Hallo Daniel,
herzlich Willkommen im Forum.
Gleich mal ein paar Anmerkungen meinerseits:
ZitatDeshalb eine Frage zum Schluss: Bin ich überhaupt Alkoholiker? Natürlich, klar.
Immer wieder die zentrale Frage, bin ich überhaupt schon süchtig? Was wäre, wenn Dir ein fachlich qualifizierter Mensch sagen würde "nein, Du bist noch kein Alkoholiker"? Würdest Du dann so weiter trinken wie bisher? Oder würdest Du dann versuchen reduziert weiter zu trinken? Sicher wärst Du erst mal erleichtert, weil Du noch nicht süchtig bist aber was hätte das für Konsequenzen für Dein weiteres Leben mit oder ohne Alkohol?
Denk mal darüber nach, das ist spannend.
Wie Dietmar schon schrieb, ist die Grenze zwischen Missbrauch und Sucht fließend und individuell unterschiedlich. Es gibt Menschen die mit 2 Bier regelmäßig getrunken innerhalb kurzer Zeit in die Sucht rutschen, andere können längere Zeit sehr viel mehr regelmäßig trinken und sind nicht süchtig. Sie schädigen natürlich trotzdem ganz enorm ihren Körper, jedoch können sie mit dem Trinken aufhören und müssten nicht trinken.
Niemand wird Dir genau, also 100%ig sagen können, wo Du jetzt gerade stehst. Irgendwann wirst Du es aber dann mal wissen. Und zwar dann, wenn es längst zu spät ist.
Was heißt das also jetzt? Egal ob Du süchtig bist oder missbrauch betreibst, Du solltest etwas an Deinem Alkoholkonsum verändern. Wenn Du süchtig bist, dann bleibt Dir wahrscheinlich nur die totale Abstinenz. Wenn Du Missbrauch betrieben hast, dann kannst Du vieleicht zu einem moderaten, unbedenklichen Konsumverhalten zurück finden. Was unbedenklich bedeutet, hat Dietmar Dir ja geschrieben.
Was aus meiner Sicht aber klar ist: Du bzw. Dein Körper und Deine Psyche wissen, wie Alkohol funktioniert und wofür man ihn "gut" einsetzen kann. Deshalb wirst Du wohl immer, auch wenn Du noch nicht süchtig bist, sehr darauf achten müssen, wie Du mit ihm umgehst. Denn, wie man so schön sagt: "gelernt ist gelernt".
Ich glaube also, dass es auch für einen Missbräuchler nicht so ganz einfach ist zu sagen: "naja, jetzt trinke ich halt nur noch maximal ein Bier am Tag und an zwei Tagen gar nichts". Da gehört trotzdem einiges an Disziplin dazu und wohl einiges an "Umdenken". Trinktagebücher könnten da auch hilfreich sein, also hier kommt dann aus meiner Sicht auch das kontrollierte Trinken wieder ins Spiel, dass m. E. bei noch nicht süchtigen Menschen funktionieren kann.
Ich denke, ich würde an Deiner Stelle jetzt erst mal eine sehr lange Zeit komplett auf Alkohol verzichten. Mal ein paar Monate. Wenn Du nicht süchtig bist, sollte Dir das relativ einfach gelingen. Beobachte dabei dann vor allem auch Deine Gedanken. Wie sehr drehen sie sich um Alkohol? Wie gerne und oft würdest Du Dir eins aufmachen und zu welchen Anlässen? Vielleicht hast Du gar keine Gedanken in diese Richtung, das wäre natürlich wunderbar.
Wenn Dir das problemlos gelingt, Du weiter keine Gedanken an trinken hast, dann könntest Du der Sucht nochmal von der Schippe gesprungen sein. Wenn nicht, dann musst Du mal überlegen wie es für Dich weiter gehen soll.
Ach und übrigens: So ein Leben ganz ohne Alkohol ist kein Verzicht. Ich habe zu keiner Zeit Verzicht empfunden und lebe wirklich sehr gerne so. Der einzige Vorteil den ich heute für mich sehen würde, wenn ich nicht süchtig wäre und Alkohol gefahrlos trinken könnte, wäre, dass ich nicht mehr aufpassen müsste. Also z. B. bei Speisen oder bei Medikamenten. Ansonsten würde ich aus heutiger Sicht und den nur positiven Erfahrungen meines Lebens ohne Alkohol noch nicht mal an Silvester mit Alkohol anstossen wollen. Mir fehlt wirklich nichts ohne.
Alles Gute wünsche ich Dir.
LG
gerchla