Beiträge von Gerchla

    Hallo Carla,

    herzlich Willkommen hier bei uns im Forum.

    Ich bin 50 Jahre alt, Alkoholiker und lebe jetzt schon lange ohne Alkohol. Ich gehöre also nicht zu denjenigen, zu welchen Du hier Kontakt suchst. Aber wir haben ja auch viele Angehörige hier und bestimmt wirst Du Kontakte knüpfen können.

    Eines möchte ich noch kurz anmerken: Wenn Du ein wenig mehr von Dir schreiben möchtest, also z. B. über Deine Motivation Dich hier anzumelden, vielleicht ein wenig über "Deine Geschichte" usw., dann machst Du es den anderen leichter in eine Konversation mit Dir einzusteigen. Selbstberständlich nur das, was Du über Dich Preis geben möchtest, womit Du Dich auch wohl fühlst. Wenn man ein bisschen mehr vom Gegenüber weiß ist es oft viel einfacher über seine eigenen Erfahrungen zu berichten. Oft ist es ja so, dass man ähnliche Erfahrungen teilt, ähnliche Erlebnisse gemacht hat usw.

    Das wollte ich nur kurz anmerken und jetzt wünsche ich Dir, dass Du viele interessante Gespräche hier führen kannst und dass Du viel für Dich aus diesem Forum heraus ziehen kannst.

    LG
    gerchla

    Hallo Lars,

    herzlich Willkommen hier im Forum.

    Ich wünsche Dir einen guten Austausch hier. Als ich mich hier angemeldet habe war ich auch schon eine längere Zeit trocken. Damals war ich einfach neugierig und ich wollte mich auch weiterhin regelmäßig mit meiner Krankheit beschäftigen. Ich war zu dieser Zeit auch in anderen Foren unterwegs wobei ich aber bald gemerkt habe, dass ich mich hier am wohlsten fühle. Und so habe ich anfangs sehr viel gelesen, dann ab und zu mal kommentiert und aktuell bin ich etwas aktiver unterwegs. Ich profitiere nach wie vor von diesem Forum, denn immer wieder erhalte ich durch die Lebensgeschichten hier Anstösse, die mich in meiner eigenen Persönlichkeitsentwicklung voran bringen. Und natürlich freue ich mich auch immer, wenn ich das Gefühl habe, dass meine Beträge, die meist auf meinen eigenen Erfahrungen beruhen, andere zum Nachdenken anregen.

    Schön das Du da bist.

    LG
    gerchla

    Hallo Stevie,

    ich möchte mal den Beitrag von Greenfox "nutzen" um Dir auch mal zu schreiben. Ich habe mich bisher noch in keinem Deiner zahlreichen Threads geäußert, lese aber natürlich aufmerksam, was Du schreibst und was andere Dir schreiben. Ich habe Dir bisher nicht geschrieben, weil ich zunächst dachte, er weiß ja eigentlich alles. Zumindest hat Du den Eindruck erweckt. Natürlich dachte ich so bei mir: ich wünsche ihm das er es auch umsetzen kann.

    Groß Neues hätte ich also nicht zu schreiben gehabt und den mahnenden Zeigefinger wollte ich nicht erheben, denn das kann auch demotivierend sein und wenn's schief gehen soll, dann geht es in der Regel auch schief. Mit oder ohne meinen Zeigefinger.

    Das Stichwort, das ich aus Greenfox' Post aufgreifen möchte, ist das "bleib bei DIR" und verzettel Dich nicht in wilden Aktionismus. Du hast hier viel geschrieben, viele eigene Threads eröffnet. Vielleicht bist Du jemand, der über einen solchen Weg nach Anerkennung sucht, vielleicht bist Du jemand, der grundsätzlich iimmer viele "Baustellen" auf einmal bearbeitet, vielleicht auch beides und vielleicht ist der Ursprung Deiner Sucht sogar irgendwo darin begründet. Ich weiß nicht. Möglicherweise hilft es Dir aber, wenn Du erst mal ein wenig zur Ruhe kommst. Ich finde es wirklich prima, dass Du Dich hier im Forum angemeldet hast um Dich auszutauschen. Ich bin mir auch sicher, dass Du von den vielen Erfahrungen hier, von den Tipps die Du erhälst, sehr profitieren kannst. Dafür sind wir ja auch hier.

    Meine Erfahrung mit meiner eigenen Sucht, mit meinem eignenen Suchtausstieg ist, dass ich die vielen neuen Erkenntnisse und Eindrücke die besonders in den ersten Monaten quasi auf mich eingeprasselt sind, erst mal setzen lassen musste um sie dann für mich zu "priorisieren". Da waren Dinge dabei, die mich sehr belastet haben, die mir sehr wichtig erschienen. Und dann gab es auch Dinge, die mich zwar auch beschäftigten, die ich aber als vergleichsweise untergeordnet gesehen habe. Und so habe ich versucht, immer eines nach dem anderen anzugehen und abzuarbeiten. Mit manchen Dingen habe ich mich auch erst dann beschäftigt, wenn sie aktuell waren. Als Beispiel kann ich hier "was tue ich eigentlich wenn mir jemand bei entprechender Gelegenheit etwas alkoholisches zum Trinken anbietet" nennen. Damit habe ich mich relativ spät beschäftigt, denn erst mal war klar: Ich besuche erst mal keine Veranstaltungen wo getrunken wird, ich habe gerade ganz andere Probleme zu bewältigen.

    Das sollte jetzt nur ein Beispiel sein. Für mich war sehr früh klar, dass ich an den Grund meiner Sucht kommen wollte. Wieso bin ich da hinein gerutscht? Ich dachte mir: wenn ich das verstehe, dann kann ich für mein künftiges Leben Strategien entwickeln um das dauerhaft zu verhindern. Und auch relativ früh machte ich mir Gedanken über mich selbst. Wer ich eigentlich bin und wer ich gerne sein möchte. Und was ich noch erreichen möchte im Leben, wie ich mich als Persönlichkeit noch entwickeln möchte, was für mich eigentlich Zufriedenheit oder Glück bedeutet und wie ich das erreichen könnte.

    Mit diesen Gedanken war ich lange und sehr intensiv beschäftigt. Um erst mal mit mir selbst wieder ins Reine zu kommen. Nur ganz wenige Menschen von außen waren daran beteiligt denn nicht mit jedem kann man solche Gedanken diskutieren. Da gab meinen besten Freund, dessen oft pragmatische Meinung mir wichtig war, da gab es einen Psychotherapeuten, der mir in Teilen hilfreich war, da gab es einen Mönch, mit dem ich tiefgreifend diskutieren konnte. Das alles lies mich klar werden und zeigte mir einen Weg auf den ich sehr gerne gehen wollte.

    Zu dieser Zeit hatte ich meine SHG, nicht diese hier (als ich hier ankam war ich schon länger trocken und ich kam ohne akute Not). Es war eine analoge SHG. Sie diente mir dazu, einen direkten Erfahrungsaustausch zu pflegen, Fragen bezüglich der Sucht beantwortet zu bekommen, war für mich ein Ort, wo ich die ersten Wochen und Monate Abends "aufgeräumt" war, wo es wirklich intensiv um das Thema Alkoholsucht ging. Tiefgreifende Diskussionen bezüglich des Sinns meines Lebens hätte ich dort nicht führen wollen, wahrscheinlich auch nicht führen können.

    Aber letztlich waren es diese tieferen Gedanken, die mich wirklich voran brachten und die durch die daraus gewonnenen vielen Erkenntnisse dann dazu führten, dass der Alkohol immer mehr aus meiner Wahrnehmung verdrängt wurde. Denn in diesen Gedanken, in diesem für mich neuen Weg, den ich so gerne gehen wollte, hatte der Alkohol überhaupt keine Bedeutung mehr. All die Strategie die ich natürlich hatte um keinen Alkohol mehr trinken zu müssen traten langsam in den Hintergrund, weil ich von innen heraus spürte, dass ich keinen Alkohol mehr trinken wollte. Man könnte sagen, mir ist der Sinn, weshalb ich Alkohol trinken könnte, abhanden gekommen. Nach und nach und das war ein längerer Prozess. Die besondere Herausforderung hierbei waren die Situationen, in denen ich positive Erinnerungen mit Alkohol verband. Denn diese hatte und habe ich natürlich nach wie vor. Z. B. das Glas Rotwein im Urlaub bei Sonnenuntergang oder die vielen schönen Gespräche mit Freunden bei einem Bier.

    Heute ist es so, dass ich diese Gespräche mit Freunden nach wie vor (oder wieder) führen kann. Ohne Alkohol, auch wenn diese ein Glas dabei trinken. Und es ist wunderbar diese Gespräche zu führen. Ich kann Sonnenuntergänge genießen und denke dabei nicht wie schön jetzt ein Glas Rotwein wäre. Ich genieße einfach nur den Augenblick, das eigentliche Ereingis.

    Was ich Dir damit sagen möchte: Arbeite Deine Sucht auf, in Ruhe, in Deinem Tempo. Gehe einen Schritt nach dem anderen aber gehe diese Schritte konsequent. Lass Dir dabei helfen, welche Hilfe für Dich sinnvoll ist und welche Dich eher nicht weiter bringt wirst Du schnell heraus finden. Manchmal brauchts auch unterschiedliche Arten von Hilfe in den unterschiedlichen Phasen des Suchtausstiegs. Das ist ganz normal. Jeder ist anders, jeder darf seinen Weg selbst finden.

    Ich wollte Dir einfach nur ein paar Denkanstösse geben. Du hast ja schon den richtigen Weg eingeschlagen, Du willst etwas gegen Deine Sucht unternehmen. Jetzt geht es m. E. für Dich darum, den passenden Weg zu finden um dauerhaft ohne Alkohol leben zu können und vor allem leben zu wollen.

    Alles Gute wünsche ich Dir.

    LG
    gerchla

    Hallo Simba,

    jetzt hast Du ziemlich viele und vor allem sehr deutliche Rückmeldungen erhalten. Ohne diplomatische Umschreibungen sondern ganz klar und deutlich formuliert.

    Wenn ich zurück blicke auf Deine ersten Posts hier, also auf die Zeit bevor Du mit ihm nach Kanada gegangen bist, dann vermute ich, dass derart deutliche Worte nicht in der gleichen Weise bei Dir angekommen wären als sie das jetzt tun. Ich denke damals hättest Du Dich angegriffen gefühlt, missverstanden und wahrscheinlich hättest Du Dich zurück gezogen oder zurück "geschossen". Jetzt jedoch reagierst Du so:

    Zitat

    Danke für die ganzen Meinungen/Erfahrungen! Das macht leider alles hier wenig Hoffnung :-\.

    Das zeigt mir, dass Du einen großen Schritt in Deiner persönlichen Entwicklung gemacht hast. Bezogen auf die Situation und die damit verbundene Beziehung zu Deinem Partner. Du hast erkannt und hoffentlich auch akzeptiert, dass er ein Riesenproblem hat und dass Deine ursprüngliche Hoffnung, Du könntest Dich täuschen und er hat ja vielleicht doch alles im Griff, leider eine falsche Hoffnung war.

    Nun geht es m. E. für Dich darum, weitere wichtige Erkenntnisse zu gewinnen und die daraus folgenden Konsequenzen auch umzusetzen. Die Situation in der Du Dich gerade befindest halte ich für mehr als besch...en, um es mal so deutlich zu sagen. Das was Du berichtet hast lässt mich den Kopf schütteln und gleichzeitig löst es Alarm in mir aus. Eine weitere Bestätigung, dass Du hier in einer für Dich höchst schädlichen Beziehung steckst brauchst Du sicher nicht.

    M. E. kann es für Dich jetzt nur darum gehen, Dich schnellstmöglich aus dieser Beziehung zu lösen, wenigstens aber darum Dich abzugrenzen und aus der "Gefahrenzone" zu begeben. Meine Vorschreiber haben es ja bereits sehr deutlich formuliert. An der Situation Deines Partners kann sich nichts ändern so lange er trinkt. Keine Therapie wird greifen soilange die Sucht nicht zum Stillstand gebracht wurde. DU wirst seine Sucht aber keinesfalls zum Stillstand bringen, bitte sei Dir dessen stets bewusst. Das kann nur er alleine. Diese Erfahrung habe ich als Alkoholiker selbst gemacht, das werden Dir alle Angehörigen hier bestätigen und ich habe es von ganz vielen Menschen mit denen ich mich seit meinem Ausstieg gesprochen habe nie anders gehört. Also bitte nimm es an, denn es ist leider so. Du kannst ihn nicht trocken legen.

    Nun hat er ja aber gleichzeitig noch ein zweites, ganz großes Problem. Nämlich PTBS. Das alleine, ohne seine Süchte (er scheint ja auch Polytox zu sein und nicht "nur" alkoholsüchtig) ist schon eine ganz große Herausforderung, nicht nur für den Betroffenen sondern auch für einen Partner. Die Kombination ist nahezu fatal, aber, soweit mir bekannt, gar nicht so selten. Leider dienen Alkohol und auch andere Drogen oft dazu, andere psychische Erkrankungen zu verdrängen um sie quasi "erträglich" machen zu können. Ein fataler Irrglaube, wie Du sicher aus Deinen eigenen Erfahrungen jetzt auch sehen kannst.

    Was bleibt Dir also nun? Auch wenn ich mich wiederhole, Du kannst nur auf Dich selbst schauen. Bei den vorliegenden Informationen glaube ich nicht, dass Du noch irgendwas tun kannst. Wenn dann ist er jetzt dran. Müsste erst mal seine Sucht zum Stillstand bringen. Proaktiv, von sich aus. Nur dann, aber auch das solltest Du Dir gut überlegen, hätte es m. E. überhaupt einen Sinn das Du ihn auf diesem Weg begleitest. So wie Du die Lage jedoch schilderst, wirst Du Dir darüber keine Gedanken machen müssen. Ich denke er wird nichts ändern und somit wahrscheinlich noch tiefer in die Sucht und die damit verbundene Abwärtsspirale rutschen.

    Wenn Du nicht mit hineingezogen werden möchtest musst Du Entscheidungen treffen. Für Dich und Dein Wohlbefinden. Gut finde ich das hier:

    Zitat

    ( Nein ich stecke hier nicht fest, ich kann jederzeit nach Deu zurück)


    Damit steht Dir ein Weg offen, der Dich Dir auch räumlich eine große Distanz verschaffen würde. Ich denke, das ist für Dich die letzte Option, ich finde es jedoch sehr gut, dass Du diese Option hast. Viellieicht entpuppt sich diese Option für Dich bald als die einzig sinnvolle...

    Hierzu möchte ich Dir auch noch etwas schreiben:

    Zitat

    Er geht zum Psychiater und Psychotherapeuten und ich denke ich sollte ihm eine Chance einräumen bevor ich die Zelte hier


    Ich schrieb es schon und ich schreibe es nochmal: Meiner Meinung nach kann ein nasser Alkoholiker nicht erfolgreich von einer anderen psychischen Erkrankung therapiert werden. Die Chance die Du ihm also bestenfalls einräumen kannst, ist die, dass er von sich aus aktiv einen Schritt nach dem anderen macht. Erst seine Sucht (Süchte) zum Stillstand bringt, anschließend seine PTBS behandeln lässt. Wenn Du darauf wartest, dass sich durch seine aktuellen Besuche beim Psychiater "einfach so" etwas ändert, dann wirst Du wahrscheinlich vergeblich warten. Es liegt also an Dir, wie viel Zeit Du ihm "geben" willst, um sich auf den Weg zu machen. Wie lange Du bereit bist, in der aktuellen Sitation noch auszuharren. Für mich, mit meinen Erfahrungen, gäbe es hier keinen Spielraum: Entweder sofort und unverzüglich oder ich würde meine Konsequenzen ziehen...

    Es ist nicht so, dass ich Deine Gefühle und Dein Verhalten nicht auch nachvollziehen könnte. Du liebst ihn (nehme ich mal an), kennst ihn als tollen Menschen und es scheint auch (teilweise) ein blindes Verständnis da zu sein. Sowas will man nicht einfach hinwerfen, da käme man sich auch ziemlich schäbig vor. Und natürlich denkt man auch, es kann doch nicht sein, dass ich da nichts erreichen kann und gerade die Liebe kann doch gemeinhin Berge versetzen! Die Wahrheit ist: Die Sucht ist i.d.R. deutlich stärker als die Liebe! Bestenfalls könnte Dein Rückzug bei ihm eine Änderung, ein Nachdenken seinerseits auslösen, was im Idealfall dazu führen könnte, dass er sich entschließt etwas zu unternehmen. Weil er Dich eben nicht verlieren möchte. Es kann aber auch jederzeit sein, dass sich gar nichts ändert und das für ihn einfach alles so weiter geht wie bisher. Nur dann halt ohne Dich.

    Ich wünsche Dir, dass Du die richtigen Entscheidungen treffen kannst.

    LG
    gerchla

    Hallo Ginster,

    also nachdem was ich jetzt von Dir gelesen habe denke ich, dass bei der ganzen Geschichte der Alkohol eher eine untergordnete Rolle spielt. Mag sein das dieser Mann alkoholsüchtig ist (sich vielleicht auch im Endstadium befindet) aber das kann ja nun niemand ändern, so traurig und schlimm es für ihn ist.

    Ich habe wirklich viel überlegt, aber ich weiß jetzt auch nicht, wie wir Dir hier richtig helfen könnten. Das ist ja ein Forum für Alkoholiker und natürlich auch für Angehörige. Jetzt könnte man Dich im weitesten Sinne dann schon als Angehörige eines Alkoholikers bezeichnen aber andererseits weißt Du von diesem Menschen eigentlich nicht viel. Außer das was er Dir erzählt hat, wobei Du hier auch nicht sicher sein kannst das es der Wahrheit entspricht. Du kommunizierst ja mit einem unbekannten und das offenbar schon sehr lange. Da sich dieser jetzt offensichtlich zum Negativen verändert und angibt er wäre Alkoholsüchtig und läge quasi im Sterben bist du hier gelandet.

    Das ist schon ok aber so richtig erschließt sich mir die Problematik speziell bezogen auf seine Sucht und das was diese mit Dir macht dann leider doch nicht. Im Grunde hast Du Dir ja schon selbst die Antworten gegeben. Du schreibst selbst das Du weder glaubst das Du ihm helfen kannst noch das Du ihm helfen musst.

    Ergänzend könnte ich noch schreiben: Und ihm nicht helfen kannst. Und damit liegst Du bezogen auf den Umgang mit einem Alkoholiker grundsätzlich richtig. Problem erkannt, Problem gebannt!

    Ich denke halt nur, dass Dich irgend etwas antreibt, was mit der Alkoholsucht dieses Menschen eigentlich gar nichts zu tun hat. Ich habe es Dir ja schon geschrieben, an Deiner Stelle würde ich wissen wollen warum mich das so beschäftigt. Aber das ist natürlich Deine Sache.

    Ansonsten wünsche ich Dir, dass Du gut klar kommst, die richtigen Entscheidungen triffst und dann gut damit leben kannst. Ich habe Dir jetzt nichts mehr zu sagen, ich habe alles gesagt was mir wichtig war.

    Alles Gute!

    LG
    gerchla

    Hallo Ginster,

    herzlich Willkommen bei uns im Forum.

    Wow, also eine Geschichte wie die Deine ist mir bisher noch nicht unter gekommen.

    Ich will's mal in meine Worte fassen:

    Du machst Dir Gedanken oder Sorgen um einen Menschen, denn Du persönlich nicht kennst, also noch nie in Deinem Leben getroffen hast. Das kann ich erst mal nachvollziehen, weil ich bis vor kurzem auch Kontakt zu einem Menschen hatte, den ich persönlich nicht kannte und wo ich mir auch echte Sorgen gemacht hätte, wenn ich das Gefühl gehabt hätte, diesem Menschen geht es plötzlich total schlecht.

    Aber, mich verbinden mit diesem Menschen sehr viele Gemeinsamkeiten. Wir pflegen einen harmonischen und guten Austausch, haben ähnliche Werte, können Erfahrungen teilen und haben ein Gefühl des Vertrauens. Bei dem was Du schreibst klingt das jetzt aber ganz anders.

    Daraus werde ich nicht ganz schlau, wenn ich ehrlich bin. Ich möchte Dir hierzu aber auch folgendes schreiben:

    Sollte dieser Dir unbekannte Mensch tatsächlich ein Alkoholiker sein, dann erklärt das natürlich einerseits viele seiner Verhaltensweisen (wobei diese auch nicht Alkoholikern zu eigen sein können), es bedeutet aber auch andererseits, dass Du nicht mal die Hälfte davon glauben darfst. D. h. Du kannst Dir nie sicher sein ob er die Wahrheit schreibt oder nur an Dir herummanipuliert. Leider ist das Manipulieren bei Alkoholikern Gang und Gäbe.

    Warum er das tun sollte, wo er Dich ja auch nicht kennt, ich weiß es nicht. Vielleicht geht es ihm um ein wenig Aufmerksamkeit in einem ansonsten eher ereignislosen Leben? Aber sag mal, worum geht es denn Dir eigentlich? Warum ist es Dir so wichtig heraus zu finden was mit diesem Menschen los ist? Was gibt er Dir eigentlich, dass Du Dir erhebliche Mühe machst um ihn irgendwie verstehen zu können? Und warum nimmst Du es hin per Mail oder wie auch immer beleidigt zu werden und entschuldigst (?) das mit seiner Alkoholsucht? Warum tust Du das?

    Schau mal auf Dich selbst und höre mal in Dich hinein was Dich dazu bewegt, dieses vermeintliche Schicksal eines Menschen den Du nicht kennst und der (nach Deiner Beschreibung) eher negativ für Dich ist, so zu hinterfragen. Warum Dich das so beschäftigt. Vielleicht bekommst Du darüber eine Antwort wie Du Dich weiter in dieser Angelegenheit verhalten solltest, welches Verhalten gut für Dich wäre.

    Grundsätzlich: Sollte es stimmen was er Dir schreibt, also mit der Sucht und dem Sterben usw. dann wirst Du das akzeptieren müssen.

    Wenn ich in Deiner Situation wäre würde ich mich fragen, warum mich dieser Mensch so derart beschäftigt, noch dazu wenn ich bereits in einer Beziehung bin. Das würde mich wirklich sehr beschäftigen. Und vielleicht solltest Du Dir auch die Frage beantworten, was er Dir gibt was Du anderweitig nicht bekommst.

    Viele Fragen meinerseits. Auch ein wenig indiskret, deswegen geht es mir auch gar nicht um eine Antwort von Dir sondern mehr darum Dir Denkanstösse zu liefern. Noch ein letzter Gedanke von mir: Es könnte sein, dass die ganze Geschichte mit dem Alkohol an sich gar nicht allzu viel zu tun hat, zumindest was Deine Seite betrifft. Vielleicht geht es eher um Grundsätzliches, nur das dieser Mann halt gleichzeitig ein Alkoholproblem zu haben scheint.

    Alles Gute wünsche ich Dir und das Du die richtigen Entscheidungen treffen kannst.

    LG
    gerchla

    Hallo Erdbeerherz,

    ich finde es prima, dass Du hier weiter schreibst! Du kannst Dich im Moment noch nicht durchringen zu einem Arzt zu gehen, aber Du kannst hier schreiben wie es Dir geht, was Dich bewegt, was Du denkst und wir werden Dir unsere Meinung dazu schreiben. Jeder von uns in seiner persönlichen Art.

    Wie Du bemerkt hast, haben meine Vorschreiber schon versucht Dir die Angst zu nehmen doch den Schritt zu seinem Arzt zu wagen. Weißt Du, wir waren hier ja irgendwie alle mal an dem Punkt wo Du jetzt bist. Ganz sicher waren wir nicht ganz genau in der selben Situation, aber wir waren alle mal an dem Punkt wo wir eine Entscheidung treffen mussten oder auch wollten.

    Es geht dabei um eine der wichtigsten Entscheidungen in Deinem Leben. Frei übersetzt entscheidest Du Dich entweder für das Leben oder den Tod. Wir trockenen Alkoholiker haben uns für das Leben entschieden. Der Tod wird uns noch früh genau ereilen und zumindest ich denke, ich muss das nicht durch die Ausübung meiner Sucht beschleunigen.

    Naja, alles blabla wirst Du Dir jetzt vielleicht denken. Aber ganz ehrlich: Ich bin mir nicht sicher ob ich heute noch auf dieser Welt wäre, wenn ich damals nicht die Weichen in Richtung Leben gestellt hätte. Auf jeden Fall, das kann ich mit Sicherheit sagen, wäre ich ein desolates Wrack, das ich ja damals auch schon war. Nur dass es heute nach vielen weiteren Jahren mit Alkohol ganz sicher noch viel schlimmer wäre. Wie gesagt, wenn überhaupt...

    Aber ich kann trotzdem nachvollziehen was da in Dir gerade passiert. Denn bei mir waren auch einige wirklich ganz schlechte Jahre, auch mit körperlich eindeutig dem Alkohol zuzuschreibenden Nebenwirkungen, nötig, bis ich soweit war und nicht mehr wollte. Dabei war mir auch klar, dass die Tatsache das ich mich nicht mehr auf den Bauch legen konnte ohne erhebliche Schmerzen zu spüren, nicht daran lag, dass ich gerade mal zu viel gegessen hatte. Und das mein morgendliches Erbrechen nach den ersten Bieren nicht daran lag, dass ich was schlechtes gegessen hätte.

    Aber trotzdem konnte ich mir nicht vorstellen mich irgendwem gegenüber zu öffnen. Ich machte das alles mit mir selbst aus. Und trank weiter, war ja eh schon alles egal. Schon interessant, was einem die Sucht da so ins Hirn pflanzt.

    Da bist Du ja schon ein Stück weiter und kannst Dich hier öffnen! So und jetzt möchte ich Dich auch motivieren den nächsten Schritt zu tun. Ich habe es Dir ja schon geschrieben, ich denke Du hast einiges zum Aufarbeiten. Ich bin aber auch davon überzeugt, wirklich davon überzeugt, dass Du das hinbekommen kannst und Du wirst danach ein Leben führen können wie Du es Dir heute nicht vorstellen kannst. Das "einzige" was Dich daran hindert ist Deine aktive Alkoholsucht, ist Dein längst gescheiterter Versuch all Deine Baustellen und Probleme mit Hilfe des Alkohols zu verdrängen. Du hast längst verstanden, dass der Alkohol Dir keinen Millimenter weitergeholfen hat und auch niemals weiter helfen wird. Sonst würdest Du hier nicht schreiben.

    So und jetzt überwinde Deine Scham und öffne Dich den Menschen gegenüber, die nichts anderes tun werden als Dir zu helfen. Der Arzt steht dabei an vorderster Stelle. Es ist keine Schwäche sich zu öffnen, es eine wahnsinnige STÄRKE. Und nur wer diese Stärke hat, wird mit dieser Sucht fertig.

    Ich wünsche Dir das Du zu diesen Menschen gehörst!

    LG
    gerchla

    Hallo Simba,

    oh, das sind leider keine schönen Nachrichten von Dir. Ich will mal auf ein paar Dinge eingehen.

    Zitat

    Ich habe ihn auch drauf angesprochen er hat es auch seinem Psychiater erzählt ( er ist rhetorisch sehr geschickt, er hat gesagt er trinkt aber noch nicht so viel das es ein Problem wäre

    Kannst Du glauben, musst Du aber nicht. Jetzt, wo Du Dir selbst sicher bist das er (leider) ein echtes Problem hat musst Du auch damit rechnen, dass Du manipuliert wirst. Zumindest kenne ich aus meiner Erfahrung heraus zahlreiche Geschichten (inkl. meiner eigenen) in denen Angehörige durch den trinkenden Partner massiv minipuliert werden. Dazu gehört dann natürlich oft auch lügen, vertuschen und manchmal auch betrügen. Also die ganze Palette die benötigt wird um sich sein Suchtleben weiterhin aufrecht erhalten zu können. Das ist leider ein fast immer vorhandenes Merkmal dieser Krankheit.

    Die Tatsache, dass er rhetorisch sehr gesichickt ist spielt ihm hier natürlich auch noch in die Hände. Damit wird er sicher bei allem was er sagt sehr überzeugend rüber kommen. Du solltet damit rechnen, dass vieles davon nicht so stimmt wie er es sagt. Wie gesagt, ich will ihn nicht schlecht reden oder so, das liegt mir fern. Es ist nur das was ich bei mir selbst und aus den Geschichten ganz vieler anderer Alkoholiker und Angehöriger weiß. Das bei Dir jetzt alles anders ist, hmmm.... naja, ich denke die Wahrscheinlichkeit ist sehr gering.

    Zitat

    Er versteckt Wein im Auto, Whisky im Mantel und hat ziemliche Wutausbrüche, primär seinen Eltern gegenüber.


    Ein ganz starkes Anzeichen für eine Sucht. Ich könnte Dir Geschichten erzählen von meinen Verstecken. Natürlich auch das Auto, dafür musste bei mir das Reserverad weichen und in der Mulde ließ sich der Alkohol super verstecken. Im aufgeschichteten Feuerholz im Garten hatte ich einen Hohlraum, voll mit Bier und Wein. War im Winter immer blöd, weil wenns starken Frost gab hatte ich Angst das Zeug könnte auffrieren. Natürlich im Geräteschuppen, im Jetbag der die meiste Zeit im Keller eingelagert war, sogar im nahegelegenen Wald war meist ein- manchmal soger zwei Kästen Bier mit Zweigen getarnt. Ich denke, wenn Du suchen würdest, dann würdest Du noch einiges mehr finden. Aber bitte mache nicht den Fehler und suche danach. Denn das ist die Sache Deines Freundes - wenn er trinken möchte, dann lass ihm seins. Du kannst es nicht ändern. Kümmere Dich um Dich, dazu später noch mehr.

    Was die Wutausbrüche gegenüber der Eltern betrifft: Vielleicht gibt er ihnen ja die Schuld an seiner Situation. Vielleicht haben sie auch "Schuld", weil in seinier Kindheit oder Jugend (oder auch jetzt noch) Dinge passieren/passiert sind mit denen er nicht umgehen kann und die er nun mit Hilfe von Drogen versucht zu verarbeiten / auszuhalten / zu kompensieren. Genau das sollte er herausfinden. Aber das ist eben auch genau das, was man z. B. in einer Therapie macht. Therapien können aber nur erfolgreich sein, wenn die Alkoholsucht zum Stillstand gebracht wurde. Ein süchtiger Mensch kann nicht therapiert werden, und zwar ganz egal von was er therapiert werden soll (Angststörung / Panikattaken / Depressionen / Wutausbrüche). Das ist so und das wird Dir jeder sagen der etwas davon versteht.

    D. h. seine Besuche beim Psychiater können m. E. keinen wirklich durchschlagenden Erfolg haben.

    Zitat

    Ich habe ich im Forum von Verlagerungen der Trinkgründe gelesen. Mir kommt es so vor das er so ein Opferdasein von sich kreiert damit er sein Trinkkonsum rechtfertigen kann. Kann das sein?


    Naja, er hat vielleicht selbst schon bemerkt, dass bei ihm etwas nicht stimmt, das es nicht normal ist, was er so konsumiert, wie er sich verhält. Auch wenn er z. B. Dir gegenüber versichert, dass er alles im Griff hat usw. Die Sucht vor sich selbst zu rechtfertigen hat bei mir einen langen Zeitraum in Anspruch genommen. Ich habe das z. B. dadurch versucht, dass ich immer wieder mal Trinkpausen eingelegt habe (was aber irgendwann mal nicht mehr funktioniert, wenn die Sucht zu weit fortgeschritten ist) und immer wenn ich dann ein paar Tage nichts getrunken hatte, dann sagte ich mir: Ja, also so schlimm kanns ja dann nicht sein. Wenn ich will, dann kann ich ja verzichten.

    Das ist sehr trügerisch. Gleichzeitig habe natürlich auch auf andere geschaut, die noch mehr getrunken haben. Auch das war für mich eine Rechfertigung, weil bei mir war's ja nicht so schlimm. Und noch vieles mehr. Und das alles hat sich aber in meinem Hirn abgespielt. Das hat mein Umfeld gar nicht mitbekommen. Das habe ich alles mit mir alleine ausgemacht. Das ist auch sehr typisch für funktionierende Alkoholiker. Sie wollen ja nicht raus aus der Sucht, sie können sich (noch) gar nicht vorstellen ohne das Suchtmittel zu leben. Es gibt viele Gründe, warum sie lieber weiter trinken als z. B. zum Arzt zu gehen, zur Suchtberatung usw. Denn dann wäre ja die "Tarnung" weg und dann hätte das ja wirklich ernste Konsequenzen. Das diese nur positiv sind, nimmt der Süchtige in diesem Zustand aber nicht wahr. Die Scham spielt dabei bei vielen auch eine ganz große Rolle. Es gilt ja immer noch als großes Zeichen von Schwäche, wenn man alkoholsüchtig wurde.

    Dabei ist das eine Krankheit die sich durch alle Bevölkerungsschichten zieht und die letztlich nichts anderes als eine Erkrankung der Psyche darstellt. Aus meirner Sicht eigentlich die Verlagerung eines psychischen Problems auf die Alkoholsucht ohne jedoch das psychische Problem zu beseitigen. Der Alkohol dient als vermeintliches als Hilfsmittel um das eigentliche Problem wegschieben zu können. Man beseitigt es aber damit nicht, es bleibt und wartet einfach bis der Alkhohol seine Wirkung verliert. Funktioniert am Anfang auch prima, aber dann kommt eben die Sucht ins Spiel und das ganze nimmt eine negativ-Dynamik an die sich gewaschen hat.

    Aber jetzt zu Dir. Du schreibst ja hier, nicht Dein Freund. Was kannst Du jetzt tun?

    Vielleicht klingt das jetzt bitter aber Du kannst für ihn nichts bzw. nicht allzu viel tun. Du hast ihn angesprochen, das ist genau richtig. Er weiß das Du seine Sucht wahr nimmst. Nun kannst Du "nur" auf Dich achten, Deine Bedürfnisse klar machen und diese auch einfordern. Du solltest Grenzen definieren, die er nicht überschreiten darf. Sollte er es doch tun, sollte er wissen, welche Konsequenzen das hat. Diese angekündigten Konsequenzen solltest Du dann auch einhalten, sonst wird er die Grenzen immer wieder überschreiten. Letztlich wirst Du Dir irgendwann überlegen müssen, was Du von Deiner Beziehung erwartest und ob diese Erwartungen erfüllt werden (können).

    Helfen könntest Du ihm erst dann, wenn er selbst etwas gegen seine Sucht unternimmt. Z. B. eine Therapie antritt. Dann kannst Du ihm motivierend beiseite stehen und ihm klar machen, dass Du für ihn da bist. Solange er sich jedoch für's Trinken (und dann ja auch noch die anderen Drogen) entscheidet, wirst Du nur Statistin sein.

    Bitte verstehe mich nicht falsch. Ich will Dich nicht runter machen oder so. Alles was ich schreibe basiert auf eigenen Erfahrungen und den Erzählungen anderer die diese Erfahrungen ebenfalls gemacht haben. Nur deshalb schreibe ich Dir das.

    Ich wünsche Dir, dass Du einen guten Weg für Dich, idealerweise für Euch beide, finden kannst.

    LG
    gerchla

    Hallo Lalelu,

    dann will ich doch gleich mal schreiben was mir beim Lesen Deines Textes so durch den Kopf gegangen ist.

    Also erst mal dazu:

    Zitat

    Ich habe heute nochmal mit meinem Mann geredet und er hat eingesehen (sagt er) das es ziemlich viel war und er möchte nicht mehr trinken. Und das nicht weil ich es will sondern weil er es will. Für sich und für uns.


    Das finde ich jetzt erst mal positiv. Bei dem was ich bisher gelesen habe hatte ich das Gefühl, dass Du gar nicht mehr richtig, sprich sachlich, mit ihm über dieses Thema reden kannst. Er also normalerweise sofort blockiert. Jetzt hat er zumindest mal gesagt das er einsieht, dass er zuviel trinkt und das er es ändern möchte.

    Wie darfst Du das jetzt beurteilen? Hm, also solche Antworten gehören bei Alkoholikern eigentlich zum Standardrepertoire. Oft abwechselnd. Also einmal die tiefe Einsicht und das Versprechen alles ändern zu wollen und dann aber auch wieder das Leugnen oder gar die Schuld auf die nervigen Angehörigen schieben. Also erst mal kannst Du Dir davon nichts kaufen....

    Es kommt jetzt schlicht darauf an was nun folgt. Wenn er alkoholabhängig ist, dann wird es ihm (auf diese Weise) nicht gelingen längere Zeit auf Alkohol zu verzichten. Dann werden es vielleicht wieder ein paar Tage ohne sein und er wird wieder anfangen und Dir aber erklären, dass er ja jetzt soooo lange nichts getrunken hat. Es bräuchte dann also schon etwas mehr von ihm, also z. B. das er mal zum Arzt geht und sein Problem bespricht, dass er mal zur Suchtberatung geht um dort einen weiteren Weg für ihn abzusprechen, dass er mal eine SHG besucht um zu schauen, ob das vielleicht die richtige Hilfe für ihn sein könnte.

    Danach sieht es jetzt nicht aus. Er will erst mal nicht mehr trinken und das darf man ihm wahrscheinlich sogar glauben. Nur das es ihm gelingt, daran zweifle ich schon ein wenig (aber ich wünsche es ihm und Dir, das darfst Du mir glauben!).

    Auch wenn er "nur" Missbrauch betrieben hätte, wird er sich richtig ran halten müssen. Um zurück finden zu können zu einem "normalen" Trinkverhalten, müsste er m. E. jetzt erst mal längere Zeit nichts trinken. Mit längerer Zeit meine ich z. B. mal ein halbes Jahr keinen Alkohol. Wenn ihm das problemlos gelingt sind seine Chancen gut. Allerdings sind Missbräuchler m. E. einer hohen Gefahr ausgesetzt, wieder in alte Muster zurück zu fallen. Weil sie ja die Wirkung des Alkohol durch langen Missbrauch sehr gut kennen. Ich bin deshalb der Meinung, dass auch noch nicht süchtige Menschen, die aber erheblichen Missbrauch betrieben haben, gut daran tun zu ergründen, warum sie das getan haben. Oft wird hier ja dann lapidar "Stress" als DER Grund schlechthin genannt. Aber das ist meiner Meinung nach ein wenig zu einfach gedacht.

    Denn es gibt viele Menschen mit viel Stress/Schicksalsschlägen/Pech im Leben/Jobverlust/etc. Aber nur die wenigsten saufen ihn sich dauerhaft weg. Sie haben also andere, gesunde Mechanismen um diesen diesen Stress, woher auch immer er kommen mag, zu verarbeiten. Wer aus diesen Gründen zum Alkohol greift hat m.E. immer etwas unter der Oberfläche, etwas nicht "sichtbares" (also psychisches) das dafür verantwortlich ist. Und da sollte man ran gehen. Denn klar kann man versuchen so gut es geht die Situationen die zum Trinken führen zu vermeiden, noch mehr wenn man diese dann auch kennt. Aber das Leben ist eben das Leben und man vermeiden so viel man will. Es wird immer schwierige Situationen geben und wenn man mit sich selbst nicht im Reinen ist, wird man schnell auf das bewährte weil bekannte und wirksame Mittel Alkohol zurück greifen.

    Und wenn Du mal nachdenkst, Du hast es ja schon selbst geschrieben: In stressigen Zeiten trank er mehr, als er wieder Arbeit hatte (abgelenkt war, eine Aufgabe, was auch immer) war es wieder etwas weniger. Gehts wieder mal schief, wirds wieder mehr. So kommt man dann da nicht dauerhaft raus. Es gehört aufgearbeitet und das ist ein langer Prozess den wirklich nur die allerwenigsten ohne Hilfe schaffen.

    Zitat

    Ich bin gespannt wie lange das anhält. Wodurch mir gleich wieder eine neue Frage aufkommt.
    Wenn es Missbrauch ist wann wäre es denn OK wieder zu trinken und in welchen maßen?


    Dazu habe ich ja schon ein wenig geschrieben. Also wie lange das jetzt anhält, tja, lass Dich mal überraschen.... Ich weiß es auch nicht. Kann morgen vorbei sein, heute Abend, in zwei Wochen oder vielleicht zieht er es auch durch.

    Zum zweiten Teil Deiner Frage:
    Ich möchte Dir hier mal kurz schreiben was offiziell als unbedinkliches Trinken gilt. Also: Als man "darf" man 24 gr. reinen Alkohols pro Tag konsumieren (als Frau die Hälfte), wobei man pro Woche mindestens an zwei Tagen gar keinen Alkohol zu sich nehmen "darf". Übersetzt bedeutet das: Er könnte pro Tag etwas 1 Bier (0,5 l), je nach Alkoholgehalt evtl. auch 0,75 l) zu sich nehmen müsste aber an zwei Tagen dieser Woche komplett verzichten.

    Das ist nicht viel, gell? Aber jemand der kein Suchtproblem hat findet das ganz normal bzw. trinkt sogar noch viel weniger, siehe Dich selbst z. B.

    D. h. also, wenn er Missbrauch betrieben hat und würde zurück finden, dann könnte einfach mal, weil es ihm schmeckt, zum Abendessen ein Bier trinken, vielleicht sogar mal zwei. Um dann vielleicht die nächsten 10 oder was weiß ich wie viele Tage gar nichts zu trinken und dann wieder mal was, wenn eben ein Anlass dazu besteht.

    Aber dorthin müsste er erst mal kommen. Und das ist auch für "nur" Missbräuchler nicht so einfach. Und dafür gibt es auch Hilfsangebote. Er könnte z. B. ein Trinktagebuch führen um sich selbst damit besser kennen zu lernen, um sich damit auch ein Stück weit zu kontrollieren. Nur muss er dafür halt auch das Bewusstsein haben, er muss es wollen! So könnte er vielleicht zu einer Art kontrolliertem Trinken kommen. Aber nur dann, wenn er nicht schon süchtig ist und auch nur dann, wenn er genug Bewusstsein hat um das überhaupt so disziplierniert anzugehen.

    Du siehst, da sind viele viele Fragezeichen.

    Zitat

    Ich stelle mir auch die Frage wie lange so ein Prozess dauert und wann er über den Berg ist.
    Ich weiß nicht wie ich meine Gedanken momentan in klare Worte fassen soll.


    Und schau, hier ist es wieder, das eigentliche Problem. DEIN Problem. Seine Gedanken drehen sich um ihm und um seine Sucht und Du hättest am liebsten klare Antworten, idealerweise klare Vorgaben wie Du unterstüzten könntest und irgendwie einen Punkt auf den Du hinarbeiten kannst, damit bei ihm wieder alles gut wird. Und somit dann auch bei Dir.

    Ich verstehe das wirklich. Aber das ist nicht das was Dir helfen wird. Damit verknüpfst Du DEIN Wohlbefinden mit seinem Trinkverhalten bzw. mit seiner Sucht. Und damit hast Du schon verloren, denn seine Sucht kannst DU nicht kontrollieren, nicht zähmen, nicht einfangen, nicht abstellen, gar nix kannst Du hier tun.

    Was Du tun konntest hast Du schon getan. Du hast ihn angesprochen, hast es thematisiert, hat es nicht tabuisiert oder unter den Teppich gekehrt. Das war ganz richtig. Nur bringt es nichts, wenn Du das ständig tust. Denn damit bist Du nur die lästige Co-Abhängige die mal wieder nervt und die der Alkoholiker dann irgendwie wieder bei der Stange halten muss. Sei es durch Versprechen, sei es durch Liebesschwüre, durch emotionale Zusammenbrüche oder was auch immer. Die Palette ist breit gefächert, je nach persönlicher Veranlagung zieht der Alkoholiker alle Register. Und der Co-Abhängige lässt es mit sich machen und klammert sich jedes mal ein das Fünckchen Hoffnung, dass es diesmal ja doch ernst gemeint sein könnte....

    Kurz dazu, auch wenn Dir das in Deiner Situation (siehe meine Zeilen oben) nichts bringt:

    Zitat

    Wie habt ihr es geschafft trocken zu werden? Bzw was war der Auslöser?


    Ich trank weit über 10 Jahre abhängig, die meiste Zeit davon heimlich, was für meine Familie aber kein "Vorteil" war. Sie litten genauso unter meiner Sucht als wenn ich offen getrunken hätte. Sie führten ein Leben im ungewissen.

    Ich log und betrog in den letzten Jahren meiner Sucht was das Zeug hält und war ein Meister, ein Godfather der Manipulation (ein "Titel", den man vielen Alkholikern sofort verleihen könnte). Dabei ging es mir immer schlechter. Erst psychisch, dann auch körperlich. Aber das hätte mich niemals zum Aufhören gebracht. Für mich gab es diese Alternative gar nicht, jedenfalls nicht mehr in den letzten 2 - 3 Jahren meiner Sucht. Vorher gab es Versuche was zu ändern, jedoch wurden höchstens Trinkpausen daraus. Mal ein paar Monate, dann paar Wochen, irgendwann nur noch Tage und dann gar nichts mehr. Jedenfalls ging es immer weiter Berg ab, wobei ich nach außen hin immernoch funktionierte. Super Job, erfolgreich, etc. Innerlich war ich ein Wrack, leer und kaputt.

    Warum es an jenem Abend bei mir plötzlich "klick" gemacht hat und ich völlig ungeplant meiner Frau meine Sucht gebeichtet habe und dann auch sofort all meine Lügen und Betrügereien weiß ich nicht. Sie konfronierte mich mit einer schlimmen Geschichte die ich getan hatte. Überlicherweise log ich mich aus diesen Situationen meisterlich heraus, was auch in diesem Fall sicher gelungen wäre. Aber ich wollte nicht mehr.

    Das führte dann also dazu, dass sich von dieser Minute an mein gesamtes Leben veränderte. Ich wusste das auch, es war mir klar und es war all die Jahre vorher für mich immer unvorstellbar gewesen diesen Schritt so zu gehen. In diesem Moment war es mir egal. Nun, was folgte war eine sehr harte Zeit, für mich und noch mehr für meine Familie. Denn nachdem ich trocken wurde trennte ich mich auch sehr schnell von meiner Frau (ja, so herum kann es auch gehen) und ich krempelte mein ganzes Leben um. Das war notwendig, sonst hätte ich es niemals schaffen können dauerhaft ohne Alkohol zu leben. All das was ich dann getan und verändert habe ergab sich aus dem Prozess des Aufarbeitens und des Verstehens meiner Sucht. Das machte ich mit Hilfe von außen aber auch mit sehr viel Arbeit mit mir selbst. Nach etwa einem Jahr war ich mit dem Gröbsten durch, aber noch lange nicht fertig.

    Ich emfpinde mich heute als sehr glücklichen Menschen.

    Nun, liebe Lalelu, das hilft Dir jetzt nicht weiter. Ich kann es nur noch einmal sagen: Du bist der wichtigste Mensch in Deinem Leben (und Dein Kind natürlich). Nimm Dich bitte auch so wichtig und überlass Deinem Mann seine Entscheidungen selbst und triff die richtigen für Dich. Lass ihn nofalls in Liebe los, aber löse Dich um zurück zu Dir und zu Deinen Bedürfnissen zu finden.

    Ja, alles leicht gesagt. Sowas braucht Zeit, das ist mir klar. Aber gehe diesen Weg, Schritt für Schritt, dann wirst Du auch voran kommen.

    LG
    gerchla

    Guten Morgen Lalelu,

    herzlich Willkommen hier bei uns im Forum. Hier bist Du genau richtig!
    Du kannst Dich hier sowohl mit anderen Angehörigen von Alkoholikern als auch mit Alkoholikern selbst austauschen. Ich denke, da kannst Du für Dich und Deine Situation ganz wertvolle Impulse bekommen.

    Ich will mich Dir mal ganz kurz vorstellen, damit Du weißt wer Dir hier schreibt: Ich bin 50 Jahre alt, Alkoholiker, männlich, Papa von drei Kindern und ich lebe jetzt schon lange ohne Alkohol.

    Fühl Dich erst mal virtuell von mir gedrückt. Dein Vorstellungspost hat mir fast die Tränen in die Augen getrieben. Da ich ja selbst Alkoholiker bin und damals meine Familie (das waren Frau und zwei Kinder) sehr unter meiner Sucht leiden mussten, sind die Geschichten von Angehörigen für mich immer besonders bewegend. War ich mir doch als trinkender Familienvater nicht bewusst, was ich da eigentlich anrichte. Diese Erkenntnis traf mich dann, nachdem ich trocken wurde, umso härter und so war meine persönlich Challenge beim Aufarbeiten meiner Suchtgeschichte das Klarkommen mit meinen Schludgefühlen. Aber das ist jetzt nicht das Thema.

    Zurück zu Dir. Ich möchte Dir sagen, dass aus der Beschreibung Deiner Situation, aus der Beschreibung des Verhaltens Deines Mannes, für mich ziemlich klar hervor geht, dass er wohl bereits ein süchtiger Alkoholiker ist. Diese Geschichte hier...

    Zitat

    Wenn er mal 2 Tage nicht getrunken hat dann hält er mir das unter die Nase als ob er eine Gold Medaille gewonnen hat und das er sich nun auch ein Bier verdient hat.

    ... ist so was ganz typisches. Damit betrügt er sich quasi selbst und versucht sich zu beweisen, dass er ja gar kein Problem hat. Ich vermute mal, dass ihm tief in seinem Inneren schon klar ist, dass sein Trinkverhalten nicht normal ist. Er scheint aber noch meilenweit davon entfernt zu sein sich eingestehen zu können, dass er ein ausgewachsenes Alkoholproblem hat.

    Ob er jetzt wirklich tatsächlich Alkoholiker ist (für mich deutet vieles deutlich darauf hin) oder vielleicht doch gerade noch an der Kante des Missbrauchs entlang schrammt kann Dir wahrscheinlich erst mal niemand zu 100% sagen. Jedoch, und das ist das, was mir besonders wichtig ist Dir zu sagen:

    Es macht keinen Unterschied für Dich! Vielleicht fragst Du Dich jetzt: Aber es wäre doch toll, wenn er noch nicht süchtig wäre! Nun, es wäre nur dann toll, wenn er die Erkenntnis hätte etwas ändern zu wollen. Nur dann könnte er vielleicht noch rechtzeitig die Reiißleine ziehen und hätte vielleicht noch die Chance auch irgendwann mal zu einem moderaten Kosum zurück zu finden.

    ABER: Wie gesagt, das darf nicht Dein Thema sein. Denn für Dich und Dein Kind ist das eigentlich nicht bedeutend. Für Dich ist es egal, ob er Dich als Alkoholiker so verhält wie er das aktuell tut oder ob er das als Missbräuchler tut. Er tut es und Dir geht damit nicht gut bzw. Du leidest ganz enorm unter seinem Verhalten. Und genau das darf nicht sein in einer Partnerschaft. Übrigens auch nicht in einer Partnerschaft ohne Alkoholproblem.

    Was bedeutet das jetzt also für Dich? Ich möchte Dir das aus meiner Sicht schildern. Ich denke, dass bedeutet für Dich, dass Du jetzt erst mal erkennen solltest, das es um Dich und um Dein Leben geht und natürlich um das Deines Kindes. Und genau darauf solltest Du Deinen Fokus richten. Lass ihm sein Leben und kümmere Dich um Deines.

    Ich weiß, das hört sich jetzt vielleicht erst mal ein wenig schräg an. Ich kann das verstehen. Aber nur so kannst Du weiter kommen und etwas verändern. Es wird Dir aller Voraussicht nach nicht gelingen ihn zu verändern. Wenn er Alkoholiker ist, was ich stark annehme, dann wird der Alkohol immer die Nummer 1 für ihn sein. Da kommst Du und auch sein Kind erst mal überhaupt nicht ran. Da steht ihr in zweiter Reihe. D. h. nur er allein könnte etwas gegen seine Sucht unternehmen, wenn er das wollte. Aktuell scheint es ja aber so zu sein, dass er überhaupt kein Einsehen hat, dass er überhaupt irgend ein Problem hat. Er scheint also ganz weit davon entfernt zu sein etwas an seiner Situation ändern zu wollen.

    Also kannst Du nur auf Dich und Dein Kind achten. Ich möchte Dir auch dringend empfehlen, eine Suchtberatung, z. B. Caritas, aufzusuchen und Dich dort als Angehörige beraten zu lassen. Dort wirst Du wertvolle Tipps und Hinweise erhalten. Und, wie Du ja schon bemerkt hast, reden mit Menschen die einen verstehen hilft enorm und nimmt etwas Druck und Last weg. Das was Du gerade erlebst erleben leider sehr viele Menschen in diesem Land. Weil es eben so viele alkoholkranke Menschen mit Partnern gibt. Du bist also nicht allein und das was Du hier schilderst habe ich schon so oft geschildert bekommen. Immer mit individuellen Abweichungen natürlich aber im Kern immer sehr ähnlich. Und letztlich habe ich das alles ja auch selbst erlebt, nur eben einfach von der andere Seite aus.

    Ich denke also es geht für Dich darum, Dir einen Plan zu machen, wie Du weiter mit dieser Situation umgehen möchtest. Es geht keines Falls darum, herauszufinden was Du tun könntest damit er mit dem Trinken aufhört, denn das wirst Du nicht schaffen können und das ist nebenbei erwähnt auch überhaupt nicht Deine Aufgabe. Es geht darum für Dich einen Weg zu finden wie Du mit dieser Situation umgehst und wie es Dir möglich wird wieder zu einem lebenswerten Leben zurück zu finden.

    Ich möchte Dich auch noch kurz auf das CRAFT-Programm hinweisen. Google das doch einfach mal. Das ist ein Programm das speziell für Angehörige bzw. Partner von Alkoholikern entwickelt worden, wo der Trinkende eben keine Einsicht hat. Also wie es bei Dir der Fall ist. Sich mit diesem Programm zu beschäftigen macht m.E. dann Sinn, wenn man (also Du) sich noch vorstellen kann, mit dem alkoholkranken Partner weiter sein Leben verbringen zu können bzw. zu wollen. Oft ist es leider so, dass durch die Sucht bereits so viel Porzellan zerbrochen wurde, dass es eigentlich kaum mehr möglich ist, auch wenn der Trinker seine Sucht zum Stillstand bringen könnte, weiter eine vertrauensvolle Partnerschaft zu führen.

    Aber das kannst nur Du selbst entscheiden. Letztlch wirst Du Dir überlegen müssen, welche Konsequenzen Du ziehen wirst oder ziehen möchtest, wenn sich er an seiner Situation nichts ändert. Und genau darüber kannst Du Dich hier aber auch z. B. bei der Caritas informieren bzw. austauschen. Eine Konsequenz könnte auch sein, dass Du Dich trennst. Ein großer, eminent einscheidender Schritt. Aber leider oft auch der einzig sinnvolle. Dazu wirst Du hier sicher viele Geschichten von anderen Angehörigen lesen können.

    Übrigens kann das Einhalten von angekündigten Konsequenzen Deinerseits auch zu einer Verhaltensänderung bei Deinem Mann führen. Denn nur wenn er wirklich am eigenen Leib spürt, dass sein Verhalten tatsächlich (negative) Folgen für ihn hat, kann er einen Anreiz bekommen sein Verhalten zu hinterfragen. Jedoch, das muss ich leider auch sagen, ist das bei weitem nicht immer so. Leider ist es in viele Fällen auch so, dass der Trinker einfach weiter trinkt, also z. B. wenn der Partner ihn verlässt. Manchmal jedoch führt so ein großes Ereignis aber auch zu einem Umdenken und es gibt auch hier im Forum Beispiele wo das passiert ist. Leider aber viel mehr Beispiele, wo es anders lief.

    Und genau deshalb ist es so wichtig, dass es nur um DICH geht. Denn dann ist es letztlich "egal" was er macht. Und Du könntest Dir nur dann neue Gedanken machen, wenn sich bei ihm tatsächlich eine nachhaltige Veränderung einstellen würde. Wenn nicht, wirst Du Dein Leben so leben, wie es für Dich und Dein Kind gut ist.

    So, jetzt habe ich recht viel geschrieben und ich hoffe, es sind ein paar Denkanstösse für Dich dabei. Mehr soll es auch gar nicht sein, denn ich bin nicht in der Lage Dir eine ultimative Wahrheit oder den genau richtigen Weg für Dich zu präsentieren. Es sind nur meine Gedanken, die aus meinen Erfahrungen resultieren.

    Ich wünsche Dir viel Kraft, alles alles Gute und einen guten und hilfreichen Austausch hier bei uns im Forum. Schön das Du zu uns gefunden hast.

    LG
    Gerchla

    Guten Morgen Simba,

    ich hab mal in Deinem anderen Thread gestöbert, was wir damals geschrieben haben. Dabei ist mir das hier aufgefallen:

    Zitat

    ich werde in ca 2 Monaten zu ihm ziehen, somit guck ich das ich mich jetzt schon etwas auseinandersetze, was aber schwierig ist, da ich ja nicht weiß ob er tatsächlich ein Problem hat.

    Du bist jetzt also zu ihm gezogen, so wie Du es angekündigt hattest. Wie beurteilst Du denn die Situation jetzt? Bist Du jetzt der Meinung das er tatsächlich ein Problem hat oder bist Du Dir immernoch unsicher diesbezüglich?

    Im Grunde haben iwr Dir ja in Deinem anderen Thread schon recht viel dazu geschrieben. Natürlich macht es Sinn ihn darauf anzusprechen und ihn zu konfrontieren. Wobei Du es vermeiden solltest ihm Vorwürfe zu machen und am besten mit Ich-Botschaften kommunizierst, also "ich nehme wahr das.... oder ich fühle mich nicht wohl wenn, usw." Du hast ihn ja als reflektieren und intelligenten Mann beschrieben und ich nehme an, er wird dann passende Antworten für Dich parat haben. Letztlich musst Du Dir und Deinen Empfindungen dann vertrauen, also ob Du im glaubst oder nicht. Wenn er alkoholabhängig ist wird er versuchen die Dich zu manipulieren. Ich kenne keinen Alkoholiker der das mit seinem Umfeld nicht getan hätte.

    Bei alle dem solltest Du m. E. aufpassen, dass Du nicht mit in die Suchtspirale hinein gerissen wirst. D. h. Du solltest klare Regeln für Dich definieren was für Dich ok ist und ab wann eine Grenze überschritten ist. Und auch festlegen, was das dann für Dich bedeutet und welche Konsequenzen Du dann daraus ziehen wirst. Anslonsten läufst Du Gefahr in ein sehr gefährliches und lang andauerndes Spiel hinein gezogen zu werden, wobei Spiel wohl das falsche Wort ist.

    Ich wünsche Dir auf jeden Fall, dass er offen reagiert, über sich nachdenkt und selbst zur Erkenntnis kommt etwas ändern zu wollen. Sonst wird' schwer für Dich werden...

    LG
    gerchla

    oh wie schade, Sonnenkind hat sich abgemeldet. Gerade habe ich ihr einen ganz langen Text verfasst. Na den lass' ich dann mal stecken.

    Alles Gute wünsche ich Dir Sonnenkind. Pass auf Dich (und Dein Kind) auf!

    LG
    gerchla

    Hallo Sonnenkind,

    schön das Du hier gelandet bist und Deine Geschichte mit uns teilst!

    Eine Woche ohne, damit hast Du ja schon mal einen Grundstein gelegt! Jetzt will ich Dir mal ein paar Gedanken von mir da lassen:

    Erst mal will ich Dir sagen, dass ich denke, dass Du wirklich schon eine große Leistung vollbracht hast. Du trinkst seit einer Woche keinen Alkohol mehr. Und darauf kannst Du jetzt schon gut aufbauen. Bitte mache aber nicht die gleichen Fehler wie ich sie zahlreich gemacht habe: Nämlich zu glauben, dass es reicht einfach längere Zeit nichts zu trinken und dann wird das schon wieder.

    Mein Gefühl ist, dass Du eventuell in diese Richtung denken könntest. Denn Du willst ja keine Alkoholikerin sein. Naja, ich glaube keiner von uns wollte ein Alkoholiker sein. Was bei mir passierte war folgendes: Ich schaffte es besonders in den ersten 6 - 8 Jahren meiner Sucht immer wieder mal Trinkpausen einzulegen. Anfangs sogar sehr lange, mehrere Monate, später waren es noch Wochen, irgendwann Tage und irgendwann, naja, da ging dann nix mehr.

    Bei einigen Trinkpausen wollte ich einfach "erst mal" nichts mehr trinken, bei anderen war ich entschlossen, nie mehr was zu trinken. Was aber immer fehlte war das Bewusstsein, dass ich wirklich ein echter richtiger Alkoholiker bin und das diese schei...Sucht einfach viel mächtiger ist als ich mir das jemals vorstellen konnte. Und ich war mir nicht darüber im Klaren, dass es eben nicht damit getan ist, einfach nichts mehr zu trinken.

    Erst als ich mir klar darüber wurde, dass ich wirklich ALLES dafür tun will nie mehr trinken zu müssen, konnte ich aus der Spirale aussteigen. Du schreibst, Du suchst eine Gemeinschaft die Dich mal auffängt, wenn es nicht so gut läuft. Bei mir war das eine SHG der AA. Vom ersten trockenen Tag an habe ich diese Gruppe besucht und von da an quasi erst mal täglich. Das gab mir Halt, ich lernte sehr sehr viel über diese Krankheit (ich hatte ja keine Ahnung vorher) und ich konnte alle meine Fragen stellen. Zwar nicht in den Gruppensitzungen (weil AA eine Monologgruppe sind), jedoch davor oder danach, wenn wir noch zusammen saßen. Nach mehreren Monaten verließ ich die Gruppe wieder, aber da hatte ich dann schon zahlreiche andere Hilfe an meiner Seite und war nicht mehr allein unterwegs.

    Dann bin ich natürlich zum Arzt, übrigens mit den gleichen Ängsten wie die, die Du von Dir schilderst. Dann bin ich zum Psychologen, denn ich kapierte schnell: Wenn ich meine Suchtgeschichte nicht aufarbeite, werde ich nicht dauerhauft trocken bleiben können. Alternativ hatte ich noch einige andere Hilfen, die zu schildern habe ich gerade keine Zeit weil ich etwas in Eile bin.

    Diese Aufarbeitung hatte dann zur Konsequenz, dass ich viele tiefgreifende Entscheidungen getroffen habe. Im Nachhinein waren sie alle notwendig und auch richtig. Ich konnte sie nur deshalb treffen, weil ich mich mit mir, meiner Sucht, meinem Leben, meiner (erwünschten) Zukunft beschäftigt habe. Nach etwa einem Jahr war ich mit dem Gröbsten durch aber noch lange nicht fertig.

    Liebes Sonnenkind, es wird Gründe geben, weshalb Du da hinein gerutscht bist. Es wird Mechanismen geben, die Dich zum Alkohol geführt haben und immernoch führen könnten. Es würde mich wundern, wenn Du nicht genau wie ich einiges grundlegendes an Deinem Leben verändern müsstest, um dauerhaft ohne Alkohol leben zu können. Weit mehr also, als nur nicht mehr zu trinken.

    Ich lese, Du bist die Mama eines lebehaften Sohnes, hast Haushalt und arbeitest noch 30 h. RESPEKT aber schaffst Du das alles überhaupt? Ich bin Papa eines lebhaften Sohnes der jetzt aber schon 23 Jahre alt ist. OH was war der lebhaft. Das Wort AHDS schwebte immer im Raum. Eine Herausforderung und damals war ich noch nicht so tief in meiner Sucht verstrickt und meine Frau war längere Zeit auch zuhause....

    Also, ich bin leider in Eile und kann gerade nicht so schreiben wie ich möchte. Aber ein paar Denkanstöße (keiner davon war irgendwie böse gemeint) wollte ich Dir schon mal da lassen. Ich werde Dir wieder schreiben wenn ich mehr Zeit habe bzw. wenn Du das dann auch möchtest.

    In jedem Fall wünsche ich Dir alles alles Gute, dass Du Deinen Weg finden kannst und natürlich einen guten und hilfreichen Austausch hier bei uns im Forum.

    LG
    gerchla

    Hallo erdbeerherz,

    Zitat

    Ich bin schon wieder am trinken, sorry. Darf ich das schreiben?

    Ich weiß ehrlich gesagt gar nicht, ob es hier im Forum offizielle Regeln dafür gibt ob jemand schreiben "darf" wenn er getrunken hat oder gerade noch am trinken ist. Ich habe aber natürlich eine persönliche Meinung dazu. Die möchte ich Dir auch mitteilen.

    Aus eigener Erfahrung halte ich es für nicht sehr sinnvoll sich tiefer mit der eigenen Sucht zu beschäftigen, wenn man sozusagen gerade trinkt oder gar betrunken ist. Die Frage ist natürlich was betrunken jetzt genau bedeutet. Ich sag's mal so: Ich kam mir damals, nach 5 oder 6 Bieren noch völlig klar und nüchtern vor. Später auch nach 7 oder 8 Bieren und manchmal auch noch nach 10 Bieren, wenn sie schön über den Tag verteilt waren. Ich weiß aber nicht, was der Alkomat angezeigt hätte, wenn mich die Polizei mal aus dem Verkehr gezogen hätte. Außerdem erinnere ich mich gut, dass bereits nach ein paar Bieren eine veränderte Wahrnehmung hatte, und auch das was ich dann so äußerte nicht mehr dem entsprach, was ich eigentlich wirklich im nüchternen Zustand dachte oder auch fühlte. Mal abgesehen davon, dass man nach Jahren der Sucht auch mit Null Promille eine nasse Denke hat aber wenn man dann wirklich noch Alkohol im Blut hat ist es ja doch nochmal ne andere Hausnummer. Besonders bewusst wurde mir das immer dann, wenn ich meine WhatsApps vom Vorabend am nächsten Morgen nochmal las.

    Phuuuu, ich trank ja heimlich und keiner wusste von meiner Sucht. Wenn ich mir dann aber mal so manch eine WhatsApp oder SMS-Nachricht in Erinnerung rufe, dann muss ich sagen: Da war einiges dabei, wo ich am nächsten Tag echt Angst hatte, meine "Tarnung" könnte aufgeflogen sein. Und dann noch die WhatsApps die an Personen gingen die diese garnicht erhalten sollten....

    Also, liebe Erdbeerherz, ich würde hier ab einem bestimmten Level nicht mehr schreiben. Aber das ist nur meine Meinung. Für mich wäre es sogar eine Art Regel oder Selbstschutz einfach konsequent zu sagen: ich schreibe nur wenn ich nüchtern bin. Und mir dann aber auch die Zeit nehmen und in diesen Phasen zur Tastatur greifen.

    Und mitlesen geht ja sowieso immer. Oder, wie es mir meine AA-Freunde in meiner SHG gleich am Anfang gesagt haben: "Du darfst auch zu uns kommen wenn du getrunken hast, aber nur wenn du dich ordentlich benimmst". ;)

    Eines möchte ich Dir noch schreiben. Ich weiß ja nicht, wie Du jetzt weiter vorgehen möchtest. Solltest Du mit dem Gedanken spielen, in irgendeiner Form meinen "Vorschlag" im vorhigen Post in Erwägung zu ziehen, dann würde ich an Deiner Stelle versuchen möglichst schnell einen Termin bei einem qualifizierten Arzt zu erhalten. Vielleicht gibt es ja schon einen Arzt Deines Vertrauens wobei ich glaube mich zu erinnern, dass das mit dem Vertrauen nicht so einfach für Dich ist... Aber wie dem auch sein, jedenfalls einen Termin bei einem Arzt, um mit ihm weitere Schritte zu besprechen, zunächst einmal eben auch die Entgiftung. Und bis Du diesen Termin hast würde ich versuchen den Konsum stark zu reduzieren, jedoch nicht komplett einzustellen. Stichwort:Kalter Entzug und die möglichen Folgen.

    Ich kenne einige Menschen die jetzt jahrelang (sogar jahrzehntelang) trocken sind und die genau so angefangen haben. Sie tranken sich sozusagen herunter auf ein relativ niedriges Niveau und überbrückten damit die Zeit bis zur qualifizierten Entgiftung. Sie haben also schon was "gemacht", bevor sie sich dann professionelle Hilfe gegangen sind. Aber sie haben nicht den möglicherweise fatalen Fehler gemacht, einfach selbst komplett aufzuhören und kalt zu entziehen.

    Also, liebe Erdbeerherz, überlege Dir doch mal in Ruhe, welchen Weg Du weiter gehen möchtest. Meine Erfahrung: Einen Plan braucht's auf jeden Fall. Ich brauchte auch einen obwohl ich zu den Glücklichen gehörte, bei denen es quasi ganz plötzlich "klick" gemacht hat und die dann wussten: Jetzt reicht's, ich will nicht mehr - Und so konnte ich sozusagen völlig ungeplant aufhören. Nur eines ist ganz sicher: Ohne einen Plan und intensivster Aufarbeitung meiner Sucht (wieso weshalb warum) im Anschluss wäre ich sicher niemals richtig trocken geworden. Es wäre mal wieder nur eine Trinkpause heraus gekommen und ich hätte mit Sicherheit schnell wieder mit dem Trinken begonnen und wäre aus meinem Elend nicht heraus gekommen.

    Alles alles Gute Dir!

    LG
    gerchla

    Hallo erdbeerherz,

    noch ein verspätetes herzliches Willkommen von mir.

    Bevor ich ein wenig auf Deine Zeilen eingehe möchte ich mich ganz kurz vorstellen.

    Ich bin 50 Jahre alt, männlich, Alkoholiker und lebe jetzt schon länger ohne Alkohol.

    In dem was Du geschrieben hast ist einiges dabei, das mich schon ziemlich nachdenklich gemacht hat. Erst mal Deine Formulierung "vor 55 Jahren geboren aber unerwünscht", das lässt auf eine echt üble Kindheit schließen und eine schwere Last, die Du da zu tragen hast. Dann natürlich Deine Andeutungen, dass Du manchmal Lebensmüde warst, dazu noch die vielen Krankheiten.... Da hat wohl das eine das andere ergeben. Hilfe und vielleicht auch ein wenig Trost hast Du dann im Alkohol gefunden. So wie das wohl bei fast allen von uns der Fall war, wenngleich wir alle völlig unterschiedliche Lebensgeschichten vorzuweisen haben.

    Aber eines haben wir dann doch alle wieder gemeinsam: Niemanden von uns hat der Alkohol geholfen. Jeden von uns hat immer noch tiefer nach unten geführt. Alle waren wir wahrscheinlich anfangs von seiner Wirkung begeistert. Manche von uns haben sich vielleicht auch einfach gar keine tieferen Gedanken darüber gemacht, sind einfach so reingerutscht. Andere haben den Alkohol bewusst eingesetzt, weil er ja zumindest temporär erst mal so wunderbar funktioniert. Und alle die wir hier schreiben kamen irgendwann zu der Erkenntnis, dass es so nicht weiter gehen kann und das der Alkohol eben nicht das hält, was wir dachten das er uns verspricht. Und wir haben die Notbremse gezogen.

    Damit, liebe erbeerherz, gehörst Du, wie wir alle hier, zu der Minderheit an Alkoholikern, die überhaupt mal so weit kommen. Die große Masse trinkt einfach weiter und funktioniert so lange sie eben funktioniert. Um dann irgendwann mal direkt oder inderekt an den Folgen des Alkoholkonsums zu sterben. Du aber hast beschlossen etwas zu unternehmen, es nicht einfach hinzunehmen und weiter zu trinken sondern Du willst etwas ändern. Du möchtes los kommen von dem Zeug. Und das finde ich wirklich toll, denn es ist mehr die Ausnahme als die Regel.

    Vielleicht denkst Du Dir jetzt: Ja aber mir ist doch das hier passiert:

    Zitat

    leider hab ich gestern versagt


    Dazu will ich Dir meine Meinung sagen. Nein, Du hast sicher nicht versagt. Die Sucht war stärker aber jetzt, heute, hast Du hier wieder geschrieben! Und genau so ist es richtig. Weißt Du, ich will mal ehrlich sein. Wenn ich das wenige das ich jetzt von Dir gelesen habe mal so von außen betrachte, dann denke ich, dass Du 55 nicht sehr einfache Jahre hinter Dir hast. Du schreibst von Antidepressiva die Du nehmen musst, Du schreibst auch davon, dass Du das Gefühl hast Dich selbst zerstören zu wollen. Ich glaube nicht, dass es für Dich so einfach sein wird, so mir nichts, dir nichts auf den gewohnten Alkohol zu verzichten.

    Du hast jetzt mehr oder weniger Dein Leben lang mit Hilfe des Alkohols versucht die Realität irgendwie so hinzubiegen, dass Du sie einigermaßen ertragen kannst. Auch das ist Dir, so lese ich es jedenfalls, trotz (oder auch wegen) des Alkohol nur mit sehr mäßigem Erfolg gelungen. Die Menge die Du seit langer Zeit konsumierst ist eine ganz erhebliche. Alleine die Tatsache das Du jetzt einfach alles auf einen Schlag weg lässt birgt schon mal größte Gefahren. Was Du damit tust ist nichts anderes als kalt zu entziehen. Und ein kalter Entzug kann eine sehr sehr gefährlich Angelegenheit werden.

    Unabhängig davon will ich Dir aber sagen, dass Du für die Aufarbeitung all dessen was Du in Deinem Leben offenbar bereits erlebt und hinter Dir hast, unbedingt Hilfe von Profis in Anspruch nehmen solltest. Ich glaube bei Dir ist sehr vieles nicht aufgarbeitet. Und da ich auch ein wenig Erfahrung mit Anitdepressiva habe bin ich der Meinung, dass auch damit oft "nur" die Wirkung bekämpft wird, nicht jedoch die Ursache. Letztlich ist das auch genau das was der Alkohol kurzzeitig auch tut. Er verändert unser Bewusstsein, er hebt unsere Stimmung, er lässt uns (zunächst) positiver denken aber er löst niemals die eigentlichen Probleme, niemals und zu keiner Zeit. Damit will ich nicht den Einsatz von Antidepressiva in Frage stellen, nicht falsch verstehen. Das ist besser als in einem dunklen Loch zu versinken. Aber gleichzeitig, so meine Meinung, sollten auch die Ursachen bekämpft werden. So lange Du jedoch trinkst, wird das nicht möglich sein. Deshalb ist Dein Entschluss Deiner Sucht den Kampf anzusagen, das beste was Du tun kannst. Genau richtig!

    Und jetzt bist Du hier, hast einen großen Schritt getan. Hast Dich geöffnet, was Dir, glaube ich zumindest, ganz und gar nicht einfach gefallen ist. Aber Du hast es trotzdem getan. Du hast Dich auf den Weg gemacht und jetzt gehe diesen Weg aber gehe ihn richtig und vor allem konsequent. Und hol Dir die Hilfe, die Dir meiner Meinung auch mehr als zu steht! Und gib dabei nicht auf, siehe dazu diese Zeilen von Dir:

    Zitat

    Hab den Vorschlag in der Rehaklinik erhalten ich sollte Tiefenpsychlogie machen. Hab bereits eine Psychologin aber sie hat wenig Termine man kommt da zu nix.

    Setze es durch! Oder probiere was anderes. Aber keinesfalls resignieren und aufgeben. Kommt überhaupt nicht in Frage. Ich war damals auch bei einem Psychologen dem ich am liebsten bereits bei der ersten Sitzung vom Stuhl gesprungen wäre. Ich tat es nicht, erkannte aber gleichzeitig, dass ich noch andere Hilfe brauchte, wenn ich meine Sucht wirklich überwinden möchte. Und ich suchte mir diese Hilfe, ich gab nicht auf. Du solltest auch nicht aufgeben.

    Wenn Du mich jetzt fragen würdest, wie ich vorgehen würde: Ich würde erst mal zum Arzt gehen, ganz offen über meine Probleme und vor allem auch über die Sucht sprechen. Dort auch besprechen was Du bereits alles getan hast, was Dir vielleicht geholfen hat, was Dir nicht geholfen hat. Vor allem darüber sprechen, wie eine Entgiftung bei Dir aussehen könnte, welche Möglichkeiten es für Dich gibt. Und einen langfristigen Plan machen, wie eine Therapie dann aussehen könnte. Und dann würde ich tatsächlich VERTRAUEN und mich auf den gemeinsam beschlossenen Weg begeben. Damit sich wirklich etwas bei Dir bewegt und zwar nicht nur in Bezug auf Deine Alkoholsucht (die alleine schon eine Riesenaufgabe ist) sondern eben auch auf das Bündel das Du sonst noch so mit Dir herum schleppst und das wahrscheinlich ein Auslöser für Deine Sucht war.

    Ich weiß gar nicht ob ich die richtigen Worte gefunden habe oder ob Du Dir denkst "der Mann hat ja null
    Schimmer". Aber ich kann hier auch nur das schreiben, was mir aufgrund Deiner Schilderungen in den Sinn kommt.

    Ich wünsche Dir auf jeden Fall nur das allerbeste, ganz viel Kraft und Mut und das Du einen (Deinen) Weg finden wirst. Wir begleiten Dich hier gerne weiter. Gleichzeitig will ich Dir ans Herz legen, Dir auch noch andere, professionelle Begleiter zu suchen. Alles alles Gute und einen guten Austausch hier bei uns im Forum!

    LG
    gerchla

    Hallo Maryanne,

    herzlich Willkommen im Forum.

    Ich habe eben Deine Zeilen gelesen. Und ich empfinde es als immer wieder schlimm, wie sehr doch die Sucht den Partner oder auch andere Anghörige mit in die Tiefe reißt.

    Kurz zu mir, nur damit Du weißt wer Dir hier schreibt: Ich bin 50 Jahre alt, Alkoholiker und lebe jetzt schon lange ohne Alkohol.

    Du schreibst ja von Deinem Alter, also das Du 67 Jahre alt bist und das Du deshalb (so interepretiere ich das jetzt mal) viele möglichen Perspektiven oder Optionen für Dich ausschließt. "Wo soll ich denn in meinem Alter noch hin" ist ein Satz oder eine Aussage, der diese Verzweiflung für mich deutlich ausdrückt.

    Ich möchte Dir sagen, dass ich Deine Denkweise durchaus ein wenig nachvollziehen kann, aber ich möchte Dir auch gleichzeitig sagen, dass ich es sehr schade und auch völlig falsch fände, wenn Du in dieser Denke verharren würdest. Ich möchte Dir mal eine kurze Geschichte von der anderen Seite erzählen, von der Alkoholiker-Seite. Es gibt da eine Frau, die ich wirklich gut kenne. Sie ist jetzt Mitte 70. Sie hatte einen großen Teil ihres Lebens ein ziemlich starkes Alkoholproblem, war definitiv eine Alkoholikerin. Irgendwie hat sie immer funktioniert, wenngleich sie natürlich immer wieder phasenweise Komplettabstürze hingelegt hat. Und natürlich litt auch ihr Umfeld unter ihrer Sucht.

    Mit Mitte 60, also vor ca. 10 Jahren, hat sie von heute auf morgen mit dem Trinken aufgehört. Man hätte damals auch gut sagen können: das rentiert sich jetzt auch nicht mehr! Die Hintergründe, etc. würden jetzt hier den Rahmen sprengen, jedenfalls hat sie es geschafft fortan ohne Alkohol zu leben. Wenn ich das mal von außen so betrachte, hat ihr eigentliches Leben erst damit begonnen. Und die 10 Jahre die sie bis jetzt hatte, die erscheinen mir von außen betrachtet als ein Ewigkeit. Ich kann und will mir nicht vorstellen wo sie heute wäre, wenn sie weiter getrunken hätte.

    Damit will ich Dir sagen, dass Du Dich nicht wegen Deines Alters aufgeben darfst. Im Gegenteil, wenn nicht jetzt, wann denn dann? Dietmar hat Dir ja schon geschrieben, dass er Dir Kontaktadressen für Hilfsangebote zukommen lassen würde. Nutze doch dieses Angebot bitte. Lass Dir auch von außen helfen. Es ist ja nicht so, dass Du die einzige Frau in den 60ern wärst, deren Mann ihr das Leben durch seine Sucht zur Hölle macht. Sucht im Alter ist ein häufig tabuisiertes Thema das aber omnipräsent ist in unserer Gesellschaft. Und es gibt dazu auch Hilfsangebote.

    Ich kann mir vorstellen, dass es nicht einfach für Dich ist Dich hier zu öffnen, die Angebote auch wahr zu nehmen. Aber jetzt hast Du schon mal einen ersten Schritt gemacht indem Du Dich hier bei uns angemeldet hast. Jetzt gehe Deinen Weg weiter, mit Unterstützung, nicht alleine.

    Eines noch:

    Zitat

    .Was soll und kann ich gegen seine Sucht denn nur tun?


    Von diesem Gedanken solltest Du Dich unbedingt befreien. Es ist überhaupt nicht Deine Aufgabe etwas gegen seine Sucht zu tun. Das muss er schon schön selbst erledigen, wenn er das möchte. Aber vielleicht will er ja gar nicht, vielleicht will er einfach trinken. Lass ihm sein's.

    Und kümmere Dich nur um Dich. Du kannst nur auf Dich und Deine Bedürfnisse schauen. Und wenn das für Dich bedeutet, dass Du Dich mit 67 Jahren von Deinem Mann trennen musst, dann geht es nicht darum Gründe zu finden, warum das Schwachsinn ist und nicht geht, sondern es geht darum, wie Du es umsetzen kannst. Man kann keine Ziele erreichen, wenn man sich nur vor Augen hält warum man sie nicht erreichen kann.

    Ich weiß das ich mich sehr leicht rede. Ich finde aber, dass man gerade als schon etwas älterer Mensch ganz besonders auf seine Bedürfnisse achten sollte. Das Leben ist eben nicht unendlich und umso wichtiger ist es doch, dass man die Zeit die einem vorbestimmt ist, so glücklich wie eben möglich verbringt. Ich persönlich kenne tatsächlich niemanden, der ein glückliches Leben an der Seite eines Alkoholikers geführt hätte.

    Ich wünsche Dir alles alles Gute und einen guten Austausch hier im Forum.

    LG
    gerchla

    Liebe Lilly,

    herzlichen Dank für Dein wunderbares Update. Ich freue mich sehr für Dich. Und ich finde es wirklich toll von Dir, dass Du hier, nachdem Du ja jetzt wirklich so viel geschafft hast und die schlimme Zeit hinter Dir gelassen hast, weiter ab und an berichtest. Damit machst Du allen Mut, die noch nicht so weit sind wie Du oder die sich nicht vorstellen können, jemals so weit zu kommen.

    Und es geht eben doch!!! Sowohl auf Seiten der Alkoholiker als auch auf Seiten der Angehörigen. Es ist kein einfacher Weg aber es lohnt sich ihn zu gehen!

    Liebe Lilly, danke dafür, dass Du als "Mutmacherin" für andere noch hier schreibst.

    Und Dir ganz persönlich wünsche ich, dass es weiter so positiv voran geht und das Du alle eventuell doch noch auftretenden Problemchen und Probleme mit Deiner neu gewonnenen Selbstsicherheit und Deinem Selbstbewustsein meistern kannst. Aber, davon bin ich ohnehin felsenfest überzeugt!

    Alles alles Gute weiterhin!

    LG
    gerchla

    Liebe Sonnenschein,

    ich denke Du hast absolut richtig gehandelt. Und ich wünsche Dir die Kraft standhaft bleiben zu können, sollte er versuchen Dich wieder einzufangen (ich hätte es sicher versucht, mit allen Mitteln). Und noch mehr wünsche ich Dir, dass Du zu Dir zurück findest und dass Du einen Weg finden kannst der Dich eine tolle und positive Zukunft führt.

    Alles alles Gute wünsche ich Dir!

    LG
    gerchla

    Guten Morgen Sonnenschein,

    herzlich Willkommen bei uns im Forum.

    Ich will mich ganz kurz vorstellen: Ich bin 50 Jahre alt, Alkoholiker und lebe jetzt schon länger ohne Alkohol.

    Dietmar hat Dir ja schon seine Sichtweise geschildert und Dir sehr viele interessante Denkanstösse gegeben. Ich möchte dazu einfach noch meine Gedanken ergänzen.

    Ich möchte Dir sagen, dass ich der Meinung bin, dass Du Dich selbst ungebingt als den für Dich wichtigsten Menschen betrachten solltest. Es ist ganz normal, dass sich Deine Gedanken aktuell sehr stark um Deinen Ex-Partner drehen. Du schreibst ja auch, dass Du ihn noch liebst. Da ist es natürlich verdammt schwer Herz und Kopf voneinander zu trennen. Ich kann das gut verstehen wenn Du schreibst, dass man da eigentlich gar nicht objektiv sein kann. Aber Du bist ja jetzt hier bei uns und bekommst hier von uns sowas wie eine objektive Sichtweise. Sicherlich werden wir Dir hier auch keine ultimativen Wahrheiten verkünden können, ich zumindest kann das nicht, denn dafür wissen wir ja auch viel zu wenig.

    Aber wir können aus unseren eigenen Erfahrugnen berichten und Du kannst davon profitieren bzw. diese Erfahrungen auf Deine Situation übertragen und dann selbst abschätzen in wie weit Du damit weiter kommst.

    Als ich das alles von Dir gelesen hatte, das was Du über Eure Beziehung geschrieben hast, über "er wäre Dir verfallen" usw, ich musste tatsächlich ein wenig schmunzeln, allerdings im vollen Bewusstsein, dass es nichts zu lachen gibt und die ganze Sache für Dich bitterer Ernst ist.

    Nur fühlte ich mich ein wenig in meine Trinkerzeit zurück versetzt. Ich möchte es mal vorsichtig formulieren: Als ich noch trank, war ich geneigt Sex und Liebe miteiander zu verwechseln bzw. ich konnte es nur schwer ober gar nicht auseinander halten. Und Sex hatte eine enorm hohe Bedeutung für mich. Eine viel zu hohe Bedeutung. Wenn ich heute zurück blicke, dann muss ich ganz klar sagen, dass ich keine Ahnung hatte, was eine wirklich gute und funktionierende Beziehung eigentlich aus macht. Ich hatte auch wenig Ahnung von Liebe (was mir aber nicht bewusst war) und davon, was eine wirklich erfüllte und harmonische Partnerschaft eigentlich aus macht.

    Nun muss ich aber noch dazu sagen, dass das ja völlig logisch war. Denn meine Sucht ließ ja gar keinen Raum dafür. Ab einem bestimmten Stadium meiner Sucht war diese so dominant, dass sich eigentlich alles nur noch um sie drehte. Natürlich versuchte ich mir das nicht anmerken zu lassen was mir rein oberflächlich gesehen auch gut gelang. Trotzdem ließ ich meine Familie emotional am langen Arm verhungern. Ohne das bewusst zu wollen, aber wie gesagt, alles drehte sich in meinem Kopf nur um: wo und wie kann ich in Ruhe trinken, wie kann ich heimlich Alkohol besorgen, wie kann die Flaschenentsorgungslogistik bewältigen, habe ich noch genug in meinen Vorratsverstecken um über den Tag zu kommen usw.

    Liebesschwüre, Heulanfälle, tiefdramatische Auftritte mit hochemotionalem Inhalt, glaubwürdigste Versprechen das sich alles ändern wird (bei mir bezogen auf mein Verhalten weil ich meine Sucht ja verheimlicht hatte), all das hatte ich standardmäßig im Portfolio. Und ich will dazu sagen, dass ich das in diesen Situationen ja auch durchaus ernst gemeint habe. Was bei mir (und ich denke bei vielen anderen Alkoholikern auch) aber Fakt war: Ich war ja gar nicht mehr in dieser realen Welt unterwegs. Ich war ja längst in meiner Alkoholikerparallelwelt gefangen. Da gelten einfach andere Regeln und andere Maßstäbe. Du kannst Dir das als nicht süchtiger Mensch kaum vorstellen. Für mich ist das auch ein Grund, warum nasse Alkoholiker im Allgemeinen so begnadete Lügner sind. Sie glauben tatsächlich oft was sie sagen und oft ist da dann auch der Wunsch der Vater des Gedanken. Wenn ich z.B. sagte "ich ändere mich, es wir alles gut, alles besser werden", dann glaubte ich das in diesem Moment und war dadurch hochglaubwürdig

    Aber leider kannst Du auf das was ein nasser Alkoholiker sagt absolut nichts geben. Sicher sind auch mal Dinge dabei die "stimmen", aber Du kannst gar nicht filtern wo jetzt Lügen im Spiel sind und wo nicht. Ich wusste es dann zum Ende hin teilweise selbst nicht mehr. Zu viele Lügen bauten auf vorangegangenen auf und immer häufiger wurde ich dann durch diesen "Kontrollverlust" über meine eigenen Lügen ertappt. Und musste mich dann noch aufwendiger wiederrum heraus lügen.

    Du merkst, lügen (und betrügen) sind oft ein häufiger Begleiter dieser Sucht.

    So kann ich Dir nur raten Dich nur um Dich selbst zu kümmern. Und Deinem Ex-Partner seins zu lassen. Achte auf Dich, auf Deine Wünsche und Dein Wohlbefinden. Das hast Du in Deiner Hand. Seines hat er in seiner Hand. Ich weiß dass das nicht einfach ist. Bei Dir sind ja starke Gefühle im Spiel. Aber Du kommst nicht weiter wenn sich Dein Leben um das seine dreht. Im Gegenteil, Du hängst dann mit in seiner Sucht gefangen und gehst schlimmstenfalls mit ihm unter.

    Wenn er seine Sucht tatsächlich zum Stillstand bringen sollte, was Du ihn gerne erst mal eigenverantwortlich überlassen solltest, dann kannst Du in Ruhe neu denken. Wenn Du wirklich seine große Liebe bist (und bleibst), dann wird es vielleicht irgendeine Form von weiterer Zukunft für Euch geben können. Eine Form, die keine Einbahnstraße für Dich ist. Aber darüber solltest Du Dir erst Gedanken machen, wenn es tatsächlich dazu kommen sollte. Alles andere hat m. E. überhaupt keinen Sinn und raubt Dir nur Deine Zukunft.

    Alles alles Gute wünsche ich Dir und einen guten Austausch hier im Forum.

    LG
    gerchla