plan bekommen, wie es bei Dir weiter geht. Und dann gehst Du erst mal ein Stück des Weges. Und dann bist Du am Anfang halt erst mal nirgends dabei wo getrunken und gefeiert wird sondern konzentrierst Dich erst mal auf Dich. Und dann wird sich das alles geben. Vor allem wenn Du, wie Du selbst schreibst, einen Freundeskreis hast in dem zwar auch (wo wird das nicht) getrunken wird, wo das aber nicht im Fokus steht.

    Ich hatte ja diese Angst auch. Die haben wir wahrscheinlich alle gehabt. Aber die Dinge lösen sich. Wenn Du etwas länger abstinent lebst, wird sich Dein neues Leben einpendeln. Du kannst dann auch wieder wo hingehen wo andere trinken ohne das Du aus der Bahn geworfen wirst. Man wird Dich bald dann auch als diejenige kennen, die keinen Alkohol trinkt und es wird ganz normal für Deine Freunde werden. Und sollten welche dabei sein, die es nicht aushalten können, dass Du nicht mehr trinkst, dann solltest Du mal diese Freundschaften überprüfen. Aber entspann Dich, es wird werden. Oder meinst Du wir sitzen hier alle nur im Keller und schotten uns von der Welt ab?

    Also ich kann Dich nur ermutigen, Dir noch jede Hilfe zu nehmen, die Du bekommen kannst. Von außen, in der realen Welt. Keine Angst, lieber Mut.

    Alles Gute und einen guten Austausch hier im Forum wünsche ich Dir.

    LG
    gerchla

    Liebe Nicole,

    ich habe eben Dietmar's Beitrag an Dich gelesen. Bitte nimm Dir das zu Herzen. Seine Aufzählung was alles passieren wird, nach jedem Satz von ihm konnte einfach nur einen Haken dahinter machen. Das ist nicht dramatisiert, das ist leider seiner Erfahrung geschuldet und er wird leider mit fast allem Recht haben. Vielleicht kann es im ein oder anderen Punkt ganz leichte, jedoch unbedeutende Abweichungen geben. Das Ergebnis wird das gleiche bleiben: Du und Deine kleine Familie, Dein Kind, Ihr geht kaputt - er trinkt weiter.

    LG
    gerchla

    Hallo Sanny,

    herzlich Willkommen bei uns hier im Forum.

    Ich bin Ende 40 und lebe jetzt schon länger ohne Alkohol.

    Es ist schön Dich zu lesen! Super, das Du diesen Weg gegangen bist und weiter gehst.

    Ich freue mich auf einen Austausch mit Dir. Und eines noch:

    Zitat

    Könnt ihr verstehen wie ich das meine?


    Ja, ich verstehe sehr gut was Du meinst. Und ohne Alkohol bist Du jetzt auch in der Lage Dein Leben weiter zu gestalten und Dich weiter zu entwickeln. Du kannst an Dir, Deinem Leben, Eurem gemeinsamen Leben arbeiten und basteln und Stück für Stück voran kommen. Ich erlebe das auch nach Jahren ohne Alkohol fast täglich. Es ist alles so klar und so echt. Ich stecke mir Ziele, ganz persönliche auch, wo ich hin möchte mit meiner Persönlichkeit z. B. und ich kann sie Stück für Stück erreichen. Mit Alkohol entwickelte ich mich nur immer zurück. Es ist wunderbar so leben zu können.

    Ich finde es sehr schön, dass Du Deine Ehe retten konntest und das Ihr jetzt diesen Weg gemeinsam geht. Meine Ehe ging damals kaputt aber ich habe mittlerweise eine wunderbare Frau an meiner Seite und ich würde mir nichts andereres wünschen als das was ich gerade habe.

    Schön, dass Du hier bist.

    LG
    gerchla